Herzinfarkt

Von , Medizinredakteurin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) entsteht, wenn sich ein Blutgefäss des Herzmuskels (Herzkranzarterie) verschließt. Der Muskel ist dann von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten und kann seine Arbeit nicht mehr verrichten. Ein Herzinfarkt kann lebensbedrohlich sein! Deshalb ist es wichtig, die Symptome eines Herzinfarkts so früh wie möglich zu erkennen. Hier lesen Sie alles Wichtige zu Warnsignalen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten und zur Ersten Hilfe bei Herzinfarkt.

Herzinfarkt

Herzinfarkt: Kurzübersicht

  • Typische Symptome: starke Schmerzen im linken Brustbereich/hinter dem Brustbein, Atemnot, Beklemmungs-/Angstgefühl; Achtung, die Symptome bei Frauen können andere sein (Schwindel, Erbrechen) als bei Männern!
  • Erste Hilfe: Notarzt rufen, Erkrankten beruhigen, Oberkörper hochlagern, enge Kleidung lockern (Krawatte, Kragen etc.), bei Bewusstlosigkeit und fehlender Atmung sofortige Wiederbelebung!
  • Risikofaktoren: Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Übergewicht, wenig Bewegung, Diabetes, Rauchen
  • Ursache: meist ein Blutgerinnsel, das ein Herzkranzgefäss verstopft
  • Untersuchungen: EKG, Herz-Ultraschall, Blutuntersuchungen, Herzkatheteruntersuchung
  • Behandlungsmöglichkeiten: Aufweitung des verengten Herzgefässes (Ballondilatation) und Einbau einer Gefässstütze (Stent) im Rahmen einer PTCA, medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels (Lysetherapie), sonstige Medikamente, Bypass-Operation
  • Vorbeugung: gesunde Lebensweise, regelmässige Bewegung, gesundes Körpergewicht

Herzinfarkt: Symptome

Bei einem Herzinfarkt gilt es, keine Zeit zu verlieren. Je früher er erkannt und behandelt wird, desto grösser sind die Überlebenschancen. Deshalb sollten Sie schon beim geringsten Verdacht und ersten Symptomen eines Myokardinfarkts den Notruf wählen (Tel. 144) – auch in der Nacht oder am Wochenende!

Um schnell reagieren zu können, muss man aber die Herzinfarkt-Symptome bei Mann & Frau kennen. Doch Vorsicht: Nicht immer zeigen sich die typischen Anzeichen. Ausserdem sind die Herzinfarkt-Symptome einer Frau oft anders als die eines Mannes.

Daran können Sie einen Herzinfarkt erkennen

Klassisches Anzeichen für Herzinfarkt ("Herzanfall") sind plötzliche starke Schmerzen in der Brust, und zwar im vorderen linken Brustbereich oder hinter dem Brustbein. Die Schmerzen können drückend, stechend oder brennend sein. Sie halten laut Deutscher Herzstiftung mindestens fünf Minuten lang an. Manchmal strahlen sie auch in andere Regionen des Körpers aus. So können auch Schmerzen im Arm (vor allem links), im Oberbauch, im Rücken, in der Schulter oder im Kiefer ein Warnsignal für Herzinfarkt sein.

Weitere typische Herzinfarkt-Symptome sind:

  • Beklemmungs- oder Engegefühl: Betroffene umschreiben dieses starke Einschnürungs-Gefühl oft mit „als stünde ein Elefant auf meiner Brust“.
  • Angstgefühl bis hin zur Todesangst: Die starke Angst wird oft von kaltem Schweiss, einer fahlen Gesichtsfarbe und kalter Haut begleitet.
  • plötzliche schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder starkes Schwindelgefühl: Diese unspezifischen Symptome können viele Ursachen haben, unter anderem auch einen Herzinfarkt. Öfter treten sie bei Frauen auf.
  • Übelkeit und Erbrechen: Auch diese bei vielen Erkrankungen vorkommenden Symptome sind vor allem bei Frauen ein mögliches Anzeichen für einen Herzinfarkt. Das gilt besonders dann, wenn die Betroffenen derartigeBeschwerden in diesem Ausmass zuvor noch nicht erlebt haben.

