Nesselsucht

Von , Zahnärztin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Nesselsucht (mediz. Urtikaria) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen und kann sowohl Erwachsene als auch Kinder betreffen. Typische Symptome sind gerötete Haut und stark juckende Quaddeln. Manchmal schwellen auch Haut und Schleimhäute an. Die Nesselsucht kann akut oder chronisch verlaufen und verschiedenste Auslöser haben. Lesen Sie hier mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prognose der Nesselsucht!

nesselsucht

Kurzübersicht

  • Was ist Nesselsucht (Urtikaria)? häufige Hauterkrankung mit plötzlich auftretenden juckenden Quaddeln.
  • Wie sieht Nesselsucht aus? Typische Nesselsucht-Symptome sind gerötete Haut mit stark juckenden Quaddeln und/oder Haut-/Schleimhautschwellungen (Angioödeme).
  • Ursachen bzw. Auslöser: sehr vielfältig, z.B. physikalische Reize (Kälte, Licht, Druck etc.), Erhöhung der Körperkerntemperatur (z.B. durch Verzehr scharfer Speisen), Autoimmunreaktionen, Unverträglichkeiten oder Allergien gegenüber Nahrungsmitteln oder Medikamenten, akute oder chronische Infektionen.
  • Formen von Urtikaria: spontane akute Nesselsucht, spontane chronische Nesselsucht, physikalische Formen von Nesselsucht, aquagene Nesselsucht, anstrengungsinduzierte Nesselsucht (z.B. nach Sport) etc.
  • Was hilft gegen Nesselsucht? Auslöser meiden bzw. Ursache behandeln. Medikamente (Antihistaminika, Kortison etc.). In bestimmten Fällen weitere Therapiemassnahmen wie UV-Behandlung.

Nesselsucht: Was ist das?

Als Nesselsucht (Urtikaria) bezeichnen Mediziner einen Hautausschlag (Exanthem) mit juckenden Quaddeln und zum Teil auch Haut-/Schleimhautschwellungen. Verschiedene Reize können diese Hautreaktionen bei Urtikaria verursachen.

An welcher Körperstelle die Hautkrankheit auftritt, kann von Patient zu Patient verschieden sein. Häufig zeigt sich Nesselsucht im Gesicht, an den Händen, am Hals oder in den Ellenbeugen. Es gibt aber auch Patienten, bei denen sich die Nesselsucht an den Füssen entwickelt. Auch Stellen betroffen, an denen die Kleidung zu eng sitzt und scheuert, zeigen oft Urtikaria-Symptome. Eine ausgeprägte Nesselsucht betrifft den ganzen Körper (generalisierte Urtikaria).

Je nach Ausprägung und Dauer der Symptome kann eine Nesselsucht die Lebensqualität des Betroffenen erheblich einschränken. Die Hautveränderungen können psychisch sehr belastend sein und den Alltag beeinträchtigen.

Ist Nesselsucht ansteckend?

Beim Anblick der auffälligen, geröteten Hautstellen fragen sich viele Menschen: “Ist Nesselsucht ansteckend?” Die klare Antwort darauf lautet: Nein. Bei Urtikaria ist keine Ansteckung möglich. Die Hautkrankheit ist für andere Personen ungefährlich und kann durch Kontakt nicht übertragen werden.

Ist Nesselsucht eine Allergie?

Bei Nesselsucht handelt es sich in der Regel um eine allergieähnliche Reaktion des Körpers auf bestimmte Reize. Ärzte sprechen deshalb auch von einer sogenannten Pseudoallergie. Vor allem pseudoallergische Reaktionen auf Medikamente oder Nahrungsmittel spielen bei der Entstehung von Nesselsucht eine Rolle.

Eine “echte” allergische Reaktion ist nur selten die Ursache für Urtikaria.

Nesselsucht: Ursache

Woher kommt Nesselsucht? Diese Frage treibt viele Betroffene um, ist aber nicht leicht zu beantworten. Die Entstehung von Nesselsucht ist nämlich sehr komplex:

Der typische juckende Hautausschlag bildet sich dadurch, dass bestimmte Immunzellen (Mastzellen) gereizt werden und daraufhin entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten. Zu diesen Botenstoffen zählt vor allem das Gewebshormon Histamin: Es ist hauptverantwortlich für die Symptome der Nesselsucht (Quaddeln, Juckreiz, Hautrötung, Schwellung).

Doch wodurch kommt diese Reizung der Mastzellen zustanden? Manchmal handelt es sich um eine allergische Reaktion (auf bestimmte Nahrungsmittel, Pollen etc.). In vielen anderen Fällen werden die Mastzellen auf anderem Wege aktiviert. Das bedeutet: Nicht jede Nesselsucht ist allergisch bedingt.

Verschiedene Formen von Nesselsucht

Es gibt verschiedene Unterformen von Nesselsucht. Sie treten nicht immer einzeln auf: Manche Patienten weisen zwei oder mehr dieser Krankheitsformen gleichzeitig auf.

