Histaminintoleranz

Von , Ärztin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Bei einer Histaminintoleranz (Histaminose) reagiert der Körper auf eine erhöhte Menge an Histamin mit Unverträglichkeitsreaktionen. Infolgedessen kommt es zu möglichen Symptomen wie Quaddeln auf der Haut, Juckreiz, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden. Meistens sind Frauen im mittleren Alter betroffen. Lesen Sie hier, welche Lebensmittel Histamin enthalten und was sich bei Histaminintoleranz tun lässt.

Histaminintoleranz, Histaminose

Kurzübersicht

  • Symptome: Sehr vielfältig, z. B. Hautrötungen, Juckreiz, Nesselsucht, Herzrasen, Durchfall, Bauchschmerzen etc.
  • Ursachen: Vermutlich eine erworbene oder (seltener) angeborene Störung des Histamin-Abbaus im Körper
  • Diagnostik:Arzt-Patient-Gespräch, Ausschluss anderer möglicher Ursachen, dreistufige Ernährungsumstellung, eventuell ein Provokationstest
  • Behandlung: Angepasste Ernährung, evtl. Enzympräparate
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Bei Verzicht auf histaminreiche Lebensmittel lassen sich die Beschwerden verbessern.

Was ist eine Histaminunverträglichkeit?

Was ist eine Histaminintoleranz (Histaminose)? Bei der Histaminintoleranz (HI) reagiert der Körper unverträglich auf erhöhte Mengen an Histamin. Dieses sogenannte biogene Amin wird in verschiedenen Zellen wie Mastzellen, Blutplättchen und Nervenzellen aus dem Eiweissbaustein (Aminosäure) Histidin gebildet und anschliessend in diesen Zellen gespeichert.

Durch bestimmte Reize wird Histamin freigesetzt, beispielsweise durch körpereigene Enzyme, verschiedene Medikamente und Nahrungsmittel. Auch chemische Reize im Rahmen von Entzündungen sowie physikalische Reize wie Verletzungen oder Sauerstoffmangel regen eine Histamin-Ausschüttung möglicherweise an.

Histamin übt als biologischer Botenstoff verschiedene Funktionen im Körper aus. Es regt beispielsweise die Magensaftsekretion an, erweitert die Blutgefässe und senkt damit den Blutdruck. Als Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) reguliert Histamin unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Appetitkontrolle, die Lernfähigkeit, das Gedächtnis und die Emotionen.

Vor allem aber fungiert Histamin als Vermittler (Mediator) von Entzündungsprozessen bei allergischen Reaktionen und löst typische Allergie-Symptome aus.

Diese Symptome treten auch bei einer Histaminintoleranz auf. Trotzdem handelt es sich um keine Histamin-Allergie, das heisst: Die HI-Symptome entstehen nicht durch eine Überreaktion des Immunsystems auf Histamin.

Histaminintoleranz: Umstrittene Krankheit

Die Histaminintoleranz ist ein sehr umstrittenes Krankheitsbild: Zum einen, weil die Symptome von Patient zu Patient erheblich variieren. Zum anderen, weil die verschiedenen Symptome auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten.

Auch die Diagnostik ergibt oft keine eindeutigen Beweise für eine Histaminose. Einige Ärzte lehnen deswegen das Krankheitsbild der Histaminintoleranz ab. Andere dagegen sind davon überzeugt, dass es existiert.

Was sind die Symptome?

Wie äussert sich eine Histaminintoleranz? Die Symptome bei einer Histaminintoleranz sind sehr vielfältig. Manche Personen mit Histaminintoleranz zeigen nur einzelne Beschwerden (wie Hautausschlag beziehungsweise -rötung mit Juckreiz). Bei anderen dagegen macht sich die Histaminose mit Symptomen in mehreren Körperregionen bemerkbar.

Das liegt daran, dass viele verschiedene Zellen und Organe Andockstellen (Rezeptoren) für Histamin besitzen. Dazu zählen zum Beispiel glatte Muskelzellen (in der Magen- und Darmwand, in den Bronchien und der Gebärmutter, in den Blutgefässwänden et cetera), Drüsenzellen, Nervenzellen sowie Zellen des Immunsystems (wie Mastzellen).

Histamin vermittelt seine Wirkung, indem es an diese Rezeptoren bindet. Bei einer hohen Histaminmenge werden die Rezeptoren pausenlos aktiviert. Je nachdem, wo im Körper sie sich befinden, resultieren daraus bei empfindlichen Menschen unterschiedliche Histaminintoleranz-Symptome.