Die Herzinfarkt-Anzeichen hängen auch davon ab, welches Herzkranzgefäss betroffen ist. So führen etwa Verschlüsse der rechten Herzkranzarterie oft zum sogenannten Hinterwandinfarkt. Sie verursachen eher Beschwerden im Oberbauch. Wird dagegen die linke Herzkranzarterie verschlossen, resultiert ein Vorderwandinfarkt. Hier sind die Schmerzen eher im Brustbereich lokalisiert.

In manchen Fällen verläuft ein Herzinfarkt ohne Schmerzen. Besonders oft tritt ein solcher "stummer Infarkt" bei Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sowie bei Menschen im höheren Lebensalter auf.

Abweichende Herzinfarkt-Symptome bei Frauen

Nicht immer zeigen sich die oben beschriebenen Symptome bei Herzinfarkt. Frauen haben oft ein anderes Beschwerdebild. Während etwa ein Grossteil der betroffenen Männer die klassischen Schmerzen in der Brust verspürt, treten diese nur bei etwa einem Drittel der Frauen auf. Zudem berichten Patientinnen öfter von einem Druck- oder Engegefühl in der Brust statt von starken Brustschmerzen.

Ausserdem sind viel öfter unspezifische Beschwerden Anzeichen für Herzinfarkt bei der Frau. Dazu zählen etwa Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechensowie Beschwerden im Oberbauch.

Solche Beschwerden werden oft nicht sofort als Herzinfarkt-Symptome identifiziert und wenig ernst genommen. Deshalb kommen Frauen mit Herzinfarkt im Durchschnitt eine Stunde später in die Klinik als betroffene Männer (gerechnet ab Auftreten der ersten Herzinfarkt-Anzeichen). Die schnelle medizinische Versorgung ist jedoch überlebenswichtig.

Herzinfarkt: Vorboten

Viele Herzinfarkte treten „wie aus heiterem Himmel“ auf. Es gab zuvor keinerlei Hinweise, dass der Verschluss eines Herzkranzgefässes droht.

In den anderen Fällen kündigen Vorzeichen den Herzinfarkt an. So leiden viele Patienten schon Jahrzehnte davor (unbemerkt) an einer Koronaren Herzkrankheit (KHK). Dabei werden die Herzkranzgefässe durch "Verkalkung" (Arteriosklerose) zunehmend enger. Das beeinträchtigt immer stärker die Durchblutung des Herzmuskels. Erkennbar wird das zum Beispiel daran, dass bei körperlicher Belastung oder seelischer Erregung Brustschmerzen und/oder Atemnot auftreten. Nach dem Ende der Belastung verschwinden die Symptome innerhalb von Minuten wieder.

Mediziner sprechen hier von "Brustenge" (Angina pectoris). Aus ihr kann sich jederzeit ein Herzinfarkt entwickeln. Das gilt besonders dann, wenn Dauer und Intensität der Angina-pectoris-Anfälle zunehmen. Besondere Vorsicht ist auch geboten, wenn die Brustschmerzen und/oder Atemnot schon bei kleinster Belastung oder sogar in Ruhe auftreten. Das sind dann ernste Vorboten eines drohenden Herzinfarkts. Rufen Sie in solchen Fällen sofort den Notarzt!

Herzinfarkt: Ursachen und Risikofaktoren

Ein Herzinfarkt entsteht meist durch ein Blutgerinnsel, das ein Herzkranzgefäss verstopft. Die Herzkrangefässe sind jene Gefässe, die den Herzmuskel mit Blut und Sauerstoff versorgen. Meistens ist die betreffende Arterie zuvor bereits verengt, und zwar durch Ablagerungen (Plaques) an der Innenwand. Diese bestehen aus Fetten und Kalk. Eine solche Arterienverkalkung (Arteriosklerose) im Bereich der Herzkranzgefässe wird Koronare Herzkrankheit (KHK) genannt.