Die verschiedenen Formen von Nesselsucht lassen sich in drei grosse Gruppen einteilen:

  • Spontane Nesselsucht: Quaddeln und/oder Angioödeme bilden sich plötzlich und ohne erkennbaren äusseren Auslöser. Je nach der Dauer der Symptome unterscheidet man spontane akute und spontane chronische Nesselsucht. Etwa 80 Prozent aller Nesselsucht-Patienten haben eine spontane Urtikaria, davon zwei Drittel die akute Variante.
  • Physikalische Nesselsucht: Dazu zählen alle Formen von Nesselsucht, die durch physikalische Reize ausgelöst werden (wie Druck, Wind, Kältekontakt etc.). Sie machen nur etwa 10 Prozent aller Fälle von Nesselsucht aus.
  • Andere Formen von Nesselsucht: Ursachen sind hier zum Beispiel körperliche Anstrengung, Kontakt mit Wasser oder Schwitzen. Solche besonderen Formen von Nesselsucht finden sich bei weniger als 10 Prozent aller Patienten.

Bei vielen Menschen mit Urtikaria ist keine Ursache feststellbar. Ärzte sprechen dann von idiopathischer Urtikaria beziehungsweise - bei länger anhaltenden Symptomen - von chronisch idiopathischer Urtikaria.

Im Folgenden werden die verschiedenen Urtikaria-Formen genauer beschrieben.

Spontane akute Nesselsucht

Die Nesselsucht-Symptome, die ganz plötzlich und ohne äussere, für Arzt oder Patient offensichtliche Reize auftreten, halten weniger als sechs Wochen an.

Ein konkreter Nesselsucht-Auslöser lässt sich hier oft nicht finden. In vielen anderen Fällen kann man etwa folgende Auslöser ausmachen:

  • akuter Infekt, etwa der Atemwege oder des Verdauungstrakts
  • Unverträglichkeiten (Intoleranzen): Manchmal lösen etwa bestimmte Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln oder bestimmte Medikamente (wie Acetylsalicylsäure = ASS oder Herz-/Bluthochdruckmittel vom Typ ACE-Hemmer) pseudoallergische Reaktionen aus, die sich als Nesselsucht manifestieren.
  • Allergien: Auslöser sind manchmal bestimmte Nahrungsmittel. Ebenso möglich ist eine Nesselsucht nach Impfung: Bekommt man einige Stunden bis etwa zwei Tage nach der Impfung einen Nesselausschlag, kann es sich um eine subakute allergische Reaktion handeln. Auch andere Medikamentenallergien können sich als Nesselausschlag äussern.

Bedrohlich wird eine akute Nesselsucht, wenn die Schleimhaut der Atemwege (Rachen, Kehlkopf etc.) stark anschwillt (Angioödem). Dann gelangt die Atemluft nur noch schwer oder gar nicht mehr hindurch. Die Betroffenen bekommen Atemnot und können sogar ersticken!

Bei plötzlicher Atemnot sollten Sie immer sofort den Rettungsdienst alarmieren (Nr. 112)!

Spontane chronische Nesselsucht

Hält eine spontane Nesselsucht länger als sechs Wochen an, wird sie als "spontane chronische Urtikaria" (oder einfach "chronische Urtikaria") bezeichnet. Die Nesselsucht-Symptome können dabei entweder permanent (kontinuierlich) bestehen oder wiederholt auftreten (mit mehr oder weniger langen symptomfreien Phasen dazwischen).

Mögliche Auslöser einer chronischen Nesselsucht sind etwa:

  • chronische Infekte, zum Beispiel mit dem Magenkeim Helicobacter pylori oder mit Streptokokken (eine auf einer chronischen Infektion basierende chronische Urtikaria wird auch Infekt-Urtikaria genannt)
  • Autoimmunreaktion: Hierbei spricht man von autoreaktiver Nesselsucht oder autoreaktiver Urtikaria. Die Symptome kommen hier durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems zustande.
  • Unverträglichkeiten (Intoleranzen), wie oben beispielsweise gegen bestimmte Nahrungsmittelzusatzstoffe oder Medikamente

Seltener stecken hinter chronischer Urtikaria andere Ursachen wie zum Beispiel eine Allergie.

Physikalische Nesselsucht

Ein Nesselausschlag kann auch durch eine Vielzahl physikalischer Reize (Druck, kalte Flüssigkeit etc.) ausgelöst werden: Beim direkten Hautkontakt bildet sich an der Stelle der Reizeinwirkung ein juckender Hautausschlag. Er kann aber auch an einem anderen Körperbereich auftreten und zusätzlich niedrigen Blutdruck oder einen schnellen Herzschlag provozieren.

Je nachdem, welcher physikalische Reiz die Beschwerden auslöst, unterscheidet man verschiedene Arten von physikalischer Nesselsucht:

  • Urticaria factitia (Urtikarieller Dermografismus): Sie wird durch Scherkräfte ausgelöst, die auf die Haut einwirken. Solche Scherkräft entstehen zum Beispiel beim Kratzen, Reiben und Scheuern der Haut.
  • Verzögerte Druckurtikaria: Anhaltender Druck löst hier zeitlich versetzt den Nesselausschlag aus - die Quaddeln bilden sich erst drei bis zwölf Stunden später. Die Betroffenen erkennen deshalb oft nicht den direkten Zusammenhang mit der Druckeinwirkung.
  • Kälteurtikaria (Kältekontakturtikaria): Auslöser ist der Kontakt mit kalten Gegenständen, kalter Luft, kaltem Wind oder kalten Flüssigkeiten. So kann sich zum Beispiel im Winter auf unbedeckten Körperstellen eine Nesselsucht durch die Kälte entwickeln.
  • Wärmeurtikaria (Wärmekontakturtikaria): Die Symptome (wie Quaddeln) dieser Nesselsucht-Form werden durch Wärme hervorgerufen, mit der die Haut lokal in Kontakt kommt (z.B. beim Föhnen oder durch ein heisses Fussbad).
  • Lichturtikaria: Das ist eine Nesselsucht durch Sonne beziehungsweise UV-Licht im Solarium.
  • Vibratorische Urtikaria: Vibrationen, wie sie etwa bei Arbeiten mit dem Presslufthammer entstehen, sind ebenfalls mögliche Auslöser einer Nesselsucht.

