Magenschleimhautentzündung

Von , Ärztin
und , Biologin und Medizinredakteurin
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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

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Typisch für eine Magenschleimhautentzündung sind Bauchbeschwerden wie Völlegefühl oder Schmerzen im Oberbauch. Mangelnder Appetit und Übelkeit sind ebenfalls häufige Symptome. Eine Gastritis tritt entweder akut auf oder verläuft chronisch. Oft bessert schon eine Schonung des Magens die Beschwerden, in schwereren oder chronischen Fällen helfen Medikamente. Lesen Sie hier, wie Sie eine Magenschleimhautentzündung erkennen und was dagegen hilft.

Magenschleimhautentzündung

Kurzübersicht

  • Symptome: Unspezifische Anzeichen sind unter anderem Völlegefühl, Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Sodbrennen, Aufstossen, Mundgeruch; abhängig vom Typ der chronischen Gastritis kommen spezifische Anzeichen hinzu
  • Behandlung: Angepasste Ernährung, Hausmittel wie Tees, Heilerde und Wärmebehandlung; Medikamente wie Säurebinder, Protonenpumpenhemmer; Entspannungsübungen sowie Alternativmedizin wie Homöopathie und Akupunktur; im Notfall Operation
  • Ursachen und Risikofaktoren: Reizende Stoffe (z.B. Alkohol, Medikamente), Stress, Magenkeim Helicobacter pylori, Autoimmunreaktionen
  • Diagnose: Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), körperliche Untersuchung, Endoskopie, Gewebe- und Blutuntersuchung
  • Verlauf und Prognose: Prognose meist sehr gut; Lebensgefahr bei blutenden Geschwüren; ohne Behandlung langfristig erhöhtes Risiko für Magenkrebs

Was ist eine Magenschleimhautentzündung?

Bei einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) ist die Schleimhaut, die den Magen innen auskleidet, gereizt oder beschädigt und in der Folge entzündet. Mediziner unterscheiden je nach Krankheitsverlauf zwischen einer akuten und einer chronischen Gastritis.

Bei der akuten Gastritis kommt es zu einer raschen Entwicklung der Krankheit, die meist mit plötzlich auftretenden Beschwerden wie starken Magenschmerzen einhergeht. Diese verschwinden meist nach kurzer Zeit wieder, entweder von selbst oder mit entsprechender Behandlung.

Die chronische Gastritis entwickelt sich hingegen schleichend, zeigt aber vergleichbare, oft unspezifische Symptome. Da sie unterschiedliche Ursachen hat, unterscheiden Ärzte abhängig von den Ursachen den Typ A (Autoimmungastritis), Typ B (bakterielle Gastritis) und Typ C (chemische Gastritis) sowie verschiedene Sonderformen.

Welche Symptome treten bei einer Magenschleimhautentzündung auf?

Auf eine Gastritis weisen verschiedene unspezifische Beschwerden hin. Die Hauptsymptome sind sowohl für eine akute als auch eine chronische Gastritis typisch. Allerdings treten sie bei der akuten Form plötzlich auf, während sich eine chronische Magenschleimhautentzündung schleichend entwickelt.

Häufige Symptome einer Gastritis sind:

  • Völlegefühl
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Verminderter Appetit, kaum Hungergefühl
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Sodbrennen (Zungenbrennen als Folgebeschwerden)
  • Aufstossen
  • Mundgeruch

Seltener sind:

  • Blähungen
  • Fader Geschmack im Mund, belegte Zunge
  • Früh einsetzendes Sättigungsgefühl
  • Rückenschmerzen
  • Durchfall

Symptome der chronischen Gastritis

Bei einer chronischen Gastritis treten oft längere Zeit keine Symptome auf oder die gleichen Beschwerden wie bei einer akuten Gastritis. Abhängig vom Gastritis-Typ kommen im späteren Verlauf weitere, spezifische Symptome hinzu.