Die Plaques können Risse bekommen und aufbrechen. Dann lagern sich sofort Blutplättchen (Thrombozyten) an, um die Risse zu verschliessen. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die weitere Blutplättchen anlocken - es bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus). Wenn dieses Gerinnsel das betreffende Gefäss völlig verstopft, kommt es zum Herzinfarkt: Der Herzmuskelabschnitt, der vornehmlich durch dieses Herzkranzgefäss versorgt wird, bekommt nicht mehr genug Sauerstoff. Er kann dann innerhalb weniger Stunden absterben. Im schlimmsten Fall stirbt der Patient an der Herzattacke (akuter Herztod).

Die Koronare Herzkrankheit gilt als Hauptursache für einen Myokardinfarkt. Nur ganz selten liegen andere Herzinfarkt-Ursachen vor, zum Beispiel Verkrampfungen (Spasmen) der Herzkranzgefässe.

Risikofaktoren für Herzinfarkt

Bestimmte Faktoren sind zwar keine direkten Herzinfarkt-Ursachen, erhöhen aber das Infarkt-Risiko. Dazu gehören vor allem jene Risikofaktoren, welche die oben beschriebenen Ablagerungen an der Innenwand der Herzkranzgefässe (Arteriosklerose) begünstigen.

Manche dieser Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen. Dazu zählen zum Beispiel höheres Alter und männliches Geschlecht. Gegen andere Risikofaktoren kann man aber sehr wohl etwas tun: etwa gegen Übergewicht und fettreiche Ernährung. Allgemein gilt: Je mehr der unten genannten Risikofaktoren ein Mensch aufweist, desto höher ist sein Herzinfarkt-Risiko.

Männliches Geschlecht: Die Geschlechtshormone haben offenbar einen Einfluss auf das Herzinfarkt-Risiko. Denn Frauen vor der Menopause haben ein niedrigeres Herzinfarkt-Risiko als Männer; sie sind dann durch die weiblichen Geschlechtshormone wie Östrogene besser geschützt.

Genetische Veranlagung: In manchen Familien kommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehäuft vor - die Gene scheinen bei der Entstehung eines Herzinfarkts eine Rolle zu spielen. Das Risiko für einen Infarkt ist also zu einem gewissen Grad erblich.

Höheres Alter: Mit steigendem Alter nimmt der Grad der Arterienverkalkung zu. Somit steigt auch das Herzinfarkt-Risiko.

Ernährung: Fettreiche und energiedichte Nahrungsmittel führen zu Übergewicht und hohen Cholesterinwerten. Beides begünstigt eine Arterienverkalkung und damit eine Koronare Herzkrankheit - die häufigste Ursache für Herzinfarkt.

Übergewicht: Es ist generell ungesund, wenn man zu viele Kilos auf die Waage bringt. Noch mehr gilt das, wenn sich das überschüssige Gewicht auf den Bauch (statt die Hüften oder Oberschenkel) konzentriert: Bauchfett produziert nämlich Hormone und Botenstoffe, die unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt erhöhen.

Bewegungsmangel: Ausreichende Bewegung hat viele positive Effekte auf die Gesundheit. Einer davon: Regelmässige körperliche Aktivität beugt Arterienverkalkung und Koronarer Herzkrankheit vor, indem sie den Blutdruck senkt und die Cholesterinwerte verbessert. Diese schützenden Effekte entfallen bei Bewegungsmuffeln.

Rauchen: Stoffe aus dem Tabakrauch fördern die Bildung instabiler Plaques, die leicht aufbrechen können. Zudem verengen sich beim Rauchen jeder Zigarette die Blutgefässe, auch die Herzkranzgefässe. Die meisten Patienten, die vor dem 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt erleiden, sind Raucher.

