Darm

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Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Der Darm ist der Teil des Verdauungskanals, in dem die aufgenommene Nahrung – nachdem sie in Mund und Magen zerkleinert und angedaut wurde – weiter verdaut wird. Die dabei anfallenden kleinen Bausteine der Nährstoffe (wie Einfachzucker, Fettsäuren, Aminosäuren) werden ins Blut aufgenommen. Nicht verwertbare Substanzen werden als Stuhl (Kot) ausgeschieden. Lesen Sie alles Wichtige über den Darm: Anatomie, Funktion und wichtige Erkrankungen!

Was ist der Darm?

Der Darm ist der Hauptteil des Verdauungssystems. Er beginnt am Pylorus (Magenpförtner), führt bis zum After (Anus) und ist in den schlankeren Dünn- und den breiteren Dickdarm unterteilt. Beide weisen ihrerseits mehrere Abschnitte auf.

Dünndarm

Er wird von oben nach unten unterteilt in den Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Mehr darüber erfahren Sie im Beitrag Dünndarm.

Dickdarm

Er gliedert sich von oben nach unten in die Abschnitte Blinddarm (mit Wurmfortsatz), Grimmdarm (Kolon) und Mast- oder Enddarm (Rektum mit Anus). Lesen Sie mehr darüber im Beitrag Dickdarm.

Wie lang ist der Darm insgesamt?

Die gesamte Darmlänge beträgt etwa acht Meter. Davon entfallen fünf bis sechs Meter auf den Dünn- und der Rest auf den Dickdarm.

Welche Funktion hat der Darm?

Der meterlange Verdauungskanal sorgt nicht nur für die chemische Zerlegung der Nahrung, die Aufnahme der Nahrungsbestandteile in den Körper (Resorption) und die Ausscheidung der Nahrungsreste über den Anus. Er stellt auch eine Barriere für Krankheitserreger dar und spielt eine wichtige Rolle für die Regulation des Wasserhaushalts: Der Darm kann grosse Mengen Flüssigkeit resorbieren und auch ausscheiden.

Dünndarm-Funktion

In den Zwölffingerdarm (Duodenum) münden die grossen Verdauungsdrüsen: die Leber, deren Sekret (Galle genannt) in der Gallenblase zwischengespeichert werden kann, und die Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Beide Verdauungssekrete enthalten wichtige Verdauungsenzyme zur chemischen Spaltung der Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse.

Zusätzliche Drüsensekrete, die aus der Darmwand selbst stammen, beteiligen sich an der Verdauung. Nachdem die Nahrung in Mund und Magen zerkleinert und angedaut wurde, werden im gesamten Dünndarm die Nahrungskomponenten in kleine Bestandteile zerlegt und ins Blut aufgenommen (resorbiert):

Kohlenhydrate werden in Einfachzucker (Monosaccharide) zerlegt, Eiweisse in die einzelnen Aminosäuren, und Fette werden in Glyzerin und freie Fettsäuren gespalten. Nach ihrer Resorption ins Blut werden diese Nährstoffe als erstes über die Pfortader in die Leber transportiert. Sie ist das zentrale Stoffwechselorgan.

Auch andere Stoffe werden auf diese Weise in den Körper aufgenommen, so etwa Vitamine und Mineralstoffe.

Dickdarm-Funktion

In den Dickdarm gelangen die Nahrungsbestandteile, die der Körper nicht braucht beziehungsweise nicht verwerten kann. Die Muskelwand schiebt diesen Brei mit wellenartigen (peristaltischen) Bewegungen durch die einzelnen Abschnitte bis hin zum Ausgang (Anus). Auf seinem Weg wird der Stuhl (Kot) durch Wasserentzug eingedickt. Von der Darmwand abgesonderter Schleim macht ihn gleitfähig.

Im Dickdarm leben natürlicherweise unzählige Bakterien von mehr als 400 verschiedenen Arten. Ihre Gesamtzahl wird auf ungefähr zehn Billionen geschätzt, ihr Gesamtgewicht auf etwa 1,5 Kilo. Sie verarbeiten die unverdaulichen Nahrungsreste. Ausserdem produzieren sie Stoffe, die der Körper zum Teil gebrauchen kann (manche B-Vitamine, Vitamin K).