Symptome der Typ-A-Gastritis

Bei einer Typ-A-Gastritis produziert der Magen weniger Magensäure. Das verursacht in manchen Fällen Verdauungsbeschwerden. Ausserdem hat diese Gastritis-Form einen Vitamin B12-Mangel zur Folge, der eine sogenannte perniziöse Anämie auslöst, eine spezielle Form von Blutarmut.

Spezifische Symptome sind dann unter anderem:

  • Missempfindungen (z.B. Taubheitsgefühl, Kribbeln in Armen und Beinen)
  • Müdigkeit, Erschöpfung bzw. Schwächegefühl
  • Schwindelgefühl
  • Gedächtnisschwäche
  • Verminderte Aufmerksamkeit
  • Depressionen

Personen mit einer Typ-A-Gastritis und perniziöser Anämie berichten häufig, dass sie Herzrasen haben und schlecht Luft bekommen, also Luftnot haben.

Symptome der Typ-B-Gastritis

Die Typ-B-Gastritis zeigt meist nur unspezifische Symptome. Manche Patienten entwickeln Mundgeruch und Symptome, die auf andere Erkrankungen zurückzuführen sind, die sich im Verlauf entwickelt haben. Zu diesen zählen:

  • Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)
  • Magenkrebs (Magenkarzinom)
  • MALT-Lymphom (Schleimhaut-assoziierter Krebs des Lymphgewebes)

Symptome der Typ-C-Gastritis

Auch eine chronische Magenschleimhautentzündung vom Typ C verursacht in der Regel nur unspezifische Beschwerden. Viele Patienten berichten über ein Unwohlsein im Oberbauch. Häufig entsprechen die Symptome denen eines Reizmagens, mit dem die Gastritis daher oft verwechselt wird.

Wie kann eine Magenschleimhautentzündung behandelt werden?

Eine entzündete oder gereizte Magenschleimhaut lässt sich oft in Eigenregie mit einfachen Massnahmen behandeln. Reicht das nicht aus, helfen verschiedene Medikamente.

Erste Massnahme bei einer Gastritis ist, alles wegzulassen, was die Magenschleimhaut reizt. Kaffee, Alkohol und Nikotin sind während einer Gastritis somit möglichst zu meiden. Sind die Beschwerden stark, ist es manchmal sinnvoll, ein bis zwei Tage komplett auf Nahrung oder grössere Portionen zu verzichten. In der Regel hat man dann ohnehin keinen Appetit.

Ansonsten reicht es oft, Schonkost bzw. "angepasste Vollkost" zu essen, mit leicht verdaulichen kleinen Mahlzeiten.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Magenschleimhautentzündung – Ernährung.

Ist Stress der Auslöser der Gastritis, können Entspannungsmethoden helfen wie autogenes Training, Meditation oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

Gastritis natürlich heilen mithilfe von Hausmitteln

Nützliche Hausmittel, denen eine positive Wirkung in der Behandlung einer Magenschleimhautentzündung nachgesagt wird, sind zum Beispiel:

  • Wärmflasche oder Körnerkissen (Kirschkernkissen)
  • Kamillentee (wirkt antientzündlich)
  • Teemischung aus Kamille, Pfefferminze und Süssholz (je einen halben Teelöffel Süssholzwurzel und Kamillenblüten mit einem Teelöffel Pfefferminzblätter mischen)
  • Haferschleim (schützt die Magenschleimhaut)
  • Melissen- oder Hopfenblütentee (wirken beruhigend)
  • Kartoffelsaft
  • Heilerde
  • Natron (z.B. gelöst in Wasser)

Natron sollten Sie nicht dauerhaft anwenden, da es die Bildung von Nierensteinen begünstigt.

