Campylobacter-Infektion

Von , Medizinredakteurin
Mag. Astrid Leitner

Astrid Leitner studierte in Wien Tiermedizin. Nach zehn Jahren in der veterinärmedizinischen Praxis und der Geburt ihrer Tochter wechselte sie – mehr zufällig – zum Medizinjournalismus. Schnell war klar: Das Interesse an medizinischen Themen und die Liebe zum Schreiben ergeben für sie die perfekte Kombination. Astrid Leitner lebt mit Tochter, Hund und Katze in Wien und Oberösterreich.

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Campylobacter sind bakterielle Krankheitserreger, die typischerweise eine akute Darmentzündung hervorrufen. Die Ansteckung erfolgt meist über verunreinigte Lebensmittel. Betroffene entwickeln wässrige Durchfälle, Bauchschmerzen und Fieber. Eine Campylobacter-Infektion heilt in der Regel folgenlos aus. Lesen Sie hier, wie genau die Bakterien übertragen werden, welche Symptome dabei auftreten und was Sie gegen eine Campylobacter-Infektion tun können!

Campylobacter Bakterien

Kurzübersicht

  • Was ist eine Campylobacter-Infektion? Akute Durchfallerkrankung durch Bakterien der Gattung Campylobacter, auch Campylobacter-Enteritis oder Campylobacteriose genannt
  • Symptome: Typisch sind wässriger Durchfall (manchmal blutig oder schleimig), Bauchschmerzen, Fieber, Müdigkeit; zuvor oft schon Beschwerden wie bei einer Grippe mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen; einige Infektionen verlaufen ohne Symptome.
  • Ansteckung: Meist über kontaminierte Lebensmittel, insbesondere nicht erhitztes Fleisch und Rohmilch, seltener auch über Schmierinfektion und verunreinigtes Wasser
  • Behandlung: Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten, Hygienemaßnahmen, Antibiotika nur in Ausnahmefällen
  • Ursachen: Infektion mit Campylobacter-Bakterien, vor allem „Campylobacter jejuni“, aber auch „Campylobacter coli“ oder „Campylobacter lari“
  • Diagnostik: Typische Symptome, Nachweis der Bakterien im Stuhl, Blutuntersuchung
  • Vorbeugen: Keine Impfung möglich, allgemeine Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln, Abkochen/Erhitzen)

Was sind Campylobacter?

Campylobacter sind spiral- und S-förmige Bakterien, die ansteckende Durchfallerkrankungen auslösen. Es gibt mehr als 30 Gattungen von Campylobacter-Bakterien. Die häufigsten Spezies, die bei Menschen akute Erkrankungen auslösen, sind:

  • Campylobacter jejuni (mit etwa 90 Prozent am häufigsten)
  • Campylobacter coli (circa acht Prozent)
  • Campylobacter lari (weniger als zwei Prozent)

Typischerweise gelangen die Erreger bei der Ansteckung in den Magen-Darm-Trakt und verursachen dort eine Entzündung der Schleimhaut. Treten Beschwerden und damit eine Erkrankung auf, sprechen Mediziner auch von einer Campylobacter-Enteritis oder Campylobacteriose.

Vorkommen

Campylobacter sind in der Natur weit verbreitet. Ihr natürlicher Lebensraum ist der Verdauungstrakt von Tieren. Besonders häufig leben sie im Darm von Wildtieren (Säugetiere und Vögel), Haustieren (Hunde und Katzen) oder Nutztieren (Geflügel, Rinder, Schweine, Schafe). Auch in Muscheln wurden Campylobacter bereits nachgewiesen. Infizierte Tiere erkranken in der Regel selbst nicht.

Bei einer Campylobacter-Infektion handelt es sich um eine Zoonose: Das bedeutet, dass die Bakterien vom Tier auf den Menschen übertragen werden und beim Menschen unter Umständen eine Erkrankung auslösen.

Häufigkeit

Die Campylobacter-Infektion ist etwa in Deutschland, Österreich und der Schweiz die häufigste von Bakterien verursachte Durchfallerkrankung: In diesen Ländern erkranken pro Jahr etwa 70 bis 90 von 100.000 Einwohnern. Typisch ist das gehäufte Auftreten in der warmen Jahreszeit: Die meisten Campylobacter-Infektionen treten zwischen Juni und September auf. Besonders häufig erkranken kleine Kinder und junge Erwachsene.