Die sogenannte Familiäre Kälteurtikaria ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die nicht zur klassischen Nesselsucht (trotz des ähnlichen Namens)!

Sonderformen der Nesselsucht

>> cholinergische Urtikaria

Die cholinergische Urtikaria (oder cholinerge Urtikaria) entsteht durch eine Erhöhung der Körperkerntemperatur. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man scharfe Speisen verzehrt oder heiss badet. Auch körperliche Anstrengung kann die Temperatur im Inneren des Körpers ansteigen lassen. Ebenso kann die cholinergische Nesselsucht durch Stress ausgelöst werden, wenn dieser die Körperkerntemperatur nach oben treibt.

In allen Fällen reagiert die Haut der Betroffenen mit der Bildung stecknadelkopfgrosser Quaddeln, die aber innerhalb einer Stunde wieder verschwinden. Auch Allgemeinsymptome sind möglich (Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen etc.).

>> anstrengungsinduzierte Urtikaria

Sie wird durch körperliche Anstrengung - gegebenenfalls in Kombination mit Nahrungsmittelaufnahme - ausgelöst. Im Vergleich zur cholinergischen Urtikaria sind die Quaddeln hier grösser als ein Stecknadelkopf und die Allgemeinsymptome (bis hin zum Schock) häufiger.

>> Kontakturtikaria

Bei der Kontakturtikaria entsteht der Nesselausschlag durch den Kontakt mit sogenannten urtikariogenen Stoffen. Manchmal sind das Substanzen, auf die der Betreffende allergisch reagiert, wie bestimmte Nahrungsmittel oder Latex.

Die Kontakturtikaria kann aber auch unabhängig von einer Allergie bei Berührung von Reizstoffen auftreten. Das können zum Beispiel der Duftstoff Perubalsam (in Kosmetika, Medikamenten, Putzmitteln etc.), das Konservierungsmittel Benzoesäure (in Lebensmitteln etc.) sowie bestimmte Pflanzen sein. Bekanntes Beispiel sind die juckenden Quaddeln, die der Hautkontakt mit Brennnesseln hervorruft (diese Pflanze ist auch der Namensgeber der Nesselsucht).

>> aquagene Urtikaria

Sehr selten entsteht eine Urtikaria durch den Kontakt mit Wasser - ganz gleich welcher Temperatur. Diese aquagene Urtikaria kann die Betroffenen stark belasten: Die Nesselsucht tritt nach dem Duschen, Schwimmen oder einem kräftigen Regenguss auf - die Haut reagiert auf den Wasserkontakt mit juckenden Quaddeln. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Allergie auf das Wasser!

Physikalische Nesselsucht und die Sonderformen der Erkrankung werden auch als "induzierbare Urtikaria" bezeichnet. Die Hautreaktionen werden hier durch den Kontakt mit spezifischen Reizen ausgelöst.

Nesselsucht: Behandlung

Die Nesselsucht-Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen - angepasst an die individuellen Bedürfnisse der Patienten. Eine Rolle spielen dabei die Art der Urtikaria und die Schwere der Symptome. Das Ziel der Urtikaria-Therapie ist aber immer, die Symptome zu lindern und, wenn möglich, die Ursache zu beseitigen.

Nesselsucht-Auslöser meiden oder beseitigen

Der beste Mittel gegen Nesselsucht besteht darin, den Auslöser möglichst zu meiden oder zu beseitigen. Das geht natürlich nur, wenn dieser eindeutig identifiziert werden konnte. Einige Beispiele:

Wenn der Nesselausschlag etwa eine Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel ist, sollten Betroffene darauf verzichten. Sind bestimmte Medikamente der Auslöser, sollten sie - nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt (!) - möglichst abgesetzt werden. Ist das nicht möglich, lassen sie sich oft gegen einen besser verträglichen Wirkstoff austauschen.

Einer Druckurtikaria lässt sich vorbeugen, indem man etwa nur Rucksäcke und Taschen mit breiten Trägern schultert. Entpuppen sich chronische Infekte (etwa mit dem Magenkeim Helicobacter pylori oder chronische Atemwegsinfekte) als Grund einer chronischen Nesselsucht, muss man diese fachgerecht behandeln.

Schwieriger kann es werden, wenn zum Beispiel physikalische Reize wie Wärme oder Reibung die Nesselsucht hervorrufen. Hier liegt die Reizschwelle nämlich oft sehr niedrig. So entwickeln Menschen mit einer Urtikaria factitia manchmal schon beim Tragen von Kleidung, die nicht völlig locker sitzt, die Nesselsucht-Symptome. Ausserdem kann man manchen physikalischen Reizen (kalter Wind, UV-Strahlen etc.) kaum vollständig aus dem Weg gehen.

Beruht eine chronische Urtikaria auf einer chronischen (oder wiederkehrenden) Mandelentzündung, empfiehlt der Arzt oftmals die operative Entfernung der Mandeln. Im Anschluss bessert sich dann in der Regel auch der Nesselausschlag.

