Nesselsucht

Von , Zahnärztin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Nesselsucht (Urtikaria) ist eine häufige Haut-Erkrankung und tritt sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern auf. Typische Symptome sind gerötete Haut und stark juckende Quaddeln. Manchmal schwellen auch Haut und Schleimhäute an. Die Nesselsucht verläuft akut oder chronisch und hat sehr unterschiedliche Auslöser. Lesen Sie hier mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prognose der Nesselsucht!

Nesselsucht

Kurzübersicht

  • Ursachen und Risikofaktoren: Übermässige Histamin-Ausschüttung, Ursache nicht immer bekannt, verschiedene Auslöser möglich, z. B. Allergien und Unverträglichkeiten, Infektionen, physikalische oder chemische Reize, UV-Licht
  • Therapie: Meist Anti-Histaminika, in schwerwiegenderen Fällen Kortison, ggf. Leukotrien-Antagonisten, Immun-Suppressiva, Medikamente gegen auslösende Infektionen, unterstützende Massnahmen wie Kühlen, Salben etc.
  • Symptome: Quaddeln und Juckreiz an Haut und/oder Schleimhäuten, Gewebe-Schwellung an umschriebenen Körperstellen oder am gesamten Körper, in schwerwiegenden Fällen auch Atemnot
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Abhängig von der Form, oft Besserung durch Medikamente und Vermeidung der Auslöser
  • Untersuchungen und Diagnose: Anamnese, Labor-Tests, Allergie-Tests, diagnostische Diät

Was ist Nesselsucht?

Als Nesselsucht (Urtikaria) bezeichnen Mediziner einen Haut-Ausschlag (Exanthem) mit juckenden Quaddeln und zum Teil auch Haut-/Schleimhaut-Schwellungen. Verschiedene Reize verursachen diese Haut-Reaktionen bei Urtikaria.

An welcher Körperstelle die Haut-Erscheinung auftritt, ist von Patient zu Patient verschieden. Häufig zeigt sich Nesselsucht im Gesicht, an den Händen, am Hals oder in den Armbeugen. Es gibt aber auch Patienten, bei denen sich die Nesselsucht an den Füssen entwickelt.

Auch Stellen, an denen die Kleidung zu eng sitzt und scheuert, zeigen oft Urtikaria-Symptome. Eine generalisierte Urtikaria betrifft den ganzen Körper.

Je nach Ausprägung und Dauer der Symptome schränkt eine Nesselsucht die Lebensqualität des Betroffenen erheblich ein. Die Haut-Veränderungen sind mitunter psychisch sehr belastend und beeinträchtigen in manchen Fällen auch den Alltag.

Ist Nesselfieber ansteckend?

Beim Anblick der auffälligen, geröteten Hautstellen fragen sich viele Menschen, ob die Nesselsucht ansteckend ist. Die klare Antwort darauf lautet: Nein. Bei Urtikaria ist keine Ansteckung möglich. Die Hautkrankheit ist für andere Personen ungefährlich und wird nicht durch Kontakt übertragen.

Ist Nesselsucht eine Allergie?

Bei Nesselsucht handelt es sich in der Regel um eine allergieähnliche Reaktion des Körpers auf bestimmte Reize. Ärzte sprechen deshalb auch von einer sogenannten Pseudo-Allergie. Vor allem pseudo-allergische Reaktionen auf Medikamente oder Nahrungsmittel spielen bei der Entstehung von Nesselsucht eine Rolle.

Eine “echte” allergische Reaktion ist nur selten die Ursache für Urtikaria.

Was ist die Ursache von Nesselsucht?

Woher kommt Nesselsucht? Diese Frage treibt viele Betroffene um, ist aber nicht leicht zu beantworten. Die Entstehung von Nesselsucht ist nämlich sehr komplex:

Der typische juckende Haut-Ausschlag bildet sich dadurch, dass bestimmte Immunzellen (Mastzellen) gereizt werden und daraufhin entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten. Vor allem das Gewebshormon Histamin ist verantwortlich für die Symptome der Nesselsucht (Quaddeln, Juckreiz, Hautrötung, Schwellung).

Doch wodurch kommt diese Reizung der Mastzellen zustanden? Manchmal handelt es sich um eine allergische Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel, Pollen oder ähnliches. In vielen anderen Fällen werden die Mastzellen auf anderem Wege aktiviert. Das bedeutet: Nicht jede Nesselsucht ist allergisch bedingt.

Verschiedene Formen von Nesselsucht

Es gibt verschiedene Unterformen von Nesselsucht. Sie treten nicht immer einzeln auf: Manche Patienten weisen zwei oder mehr dieser Krankheitsformen gleichzeitig auf.

Die verschiedenen Formen von Nesselsucht lassen sich in drei grosse Gruppen einteilen:

  • Spontane Nesselsucht: Quaddeln und/oder Schwellungen (Angio-Ödeme) bilden sich plötzlich und ohne erkennbaren äusseren Auslöser. Je nach Dauer der Symptome unterscheidet man spontane akute undspontane chronische Nesselsucht. Etwa 80 Prozent aller Nesselsucht-Patienten haben eine spontane Urtikaria, davon zwei Drittel die akute Variante.
  • Physikalische Nesselsucht: Dazu zählen alle Formen von Nesselsucht, die durch physikalische Reize ausgelöst werden (wie Druck, Wind, Kältekontakt etc.). Sie machen nur etwa zehn Prozent aller Fälle von Nesselsucht aus.
  • Andere Formen von Nesselsucht: Ursachen sind hier zum Beispiel körperliche Anstrengung, Kontakt mit Wasser oder Schwitzen. Solche besonderen Formen von Nesselsucht finden sich bei weniger als zehn Prozent aller Patienten.

