EHEC

Von , Arzt
Florian Tiefenböck

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

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Mit EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) bezeichnet man bestimmte Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli. In der Regel verläuft eine EHEC-Infektion symptomarm mit wässrigen Durchfällen, Übelkeit und Bauchschmerzen. In seltenen Fällen nimmt die Erkrankung allerdings einen lebensbedrohlichen Verlauf, wenn sich eine blutige Darmentzündung (hämorrhagische Kolitis) oder das hämolytisch-urämische-Syndrom (HUS) entwickeln. Erfahren Sie hier alles Wichtige über EHEC.

Stäbchenförmige Bakterien auf blauem Hintergrund

Kurzübersicht

  • Symptome: Meist wässrige, unblutige Durchfälle mit Übelkeit und Bauchkrämpfen, zum Teil schwere Verläufe mit blutigem Durchfall oder hämolytisch-urämischem Syndrom
  • Behandlung: Meist rein unterstützend durch Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten, selten Antibiotika, bei schweren Verläufen stationäre Behandlung im Krankenhaus
  • Ursachen: Infektion mit Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC), die für den Menschen toxische Substanzen produzieren
  • Risikofaktoren: Kontakt mit Wiederkäuern, Verzehr kontaminierter Lebensmittel, Kontakt zu Infizierten und unzureichende Hygiene
  • Diagnose: Körperliche Untersuchung, Kontrolle der Blut- und Urinwerte, Untersuchung einer Stuhlprobe und Erregernachweis im Labor
  • Krankheitsverlauf: In der Regel heilt die Infektion folgenlos aus, bei schweren Verläufen sind jedoch Langzeitfolgen und Todesfälle möglich.
  • Vorbeugen: Beachten wichtiger Hygieneregeln, vor allem bei Umgang mit Lebensmitteln und bei Kontakt mit Tieren, insbesondere Wiederkäuern

Was ist Escherichia coli?

Escherichia coli (E. coli) ist ein Bakterium, das beim Menschen natürlicherweise im Magen-Darm-Trakt vorkommt. E. coli-Stämme, die den menschlichen Darm besiedeln, sind normalerweise nicht pathogen, das heisst sie lösen keine Erkrankungen aus.

Was ist EHEC?

Die Abkürzung EHEC steht für Enterohämorrhagische Escherichia coli. Hierbei handelt es sich um E. coli-Stämme, die eigentlich im Darm bestimmter Wiederkäuer leben. Unter ungünstigen Umständen gelangen sie aber auch in den menschlichen Organismus und lösen hier Durchfallerkrankungen mit zum Teil schweren Verläufen aus.

Grund dafür sind von den EHEC-Erregern produzierte Giftstoffe, die sogenannten Shigatoxine. Im Gegensatz zum Menschen sind diese Substanzen für Wiederkäuer in der Regel harmlos.

Im Volksmund werden die EHEC-Bakterien manchmal auch als EHEC-Virus bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich bei EHEC aber grundsätzlich um Bakterien. EHEC-Viren gibt es nicht.

Vorkommen und Häufigkeit

EHEC-Erkrankungen kommen auf der ganzen Welt vor. Am häufigsten sind Kleinkinder unter fünf Jahren betroffen, aber auch in allen anderen Altersgruppen ist eine EHEC-Infektion möglich.

Im Jahr 2020 wurden dem Bundesamt für Gesundheit insgesamt 708 EHEC-Infektionen gemeldet, mehrheitlich bei Senioren über 70 Jahre und Kleinkindern.

EHEC-Epidemie 2011

Das Jahr 2011 stellte in Deutschland einen Sonderfall dar. Es kam zu vermehrten Meldungen von EHEC-Ausbrüchen. Ein bis dahin unbekannter EHEC-Stamm löste ab Anfang Mai 2011 vor allem bei erwachsenen Frauen in Norddeutschland äusserst schwere Erkrankungen aus.

Bei den Betroffenen trat teilweise eine besonders schwere Komplikation im Zusammenhang mit einer EHEC-Infektion auf: das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Es wurden insgesamt 4.908 EHEC-Infektionen gemeldet, mehr als fünfmal so viele Fälle wie noch im Jahr 2010.