Nesselsucht: Medikamente

Bei einer leichten Nesselsucht sind etwa Salben oder Cremes mit kühlendem Menthol sehr wohltuend. Gegebenenfalls verschreibt der behandelnde Arzt auch eine Creme mit lokal betäubender Wirkung (z.B. mit Polidocanol) bei Nesselsucht.

Was tun aber, wenn solche Cremes oder Salben gegen Nesselsucht-Symptome nicht ausreichend helfen? Dann kommen noch andere Medikamente zum Einsatz.

Manche Nesselsucht-Medikamente sind rezeptfrei erhältlich. So brauchen Sie zum Beispiel für eine kühlende Menthol-Salbe sowie für Cetirizin-Präparate (Antihistaminikum) keine ärztliche Verschreibung. Lassen Sie sich vor einer Selbstmedikation vom Arzt oder Apotheker beraten.

Antihistaminika

Die Antihistaminika zählen zu den wichtigsten Medikamenten bei der Behandlung der Nesselsucht. Sie können die allergischen und allergieähnlichen Symptome bei vielen Patienten wirksam lindern. Antihistaminika hemmen nämlich die Wirkung von Histamin. Dieser Botenstoff ist hauptverantwortlich für die Nesselsucht-Symptome.

In der Regel werden sogenannte H1-Antihistaminika neuerer Generationen als Nesselsucht-Medikamente genutzt. Sie wirken nicht dämpfend (sedierend) auf das Gehirn, machen also nicht müde und schläfrig. Von den verschiedenen H1-Antihistaminika werden beispielsweise Loratadin, Desloratadin und Cetirizin bei Nesselsucht eingesetzt.

Diese Antihistaminika nimmt man meist als Tablette ein. Bei heftigen akuten Nesselsucht-Symptomen allerdings kann es nötig sein, sie als Infusion zu verabreichen.

Auch sogenannte H2-Antihistaminika können die Histamin-Wirkung hemmen (auf andere Weise als H1-Antihistaminika). Sie kommen in der Nesselsucht-Behandlung aber nur in besonderen Fällen zum Einsatz, etwa bei einer schwer behandelbaren chronischen Urtikaria.

Bei einzelnen Patienten lassen sich mit der zugelassenen Antihistaminikum-Dosis die Nesselsucht-Symptome nicht lindern. Der behandelnde Arzt kann dann unter Umständen eine höhere Dosierung verordnen - auch wenn diese nicht offiziell für die Urtikaria-Therapie zugelassen ist.

Glukokortikoide ("Kortison")

In schweren Fällen muss eine Urtikaria manchmal zusätzlich mit Kortison (wie Prednisolon) behandelt werden. Das kann etwa der Fall sein, wenn die Nesselsucht auf Antihistaminika nicht (ausreichend) anspricht.

Der Wirkstoff wird entweder in Tablettenform oder als Infusion (in akuten Fällen) verabreicht. Manchmal verschreibt der Arzt auch eine kortisonhaltige Salbe, etwa bei Urtikaria, die durch Druck ausgelöst wird (Druckurtikaria).

Generell gilt: Kortison sollte möglichst nur kurzzeitig und niedrig dosiert angewendet werden. Das senkt das Risiko für Nebenwirkungen.

Leukotrien-Antagonisten

Diese Arzneistoffe (z.B. Montelukast) wirken entzündungshemmend und antiallergisch. Wenn man zum Beispiel eine chronische Nesselsucht mit Antihistaminika (auch in höherer Dosierung) nicht in den Griff bekommt, kann der Arzt zusätzlich Montelukast verschreiben. Auch bei bestimmten Urtikaria-Formen (wie Kälte-Urtikaria) ist dieser Wirkstoff eine Option, wenn sonstige Behandlungen nicht ausreichend wirken.

Ciclosporin A

Dabei handelt es sich um ein Immunsuppressivum, also einen Wirkstoff, der die Immunabwehr unterdrückt. Er ist gut wirksam, wird aber ebenfalls nicht standardmässig zur Behandlung bei Nesselsucht eingesetzt. In Betracht kommt Ciclosporin A bei schwerer Urtikaria, die sich mit Antihistaminika (auch in höherer Dosierung) nicht erfolgreich behandeln lässt. Mit der Kombination aus dem Immunsuppressivum und einem Antihistaminikum kann dann aber oftmals die Beschwerden der Nesselsucht loswerden, und zwar erfahrungsgemäss innerhalb von vier bis sechs Wochen.

Der Arzt wird diese Kombi-Behandlung genau überwachen, um eventuelle Nebenwirkungen frühzeitig erkennen zu können.

Weitere Medikamente

Manchmal gestaltet sich die Behandlung bei Nesselsucht sehr schwierig. So kann sich etwa eine chronische Nesselsucht ebenso wie beispielsweise eine Kälteurtikaria als sehr hartnäckig erweisen. Gegebenenfalls müssen dann noch andere Wirkstoffe verabreicht werden - zusätzlich oder alternativ zu den oben genannten Medikamenten. Einige Beispiele:

Manche Patienten mit einer schwer therapierbaren chronischen Nesselsucht profitieren von einer Behandlung mit Omalizumab. Das ist ein künstlich hergestellter Antikörper, der die Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen aus den Mastzellen blockiert. Untersuchungen zufolge kann er auch bei einigen anderen Urtikaria-Formen erfolgreich angewendet werden, etwa bei cholinergischer Urtikaria, Kälteurtikaria oder Lichturtikaria.

Weitere Wirkstoffe, die eventuell bei schwer behandelbarer chronischer Nesselsucht versucht werden, sind etwa Dapson und Hydroxychloroquin. Dapson wirkt antibiotisch und entzündungshemmend, Hydroxychloroquin kann unter anderem Entzündungen und einzellige Krankheitserreger (Protozoen, z.B. Malaria-Erreger) bekämpfen.

Bei hartnäckiger Kälteurtikaria erhalten einige Patienten versuchsweise Antibiotika (wie Penicillin).

Nesselsucht: Sonstige Behandlungen

Neben Medikamenten kommen bei schwerer Nesselsucht je nach Krankheitsform manchmal noch andere Behandlungen in Betracht, wenn die Standardtherapie mit H1-Antihistaminika nicht ausreichend wirkt.

Dazu zählt zum Beispiel die Gewöhnungstherapie ("Hardening"): Sie bietet etwa bei einer schwer behandelbaren Lichturtikaria an. Dann kann die Haut wiederholt und gezielt der Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Das soll bewirken, dass der Körper langsam eine Toleranz gegen das Licht entwickelt. In analoger Weise lässt sich manchmal auch eine hartnäckige Kälteurtikaria behandeln, etwa durch regelmässiges kaltes Duschen.

Eine Gewöhnungstherapie muss sorgfältig überlegt und ärztlich begleitet werden. Sie kann den Patienten nämlich erheblich belasten.

Bei einer schwer therapierbaren Urticaria factitia kann manchmal eine gezielte Bestrahlung mit UV-B-Licht (UV-B-Therapie) hilfreich sein.

Nesselsucht: Hausmittel

Was kann man selbst tun gegen Nesselsucht? Manche Hausmittel können bei akuten Urtikaria-Schüben helfen und die Wirkung von Medikamenten unterstützen. Beispiele:

  • Kälte gegen Jucken: Der Juckreiz lässt sich mit kühlen Kompressen oder kühlen Quarkauflage lindern – aber nur, wenn es sich nicht um eine Kälteurtikaria handelt!
  • Backpulver: Eine Nesselsucht natürlich behandeln lässt sich auch mit Backpulver. Mit etwas Wasser zu einer Paste verrührt und auf die betroffenen Hautpartien augetragen, kann es das lästige Jucken lindern. Alternativ können Sie das Backpulver als Zusatz ins Badewasser geben.
  • Heilpflanzen: Hamamelis (Zaubernuss) wirkt entzündungshemmend, stillt den Juckreiz und verengt die Gefässe. Deshalb sind Salben oder Cremes auf Basis dieser Heilpflanze bestens geeignet, um alle Symptome der Nesselsucht zu lindern. Auch die Ringelblume besitzt ähnliche Wirkungen.
  • Essigwickel: Ein altbewährtes Mittel gegen Juckreiz bei Nesselsucht ist ein Essigwickel (z.B. mit Apfelessig). Tauchen Sie dazu ein Küchentuch in eine Essig-Wasser-Mischung, wirgen Sie es dann auf und legen es auf die juckende Haut.

Nesselsucht: Homöopathie

Einige Menschen schwören bei Nesselsucht auf alternative Behandlungsmethoden - wie etwa Homöopathie. Diese soll bei der langwierigen Behandlung der chronischen Urtikaria hilfreich sein. Um jedoch das richtige Mittel zu finden, muss auch hier die Auslöser der Symptome bekannt sein. Ein erfahrener Homöopath kann für jeden Patienten das passende homöopathische Mittel auswählen. Beispielsweise können bei Nesselsucht folgende Globuli zum Einsatz kommen:

  • Urtica urens (Brennessel)
  • Acidum formicicum (Ameisensäure)
  • Sulfur (Gereinigter Schwefel)

Meist wird mit der Homöopathie die schulmedizinische Behandlung der Nesselsucht ergänzt.

Das Konzept der Homöopathie und ihre Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt.

Nesselsucht in der Schwangerschaft

Tritt die Urtikaria während der Schwangerschaft zum ersten Mal auf, ist der Grund oft die Hormonschwankung. Die Nesselsucht verschwindet nach der Geburt bei den meisten Frauen wieder, wenn sich der Hormonhaushalt normalisiert.

Wie sich eine bereits bestehende Nesselsucht während der Schwangerschaft entwickelt, kann variieren. Bei vielen schwangeren Frauen verbessert sich die chronische Urtikaria. Doch die Schwangerschaftshormone können die Beschwerden auch verstärken, besonders die belastenden Schwellungen.

Eine Gefahr für das ungeborene Kind besteht nicht. Der Hautausschlag der werdenden Mutter hat keine Auswirkung auf den Verlauf der Schwangerschaft. Ausserdem ist Nesselsucht nicht vererbbar.

Behandlung schwangerer und stillender Frauen

Während der Schwangerschaft sind nicht alle Medikamente zur Behandlung der Nesselsucht geeignet. Ärzte raten Schwangeren grundsätzlich von einer systemischen Therapie (also Tabletten oder Infusionen) eher ab. Vor allem eine Nesselsucht zu Beginn der Schwangerschaft sollte nicht mit Tabletten & Co. behandelt werden. Wenn Sie schwanger sind, sollten Sie die Medikation der Urtikaria immer mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen und gegebenenfalls anpassen lassen.

Während der Stillzeit gilt das Gleiche wie während der Schwangerschaft: Medikamente sollte die Mutter nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen. Sie können in die Muttermilch übergehen. Der Hautausschlag der Nesselsucht selbst stellt kein Problem beim Stillen dar.

Nesselsucht bei Kindern

Nesselsucht kommt in allen Altersgruppen vor. Kinder und Jugendliche sind aber besonders häufig betroffen.

Mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung der Urtikaria im Kindesalter erfahren Sie im Beitrag Nesselsucht bei Kindern und Babys.

Nesselsucht: Symptome

Auch wenn die Auslöser sehr vielfältig sind - Nesselsucht erkennen Sie meist an folgenden Symptomen:

  • gerötete Haut
  • erhabene Hautbläschen (Quaddeln), die stark jucken
  • grossflächige Haut-/Schleimhautschwellungen (Angioödeme)

Einige Patienten weisen nur die juckenden Quaddeln auf, andere - selten - nur die Angioödeme (es gibt also auch Nesselsucht ohne Juckreiz). Wieder andere entwickeln beide Urtikaria-Symptome.

Für diese Symptome ist vor allem einer der Botenstoffe verantwortlich, die bei Nesselsucht vermehrt ausgeschüttet werden: das Histamin. Es weitet die kleinen Blutgefässe in der Haut, sodass diese sich rötet. Gleichzeitig werden die Gefässe durchlässiger. Dadurch tritt verstärkt Flüssigkeit ins Gewebe über - es bilden sich Quaddeln.

Das sind oberflächliche Erhebungen der Haut variabler Grösse, die fast immer von einer Rötung umgeben sind. Sie sind flüchtig: Innerhalb von 24 Stunden verschwinden sie von allein. Gleichzeitig können sich aber an anderer Stelle neue Quaddeln bilden.

Manchmal beschränken sich die Quaddeln auf ein begrenztes Areal, in anderen Fällen bedecken sie praktisch den ganzen Körper. Sie gehen mit starkem Juckreiz einher. Er lässt sich durch Scheuern und Reiben der betroffenen Hautpartien etwas lindern, aber weniger durch Kratzen. Deshalb ist die Haut selbst bei stärkstem Juckreiz nur selten aufgekratzt.

In einigen Fällen bilden sich bei Urtikaria etwa im Gesicht plötzlich ausgeprägte Schwellungen der Haut bzw. Schleimhäute. Diese sogenannten Angioödeme können von einem unangenehmem Spannungsgefühl und Juckreiz begleitet sein. Sie bilden sich langsamer zurück als Quaddeln (innerhalb von 72 Stunden).

Schleimhautschwellungen der Atemwege (Rachen, Kehlkopf etc.) können gefährlich werden: Die Atemluft gelangt dann nur noch schwer oder gar nicht mehr hindurch - Atemnot und Erstickungsgefahr stellen sich ein!

Bei plötzlicher Atemnot sollten Sie sofort den Rettungsdienst alarmieren (Nr. 112)!

Wo zeigen sich die Nesselsucht-Symptome?

Prinzipiell können Rötung, Juckreiz, Quaddeln und Schwellungen überall am Körper auftreten. Sehr oft jucken Arme, Rücken und Beine. Manchmal betreffen die Symptome der Nesselsucht auch Hals, Bauch bzw. Rumpf und/oder Hand.

Haut-/Schleimhautschwellungen (Angioödeme) entwickeln sich oftmals an den Augenlidern und/oder Lippen, manchmal aber auch an andere Stellen. Seltener schwellen die Schleimhaut der Zunge und des Kehlkopfes an.

Nesselsucht: Wann zum Arzt?

Wenn Sie juckende Quaddeln auf der Haut bekommen, sollten Sie den Ausschlag genau beobachten. Halten die Beschwerden länger als 24 Stunden an, sollten Sie zum Arzt gehen.

Der richtige Ansprechpartner bei erstmaligem Auftreten eines solchen Ausschlags ist der Hausarzt. Er kann die Beschwerden einordnen und Sie gegebenenfalls an einen Hautarzt (Dermatologen) überweisen. Wenn Sie bereits wissen, dass bei Ihnen eine Nesselsucht vorliegt, sollten Sie bei Hautveränderungen direkt Ihren Dermatologen kontaktieren.

Besonders ratsam ist ein Arztbesuch, wenn Nesselsucht mit Fieber einhergeht. Eine akute Infektion kann hier die Ursache sein.

Suchen Sie auch dann einen Arzt auf, wenn die Beschwerden (wie Juckreiz) sehr ausgeprägt sind oder Haut und Schleimhäute stark anschwellen. Starke Schwellungen im Mund, Nasen- und Rachenraum kann das Atmen beeinträchtigen. Entwickelt sich Atemnot, handelt es sich um einen medizinischen Notfall - rufen Sie den Notarzt (112)!

Arbeitsunfähig durch Nesselsucht?

Handelt es sich um eine spontane Urtikaria, können Sie mit Nesselsucht wie gewohnt arbeiten gehen. Die Beschwerden verschwinden in der Regel innerhalb einiger Tage wieder vollständig. Die Hautkrankheit ist nicht ansteckend, sodass keine Gefahr für andere Personen besteht.

Die Beschwerden bei Nesselsucht können allerdings den Alltag beeinträchtigen. Besonders der starke Juckreiz kann abends und in der Nacht zu Schlaflosigkeit führen, was die Leistungsfähigkeit der Betroffenen oftmals stark einschränkt. Der behandelnde Arzt kann dann während eines Krankheitsschubs eine Krankschreibung wegen Nesselsucht ausstellen. Wer sehr stark unter den Nesselsucht-Symptomen leidet, sollten daher mit seinem Arzt darüber sprechen.

Nesselsucht: Untersuchungen und Diagnose

Die rötlichen, juckenden Quaddeln sind ein typisches Krankheitsbild, das schnell die Diagnose Nesselsucht nahelegt. Schwieriger ist es für den Arzt oft, die genaue Ursache der Urtikaria herauszufinden.

Anamnese

Das einfachste, aber wichtigste Mittel zu diesem Zweck ist die gründliche Patientenbefragung: Im Gespräch erhebt der Arzt die Krankengeschichte des Patienten (Anamnese). Dazu lässt er sich die Beschwerden genau schildern, fragt nach eventuellen Vor- oder Grunderkrankungen sowie möglichen Auslösern der Nesselsucht. Häufige Fragen des Arztes sind:

  • Welche Symptome haben Sie und seit wann bestehen diese?
  • Besteht ein Zusammenhang zwischen den Symptomen und Ihrem Beruf, Ihren Hobbies, eventuellen Reisen oder Freizeitaktivitäten oder (bei Frauen) dem Menstruationszyklus?
  • Gibt es Fälle von Nesselsucht oder atopischen Erkrankungen (Neurodermitis, Heuschnupfen, allergisches Asthma etc.) in Ihrer Familie?
  • Hatten oder haben Sie eine Allergie oder Unverträglichkeit (gegen Nahrungsmittel, Medikamente etc.)?
  • Sind bei Ihnen Infektionen, psychosomatische oder psychiatrische Erkrankungen bekannt?
  • Haben Sie einen Verdacht, was die Beschwerden auslösen könnte (bestimmte Nahrungsmittel, Alkohol, Rauchen, Kosmetikprodukte, Kälte, körperliche Anstrengung, Stress etc.)?
  • Welche Medikamente wenden Sie an (gelegentlich oder häufiger)?

Tagebuch

Bei anhaltender oder häufig wiederkehrender Nesselsucht sollten Sie ein Tagebuch führen, in dem Sie das Auftreten und das Ausmass Ihrer Beschwerden dokumentieren. Schreiben Sie auch auf, was Sie jeweils gegessen und getrunken und welche Medikamente Sie angewendet haben. Notieren Sie zudem sonstige mögliche Einflussfaktoren auf die Erkrankung. Die Aufzeichnungen helfen Ihnen und dem Arzt, die Ursache der Nesselsucht zu finden.

Weitere Untersuchungen in bestimmten Fällen

Bei einer spontanen akuten Nesselsucht genügt oft die Anamnese. Besteht allerdings der Verdacht, dass die Urtikaria eine allergische Reaktion ist, sind weitere Untersuchungen angezeigt. Das Gleiche gilt etwa bei einer chronischen Nesselsucht sowie anderen Formen von Urtikaria. Weitergehende Untersuchungen dienen teils auch dazu, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschliessen. Beispiele:

Labortests

Bei chronischem Nesselausschlag helfen Labortests, eventuelle Infektionen oder sonstige Erkrankungen als Auslöser aufzudecken. Dazu können etwa die Entzündungsparameter im Blut (wie CRP und Anzahl der Leukozyten) bestimmt werden.

Das Blut des Patienten kann auch auf Antikörper gegen Infektionserreger untersucht werden, zum Beispiel gegen den "Magenkeim" Helicobacter pylori. Findet man tatsächlich Abwehrstoffe gegen dieses Bakterium, kann die Analyse einer Stuhlprobe die Infektion bestätigen.

Eine Helicobacter-pylori-Infektion lässt sich auch durch die Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Magen diagnostizieren. Die Probe kann im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) entnommen werden.

sogenannte Autoantikörper (Antikörper, die gegen körpereigenes Gewebe vorgehen), könnten diese der Auslöser eines chronischen Nesselausschlags sein. Ein spezieller Hauttest (ASST = autologus serum skin test) kann bei der Diagnose einer solchen autoreaktiven Nesselsucht helfen.

HNO- oder zahnärztliche Untersuchung

Leidet jemand möglicherweise an einer chronischen Infektion oder Entzündung im Bereich der oberen Atemwege oder der Zähne, kann ein Besuch beim HNO-Arzt oder Zahnarzt sinnvoll sein. Der Verdacht lässt sich so entweder bestätigen oder ausräumen.

Spezielle Diät

Manchmal ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit der Grund für eine chronische Nesselsucht. Die Ernährung kann dann auf Anweisung des Arztes für drei Wochen so umgestellt werden, dass man den oder die Auslöser der pseudoallergischen Reaktion identifizieren kann. Dazu wird möglichst auf alles verzichtet, auf das erfahrungsgemäss viele Menschen empfindlich reagieren.

Doch welche Lebensmittel lösen denn oft eine Nesselsucht aus und sollten daher testweise gemieden werden? Kritisch sind oft folgende Inhaltsstoffe von Lebensmitteln:

  • Aromastoffe
  • Konservierungsstoffe
  • Farbstoffe
  • Antioxidantien

Solche Substanzen finden sich besonders in industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Diese sollten daher für die Dauer der "Diät" vom Speiseplan gestrichen werden. Wenn sich in der Folge die Beschwerden des Patienten bessern, ist der wahrscheinliche Auslöser der Nesselsucht gefunden.