Bluthochdruck: Ständig erhöhte Blutdruckwerte schädigen direkt die Gefässinnenwände. Das begünstigt Ablagerungen an den Wänden (Arteriosklerose) und damit eine Koronare Herzkrankheit.

Erhöhter Cholesterinspiegel: Hohe LDL-Werte und niedrige HDL-Werte fördern ebenfalls die Plaquebildung.

Diabetes mellitus: Bei Diabetes ist der Blutzuckerspiegel krankhaft erhöht. Auf Dauer schädigt dies die Blutgefässe - ein Risikofaktor für Arteriosklerose und Koronare Herzkrankheit.

Umstritten ist, ob ein erhöhter Wert des Eiweissbausteins (Aminosäure) Homocystein ebenfalls einen Herzinfarkt-Risikofaktor darstellt.

Herzinfarkt: Behandlung

Herzinfarkt: Erste Hilfe

Auf diese Weise sollten Sie bei einem Herzinfarkt Erste Hilfe leisten:

  • Rufen Sie schon bei dem kleinsten Verdacht auf einen Herzinfarkt den Notarzt (Tel. 112)!
  • Lagern Sie den Patienten mit erhöhtem Oberkörper, indem Sie ihn zum Beispiel an eine Wand anlehnen.
  • Öffnen Sie enge Kleidung, zum Beispiel Kragen und Krawatte.
  • Beruhigen Sie den Patienten und bitten Sie ihn, ruhig und tief zu atmen.
  • Lassen Sie den Patienten nicht allein!

Wenn der Patient bewusstlos wird, keine Atmung erkennbar beziehungsweise kein Puls tastbar ist, liegt ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor. Dann müssen Sie rasch handeln und den Patienten wiederbeleben (reanimieren): Machen Sie die Herz-Druck-Massage oder - falls Sie darin geübt sind - abwechselnd Herz-Druck-Massage und Mund-zu-Mund-Beatmung (im Wechsel 30-mal drücken und 2-mal beatmen). Setzen Sie die Wiederbelebungsmassnahmen so lange fort, bis der Rettungsdienst eintrifft oder der Patient wieder selbstständig atmet.

Herzinfarkt: Was macht der Notarzt?

Der Notarzt bzw. Rettungssanitäter wird sofort die wichtigsten Parameter des Patienten kontrollieren wie Bewusstseinslage, Puls und Atmung. Ausserdem schliesst er den Patienten an ein EKG bzw. einen Monitor an, um Herzfrequenz, Herzrhythmus, Sauerstoffsättigung und Blutdruck zu überwachen. Das EKG ist für die genaue Diagnose eines Herzinfarkts sehr wichtig. Es lässt sich damit feststellen, ob es sich um einen sogenannten Herzinfarkt mit ST-Streckenhebung (ST-Hebungsinfarkt, STEMI) oder einen Herzinfarkt ohne ST-Streckenhebung (Nicht-ST-Hebungsinfarkt, NSTEMI) handelt. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Wahl der Soforttherapie (siehe unten).

Über eine Nasensonde bekommt der Patient Sauerstoff zugeführt, wenn die Sauerstoffsättigung zu niedrig ist sowie bei Atemnot oder akuter Herzschwäche.

Es wird auch ein Zugang über eine Vene gelegt, um dem Patienten schnell benötigte Medikamente verabreichen zu können. Das können zum Beispiel Diazepam gegen die starke Angst und Morphin gegen die Schmerzen sein. Wichtig sind auch Wirkstoffe (wie Acetylsalicylsäure), die verhindern, dass das Blutgerinnsel im Herzkranzgefäss noch grösser wird oder sich weitere Gerinnsel bilden.

