Cholera

Von , Ärztin
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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Die Cholera ist eine schwere Infektionskrankheit. Sie wird durch das Bakterium Vibrio cholerae hervorgerufen und geht mit massiven Durchfällen einher. Die Cholera ist vor allem in Gebieten mit schlechter Hygiene verbreitet und betrifft meist unterernährte und geschwächte Personen. Unbehandelt verläuft die Infektion oft tödlich. Hier lesen Sie alles Wichtige zur Cholera.

cholera

Beschreibung

Cholera ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird und mit schweren Durchfällen einhergeht. Es kommt vor, dass Patienten zusätzlich Gallenflüssigkeit erbrechen. So kam die Krankheit zu ihrem Namen: "Cholera" bedeutet auf Deutsch "Fluss der gelben Galle".

Es gibt zwei sogenannten Serogruppen von Cholera-Bakterien, die Epidemien bei Menschen auslösen können: O1 und O139. Sie werden in weitere Unterformen unterteilt.

Verbreitung

Cholera-Bakterien leben weltweit in Küstengewässern und Brackwasser bei Temperaturen über zehn Grad Celsius. Die von ihnen ausgelöste Krankheit ist jedoch nur in Asien, Afrika und Südamerika verbreitet - vor allem in Regionen mit schlechter Trinkwasserversorgung und mangelnden hygienischen Bedingungen wie beispielsweise Flüchtlingsgebieten. In Industrieländern tritt Cholera nur vereinzelt auf, wobei sich die Betroffenen meist auf einer Auslandsreise angesteckt haben.

Seit Beginn der Geschichtsaufzeichnungen ist Cholera bekannt. Zunächst trat sie ausschliesslich örtlich begrenzt (endemisch) im Ganges-Delta auf. Ein Endemiegebiet ist eine Region, in der ein Krankheitserreger dauerhaft vorkommt und nicht entfernt werden kann. Ab dem 19. Jahrhundert verbreitete sich die Cholera weltweit in mehreren Pandemien. Als Pandemie bezeichnet man das gehäufte Auftreten einer Erkrankung im selben Zeitraum, jedoch an verschiedenen Orten.

Meldepflicht und Quarantäne

In Deutschland und Österreich ist bereits der Verdacht auf Cholera meldepflichtig. Auch Erkrankungen und Todesfälle durch Cholera müssen Ärzte namentlich an die Behörden melden. In der Schweiz besteht ebenfalls eine diesbezügliche Meldepflicht: Ärzte müssen der Gesundheitsbehörde den klinischen Befund einer Cholera-Erkrankung namentlich mitteilen.

Zudem sind in allen drei Ländern auch die medizinischen Labore verpflichtet, positive laboranalytische Cholera-Befunde zu melden.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Cholera neben Gelbfieber, Pest und Pocken zu den quarantänepflichtigen Krankheiten. Patienten werden dahe rso lange unter Quarantäne gestellt, bis kein Risiko mehr besteht, dass sie andere Menschen anstecken können.

Cholera: Symptome

Die Cholera-Symptome setzen meist plötzlich ein. Dabei sind sie vor allem anfangs anderen Durchfallerkrankungen sehr ähnlich. Cholera beginnt mit:

  • wässrigen Durchfällen
  • Erbrechen von wässrigem Mageninhalt, Blut und Gallenflüssigkeit
  • Bauchschmerzen

Der Durchfall ist typischerweise trüb, wird zunehmend wässrig und enthält milchig-weisse Schleimflocken. Daher wird er als Reiswasserstuhl bezeichnet. Durch den massiven Durchfall-bedingten Flüssigkeitsverlust - bis zu 20 Liter pro Tag - kann der Körper lebensbedrohlich austrocknen. Der Wasser- und Salzverlust verursacht ausserdem folgende Cholera-Symptome:

  • hohe, heisere Stimme ("Vox cholerica" genannt)
  • Muskelkrämpfe
  • eingefallenes Gesicht, eingesunkene Augen, eingesunkener Bauch
  • schwacher Puls an den Extremitäten
  • niedriger Blutdruck
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • ohne Flüssigkeitszufuhr kalte Arme und Beine

Im Verlauf der Erkrankung kann sich zunächst ein Harnverhalt einstellen (Unvermögen, Wasser zu lassen). Anschliessend kann es zu Nierenversagen, Bewusstseinsstörungen und Kreislaufversagen kommen, die tödlich enden können.