Rollkur mit Kamillentee: Eine Rollkur kann bei einer Magenschleimhautentzündung unterstützend hilfreich sein. Trinken Sie dafür zwei Tassen Kamillentee. Anschliessend legen Sie sich zehn Minuten auf den Rücken. Danach drehen Sie sich für jeweils weitere zehn Minuten auf die linke Seite, die rechte Seite und den Bauch. Bleiben Sie für etwa eine halbe Stunde nach dieser Rollkur liegen. Nutzen Sie dieses Hausmittel täglich eine Woche lang.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Behandlung mit Medikamenten

Für die Therapie einer Magenschleimhautentzündung gibt es verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen – je nach Symptom und Therapieziel – zumeist in Form von Tabletten oder Kapseln:

  • Antazida: Reichen Verhaltensmassnahmen allein nicht aus, helfen Antazida. Diese Wirkstoffe neutralisieren die aggressive Magensäure, schützen die Magenschleimhaut und unterstützen so die Heilung. Sie sind meist nicht rezeptpflichtig.
  • H2-Rezeptor-Blocker: Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte H2-Rezeptor-Blocker (wie Cimetidin oder Ranitidin). Sie verringern die Produktion von Magensäure. Dabei erholt sich die entzündete Magenschleimhaut und wird vor weiteren Schäden geschützt.
  • Protonenpumpenhemmer: Noch wirksamer sind sogenannte Protonenpumpenhemmer (Protonenpumpeninhibitoren, PPI). Sie reduzieren ebenfalls die Magensäureproduktion. Oft verwendete PPI sind zum Beispiel Omeprazol und Pantoprazol. Sie sollten aber nur in Ausnahmefällen und in Absprache mit dem Arzt langfristig eingenommen werden.
  • Antibiotika: Bei einer chronischen Gastritis vom Typ B gilt es, die krankmachenden Bakterien loszuwerden. Eine Kombination von zwei beziehungsweise drei Antibiotika zusammen mit einem Protonenpumpenhemmer über sieben Tage vertreibt beispielsweise Helicobacter pylori in über 90 Prozent der Fälle.
  • Krampflöser und Mittel gegen Brechreiz: Zu den krampflösenden sowie schmerzlindernden Arzneien zählen Spasmolytika und gegen Brechreiz helfen sogenannte Antiemetika.
  • Vitamin B12: Bei Vitamin B12-Mangel durch eine chronische Gastritis vom Typ A erhalten Betroffene meist Vitamin B12-Injektionen.

Behandlung mit Alternativmedizin

  • Homöopathie: Homöopathische Mittel bei Magenschleimhautentzündung sind zum Beispiel Carbo vegetabilis und Lycopodium. Sie sollen die Beschwerden lindern.
  • Schüssler Salze: Schüssler Salze gegen Übelkeit oder Aufstossen sind zum Beispiel Nr. 9 Natrium phosphoricum, das den Säurehaushalt im Körper regulieren soll, und Nr. 7 Magnesium phosphoricum, dem eine entspannende, krampflösende Wirkung auf Verdauungsorgane zugesprochen wird.
  • Traditionelle Chinesische Medizin: Eine Behandlung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) – etwa in Form von Akupunktur – soll laut Befürwortern ebenfalls Gastritis-Beschwerden lindern.

Das Konzept dieser alternativen Behandlungsmethoden und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und in den meisten Anwendungsgebieten nicht durch Studien zweifelsfrei belegt.

Notfall Magenblutung

Manchmal ist die Schleimhautschädigung bei einer Gastritis so ausgeprägt, dass Blutungen auftreten. In leichteren Fällen lassen sich diese im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) stoppen. Schwere Blutungen – erkennbar an blutigem Erbrechen oder dunkel gefärbtem Stuhl (Teerstuhl) – werden mitunter lebensbedrohlich. Sie erfordern eine Notfallbehandlung. Manchmal gelingt es nur mit einer Operation, die Blutung zu stoppen.

Magenschleimhautentzündung: Ernährung

Bei einer Gastritis geht es vor allem darum, die Magenschleimhaut nicht noch weiter zu reizen. Vielen Patienten mit akuter Magenschleimhautentzündung fehlt ohnehin der Appetit, sodass sie ein bis zwei Tage ganz aufs Essen verzichten. Wichtig ist es dann, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen, beispielsweise Kamillentee oder klare Brühe.

Weitere Informationen zur Ernährung bei Gastritis lesen Sie im Beitrag Magenschleimhautentzündung – Ernährung.

