Proktitis

Von , Studentin der Humanmedizin
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Proktitis (Enddarmentzündung) ist eine Entzündung des letzten Abschnitts des Enddarms und des Afters. Bei einer Proktitis treten Symptome wie blutig-eitriger Stuhlgang oder Ausfluss, ständiger oder unregelmässiger Stuhlgang und starke Schmerzen auf. Die Ursachen sind vielfältig, häufig ist die Proktitis Folge einer bakteriellen Infektion. Lesen Sie hier mehr zur Enddarmentzündung.

Proktitis: Schmerzen

Kurzübersicht

  • Symptome: Je nach Ursache verschieden; unter anderem Juckreiz, Schmerzen im Analbereich, Rötung und/oder Schwellung des Afters, eventuell Stuhlinkontinenz, blutig-schleimiger Stuhl oder Ausfluss; Flatulenz
  • Behandlung: Je nach Ursache, symptomatisch etwa Zäpfchen gegen Schmerzen und Juckreiz; ursächlich etwa Antibiotika, entzündungshemmende Wirkstoffe als Zäpfchen, Salbe oder Schaum; selten OP
  • Ursachen und Risikofaktoren: Häufig Infektionen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr; Allergien möglich; chronische Entzündungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa; psychisch-traumatische Ursachen
  • Diagnose: Inspektion des Afters; Tastuntersuchung des Anus und Mastdarms; endoskopische Untersuchung des Mastdarms
  • Prognose: Unbehandelt chronische Verläufe möglich; mit Behandlung in vielen Fällen schnelle Heilung; Proktitis begünstigt die Entstehung von Analpolypen
  • Vorbeugen: Geschützter Geschlechtsverkehr; Vermeiden von Analverletzungen

Was ist eine Proktitis?

Eine Proktitis (Enddarmentzündung) ist eine Entzündung des letzten Abschnitts des Mastdarms und meist auch des Afters. Sie geht mit Beschwerden wie blutig-eitrigem Stuhlgang, Schwierigkeiten mit dem Stuhlgang und Schmerzen in der Hüft- und Leistenregion einher.

Im Gegensatz zu anderen entzündlichen Darmerkrankungen bleiben bei einer Proktitis die Beschwerden auf die letzten 15 Zentimeter des Darms bis hin zum After beschränkt.

Die Ursachen der Proktitis sind vielfältig. Es kommen bakterielle Infektionen (vor allem bei ungeschütztem Sexualverkehr), andere entzündliche Darmerkrankungen sowie eine allergische Reaktion auf die Inhaltsstoffe von Zäpfchen oder Kondomen infrage. Genaue Zahlen zur Häufigkeit der Proktitis gibt es bislang nicht.

Welche Symptome treten auf?

Zu Beginn einer Proktitis treten selten Beschwerden auf. Betroffene bemerken höchstens, dass der After sehr empfindlich ist oder Schmerzen beim Stuhlgang auftreten.

Nach einiger Zeit, in der sich die Entzündung im Mastdarm ausbreitet, sind folgende Symptome möglich:

  • Blutig-eitriger Ausfluss
  • Blutig-eitriger Stuhlgang
  • Das ständige Gefühl, auf die Toilette zu müssen
  • Unregelmässiger Stuhlgang
  • Stuhlinkontinenz
  • Schmerzen und Krämpfe
  • Luft entweicht aus dem Darm (Flatulenz)
  • Juckreiz am After
  • Geröteter, wulstartig vorgetriebener After

Im weiteren Verlauf einer Proktitis kommt es ausserdem häufig zu Analfissuren, Feigwarzen oder Fisteln am After, die ebenfalls oft starke Schmerzen hervorrufen.

Welche Beschwerden im Einzelfall auftreten, ist stark davon abhängig, durch welche Faktoren die Proktitis verursacht wurde. Eine Proktitis, die durch Tripper verursacht wurde, zeigt zum Beispiel kaum Beschwerden.

Behandlung

Die Therapie der Proktitis ist abhängig von den verursachenden Faktoren:

Infektion

Sind bakterielle Infektionen die Ursache der Proktitis, versuchen die Mediziner, die Erreger mit Antibiotika zu bekämpfen. Alternativ trägt man in manchen Fällen ein Kortison-Präparat als Schaum auf. Zudem sollte unbedingt auf Safer Sex umgestiegen werden, das heisst Geschlechtsverkehr immer mit Kondom, um die Infektion weiterer Personen und zukünftige eigene Infektionen zu verhindern.

