Listeriose

Von , Ärztin
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Die Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Typischerweise wird sie durch den Verzehr tierischer Produkte ausgelöst. Bei ansonsten gesunden Menschen verläuft die Infektion meist mild. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist die Listeriose manchmal lebensbedrohlich. Eine Listeriose lässt sich mit Antibiotika behandeln. Hier lesen Sie alles Wichtige zur Listeriose.

listeriose Bakterien unter dem Mikroskop

Kurzübersicht

  • Symptome: Manchmal symptomlos, bei Gesunden mild, leichtes Fieber, grippeähnliche Beschwerden, Gliederschmerzen, bei schweren Verläufen Sepsis, neurologische Symptome bei Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung
  • Untersuchung und Diagnose: Nachweis des Erregers durch Laboruntersuchungen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Bakterien (Listeria monocytogenes), Übertragung meist durch verunreinigte tierische Lebensmittel, rohes Fleisch, Rohmilchprodukte, Übertragung während Schwangerschaft und Geburt auf das Kind
  • Behandlung:Antibiotika, ggf. Medikamente zur Symptomlinderung
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Normalerweise gut, Komplikationen mit schweren Verläufen bei Immungeschwächten und Neugeborenen möglich
  • Vorbeugen:Küchenhygiene, vollständiges Erhitzen bestimmter Nahrungsmittel, Vermeiden bestimmter Speisen während der Schwangerschaft

Was ist Listeriose?

Die Listeriose ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Bakterium Listeria monocytogenes. Eine Infektion tritt fast immer durch den Verzehr mit Listerien verunreinigter Lebensmittel auf. Listerien sind in erster Linie in tierischen Produkten zu finden. Selten finden sich Verunreinigungen aber auch in nicht-tierischen Lebensmitteln wie beispielsweise Salaten.

Wie häufig tritt Listeriose auf?

Listeriose ist eine relativ seltene Krankheit. Etwa 0,1 bis 10 Menschen pro eine Millionen Einwohner erkranken jährlich daran. Die Anzahl der Listeriose-Fälle schwankt allerdings von Land zu Land. In der Schweiz werden jährlich etwa 80 Fälle von Listeriose gemeldet.

Insgesamt erkranken etwas mehr Männer als Frauen an einer Listeriose. Unter jungen Erwachsenen sind jedoch 80 Prozent der Patienten Frauen. Experten gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent der gemeldeten Fälle während der Schwangerschaft auftreten. Dabei umfasst diese Angabe sowohl Infektionen der Schwangeren als auch des Babys.

Listeriose: Symptome

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Listeriose (Inkubationszeit) beträgt zwischen drei und 70 Tagen (meist etwa drei Wochen). Es gibt allerdings vereinzelt Berichte von sehr kurzen Inkubationszeiten von nur wenigen Stunden. In diesen Fällen wurden grosse Mengen von Listerien mit der Nahrung aufgenommen.

Bei Listeriose in der Schwangerschaft beträgt die Inkubationszeit zwischen 17 und 67 Tagen.

Ansonsten gesunde Menschen haben durch Listeriose meist milde Symptome wie leichtes Fieber. Die Gefahr einer schweren Erkrankung durch Listerien besteht vor allem für immungeschwächte Patienten. In seltenen Fällen bricht jedoch auch bei Menschen mit normal funktionierendem Immunsystem eine schwere Listeriose aus.

Leichter Verlauf

Die Listerien gelangen über das Essen und damit über den Magen-Darm-Trakt in den Körper. Aus diesem Grund ist der Verdauungstrakt als erstes von den Beschwerden betroffen. Die Patienten entwickeln Listeriose-Symptome wie Erbrechen und Durchfall, die einer Magen-Darm-Grippe entsprechen, und klagen ausserdem über folgende allgemeine Symptome:

Bei einem leichten Verlauf klingen diese Beschwerden in der Regel innerhalb weniger Tage von alleine ab.

Schwerer Verlauf

In seltenen Fällen breiten sich die Listerien jedoch weiter im Körper aus. Erreichen sie die Blutbahn, ist eine Blutvergiftung (Sepsis) möglich. Diese verläuft in rund einem Fünftel der Fälle tödlich. Besonders gefürchtet ist ausserdem ein Übergreifen der Erreger auf das Gehirn und die Hirnhäute.

Dann besteht das Risiko einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder einer Hirnhautentzündung (Meningitis). In diesem Fall ist mit schwerwiegenden neurologischen Symptomen wie beispielsweise Störungen des Gleichgewichtssinns oder des Bewusstseins zu rechnen.