Cholera: Ursachen und Risikofaktoren

Auslöser der Cholera ist das Bakterium Vibrio cholerae. Es gelangt über den Mund in den Magen-Darm-Trakt des Menschen. Die Keime sind säureempfindlich, weshalb sie normalerweise im Magen von der Magensäure getötet werden. Allerdings können bei Aufnahme einer sehr grossen Bakterien-Menge oder bei Menschen, die wenig Magensäure produzieren, ausreichend viele Keime die Magenpassage überleben.

Sie gelangen weiter in den Dünndarm, wo sie sich vermehren und an die Dünndarmschleimhaut anheften. Sie produzieren dann ein Gift, das sogenannte Cholera-Toxin. Es dringt in die Schleimhaut ein und führt dazu, dass enorm viel Wasser und Salze (Elektrolyte) ins Darminnere abgegeben und dann als Durchfall ausgeschieden werden.

Risikofaktoren

Mit Cholera steckt man sich meist über Trinkwasser an, das mit den Fäkalien oder dem Erbrochenen von Erkrankten kontaminiert ist. Auch verunreinigte Lebensmittel sind eine mögliche Ansteckungsquelle.

Es gibt auch Menschen, die sich mit Cholera-Bakterien infizieren und sie ausscheiden, aber selber nicht erkranken.

Besonders in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte und schlechten hygienischen Verhältnissen wie zum Beispiel in Flüchtlingsgebieten tritt Cholera gehäuft auf. Sie gilt als "Krankheit der Armen", denn besonders unterernährte, geschwächte beziehungsweise an einer anderen Grunderkrankung leidende Menschen bekommen Cholera. Ausserdem erkranken insbesondere kleine Kinder sowie alte Menschen.

Cholera: Untersuchungen und Diagnose

Bei Verdacht auf Cholera fragt Sie Ihr Arzt zunächst ausführlich nach der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei stellt er Ihnen zum Beispiel folgende Fragen:

  • Waren Sie in letzter Zeit im Ausland?
  • Haben Sie dort Wasser aus der Leitung getrunken oder rohe Lebensmittel wie zum Beispiel Salat gegessen?
  • Wann sind die Symptome erstmals aufgetreten?
  • Wie oft am Tag haben Sie Durchfall?
  • Können Sie den Durchfall beschreiben?
  • Leiden Sie unter Erbrechen oder Bauchschmerzen?

Anschliessend folgt die körperliche Untersuchung. Unter anderem wird der Arzt Ihren Puls messen und Ihren Bauch abtasten.

Die Diagnose Cholera wird mit einer Stuhlprobe gesichert. Diese wird im Labor auf die Erreger hin untersucht, entweder unter dem Mikroskop oder nach dem Anzüchten der Bakterien in einer Kultur. Auch Erbrochenes sowie Dünndarmsekret (Duodenalsaft) eignen sich als Probenmaterial.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Die Cholera muss von anderen Durchfallerkrankungen unterschieden werden, zum Beispiel eine Salmonellenvergiftung (Salmonellose) oder die Ruhr-Krankheit (Shigellose). Vor allem bei milden Verläufen ist dies aufgrund der ähnlichen Symptome oft schwer.

Das Vollbild der Cholera muss zudem gegen eine Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile, andere Lebensmittelvergiftungen sowie einen Tumor der Bauchspeicheldrüse (VIPom) abgegrenzt werden.

Cholera: Behandlung

Bereits bei Verdacht auf Cholera muss sofort in einem Krankenhaus mit der Therapie begonnen werden! So lassen sich der Verlauf und der Ausgang der Erkrankung positiv beeinflussen.

Am wichtigsten ist die symptomatische Behandlung der Cholera. Das bedeutet, dass die starken Flüssigkeits- und Salzverluste ersetzt werden müssen. Das gelingt am besten mit Glukose-haltigen Flüssigkeiten, die dem Patienten in grosser Menge zum Trinken gegeben werden. Ausserdem ist es möglich, Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte) als Infusion in die Vene zu geben.