Bei vielen Menschen mit Urtikaria ist keine Ursache feststellbar. Ärzte sprechen dann von idiopathischer Urtikaria beziehungsweise – bei länger anhaltenden Symptomen – von chronisch idiopathischer Urtikaria.

Im Folgenden werden die verschiedenen Urtikaria-Formen genauer beschrieben.

Spontane akute Nesselsucht

Die Nesselsucht-Symptome halten weniger als sechs Wochen an und treten ganz plötzlich und ohne äussere, für Arzt oder Patient offensichtliche Reize auf.

Ein konkreter Nesselsucht-Auslöser lässt sich hier oft nicht finden. In vielen anderen Fällen lassen sich etwa folgende Auslöser ermitteln:

  • Akuter Infekt, etwa der Atemwege oder des Verdauungstrakts
  • Unverträglichkeiten (Intoleranzen): Manchmal lösen etwa bestimmte Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln oder bestimmte Medikamente (wie Acetylsalicylsäure = ASS oder Herz-/Bluthochdruck-Mittel vom Typ ACE-Hemmer) pseudo-allergische Reaktionen aus, die sich als Nesselsucht manifestieren.
  • Allergien: Auslöser sind manchmal bestimmte Nahrungsmittel. Ebenso möglich ist eine Nesselsucht nach Impfung: Der Nessel-Ausschlag tritt dann einige Stunden bis etwa zwei Tage nach der Impfung auf. Auch Medikamenten-Allergien äussern sich mitunter als Nessel-Ausschlag.

Bedrohlich wird eine akute Nesselsucht, wenn die Schleimhaut der Atemwege (Rachen, Kehlkopf etc.) stark anschwillt (Angio-Ödem). Dann gelangt die Atemluft nur noch schwer oder gar nicht mehr hindurch. Die Betroffenen bekommen Atemnot und es besteht potenziell Erstickungsgefahr!

Bei plötzlicher Atemnot alarmieren Sie immer sofort den Rettungsdienst (Nr. 144)!

Spontane chronische Nesselsucht

Hält eine spontane Nesselsucht länger als sechs Wochen an, wird sie als "spontane chronische Urtikaria" (oder "chronische Urtikaria") bezeichnet. Die Nesselsucht-Symptome bestehen dabei entweder permanent oder treten nach mehr oder weniger langen symptomfreien Phasen wiederholt auf.

Mögliche Auslöser einer chronischen Nesselsucht sind etwa:

  • Chronische Infekte: Zum Beispiel mit dem Magenkeim Helicobacter pylori oder mit Streptokokken. Eine auf einer chronischen Infektion basierende chronische Urtikaria wird auch Infekt-Urtikaria genannt.
  • Autoimmun-Reaktion: Hierbei spricht man von autoreaktiver Nesselsucht oder autoreaktiver Urtikaria. Die Symptome kommen hier durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems zustande.
  • Unverträglichkeiten (Intoleranzen): Zum Beispiel gegen bestimmte Nahrungsmittelzusatzstoffe oder Medikamente.

Seltener stecken hinter chronischer Urtikaria andere Ursachen wie eine Allergie.

Physikalische Nesselsucht

Auch physikalische Reize (wie Druck oder kalte Flüssigkeit) lösen mitunter einen Nessel-Ausschlag aus. Beim direkten Hautkontakt bildet sich an der Stelle der Reiz-Einwirkung und gegebenenfalls auch an einem anderen Körperbereich ein juckender Haut-Ausschlag. Manchmal sinkt zusätzlich der Blutdruck oder das Herz schlägt schneller.

Je nachdem, welcher physikalische Reiz die Beschwerden auslöst, unterscheidet man verschiedene Arten von physikalischer Nesselsucht:

  • Urticaria factitia (Urtikarieller Dermographismus): Sie wird durch Scherkräfte ausgelöst, die auf die Haut einwirken. Solche Scherkräfte entstehen zum Beispiel beim Kratzen, Reiben und Scheuern der Haut.
  • Verzögerte Druck-Urtikaria: Anhaltender Druck löst hier zeitlich versetzt den Nessel-Ausschlag aus – die Quaddeln bilden sich erst drei bis zwölf Stunden später. Betroffene erkennen deshalb oft nicht den direkten Zusammenhang mit der Druck-Einwirkung.
  • Kälte-Urtikaria (Kältekontakt-Urtikaria): Auslöser ist der Kontakt mit kalten Gegenständen, kalter Luft, kaltem Wind oder kalten Flüssigkeiten. So entwickelt sich zum Beispiel im Winter auf unbedeckten Körperstellen eine Nesselsucht durch die Kälte.
  • Wärme-Urtikaria (Wärmekontakt-Urtikaria): Die Symptome (wie Quaddeln) dieser Nesselsucht-Form werden durch Wärme hervorgerufen, mit der die Haut lokal in Kontakt kommt (z. B. beim Föhnen oder durch ein heisses Fussbad).
  • Licht-Urtikaria: Das ist eine Nesselsucht durch Sonne beziehungsweise UV-Licht im Solarium.
  • Vibratorische Urtikaria: Vibrationen, wie sie etwa bei Arbeiten mit dem Presslufthammer entstehen, sind ebenfalls mögliche Auslöser einer Nesselsucht.

Die sogenannte Familiäre Kälte-Urtikaria ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die nicht zur klassischen Nesselsucht gehört (trotz des ähnlichen Namens)!

Sonderformen der Nesselsucht

Cholinergische Urtikaria:Die cholinergische Urtikaria (oder cholinerge Urtikaria) entsteht durch eine Erhöhung der Kerntemperatur des Körpers. Dazu kommt es etwa, wenn man scharfe Speisen verzehrt oder heiss badet. Auch körperliche Anstrengung lässt die Temperatur im Inneren des Körpers ansteigen. Zudem zählt Stress zu den Auslösern.

In allen Fällen reagiert die Haut der Betroffenen mit der Bildung stecknadelkopfgrosser Quaddeln, die aber innerhalb einer Stunde wieder verschwinden. Auch allgemeinere Symptome sind möglich, wie zum Beispiel Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen.

Anstrengungsinduzierte Urtikaria: Sie wird durch körperliche Anstrengung ausgelöst – gegebenenfalls in Kombination mit Nahrungsmittel-Aufnahme. Im Vergleich zur cholinergischen Urtikaria sind die Quaddeln hier grösser als ein Stecknadelkopf und die allgemeinen Symptome (bis hin zum Schock) treten häufiger auf.

Kontakt-Urtikaria: Bei der Kontakt-Urtikaria entsteht der Nessel-Ausschlag durch den Kontakt mit sogenannten urtikariogenen Stoffen. Manchmal sind das Substanzen, auf die der Betreffende allergisch reagiert, wie bestimmte Nahrungsmittel oder Latex.

Die Kontakt-Urtikaria tritt mitunter aber auch unabhängig von einer Allergie bei der Berührung von Reizstoffen auf. Mögliche Auslöser sind der Duftstoff Perubalsam (unter anderem in Kosmetika, Medikamenten, Putzmitteln), das Konservierungsmittel Benzoesäure (unter anderem in Lebensmitteln) sowie bestimmte Pflanzen wie Brennnesseln.

Aquagene Urtikaria: Sehr selten entsteht eine Urtikaria durch den Kontakt mit Wasser – ganz gleich welcher Temperatur. Diese aquagene Urtikaria ist für Betroffene oft belastend: Die Nesselsucht tritt nach dem Duschen, Schwimmen oder einem kräftigen Regenguss auf und die Haut reagiert auf den Wasserkontakt mit juckenden Quaddeln.

Bei der aquagenen Urtikaria handelt es sich aber nicht um eine Allergie auf Wasser!

Physikalische Nesselsucht und die Sonderformen der Erkrankung werden auch als "induzierbare Urtikaria" bezeichnet. Die Haut-Reaktionen werden hier durch den Kontakt mit spezifischen Reizen ausgelöst.

Was tun bei Nesselsucht?

Die Nesselsucht-Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen – angepasst an den individuellen Fall. Eine Rolle spielen dabei die Art der Urtikaria und die Schwere der Symptome. Das Ziel der Urtikaria-Therapie ist aber immer, die Symptome zu lindern und, wenn möglich, die Ursache zu beseitigen.

Nesselsucht-Auslöser meiden oder beseitigen

Das beste Mittel gegen Nesselsucht besteht darin, den Auslöser möglichst zu meiden oder zu beseitigen. Das geht natürlich nur, wenn sich dieser eindeutig identifizieren lässt. Einige Beispiele:

  • Auf bekannte auslösende Nahrungsmittel verzichten
  • Auslösende Medikamente nach Absprache mit dem Arzt absetzen bzw. durch ein verträgliches Mittel ersetzen
  • Bei Druck-Urtikaria etwa nur Rucksäcke und Taschen mit breiten Trägern nutzen.
  • Angemessene Behandlung chronischer Infekte, etwa mit dem Magenkeim Helicobacter pylori oder chronische Atemwegs-Infekte

Schwieriger ist es, wenn physikalische Reize wie Wärme oder Reibung die Nesselsucht hervorrufen. Hier liegt die Reiz-Schwelle oft sehr niedrig. So entwickeln Menschen mit einer Urtikaria factitia manchmal schon beim Tragen von Kleidung, die nicht völlig locker sitzt, die Nesselsucht-Symptome.

Ausserdem ist es kaum möglich, manchen physikalischen Reizen wie beispielsweise kaltem Wind oder UV-Strahlen vollständig aus dem Weg zu gehen.

Beruht eine chronische Urtikaria auf einer chronischen (oder wiederkehrenden) Mandel-Entzündung, empfiehlt der Arzt oftmals die operative Entfernung der Mandeln. Im Anschluss bessert sich dann in der Regel auch der Nessel-Ausschlag.