Ausserdem verabreicht der Notarzt dem Patienten Nitrate, meist in Form eines Mundsprays. Diese erweitern die Blutgefässe, senken den Sauerstoffbedarf des Herzens und verringern die Schmerzen. Die Herzinfarkt-Prognose verbessern Nitrate allerdings nicht.

Kommt es während des Transports ins Krankenhaus zum Herzstillstand, starten Notarzt bzw. Rettungssanitäter sofort die Wiederbelebung mit einem Defibrillator.

Weitere Herzinfarkt-Therapie

Die weitere Behandlung bei Herzinfarkt hängt wesentlich davon ab, ob es sich um einen Herzinfarkt mit ST-Streckenhebung (STEMI) oder einen Herzinfarkt ohne ST-Streckenhebung (NSTEMI) handelt (siehe unten: "Herzinfarkt: Untersuchungen und Diagnose"):

  • STEMI: Die Therapie der ersten Wahl ist bei diesen Patienten eine Akut-PTCA. Das bedeutet, das verengte Herzgefäss wird durch einen Ballon aufgeweitet (Ballondilatation) und durch Einbringen einer Gefässstütze (Stent) offen gehalten. Gegebenenfalls wird bei STEMI auch eine Lysetherapie durchgeführt (Gabe von Medikamenten, die das Blutgerinnsel im Herzgefäss auflösen). Unter Umständen kann im weiteren Verlauf eine Bypass-Operation notwendig sein.
  • NSTEMI: Der Nutzen einer sofortigen Ballondilatation (Akut-PTCA) ist hier nicht belegt. Auch eine Lysetherapie ist nicht angezeigt. Stattdessen erhalten die Betroffenen sofort nach der Diagnosestellung Medikamente, etwa gegen (weitere) Gerinnselbildung (wie Acetylsalicylsäure). Zudem kann eine Herzkatheteruntersuchung sinnvoll sein, um das Ausmass von Schäden am Herzmuskel festzustellen. Sie soll je nach dem Risikoprofil des Patienten innerhalb von zwei bis 72 Stunden durchgeführt werden. Vom Ergebnis der Untersuchung hängen weitere Therapiemassnahmen ab (z.B. weitere medikamentöse Behandlung, Ballondilatation und Stent-Einbau, Bypass-OP).

Im Folgenden werden die verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei Herzinfarkt genauer beschrieben.

Herzinfarkt-Therapie: Akut-PTCA

Bei einem Herzinfarkt mit ST-Streckenhebung (STEMI) ist die Therapie der ersten Wahl eine sogenannte Akut-PTCA (Perkutane transluminale koronare Angioplastie). Dabei wird sofort ein Herzkatheter eingeführt, um das verstopfte Gefäss mithilfe eines Ballons zu erweitern. Das nennt man Ballondilatation. Danach wird oft bei Herzinfarkt ein Stent implantiert: Das ist eine kleine Gefässstütze aus Metall, die das Gefäss offen halten soll. Verwendet werden oft Stents, die mit einem gerinnungshemmenden Medikament beschichtet sind. Es verhindert, dass sich an dieser Stelle erneut ein Blutpfropf bildet.

Eine Akut-PTCA kann in den meisten Fällen das verstopfte Blutgefäss nach einem Herzinfarkt wieder eröffnen. Dazu sollte sie innerhalb von 60 bis 90 Minuten nach Schmerzbeginn durchgeführt werden.

Allerdings ist ein solcher Eingriff nicht für alle STEMI-Patienten zeitnah verfügbar, denn nicht jede Klinik verfügt über Herzkatheterplätze. Kann also ein Herzinfarkt-Patient nicht innerhalb von 120 Minuten in ein Krankenhaus gebracht werden, wo eine Akut-PTCA möglich ist, sollte er stattdessen innerhalb von 30 Minuten eine Lysetherapie (siehe unten) erhalten. Innerhalb der folgenden drei bis 24 Stunden sollte er dann für eine Akut-PTCA in ein kardiologisches Zentrum verlegt werden.

Herzinfarkt-Therapie: Lysetherapie

Die Lysetherapie (Thrombolysetherapie) kommt bei Patienten mit einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) in Betracht. Dabei wird das Blutgerinnsel, das den Herzinfarkt ausgelöst hat, medikamentös aufgelöst (Lyse). Der Arzt spritzt dem Patienten dazu Medikamente in eine Vene, die entweder den Thrombus direkt abbauen oder körpereigene Abbauenzyme (Plasminogen) aktivieren, die ihrerseits das Blutgerinnsel auflösen.

Die Chance, dass sich das Herzkranzgefäss wieder eröffnen lässt, ist kurz nach dem Herzinfarkt am grössten. Manchmal beginnt also schon der Notarzt die Lysetherapie, noch bevor der Patient im Krankenhaus ankommt.

Die Lyse kann bis maximal zwölf Stunden nach einem Herzinfarkt durchgeführt werden. Danach wird das Blutgerinnsel nicht mehr richtig aufgelöst, und die Nebenwirkungen der Behandlung überwiegen.

Nebenwirkungen: Die nach einem Herzinfarkt verabreichten Lyse-Medikamente hemmen die körpereigene Blutgerinnung stark - nicht nur am Herzen, sondern im gesamten Körper. Als Komplikation können deshalb ernste Blutungen auftreten. Bislang unerkannte Blutungsquellen wie Magengeschwüre oder Gefässmissbildungen (Aneurysmen) können aktiviert werden, also zu bluten beginnen. Eine der schwersten Nebenwirkungen ist eine Hirnblutung.

Herzinfarkt-Therapie: Medikamente

Bei einem Herzinfarkt verschreibt der Arzt dem Patienten meist auch Medikamente. Diese müssen teilweise dauerhaft eingenommen werden. Welche Wirkstoffe dem Patienten verschrieben werden und wie lange er sie einnehmen muss, hängt vom individuellen Risikoprofil ab. Gängige Medikamente bei Herzinfarkt-Patienten sind:

  • Acetylsalicylsäure (ASS): Der Wirkstoff ASS ist ein sogenannter Thrombozytenaggregationshemmer. Das heisst, er hindert Blutplättchen daran, sich zusammenzulagern. Bei einem akuten Herzinfarkt verhindert das, dass sich das Blutgerinnsel in dem betroffenen Herzkranzgefäss vergrössert (oder neue Gerinnsel bilden). Bereits der Notarzt spritzt dem Patienten ASS, weil eine frühzeitige Behandlung die Prognose verbessert.
  • andere Thrombozytenaggregationshemmer: Manche Herzinfarkt-Patienten erhalten auch Clopidogrel, Prasugrel oder andere Thrombozytenaggregationshemmer.
  • Betablocker: Sie senken den Blutdruck, verlangsamen den Herzschlag und entlasten das Herz. Werden sie frühzeitig verabreicht, kann man die Grösse des Herzinfarkts reduzieren und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) verhindern. Schon der Notarzt kann dem Patienten Betablocker verabreichen.
  • ACE-Hemmer: Diese Medikamente erweitern die Blutgefässe, senken den Blutdruck und entlasten das Herz. Sie senken das Sterblichkeitsrisiko bei Infarktpatienten.
  • Cholesterinsenker: Sogenannte Statine senken erhöhte Werte des "bösen" LDL-Cholesterins. Damit lässt sich das Risiko für einen weiteren Herzinfarkt verringern.

Bei einem Herzinfarkt ohne ST-Streckenhebung (NSTEMI) wird im Allgemeinen sofort nach der Diagnose mit der medikamentösen Behandlung begonnen. Die Patienten erhalten Thrombozytenaggregationshemmer (wie Acetylsalicylsäure, Prasugrel), Antikoagulanzien (wie Fondaparinux) sowie Medikamente gegen eine Minderdurchblutung (Betablocker). Manchmal ist bei NSTEMI die medikamentöse Therapie ausreichend. Es können aber auch weitere Therapiemassnahmen notwendig werden (wie Ballondilatation oder Bypass-Op).