Histaminintoleranz-Symptome: Haut

In der Haut aktiviert Histamin sogenannte Mastzellen. Diese setzen daraufhin allergene Inhaltsstoffe frei, die unter Umständen verschiedene Hauterscheinungen hervorrufen:

  • Urtikaria (Nesselsucht): Sie ist durch kleine, flüchtige Schwellungen der Haut (Quaddeln) gekennzeichnet, die meist beetartig zusammenstehen. Die Haut erscheint an den betroffenen Stellen meist rot oder weiss mit einer roten Umrandung. Die Quaddeln treten gegebenenfalls über den ganzen Körper verteilt auf und verschwinden in der Regel nach 24 Stunden. Solange der Auslöser der Nesselsucht aber weiter besteht, bilden sich unter Umständen immer neue Quaddeln.
  • Juckreiz: Die aus den Mastzellen freigesetzten Substanzen lösen neben Urtikaria auch einen massiven Juckreiz aus. Besonders die Haut über den Quaddeln ist sehr gereizt. Anders als bei anderen juckenden Hauterkrankungen werden Quaddeln aber nicht aufgekratzt, sondern lediglich gerieben und gedrückt.

Histaminintoleranz-Symptome der Haut zeigen sich auch in einer gesteigerten Durchblutung: Histamin führt zu einer Freisetzung von Stickstoffmonoxid, das die Blutgefässe erweitert. So strömt mehr Blut hindurch. Dadurch sind die betroffenen Hautbereiche gerötet und erwärmt. Tritt dieses Phänomen bei einer Histaminintoleranz im Gesicht auf, wird es als Flush bezeichnet.

Histaminintoleranz-Symptome: Gehirn

Auch im Gehirn bewirkt Histamin über die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, dass sich die Blutgefässe weiten. Passiert das bei den Arterien der Hirnhäute, entstehen möglicherweise Kopfschmerzen. Dieser Mechanismus wird beispielsweise bei Migräne diskutiert.

Weitere mögliche Symptome der Histaminintoleranz, die vom Kopf ausgehen, sind Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Manche Betroffene berichten bei einer Histaminintoleranz von einer verminderten Aufmerksamkeit sowie von Müdigkeit.

Zu den die Psyche betreffenden Symptomen, die man mit einer Histaminintoleranz in Verbindung bringt, zählen unter anderem Verwirrtheit, Depressionen, Nervosität und Schlafstörungen.

Histaminintoleranz-Symptome: Herz-Kreislauf-System

Verändert Histamin die Gefässweite der Herzkranzgefässe (Koronargefässe), treten bei einer Histaminintoleranz unter Umständen Herzrasen und Herzstolpern (Extrasystolen) auf. Das sind meist harmlose Herzrhythmusstörungen. Manche Patienten berichten von spürbarem Herzklopfen (Palpitationen).

Weiten sich die Blutgefässe in der Körperperipherie, sinkt gegebenenfalls der Blutdruck ab. Im Extremfall (bei sehr hohen Histaminmengen) versackt das Blut in den Beinen, sodass nicht mehr genug zum Herzen zurücktransportiert wird: Der Blutdruck sackt dadurch stark ab, und in seltenen Fällen treten Schocksymptome auf.

Histaminintoleranz-Symptome: Magen-Darm-Trakt

Im Magen steigert Histamin die Magensäureproduktion. Auch die Muskelzellen in der Wand des Magen-Darm-Traktes werden durch Histamin stärker aktiviert. Deshalb sind Bauchschmerzen oder Krämpfe, Durchfall und Blähungen häufige Histaminintoleranz-Symptome im Verdauungstrakt. Sie treten vor allem bei der Aufnahme histaminreicher Lebensmittel und Getränke auf.

Histaminintoleranz-Symptome: Genitaltrakt

Bei Frauen wird Histamin unter anderem in der Gebärmutter und in den Eierstöcken produziert. Es soll die Konzentration des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen erhöhen. Dieses Hormon führt bei der Monatsblutung dazu, dass sich die Gebärmutter schmerzhaft zusammenzieht. Das bedeutet: Histamin ist gegebenenfalls mitverantwortlich für Menstruationsbeschwerden wie Regelschmerzen.

Hormonschwankungen in der Schwangerschaft wirken sich bei Frauen mit Histaminintoleranz dagegen unter Umständen positiv aus: Oftmals verschwinden dann die Histamin-bedingten Symptome.

Histaminintoleranz-Symptome: Atemtrakt

Während oder unmittelbar nach dem Verzehr histaminreicher Mahlzeiten oder dem Genuss von Alkohol besteht die Möglichkeit, dass Patienten mit einer Histaminintoleranz Symptome wie eine laufende oder verstopfte Nase entwickeln. Im Extremfall tritt ein Asthmaanfall mit starker Atemnot auf.

Bei Patienten mit Asthma wird zudem durch ein bestimmtes Enzym oft weniger Histamin abgebaut als bei gesunden Menschen. Dadurch reichert sich bei ihnen Histamin unabhängig von der Nahrungsaufnahme vermehrt in den Bronchien an. Das löst dann entsprechende Beschwerden aus.

Histaminintoleranz: Ursachen

Experten vermuten, dass eine erworbene oder (seltener) angeborene Störung im Histaminabbau die Histaminintoleranz auslöst. Im Körper der Betroffenen fällt dann durch die körpereigene Produktion und/oder histaminreiche Nahrung mehr Histamin an als abgebaut wird. Sobald ein gewisser Grenzwert überschritten wird, kommt es zu Beschwerden. Wie hoch dieser Histamin-Grenzwert liegt, ist individuell verschieden.

