Szintigrafie

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Dr. med. Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Als Szintigrafie bezeichnet man ein nuklearmedizinisches Verfahren zur Darstellung von Körpergewebe. Dabei nutzt man schwach radioaktive Stoffe, die sich in verschiedenen Organen anlagern. Die von ihnen abgegebene Strahlung wird gemessen und liefert Hinweise auf die Stoffwechselaktivität und Durchblutung des Gewebes. Lesen Sie hier alles Wichtige über die verschiedenen Arten der Szintigrafie, wann man sie einsetzt und welche Risiken sie birgt.

Szintigrafie

Was ist eine Szintigrafie?

Die Szintigrafie ist eine Untersuchungsmethode aus dem Bereich der Nuklearmedizin: Dem Patienten werden dabei schwach radioaktive Stoffe als Arzneimittel zu Diagnosezwecken injiziert. Von diesen sogenannten Radiopharmaka gibt es zwei Arten:

  • Manche radioaktive Substanzen werden direkt verabreicht. Ein Beispiel für solche Radionuklide ist radioaktives Jod, das vor allem in die Schilddrüse wandert.
  • In anderen Fällen wird die radioaktive Substanz an einen Trägerstoff (wie bestimmte Eiweisse oder Salze) gebunden, der grösstenteils oder ausschliesslich in bestimmten Organen verstoffwechselt wird. Die radioaktive Markierung eines solchen Trägerstoffs wird Tracer (engl. "trace" = Spur) genannt.

Im Zielgewebe reichert sich das Radiopharmakon besonders an Stellen mit hoher Stoffwechselaktivität und guter Durchblutung an. Es zerfällt unter Abgabe von sogenannten Gammastrahlen, die von einer speziellen Kamera (Gammakamera) gemessen werden. Ein Computer berechnet daraus ein Bild der untersuchten Körperregion (Szintigramm).

So lassen sich mit der Szintigrafie beispielsweise Entzündungsherde im Körper genau lokalisieren. An einer entzündeten Stelle läuft nämlich der Stoffwechsel schneller ab. Eine verstärkte Stoffwechselaktivität kann aber auch für einen Tumor sprechen. Eine verminderte Aktivität kann dagegen ein Hinweis auf abgestorbenes Gewebe sein.

Mithilfe der Szintigrafie lassen sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Geweben untersuchen, beispielsweise Knochen, die Schilddrüse oder der Herzmuskel.

Weiterführende Informationen: Knochenszintigrafie

Das Verfahren eignet sich besonders gut zur Untersuchung von Knochen. Mehr darüber lesen Sie im Beitrag Knochenszintigrafie.

Weiterführende Informationen: Schilddrüsenszintigrafie

Welche nützlichen Informationen eine szintigrafische Untersuchung der Schilddrüse liefert, erfahren Sie im Beitrag Schilddrüsenszintigrafie.

Weiterführende Informationen: Myokardszintigrafie

Mit der Myokardszintigrafie kann ein Arzt den Zustand des Herzmuskels (Myokard) überprüfen. Lesen Sie mehr darüber im Beitrag Myokardszintigrafie.

Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie (Octreotid-Szintigrafie)

Mittels dieser besonderen Form der Szintigrafie lassen sich bestimmte Tumore aufspüren, die man mit anderen Verfahren (Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT) kaum diagnostizieren kann. Diese sogenannten neuroendokrinen Tumore (NET) sind häufig im Bauchraum lokalisiert (Darm, Magen, Bauchspeicheldrüse) und produzieren Hormone. Auf ihrer Oberfläche befinden sich Andockstellen für das Hormon Somatostatin (Somatostatin-Rezeptoren). Durch die Bindung von passenden radioaktiv markierten Stoffen (wie Octreotid) an diesen Rezeptortyp können die Tumore sichtbar gemacht werden.

SPECT und SPECT/CT

SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) ist eine Weiterentwicklung des Verfahrens, bei der sich mehrere Gamma-Kameras um den Patienten herum bewegen. So können im Unterschied zur normalen "planaren" Szintigrafie dreidimensionale Schnittbilder erzeugt werden.

Mittlerweile gibt es auch Geräte, mit denen man eine SPECT in Kombination mit einer Computertomografie (CT) durchführen kann (SPECT/CT). Die stoffwechselaktiven Regionen im Körper, die mittels SPECT abgebildet werden, lassen sich dank der CT schärfer darstellen.