Nesselsucht: Medikamente

Bei einer leichten Nesselsucht sind etwa Salben oder Cremes mit kühlendem Menthol wohltuend. Gegebenenfalls verschreibt der behandelnde Arzt bei Nesselsucht auch eine Creme mit lokal betäubender Wirkung (zum Beispiel mit Polidocanol).

Was tun aber, wenn solche Cremes oder Salben gegen Nesselsucht-Symptome nicht ausreichend helfen? Dann kommen noch andere Medikamente zum Einsatz.

Manche Nesselsucht-Medikamente sind rezeptfrei erhältlich. So brauchen Sie zum Beispiel für eine kühlende Menthol-Salbe sowie für Cetirizin-Präparate (Anti-Histaminikum) keine ärztliche Verschreibung. Lassen Sie sich vor einer Selbstmedikation aber immer vom Arzt oder Apotheker beraten.

Anti-Histaminika

Die Anti-Histaminika zählen zu den wichtigsten Medikamenten bei der Behandlung der Nesselsucht. Sie lindern die allergischen und allergie-ähnlichen Symptome bei vielen Patienten wirksam. Anti-Histaminika hemmen die Wirkung von Histamin. Dieser Botenstoff ist hauptverantwortlich für die Nesselsucht-Symptome.

In der Regel wenden Ärzte sogenannte H1-Anti-Histaminika neuerer Generationen als Nesselsucht-Medikamente an. Sie wirken nicht dämpfend (sedierend) auf das Gehirn, machen also nicht müde und schläfrig. Zu den möglichen H1-Anti-Histaminika bei Nesselsucht zählen etwa

Diese Antihistaminika nimmt man meist als Tablette ein. Bei heftigen akuten Nesselsucht-Symptomen allerdings ist es mitunter nötig, sie als Infusion zu verabreichen.

Auch sogenannte H2-Anti-Histaminika hemmen die Histamin-Wirkung, jedoch auf andere Weise als H1-Anti-Histaminika. Sie kommen in der Nesselsucht-Behandlung aber nur in besonderen Fällen zum Einsatz, etwa bei einer schwer behandelbaren chronischen Urtikaria.

Bei manchen Patienten lassen sich mit der zugelassenen Anti-Histaminikum-Dosis die Nesselsucht-Symptome nicht lindern. Der behandelnde Arzt verordnet dann unter Umständen eine höhere Dosierung – auch wenn diese nicht offiziell für die Urtikaria-Therapie zugelassen ist.

Glukokortikoide ("Kortison")

In schweren Fällen muss eine Urtikaria manchmal zusätzlich mit einem Kortison (wie Prednisolon) behandelt werden. Das ist mitunter der Fall, wenn die Nesselsucht auf Anti-Histaminika nicht (ausreichend) anspricht.

Der Wirkstoff wird entweder als Tablette oder in akuten Fällen als Infusion verabreicht. Manchmal verschreibt der Arzt auch eine kortisonhaltige Salbe, etwa bei Urtikaria, die durch Druck ausgelöst wird (Druck-Urtikaria).

Generell gilt: Kortison sollte möglichst nur kurzzeitig und niedrig dosiert angewendet werden. Das senkt das Risiko für Nebenwirkungen.

Leukotrien-Antagonisten

Diese Arzneistoffe wirken entzündungshemmend und antiallergisch. Wenn man zum Beispiel eine chronische Nesselsucht mit Anti-Histaminika (auch in höherer Dosierung) nicht in den Griff bekommt, verschreibt der Arzt unter Umständen einen Wirkstoff aus der Gruppe der Leukotrien-Antagonisten.

Auch bei bestimmten Urtikaria-Formen (wie Kälte-Urtikaria) sind diese Wirkstoffe eine Option, wenn sonstige Behandlungen nicht ausreichend wirken.

Ciclosporin A

Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der die Immunabwehr unterdrückt (Immun-Suppressivum). Er ist gut wirksam, zählt aber nicht zur Standard-Behandlung bei Nesselsucht. In Betracht kommt Ciclosporin A bei schwerer Urtikaria, die sich mit Anti-Histaminika (auch in höherer Dosierung) nicht erfolgreich behandeln lässt.

Mit der Kombination aus Immun-Suppressivum und Anti-Histaminikum lassen sich die Beschwerden der Nesselsucht oft loswerden. Die Symptome verschwinden dann erfahrungsgemäss innerhalb von vier bis sechs Wochen.

Der Arzt überwacht diese Kombi-Behandlung sorgfältig, um eventuelle Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Weitere Medikamente

Manchmal gestaltet sich die Behandlung bei Nesselsucht sehr schwierig. So erweist sich etwa eine chronische Nesselsucht ebenso wie beispielsweise eine Kälte-Urtikaria mitunter als sehr hartnäckig. Gegebenenfalls ist es dann notwendig zusätzlich oder alternativ andere Wirkstoffe zu verabreichen.

Einige Beispiele:

Manche Patienten mit einer schwer therapierbaren chronischen Nesselsucht profitieren von einer Behandlung mit Omalizumab. Das ist ein künstlich hergestellter Antikörper, der die Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen aus den Mastzellen blockiert.