Was sind Auslöser einer Magenschleimhautentzündung?

Eine Gastritis entsteht, wenn die schützende Schleimhaut des Magens geschädigt ist. Ursachen dafür sind beispielsweise magenreizende Stoffe oder Faktoren, die eine Überproduktion an ätzender Magensäure anregen.

Ursachen einer akuten Gastritis

  • Übermässiger Genuss von Alkohol
  • Übermässiger Genuss von Nikotin
  • Häufiger Konsum von Lebensmitteln, die den Magen reizen, wie Kaffee oder scharfe Gewürze
  • Häufige oder hochdosierte Einnahme bestimmter Medikamente, beispielsweise Schmerzmittel oder Entzündungshemmer wie Kortison
  • Seelischer Stress
  • Lebensmittelvergiftungen durch Bakterien wie Staphylokokken oder Salmonellen
  • Mechanische Reizungen, etwa durch eine Magensonde oder andere Fremdkörper
  • Verätzungen durch Säuren oder Laugen
  • Körperlicher Stress wie bei Langzeit-Beatmung, Schädel-Hirn-Trauma, Verbrennungen, Gehirnerkrankungen, grossen Operationen, Schock (Kreislaufzusammenbruch)
  • Leistungssport ("runners stomach")

Wenn Bakterien wie Staphylokokken oder Salmonellen die Ursache sind, ist eine Magenschleimhautentzündung meist ansteckend. Die Erreger werden dann mit dem Stuhl ausgeschieden und andere Personen infizieren sich, etwa durch gemeinsame Toilettennutzung.

So ist der Magen aufgebaut
Magenanatomie
Der Magen ist ein Hohlmuskel und innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Sie schützt den Magen vor der Magensäure. Für die Verdauung werden im Magen Nahrung und Magensäure miteinander vermengt und durch Muskelarbeit weiter Richtung Darm befördert.

Ursachen einer chronischen Gastritis

Typ-A-Gastritis

Die Typ-A-Gastritis bezeichnet man auch als autoimmune chronische Magenschleimhautentzündung. Autoimmun bedeutet, dass sich das körpereigene Abwehrsystem gegen den Körper selbst richtet: Es bildet Antikörper, die körpereigene Strukturen angreifen. Die Typ-A-Gastritis ist mit rund fünf Prozent der Fälle die seltenste Form der chronischen Magenschleimhautentzündung.

Antikörper attackieren hierbei die Belegzellen, die die Magensäure produzieren. Daher wird weniger Magensäure ausgeschüttet. Andere Antikörper richten sich gegen den sogenannten Intrinsic Factor. Dieses Eiweiss wird im Magen gebildet und ist für die Aufnahme von Vitamin B12 nötig. Ist die Wirkung oder Menge an Intrinsic Factor gemindert, ist ein Vittamin-B12-Mangel die Folge.

Die Typ-A-Gastritis ist vererbbar und betrifft vor allem Nordeuropäer. Die Entzündung ist häufig im Hauptabschnitt des Magens lokalisiert – dem Korpus. Viele Patienten leiden zusätzlich an weiteren Autoimmunerkrankungen, beispielsweise:

Typ-B-Gastritis

Etwa 80 Prozent der Fälle von chronischer Gastritis sind vom Typ B. Ursache ist meist eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori). Der Magenkeim ist mit dem Speichel oder Stuhl übertragbar. Seltener sind damit verwandte Erreger die Ursache der Typ-B-Gastritis wie zum Beispiel Helicobacter heilmannii, der von Hunden oder Katzen auf den Menschen übertragen wird.

Magenschleimhautentzündung durch Bakterien
Magenschleimhautentzündung durch Bakterien
Bei einer durch Bakterien ausgelösten Magenschleimhautentzündung wird die schützende Schleimschicht durch die Keime zerstört. Die Magensäure greift nun die Schleimhaut direkt an.

