Blutgefäße

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Dr. Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

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Die Blutgefässe bilden zusammen mit dem Herz den Blutkreislauf. Die röhrenförmigen Gebilde sind die Transportwege, durch die das Blut in jede noch so entfernte Region unseres Körpers gelangt. Sie sichern die Versorgung aller Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen und transportieren Abbauprodukte aus dem Gewebe ab. Lesen Sie alles Wichtige über den Aufbau der Blutgefässe, ihre Funktion und wichtige Erkrankungen!

Was sind Blutgefässe?

Blutgefässe sind Hohlorgane. Die röhrenförmigen, innen hohlen Gebilde schaffen mit einer Länge von etwa 150.000 Kilometern ein zusammenhängendes Netz, das unseren gesamten Köper durchzieht. Hintereinander geschaltet liesse sich damit beinahe 4-mal die Erde umrunden.

Blutgefässe: Aufbau

Die Gefässwand umschliesst einen Hohlraum, das sogenannte Lumen, in dem das Blut fliesst – immer nur in eine Richtung. Die Wand kleinerer Gefässe ist meist einschichtig, jene von grösseren Gefässen dreischichtig:

  • Innere Schicht (Intima, Tunica intima): Dünne Schicht aus Endothelzellen. Sie dichtet das Gefäss ab und sorgt für den Stoff- und Gasaustausch zwischen Blut und Gefässwand.
  • Mittlere Schicht (Media, Tunica media): Besteht aus glatter Muskulatur und elastischem Bindegewebe, deren Anteile je nach Gefäss variieren. Reguliert die Gefässweite.
  • Äussere Schicht (Adventitia, Tunica externia): Besteht aus Kollagenfasern und elastischen Netzen, umgibt die Blutgefässe nach aussen und verankert sie mit umliegendem Gewebe.

Die verschiedenen Blutgefässe im Körper unterscheiden sich in Länge, Durchmesser und Dicke der Gefässwand. Je nach Funktion der Blutgefässe sind die einzelnen Wandschichten mehr oder weniger stark ausgeprägt oder gar nicht vorhanden.

Welche Funktion haben Blutgefässe?

Die Blutgefässe transportieren das Blut – und damit Sauerstoff, Nährstoffe, Hormone  etc. – durch den ganzen Körper.

Mit ihren flexiblen, teilweise äusserst elastischen Wänden können die Blutgefässe ihren Durchmesser verändern und so auf wechselnde Anforderungen reagieren: Durch Gefässerweiterung (Vasodilatation) erhöht sich der Blutfluss und der Blutdruck senkt. Durch Gefässverengung (Vasokonstriktion) verringert sich der Blutfluss, der herrschende Druck steigt. Die Regulierung der Gefässweite übernimmt das vegetative Nervensystem. Es steuert dadurch nicht nur die Verteilung des Blutvolumens, die Sauerstoffversorgung und den Blutdruck, sondern auch die Körperwärme (Thermoregulation). Je stärker durchblutet eine Körperregion ist, desto wärmer ist sie.

Zu guter Letzt sind die zahlreichen, kilometerlangen Blutgefässe ein Speicher für mehrere Liter Blut (beim Erwachsenen etwa fünf Liter).

Wo befinden sich die Blutgefässe?

Für eine optimale Versorgung ziehen die Blutgefässe durch den gesamten Körper. Einige liegen oberflächlich unter der Haut, andere in der Tiefe, eingebettet in Gewebe oder Muskeln.

Auf seinem Weg durch den Körper durchläuft das Blut verschiedene Gefässtypen. Alle gemeinsam bilden ein zusammenhängendes Netz und garantieren den ununterbrochenen Blutfluss in eine Richtung, vom Herzen in die Peripherie und von dort wieder zurück zum Herzen:

Dieser grosse Blutkreislauf (Körperkreislauf) startet in der linken Herzhälfte: Sie pumpt sauerstoffreiches Blut über die Hauptschlagader (Aorta) in den Körper. Von der Aorta gehen dicke Hauptäste (Arterien) ab, die sich in immer kleinere Blutgefässe (Arteriolen) aufteilen und am Ende in kleinste Gefässe (Haargefässe, Kapillaren) übergehen. Diese bilden ein fein verzweigtes Kapillarnetz, über das Sauerstoff und Nährstoffe an umgebendes Gewebe abgegeben wird. Das nun sauerstoffarme, nährstoffarme Blut sammelt fliesst aus dem Kapillarnetz weiter in etwas grössere Gefässe (Venolen). Die Venolen münden ihrerseits in Venen, die das Blut über die obere und untere Hohlvene (Vena cava) zurück zum Herzen führen, und zwar in die rechte Herzhälfte.