Das passiert bei Histaminintoleranz
Histaminintoleranz
Bei einer Histaminintoleranz kann der Körper Histamin nicht ausreichend abbauen und es kommt zu den typischen Symptomen

Welche Lebensmittel enthalten Histamin?

Was darf man bei einer Histaminintoleranz essen? Es wird empfohlen, Lebensmittel, die viel Histamin und/oder andere biogene Amine enthalten, bei einer Histaminintoleranz zu meiden. Ungünstig sind auch Produkte, welche die Freisetzung von Histamin aus seinen Speicherzellen anregen. Daher ist es wichtig, dass Patienten diese drei Lebensmittelgruppen kennen:

Histaminintoleranz: Lebensmittel mit viel Histamin

Histamin oder sein Vorläufer Histidin sind in fast allen Lebensmitteln enthalten. Der jeweilige Histamingehalt unterscheidet sich allerdings deutlich. Er wird durch Reifungs-, Fermentations- und Gärungsprozesse gesteigert.

Alter Gouda enthält beispielsweise mehr Histamin als junger Gouda, geräucherter Schinken mehr als gekochter. Viele Bakterien oder Hefen sind nämlich in der Lage, Histidin freizusetzen. In mikrobiell produzierten Nahrungsmitteln wie lang gereiftem Käse, Wein oder Sauerkraut sind hohe Histaminkonzentrationen deswegen keine Seltenheit.

Ausserdem vertragen viele Menschen mit Histaminintoleranz Lebensmittel wie Fisch, Fleisch und Wurst schlecht oder gar nicht – in diesen Produkten reichern sich Mikroorganismen nämlich oft an. Nicht zuletzt enthalten manche Gemüsesorten von Natur aus Histamin, auch im frischen Zustand – sie sind also ebenfalls ungünstig bei Histaminintoleranz.

Eine Liste mit besonders histaminreichen Lebensmitteln finden Sie hier:

  • Fisch: Makrele, Hering, Sardine, Thunfisch
  • Käse: Gouda, Camembert, Cheddar, Emmentaler, Swisstaler, Parmesan
  • Fleisch: Wurst, Salami, geräucherter Schinken
  • Gemüse: Sauerkraut, Spinat, Aubergine, Tomaten, Avocado
  • Alkohol: Rotwein, Weisswein, ober- und untergäriges Bier, Champagner
  • Sonstiges: Rotweinessig, Sojasauce, Hefepräparate

Histaminintoleranz: Lebensmittel mit anderen biogenen Aminen

Neben Histamin werden auch andere biogene Amine (wie Tyramin, Serotonin, Spermin, Cadaverin) über das Enzym Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Sie "beschäftigen" das Enzym unter Umständen so sehr, dass selbst geringe Mengen an Histamin dann nicht mehr abgebaut werden. Eine Histamin-Überlastung ist möglicherweise die Folge.

Manche biogene Amine besitzen zudem ähnliche Eigenschaften wie Histamin. Sie lösen also womöglich auch direkt histaminähnliche Beschwerden aus.

Reichlich biogene Amine enthalten beispielsweise:

  • Ananas, Bananen, Papaya, Birnen, Himbeeren, Orangen, Kiwi
  • Erdnüsse
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Soja)
  • Weizenkeime

Histaminintoleranz: Lebensmittel, die Histamin freisetzen

Sogenannte Histaminliberatoren enthalten weder Histamin noch andere biogene Amine in grösseren Mengen. Sie lösen unter Umständen dennoch die Beschwerden einer Histaminintoleranz aus.

Der Grund: Sie sorgen dafür, dass bestimmte Speicherzellen im Körper (Mastzellen) körpereigenes Histamin freisetzen. Daher gilt es, diese bei einer Histaminintoleranz ebenfalls zu meiden. Zu den Histaminliberatoren zählen:

  • Zitrusfrüchte, Erdbeeren
  • Tomaten, Tomatenpüree, Ketchup, Tomatensaft
  • Schokolade, Kakao
  • Meeresfrüchte (Muscheln, Krebs)
  • Nüsse (vor allem Walnüsse und Cashewnüsse)
  • Alkohol und sein Abbauprodukt Acetylaldehyd

Gestörter Histaminabbau

Grundsätzlich verfügt der Körper über zwei verschiedene Enzyme, die Histamin abbauen:

  • Das Enzym Histamin-N-Methyl-Transferase befindet sich im Zellinneren und inaktiviert daher Histamin in den Zellen.
  • Die Diaminooxidase (DAO) baut Histamin ab, das sich ausserhalb der Zellen – also beispielsweise im Blut – befindet.

Die DAO ist massgeblich für den Abbau von Histamin aus Lebensmitteln verantwortlich. Sie spielt somit eine zentrale Rolle bei der Histaminintoleranz: Bei manchen Betroffenen ist das Enzym möglicherweise in unzureichender Menge vorhanden (Enzymmangel). Bei anderen ist es möglicherweise in seiner Aktivität vermindert (gestörte Enzymfunktion).