Während in den Jahren zuvor mit fast 50 Prozent der Fälle hauptsächlich Kleinkinder betroffen waren, machte im Jahr 2011 diese Altersgruppe nur 14 Prozent aller EHEC-Infektionen aus. 21 Fälle endeten tödlich. Auch in Österreich und der Schweiz traten damals einzelne Fälle auf, die mit der Epidemie in Deutschland in Verbindung gebracht wurden.

Wie äussert sich eine Infektion mit Escherichia coli?

Vor allem bei Erwachsenen verläuft eine Infektion mit Enterohämorrhagischen Escherichia coli zum Teil ohne Symptome. Treten im Rahmen der EHEC-Infektion Beschwerden auf, ist den Patienten meist übel. Sie klagen über wässrige Durchfälle, haben Bauchkrämpfe und müssen sich übergeben.

In wenigen Fällen zählt auch leichtes Fieber zu den EHEC-Symptomen. Nur selten verläuft die EHEC-Infektion sehr schwerwiegend.

Schwere Darmentzündung (hämorrhagische Kolitis)

Bei zehn bis 20 Prozent der EHEC-Infektionen entwickelt sich ein schweres Krankheitsbild. Ältere Menschen, Säuglinge und abwehrgeschwächte Personen sind besonders häufig davon betroffen. Dabei lösen EHEC-Bakterien eine schwere Darmentzündung aus.

Die Erkrankten haben sehr schmerzhafte Bauchkrämpfe und blutige Durchfälle. Unter Umständen kommt Fieber hinzu. Ärzte sprechen bei diesem Krankheitsbild von der hämorrhagischen Kolitis, was übersetzt „blutende Dickdarmentzündung“ bedeutet.

Blutarmut und Nierenschwäche (hämolytisch-urämisches Syndrom)

In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle tritt im Rahmen einer EHEC-Infektion das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auf. Es betrifft in der Regel vor allem Kinder im Vorschulalter und entwickelt sich meist etwa eine Woche nach Beginn des Durchfalls.

Durch die EHEC-Gifte werden rote Blutkörperchen zerstört (Hämolyse) und es kommt zur Blutarmut (Anämie). Die Betroffenen fühlen sich schlapp und sind auffallend blass. Ausserdem schädigen die Bakteriengifte die Blutgefässwände und die Blutplättchen (Thrombozyten). Dies führt zu einer starken Blutungsneigung.

Folglich kommt es zu Blutungen, die man in der Haut als stecknadelkopfgrosse, punktförmige Einblutungen („Petechien“) erkennt. Darüber hinaus funktionieren die Nieren und damit die Flüssigkeitsausscheidung nicht mehr richtig. Dadurch lagert sich vor allem an den Beinen Wasser ein (Ödeme).

Unter Umständen versagen die Nieren ganz (akutes Nierenversagen). Die Entgiftung des Blutes ist infolgedessen eingeschränkt. Es kommt unter Umständen zu Verwirrtheitszuständen oder Krampfanfällen. Häufig ist kurzfristig eine Dialyse notwendig, bei der das Blut maschinell gereinigt wird.

Etwa zwei Prozent aller Menschen, die ein HUS erleiden, versterben in der Akutphase.

EHEC: Behandlung

Obwohl es sich bei Escherichia coli um Bakterien handelt, empfehlen Experten bei einer EHEC-Infektion derzeit nur begrenzt eine Behandlung mit Antibiotika. Grund ist, dass eine solche Behandlung unter Umständen die Ausscheidung von Escherichia coli verlängert und eine verstärkte Toxinfreisetzung begünstigt.

Dies scheint neueren Erkenntnissen zufolge aber nicht bei allen Antibiotika der Fall zu sein. In bestimmten Fällen verordnen Mediziner deshalb eine Behandlung mit Carbapenemen, einer speziellen Gruppe von Antibiotika.

In der Regel erfolgt die EHEC-Therapie jedoch rein symptomatisch ohne Antibiotika. Welche Massnahmen notwendig sind, um die Beschwerden zu lindern, hängt von der Schwere der Erkrankung ab. In der Regel ist ein Flüssigkeits- und Salzersatz notwendig: Die Betroffenen verlieren über die Durchfälle Salze (Elektrolyte) wie Kalium und Natrium. Diese spielen beispielsweise für die Funktion des Herzens, der Nerven und Muskeln eine wichtige Rolle.

Die Anwendung von Durchfallmedikamenten, die die Darmbewegung hemmen, ist bei einer EHEC-Infektion nicht sinnvoll, da sie die Ausscheidung der Erreger mit dem Stuhl behindern.

