Ambroxol

Von Lisa Hein
Aktualisiert am
Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Ambroxolgehört zu den wichtigsten Hustenlösern und Mitteln bei Halsschmerzen. Der Wirkstoff gilt allgemein als gut verträglich und darf auch bei Kindern angewendet werden. Obwohl Ambroxol schon lange bekannt ist, ist der Wirkmechanismus der Schleimlösung noch nicht vollständig geklärt. Hier lesen Sie alles Wichtige über Ambroxol. 

So wirkt Ambroxol

Ambroxol erleichtert das Abhusten von zähen Schleim, weil es schleimlösende und auswurffördernde Eigenschaften aufweist. Der dahinterliegende Wirkmechanismus ist bis heute nicht vollständig geklärt. Studien zufolge wird aber durch den Wirkstoff einerseits der Schleim verflüssigt und andererseits die Aktivität der sogenannten Flimmerhärchen gesteigert:

Die Flimmerhärchen sitzen auf der Schleimhaut der Atemwege und sorgen dafür, dass der gebildete Schleim in Richtung Ausgang (Mund, Nase) abtransportiert wird. Durch deren Aktivierung kann der Schleim also besser aus dem Atemtrakt entfernt werden.

Ausserdem ist eine lokal betäubende und entzündungshemmende Wirkung durch Ambroxol bekannt. Der Wirkstoff blockiert bestimmte Ionenkanäle (Natrium) und unterbindet dadurch die Schmerzweiterleitung ins Gehirn. In Form von Lutschtabletten kann der Wirkstoff daher akute Halsschmerzen lindern.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Ambroxol wird nach der Aufnahme über den Mund (per oral) rasch und nahezu vollständig (zu ungefähr 70 Prozent) aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Die maximale Wirkung tritt nach circa zwei bis vier Stunden ein.

Der Abbau von Ambroxol erfolgt in der Leber. Die Abbauprodukte werden über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Nach ungefähr zehn Stunden hat die Hälfte der Wirkstoffmenge den Körper wieder verlassen.

Wann wird Ambroxol eingesetzt?

Medikamente mit Ambroxol werden bei länger andauernden Erkrankungen der Atemwege mit übermässiger Schleimbildung und Problemen beim Abhusten des Schleims eingesetzt.

Ein weiteres Anwendungsgebiet (Indikation) von Ambroxol sind akute Halsschmerzen.

Ausserdem wird der Wirkstoff als Zusatztherapie beim sogenannten Atemnotssyndrom von Neu- und Frühgeborenen eingesetzt.

So wird Ambroxol angewendet

Erkrankungen der unteren Atemwege

Der Wirkstoff wird in der Regel in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen. Können Patienten keine festen Arzneiformen zu sich nehmen, stehen auch ein Ambroxol-Hustensaft sowie Ambroxol-Tropfen zur Verfügung. Es ist zudem möglich, den Wirkstoff direkt in den Blutkreislauf zu spritzen (in Form von Ampullen), mit einem Vernebler zu inhalieren oder als Lutschtablette zu lutschen.

Die regionale Verfügbarkeit der unterschiedlichen Ambroxol-Darreichungsformen unterscheidet sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Die übliche Dosierung für Erwachsene beträgt zwischen 60 und 90 Milligramm Ambroxol pro Tag. Neugeborene, Kleinkinder sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten eine verringerte Dosis.

Husten der länger als 14 Tage anhält muss ärztlich abgeklärt werden.

Anwendung bei Halsschmerzen

Bei Halsschmerzen kann Ambroxol ab sechs Jahren in Form von Lutschtabletten eingesetzt werden. Die Dosierung ist vom Alter und Präparat abhängig.

Welche Nebenwirkungen hat Ambroxol?

Gelegentlich (bei 0,1 bis einem Prozent der Behandelten) ruft Ambroxol Nebenwirkungen in Form von Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Reaktionen hervor.

Beim Lutschen von Halsschmerztabletten kommt es häufig (also bei einem bis zehn Prozent der Behandelten) zu Geschmacksstörungen und einem Taubheitsgefühl in Mund und Rachen.

Sehr selten wurde von schweren Hautreaktionen nach der Einnahme des Wirkstoffes berichtet.

Sollten Sie allergische Hautreaktionen bei sich bemerken, dann stoppen Sie die Einnahme und suchen Sie unverzüglich einen Arzt auf.

Was ist bei der Einnahme von Ambroxol zu beachten?

Gegenanzeigen

Ambroxol darf nicht eingesetzt werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Bestandteile des Medikaments

Patienten mit einer schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörung sollten Medikamente mit Ambroxol nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung anwenden. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Wechselwirkungen

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Hustenstillern (bei trockenem Reizhusten) kann es dazu passieren, dass durch den verminderten Hustenreflex ein gefährlicher Sekretstau entsteht.

Wenden Síe Hustenlöser und Hustenstiller nur auf ausdrückliche Anweisung des Arztes gemeinsam an.

Altersbeschränkung

Ab welchen Alter Ambroxol angwendet werden darf, hängt vom jeweiligen Präparat ab. Kindgerechte Darreichungsformen können von Ärzten bereits vor dem dritten Lebensjahr verordnet werden.

Für die Selbstmedikation stehen Zubereitungen für Kinder ab zwei Jahren zur Verfügung.

Schwangerschaft und Stillzeit

Ambroxolhydrochlorid passiert die Plazentaschranke. Präklinische Studien zeigen weder eine indirekte noch eine direkte schädliche Wirkung auf Schwangerschaft, embryofetale Entwicklung, Entbindung sowie kindliche Entwicklung nach der Geburt.

Wirken Inhalieren und ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei Atemwegserkrankung mit gestörter Sekretbildung nur unzureichend, gelten Medikamente mit Ambroxol als Mittel der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit bei Atemwegserkrankungen mit gestörter Sekretbildung.

Ambroxol-Lutschtabletten gegen Halsschmerzen sollten in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden.

So erhalten Sie Medikamente mit Ambroxol

Medikamente mit Ambroxol sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz apothekenpflichtig. Sie erhalten sie freiverkäuflich in der Apotheke.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Lennecke, K. et al.: Selbstmedikation für die Kitteltasche, Deutscher Apotheker Verlag, 7. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Wirkstoff, unter: www.embryotox.de (Abruf: 05.01.2022).
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich