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Durchfall bei Kindern

Darm Infektionen Baby Durchfall
Schlafendes Baby (kledge / iStockphoto)

Akuter Durchfall bei Kindern zeigt sich in Abhängigkeit vom Alter sehr variabel. Häufig geht er mit einer Abnahme der Stuhlkonsistenz, mit breiigen bis flüssigen Stühlen und/oder einer Zunahme der Stuhlfrequenz mit/ohne Fieber bzw. Erbrechen einher.

Kurzfassung:

  • Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern zeichnet sich durch eine vermehrte Entleerung und veränderte Zusammensetzung des Stuhls aus.
  • Die häufigsten Auslöser sind Viren und Bakterien.
  • Seltenere Ursachen sind unter anderem Entzündungen, Antibiotika, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder chronische Krankheiten.
  • Die wichtigste Maßnahme ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Bei hohem Fieber, starken Bauchschmerzen und anhaltendem Erbrechen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.
  • Das Einhalten spezieller Hygienemaßnahmen kann Durchfall vorbeugen.

 


Was ist Durchfall?

Durchfall (Diarrhö) gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Ursachen dafür sind vielfältig, meist handelt es sich um akute Infektionen, die nach wenigen Tagen abheilen.

Grundsätzlich wird in folgenden Fällen von Durchfall gesprochen:

  • Es erfolgen mehr als drei Stuhlentleerungen täglich.
  • Der Stuhl ist sehr weich bis flüssig, er kann eine andere Farbe haben als üblich und sehr übel riechend sein.
  • Die Stuhlmenge ist deutlich größer als sonst.

Diese generelle Definition gilt für Säuglinge und Kleinkinder allerdings nur eingeschränkt, da die normale Stuhlfrequenz in diesem Alter starken Schwankungen unterworfen ist. So können gestillte Säuglinge bis zu zehnmal täglich, meist direkt im Anschluss an die Stillmahlzeit, Stuhl abgeben. Dieser sogenannte "Muttermilchstuhl“ ist jedoch völlig normal. Nicht gestillte Säuglinge haben normalerweise nur ein- bis dreimal täglich Stuhlgang, Kleinkinder bis 4 Jahre haben oft breiig geformte Stühle zwischen dreimal pro Tag und zwei- bis dreimal pro Woche. Erst bei älteren Kindern und Jugendlichen pendelt sich ein geformter Stuhlgang zwischen zweimal täglich bis zweimal wöchentlich ein.

+++ Mehr zum Thema: Durchfall +++

Welche Ursachen kann Durchfall haben?

Bakterielle und virale Infektionen

Die häufigsten Auslöser von Durchfall im Kindesalter sind virale Infektionen mit Rota-, Noro- oder Adenoviren.

Auch bakterielle Infektionen mit Campylobacter, Salmonellen oder enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) kommen als Ursache infrage.

Bestimmte Viren oder Bakterien zeigen eine saisonale Häufung. Infektionen mit Noroviren werden beispielsweise vor allem im Winter beobachtet, solche mit Rotaviren im Frühjahr und jene mit Salmonellen im Sommer.

Die betroffenen Kinder haben begleitend zum Durchfall oft Blähungen und Bauchschmerzen, daneben können auch Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Kopfschmerzen auftreten.

+++ Mehr zum Thema: Lebensmittelvergiftung nach Erreger +++

Andere Grunderkrankungen

Durchfall bei Kindern kann auch als Zeichen einer anderen Infektion (z.B. Mittelohrentzündung, Harnwegsinfekt, Blinddarmentzündung) oder im Rahmen von Allgemeinerkrankungen wie etwa einer Erkältung auftreten.

Zahnen

Manche Säuglinge entwickeln für 1–2 Tage weiche Stühle, während sie zahnen.

Einnahme von Antibiotika

Während und nach der Einnahme von Antibiotika bekommen ebenfalls viele Kinder Durchfall.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten/Autoimmunerkrankungen

Selten können Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Autoimmunerkrankungen als Auslöser identifiziert werden. Insbesondere wenn der Durchfall über einen längeren Zeitraum besteht oder immer wieder auftritt, sollte an eine der folgenden Ursachen gedacht werden:

  • Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz kann der Milchzucker nur unzureichend verdaut werden, es kommt zu Blähungen, Übelkeit oder Durchfall.

  • Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Bei Zöliakie kommt es nach der Aufnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln (v.a. bei verschiedenen Getreidesorten) zu wechselhaften Durchfällen, meist in Verbindung mit einem stark geblähten Bauch.