Herzinfarkt-Therapie: Bypass-Operation

Bei manchen Herzinfarkt-Patienten sind die Herzkranzgefässe so stark verändert, dass eine Bypass-Operation nötig ist: Unter Vollnarkose entnimmt der Chirurg dem Patienten zuerst ein Arterie der Brustwand oder eine oberflächliche Beinvene. Dieses verwendet er dann, um die Engstelle des Herzkranzgefässes zu überbrücken.

Herzinfarkt: Untersuchungen und Diagnose

Der dringende Verdacht auf einen Herzinfarkt ergibt sich aus den Beschwerden des Patienten. Aber nicht immer sind die Zeichen eindeutig. Deshalb sind verschiedenen Untersuchungen nötig. Sie helfen, die Diagnose Herzinfarkt abzusichern und andere Erkrankungen auszuschliessen, die ähnliche Symptome (Brustschmerzen etc.) auslösen können. Dazu zählt zum Beispiel eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis), ein Einriss der grossen Körperschlagader (Aortendissektion) oder eine Lungenembolie.

EKG

Die Elektrokardiografie (EKG) ist das wichtigste Untersuchungsverfahren beim Verdacht auf einen Herzinfarkt. Es werden dabei am Brustkorb des Patienten Elektroden angelegt. Diese zeichnen die elektrische Erregung im Herzmuskel auf. Charakteristische Veränderungen dieser elektrischen Herzaktivität deuten auf die Grösse und den Ort des Infarkts hin. Wichtig für die Therapieplanung ist die Unterscheidung zwischen einem Herzinfarkt mit und ohne ST-Streckenhebung:

  • Herzinfarkt mit ST-Streckenhebung (STEMI): Bei dieser Form von Herzinfarkt ist ein bestimmter Abschnitt der EKG-Kurve (die ST-Strecke) bogenförmig angehoben. Der Infarkt betrifft die gesamte Herzwand (transmuraler Herzinfarkt).
  • Herzinfarkt ohne ST-Streckenhebung (NSTEMI oder Non-STEMI): Bei diesem Innenwandinfarkt (nicht transmuraler Infarkt) ist die ST-Strecke im EKG nicht angehoben. Manchmal ist das EKG trotz typischer Infarktsymptome sogar völlig unauffällig. Die Diagnose Herzinfarkt lässt sich hier nur stellen, wenn bestimmte "Herzenzyme" im Blut nachweisbar sind (siehe unten: "Blutuntersuchung").

Ausserdem lassen sich mittels EKG auch Infarkte nachweisen, die keine Symptome verursachen (stummer oder stiller Herzinfarkt). Ebenfalls im EKG erkennbar sind Herzrhythmusstörungen. Diese sind die weitaus häufigste Komplikation eines frischen Herzinfarkts.

Zudem hilft das EKG, einen akuten Myokardinfarkt von einem länger zurückliegenden Herzinfarkt zu unterscheiden.

Manche Infarkte zeigen sich nicht unmittelbar nach ihrem Eintreten im EKG, sondern werden erst einige Stunden später sichtbar. Deshalb werden bei Verdacht auf einen Myokardinfarkt mehrere EKG-Untersuchungen mit einigen Stunden Abstand durchgeführt.

Herz-Ultraschall (Echokardiografie)

Zeigt das EKG keine typischen Veränderungen, obwohl die Beschwerden auf einen Herzinfarkt hindeuten, hilft unter Umständen ein Herz-Ultraschall durch den Brustkorb weiter. Der Fachbegriff für diese Untersuchung lautet "transthorakale Echokardiografie". Der Arzt kann hier Störungen der Wandbewegung des Herzmuskels nachweisen. Denn wenn die Durchblutung durch den Infarkt unterbrochen ist, bewegt sich der betreffende Herzabschnitt nicht mehr normal.