Grundsätzlich ist ein Befall mit Listerien für jedes Organ möglich, somit verursachen sie potenziell eitrige Infektionen an praktisch jeder Körperstelle. Beispiele für verschiedene befallene Organe sind Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis), der Bindehaut im Auge (Konjunktivitis) oder Gelenkentzündungen (Arthritis).

Listeriose-Symptome in der Schwangerschaft

Schwangere sind besonders häufig von einer Listeriose betroffen. Bei ihnen verläuft die Infektion häufig symptomarm oder die Listeriose-Symptome erinnern an einen grippalen Infekt. Wird die Listeriose in der Schwangerschaft über den Mutterkuchen (Plazenta) auf das ungeborene Kind übertragen, besteht die Gefahr der Früh- oder Totgeburt.

Auch eine Übertragung der Listeriose während der Geburt ist möglich.

Listeriose-Symptome bei Neugeborenen (neonatale Listeriose)

Die Listeriose-Symptome beim Neugeborenen lassen zwei Krankheitsbilder unterscheiden:

Frühinfektion (auch Granulomatosis infantiseptica): Listeriose-Symptome treten in der ersten Lebenswoche auf. Folgende Symptome beim Neugeborenen sind möglich:

  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Atemnotsyndrom
  • Eiteransammlungen (Abszesse)
  • Knötchenbildungen (Granulomen)

Spätinfektion: Listeriose-Symptome treten ab der zweiten Lebenswoche auf. Meist kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis).

Gibt es einen Listeriose-Test in der Schwangerschaft?

Es gibt keinen Listeriose-Test, der allgemein während der Schwangerschaft durchgeführt wird. Entsprechende Untersuchungen erfolgen, wenn der Verdacht auf eine Listeriose besteht.

Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Listeriose ist der Hausarzt oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung Infektiologie. Zur Diagnosestellung einer Listeriose erkundigt sich der Arzt nach Ihrer Krankengeschichte (Anamnese). Er stellt Ihnen dabei unter anderem folgende Fragen:

  • Seit wann fühlen Sie sich krank?
  • Haben Sie Fieber?
  • Leiden Sie unter einer Erkrankung, die Ihr Abwehrsystem schwächt?
  • Nehmen Sie immundämpfende Medikamente ein?
  • Sind Sie schwanger?

Beim Verdacht auf eine Listeriose entnimmt der Arzt je nach Erkrankungsverlauf eine Probe aus Blut, Stuhl, Rückenmarksflüssigkeit (Liquor), Vaginalsekret, Wochenfluss, Eiter oder Fruchtwasser. Aus diesem Material wird in einem Labor versucht, den Erreger anzuzüchten und nachzuweisen.

Haben Sie den Verdacht, dass Sie sich über Lebensmittel mit Listeriose infiziert haben, heben Sie die verdächtigen Speisereste auf und lassen Sie diese ebenfalls im Labor untersuchen. So besteht eventuell die Möglichkeit, die Infektionsquelle ausfindig zu machen.

Was ist die Ursache einer Listeriose?

Die Ursache der Listeriose sind stäbchenförmige Bakterien, die sogenannten Listerien. Die Erreger kommen weltweit in der Umwelt vor. Die meisten Listerien-Spezies sind für den Menschen jedoch harmlos. Lediglich Listeria monocytogenes führt zu einer Erkrankung des Menschen.

Die Bakterien leben in der Erde, im Wasser, auf Pflanzen, in Tieren sowie in Menschen und vermehren sich dort.

Listerien sind ausgesprochen widerstandsfähig. So überleben sie Temperaturen von -0,5°C bis +45°C problemlos und sind in der Lage, sich im Kühlschrank (Temperatur um +4°C) zu vermehren. Um die Erreger der Listeriose abzutöten, bedarf es hoher Temperaturen wie beim Kochen, Braten, Sterilisieren oder Pasteurisieren.

In Einzelfällen wurde jedoch auch von Infektionen durch pasteurisierte Lebensmittel berichtet. Zu einer Infektion kommt es vor allem durch verunreinigte Nahrungsmittel.