Untersuchungen zufolge lässt er sich auch bei einigen anderen Urtikaria-Formen erfolgreich anwenden, etwa bei cholinergischer Urtikaria, Kälte-Urtikaria oder Licht-Urtikaria.

Weitere Wirkstoffe, die eventuell bei schwer behandelbarer chronischer Nesselsucht versucht werden, sind etwa Dapson und Hydroxychloroquin. Dapson wirkt antibiotisch und entzündungshemmend. Hydroxychloroquin dient hauptsächlich der Malaria-Bekämpfung, wird aber auch bei bestimmten Haut-Erkrankungen eingesetzt.

Bei hartnäckiger Kälte-Urtikaria erhalten einige Patienten versuchsweise Antibiotika (wie Penicillin).

Nesselsucht: Sonstige Behandlungen

Neben Medikamenten kommen bei schwerer Nesselsucht je nach Krankheitsform manchmal noch andere Behandlungen in Betracht, wenn die Standard-Therapie mit H1-Anti-Histaminika nicht ausreichend wirkt.

Dazu zählt zum Beispiel die Gewöhnungs-Therapie ("Hardening"): Sie bietet etwa bei einer schwer behandelbaren Licht-Urtikaria an. Die Haut wird wiederholt und gezielt der Sonnenstrahlung ausgesetzt. Das soll bewirken, dass der Körper das Licht allmählich toleriert.

Auf diese Weise lässt sich manchmal auch eine hartnäckige Kälte-Urtikaria behandeln, etwa durch regelmässiges kaltes Duschen.

Eine Gewöhnungs-Therapie muss sorgfältig überlegt und ärztlich begleitet werden. Sie ist für den Patienten unter Umständen belastend.

Bei einer schwer therapierbaren Urticaria factitia ist in manchen Fällen eine gezielte Bestrahlung mit UV-B-Licht (UV-B-Therapie) hilfreich.

Nesselsucht: Hausmittel

Was tun gegen Nesselsucht? Manche Hausmittel sollen bei akuten Urtikaria-Schüben helfen und die Wirkung von Medikamenten unterstützen. Beispiele:

  • Kälte gegen Jucken: Der Juckreiz lässt sich mit kühlen Kompressen oder kühlen Quarkauflagen lindern – aber nur, wenn es sich nicht um eine Kälte-Urtikaria handelt!
  • Backpulver: Ratgebern zufolge soll Backpulver (z. B. im Badewasser) den Juckreiz lindern.
  • Heilpflanzen: Hamamelis (Zaubernuss) wirkt entzündungshemmend, lindert den Juckreiz und verengt die Gefässe. Salben oder Cremes auf Basis dieser Heilpflanze eignen sich unter Umständen, um die Symptome der Nesselsucht zu lindern. Auch die Ringelblume besitzt ähnliche Wirkungen.
  • Essig-Wickel: Als altbewährtes Mittel gegen Juckreiz bei Nesselsucht soll ein Essigwickel (z.B. mit Apfelessig) helfen. Um die Haut nicht zusätzlich zu reizen, ist nur die verdünnte Anwendung mit Wasser ratsam.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Nesselsucht: Homöopathie

Einige Menschen schwören bei Nesselsucht auf alternative Behandlungsmethoden – wie etwa Homöopathie. Diese soll bei der langwierigen Behandlung der chronischen Urtikaria hilfreich sein. Wissenschaftliche Belege hierfür gibt es nicht.

Homöopathen setzen bei Nesselsucht zum Beispiel folgende Globuli ein:

  • Urtica urens (Brennnessel)
  • Acidum formicicum (Ameisen-Säure)
  • Sulfur (Gereinigter Schwefel)

Meist wird mit der Homöopathie die schulmedizinische Behandlung der Nesselsucht ergänzt.

Das Konzept der Homöopathie und ihre Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt.

Welche Symptome treten bei Nesselsucht auf?

Auch wenn die Auslöser sehr vielfältig sind – Nesselsucht erkennen Sie meist an folgenden Symptomen:

  • Gerötete Haut
  • Erhabene Haut-Bläschen (Quaddeln), die stark jucken
  • Grossflächige Haut-/Schleimhaut-Schwellungen (Angio-Ödeme)

Einige Patienten weisen nur die juckenden Quaddeln auf. Seltener bestehen nur Angio-Ödeme, das heisst die Nesselsucht verläuft ohne Juckreiz. Manche Betroffenen entwickeln auch beide Urtikaria-Symptome.

Hauptverantwortlicher Botenstoff für die Nesselsucht-Symptome ist Histamin. Es weitet die kleinen Blutgefässe in der Haut, sodass diese sich rötet. Gleichzeitig werden die Gefässe durchlässiger. Dadurch tritt verstärkt Flüssigkeit ins Gewebe über – es bilden sich Quaddeln.

Das sind oberflächliche Erhebungen der Haut variabler Grösse, die fast immer von einer Rötung umgeben sind. Sie sind flüchtig: Innerhalb von 24 Stunden verschwinden sie von allein. Gleichzeitig bilden sich möglicherweise aber an anderer Stelle neue Quaddeln.

Manchmal beschränken sich die Quaddeln auf ein Areal, in anderen Fällen bedecken sie den ganzen Körper. Sie gehen mit starkem Juckreiz einher. Er lässt sich durch Scheuern und Reiben mitunter etwas lindern, aber weniger durch Kratzen. Deshalb ist die Haut selbst bei stärkstem Juckreiz nur selten aufgekratzt.

