Divertikulose

Von Christina Trappe
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Divertikulose bezeichnet mehrere Ausstülpungen (Divertikel) in der Darmwand. Meist entstehen sie an einer bestimmten Stelle des Dickdarms (Sigmadivertikulose). Divertikel sind an sich weder schmerzhaft noch gefährlich. Erst, wenn die Divertikel Beschwerden verursachen, sie sich beispielsweise entzünden, definieren Ärzte es als Divertikelkrankheit oder Divertikulitis. Erfahren Sie hier alles Wichtige zur Divertikulose.

Divertikulose illustriert

Kurzübersicht

  • Symptome: Meist keine Symptome, ansonsten reizdarm-ähnliche Beschwerden
  • Diagnose: In der Regel Zufallsbefund bei Darmspiegelung (Koloskopie) oder Röntgendarstellung
  • Behandlung: Ernährungsmassnahmen wie ballaststoffreiche, fleischarme Kost, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, körperliche Aktivität
  • Ursachen und Risikofaktoren: Über Jahre hinweg immer wiederkehrende Verstopfung, Risikofaktoren: Alter, Übergewicht, andere Erkrankungen
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Geht mitunter in Divertikelkrankheit oder Divertikulitis mit Beschwerden über, ballaststoffreiche Ernährung und gesunde Lebensweise beeinflussen Prognose positiv
  • Vorbeugen: Massnahmen der Behandlung berücksichtigen

Was ist eine Divertikulose?

Als Divertikulose bezeichnen Ärzte das Vorhandensein mehrerer Divertikel im Bereich des Dickdarms, die jedoch keine Beschwerden verursachen. In den westlichen Ländern zählt die Divertikulose heute zu den sogenannten Zivilisationskrankheiten.

Mediziner gehen davon aus, dass vor allem die zunehmend faserarme Ernährung bei Divertikulose eine wichtige Rolle spielt: Zu wenig Ballaststoffe sorgen für einen harten und festen Stuhl, was sich bei den meisten Betroffenen zunächst in häufiger Verstopfung äussert.

Die Divertikulose tritt vermehrt bei älteren Menschen auf, da bei ihnen das Bindegewebe des Darms nicht mehr so fest ist. Ein Hauptrisikofaktor ist deshalb das Alter – bei etwa jedem Zweiten der 70- bis 85-Jährigen in den westlichen Industrienationen finden sich Divertikel.

Grundsätzlich unterscheiden Ärzte zwei Formen von Divertikeln:

  • Am häufigsten kommt es zu sogenannten falschen Divertikeln oder Pseudodivertikeln. Hierbei stülpt sich die Darmschleimhaut durch eine winzige Lücke in der muskulären Darmwand nach aussen. Häufig treten an diesen Stellen Blutgefässe durch die Darmwand, die den Darm mit Blut versorgen.
  • Seltener sind echte Divertikel, bei denen sich die Muskelwand des Darms mit nach aussen wölbt. Diese Divertikel sind häufiger angeboren als ernährungsbedingt und kommen vermehrt bei Menschen aus asiatischen Ländern vor.

Während echte Divertikel meist im aufsteigenden Bereich des Dickdarms (Colon ascendens) auftreten, bilden sich die in Europa sehr viel häufigeren falschen Divertikel vorwiegend im absteigenden (Colon descendens) sowie im letzten Bereich des Dickdarms (Colon sigmoideum).

In den allermeisten Fällen zeigen sich Divertikel im Dickdarm. Grundsätzlich ist es jedoch möglich, dass Divertikel im gesamten Verdauungstrakt also beispielsweise auch in der Speiseröhre oder im Dünndarm auftreten.

Was ist eine Sigmadivertikulose?

Eine Sigmadivertikulose bezeichnet Divertikel in einem bestimmten Abschnitt des Dickdarms. Der Name dieses Darmabschnitts lautet: Sigma, Colon sigmoideum oder Sigmaschlinge.

Er rührt daher, dass Mediziner die Form des letzten Teils des Dickdarms, bevor er in den Enddarm übergeht, als S-förmig beschreiben. Die Divertikulose kommt an dieser Dickdarmstelle am häufigsten und oft in Form einer reizlosen Sigmadivertikulose vor.

Die Ursachen für das gehäufte Auftreten der Sigmadivertikulose sind:

  • Hier verlaufen besonders viele Blutgefässe, wodurch es dort zu einer Schwachstelle der Darmwand kommt.
  • In der Sigmaschlinge ist der Druck auf die Darmwände hoch.
  • Hinzu kommt, dass vor dem Enddarm (Rektum) die normalerweise wellenartigen Darmbewegungen schlagartig (prellbockartig) abbrechen.

Welche Symptome verursacht eine Divertikulose?