Eine Campylobacterinfektion ist in den genannten Ländern meldepflichtig: Nach der Infektion mit Noroviren ist sie die zweithäufigste meldepflichtige Durchfallerkrankung. Weltweit verursachen Campylobacter rund zehn Prozent aller infektiösen Durchfallerkrankungen. Die bakteriellen Erreger zählen außerdem zu den häufigsten Auslösern des Reisedurchfalls (Reisediarrhoe).

Wie wird Campylobacter übertragen?

Campylobacter leben natürlicherweise im Darm verschiedener Tiere, ohne diese krank zu machen. Sie gelangen über unterschiedliche Wege in den Körper des Menschen:

Lebensmittel: In den meisten Fällen erfolgt die Ansteckung mit Campylobacter über rohe oder nicht genügend erhitzte Lebensmittel. Häufigste Infektionsquellen sind nicht abgekochte Rohmilch und Geflügelfleisch.

Schmier- und Kontaktinfektion: Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder (Haus-)Tier zu Mensch über eine Schmierinfektion ist ebenfalls möglich. Dabei gelangen die Erreger von Stuhlresten einer infizierten Person oder eines ansteckenden Tieres über meist unzureichend gewaschene Hände in den Mund. Ursprung können auch unbelebte Oberflächen sein: Insbesondere bei niedrigen Temperaturen überleben Campylobacter bis zu sechs Tage.

Wasser: Über den Kot infizierter Tiere ist es möglich, dass Campylobacter-Bakterien in Gewässer gelangen. Wird dann das kontaminierte Wasser beispielsweise beim Schwimmen geschluckt, erreichen die Keime den Magen-Darm-Trakt und lösen unter Umständen eine Entzündung aus.

Welche Symptome treten auf?

Nach einer Ansteckung mit Campylobacter können etwa zwei bis fünf Tage, manchmal auch erst zehn Tage später erste Beschwerden auftreten (Inkubationszeit). Die Erkrankung beginnt häufig mit grippeähnlichen Symptomen:

Nach weiteren zwölf bis 24 Stunden kommen die typischen Magen-Darm-Beschwerden hinzu:

  • Akuter, wässriger Durchfall, manchmal blutig und/oder schleimig
  • Bauchkrämpfe
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Müdigkeit

Bei starkem Durchfall und Erbrechen verlieren Betroffene schnell Flüssigkeit, der Körper dehydriert. Erste Anzeichen für den Flüssigkeitsverlust sind:

  • Trockene Schleimhäute, z.B. Mundtrockenheit
  • Hautfalten bleiben nach dem Hochziehen stehen
  • Eingefallene Augen
  • Geringere Harnmenge

Babys, Kleinkinder und sehr alte Menschen sind besonders gefährdet „auszutrocknen“. Suchen Sie bei den ersten Anzeichen bald einen Arzt auf!

Wann zum Arzt?

Die meisten Campylobacter-Infektionen sind harmlos und heilen nach wenigen Tagen wieder aus. Dennoch kann es sinnvoll sein, einen Arzt aufzusuchen, vor allem wenn man an chronischen Vorerkrankungen leidet. Ein Arztbesuch ist zudem dann ratsam, wenn:

• das Fieber auf über 39°C ansteigt.

• nach drei Tagen keine Besserung der Beschwerden eintritt.

• anhaltend kolikartige Bauchkrämpfe auftreten.

Blut im Stuhl sichtbar ist.

• Anzeichen einer Dehydrierung („Asutrocknung“) feststellbar sind.

• der Patient jünger als 12 Monate ist.

• Sie in einem Lebensmittelbetrieb oder einer Gemeinschaftseinrichtung beschäftigt sind.

Wie lange ist man ansteckend?

Menschen mit einer Campylobacter-Infektion sind für gewöhnlich zwei bis vier Wochen ansteckend. Sie scheiden die Erreger weiterhin mit dem Stuhl aus, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind.

Bei Kindern bis zum Kleinkindalter und immungeschwächten oder chronisch kranken Personen ist es möglich, dass sie zu sogenannten „Langzeitausscheidern“ werden. Dabei geht die Ausscheidungsdauer über die üblichen zwei bis vier Wochen hinaus.

Symptomlose Träger

Eine Ansteckung mit Campylobacter führt nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung. Viele Infektionen verlaufen gänzlich ohne Symptome. Ärzte sprechen dann von „symptomlosen Trägern“: Betroffene erkranken selbst nicht, können die Erreger aber unwissentlich an andere Personen weitergeben.

Wie stellt der Arzt eine Infektion mit Campylobacter fest?

Erster Ansprechpartner bei einer Durchfallerkrankung ist der Hausarzt. Er erkundigt sich nach den aktuellen Beschwerden und führt weitere Untersuchungen durch, um die Ursache für die Erkrankung zu finden.

