Durchfall bei Hitze

Von , Medizinredakteurin
Mag. Astrid Leitner

Astrid Leitner studierte in Wien Tiermedizin. Nach zehn Jahren in der veterinärmedizinischen Praxis und der Geburt ihrer Tochter wechselte sie – mehr zufällig – zum Medizinjournalismus. Schnell war klar: Das Interesse an medizinischen Themen und die Liebe zum Schreiben ergeben für sie die perfekte Kombination. Astrid Leitner lebt mit Tochter, Hund und Katze in Wien und Oberösterreich.

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Ist die Aussentemperatur über Tage hinweg sehr hoch, ist das für den Körper eine enorme Belastung. Bei manchen Menschen reagiert der Körper auf Hitze mit Durchfall. Lesen Sie hier, wie es dazu kommt und was Sie dagegen tun können.

Seniorin hält sich den Bauch; Durchfall

Warum reagiert der Körper mit Durchfall auf Hitze?

Hitze kann sich auf unterschiedliche Weise auf den Körper auswirken. Manche Menschen reagieren auf Hitzewellen auch mit Durchfall. Für Magen-Darm-Infektionen bei sommerlichen Temperaturen gibt es unterschiedliche Ursachen.

Durchfall durch Keimbelastung von Lebensmitteln

Durchfall ist unabhängig von der Jahreszeit ein typisches Symptom von Magen-Darm-Infektionen. In vielen Fällen sind Bakterien wie Salmonellen die Auslöser von Verdauungsbeschwerden. Neben Durchfall verursachen Salmonellen noch weitere Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. In schweren Fällen können Fieber und blutiger Stuhl hinzukommen.

Hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit begünstigen das Wachstum und Vermehrung von Salmonellen. Sie vermehren sich im Temperaturbereich von 10 bis 47 Grad Celsius – je wärmer, desto schneller. Die Folge: Bei Hitze steigt die Keimbelastung von Lebensmitteln (rohe Eier, rohes Fleisch). Werden diese nicht ausreichend lange und ausreichend hoch erhitzt und damit die Erreger abgetötet, kommt es mitunter zu Durchfallerkrankungen.

Durchfall durch Hitzestress

Eine Studie des Universitätsspitals Zürich zeigte, dass Beschwerden durch Magen-Darm-Infekte und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn bei anhaltend hohen Temperaturen zunehmen. Die Forschenden wiesen nach, dass das Risiko für eine Darmerkrankung während einer Hitzewelle jeden Tag um 4,7 Prozent steigt. Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen steigt das Risiko für einen Krankheitsschub um 4,6 Prozent. Auffällig war, dass die Auswirkungen auf die Gesundheit jeweils sieben Tage nach einer Hitzewelle am grössten waren.

Experten gehen davon aus, dass anhaltende Hitzeperioden Stress für den Körper bedeuten.

Bei hohen Aussentemperaturen versucht der Körper, die innere Kerntemperatur konstant zu halten.

Um Wärme an die Umgebung abzugeben, wird die Haut stärker durchblutet. Das führt mitunter dazu, dass innere Organe wie der Darm weniger gut mit Blut versorgt werden. Darauf reagieren manche Menschen mit Durchfall.

Zudem vermuten die Forscherinnen und Forscher, dass eine erhöhte Körpertemperatur die Darmflora verändert und so Hitze-Durchfall verursacht.

Ausserdem wird die Körpertemperatur durch Schwitzen reguliert. Dabei verliert der Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wichtige Mineralstoffe (Elektrolyte). Die Folge: Der Körper dehydriert. Auch das ist ein Stressfaktor, der mitunter Durchfall auslösen kann.

Bei Kindern und älteren Personen kann Durchfall schnell zu einer Austrocknung (Dehydrierung) führen. Anzeichen sind dunkel gefärbter Urin, trockene Schleimhäute, Müdigkeit bis hin zu Benommenheit. Suchen Sie bei Verdacht auf Dehydrierung rasch einen Arzt auf!

Durchfall als Anzeichen für einen Hitzschlag

Ist der Körper nicht mehr in der Lage, die innere Körpertemperatur konstant zu halten, kommt es zu einem Wärmestau. Steigt die Körpertemperatur auf mehr als 40 Grad Celsius an, spricht man von einem Hitzschlag. Weitere Symptome, die bei einem Hitzschlag auftreten, sind Bewusstseinsstörungen, Erbrechen, niedriger Blutdruck und Durchfall.