Da DAO für den Histamin-Abbau Hilfsstoffe wie Vitamin B6 und Vitamin C benötigt, schränkt ein Mangel dieser Vitamine die Funktion des Enzyms womöglich ein. Es gibt auch Medikamente, welche die Tätigkeit der Diaminooxidase beeinflussen (siehe unten).

Ob Enzymmangel oder gestörte Enzymfunktion – gerät der Histaminumsatz aus dem Gleichgewicht, entwickelt sich bei einigen Menschen eine Histaminintoleranz. Neben histaminreichen Lebensmitteln und bestimmten Medikamenten löst auch eine vermehrte körpereigene Histaminproduktion bei allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen die Beschwerden aus: Der allergiebedingte Histaminanstieg im Körper übersteigt möglicherweise die enzymatische Abbaukapazität. Das gilt besonders, wenn sich der Patient gleichzeitig histaminreich ernährt.

Histaminintoleranz: Der Einfluss von Medikamenten

Histamin wird als körpereigener Botenstoff in verschiedenen Zellen produziert und gespeichert. Unter bestimmten Reizen setzen es die Zellen frei. Ein solcher Reiz geht möglicherweise auch von manchen Medikamenten aus, das heisst: Einige Medikamente fördern die Histamin-Freisetzung. Meistens tritt dieser Effekt als unerwünschte Nebenwirkung auf.

Ausserdem beeinflussen bestimmte Medikamente den Abbau von Histamin: Histamin aus der Nahrung baut hauptsächlich das Enzym Diaminooxidase (DAO) ab. Dieses Enzym ist aber auch für den Abbau von anderen Stoffwechselprodukten verantwortlich. Fallen durch eine medikamentöse Behandlung mehr dieser Produkte an, baut das Enzym weniger Histamin ab. Infolgedessen steigt die Histaminkonzentration an.

Andere Medikamente hemmen direkt die Funktion der Diaminooxidase. Das treibt die Histaminkonzentration gegebenenfalls ebenfalls in die Höhe und löst somit Beschwerden einer Histaminintoleranz aus.

Im Folgenden sind die häufigsten Medikamente aufgelistet, die möglicherweise zu einer vermehrten Freisetzung oder einem verminderten Abbau von Histamin führen. Werden die auslösenden Medikamente wieder abgesetzt, lässt sich in vielen Fällen die Histaminintoleranz gewissermassen "heilen" und somit loswerden.

Histaminintoleranz: Ernährung als Auslöser

Histamin und seine Vorläuferprodukte sind in nahezu allen Lebensmitteln und in einigen Getränken enthalten (siehe weiter oben: Welche Lebensmittel enthalten Histamin?).

Histaminintoleranz: Assoziierte Erkrankungen

Bei einigen entzündlichen Darmerkrankungen kommt es möglicherweise zu einem Mangel am Histamin-abbauenden Enzym Diaminooxidase, wodurch insgesamt weniger Histamin abgebaut wird. Daraus resultiert ein Anstieg der Histaminkonzentration, was Symptome einer Histaminintoleranz hervorruft.

Darüber hinaus gibt es weitere Erkrankungen, die Experten mit einer Histaminose in Zusammenhang bringen. Auch bei ihnen ist das Enzym Diaminooxidase vermindert aktiv. Zu diesen Erkrankungen zählen:

  • Chronisches Nierenversagen
  • durch Viren ausgelöste Leberentzündung (Virus-Hepatitis)
  • Leberzirrhose
  • Nesselsucht (Urtikaria)
  • Seekrankheit

Histaminintoleranz: Untersuchung und Diagnose

Viele Betroffene mit einer Histaminintoleranz haben schon viele Arztbesuche hinter sich, in denen kein Arzt eine Ursache für ihre Beschwerden gefunden hat. Oft sind die Symptome unspezifisch, und Untersuchungsergebnisse ergeben keine krankhaften Befunde.

Zudem ordnen einige Ärzte die Symptome einer Nahrungsmittelunverträglichkeit wie der Histaminintoleranz möglicherweise der Psyche zu und vermuten psychische oder psychosomatische Ursachen dahinter.

Eine Histaminintoleranz-Diagnose stellt ein Arzt meistens nur dann, wenn er dieses Krankheitsbild im Hinterkopf hat. Gezielte Fragen oder ein Histaminintoleranz-Test erhärten die Vermutung.

Histaminintoleranz lässt sich grundsätzlich in jedem Alter festellen, auch bei Kindern und Jugendlichen.

Arzt-Patient-Gespräch

Zu welchem Arzt geht man bei einer Histaminintoleranz? Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz ist ein Facharzt für Hauterkrankungen (Dermatologe) oder Innere Medizin (Internist), der auf allergische Erkrankungen spezialisiert ist (Allergologe). Er erhebt zuerst Ihre Krankengeschichte (Anamnese). Dazu befragt er Sie zum Beispiel zu Ihren aktuellen Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen. Mögliche Fragen sind:

  • Leiden Sie unter allergischen Erkrankungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten?
  • Haben Sie einen Zusammenhang zwischen Ihren Symptome und dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel entdeckt oder führen Sie ein Ernährungstagebuch?
  • Bessern sich die Symptome, wenn Sie auf diese Nahrungsmittel verzichten?
  • Nehmen Sie regelmässig oder bedarfsweise Medikamente ein?
  • Bei Frauen: Stehen Ihre Beschwerden mit Ihrem Zyklus in Zusammenhang?