Auch eine gestörte Nierenfunktion beeinträchtigt die Elektrolytspiegel im Körper. Daher ist es unter Umständen notwendig, Elektrolytverluste durch Infusionen, Tabletten oder Elektrolytpulver auszugleichen. Gleiches gilt für den Flüssigkeitshaushalt, da Betroffene über Durchfälle auch übermässig viel Wasser verlieren.

Behandlung des HU-Syndroms

Da das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) als Komplikation einer EHEC-Infektion in einigen Fällen lebensbedrohliche Ausmasse annimmt, ist eine rein symptomatische Behandlung nicht ausreichend. Versagen die Nieren, ist beispielsweise ein Nierenersatzverfahren wie die Dialyse („Blutwäsche“) notwendig, um das Blut von Abfallstoffen zu reinigen.

In manchen Fällen lässt sich mit der sogenannten Plasmapherese eine Besserung der HUS-Symptome erzielen. Dabei wird das Blutplasma des Betroffenen gereinigt beziehungsweise durch eine geeignete Lösung aus Elektrolyten, Pufferlösungen und Proteinen ersetzt.

Ursachen und Risikofaktoren

EHEC-Infektionen gehen auf spezielle Stämme des Bakteriums Escherichia coli (E. coli) zurück. Millionen E.-coli-Bakterien gehören zur normalen Darmflora von Mensch und Tier. Dort erfüllen sie wichtige Aufgaben: Sie spalten unverdauliche Nährstoffe und wehren Krankheitserreger ab. EHEC sind jedoch Stämme dieser Bakterien, welche den Menschen unter Umständen krank machen.

Übertragungswege und Inkubationszeit bei EHEC

EHEC-Bakterien kommen normalerweise im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen oder Ziegen vor. Sie gelangen über den Kot in die Umwelt. Eine Ansteckung erfolgt meist über Nahrungsmittel, die mit Gülle verunreinigt sind.

Das Risiko einer EHEC-Infektion ist auch erhöht, wenn Menschen bestimmte Lebensmittel wie nicht-pasteurisierte Milch oder rohes Fleisch konsumieren. Bei kleinen Kindern birgt vor allem der direkte Kontakt mit den Tieren die Gefahr einer Erkrankung.

Auch verunreinigtes Wasser stellt eine Infektionsquelle dar, beispielsweise beim Baden. Um sich mit EHEC anzustecken, ist nur eine sehr geringe Anzahl (etwa 100) an Bakterien nötig. Gerade deshalb ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch häufiger als bei anderen Erkrankungen.

Auch hier finden sich die Enterohämorrhagischen Escherichia coli im Stuhlgang und unter Umständen im Urin. Durch eine Schmierinfektion und mangelhafte Hygiene geht der Erreger auf den nächsten Menschen über. Die Dauer zwischen Ansteckung und ersten Krankheitssymptomen (EHEC-Inkubationszeit) liegt bei durchschnittlich drei bis vier Tagen bei einer Spanne von zwei bis zehn Tagen.

Betroffene Menschen sind solange ansteckend, wie sie die EHEC-Bakterien mit dem Stuhlgang ausscheiden. Das ist für einige Tage, manchmal für mehrere Wochen der Fall. Allerdings nimmt die Anzahl der Erreger im Laufe der Zeit ab, sodass eine Ansteckung unwahrscheinlicher wird.

Wirkungsweise der EHEC-Gifte

Der Grund, warum manche Escherichia-coli-Stämme für den Menschen so gefährlich sind, sind die von ihnen produzierten Giftstoffe. Die Shigatoxine, auch Verotoxine genannt, binden an menschliche Zellen. Dort blockieren sie den Aufbau von wichtigen Eiweissen, und die betroffenen Zellen sterben ab.

Es gibt zwei Hautgruppen an giftigen Shigatoxinen, Shigatoxin 1 (Stx1) und Shigatoxin 2 (Stx2). Die Stx1-Gruppe löst vor allem Durchfälle aus. EHEC, die Stx2 bilden, rufen mehrheitlich schwere Erkrankungen wie das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) hervor.

Der EHEC-Stamm, der 2011 eine besonders schwere Epidemie in Deutschland auslöste, bildet sowohl Shigatoxine 1 als auch 2. Dadurch wirkt dieser Stamm besonders aggressiv.