Anamnese

Zunächst erfragt der Arzt die Krankengeschichte. Antworten auf folgende Fragen geben ihm erste Hinweise auf eine mögliche Campylobacter-Enteritis:

  • Seit wann leiden Sie an Durchfall?
  • Wie oft pro Tag müssen Sie zur Toilette?
  • Wie ist der Stuhl beschaffen? Wässrig? Ist Blut oder Schleim zu sehen?
  • Hatten Sie Kontakt zu infizierten Personen?
  • Hatten Sie Kontakt zu Tieren?
  • Waren Sie kürzlich im Ausland?
  • Haben Sie kürzlich Rohmilchprodukte oder nicht durchgegarte Lebensmittel verzehrt? Waren Sie im Restaurant?
  • Haben Sie noch weitere Beschwerden oder Erkrankungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Körperliche Untersuchung

Anschließend untersucht der Arzt den Betroffenen. Unter anderem hört und tastet er den Bauch ab. Dabei achtet beispielsweisedarauf, ob bestimmte Bauchregionen bei Druck besonders schmerzen. Zudem richtet er sein Augenmerk auf Anzeichen einer Austrocknung (wie beispielsweise stehende Hautfalten oder trockene Schleimhäute).

Untersuchung einer Stuhlprobe

Erhärtet sich der Verdacht auf eine bakterielle Darmerkrankung, prüft der Arzt, ob im Stuhl etwa Campylobacter-Bakterien zu finden sind. Dafür benötigt er eine möglichst frische Stuhlprobe und schickt diese in ein Labor. Dieses untersucht dann, ob Bakterien sich aus dem Stuhl anzüchten lassen. Unter dem Mikroskop ist es schließlich möglich, Campylobacter zweifelsfrei nachzuweisen.

Anhand dieser sogenannten Bakterienkultur kann man bei Bedarf zugleich prüfen, welche Antibiotika gegen die Bakterien wirken (Antibiogramm).

Eine weitere Möglichkeit, Campylobacter im Stuhl zu entdecken, sind spezielle Nachweisverfahren wie ELISA (Antigentest) oder PCR-Tests. Damit weist der Labor das Bakterium beziehungsweise Bestandteile davon im Stuhl nach.

Blutuntersuchung

Campylobacter sind nur dann im Blut zu finden, wenn sie bereits in den Blutkreislauf übergetreten sind. Das ist bei einer – nur selten auftretenden - Blutvergiftung (Sepsis) der Fall.

Ist die Infektion auf den Magen-Darm-Trakt beschränkt, sind im Blut unter Umständen die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) oder der sogenannte CPR-Wert erhöht. Beide Werte weisen auf eine Entzündung hin, beweisen aber nicht, dass Campylobacter die Auslöser der Erkrankung sind.

Meldepflicht

Arzt beziehungsweise Labor sind verpflichtet, eine festgestellte Campylobacter-Infektion innerhalb von 24 Stunden dem Gesundheitsamt zu melden. In bestimmten Fällen ist auch der Verdacht auf eine Infektion mit Campylobacter meldepflichtig. Das gilt für Personen, die in Lebensmittelbetrieben oder Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung (Küchen, Gaststätten) tätig sind.

Wie wird der Campylobacter behandelt?

Behandlung

Meist ist eine Campylobacter-Infektion selbstlimitierend. Das bedeutet, dass sie nach wenigen Tagen ohne spezifische Therapie gegen die Bakterien von selbst wieder abklingt. Antibiotika sind nur vereinzelt notwendig. Im Vordergrund stehen stattdessen der Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich sowie eine symptomatische Behandlung der Beschwerden.

Elektrolyt- und Flüssigkeitstherapie

Erkrankte schaffen es überwiegend selbst, ausreichend Flüssigkeit, Mineral- und Nährstoffe zu sich zu nehmen. In seltenen Fällen ist dafür jedoch ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Betroffene stark dehydriert und in schlechtem Allgemeinzustand sind. Sie bekommen die notwendige Flüssigkeit sowie Elektrolyte intravenös – also über eine Armvene – verabreicht.

Medikamente gegen die Beschwerden

Um die Beschwerden einer Campylobacter-Infektion zu lindern, verschreibt der Arzt bei Bedarf geeignete Präparate. Dazu gehören beispielsweise Medikamente gegen Erbrechen und Übelkeit (z.B. Domperidon oder Dimenhydrinat) oder Mittel gegen Schmerzen und Bauchkrämpfe (z.B. Paracetamol, Metamizol, Butylscopalamin).