Durch die Arbeit der Darmbakterien entstehen auch Gase und Stoffe, die dem eingedickten Nahrungsbrei Farbe und Geruch verleihen. Dieser nicht mehr verwertbare Kot wird letztlich über den Anus nach aussen befördert.

Von der Nahrungsaufnahme bis zur Stuhlentleerung vergehen je nach Art der verzehrten Nahrung 33 bis 43 Stunden.

Wo befindet sich der Darm?

Er füllt fast den ganzen Bauchraum unterhalb des Magens aus. Das Duodenum liegt im Oberbauch direkt unter dem Magen, das Jejunum schliesst sich links oben an und das Ileum rechts unten. Die zahlreichen Schlingen von Jejunum und Ileum werden zusammen als Konvolut bezeichnet. Es wird gewissermassen vom Kolon eingerahmt. Dieses mündet dann unten mit Rektum und After nach aussen.

Welche Probleme kann der Darm verursachen?

Bei einem Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) ist ein mehr oder weniger grosser Bereich der Schleimhaut im Duodenum geschädigt. Oft tritt zusärtlich auch ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Ursache des Geschwürs ist in den meisten Fällen eine Infektion mit dem "Magenkeim" Helicobacter pylori.

Ein Reizdarm (Colon irritabile) äussert sich in chronischen Beschwerden wie Durchfall und/oder Verstopfung, Blähungen und Bauchschmerzen. Eine organische Ursache dafür lässt sich nicht feststellen. Von der Erkrankung sind vor allem Frauen betroffen.

Eine "Magen-Darm-Grippe" ist eine durch Krankheitserreger ausgelöste Entzündung der Schleimhaut im Verdauungstrakt, die zu Brechdurchfall führen kann.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungskanal (von der Mundhöhle bis zum After) befallen. Der Entzündungsprozess bei der Colitis ulcerosa beginnt meist im Rektum und breitet sich im Kolon aus.

Bei Menschen, die unter Hämorrhoiden zu leiden haben, ist ein Gefässpolster im Analkanal krankhaft erweitert. Mögliche Symptome sind zum Beispiel hellrote Blutspuren auf dem Stuhl oder Toilettenpapier, Druckschmerzen, Brennen oder Juckreiz am After. In fortgeschrittenen Stadien kann der Stuhl nicht mehr zurückgehalten werden. Zu den Risikofaktoren für Hämorrhoiden zählen wiederholtes starkes Pressen beim Stuhlgang, ballaststoffarme Ernährung, Schwangerschaft und Bindegewebsschwäche.

Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand nach aussen. Bilden sich mehrere Divertikel nebeneinander, bezeichnen Mediziner dies als Divertikulose. Die Ausstülpungen können sich entzünden (Divertikulitis). Manchmal platzen sie auch, wobei sich die Entzündung dann auf das Bauchfell ausbreiten kann. Eine Divertikulitis wird mit Antibiotika behandelt. Manchmal müssen die entzündeten Divertikel auch operativ entfernt werden. 

Darmpolypen sind Vorwölbungen der Schleimhaut, die sich vor allem im Kolon und Rektum bilden - meist ohne erkennbare Ursache. Sie verursachen oft keine Beschwerden, sollten aber trotzdem entfernt werden, weil sie entarten und zu Darmkrebs führen können. Diese Form der Krebserkrankung ist weit verbreitet. Meist bildet sich der bösartige Tumor im Darm in den letzten beiden Darmabschnitten: Kolon (Kolonkarzinom) oder Rektum (Enddarmkarzinom). 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Martina Feichter
Autor:
Eva Rudolf-Müller
Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Grillparzer, M.: Körperwissen, Gräfe und Unzer Verlag, 2007
  • I care Anatomie, Physiologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage 2020
  • Kirsch, J. et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2017
  • Klinke, R. & Silbernagl. S.: Lehrbuch der Physiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2005
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, De Gruyter Verlag, 268. Auflage, 2020
  • Tortora, G.J. & Derrickson, B.H.: Anatomie und Physiologie, Wiley-VCH Verlag, 2008
  • Waldeyer, A.: Anatomie des Menschen, Walter de Gruyter Verlag, 19. Auflage, 2012
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