Theophyllin

Von Lisa Hein
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Theophyllin gehört zu den Reserve-Medikamenten bei Atemwegserkrankungen, die mit Atemnot einhergehen. Der Wirkstoff wurde bereits im Jahr 1888 entdeckt und ist in zahlreichen Medikamenten enthalten. Er gilt allgemein als gut verträglich, muss aber sehr sorgfältig und individuell dosiert werden. Hier lesen Sie alles Wichtige über Theophyllin - seine Anwendung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen!

So wirkt Theophyllin

Theophyllin wirkt Bronchien-erweiternd und hemmt die Freisetzung von Botenstoffen, die für eine Entzündungsreaktion nötig sind. Der Wirkstoff kann deshalb - ergänzend zu einer inhalativen Therapie - zur Vorbeugung und Behandlung von Atemnot (wie bei Asthma bronchiale und COPD) eingesetzt werden.

Asthma ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege, bei der es anfallsweise zu Atemnot kommen kann. Im Anfall bildet sich vermehrt zäher Schleim in den Atemwegen und diese verkrampfen, wodurch die Atmung erschwert wird.

Meistens wird der Anfall durch eine allergische Reaktion ausgelöst (allergisches Asthma). Durch eine genetische Veranlagung sind die Patienten gegenüber bestimmten Auslösern (Allergenen) besonders empfindlich. Bei Kontakt reagiert das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) über, und die Lunge "verkrampft".

Daneben gibt es nicht-allergisches Asthma, bei dem beispielsweise kalte Luft, Stress oder bestimmte Medikamente einen Asthmaschub auslösen. Beiden Formen von Asthma liegt ein entzündliches Krankheitsgeschehen zugrunde.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) kann, muss aber nicht mit einer Entzündungsreaktion einhergehen. Der Unterschied zu Asthma liegt vereinfacht gesagt darin, dass die verengten Bronchien bei COPD trotz optimaler Therapie nicht wieder ihren ursprünglichen Zustand einnehmen. Man spricht daher von "nicht-reversibler Atemwegsobstruktion".

Häufigster Auslöser von COPD ist das Rauchen. Weitere Ursachen sind vor allem berufliche Exposition gegenüber giftigen Stäuben oder Dämpfen (Chemiker, Bäcker, Bauwesen) oder eine genetische Veranlagung (z.B. Alpha-1-Antitrypsinmangel).

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Der Wirkstoff wird nach Aufnahme über den Mund (per oral) praktisch vollständig aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Der Abbau erfolgt in der Leber, woraufhin die Abbauprodukte hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden werden.

Die Halbwertszeit, also die Zeit in der die Hälfte von Theophyllin wieder ausgeschieden ist, variiert individuell sehr stark. So vergehen bei Rauchern circa vier bis fünf Stunden, bei Nichtrauchern zwischen sieben und neun Stunden und bei Menschen mit Herz- oder Leberfunktionsstörungen bis zu 24 Stunden, bis die Wirkstoffmenge im Körper sich um die Hälfte reduziert hat.

Wann wird Theophyllin eingesetzt?

Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von oralem Theophyllin gehören:

  • Behandlung und Vorbeugung von persistierendem Asthma bronchiale
  • Behandlung und Vorbeugung von mittelschweren bis schweren obstruktiven Atemwegserkrankungen (wie COPD, Lungenemphysem)

Zu den Indikationen von intravenös verabreichtem Theophyllin gehören:

  • Akutbehandlung von Atemnotzuständen aufgrund einer Verengung der Atemwege (Bronchokonstriktion) bei Asthma bronchiale und anderen obstruktiven Atemwegserkrankungen (wie COPD)

So wird Theophyllin angewendet

Theophyllin hat eine sehr geringe "therapeutische Breite". Das bedeutet, dass bezüglich Dosierung zwischen Unwirksamkeit und Überdosierung nur ein sehr schmaler Grat liegt, in dem sich die richtige Dosierung für eine optimale Wirkung befindet.

Aus diesem Grund wird der Wirkstoff meist in Form von Medikamenten verordnet, die den Wirkstoff kontinuierlich freigeben (Retard-Tabletten oder -Kapseln). So ist sichergestellt, dass sich im Blut immer konstante Mengen des Wirkstoffs befinden. Die Tagesdosis muss für jeden Patienten individuell festgelegt werden.

Der Wirkstoff kann auch bei akuten Atemnotzuständen angewendet werden. In diesem Fall stehen Lösungen zur Verfügung, die intravenös gespritzt werden und somit ihre Wirkung sofort entfalten können.

Die Dosierung wird bei jedem Menschen individuell festgelegt. Optimale Blutspiegel liegen zwischen 5 und 15 Mikrogramm pro Milliliter.

Bei Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen muss sehr genau auf die individuelle Dosierung geachtet werden. Die Dosisanpassung sollte nur durch erfahrenes Fachpersonal erfolgen.

Optimalerweise wird Theophyllin mit anderen Medikamenten gegen Atemnoterkrankungen kombiniert wie beispielsweise Glucokortikoiden oder β2-Sympathomimetika wie Salbutamol, Salmeterol oder Fenoterol.

Aufgrund seiner engen therapeutischen Breite und seiner im Vergleich zu inhalativen Arzneistoffen schwächeren Wirkung ist Theophyllin kein Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Atemwegserkrankungen.

Welche Nebenwirkungen hat Theophyllin?

Gelegentlich rufen Medikamente mit Theophyllin Nebenwirkungen wie Unruhe, Kopfschmerzen, Krämpfe, beschleunigten Puls, Übelkeit und vermehrte Wasserausscheidung hervor. Diesen Nebenwirkungen lässt sich durch eine regelmässige Blutspiegel-Messung und Dosis-Anpassungen vorbeugen.