Untersuchung und Diagnose

Bei einer Durchfallerkrankung hat der Betroffene mehr als dreimal am Tag Stuhlgang. Der Stuhl ist dabei ungeformt und hat einen hohen Wassergehalt von mehr als 75 Prozent – er ist also flüssig. Meist ist durch den hohen Flüssigkeitsanteil auch die Menge an Stuhlgang vermehrt und beträgt über 250 Gramm am Tag.

Stellt sich eine Person mit diesen Beschwerden in einer Praxis vor, wird der Arzt unabhängig vom Alter einige Untersuchungen durchführen. Der richtige Ansprechpartner beim Verdacht auf eine EHEC-Infektion ist zunächst der Hausarzt. Bei ausgeprägten Beschwerden (schweren Durchfällen, schlechtem Allgemeinzustand) ist eventuell ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Zunächst stellt der Mediziner einige Fragen (Anamnese), um mögliche zusätzliche EHEC-Anzeichen aufzudecken. Dabei sind beispielsweise die Häufigkeit und Form des Stuhlgangs von Bedeutung. Ebenso entscheidend sind Fragen nach Blut im Stuhl, Fieber, Bauchschmerzen sowie Urinfrequenz und -aussehen. Blut im Urin ist ein potenzieller Hinweis auf geschädigte Nieren.

Der Arzt wird auch mögliche Risikofaktoren erfragen. Dadurch versucht er, einer Infektionsquelle mit EHEC auf die Spur zu kommen. Bestand Kontakt mit Tieren auf einem Bauernhof? Hat der Betroffene ungewaschenes Gemüse oder rohes Fleisch verzehrt? Bestand Kontakt zu Personen mit Durchfällen, zum Beispiel auf der Arbeit?

Eine weitere wichtige Information ist der Beruf des Betroffenen. Arbeitet er mit Lebensmitteln, lässt sich so unter Umständen die Ausbreitung von EHEC-Infektionen erklären und eindämmen. Wichtig ist auch, ob der Betroffene Medikamente eingenommen hat. Vor allem der übermässige Gebrauch von Abführmitteln (Laxanzien) kann beispielsweise zu heftigen Durchfällen führen und eine Infektion vortäuschen.

Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt auf Zeichen einer Nierenschwäche oder Nierenschäden wie Ödeme oder Blut im Urin. Fühlt sich der Patient schwach und ist er ungewöhnlich blass, sind dies eventuell Zeichen einer Blutarmut. Kleinere Einblutungen in der Haut (Petechien) deuten auf eine gestörte Blutgerinnung hin.

Finden sich bei blutigen Durchfällen gleichzeitig Anzeichen einer gestörten Nierenfunktion, einer schlechten Blutgerinnung oder einer Blutarmut, ist die stationäre Aufnahme in eine Klinik notwendig. Um zu verhindern, dass der Betroffene andere Patienten im Krankenhaus ansteckt, erfolgen weitere Untersuchungen und die Behandlung normalerweise auf einer Isolierstation.

Untersuchung von Stuhlproben

Für Durchfall gibt es eine ganze Reihe von Ursachen. Mit einer Stuhlprobe gelingt es dem Arzt unter Umständen, diese zu finden. Bei EHEC leiden Patienten meist an Durchfällen ohne Blutbeimengung, zeigen aber sonst keine gesundheitlichen Einschränkungen. In einer Stuhlprobe lässt sich bei EHEC jedoch manchmal verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl nachweisen.

In bestimmten Situationen veranlasst der Arzt eine spezielle Stuhluntersuchung auf EHEC:

  • Bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr, die wegen Durchfall im Krankenhaus sind
  • Bei sichtbarem Blut im Stuhl
  • Bei Personen mit einer nachgewiesenen hämorrhagischen Kolitis
  • Bei Betroffenen, die direkt mit Lebensmitteln arbeiten
  • Bei Betroffenen, die an HUS leiden oder Kontakt mit HUS-Kranken hatten
  • Bei Kindern, die an akutem Nierenversagen leiden

Blut- und Urinuntersuchungen

Bei der Untersuchung des Blutes richtet der Arzt sein Augenmerk vor allem auf jene Werte, die für ein EHEC-bedingtes hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) sprechen. Dabei spielt insbesondere die Zahl der roten Blutkörperchen und Blutplättchen eine Rolle. Sowohl die roten Blutkörperchen als auch die Blutplättchen sind zum Teil deutlich reduziert, da die Gifte der EHEC sie zerstören.