Ein Hitzschlag ist lebensbedrohlich. Rufen Sie bei Verdacht auf einen Hitzschlag sofort den Notarzt!

Mehr darüber, wie ein Hitzschlag entsteht und wie Sie richtig Erste Hilfe leisten, lesen Sie in unserem Beitrag Hitzschlag.

Durchfall bei Hitze – was hilft?

Bei hitzebedingtem Durchfall ist meist keine spezielle Behandlung notwendig. Am besten hilft es, bei Hitze ausreichend zu trinken und Schonkost zu sich zu nehmen. Medikamente verabreicht der Arzt nur in Ausnahmefällen.

Ausreichend trinken

Wer an Durchfall leidet, verliert vermehrt Flüssigkeit. Bei Hitze gibt der Körper zusätzlich über das Schwitzen Flüssigkeit ab. Umso wichtiger ist es, bei einer Durchfallerkrankung im Sommer ausreichend zu trinken.

Wie viel Flüssigkeit notwendig ist, um den Flüssigkeits- und Elektrolytmangel auszugleichen, ist individuell unterschiedlich. Erwachsene sollten – abhängig von ihrem Körpergewicht – pro Tag zwei bis drei Liter trinken, Kinder entsprechend weniger. Bei Durchfall, körperlicher Arbeit oder Sport bei sommerlichen Temperaturen kann sich die benötigte Trinkmenge deutlich erhöhen.

Trinken Sie nicht erst dann, wenn Sie durstig sind, sondern gleichmässig über den Tag verteilt. Dabei hilft es, das Getränk gut sichtbar bereitzustellen.

Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen dürfen unter Umständen nur eine geringere Trinkmenge zu sich nehmen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wie viel Sie bei Hitze und Durchfall trinken sollen.

Welche Getränke sind bei Durchfall geeignet?

Bei Durchfall ist es wichtig, dem Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Elektrolyte zuzuführen. Sie gleichen auch den Verlust an Mineralstoffen wieder aus. Folgende Getränke sind dafür geeignet:

  • Stilles Mineralwasser
  • Verdünnte Obst- und Gemüsesäfte
  • Ungesüsste Früchte- und Kräutertees
  • Isotonische Getränke (Sportgetränke oder fertige Mischung aus der Apotheke)

Isotonische Getränke beziehungsweise Pulver zum Einrühren in Wasser erhalten Sie im Drogeriemarkt oder in der Apotheke. Ein isotonisches Getränk können Sie auch leicht selbst herstellen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt dafür folgendes Rezept: Mischen Sie einen Liter Mineralwasser mit einer Tasse Orangensaft, vier Teelöffel Zucker und einem ¾ Teelöffel Salz. Rühren Sie anschliessend gut um.

Achten Sie darauf, dass die Getränke nicht zu kalt sind. Kälte kann im Darm mitunter die Nerven reizen und wiederum Durchfall auslösen.

Verzichten Sie bei Durchfall auf stark gesüsste oder alkoholische Getränke. Sie reizen die Schleimhaut im Verdauungstrakt zusätzlich.

Ernährung

Bei Durchfall empfehlen Ärzte leichte Schonkost. Geeignete Lebensmittel bei Durchfall sind beispielsweise Kartoffeln, Haferflocken und Zwieback. Sie binden Flüssigkeit im Darm und helfen so, den Stuhl zu verfestigen.

Verzichten Sie auf schwere oder fetthaltige Lebensmittel, die den Darm zusätzlich belasten. Dazu zählen beispielsweise stark gewürzte oder scharfe Speisen oder Frittiertes.

Medikamente

Medikamente sind bei hitzebedingtem Durchfall normalerweise nicht notwendig. Eine Ausnahme ist die Salmonellenvergiftung. Bei einem schweren Verlauf oder einer Salmonellose im ersten Lebensjahr, bei älteren Menschen oder bestimmten Vorerkrankungen kann eine Behandlung mit aber Antibiotika notwendig sein.