Aufgrund seiner engen therapeutischen Breite kann Theophyllin leicht überdosiert werden: Schon bei Blutspiegeln ab 20 Mikrogramm pro Milliliter treten dann Beschwerden auf, und zwar umso häufiger und stärker, je schwerer die Überdosierung.

Akute Symptome umfassen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Unruhe, Zittern, Anstieg des Blutdrucks oder Abfall, Zunahme der Atemfrequenz, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe sowie in schweren Fällen Koma.

Häufig kommt es auch zu Stoffwechselstörungen wie veränderten Elektrolytwerten (Hypokaliämie, Hypophosphatämie, Hyperkalzämie), einem Abfall des Blutzuckers, einer stoffwechselbedingten Übersäuerung (metabolische Azidose) und einer atmungsbedingten Alkalisierung des Blutes (respiratorische Alkalose).

Sollten Sie Anzeichen einer Überdosierung bemerken, kontaktieren Sie schnellstmöglich einen Arzt!

Was ist bei der Einnahme von Theophyllin zu beachten?

Gegenanzeigen

Medikamente mit Theophyllin dürfen nicht angewendet werden bei:

  • bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Theophyllin oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • akutem Herzinfarkt
  • bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen

Besondere Vorsicht ist unter anderem bei Krampfleiden (Epilepsie), Herzerkrankungen und Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) geboten.

Wechselwirkungen

Theophyllin kann mit einigen anderen Medikamenten wechselwirken. So verstärkt es bei gleichzeitiger Gabe die Wirkung der folgenden Substanzen:

  • Koffein
  • Betasympathomimetika (bronchienerweiternd)
  • Diuretika (harntreibende Mittel)

Umgekehrt kann Theophyllin die Wirkung der folgenden Wirkstoffe abschwächen:

  • Benzodiazepine (Beruhigungsmittel)
  • Lithium (z.B. bei bipolarer Störung)
  • Betablocker (Herzmittel)

Theophyllin wird in der Leber hauptsächlich durch das Enzym CYP1A2 abgebaut. Andere Medikamente, die ebenfalls über dieses Enzym abgebaut werden, dieses anregen (induzieren) oder hemmen, können daher den Abbau von Theophyllin steigern oder beeinträchtigen - und so dessen Wirkung verstärken oder abschwächen. Beispiele:

Folgende Medikamente verstärken die Wirkungen und Nebenwirkungen von Theophyllin:

Durch die Einnahme der folgenden Medikamente wird die Wirksamkeit von Theophyllin abgeschwächt:

Raucher haben generell einen doppelt so raschen Theophyllin-Abbau wie Nichtraucher. Dies macht in der Regel eine Dosisanpassung notwendig.

Aufgrund der vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten sollten die Plasmaspiegel von Theophyllin immer kontrolliert werden, wenn sich die Medikation ändert - der Patient also ein weiteres Medikament bekommt oder ein zuvor angewendetes absetzt.

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Durch die Einnahme von Theophyllin kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Experten empfehlen Behandelten deshalb, nicht aktiv am Strassenverkehr teilzunehmen und keine schweren Maschinen zu bedienen, bis klar ist, wie der Betreffende individuell auf das Medikament reagiert.

Altersbeschränkungen

Säuglinge unter sechs Monaten sollten Medikamente mit Theophyllin nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den behandelnden Arzt erhalten.

Schwangerschaft und Stillzeit

Erfahrungen haben gezeigt, dass die Einnahme von Theophyllin während der Schwangerschaft als relativ ungefährlich eingestuft werden kann. Es wurden keine Schäden bei den Neugeborenen festgestellt. Theophyllin darf daher in der gesamten Schwangerschaft indikationsgerecht eingesetzt werden. Die sich ständig veränderten Gegebenheiten bei Schwangeren machen aber eine besonders enge ärztliche Überwachung nötig, um Überdosierungen zu vermeiden.

Auch in der Stillzeit dürfen Medikamenten mit Theophyllin eingenommen werden. Der Wirkstoff tritt allerdings in die Muttermilch über. Dies kann je nach mütterlichem Plasmaspiegel zu einer Anreicherung des Wirkstoffes beim Säugling führen, sodass dieser sorgfältig auf Nebenwirkungen überwacht werden sollte.

Es empfiehlt sich sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit, die niedrigst mögliche Theophyllin-Dosierung zu wählen und koffeinhaltige Getränke zu vermeiden.

So erhalten Sie Medikamente mit Theophyllin

Medikamente mit Theophyllin sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig. Sie erhalten sie deshalb nur mit einem Rezept vom Arzt in der Apotheke.

Seit wann ist Theophyllin bekannt?

Theophyllin ist bereits relativ lange bekannt. Schon im Jahr 1888 wurde der Stoff erstmals aus Teeblättern isoliert. Seine chemische Struktur wurde aber erst 1895 vollständig aufgeklärt.

Theophyllin gehört zu der Gruppe der sogenannten Xanthin-Abkömmlinge, zu denen auch Koffein zählt. Die Wirkungen von Theophyllin und Koffein überschneiden sich in manchen Teilen. Beide Substanzen wirken leicht harntreibend. Ausserdem kann Kaffee (Koffein) so wie Theophyllin Asthma-Symptome lindern - wenn auch nur in geringem Masse.

Man findet Vertreter der Xanthine (Theophyllin, Theobromin, Koffein) in Kaffeebohnen, schwarzem und grünem Tee, Kolanüssen und Guarana.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Francis et al.: Phosphodiesterases as Drug Targets, Springer Verlag, Berlin Heidelberg, 2011.
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Theophyllin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 09.01.2022).
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