Azithromycin

Von Lisa Hein
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Azithromycin ist ein Antibiotikum und gehört zu den wichtigsten Mitteln bei bakteriellen Atemwegs- und Hauterkrankungen. Der Wirkstoff gilt allgemein als gut verträglich. Allerdings kann Azithromycin mit vielen anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten, was vor einer Anwendung beachtet werden muss. Hier lesen Sie alles Wichtige über Azithromycin. 

So wirkt Azithromycin

Das menschliche Immunsystem schützt den Körper unter anderem vor der Einnistung und Ausbreitung von Eindringlingen wie Bakterien und Viren. Sobald ein solcher Erreger den Weg in den Organismus findet, reagiert das Immunsystem sofort und bekämpft diesen mit verschiedenen Mechanismen.

In der Regel bemerkt das der betreffende Mensch gar nicht oder es treten nur leichte Beschwerden auf, die sich durch die erhöhte Aktivität des Immunsystems beziehungsweise den Infektionserreger ergeben. Manchmal schafft die Körperabwehr es aber nicht sofort, die Erreger erfolgreich zu bekämpfen - die Krankheitssymptome werden dann schwerwiegender. Dann kann man gegebenenfalls den Abwehrkampf des Körpers mit Medikamenten unterstützen.

Im Falle von bakteriellen Infektionen nutzt man dafür Antibiotika wie Azithromycin. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Makrolid-Antibiotikum. Es blockiert die Eiweißsynthese empfindlicher Bakterien und unterdrückt so deren Vermehrung. So muss sich das Immunsystem nur noch um das "Abtöten" und die Ausscheidung der Keime kümmern. Die Symptome der Erkrankung bessern sich dann schnell.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Azithromycin wird nach Einnahme über den Mund nur unvollständig (zu ungefähr 40 Prozent) aus dem Darm in das Blut aufgenommen. Der Abbau erfolgt in der Leber. Die Abbauprodukte werden über die Niere (also mit dem Harn) und über den Darm (mit dem Stuhl) ausgeschieden. 

Wann wird Azithromycin eingesetzt?

Der Wirkstoff Azithromycin wird bei diversen Krankheitsbildern (Indikationen) eingesetzt, wenn sie von entsprechend empfindlichen Bakterien verursacht werden. Es zählen dazu:

  • Infektionen der oberen Atemwege (z.B. Nasennebenhöhlenentzündung, Mandelentzündung)
  • Infektionen der unteren Atemwege (z.B. Bronchitis, Lungenentzündung)
  • Haut- und Weichteilinfektionen
  • akute Mittelohrentzündung
  • bestimmte Genitalinfektionen (z.B. Chlamydien)

So wird Azithromycin angewendet

In der Regel wird der Wirkstoff in Form von Tabletten unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen. Darüber hinaus stehen Suspensionen und Lösungen zur Verfügung, die entweder eingenommen oder in die Blutbahn gespritzt werden.

Die Gesamtdosis an Azithromycin beträgt bei Atemwegsinfektionen, Mittelohrentzündungen sowie Haut-und Weichteilinfektionen 1,5 Gramm. Diese werden meist nach dem Schema einer 3-Tage-Therapie eingenommen: Hierbei werden drei Tage lang jeweils einmal täglich 500 Milligramm Azithromycin eingenommen.

Bei Genitalinfektionen beträgt die Gesamtdosis nur ein Gramm, das auf einmal eingenommen werden kann.

Bei Patienten mit einem Körpergewicht unter 45 Kilogramm wird die Azithromycin-Dosierung reduziert.

Welche Nebenwirkungen hat Azithromycin?

Sehr häufig (bei mehr als zehn Prozent der Behandelten) verursacht die Therapie Magen-Darm-Beschwerden. Häufig, also bei einem bis zehn Prozent der Behandelten, ruft Azithromycin Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Hautausschlag und Sehstörungen hervor.

Noch seltener treten Lichtempfindlichkeit, Leberfunktionsstörungen, Nierenfunktionsstörungen, Verfärbungen der Zähne und Hörstörungen auf. 

Was ist bei der Einnahme von Azithromycin zu beachten?

Einschränkungen

Bei Leberfunktionsstörungen sollte Azithromycin nur mit Vorsicht angewendet werden, da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird. Das Gleiche gilt, wenn die Blutsalzwerte zu niedrig sind (besonders bei Kalium- und Magnesiummangel) sowie bei bestimmten Herzproblemen (QT-Intervall-Verlängerung, schwere Herzfunktionsstörungen, zu langsamer Herzschlag = Bradykardie).

Wechselwirkungen

Wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, können diese sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen. So verstärken folgende Wirkstoffe bei gleichzeitiger Anwendung die Nebenwirkungen von Azithromycin:

  • Mutterkornalkaloide (bei Migräne, Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck und Parkinson)
  • Astemizol (bei Allergien)
  • Alfentanil (zur Schmerzstillung während Operationen)

Umgekehrt steigert Azithromycin die Wirkung der folgenden Arzneistoffe:

  • Digoxin (bei Herzfunktionsstörungen)
  • Ciclosporin (Immunsuppressivum)
  • Colchicin (u.a. bei Gicht)

Experten empfehlen, während der Einnahme von Azithromycin Alkohol zu meiden.

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Das Reaktionsvermögen wird durch die Einnahme von Azithromycin nicht beeinflusst. Allerdings kann es zu Nebenwirkungen wie Schwindel und Krämpfen kommen.

Deshalb sollte ein Patient am Anfang der Behandlung seine individuelle Reaktion auf das Medikament beobachten, bevor er aktiv am Straßenverkehr teilnimmt oder schwere Maschinen bedient.

Altersbeschränkung

Azithromycin kann bei entsprechender Indikation ab der Geburt verabreicht werden. Bei Kindern und Jugendlichen mit einem Körpergewicht bis 45 Kilogramm erfolgt die Dosierung individuell in Anpassung an das Körpergewicht.

Schwangerschaft und Stillzeit

Azithromycin kann in der Schwangerschaft und in der Stillzeit eingesetzt werden.

Der Erfahrungsumfang zur Anwendung von Azithromycin während der Schwangerschaft ist hoch. Es hat sich gezeigt, dass der Wirkstoff keine schädigende Wirkung auf das Ungeborene hat.

Azithromycin tritt in die Muttermilch über, was aber meist keine Auswirkungen auf das gestillte Kind hat. Im Einzelfall kann es zu dünnerem Stuhlgang, selten zu Durchfall kommen. Gegebenenfalls kann während der Behandlung mit dem Antibiotikum und zwei Tage danach die Milch abgepumpt und verworfen werden.

So erhalten Sie Medikamente mit Azithromycin

Azithromycin unterliegt in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Verschreibungspflicht und ist nur mit einem Rezept vom Arzt in der Apotheke erhältlich. Azithromycin-haltige Augentropfen sind in Deutschland und Österreich, jedoch nicht in der Schweiz im Handel.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Azithromycin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 21.07.2021).
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