Wann führt man eine Szintigrafie durch?

Die Szintigrafie gibt im Gegensatz zu anderen bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) Auskunft über die Aktivität von Gewebe. Da Tumore oft eine erhöhte Stoffwechselaktivität aufweisen, nutzt man die Szintigrafie besonders häufig in der Krebsmedizin. Daneben gibt es noch weitere Einsatzmöglichkeiten für das nuklearmedizinische Verfahren wie zum Beispiel:

Bei schwangeren und stillenden Frauen sollte eine Szintigrafie nur in absoluten Ausnahmefällen durchgeführt werden, wenn der zu erwartende Informationsgewinn durch die Untersuchung grösser ist als das Gesundheitsrisiko durch die Strahlenbelastung. 

Was macht man bei einer Szintigrafie?

Die Szintigrafie wird von einem spezialisierten Arzt durchgeführt, einem Nuklearmediziner. Dieser wird mit Ihnen vor der Untersuchung ein ausführliches Aufklärungsgespräch führen. Er wird Sie dabei über die Vorteile und Risiken der Untersuchung informieren und Sie zu Vorerkrankungen sowie regelmässiger Medikamenteneinnahme befragen.

Eine besondere Vorbereitung vor der Szintigrafie (wie nüchtern sein) ist meistens nicht notwendig. Für die Untersuchung wird Ihnen über eine Vene der radioaktive Stoff gespritzt. Anschliessend müssen Sie eventuell eine gewisse Zeit (wenige Minuten bis Stunden) warten, bis die radioaktive Substanz im Zielorgan angekommen ist. Die eigentlichen Aufnahmen dauern dann meist nur wenige Minuten.

Die Untersuchung an sich ist völlig schmerzfrei. Im Gegensatz zur CT- oder MRT-Untersuchung müssen sie für die normale Szintigrafie auch nicht in eine "Röhre", da die Gamma-Kamera frei beweglich ist.

Welche Risiken birgt eine Szintigrafie?

Nebenwirkungen bei der Szintigrafie sind sehr selten. Das verabreichte Radiopharmakon verursacht möglicherweise ein vorübergehendes Hitzegefühl, Hautreaktionen (Juckreiz, Rötung etc.), einen metallischen Geschmack im Mund oder leichte Übelkeit.

Falls Sie mögliche Szintigrafie-Nebenwirkungen nach der Untersuchung entwickeln, sollten Sie Ihren Arzt darauf ansprechen.

Langfristig besteht durch die Strahlenbelastung ein gewisses gesundheitliches Risiko. Allerdings ist die Strahlenbelastung gering (vergleichbar mit der einer Röntgenaufnahme). Ausserdem scheidet der Körper den radioaktiven Stoff schnell wieder aus. Wie hoch genau das gesundheitliche Risiko durch die Strahlung ist, hängt vor allem von der Art und Menge des eingesetzten Radiopharmakons und der untersuchten Körperregion ab.

Was muss ich nach einer Szintigrafie beachten?

Nach einer Szintigrafie ist es wichtig, dass der Körper den radioaktiven Stoff schnell wieder ausscheidet, um die Strahlenbelastung zu reduzieren. Das Radionuklid wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Deshalb sollten Sie nach der Szintigrafie viel trinken und häufig zur Toilette gehen. Wenn Sie aufgrund einer Nieren- oder Herzschwäche nur eine bestimmte Menge Flüssigkeit am Tag trinken dürfen, wird Ihnen der behandelnde Arzt weitere Informationen geben.

Direkt nach der Szintigrafie geht von Ihnen eine leichte radioaktive Strahlung aus. Deshalb sollten Sie für einige Stunden engen Kontakt zu Schwangeren, Stillenden und kleinen Kindern vermeiden.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Markus Kirchgeorg
Autoren:
Dr. med.  Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Kuwert, T. et al.: Nuklearmedizin, 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2008
  • Schicha, H. & Schober, O. Nuklearmedizin, Schattauer Verlag, 2013
  • UniversitätsKlinikum Tübingen, Nuklearmedizin und Klinische Molekulare Bildgebung, Department für Radiologie: Szintigraphie, unter: www.medizin.uni-tuebingen.de (Abruf vom 24.06.2022)
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