Ausschluss anderer Ursachen

Die Symptome, die bei einer Histaminintoleranz auftreten, haben möglicherweise andere Ursachen (Differenzialdiagnosen). Wer beispielsweise nach dem Essen oft Bauchschmerzen und vielleicht auch Durchfall hat, leidet möglicherweise an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (wie Laktoseintoleranz, Fruktoseintoleranz, Zöliakie).

Auch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa steckt unter Umständen hinter den vermeintlichen Symptomen einer Histaminintoleranz. Übelkeit und Erbrechen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Mahlzeit treten auch bei einem Geschwür der Magenschleimhaut (Magengeschwür) auf. Eine Gesichtsrötung mit Hitzegefühl (Flush) ist möglicherweise das Anzeichen eines neuroendokrinen Tumors.

Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz schliesst der Arzt solche Differenzialdiagnosen aus. Welche Untersuchungen dazu nötig sind, hängt von den Beschwerden ab. Ein Magengeschwür beispielsweise lässt sich mit einer Magenspiegelung sicher nachweisen beziehungsweise ausschliessen.

Histaminintoleranz: Test mittels Ernährungsumstellung

Mithilfe eines Nahrungsmitteltests lässt sich eine mögliche Histaminintoleranz feststellen. Gleichzeitig lässt sich damit die individuell verträgliche Histamindosis für jeden Betroffenen abschätzen.

Dieser Histaminintoleranz-Test mittels Ernährungsumstellung besteht aus drei Phasen: Karenzphase, Testphase und Dauerernährung. In allen Phasen berücksichtigt man neben der Ernährung individuelle Einflussfaktoren auf den Histaminspiegel wie Stress, Einnahme bestimmter Medikamente und Hormonstatus (Menstruation).

Karenzphase

Ziel dieser ersten Phase der Ernährungsumstellung ist es, die aufgetretenen Beschwerden weitestgehend zu reduzieren. Dazu ist es notwendig, dass der Patient über zehn bis 14 Tage möglichst kein Histamin mit der Nahrung aufnimmt.

Eine komplett histaminfreie Ernährung ist kaum möglich, weil Histamin in sehr vielen Lebensmitteln enthalten ist. Eine spezielle Lebensmittelliste hilft dem Betroffenen dabei, seinen Speiseplan so zu gestalten, dass er möglichst wenig Histamin zu sich nimmt.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Ernährung möglichst wenig andere biogene Amine beinhaltet. Diese zerlegt nämlich ebenfalls das Histamin-abbauende Enzym Diaminoxidase (DAO). Ausserdem haben einige biogene Amine möglicherweise eine Histamin-ähnliche Wirkung – ein weiterer Grund, ihren Anteil in der Ernährung beim Provokationstest niedrig zu halten.

Testphase

Diese zweite Phase dauert bis zu sechs Wochen. In dieser Zeit baut man gezielt "verdächtige" Lebensmittel langsam wieder in den Speiseplan ein. Beginnend mit einer kleinen Histaminmenge, steigert man den Histamingehalt der Nahrung nach und nach. Parallel dazu notiert sich der Patient in einem Ernährungstagebuch, welche Nahrungsmittel er an den einzelnen Tagen zu sich genommen hat und ob Beschwerden aufgetreten sind. So lässt sich abschätzen, ab welcher individuellen Histaminschwelle Krankheitszeichen auftreten.

Dauerphase

Aus den Erkenntnissen der Testphase leitet der Arzt individuelle Ernährungsempfehlungen für den Patienten ab. Diese eignen sich für eine dauerhafte Ernährungsweise. Der Arzt berücksichtigt bei seinen Empfehlungen neben der individuell verträglichen Histaminmenge nämlich den Energiebedarf des Patienten und Einflussfaktoren wie Hormonspiegel, Medikamenteneinnahme oder Stress.

Histaminintoleranz-Test: Provokation

Mit der oben beschriebenen Ernährungsumstellung lässt sich abschätzen, wie viel Histamin jemand verträgt. Das reicht oft aus, um die Ernährung künftig entsprechend zu gestalten.

Will man genau wissen, ab welcher Menge jemand Histaminintoleranz-Symptome entwickelt, ist es möglich, eine sogenannte "titrierte Provokation" durchzuführen. Für diesen Provokationstest ist es ratsam, dass der Patient sich zuerst einige Zeit möglichst histaminfrei ernährt und keine Beschwerden hat.

Der Arzt verabreicht ihm dann in zweistündigem Abstand steigende Mengen an Histamin (zur Einnahme). Die Dosis, bei der Histaminunverträglichkeits-Symptome auftreten, gilt dann als individuelle Schwellendosis.

Der Provokationstest ist unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. Falls heftige Unverträglichkeitsreaktionen wie Übelkeit und Erbrechen bis hin zu vorübergehenden Kreislaufstörungen auftreten, hat der Arzt die Möglichkeit, rasch zu behandeln.