Die chronische Gastritis vom Typ B betrifft vor allem den Magenabschnitt zwischen Magenkörper (Korpus) und Magenausgang (Antrum).

Typ-C-Gastritis

Die chronische Magenschleimhautentzündung vom Typ C macht etwa 15 Prozent der chronischen Magenschleimhautentzündungen aus. Ursache ist hier eine chemische Reizung des Magens. Zu den chemischen Substanzen zählen vor allem Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac. Sie gehören zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR).

Auch das Zurückschwemmen von Galle in den Magen (Gallenreflux) hat manchmal eine chronische Gastritis Typ C zur Folge.

Seltene Formen von chronischer Gastritis

Eine chronische Gastritis hat in selteneren Fällen auch andere Ursachen. Unter anderem gibt es folgende Sonderformen:

  • Eosinophile (allergische) Gastritis: zum Beispiel bei Allergien gegen Kuhmilch oder Soja
  • Lymphozytäre Gastritis: eventuell durch H. pylori oder Zöliakie ausgelöst, führt unter anderem zu Morbus Ménétrier (Riesenfaltengastritis) oder Blutarmut (Anämie)
  • Granulomatöse Gastritis: bei entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Sarkoidose oder Tuberkulose

Wie wird eine Magenschleimhautentzündung festgestellt?

Sollten Sie Magenprobleme haben, suchen Sie zunächst Ihren Hausarzt auf. Wenn es notwendig ist, überweist er Sie im weiteren Verlauf an einen Magen-Spezialisten, einen Gastroenterologen. Als erstes befragt Ihr Arzt Sie ausführlich zu Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei fragt er zum Beispiel:

  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Leiden Sie an Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall?
  • Nehmen Sie Medikamente ein wie zum Beispiel Schmerzmittel?
  • Verspüren Sie ein Völlegefühl?

Körperliche Untersuchung

Danach untersucht Ihr Arzt Sie. Dafür hört er Ihren Bauch ab, wobei er sowohl die Darmgeräusche als auch den Pulsschlag der grossen Blutgefässe des Bauches registriert. Danach klopft er Ihren Bauch ab. So stellt er Luft- oder Flüssigkeitsansammlungen fest. Beim Abtasten des Bauches achtet der Arzt auf mögliche Verhärtungen. Ausserdem ertastet er Ihre Leber unter dem rechten Rippenbogen sowie Ihre Milz unter dem linken Rippenbogen.

Bildgebung – Endoskopie

Eine Gastritis lässt sich nur eindeutig diagnostizieren, indem der Arzt einen Blick in das Innere des Magens wirft. Bei einer sogenannten Endoskopie schiebt der Arzt einen dünnen Schlauch mit einer kleinen Kamera an der Spitze vorsichtig durch die Speiseröhre bis in den Magen vor. So erkennt der Arzt mögliche Veränderungen der Schleimhaut wie zum Beispiel Rötungen, Schwellungen oder Blutungen.

Gewebeprobe – Biopsie

Mithilfe feiner Instrumente entnimmt der Arzt bei Bedarf im Rahmen der endoskopischen Untersuchung eine Gewebeprobe der Schleimhaut. Diese Gewebeproben untersucht ein Pathologe unter dem Mikroskop genauer, um die Art der Entzündung zu bestimmen. Dabei lässt sich erkennen, ob sich die Entzündung auf die oberen Schleimhautschichten beschränkt (Oberflächengastritis) oder bereits die Magendrüsen geschädigt hat (atrophische Gastritis).

Test auf Helicobacter pylori

Ausserdem ist mithilfe der Biopsie ein Urease-Schnelltest auf den Magenkeim Helicobacter pylori möglich. Dazu fügt der Arzt der Gewebsprobe Harnstoff hinzu. Ist das Bakterium vorhanden, wandelt sein Enzym (die Urease) den Harnstoff in Ammoniak um. Diese Reaktion ist messbar.