In einigen Fällen bilden sich bei Urtikaria etwa im Gesicht plötzlich ausgeprägte Schwellungen der Haut oder Schleimhäute. Diese sogenannten Angio-Ödeme sind manchmal von einem unangenehmen Spannungs-Gefühl und Juckreiz begleitet. Sie bilden sich langsamer zurück als Quaddeln (innerhalb von 72 Stunden).

Schleimhaut-Schwellungen der Atemwege (beispielsweise in Rachen oder Kehlkopf) sind potenziell gefährlicher: Die Atemluft gelangt dann nur noch schwer oder gar nicht mehr hindurch – Atemnot und Erstickungsgefahr stellen sich ein!

Bei plötzlicher Atemnot alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst (Nr. 144)!

Wo zeigen sich die Nesselsucht-Symptome?

Prinzipiell treten Rötung, Juckreiz, Quaddeln und Schwellungen überall am Körper auf. Häufig betroffene Bereiche sind Arm, Armbeuge und Ellbogen, Rücken und Beine und Füsse. Manchmal betreffen die Symptome der Nesselsucht auch den Hals, den Bauch beziehungsweise Rumpf oder die Hand und dort vor allem Handrücken und Finger.

Auch an der Kopfhaut, am Ohr und am Auge sind Quaddeln durch die Nesselsucht möglich.

Haut-/Schleimhaut-Schwellungen (Angio-Ödeme) entwickeln sich bei Urtikaria oftmals an den Lidern der Augen und/oder Lippen, manchmal aber auch an anderen Stellen, etwa im Intim-Bereich. Seltener schwellen die Schleimhaut der Zunge und des Kehlkopfes an.

Nesselsucht: Wann zum Arzt?

Wenn Sie juckende Quaddeln auf der Haut bekommen, beobachten Sie den Ausschlag genau. Halten die Beschwerden länger als 24 Stunden an, ist es ratsam zum Arzt zu gehen.

Der richtige Ansprechpartner bei erstmaligem Auftreten eines solchen Ausschlags ist der Hausarzt. Er ordnet die Beschwerden ein und überweist Sie gegebenenfalls an einen Hautarzt (Dermatologen). Wenn Sie bereits wissen, dass bei Ihnen eine Nesselsucht vorliegt, kontaktieren Sie bei Hautveränderungen direkt Ihren Dermatologen.

Besonders ratsam ist ein Arztbesuch, wenn Nesselsucht mit Fieber einhergeht. Hier ist möglicherweise eine akute Infektion die Ursache der Urtikaria.

Ein Arztbesuch ist auch dann empfehlenswert, wenn die Beschwerden sehr ausgeprägt sind oder Haut und Schleimhäute stark anschwellen. Starke Schwellungen im Mund, Nasen- und Rachen-Raum beeinträchtigen das Atmen: Entwickelt sich Atemnot, handelt es sich um einen medizinischen Notfall – rufen Sie den Rettungsdienst (144)!

Wie lange dauert eine Nesselsucht?

Wie lange eine Nesselsucht dauert, lässt sich pauschal nicht beantworten. Meist handelt es sich um eine akute Nesselsucht. Hier verschwinden die Symptome in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder – gegebenenfalls unterstützt durch kühlende Salben, Anti-Histaminika oder andere Hilfsmittel.

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen dauert eine spontane Nesselsucht länger an: Die Quaddeln und der Juckreiz bleiben über mehr als sechs Wochen bestehen. Dann handelt es sich um eine chronische Nesselsucht. Oft lässt sich ihr Auslöser identifizieren.

Dann besteht die Möglichkeit, diesen zu behandeln (zum Beispiel eine chronische Infektion) oder weitgehend zu meiden (zum Beispiel bestimmte Medikamente oder Nahrungsmittel-Zusatzstoffe).

Wenn sich die Ursache der chronischen Urtikaria nicht feststellen lässt, bleibt nur, die Symptome zu lindern – und optimistisch zu bleiben, dass irgendwann jede chronische Nesselsucht von allein abheilt. Das dauert in manchen Fällen jedoch Jahre oder sogar Jahrzehnte.

Kühlende Salben, Anti-Histaminika und andere Optionen helfen meist auch bei induzierbarer Urtikaria wie physikalischer Urtikaria gegen die lästigen Beschwerden. Vor allem aber gilt es hier, nach Möglichkeit dem Auslöser aus dem Weg zu gehen, also beispielsweise Kälte oder Druck auf der Haut zu vermeiden.

Arbeitsunfähig durch Nesselsucht?

Handelt es sich um eine spontane Urtikaria, ist es möglich, dass Sie mit Nesselsucht wie gewohnt arbeiten gehen. Die Beschwerden verschwinden in der Regel innerhalb einiger Tage wieder vollständig. Die Haut-Krankheit ist nicht ansteckend, sodass keine Gefahr für andere Personen besteht.

Die Beschwerden bei Nesselsucht beeinträchtigen allerdings mitunter den Alltag. Besonders der starke Juckreiz führt bei manchen Betroffenen abends und in der Nacht zu Schlaflosigkeit, was die Leistungsfähigkeit oft herabsetzt.