Entzündliche Darmerkrankungen

Im Rahmen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) verabreicht man den entzündungshemmenden Wirkstoff Mesalazin zunächst als Zäpfchen drei Mal pro Woche. Tritt dadurch keine Besserung ein, wird das Medikament in Tablettenform gegeben. Auch Mesalazinschaum oder Mesalazineinläufe wenden Ärzte häufig bei einer Proktitis ulcerosa an. In sehr schweren Fällen einer Proktitis ulcerosa erfolgt unter Umständen eine Entfernung der entzündeten Schleimhautstelle.

Die medikamentöse Behandlung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist eventuell ein Leben lang notwendig.

Bei Proktitis ulcerosa sowie generell bei entzündlichen Darmerkrankungen hilft es oft, die Ernährung umzustellen und bestimmte Nahrungsmittel zu meiden, die häufig Probleme auslösen. Diese sind individuell verschieden. Allgemein sind aber etwa besonders fettreiche, besonders scharfe, geräucherte oder allgemein schwer zu verdauende Speisen oft Auslöser von Problemen im Rahmen der Darmentzündung. Eine individuelle Beratung gibt der Arzt oder ein Ernährungsberater.

Allergie

Liegt eine Allergie beispielsweise gegen Latex in Kondomen oder gegen Wirkstoffe in Zäpfchen vor, müssen diese Substanzen in Zukunft gemieden und etwa durch latexfreie Kondome ersetzt werden. Eine durch eine Allergie hervorgerufene Proktitis heilt in den meisten Fällen von selber aus. In schwereren Fällen lässt sie sich ebenfalls mit Mesalazin-Zäpfchen behandeln.

Strahlung

Eine Behandlung der durch Strahlung verursachten Proktitis ist meist nicht nötig, da diese Erkrankung sehr mild verläuft und in den meisten Fällen von selber wieder abheilt.

Symptomatische Therapie der Proktitis

Gegen die auftretenden Symptome einer Enddarmentzündung helfen in vielen Fällen Zäpfchen oder ein Darmeinlauf (Klistier). Bei einem Darmeinlauf leitet man Wasser über den After in den Darm. Diese Massnahme darf bei bestimmten Vorerkrankungen aber nicht angewendet werden.

In manchen Fällen stillt der Arzt Blutungen etwa mit Hitze oder per Laser.

Verlaufskontrolle

In mittelschweren und schweren Fällen von Proktitis werden regelmässig Kontrollabstriche der Darmschleimhaut genommen, um den Erfolg der Therapie zu beurteilen. Bei leichten Verläufen ist das nicht nötig.

Welche Hausmittel können helfen?

Einige Hausmittel aus der Naturheilkunde, die etwa in vielen Fällen gegen Hämorrhoiden helfen, können auch bei der Behandlung von Symptomen der Proktitis hilfreich sein.

Dazu gehören Sitzbäder mit Eichenrinde, Kamille oder Schafgarbe, die entzündungshemmende, juckreizstillende und hautberuhigende Wirkungen haben sollen. Diese pflanzlichen Heilmittel sind auch als Waschung anwendbar.

Ein weiteres Mittel aus der Natur ist die Zaubernuss Hamamelis. Zäpfchen und Salben mit dem Wirkstoff, die es gegen Hämorrhoiden gibt, sollen symptomatisch auch in vielen Fällen der Proktitis helfen.

Da es allerdings viele mögliche Ursachen einer Proktitis gibt, die in vielen Fällen einer Behandlung der Ursache bedürfen, sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt bevor Sie zur Selbstmedikation greifen.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Ursachen und Risikofaktoren

Für eine Proktitis kommen eine Vielzahl von Faktoren als Ursache infrage. Die meisten Fälle von Proktitis sind auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückzuführen, bei dem sich der Patient eine Geschlechtskrankheit zuzieht. Vor allem Infektionen mit (Lues), Tripper (Gonorrhoe), HIV (AIDS), Donovanosis (eine tropische Geschlechtskrankheit), Genitalherpes (Herpes genitalis), Chlamydien oder dem humanen Papillom-Virus (HPV) gehen häufig mit einer Proktitis einher.

Bei Personen, die häufig Analverkehr oder Geschlechtsverkehr mit wechselnden Personen haben, ist das Risiko, an einer Proktitis zu erkranken, stark erhöht. Beim Einführen von Gegenständen in den After beim Geschlechtsverkehr ist es möglich, dass ausserdem die Darmwand einreisst. Diese Verletzungen begünstigen ebenfalls unter Umständen eine Proktitis.

Des Weiteren sind Enddarmentzündungen im Rahmen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen möglich, so zum Beispiel bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Wenn bei Colitis ulcerosa ausschliesslich der Enddarm von der Entzündung betroffen ist, sprechen Mediziner von einer Proktitis ulcerosa.

Die Proktitis ist ausserdem eine mögliche Folge allergischer Reaktionen auf die Inhaltsstoffe von Zäpfchen, Kondomen oder Gleitmitteln

Ferner sind traumatische Ereignisse und psychischer Stress potenzielle Auslöser einer Proktitis im Sinne eines psychosomatischen Zusammenspiels.

Auch eine Strahlentherapie etwa bei Krebs oder eine andere Strahlenexposition kommen als Ursache einer Proktitis infrage.

Untersuchungen und Diagnose

Zur Diagnose der Proktitis wird der Arzt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) erfragen. Die dabei vom Patienten geschilderten Symptome sowie eventuell bereits vorhandene Erkrankungen geben in der Regel erste Hinweise auf eine Proktitis. Zur sicheren Diagnose wendet der Arzt drei Untersuchungsmethoden an:

Inspektion des Anus:

Hierbei prüft der Arzt, ob am Darmausgang entzündliche Veränderungen wie beispielsweise eine Schleimhautrötung vorliegen.

Digital-rektale-Untersuchung:

Bei der digital-rektalen Untersuchung (DRU) tastet der Arzt mit einem Finger den Anus und die umgebenden Organe ab. "Digital" leitet sich dabei vom lateinischen Begriff "digitus" ab, was "Finger" bedeutet. Mit einer digitalen Auswertung im Sinne moderner Informationstechnik hat das in diesem Fall nichts zu tun. Der Begriff ist damit etwas irreführend.

Rektoskopie:

Bei einer Rektoskopie werden Mastdarm und After mithilfe eines stabartigen Instruments, des Endoskops, untersucht. Mit dem Endoskop bringt der Arzt Luft in den Darm ein, welche die Schleimhautfalten im Mastdarm entfaltet. So lassen sich Entzündungen gut erkennen. Während der Untersuchung sind zusätzlich Abstriche der Schleimhaut oder Gewebeproben (Biopsien) möglich. Die Untersuchung dauert meist nicht länger als fünf bis zehn Minuten und ist für Betroffene zwar unangenehm, aber nicht mit Schmerzen verbunden.

Ist eine Infektion die Ursache der Proktitis, erfolgt eine sichere Diagnose nur im Labor. In den Abstrichen, die während der Rektoskopie aus der Schleimhaut gewonnen werden, weist man dabei unter anderem die DNA der Bakterien nach.

Krankheitsverlauf und Prognose

Menschen mit Proktitis warten aus Schamgefühl oft lange Zeit, bis sie wegen ihrer Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Je länger die Therapie der Proktitis aber aufgeschoben wird, desto höher ist das Risiko, dass sich die Entzündung zu einem chronischen Leiden entwickelt und dann nur noch mittels Operation behandelbar ist.

Wenn Sie bei den ersten Anzeichen für Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sofort den Arzt aufsuchen, lässt sich unmittelbar mit der Therapie beginnen. Bei fast allen behandelten Fällen von Proktitis haben Betroffene eine gute Prognose und die Krankheit lässt sich vollständig heilen.

Im Unterschied zu anderen entzündlichen Darmerkrankungen ist das Risiko für Darmkrebs bei einer Proktitis nicht sonderlich erhöht. Allerdings erhöht eine Proktitis das Risiko, dass sich Analpolypen bilden.

Lässt sich einer Proktitis vorbeugen?

Im Allgemeinen lässt sich einer Proktitis nicht vorbeugen. Sie senken aber das Risiko einer Erkrankung, indem Sie nur Safer Sex praktizieren. Das heisst: Benutzen Sie ein Kondom und achten Sie darauf, dass bei Analverkehr keine Verletzungen in der Afterschleimhaut bestehen. Eine infektionsbedingte Proktitis lässt sich dadurch vermeiden.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
K62K51
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