Antibiotika gegen Campylobacter

Eine antibiotische Behandlung ist nur in Ausnahmefällen und bei bestimmten Personengruppen notwendig. Dazu gehören beispielsweise immunschwache oder schwer vorerkrankte Personen (z.B. Diabetes, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen).

Bessert sich die Campylobacter-Infektion nicht oder dauert sie länger als die üblichen sieben Tage, setzen Ärzte ebenfalls entsprechende Mittel ein. Bei Zeichen einer Blutvergiftung wie sehr hohes Fieber und Kreislaufschwäche sind nicht nur Antibiotika unerlässlich, sondern auch die Überwachung in einem Krankenhaus.

Gegen Campylobacter greift der Arzt zu sogenannten Makroliden, allen voran das Antibiotikum Azithromycin. Alternativ wirkt auch Ciprofloxacin.

Was kann man selbst tun?

Durchfall entzieht viel Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe (Elektrolyte). Wichtig ist daher, diesen Verlust bestmöglich wieder auszugleichen. Das gelingt Ihnen beispielsweise mit stillem Wasser, gesüßtem Tee, kräftigen Brühen und verdünnten Fruchtsäften, denen Sie Salz oder Zucker zusetzen. Trinken Sie mindestens zwei Liter am Tag.

Bei Durchfallerkrankungen wie nach einer Campylobacter-Infektion kann man sich zudem eine spezielle Trinklösung zubereiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt folgende Mischung aus Zucker und Elektrolyten: Glucose 13,5 g/L, Natriumchlorid 2,6 g/L, Kaliumchlorid 1,5 g/L und Natriumcitrat 2,9 g/L. Fertige Pulver oder Granulate gibt es in Apotheken zu kaufen.

Erkrankt man nach einer Campylobacter-Infektion an Magen-Darm-Beschwerden, ist es zudem ratsam, nur leichte Kost zu sich zu nehmen. Essen Sie, wenn überhaupt möglich, vier bis fünf kleine Portionen pro Tag.

Geeignete Lebensmittel sind dabei beispielsweise Bananen, Zwieback und Reis. Sie festigen den Stuhl. Gleiches macht geriebener Apfel durch das enthaltene Apfelpektin. Flohsamenschalen quellen bei Kontakt mit Flüssigkeit auf und binden überschüssiges Wasser im Stuhl.Weniger geeignet sind hingegen pure Fruchtsäfte, Kaffee, Alkohol, Limonaden, blähende Kost und fettige Speisen. Am besten verzichten Sie auf diese Speisen und Getränke bis sich Ihr Stuhlgang normalisiert hat.

Noch mehr hilfreiche Tipps erhalten Sie in unserem Beitrag „Durchfall – Hausmittel“.

Hygienemaßnahmen

Ebenso wichtig sind Hygienemaßnahmen. Sie schützen nicht nur andere Personen vor einer Ansteckung, sondern auch den Betroffenen selbst vor einer erneuten Infektion (Reinfektion).

Folgende Maßnahmen helfen, das Risiko einer Verbreitung zu reduzieren:

  • Teilen Sie die Toilette nach Möglichkeit nicht mit anderen Personen im Haushalt.
  • Desinfizieren Sie die Toilette nach jedem Toilettenbesuch.
  • Waschen Sie sich nach jedem Toilettenbesuch und vor der Essenszubereitung die Hände mit Seife und warmem Wasser.
  • Reduzieren Sie den Kontakt zu anderen Menschen.
  • Bereiten Sie keine Mahlzeiten für andere Personen zu.
  • Schonen Sie sich, solange Sie Beschwerden haben.

Krankheitsverlauf und Folgen

Eine Campylobacter-Infektion heilt in der Regel nach wenigen Tagen bis zu einer Woche vollständig aus. Komplikationen und Nachwirkungen treten nur selten auf.

Bei Säuglingen, Babys und Kleinkindern ist das Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift. Das hat zur Folge, dass sich der Organismus nicht ausreichend gegen die Erreger wehren kann. Unter Umständen dauern die Beschwerden dann länger an.

Gleiches gilt für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist. Das ist beispielsweise bei sehr alten Menschen, chronisch Kranken (Diabetes, HIV, chronisch entzündliche Darmerkrankungen) oder Personen, die abwehrhemmende Medikamente einnehmen (z.B. bei Krebserkrankungen oder nach Transplantationen) der Fall.