Daher ist es möglich, dass der Arzt eine Krankschreibung während eines Krankheits-Schubs durch eine Nesselsucht ausstellt. Bei starken Beeinträchtigungen durch die Nesselsucht-Symptome, ist es daher ratsam mit dem Arzt zu sprechen.

Nesselsucht in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist es möglich, dass die Nesselsucht durch Hormon-Schwankungen auftritt. Die Urtikaria verschwindet nach der Geburt bei den meisten Frauen wieder, wenn sich der Hormon-Haushalt normalisiert.

Wie sich eine bereits bestehende Nesselsucht während der Schwangerschaft entwickelt, ist variabel. Bei vielen schwangeren Frauen verbessert sich die chronische Urtikaria. Doch die Schwangerschafts-Hormone verstärken die Beschwerden mitunter auch, besonders die belastenden Schwellungen.

Eine Gefahr für das ungeborene Kind besteht nicht. Der Haut-Ausschlag der werdenden Mutter hat keine Auswirkung auf den Verlauf der Schwangerschaft. Ausserdem ist Nesselsucht nicht vererbbar.

Behandlung der Nesselsucht in Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft sind nicht alle Medikamente zur Behandlung der Nesselsucht geeignet. Ärzte raten Schwangeren grundsätzlich von einer systemischen Therapie (also Tabletten oder Infusionen) eher ab. Dies betrifft vor allem den Beginn der Schwangerschaft.

Wenn Sie schwanger sind, ist es wichtig die Medikation der Urtikaria immer mit Ihrem behandelnden Arzt abzusprechen und gegebenenfalls anzupassen.

Während der Stillzeit gilt das Gleiche wie während der Schwangerschaft: Es ist wichtig, Medikamente nur in Absprache mit dem Arzt einzunehmen. Viele Mittel gelangen über die Muttermilch zum Baby. Der Haut-Ausschlag der Nesselsucht selbst stellt normalerweise kein Problem beim Stillen dar.

Nesselsucht bei Kindern

Nesselsucht kommt in allen Altersgruppen vor. Kinder und Jugendliche sind aber besonders häufig betroffen.

Mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung der Urtikaria im Kindesalter erfahren Sie im Beitrag Nesselsucht bei Kindern und Babys.

Wie lässt sich Nesselsucht feststellen?

Die rötlichen, juckenden Quaddeln sind ein typisches Krankheitsbild, das schnell die Diagnose Nesselsucht nahelegt. Schwieriger ist es für den Arzt oft, die genaue Ursache der Urtikaria herauszufinden.

Anamnese

Das einfachste, aber wichtigste Mittel zu diesem Zweck ist die gründliche Patienten-Befragung: Im Gespräch erhebt der Arzt die Krankengeschichte des Patienten (Anamnese). Dazu lässt er sich die Beschwerden genau schildern, fragt nach eventuellen Vor- oder Grund-Erkrankungen sowie möglichen Auslösern der Nesselsucht.

Häufige Fragen des Arztes sind:

  • Welche Symptome haben Sie und seit wann bestehen diese?
  • Besteht ein Zusammenhang zwischen den Symptomen und Ihrem Beruf, Ihren Hobbies, eventuellen Reisen oder Freizeit-Aktivitäten oder (bei Frauen) dem Menstruations-Zyklus?
  • Gibt es Fälle von Nesselsucht oder atopischen Erkrankungen (Neurodermitis, Heuschnupfen, allergisches Asthma etc.) in Ihrer Familie?
  • Hatten oder haben Sie eine Allergie oder Unverträglichkeit (gegen Nahrungsmittel, Medikamente etc.)?
  • Sind bei Ihnen Infektionen, psychosomatische oder psychiatrische Erkrankungen bekannt?
  • Haben Sie einen Verdacht, was die Beschwerden auslösen könnte (bestimmte Nahrungsmittel, Alkohol, Rauchen, Kosmetik-Produkte, Kälte, körperliche Anstrengung, Stress etc.)?
  • Welche Medikamente wenden Sie an (gelegentlich oder regelmässig)?

Tagebuch

Bei anhaltender oder häufig wiederkehrender Nesselsucht empfiehlt es sich, ein Tagebuch zu führen, in dem Sie das Auftreten und das Ausmass Ihrer Beschwerden dokumentieren. Notieren Sie auch, was Sie jeweils gegessen und getrunken und welche Medikamente Sie angewendet haben.

Dokumentieren Sie zudem sonstige mögliche Einfluss-Faktoren auf die Erkrankung, wie zum Beispiel Stress. Die Aufzeichnungen helfen Ihnen und dem Arzt, die Ursache der Nesselsucht zu finden.

Weitere Untersuchungen in bestimmten Fällen

Bei einer spontanen akuten Nesselsucht genügt zur Diagnose oft die Anamnese. Besteht allerdings der Verdacht, dass die Urtikaria eine allergische Reaktion ist, sind weitere Untersuchungen angezeigt. Das Gleiche gilt bei einer chronischen Nesselsucht sowie anderen Formen von Urtikaria.