Andere Testverfahren, um H. pylori als Ursache für eine chronische Gastritis auszumachen, sind:

  • Atemtest: Der Patient erhält radioaktiv markierten Harnstoff. H. pylori spaltet diesen auf, wodurch in der ausgeatmeten Luft radioaktiv markiertes Kohlenstoffdioxid nachweisbar ist.
  • Antigene im Stuhl: Eiweisse von H. pylori scheidet der Körper über den Darm aus. Diese sind dann im Stuhl nachweisbar.
  • Antikörper im Serum: Bei einer Infektion mit H. pylori bildet das Immunsystem Antikörper gegen die Bakterien. Diese sind auch nach durchgemachter Infektion im Blut des Patienten nachweisbar.

Blutuntersuchung

Neben Antikörpern auf H. pylori untersuchen Ärzte bei Verdacht auf eine Typ-A-Gastritis das Blut auf bestimmte Auto-Antikörper. Sollten chronische Blutungen auftreten, ist anhand spezieller Blutwerte bzw. im Blutbild eventuell eine mikrozytäre Anämie feststellbar – eine Form von Blutarmut mit verkleinerten roten Blutkörperchen.

Zusätzlich überprüfen Ärzte den Vitamin-B12-Level im Blut, um Hinweise auf einen entsprechenden Mangel und eine mögliche perniziöse Anämie zu erhalten.

Ob ein Mangel an Intrinsic Factor vorliegt, lässt sich anhand bestimmter Antikörper im Blut überprüfen und beurteilen, die in den Fällen erhöht sind.

Wie sieht der Krankheitsverlauf aus?

Eine akute Magenschleimhautentzündung hat in der Regel eine gute Prognose und ist meist vollständig heilbar. Die Dauer einer akuten Gastritis lässt sich nicht genau vorhersagen. Häufig bessert sie sich aber nach wenigen Tagen oder Wochen ohne weitere Behandlung von allein. In der akuten Phase, also den ersten Tagen nach Diagnose, ist unter Umständen eine Krankschreibung erforderlich, da sich die Betroffenen anfangs sehr unwohl fühlen.

Allerdings gibt es auch schwere Verläufe, etwa wenn Patienten eine "erosive Gastritis" haben – die sogenannte hämorrhagische Gastritis. Hierbei treten Blutungen auf, die mitunter lebensbedrohlich sind. Ausserdem entwickelt sich eine Magenschleimhautentzündung mitunter zu einem Magengeschwür.

Eine chronische Magenschleimhautentzündung hält in der Regel mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre an. Mit einer frühzeitigen Behandlung ist die Prognose aber in der Regel sehr gut. Eine chronische Gastritis ist in den meisten Fällen heilbar. Risiken entstehen, wenn sie nicht behandelt wird.

Da es nur selten lebensgefährliche Verläufe gibt und diese meist gut behandelbar sind, ist bei einer Gastritis mit einer normalen Lebenserwartung zu rechnen.

Durch die ständige Reizung der Magenschleimhaut steigt bei einer chronischen Gastritis das Risiko, dass Zellen entarten und Magenkrebs verursachen. Zunächst wandeln sich die Zellen der Magenschleimhaut in Darm-ähnliche Zellen um. Dann spricht man von intestinaler (= dem Darm zugehöriger) Metaplasie (= Umwandlung).

Wer eine chronische Gastritis hat, ist daher gut beraten, regelmässig alle drei Jahre eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchführen zu lassen. So werden Krebs und Krebsvorstufen meist rechtzeitig erkannt und behandelt.

Weiterführende Informationen

Bücher

  • Irmgard Fortis Ernährung bei Gastritis, Maudrich, 2017
  • Astrid Laimighofer: Schonkost für Magen und Darm: So bauen Sie die Ernährung nach dem 3-Stufen-Konzept sanft auf, Trias 2019
  • Heide Steigenberger Reizmagen: Richtiger Umgang mit Gastritis, Sodbrennen, Magendrücken und Verdauungsstörungen, Kneipp Verlag 2014
  • Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre – Heft 55, Robert- Koch-Institut, 2013

Leitlinien

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Nina Buschek
Autoren:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

ICD-Codes:
K29K52
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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