Verdauung

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Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Unter Verdauung versteht man die mechanische Zerkleinerung der aufgenommenen Nahrung, ihre chemische Aufspaltung durch Enzyme und ihre Aufnahme ins Blut (Resorption). Auf diese Weise gewinnt der Körper die zum Leben notwendige Energie und Bausteine für den Organismus. Lesen Sie alles Wichtige über die Verdauung des Menschen!

Wie funktioniert die Verdauung?

Die Verdauung beginnt, sobald man feste oder flüssige Nahrung in den Mund aufnimmt, und endet mit der Ausscheidung unverdaulicher Reste des Speisebreis (Kot, Stuhl). Die Verdauungsdauer beträgt durchschnittlich 33 bis 43 Stunden, abhängig von der Art der Nahrung.

Verdauung im Mund

Die erste Stufe der Verdauung beginnt im Mund. Hier wird die Nahrung mit den Zähnen mechanisch zerkleinert und mit dem Speichel aus den drei Speicheldrüsen (Ohr-, Unterzungen- und Unterkieferspeicheldrüse) vermischt. Der Speichel, von dem zwischen 0,5 und 1,5 Liter am Tag produziert werden, enthält bereits erste Verdauungsenzyme (zum Beispiel Ptyalin), die den Speisebrei anverdauen.

Zunge und Wangen formen aus dem zerkleinerten, anverdauten Speisebrei kleine Portionen, die sich gut schlucken lassen. In der Speiseröhre wird dieser Brei durch rhythmische Kontraktionen der Wandmuskulatur in den Magen befördert.

Verdauung im Magen

Der obere Bereich des Magens nimmt zunächst die ankommende Nahrung wie ein Reservoir auf und befördert sie in den unteren Bereich, wo sie weiter zerkleinert und durchmischt wird. Der Magensaft, der von Drüsen der Magenschleimhaut produziert wird, enthält neben Salzsäure Enzyme zur Eiweissverdauung.

Bestimmte Zellen in der Magenschleimhaut (Hauptzellen) sezernieren Pepsinogen - die inaktive Vorstufe des Verdauungsenzyms Pepsin. Aktiviert wird es durch das saure Milieu im Magen, das durch Salzsäure zustande kommt. Diese wird von den Belegzellen (Parietalzellen) der Magenschleimhaut ins Mageninnere abgegeben. Ausserdem produzieren diese Zellen den "intrinsic factor" - ein Glykoprotein, das im Dünndarm für die Aufnahme von Vitamin B12 (Cobalamin) ins Blut benötigt wird.

Damit die aggressive Magensäure nicht die Magenwand verdaut, ist diese von einer schützenden Schleimschicht überzogen. Der Schleim wird von den sogenannte Nebenzellen, einem weiteren Zelltyp der Magenschleimhaut, produziert.

Verdauung im Darm

Im Dünndarm wird vereinfacht gesprochen der Nahrungsbrei weiter vermischt und durch Enzyme aufgespalten. Diese Spaltprodukte (Einfachzucker, Fettsäuren, Glycerin, Aminosäuren) sowie Vitamine werden dann dort aufgenommen. Wasser und Mineralstoffe gehen sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm ins Blut über.                            

Die Fettverdauung

Die Fettverdauung beginnt im Mund mit dem fettspaltenden Enzym Lipase, das im Speichel enthalten ist. Sie setzt sich im Magen fort, wo die Fette durch die Motorik der Magenwand emulgiert und von der Lipase aus dem Magensaft weiter zerlegt werden.

Der Hauptteil der Fettverdauung findet aber im Dünndarm statt: Die Dünndarmwand setzt das Hormon Cholecystokinin frei. Es regt die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und die Gallenblase an, ihre Sekrete in den Zwölffingerdarm (Duodenum) abzusondern. Der Pankreassaft enthält fettspaltende Lipasen. Die Galle besteht unter anderem aus Gallensäuren, die für die Fettverdauung notwendig sind.

Die Kohlenhydratverdauung

Die Kohlenhydratverdauung beginnt ebenfalls im Mund, und zwar mit dem Enzym Amylase. Im grossen Umfang findet sie aber erst im Dünndarm statt (im Magen werden gar keine Kohlenhydrate verdaut): Im Duodenum werden die Kohlenhydrate von den Pankreasenzymen Amylase, Glucosidase und Galaktosidase zerlegt.

Die Eiweissverdauung

Die Eiweissverdauung fängt im Magen an mithilfe des Enzyms Pepsin. Wie oben geschildert, wird dieses als inaktive Vorstufe (Pepsinogen) von der Magenwand freigesetzt und durch die Magensäure aktiviert.

Im Dünndarm setzt sich die Eiweissverdauung fort. Die verantwortlichen Enzyme stammen aus der Bauchspeicheldrüse: Trypsin, Chymotrypsin, Elastase und die Carboxypeptidasen A und B. Auch sie werden zuerst als Vorstufen ausgeschüttet und erst im Darm aktiviert.

Wie lange dauert die Verdauung?

Aufgenommene Nahrung bleibt etwa ein bis drei Stunden im Magen. Im Dünndarm beträgt die durchschnittliche Verweildauer sieben bis neun Stunden, im Dickdarm 25 bis 30 Stunden. Bis die unverdaulichen Reste als Stuhl ausgeschieden werden, kann es manchmal aber auch viel länger dauern: Die Verweildauer im Mastdarm liegt bei 30 bis 120 Stunden.

Welche Probleme kann die Verdauung verursachen?

Die Verdauung kann aufgrund unterschiedlicher Ursachen gestört sein. So löst etwa eine Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) Durchfall und Erbrechen aus.

Das Reizdarm-Syndrom (Colon irritabile) geht mit Bauchkrämpfen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung einher.

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz) ist die Verdauung eines bestimmten Nährstoffes beeinträchtigt. Beispielsweise kann der Körper bei Laktoseintoleranz den Milchzucker aufgrund eines Enzymmangels im Dünndarm nicht richtig verwerten.

Bei der Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) ist die Verdauung von Getreide gestört: Der Körper verträgt das enthaltene Eiweiss Gluten nicht. Die Dünndarmschleimhaut wird geschädigt, was auch die Aufnahme anderer Nährstoffe beeinträchtigt.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Eva Rudolf-Müller
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Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Gerik, et al.. : Die Innere Medizin, Schattauer Verlag, 11. Auflage, 2007
  • Kirsch, J. et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2017
  • Klinke, R. & Silbernagl, S.: Lehrbuch der Physiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2005
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter De Gruyter Verlag, 268. Auflage, 2020
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