Erst an zweiter Stelle bei der Cholera-Behandlung stehen die Gabe von Antibiotika. Das sind Wirkstoffe, die Bakterien abtöten oder sie an der Vermehrung hemmen. Im Fall der Cholera werden Antibiotika-Klassen wie Chinolone oder Makrolide eingesetzt.

Cholera: Krankheitsverlauf und Prognose

Cholera hat eine Inkubationszeit (= Zeitspanne zwischen Ansteckung und Ausbruch der Symptome) von meist zwei bis drei Tagen. Meistens verläuft die Infektion milde, teilweise auch ganz ohne Symptome, und heilt innerhalb einiger Tage aus.

In schweren Fällen treten heftige wässrige Durchfälle, teils mit Erbrechem auf. Dabei verlieren die Patienten viel Flüssigkeit und Salze, was ohne Behandlung zu Muskelkrämpfen, Kreislaufkollaps bis hin zu Schock und Tod führen kann. Wenn man den Verlust an Wasser und Salzen aber frühzeitig ausgleicht, lässt sich die Sterblichkeit bei Cholera auf unter ein Prozent senken.

Eine rasche Behandlung ist besonders bei Kindern und alten Menschen sehr wichtig!

Nach überstandener Erkrankung bleibt nur eine eingeschränkte Immunität gegen den Erreger zurück. Das bedeutet, dass sich die Betroffenen erneut mit Cholera anstecken können.

Cholera: Vorbeugung

Am besten lässt sich durch eine gute Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene Cholera vorbeugen. Vor allem in sehr armen Ländern, Krisengebieten und Flüchtlingslagern ist diese aber oft nicht gewährleistet. Als Reisender in Cholera-Gebiete sollten Sie:

  • nur abgekochtes Wasser oder Mineralwasser aus verschlossenen Flaschen trinken,
  • kein Leitungswasser zum Zähneputzen oder Geschirrspülen verwenden,
  • auf Eiswürfel in Ihrem Getränk verzichten,
  • keine rohen Speisen wie Salate verzehren und
  • Ihre Hände regelmässig desinfizieren, insbesondere vor dem Essen.

Der normale Tourist hat nur ein geringes Risiko, sich mit Cholera anzustecken. Die hygienischen Bedingungen in Hotels sind häufig ausreichend.

Cholera-Impfung

Es gibt die Möglichkeit einer Impfung gegen Cholera. Sie umfasst zwei Impfdosen und wird oral angewendet, also eingenommen.

Die Cholera-Impfung wird allerdings nicht generell empfohlen, da sie nur einen begrenzten Schutz vor einer Erkrankung bietet. Angezeigt ist sie, wenn ein Reiseland diese verlangt oder Personen etwa als Katastrophenhelfer in einem Cholera-Gebiet arbeiten.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Priv.-Doz. Dr. med. Hans D. Nothdurft
Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
A00
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Österreich: "Anzeigepflichtige Krankheiten in Österreich" (Stand: 01/2020), unter: www.sozialministerium.at
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Österreich: "Cholera" (Stand: 07.02.2020), unter: www.sozialministerium.at
  • Herold, G. et al.: Innere Medizin, 2022
  • Hof, H. & Schlüter, D.: Duale Reihe - Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 8. Auflage, 2022
  • Löscher, T. & Burchard, G.-D.: Tropenmedizin in Klinik und Praxis, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2010
  • Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): "Cholera" (Stand: 16.02.2022), unter: www.ages.at
  • Privates Tropeninstitut Dr. Gontard GbR: "Cholera", unter: https://tropeninstitut.de (Abruf: 17.03.2022)
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 17.03.2022)
  • Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 34/2019, unter: www.rki.de
  • Schoenenberger, R. A. et al.: Internistische Notfälle, Georg Thieme Verlag, 8. Auflage, 2009
  • Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Gesundheit: "Cholera" (Stand: 23.08.2019), unter: www.bag.admin.ch
  • Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Gesundheit: "Meldepflichtige übertragbare Krankheiten und Erreger - Leitfaden zur Meldepflicht 2020", unter: www.bag.admin.ch
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): "Cholera", unter: www.who.int (Abruf: 18.02.2022)
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