Lebensmittel, bei denen häufig eine Verunreinigung mit Listerien auftritt, sind:

  • Rohes Fleisch
  • Räucherfisch (z. B. geräucherter Lachs)
  • Vorgeschnittene, verpackte Salate
  • Käserinde (insbesondere bei Rotschmierkäsearten wie Romadur oder Brie)
  • Rohmilch und Rohmilchprodukte (selten auch bei pasteurisierter Milch)

Gesunde Menschen erkranken beim Kontakt mit den Erregern meist nicht. Gefährdet sind vor allem Personen mit einem geschwächten Immunsystem: Dazu gehören etwa Neugeborene, ältere Menschen, Organtransplantierte sowie Patienten, die Immunsystem-dämpfende Medikamente (zum Beispiel Kortison) einnehmen oder an chronischen Erkrankungen (Tumoren, AIDS) leiden.

Ausserdem erkranken Schwangere häufiger an einer Listeriose. Das Gesundheitsrisiko trägt hier in erster Linie das Baby: Zum einen besteht die Gefahr, dass die Erreger über den Mutterkuchen (Plazenta) auf das Ungeborene übertragen werden. Zum anderen stecken sich manche Kinder unter der Geburt im Geburtskanal bei der Mutter an.

Bis zu fünf Prozent der Menschen haben Listerien in ihrem Magen-Darm-Trakt, ohne an einer Listeriose zu erkranken. Dadurch scheiden sie die Bakterien unbemerkt im Stuhl aus und stellen so eine weitere Infektionsquelle für ihre Umgebung dar.

Ein Grund zur Panik in der Schwangerschaft an Listeriose zu erkranken, besteht jedoch nicht: Wenn Schwangere sich an die Empfehlungen halten und den Verzehr bestimmter Lebensmittel meiden, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Listeriose während der Schwangerschaft gering.

Wie lässt sich Listeriose behandeln?

Die Listeriose wird mit Antibiotika behandelt. Als Mittel der Wahl gilt das Antibiotikum Ampicillin in Kombination mit einem Aminoglykosid. Andere Antibiotika wie Erythromycin, Cotrimoxazol oder Tetrazykline sind ebenfalls gegen Listerien wirksam.

Bei der Listeriose-Therapie ist es wichtig, das Antibiotikum über mindestens drei Wochen einzunehmen. Sonst droht die Listeriose erneut auszubrechen, da vorher noch nicht alle Bakterien abgetötet wurden. Treten Komplikationen wie eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) auf, ist die antibiotische Therapie unter Umständen bis zu sechs Wochen lang erforderlich.

Wie ist die Prognose bei einer Listeriose?

In den meisten Fällen verläuft eine Listeriose mild und heilt innerhalb weniger Tage folgenlos aus. In manchen Fällen, insbesondere bei abwehrgeschwächten Menschen, verläuft die Erkrankung jedoch sehr ernst und führt im Extremfall zum Tod.

Entwickelt sich beispielsweise im Rahmen der Listeriose eine Blutvergiftung (Sepsis), ist diese in etwa 20 Prozent der Fälle tödlich. Im Falle einer Gehirnhautentzündung durch die Listerien sterben etwa 13 Prozent der Betroffenen.

Wie lässt sich einer Listeriose vorbeugen?

Eine Listerieninfektion geht in fast allen Fällen auf kontaminierte Nahrungsmittel zurück. Da es keine Impfung gibt, besteht die Vorbeugung einer Listeriose in bestimmten Verhaltensregeln bei der Zubereitung und dem Verzehr der Nahrung. Insbesondere für Risikopersonen (Schwangere, Menschen mit geschwächtem Immunsystem) sind diese wichtig:

  • Essen Sie kein rohes Fleisch wie z.B. Hackfleisch. Braten Sie dieses vor dem Verzehr gut durch.
  • Fisch und Fleisch sollten immer vollständig gegart werden.
  • Waschen Sie Gemüse vor dem Essen gründlich.
  • Reinigen Sie Ihre Hände, Geschirr und Küchengeräte immer gründlich.
  • Verarbeiten Sie vor allem vakuumverpackte und schnell verderbliche Lebensmittel zügig nach dem Kauf.
  • Bereiten Sie Blattsalate frisch zu und verzichten Sie auf vorgeschnittene Salate.
  • Entfernen Sie vor dem Verzehr von Rotschmierkäsearten (z.B. Romadur, Limburger, Brie) die Rinde.

Personen, die mit Listeriose-Erkrankten Kontakt haben, sollten die üblichen Hygienemassnahmen wie eine anschliessende Händedesinfektion einhalten. Eine Isolation des an Listeriose erkrankten Patienten ist nicht notwendig.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Britta Bürger
Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
A32
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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