Dort beginnt der kleine Blutkreislauf (Lungenkreislauf): Über die Lungenschlagader und ihre Verzweigungen (Lungenarterien) fliesst das Blut in die Kapillargefässe der Lunge, wo es Sauerstoff aus der Atemluft aufnimmt. Dann strömt es über Lungenvenen zurück zum Herzen, genauer: in die linke Herzhälfte.

Arterien und Venen machen zusammen 95 Prozent und damit den Grossteil der Blutgefässe aus. Sie liegen räumlich meist nah beieinander. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf die Kapillaren.

Nur wenige Körperteile besitzen überhaupt keine Blutgefässe. Hierzu zählen die äusserste Hautschicht sowie Hornhaut, Haare und Nägel, Zahnschmelz und die Hornhaut (Cornea) des Auges.

Arterie

Arterien transportieren Blut vom Herzen in die Peripherie. Mehr über diesen Typ von Blutgefässen lesen Sie im Beitrag Arterie.

Aorta

Die Hauptschlagader ist die grösste Arterie im Körper. Mehr darüber lesen Sie im Beitrag Aorta.

Venen

Venen bringen das Blut aus der Peripherie zurück zum Herzen. Mehr darüber lesen Sie im Beitrag Venen.

Obere und untere Hohlvene

Alles Wichtige über die zwei grössten Venen des Körpers erfahren Sie im Beitrag Hohlvene.

Pfortader

Das Blut aus dem Bauchraum wird über die Leberpfortader Richtung Leber transportiert. Mehr über diese besondere Vene lesen Sie im Beitrag Pfortader.

Kapillaren

Arterien und Venen sind über ein Netz feinster Gefässe miteinander verbunden. Mehr darüber erfahren Sie im Beitrag Kapillaren.

Welche Probleme können Blutgefässe verursachen?

Arteriosklerose ist eine wichtige Erkrankung arterieller Blutgefässe: Ablagerungen innen an den Gefässwänden und entzündliche Prozesse verengen das betreffende Gefäss (Stenose) oder verschliessen es komplett. Dies beeinträchtigt die Sauerstoffversorgung des nachgeschalteten Gewebebereichs. Mögliche Folgeerkrankungen sind zum Beispiel Schlaganfall, Herzinfarkt und periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, „Schaufensterkrankheit“).

Krampfadern“ (Varizen), wie sie vor allem an den Beinen auftreten, sind erweiterte, geschlängelte oberflächliche Venen. Sie entstehen dann, wenn das Blut aus den Venen nicht richtig abfliessen kann, was unterschiedliche Ursachen haben kann. Varizen können sich auch in anderen Körperregionen bilden, etwa in der Speiseröhre.

Eine Entzündung oberflächlicher Venen mit der Bildung von Blutgerinnseln nennt man Thrombophlebitis. Sie tritt vor allem an den Beinen auf. Bilden sich Blutgerinnsel in tiefen Venen, spricht man von Phlebothrombose.

Weitere Erkrankungen der Blutgefässe sind zum Beispiel das Raynaud-Syndrom, die Riesenzellarteriitis sowie die chronische Venenschwäche (chronisch venöse Insuffizienz).

Autoren- & Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Dr. Nicole Wendler
Dr.  Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Quellen:
  • Aumüller, G. et al.: Duale Reihe Anatomie, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2020
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V., unter www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 28.01.2022)
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie, Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V., unter www.dga-gefaessmedizin.de (Abrufdatum: 28.01.2022)
  • Lippert, H.: Lehrbuch Anatomie, Urban & Fischer, 8. überarbeitete Auflage, 2017
  • Platzer, W. et Shiozawa-Bayer, T.: Taschenatlas der Anatomie, Band 1: Bewegungsapparat, Georg Thieme Verlag, 12. Auflage, 2018
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