Weitere Histaminintoleranz-Tests

Oft empfehlen Ärzte weitere Histaminintoleranz-Tests, um eine Unverträglichkeit von Histamin sicher nachzuweisen. Die Aussagekraft solcher Untersuchungen ist aber begrenzt. Es zählen dazu:

Messung der DAO-Aktivität im Blutserum: Als eine mögliche Ursache für Histaminintoleranz (HI) gilt eine verminderte Aktivität des Histamin-abbauenden Enzyms Diaminooxidase (DAO). Bei den Betroffenen soll deshalb die DAO-Aktivität im Blutserum messbar verringert sein. Laut Experten ist dieses Verfahren aber nicht aussagekräftig genug, um eine Histaminintoleranz-Diagnose zu stellen.

Messung der Histamin-Menge im Blutplasma: Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz führt der Arzt eventuell auch einen anderen Bluttest durch und bestimmt den sogenannten Plasmahistaminspiegel. Ist bei diesem Bluttest der Wert zum Zeitpunkt der Beschwerden erhöht, weist dies möglicherweise auf eine Histaminunverträglichkeit hin.

Die Aussagekraft dieser Untersuchung ist aber unter Experten umstritten. Für auffällige Messwerte gibt es nämlich neben einer Histaminose möglicherweise viele andere Ursachen.

Messung der Histamin-Menge im Stuhl: Manchmal bieten Mediziner eine Histamin-Bestimmung im Stuhl an, um den Verdacht auf eine Histaminintoleranz abzuklären. Allerdings scheiden verschiedene Darmbakterien zum Teil grosse Mengen an Histamin aus. Die Messwerte im Stuhl sind deshalb wenig aussagekräftig.

Messung der Methylhistamin-Menge im Urin: Methylhistamin ist ein Abbauprodukt von Histamin. Seine Konzentration im Urin soll Hinweise auf eine mögliche Histaminintoleranz geben. Allerdings hängt dieser Messwert generell vom Eiweissgehalt der Nahrung ab. Deshalb ist die Methylhistamin-Bestimmung als Histaminintoleranz-Test umstritten.

Histamin-50-Pricktest: Der Pricktest ist ein weit verbreiteter Allergietest. Dabei ritzt der Arzt den vermuteten Reizstoff – in diesem Fall das Histamin – in gelöster Form (als Tropfen) in die Haut des Patienten. Bei einer Unverträglichkeit reagiert die Haut mit der Bildung von Quaddeln (Hautbläschen). Sind diese nach 50 Minuten immer noch unverändert vorhanden, geht man davon aus, dass der Abbau des Histamins in der Haut gestört ist.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass der Körper auch über die Nahrung aufgenommenes Histamin nicht richtig abbaut. Deshalb betrachten Experten diesen Histaminintoleranz-Test kritisch.

Fazit

Keiner der derzeit verfügbaren Histaminintoleranz-Tests weist gesichert nach, ob jemand tatsächlich von aussen zugeführtes Histamin (ab einer gewissen Menge) nicht verträgt und deshalb mit Beschwerden reagiert. Experten empfehlen Ärzten deshalb bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz folgende Diagnoseschritte:

  1. Erhebung der Krankengeschichte im Arzt-Patient-Gespräch (Anamnese)
  2. Untersuchungen zum Ausschluss anderer möglicher Ursachen für die Beschwerden wie Magen-Darm-Geschwür (bei Übelkeit/Erbrechen) oder eine Laktoseintoleranz beziehungsweise Fruktoseintoleranz (bei Bauchschmerzen, Durchfall)
  3. Histaminintoleranz-Test mittels dreistufiger Ernährungsumstellung
  4. Wenn die Ernährungsumstellung die Beschwerden tatsächlich verbessert, ist im nächsten Schritt gegebenenfalls ein titrierter Provokationstest angezeigt, um die individuelle Histaminverträglichkeit genauer zu ermitteln.

Behandlung

Die Histaminintoleranz-Therapie besteht hauptsächlich darin, auslösende Faktoren zu vermeiden. Das gelingt vor allem mit einer angepassten Ernährung. Nach Möglichkeit verzichten Betroffene zudem auf Medikamente, welche die Beschwerden einer Histaminintoleranz auslösen.

In bestimmten Fällen hilft möglicherweise die Anwendung bestimmter Medikamente bei Histaminintoleranz-Symptomen (medikamentöse Histaminintoleranz-Therapie).

Ernährungstipps bei Histaminintoleranz

Fachleute empfehlen Betroffenen, Lebensmittel mit hohem Histamingehalt wie alten Käse oder Gepökeltes nicht zu verzehren. Ausserdem ist es ratsam, bei Histaminintoleranz Lebensmittel zu meiden, die Histamin aus den Zellspeichern freisetzen (Histamin-Liberatoren wie Tomaten oder Erdbeeren). Ungünstig sind ausserdem Lebensmittel, die grössere Mengen anderer biogener Amine enthalten (Bananen, Ananas, Erdnüsse et cetera).

