Herzkranzgefäße

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Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Die Herzkranzgefässe (Koronararterien, Koronarien) sind die Blutgefässe, die direkt dem Herzen aufliegen und das pausenlos tätige Herzmuskelgewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Sie entspringen der Aorta direkt nach deren Abgang aus der linken Herzkammer und winden sich um das Herz herum, um jeden Bereich der Muskulatur zu erfassen. Lesen Sie alles Wichtige über die Herzkranzgefässe!

Was sind die Herzkranzgefässe?

Die Herzkranzgefässe oder Koronargefässe umgeben kranzförmig den Herzmuskel. Benannt sind sie nach der Lage ihrer Hauptstämme in der Kranzfurche des Herzens – einer ringförmigen Vertiefung an der Aussenseite des Herzens, welche die Grenze zwischen den beiden Vorhöfen und den Herzkammern markiert.

Es gibt zwei grosse Koronararterien, die sich im weiteren Verlauf verzweigen:

  • rechte Koronararterie: kurz RCA (right coronary artery) oder ACD (Arteria coronaria dextra)
  • linke Koronararterie: kurz LCA (left coronary artery) oder LMCA (left main coronary artery) oder ACS (Arteria coronaria sinistra)

Die rechte Koronararterie (RCA-Herzgefäss) zieht horizontal um die rechte Herzhälfte herum und versorgt den grössten Teil des rechten Herzens und den hinteren Teil der Scheidewand (Trennwand zwischen rechter und linker Herzhälfte). Als Ramus interventricularis posterior (RIVP, RPD) zieht sie auf der Rückseite des Herzens bis zur Herzspitze hinab und versorgt die hintere Wand der linken Kammer. Nebenäste versorgen den rechten Vorhof sowie den Sinus- und den AV-Knoten, die für die Erregungsbildung und Erregungsleitung wichtig sind.

Die linke Koronararterie ist grösser als die rechte und teilt sich in zwei Hauptäste (mit Nebenästen) auf: Der Ramus interventricularis anterior (RIVA oder left anterior descending coronary artery – LAD) und der Ramus circumflexus (RCX). Das RIVA-Herzgefäss (LAD-Herzgefäss) steigt auf der Vorderseite des Herzens zwischen der rechten und linken Herzkammer ab und versorgt die linke Herzkammer sowie einen schmalen Streifen der rechten Kammer. Der kleinere Ast (RCX) versorgt den linken Vorhof, zieht zur Hinterwand der linken Kammer und verläuft schräg über deren Aussenwand.    

Die beiden Herzkranzgefässe mit ihren Verzweigungen stehen über zahlreiche Verbindungen (Anastomosen) in Kontakt. Diese können jedoch bei einem Verschluss eines der Äste keinen ausreichenden Umgehungskreislauf bilden – der Verschluss einer Koronararterie bedeutet immer einen Herzinfarkt.              

Die Herzkranzgefässe sind individuell unterschiedlich gross. Bei manchen Menschen versorgt zum Beispiel die linke Koronararterie fast das gesamte Herz.

Welche Funktion haben die Herzkranzgefässe?

Die Koronargefässe versorgen die Muskulatur des Herzens mit Sauerstoff und allen wichtigen Nährstoffen. Jede Koronararterie hat ein bestimmtes Gebiet, das von ihr versorgt wird (manche Bereiche des Herzens werden auch von mehreren Seiten versorgt). Zwischen den Herzschlägen, wenn der Herzmuskel erschlafft (Diastole), strömt Blut aus der Aorta in die Herzkranzgefässe.        

Wo befinden sich die Herzkranzgefässe?

Die Koronararterien liegen unter dem Epikard, dem inneren Blatt des Perikards (Herzbeutel). Sie entspringen der Aorta kurz deren Abgang aus der linken Herzkammer und spinnen sich kranzförmig ums Herz.

Welche Probleme können die Herzkranzgefässe verursachen?

Wenn sich die Herzkranzgefässe durch Fett- und Kalkablagerungen (Arteriosklerose) zunehmend verengen, beeinträchtigt dies die Versorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen. Mediziner sprechen dann von der Koronaren Herzkrankheit (KHK). Sie äussert sich meist durch Schmerzen und ein Druckgefühl im Brustraum (Angina pectoris). Im weiteren Verlauf können Folgeerkrankungen wie Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt auftreten. Ein Herzinfarkt entsteht in der Regel dadurch, dass eines der Herzkranzgefässe durch ein Blutgerinnsel teilweise oder vollständig verstopft wird.    

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Thomas Saller
Autor:
Eva Rudolf-Müller
Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Kirsch, J. et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2010
  • Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V., unter www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 05.01.2022)
  • Penz-Polster, H. et Krautzig, S.: Basislehrbuch Innere Medizin, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 5. Auflage, 2012
  • Waldeyer, A. : Anatomie des Menschen, Walter de Gruyter Verlag, 17. Auflage, 2002
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