Die Divertikulose zeigt meist keine Symptome (asymptomatisch). Schmerzen und Verdauungsbeschwerden bleiben zunächst über eine lange Zeit aus. Die Divertikel an sich sind auch nicht schmerzhaft. Je nach Anzahl, Grösse und Lage der Ausstülpungen kommt es jedoch manchmal mit der Zeit zu reizdarm-ähnlichen Beschwerden, wie:

  • Schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmen) und/oder leichte Schmerzen vor allem im linken Unterbauch
  • Stuhlunregelmässigkeiten, oft im Wechsel von Verstopfung und Durchfall
  • Blähungen

Divertikel haben grundsätzlich keinen Krankeitswert, treten allerdings Beschwerden auf, ändert sich dies. Ärzte bezeichnen die Divertikulose dann als Divertikelkrankheit oder Divertikulitis. Sie ist gekennzeichnet von Symptomen wie starken Schmerzen, Blut im Stuhl oder einer auffällig andauernden Verstopfung. Meist steckt dann eine Entzündung der Divertikel dahinter oder andere Komplikationen der Divertikulitis.

Mehr zu den Anzeichen und Beschwerden der Divertikelkrankheit oder Divertikulitis erfahren Sie unter: Divertikulitis – Symptome.

Wie lässt sich eine Divertikulose feststellen?

Häufig ist die Divertikulose ein Zufallsbefund, da sie lange Zeit beschwerdefrei und somit oft unentdeckt bleibt. In der Regel fällt sie Ärzten im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) auf. Daneben lassen sich die Divertikel auch auf einem Röntgenbild mit Kontrastmittel im Darm meist gut erkennen und sind so für Ärzte diagnostizierbar.

Mehr zur Diagnose der Divertikulitis erfahren Sie unter: Divertikulitis.

Wie ist eine Divertikulose zu behandeln?

Eine Divertikulose kommt in den meisten Fällen durch eine ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Flüssigkeit und/oder Bewegungsmangel zustande. All dies sind Faktoren, die eine Verstopfung begünstigen und langfristig die Divertikelbildung fördern. Zudem kommt es bei einer Divertikulose durch bestimmte Ernährungsfehler leichter zu Komplikationen wie einer Divertikulitis oder einer Blutung der Divertikel.

Eine bestehende Divertikulose ist durch die Umstellung der Ernährung und anderer Lebensgewohnheiten meist gut in den Griff zu bekommen. Am wichtigsten dabei ist:

  • Eine faserreiche Kost: Obst, Gemüse und Produkte aus Vollkorngetreide sind ideale Ballaststoff-Lieferanten. Ergänzend ist es möglich, weitere Ballaststoffquellen wie Haferkleie, geschrotete Leinsamen oder Flohsamenschalen in den Speiseplan aufzunehmen. Dazu ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme notwendig, sonst kommt es zu Verstopfung.
  • Mehr Bewegung: Tägliche Spaziergänge und regelmässiges Ausdauertraining (wie Joggen, Schwimmen) unterstützen die Darmtätigkeit.
  • Reichlich trinken: Mindestens zwei Liter Wasser oder Tee am Tag sorgen dafür, dass der Stuhl "geschmeidig" bleibt. 

Wie entsteht eine Divertikulose?

Bei der Entstehung von Divertikeln spielen vor allem ein erhöhter Darminnendruck als auch geschwächte Darmwände eine Rolle. Wenn der Innendruck im Darm beispielsweise durch eine Verstopfung über Jahre immer wieder erhöht ist, kommt es mitunter dazu, dass die Darmschleimhaut sich an bestimmten Stellen nach aussen wölbt. Auf diese Weise entstehen Divertikel häufig.

Daneben gibt es weitere Risikofaktoren für die Entstehung der Divertikulose. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen neben der Ernähung und Bewegung:

  • Übergewicht
  • Hoher Verzehr von rotem Fleisch
  • Rauchen und übermässiger Alkoholgenuss

Desweiteren gibt es Faktoren, die nicht beeinflussbar sind. Zu diesen gehören:

  • Alter
  • Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), polyzystische Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Genetische Erkrankungen des Bindegewebes, zum Beispiel Marfan- und Ehlers-Danlos-Syndrom

Wie verläuft eine Divertikulose?

Bei einigen Menschen entwickelt sich die beschwerdefreie Divertikulose über die Jahre zu einer mit Beschwerden verbundenen Divertikelkrankheit oder Divertikulitis, diese verläuft akut oder chronisch. Je früher es im Leben zu einer Entzündung der Divertikel kommt, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Divertikel-Behandlung irgendwann im späteren Verlauf eine Operation erfordert.

Es ist ratsam, bei einer bestehenden Divertikulose sorgsam auf die Ernährung und andere Lebensgewohnheiten zu achten. So ist es möglich, nicht nur die Risikofaktoren zu minimieren, sondern auch die Prognose positiv zu beeinflussen.

Kann man einer Divertikulose vorbeugen?

Die beste Vorbeugung einer Divertikulose ist es, die beeinflussbaren Risikofaktoren zu reduzieren. In erster Linie stehen dabei eine ballaststoffreiche, fleischarme Ernährung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie körperliche Bewegung im Mittelpunkt. All diese Massnahmen sorgen für eine gesunde Darmtätigkeit und wirken Verstopfung – und damit der Enstehung von Divertikeln – entgegen.

Mehr Tipps zur Ernährung bei Divertikulose und Divertikulitis erhalten Sie unter: Divertikulitis-Ernährung.

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Felicitas Witte
Autor:
ICD-Codes:
K57
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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