Darüber hinaus ist bei einer Histaminintoleranz-Diät auch bei der Wahl der Getränke Vorsicht geboten: Vor allem Rotwein ist ungünstig bei Histaminintoleranz. Kaffee dagegen wird in kleinen Mengen von täglich ein bis zwei Tassen meist gut vertragen.

Wer nicht komplett darauf verzichten will, verteilt kritische Lebensmittel auf mehrere Mahlzeiten. Wenn man zum Beispiel eine Scheibe reifen Gouda am Morgen isst und eine kleine Tomate als Nachmittagssnack, vertragen das Betroffene meist besser als wenn sie beide histaminreichen Speisen gleichzeitig verzehren.

Generell empfehlen Experten, Lebensmittel so frisch wie möglich zu verzehren. Gerade bei leicht verderblichen Gerichten wie Hackfleisch und Fisch ist es ratsam, diese nicht ein zweites Mal aufzuwärmen – der Verzehr führt schnell zu Symptomen einer Histaminintoleranz.

Hier noch einige Tipps für bestimmte Lebensmittel und Getränke:

Käse: Verzichten Sie auf Hartkäse (wie Emmentaler, Bergkäse, Parmesan), lang gereiften Schnittkäse (etwa alten Gouda), sehr reifen Schimmelkäse (wie sehr weichen Camembert) sowie Rohmilch- und Schmelzkäse. Greifen Sie lieber zu jungen Käsesorten (wie Butterkäse), Streichkäse, Frischkäse, Cottage Cheese und Topfen.

Wurst und Fleisch: Anstelle von Rohwurst (wie Salami, Rohschinken, Teewurst) wählen Sie eher Kochwurst (Fleischwurst, Kochschinken). Bei Fleisch bereiten besonders mariniertes (Grillfleisch, Gyros, Dönerfleisch) und lang gegartes Fleisch (Gulasch, Braten) für Menschen mit Histaminintoleranz oft Probleme.

Fisch: Meiden Sie Fischsorten wie Makrele, Sardelle, Hering und Thunfisch. Bekömmlicher als geräucherter, getrockneter und gesalzener Fisch ist frischer oder tiefgekühlter Fisch.

Alkohol: Rotwein enthält meist mehr Histamin als Weisswein. Besonders histaminreich sind französischer Rotwein, Chianti und Muskatwein.

Süssigkeiten und Knabbereien: Schokolade und andere kakaohaltige Süssigkeiten vertragen Betroffene meist schlecht. Das Gleiche gilt manchmal für Lakritz. Stillen Sie Ihre Lust auf Süsses besser mit Fruchtgummi und Bonbons (beide ohne Azofarbstoffe) sowie schokoladefreie Kuchen und Gebäckwaren.

Salzstangen und Kartoffelchips ohne Geschmacksverstärker und Hefeextrakt sind in der Regel unproblematisch bei Histaminintoleranz. Lebensmittel mit Nüssen (wie Nusskuchen) hingegen meidet man besser, da sie unter Umständen Histamin freisetzen.

Wie strikt sich Betroffene an eine Histaminintoleranz-Diät halten müssen, ermitteln Mediziner im Rahmen der Diagnostik beziehungsweise testen die Betroffene selbst aus. Nicht vergessen: Das Auftreten von Beschwerden hängt von der Gesamtmenge an Histamin im Körper ab – also von dem mit der Ernährung zugeführten Histamin plus dem im Körper produzierten Histamin.

Dabei ist die individuelle Histaminverträglichkeit nicht jeden Tag gleich. Das bedeutet: Trotz gleichbleibend histaminarmer Ernährung ist es möglich, dass ein Patient an einem Tag beschwerdefrei ist und am nächsten mit Symptome zu kämpfen hat.

Bei einer Histaminintoleranz sind viele Menschen untergewichtig. Sowohl Übergewicht als auch Untergewicht beeinträchtigen möglicherweise die Gesundheit. Aus diesem Grunde ist es auch bei einer Histaminintoleranz sinnvoll, Gewichtsprobleme, wie zum Beispiel durch eine Gewichtszunahme verursacht, zu vermeiden. Streben Sie stattdessen stets ein normales Körpergewicht an, und nehmen Sie dafür gegebenenfalls auch die Hilfe Ihres Arztes in Anspruch.

Histaminintoleranz: Medikamente absetzen oder wechseln

Viele Medikamente lösen eine Histaminintoleranz aus oder verschlechtern diese. Aus diesem Grund ist es ratsam, dass Betroffene solche Präparate absetzen, wenn der behandelnde Arzt dies für vertretbar hält. Eventuell empfiehlt er als Alternative ein anderes Medikament, das besser verträglich ist.

Setzen Sie niemals auf eigene Faust Medikamente ab, sondern immer nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt!

Welche Medikamente helfen helfen bei Histaminintoleranz?

Manchmal ist es nicht möglich, auf "kritische" Medikamente zu verzichten. Das ist etwa bei Röntgenkontrastmitteln im Rahmen von Untersuchungen oder muskelentspannenden Mitteln bei Operationen der Fall. Dann erhalten Patienten mit Histaminintoleranz vorbeugend Antihistaminika (Histaminrezeptorblocker).