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

Diese Autoimmunerkrankungen treten üblicherweise erst im späteren Jugendalter auf, können sich in Einzelfällen aber bereits im Säuglings- und Kleinkindalter manifestieren. Es kommt zu einer Entzündung, die den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann (Morbus Crohn) oder auf den Dickdarm beschränkt bleibt (Colitis ulcerosa). Leitsymptome sind Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Durchfall (auch blutig und schleimig) und ein schlechter Allgemeinzustand.

Wie lange dauert Durchfall bei Kindern?

Die Dauer einer akuten Durchfallerkrankung beträgt in der Regel zwischen fünf und sieben Tagen, in seltenen Fällen bis zu zwei Wochen. Dauert der Durchfall länger als zwei Wochen an, spricht man von chronischem Durchfall, der jedenfalls ärztlich abgeklärt werden sollte.

Welche Komplikationen können bei Durchfall auftreten?

Bei Durchfall verliert das Kind in kurzer Zeit große Mengen an Wasser sowie wichtige Mineralstoffe (z.B. Kalium, Natrium). Ist der Durchfall sehr stark und wird nicht ausreichend getrunken, kann es sehr schnell zu einem ernsten Flüssigkeitsmangel kommen (Exsikkose, Dehydratation).

Ein größeres Risiko für derartige Komplikationen konnte für Rotavirus-Infektionen bei Kindern unter 5 Jahren nachgewiesen werden, was die Wichtigkeit der zur Verfügung stehenden Impfung unterstreicht. Ebenfalls mit einem höheren Risiko behaftet sind Kinder mit Immundefizit, Diabetes, Stoffwechseldefekten, schlechter Ernährung und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Woran erkennt man eine drohende Austrocknung?

  • Sehr trockene Zunge
  • Hautfalte bleibt nach leichtem Zwicken und Anheben stehen
  • Harn auffällig dunkel gefärbt
  • Geringere Harnmenge
  • Benommenheit, Schläfrigkeit

Starke Austrocknung kann an einer sehr trockenen Zunge erkannt werden sowie an der Haut, die nach leichtem Zwicken in Falten stehen bleibt. Auch die Urinausscheidung nimmt ab, der Harn ist auffällig dunkel gefärbt. Dehydrierte Kinder werden rasch schläfrig und benommen, ihnen drohen im schlimmsten Fall Kreislaufzusammenbruch und Nierenschäden. Diese Situation ist sehr ernst und muss schnellstmöglich ärztlich beurteilt und behandelt werden. Generell gilt: Durchfall ist umso gefährlicher, je jünger das Kind und je größer der Wasserverlust ist.

+++ Mehr zum Thema: Anzeichen für Flüssigkeitsmangel beim Kind +++

Wann sollte bei Durchfall ein Arztbesuch erfolgen?

  • Immer bei Kindern, die jünger als 12 Monate sind
  • Immer bei Kindern, die weniger als 8 kg wiegen
  • Fieber > 38 °C bei Säuglingen (< 3 Monate)
  • Fieber > 39 °C bei größeren Kindern (3–36 Monate)
  • Bei bestehenden Grunderkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankung
  • Bei fortwährendem Erbrechen
  • Trinkverweigerung länger als 4 Stunden
  • Starke und häufige Durchfälle
  • Blut im Stuhl
  • Durchfall, der länger als 7 Tage dauert
  • Anzeichen einer drohenden Austrocknung

+++ Mehr zum Thema: Wie viel Hygiene brauchen Säuglinge und Kleinkinder? +++

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Ein wichtiges Hilfsmittel zur Diagnosestellung sind die Angaben der Eltern über das Kind und die vorliegenden Symptome. Aus diesem Grund können sich die Eltern auf folgende Fragen einstellen:

  • Wie alt ist das Kind?
  • Welche Risikofaktoren und Vorerkrankungen liegen vor? (z.B. ehemaliges Frühgeborenes?)
  • Wie lange ist das Kind schon krank?
  • Seit wie vielen Stunden hat es Durchfall, seit wie vielen Stunden erbricht es?
  • Hat es Fieber und wie hoch war die höchste gemessene Temperatur?
  • Wie häufig hatte das Kind in den vergangenen 24 Stunden Stuhlgang?
  • Wie oft hat das Kind in den vergangenen 24 Stunden erbrochen?
  • Trinkt das Kind noch?
  • Scheidet das Kind noch Urin aus?
  • Wie wach ist das Kind?
  • Gibt es Verhaltensauffälligkeiten?
  • Welche Behandlungsmaßnahmen wurden durchgeführt?

Danach wird das Kind gewogen, um einen eventuellen Gewichtsverlust festzustellen, der Bauch wird abgetastet und die Flüssigkeitsreserven des Kindes werden beurteilt. Je nach Verdachtsdiagnose, bei Tierkontakt oder bei der Rückkehr von einer Reise kann eine sogenannte Stuhlkultur erforderlich sein. Dafür wird eine kleine Menge Stuhl in einem Plastikgefäß in ein Labor gebracht und dort auf Bakterien bzw. Parasiten untersucht. Bei schweren Verläufen wird zusätzlich eine Blutuntersuchung durchgeführt.

+++ Mehr zum Thema: Blutabnahme +++

Wie wird Durchfall bei Kindern behandelt?

  • Flüssigkeitsverlust ausgleichen

Die wichtigste Maßnahme ist der Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts infolge des Durchfalls und/oder Erbrechens. Aus diesem Grund wird als Erstes eine orale Rehydrationslösung (ORL) gegeben. Auf Limonaden und Fruchtsäfte sollte komplett verzichtet werden. Der Grund-Flüssigkeitsbedarf orientiert sich dabei am Körpergewicht des Kindes.

  • Probiotika

Probiotika können die durchschnittliche Dauer des Durchfalls verkürzen.

  • Arzneimittel gegen Durchfall

Loperamid, Racecadotril und medizinische Kohle wirken gegen Durchfall. Während Loperamid die übermäßige Darmbewegung hemmt, verhindert Racecadotril den Einstrom von Wasser und Elektrolyten ins Darminnere. Medizinische Kohle (Carbo medicinalis) bindet Giftstoffe sowie überschüssiges Wasser und kann damit den Durchfall lindern. Eine medikamentöse Therapie sollte jedoch nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

  • Antiemetika

Antiemetika unterdrücken die Übelkeit und den Brechreiz.

  • Zinksupplementation

Die zusätzliche Gabe von Zink hat sich bei Säuglingen und Kleinkindern mit manifestem Zinkmangel als wirksame Maßnahme zur Behandlung von Durchfall erwiesen. In Österreich leiden vermutlich weniger als 10% der Kinder an einem manifesten Zinkmangel und der Effekt dürfte deswegen weniger stark ausgeprägt sein.

  • Hygiene

Um die Verbreitung und Reinfektion mit Viren und Bakterien zu vermeiden, sollte in erster Linie auf eine gründliche Händehygiene geachtet werden. Handtücher sollten nicht geteilt und nach der ersten Verwendung bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Außerdem sollten Kinder nach einer akuten Durchfallerkrankung erst frühestens 48 Stunden nach dem letzten Durchfall/Erbrechen wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen und nach frühestens zwei Wochen ein öffentliches Schwimmbad.

  • Antibiotika

Da ein Großteil der akuten Durchfallerkrankungen bei Kindern durch Viren verursacht wird, kommen Antibiotika nur bei nachgewiesenen bakteriellen Infektionen zum Einsatz. Hohes Fieber, blutige Stühle und starke Bauchschmerzen sind Hinweise auf eine bakterielle Infektion und gehören ärztlich abgeklärt.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung von Durchfall +++

Wie kann man Durchfall vorbeugen?

Viele Magen-Darm-Infektionen werden durch Schmierinfektionen übertragen, also durch Kontakt mit Krankheitserregern. Sorgfältige Händehygiene im Alltag kann dabei helfen, das Infektionsrisiko zu verringern. Auch Kinder sollten schon früh lernen, sich in bestimmten Situationen regelmäßig die Hände zu waschen, so zum Beispiel vor dem Essen, nach dem Toilettengang oder nachdem sie draußen gespielt haben.

Gegen die Infektion mit Rotaviren gibt es mittlerweile eine Impfung, die im österreichischen Impfplan enthalten ist. Hierbei handelt sich um eine Schluckimpfung. Lebensmittelvergiftungen durch Bakteriengifte lassen sich durch eine sachgerechte Lagerung (Zeitspanne, Temperatur) und Zubereitung von Speisen vermeiden. Vor einer Infektion mit Salmonellen kann man sich schützen, indem man Gerichte mit Eiern und Hühnerfleisch immer frisch bzw. gut durchgebraten verzehrt. Vor Durchfallerkrankungen auf Reisen (Reisediarrhö) kann die Einhaltung gewisser Hygieneregeln schützen.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. MedR. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl, MBA
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

S2k-Leitlinie „Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter“, 2019 (letzter Zugriff am 29.09.2020)

Schmid I.: Ambulanzmanual Pädiatrie von A bis Z; Springer Verlag Berlin Heidelberg; 3. Auflage 2012

Homepage der deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin DGKJ; Informationsbroschüre „Mein Kind hat Durchfall“, abrufbar August 2013

Checkliste Pädiatrie, R. Kerbl, R. Kurz, R. Roos, L.M. Wessel, 3. Auflage, Thieme Verlag 2007

www.unicef.org 

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