Veränderte Nierenwerte im Blut (zum Beispiel Kreatinin) zeigen eine mögliche Beeinträchtigung der Niere durch die EHEC-Infektion an. Ausserdem bestimmt der Arzt die Entzündungsparameter (weisse Blutkörperchen, C-reaktives-Protein) im Blut. Erhöhte Entzündungswerte weisen allerdings nur auf eine Infektion hin, ein Beweis speziell für eine Infektion mit Escherichia coli sind sie nicht.

Bei der Untersuchung des Urins mit sogenannten Harnstix achten die Ärzte in erster Linie auf verstecktes Blut und Eiweisse. Diese lassen sich bei einer Funktionsstörung der Nieren nachweisen.

Nachweis der EHEC-Gifte

Am wichtigsten ist bei einem Verdacht auf eine EHEC-Infektion die Untersuchung, ob die Bakterien über die zur Giftproduktion (Toxinproduktion) notwendigen Gene (Toxin-Gen-Nachweis) verfügen und ob sie die Gifte tatsächlich bilden (Toxin-Nachweis). Der Nachweis der Toxin-Gene erfolgt mit einer sogenannten PCR-Untersuchung (Polymerase-Kettenreaktion) aus Stuhlmaterial.

Für den Toxin-Nachweis werden die aus den Proben gewonnenen E. coli zunächst in einer Kultur vermehrt. In dieser Kultur lassen sich die Shigatoxine mit einem speziellen Test (Enzyme Linked Immunosorbent Assay, ELISA) nachweisen.

EHEC: Krankheitsverlauf und Prognose

In der Regel heilt eine einfache EHEC-Infektion folgenlos aus. Allerdings haben Komplikationen wie die blutende Darmentzündung oder das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) zum Teil langfristige Folgen.

Etwa 50 Prozent der Kinder, die an einem HUS erkranken, brauchen aufgrund bleibender Nierenschäden anschliessend dauerhaft ein Nierenersatzverfahren (Dialyse). Bis zu 40 Prozent entwickeln in den zehn bis fünfzehn Jahren nach einem HUS einen Bluthochdruck und eine chronische Nierenschwäche. Zwei Prozent der Betroffenen versterben während der akuten Krankheitsphase.

Kann man einer EHEC-Infektion vorbeugen?

Um sich und sein Umfeld vor einer EHEC-Infektion zu schützen, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit folgendes:

  • Rohmilch vor dem Konsum abkochen und Fleisch vollständig durchgaren.
  • Die Hände nach einem Toilettengang, vor Küchenarbeiten, beim Hantieren mit rohem Fleisch, vor dem Essen oder nach dem Umgang mit Tieren gründlich mit Wasser und Seife reinigen.
  • Getrennte Arbeitsgeräte und Arbeitsflächen für Fleisch und andere rohe Lebensmittel verwenden.
  • Gemeinsam genutzte Gegenstände nach der Zubereitung eines Lebensmittels zunächst gründlich reinigen, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden.

Bei blutigem oder mehrere Tage anhaltendem Durchfall ist es ratsam, frühzeitig zum Arzt gehen. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sollten Eltern zügig einen Arzt aufsuchen, wenn es über den Tag verteilt gehäuft zu Durchfällen kommt.

Isolation und Meldepflicht

Um eine Ausbreitung von EHEC zu verhindern, sind gründliche Hygienemassnahmen von enormer Bedeutung. Dadurch lässt sich die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgreich eindämmen. In Krankenhäusern sind Betroffene auf einer Isolierstation untergebracht. Erst wenn die EHEC-Bakterien nach drei Stuhlproben nicht mehr nachweisbar sind, heben die Ärzte die Isolation auf.

Infizierte Personen, die in gemeinschaftlichen Einrichtungen wie beispielsweise Schulen arbeiten, dürfen dort nicht arbeiten, solange sie EHEC ausscheiden. Gleiches gilt für Berufstätige, die mit Lebensmitteln arbeiten.

Infektionen mit EHEC sind in der Schweiz beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldepflichtig. Dadurch soll sichergestellt sein, dass die Verantwortlichen eine EHEC-Ausbreitung schnell erkennen und eindämmen.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

ICD-Codes:
D59A04
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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