Diese Medikamente blockieren die Andockstellen von Histamin (Histaminrezeptoren). So treten trotz vermehrt anfallendem Histamin im Körper keine oder zumindest deutlich weniger Unverträglichkeitssymptome auf. Auch bei bereits bestehenden Histaminintoleranz-Symptomen helfen gegebenenfalls Antihistaminika.

Manchmal setzen Ärzte bei Histaminintoleranz auf sogenannte Mastzellstabilisatoren. Sie kommen wie Antihistaminika eigentlich bei Allergien zum Einsatz. Ihre Wirkung beruht darauf, dass sie die Zellmembran von Mastzellen stabilisieren. Dadurch setzen diese weniger Histamin (und andere Entzündungsbotenstoffe) frei.

Liegt ein Mangel am Histamin-abbauenden Enzym Diaminooxidase (DAO) vor, ist es möglich, dieses in Kapselform einzunehmen. Solche DAO-Präparate (als Tabletten oder Kapseln) sind als Nahrungsergänzungsmittel für Personen mit einer Histaminintoleranz rezeptfrei erhältlich. Diese nimmt man vor einer Mahlzeit ein, wenn diese viel Histamin enthält oder es nicht möglich ist, deren Histamingehalt abzuschätzen (etwa auf Reisen oder bei Familienfeiern). Sind bereits Beschwerden vorhanden, hilft das Enzympräparat nicht mehr.

Die genannten Präparate zur Vorbeugung oder Linderung von Histaminintoleranz-Symptomen sind kein längerfristiger Ersatz für eine histaminarme Ernährung. Sie dienen nur als Ergänzung. Fachleute empfehlen daher, diese ausschliesslich bedarfsweise einzunehmen! Ob und welche Präparate sinnvoll sind, entscheidet der Arzt gemeinsam mit dem Betroffenen. Manche der Medikamente (wie Antihistaminika) sind nur auf Rezept erhältlich.

Vitaminpräparate

Vitamin C und Vitamin B6 gelten als Cofaktoren der Diaminooxidase (DAO), das heisst: Die beiden Vitamine sind für die Funktion des Enzyms wichtig. Deshalb ist die Einnahme von entsprechenden Vitaminpräparaten gegebenenfalls sinnvoll. Betroffene besprechen dies mit ihrem behandelnden Arzt, der bei Bedarf ein geeignetes Präparat und eine passende Dosierung empfiehlt.

Hausmittel bei Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz sollen zudem Hausmittel wie Heilerde oder Zeolith helfen. Bei Letzterem handelt es sich um Silikate, die natürlichen Ursprungs sind (wie vulkanischen Ursprungs) oder künstlich hergestellt werden.

Zeolithe sollen ungünstige Substanzen binden und deren Ausscheidung begünstigen können. Das soll auch für das in Lebensmitteln enthaltene Histamin sowie andere biogene Amine gelten. Sowie für Histamin, das im Darm von Immunzellen freigesetzt oder von Darmmikroben gebildet wird.

Von einer langfristig hochdosierten Zeolithe-Anwendung wird jedoch abgeraten. Zudem wird empfohlen, nach einer Einnahmezeit von vier bis sechs Wochen eine Pause einzulegen.

Bei Hausmitteln gilt es jedoch grundsätzlich zu beachten, dass deren Wirkung in vielen Fällen wissenschaftlich nicht belegt ist.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Verlauf und Prognose

Die richtige Ernährung bei Histaminintoleranz ist der wichtigste Baustein der Behandlung. Wer auf histaminreiche Lebensmittel (weitgehend) verzichtet, verbessert seine Beschwerden meist deutlich. Tragen bestimmte Medikamente zu den Histaminintoleranz-Beschwerden bei, hat der Arzt in vielen Fällen die Möglichkeit, den Betroffenen auf ein besser verträgliches Präparat umzustellen. Ergänzend lindern im Bedarfsfall Medikamente wie Antihistaminika die Beschwerden.

Viele Patienten mit Histaminintoleranz leiden gleichzeitig an Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Fruktose-, Laktose- oder Sorbit-Intoleranz. Wenn man zu viele Lebensmittel (histaminhaltige Speisen, Obst, Milchprodukte et cetera) vom Speiseplan streicht, kommt es unter Umständen zu einer Mangelversorgung.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die Ernährung bei Histaminintoleranz plus Nahrungsmittelunverträglichkeiten besonders sorgfältig zu planen. Ein Ernährungsberater bietet Betroffenen hierzu wertvolle Unterstützung an.

Weiterführende Informationen

Bücher:

  • Bloch, R. und Nesterenko, S.: Histaminintoleranz – die unentdeckte Krankheit: Histamin – eine häufige Ursache für Allergien, Nahrungsmittelintoleranzen und vieles mehr! Rainer Bloch Verlag, 2017

Leitlinien:

  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen und der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie: Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin (Stand: 2017, in Überarbeitung), unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-030l_S1_Verdacht_auf_Histaminunvertr%C3%A4glichkeit_2017-02-abgelaufen.pdf

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Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Martina Feichter
Autoren:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
T78
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
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