Durchfall bei Hitze: Vorbeugen

Um Durchfall bei sommerlichen Temperaturen zu vermeiden, ist Hygiene die wichtigste Massnahme. Achten Sie bei Lebensmitteln darauf, dass sie stets gekühlt sind und Bakterien sich nicht vermehren können.

Lebensmittelhygiene

Um der Keimbelastung von Lebensmitteln vorzubeugen, ist es wichtig, sorgsam damit umzugehen. Folgende Tipps können helfen, Durchfallerkrankungen zu vermeiden.

  • Kühlkette einhalten: Achten Sie beim Einkaufen darauf, dass Lebensmittel wie Fleisch oder Milchprodukte stets gekühlt bleiben. Verpacken Sie diese beim Heimtransport möglichst in Kühltaschen und lagern Sie diese zu Hause im Kühlschrank.
  • Waschen Sie sich vor der Zubereitung gründlich die Hände.
  • Reinigen Sie Arbeitsflächen, Schneidbretter und Messer gründlich.
  • Verwenden Sie für heikle Lebensmittel wie Fleisch stets eigene Messer, die Sie nicht für andere Lebensmittel benutzen.
  • Garen Sie Fleisch gut durch. Eine sichere Keimabtötung ist erst dann gewährleistet, wenn das Fleisch bei mindestens 70 Grad für zehn Minuten erhitzt wurde.
  • Frieren Sie zuvor aufgetautes Fleisch nicht wieder ein.
  • Bewahren Sie Essensreste stets im Kühlschrank auf.

Vorsicht bei Auslandsreisen

Achten Sie im Ausland auch auf die Trinkwasserqualität. In vielen Ländern hat Leitungswasser nicht die gleiche Qualität wie im Heimatland. Wasser aus der Leitung ist daher oftmals mit Keimen belastet und daher nicht zum Trinken geeignet. Kaufen Sie stattdessen abgepacktes Wasser in Flaschen.

Ist dies nicht möglich, kochen Sie das Leitungswasser vor dem Trinken ab.

Verzichten Sie bei Auslandsreisen auch auf Getränke mit Eiswürfeln! Diese könnten – sofern sie aus Leitungswasser hergestellt wurden – ebenfalls Keime enthalten!

Auch bei Lebensmitteln wie Fleisch, Obst oder Gemüse ist auf Auslandsreisen Vorsicht geboten. Hier gilt das Prinzip: schälen, kochen oder braten – und im Zweifelsfall nicht essen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Astrid Leitner studierte in Wien Tiermedizin. Nach zehn Jahren in der veterinärmedizinischen Praxis und der Geburt ihrer Tochter wechselte sie – mehr zufällig – zum Medizinjournalismus. Schnell war klar: Das Interesse an medizinischen Themen und die Liebe zum Schreiben ergeben für sie die perfekte Kombination. Astrid Leitner lebt mit Tochter, Hund und Katze in Wien und Oberösterreich.

Quellen:
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): Hitze, Stand: 25.07.2023, unter: www.bag.admin.ch (Abrufdatum: 01.09.2023)
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Handlungsempfehlung „Hitzebedingte Gesundheitsstörungen in der hausärztlichen Praxis“, Stand: 2020, unter: www.register.awmf.org (Abrufdatum: 01.09.2023)
  • Manser CN et al.: Heat waves, incidence of infectious gastroenteritis, and relapse rates of inflammatory bowel disease: a retrospective controlled observational study. Am J Gastroenterol. 2013 Sep;108(9):1480-5. doi: 10.1038/ajg.2013.186.
  • Robert-Koch-Institut (RKI): RKI Ratgeber „Salmonellose“, Stand: 2016, unter: www.rki.de (Abrufdatum: 01.09.2023)
  • Sozialministerium: Sommer und Hitze, Stand: 21.06.2021, unter: www.sozialministerium.at (Abrufdatum: 01.09.2023)
  • Umweltbundesamt: Gesundheitsrisiken durch Hitze, Stand: 2023, unter: www.umweltbundesamt.de (Abrufdatum: 01.09.2023)
  • World Health Organization: ORAL REHYDRATION SALTS Production of the new ORS, unter: https://apps.who.int/ (Abrufdatum: 01.09.2023)
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