Provokationstest

Zur Bestätigung einer vermuteten Nahrungsmittelunverträglichkeit kann ein gezielter Provokationstest durchgeführt werden: Dabei werden gezielt eine Zeit lang verdächtige Nahrungsmittel in grösseren Mengen verzehrt, um zu schauen, wie die Haut darauf reagiert.

Mit solchen Provokationstests lassen sich auch physikalischen Reize als Auslöser einer Nesselsucht identifizieren. Hierbei wird eine Körperstelle gezielt einem bestimmten Reiz ausgesetzt, zum Beispiel kaltem oder heissem Wasser beziehungsweise einer nassen, körperwarmen Kompresse (bei Verdacht auf aquagene Urtikaria), Licht, Druck oder Reibung. Wenn sich die Haut daraufhin rötet, Quaddeln bildet und zu jucken beginnt, liegt eine entsprechende induzierbare Urtikaria vor.

Allergietests

Allergien sind nur selten der Grund einer chronischen Nesselsucht. Falls aber ein entsprechender Verdacht besteht, bringen Allergietests Klarheit. Auch der Provokationstest kann als solcher genutzt werden. Es gibt aber auch noch andere Formen von Allergietestst. Mehr dazu lesen Sie hier.

Gewebeprobe der Haut

Die Entnahme und Analyse einer kleinen Hautprobe kann notwendig sein, wenn der chronische Ausschlag möglicherweise nicht durch eine "herkömmliche" Nesselsucht, sondern durch eine sogenannte kutane Mastozytose bedingt ist. Der Begriff Mastozytose bezeichnet Erkrankungen, die durch übermässig viele Mastzellen im Körper verursacht werden. Beschränkt sich dieser Überschuss auf die Haut, liegt eine sogenannte kutane Mastozytose vor. Sie wird auch Urticaria pigmentosa genannt. Früher galt sie als Unterform der "herkömmlichen" Nesselsucht, mittlerweile aber nicht mehr.

Eine Gewebeprobe kann auch dann entnommen werden, wenn bei einem Patienten eine entzündliche oder Autoimmunerkrankung festgestellt wird. Die Probe wird dann auf Hinweise für eine Gefässentzündung (Vaskulitis) untersucht. Liegt eine solche vor, diagnostiziert der Arzt eine Urtikaria-Vaskulitis. Das ist eine chronisch Entzündung der Hautgefässe, die mit einem Nesselsucht-ähnlichen Hautausschlag einhergeht.

So wie die kutane Mastozytose (Urticaria pigmentosa) gilt auch die Urtikaria-Vaskulitis mittlerweise nicht mehr als Unterform der Nesselsucht, sondern als eigenständiges Krankheitsbild.

Nesselsucht: Verlauf und Prognose

Wie lange eine Nesselsucht dauert, lässt sich pauschal nicht beantworten. Meist handelt es sich um eine akute Nesselsucht - hier verschwinden die Symptome in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder - gebenenfalls unterstützt mit kühlenden Salben, Antihistaminika & Co..

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen dauert eine spontane Nesselsucht länger an: Die Quaddeln und der Juckreiz bleiben über mehr als sechs Wochen bestehen. Dann handelt es sich um eine chronische Nesselsucht. Oft lässt sich ihr Auslöser identifizieren. Dann besteht die Möglichkeit, diesen zu behandeln (z.B. chronische Infektion) oder weitgehemd zu meiden (z.B. bestimmte Medikamente oder Nahrungsmittel-Zusatzstoffe).

Wenn sich die Ursache der chronischen Urtikaria nicht feststellen lässt, bleibt nur, die Symptome zu lindern (mit Medikamenten etc.) - und sich damit zu trösten, dass irgendwann jede chronische Nesselsucht von allein abheilt. Das kann allerdings Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern.

Kühlende Salben, Antihistaminika & Co. können auch bei induzierbarer Urtikaria (z.B. physikalischer Urtikaria) gegen die lästigen Beschwerden helfen. Vor allem aber gilt es hier, nach Möglichkeit dem Auslöser (Kälte, Druck etc.) aus dem Weg zu gehen.

Weiterführende Informationen:

Bücher:

  • Urtikaria (Nesselsucht): 100 Fragen - 100 Antworten: Ein Patientenratgeber (Marcus Maurer, akademos Wissenschaftsverlag, 2005)

Leitlinie:

Selbsthilfegruppen:

Autoren- & Quelleninformationen

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Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Prof. Dr. med. Hans Wolff
Autoren:
Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
L50
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München: "Schwangerschaft und Allergie", unter: www.allergieinformationsdienst.de (Abruf: 23.11.2021)
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  • Braun-Falco, O. et al.: Dermatologie und Venerologie, Springer-Verlag, 5. Auflage, 2005
  • Charité - Universitätsmedizin Berlin: "Wirksame Therapien bei Urtikaria-Vaskulitis", Pressemitteilung vom 24.10.2018, unter: www.charite.de
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  • European Centre for Allergy Research Foundation: "Urtikaria", unter: www.ecarf.org (Abruf: 23.11.2021)
  • Gesenhues, S. et al.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 7. Auflage, 2014
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