Weitergehende Untersuchungen dienen teils auch dazu, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschliessen. Beispiele:

Labor-Tests

Bei chronischem Nessel-Ausschlag helfen Labor-Tests, eventuelle Infektionen oder sonstige Erkrankungen als Auslöser aufzudecken. Dazu bestimmt der Arzt etwa die Entzündungs-Parameter im Blut (wie CRP und Anzahl der Leukozyten).

Eine weitere Option ist es, das Blut des Patienten auf Antikörper gegen Infektions-Erreger zu untersuchen, zum Beispiel gegen den "Magenkeim" Helicobacter pylori. Findet man tatsächlich Abwehrstoffe gegen dieses Bakterium, bestätigt die Analyse einer Stuhlprobe die Infektion.

Eine Helicobacter-pylori-Infektion lässt sich auch durch die Untersuchung einer Gewebe-Probe aus dem Magen diagnostizieren. Die Probe entnimmt der Arzt im Rahmen einer Magen-Spiegelung (Gastroskopie).

Sogenannte Auto-Antikörper (Antikörper, die gegen körpereigenes Gewebe vorgehen), gelten mitunter als Auslöser eines chronischen Nessel-Ausschlags. Ein spezieller Hauttest (ASST = autologous serum skin test) ist bei der Diagnose einer solchen autoreaktiven Nesselsucht meist hilfreich.

HNO- oder zahnärztliche Untersuchung

Leidet jemand möglicherweise an einer chronischen Infektion oder Entzündung im Bereich der oberen Atemwege oder der Zähne, ist ein Besuch beim HNO-Arzt oder Zahnarzt sinnvoll. Der Verdacht lässt sich so entweder bestätigen oder ausräumen.

Spezielle Diät

Manchmal ist eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit der Grund einer chronischen Nesselsucht. Der Arzt stellt die Ernährung dann für drei Wochen so um, dass sich der oder die Auslöser der pseudo-allergischen Reaktion identifizieren lassen. Dazu wird möglichst auf alles verzichtet, auf das viele Menschen empfindlich reagieren.

Doch welche Lebensmittel lösen oft eine Nesselsucht aus und sollten daher testweise gemieden werden? Kritisch sind oft folgende Inhaltsstoffe von Lebensmitteln:

  • Aromastoffe
  • Konservierungsstoffe
  • Farbstoffe
  • Antioxidantien

Solche Substanzen finden sich besonders in industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Es ist daher sinnvoll, diese für die Dauer der "Diät" vom Speiseplan zu streichen. Wenn sich in der Folge die Beschwerden des Patienten bessern, ist der wahrscheinliche Auslöser der Nesselsucht gefunden.

Provokations-Test

Zur Bestätigung einer vermuteten Nahrungsmittel-Unverträglichkeit dient meist ein gezielter Provokations-Test: Verdächtige Nahrungsmittel dürfen in grösseren Mengen verzehrt werden, um zu schauen, wie die Haut darauf reagiert.

Mit solchen Provokations-Tests lassen sich auch physikalischen Reize als Auslöser einer Nesselsucht identifizieren. Eine Körperstelle wird gezielt einem Reiz ausgesetzt, zum Beispiel kaltem oder heissem Wasser, einer nassen körperwarmen Kompresse (bei Verdacht auf aquagene Urtikaria), Licht, Druck oder Reibung.

Wenn sich die Haut daraufhin rötet, Quaddeln bildet und zu jucken beginnt, liegt eine entsprechende induzierbare Urtikaria vor.

Allergie-Tests

Allergien sind nur selten der Grund einer chronischen Nesselsucht. Falls aber ein entsprechender Verdacht besteht, bringen Allergie-Tests Klarheit. Auch der Provokations-Test ist manchmal nützlich. Es gibt aber auch noch andere Formen von Allergie-Tests. Mehr dazu lesen Sie hier.

Gewebe-Probe der Haut

Die Entnahme und Analyse einer kleinen Hautprobe ist mitunter notwendig, wenn der chronische Ausschlag möglicherweise nicht durch eine "herkömmliche" Nesselsucht, sondern durch eine sogenannte kutane Mastozytose bedingt ist. Ursache dieser Erkrankungen sind übermässig viele Mastzellen im Körper.

Beschränkt sich dieser Überschuss auf die Haut, liegt eine sogenannte kutane Mastozytose vor. Sie wird auch Urticaria pigmentosa genannt. Früher galt sie als Unterform der "herkömmlichen" Nesselsucht, mittlerweile aber nicht mehr.

Eine Gewebe-Probe ist unter Umständen auch sinnvoll, wenn bei einem Patienten eine entzündliche oder Autoimmun-Erkrankung festgestellt wird. Die Probe wird dann auf Hinweise für eine Gefäss-Entzündung (Vaskulitis) untersucht.

Liegt eine solche vor, diagnostiziert der Arzt eine Urtikaria-Vaskulitis. Das ist eine chronische Entzündung der Haut-Gefässe, die mit einem Haut-Ausschlag einhergeht, der dem einer Nesselsucht ähnelt.

So wie die kutane Mastozytose (Urticaria pigmentosa) gilt auch die Urtikaria-Vaskulitis mittlerweile nicht mehr als Unterform der Nesselsucht, sondern als eigenständiges Krankheitsbild.

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Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Prof. Dr. med. Hans Wolff
Autoren:
Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
L50
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
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