In seltenen Fällen entwickelt sich daraus ein schwerer Verlauf mit einer gefährlichen Blutvergiftung. Diese Form der Erkrankung erfordert eine rasche Behandlung mit Antibiotika. Ziel ist, zu verhindern, dass die Bakterien auch in andere Gewebe gelangen und dort Probleme verursachen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis), Krampfanfälle oder Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) beziehungsweise der Herzinnenhaut (Endokarditis).

Nach eine Campylobacter-Infektion können sich zudem Folgeerkrankungen wie die reaktive Arthritis entwickeln. Dabei entzünden sich wenige Tage bis Wochen nach der Durchfallerkrankung typischerweise Gelenke, Augenbindehaut und die Harnröhre.

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) wiederum ist eine sehr seltene Folgekrankheit, die entsteht, wenn Antikörper zur Abwehr der Campylobacter-Infektion auch die Nerven angreifen. Das GBS verursacht mitunter Schwäche und Lähmungen.

Wie kann man einer Infektion mit Campylobacter vorbeugen?

Campylobacter-Bakterien sind in der Natur weit verbreitet. Einen spezifischen Schutz vor einer Ansteckung wie beispielsweise eine Impfung gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, die richtigen Maßnahmen zu kennen, um einer Infektion vorzubeugen:

  • Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang und vor der Essenzubereitung die Hände mit Seife und warmem Wasser!
  • Garen Sie Fleisch – insbesondere Geflügel – immer durch! Campylobacter-Bakterien sind hitzeempfindlich, das Durchgaren der Speise tötet den Keim zuverlässig ab.
  • Verzichten Sie im Ausland auf Leitungswasser, rohes Gemüse, ungeschältes Obst und offenes Eis!
  • Vermeiden Sie Rohmilchprodukte („Milch ab Hof“) oder kochen Sie diese vor dem Verzehr ab; bevorzugen Sie pasteurisierte Milchprodukte!
  • Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere sowie alte und immungeschwächte Menschen verzehren am besten generell keine rohen Lebensmittel tierischer Herkunft (wie Rohmilchprodukte oder rohes Fleisch).
  • Reinigen Sie Arbeitsflächen und Arbeitsgeräte (wie Schneidbretter und Messer) mit heißem Wasser und Geschirrspülmittel.
  • Wechseln Sie Küchenhandtücher und Wischlappen häufig und waschen Sie diese bei mindestens 60°C!

Da Betroffene noch längere Zeit Erreger ausscheiden, ist es überdies wichtig, für einen Zeitraum von etwa vier Wochen nach Abklingen der Symptome die Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen strikt einzuhalten. Unter diesen Umständen ist es möglich, wieder arbeiten zu gehen. Betroffene Personen sollten in diesem Zeitraum jedoch nicht in lebensmittelhygienisch sensiblen Bereichen tätig sein.

Kinder, die das sechste Lebensjahr noch nicht erreicht haben und krankheitsverdächtig oder bereits erkrankt sind, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen (wie den Kindergarten oder Kindertagesstätten) nicht besuchen. Möglich ist der Besuch erst wieder, nachdem ein Arzt bestätigt hat, dass eine Weiterverbreitung der Campylobacter nicht mehr zu befürchten ist. Das ist frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome möglich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Astrid Leitner
Mag.  Astrid Leitner

Astrid Leitner studierte in Wien Tiermedizin. Nach zehn Jahren in der veterinärmedizinischen Praxis und der Geburt ihrer Tochter wechselte sie – mehr zufällig – zum Medizinjournalismus. Schnell war klar: Das Interesse an medizinischen Themen und die Liebe zum Schreiben ergeben für sie die perfekte Kombination. Astrid Leitner lebt mit Tochter, Hund und Katze in Wien und Oberösterreich.

ICD-Codes:
A04
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Campylobacter, unter: www.bfr.de (Abrufdatum: 21.07.2021)
  • Kramer, A. et al.: How long do nosocomial pathogens persist on inanimate surfaces? A systematic review. In: BMC Infect Dis. 2006; 6:130
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Akuter Durchfall, Stand: September 2013
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS): Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple, Stand: Februar 2015
  • Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung. Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter, Stand: Mai 2019
  • Österreichisches Bundesamt für Ernährungssicherheit: Campylobacter, unter: www.ages.at (Abruf am 29.07.2021)
  • Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber Campylobacter-Enteritis, Stand 2018, unter: www.rki.de (Abrufdatum: 21.07.2021)
  • Schweizerisches Bundesamt für Gesundheit: Campylobacteriose, unter: www.baf.admin.ch (Abruf am 29.07.2021)
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