Blutuntersuchung

Die bei einem Herzinfarkt absterbenden Herzmuskelzellen setzen bestimmte Enzyme frei. Bei einem Infarkt ist also deren Konzentration im Blut erhöht. Zu diesen auch als Biomarker bezeichneten Eiweissen gehören Troponin T, Troponin I, Myoglobin sowie die Creatinkinase (CK-MB). Allerdings steigt bei den klassischen hierfür verwendeten Tests die Konzentration der Enzyme im Blut frühestens etwa drei Stunden nach dem Herzinfarkt messbar an. Neuere, stark verfeinerte Verfahren können die Diagnostik beschleunigen.

Herzkatheter

Durch eine Herzkatheteruntersuchung lässt sich erkennen, welches Herzkranzgefäss verschlossen ist und ob weitere Gefässe verengt sind. Auch die Funktion von Herzmuskel und Herzklappen lässt sich mithilfe dieser Untersuchung beurteilen.

Im Rahmen der Herzkatheteruntersuchung führt der Arzt einen schmalen, flexiblen Kunststoffschlauch in die Beinarterie (A. femoralis) ein und schiebt ihn gegen den Blutstrom bis zum Herzen vor. Meist erfolgt im Rahmen der Untersuchung eine Koronarangiografie, das heisst: Über den Katheter wird ein Kontrastmittel gespritzt, sodass sich die Herzkranzgefässe im Röntgenbild darstellen lassen.

Während der Herzkatheteruntersuchung lässt sich das verschlossene Herzkranzgefäss auch gleich wiedereröffnen: Über den Katheter führt der Arzt einen kleinen Ballon ein. Er wird am Ort des Gefässverschlusses mit Flüssigkeit gefüllt, wodurch er die Engstelle aufdehnt (Ballondilatation oder PTCA: siehe oben). Danach setzt der Arzt meist ein kleines Metallgerüst als Gefässstütze (Stent) in das Gefäss ein, um es offen zu halten.

Sport nach einem Herzinfarkt

Ein Infarkt reduziert die Herzleistung des Patienten und damit auch seine Kraft und Ausdauer. Alltägliche Aufgaben werden schnell zur körperlichen Belastung: Das beim Infarkt abgestorbene Herzmuskelgewebe ist vernarbt. Daher muss das übrige Gewebe durch Pumpfunktion allein leisten. Langsames, kontinuierliches Aufbautraining stärkt das kranke Herz wieder. Daher ist Sport nach einem Herzinfarkt ein wichtiger Baustein der Therapie.

Doch die körperliche Aktivität beeinflusst auch andere Körperfunktionen positiv. Sie

  • verbessert die Sauerstoffversorgung des Körpers
  • senkt den Blutdruck
  • reguliert die Blutzucker- und Blutfettwerte
  • wirkt Entzündungsprozessen entgegen
  • fördert gesundes Körpergewicht
  • reduziert unnötige Fettdepots
  • baut Stresshormone ab

Hinweis: Das Training nach einem Herzinfarkt sollte nur mit vorheriger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt stattfinden. Die Teilnahme in einer Herzsportgruppe ist empfehlenswert.

Studien haben gezeigt, dass Sport nicht nur dazu beiträgt, einen Herzinfarkt im Vorfeld zu vermeiden. Das Training hat auch nach einem Infarkt positiven Einfluss. Wer nach einem Herzinfarkt aktiv wird oder bleibt, erhöht seine Überlebenschancen deutlich. Das geht aus einer schwedischen Studie mit mehr als 22000 Infarktpatienten hervor.

Trainingsbeginn nach dem Herzinfarkt

Nach einem Herzinfarkt (STEMI und NSTEMI) empfehlen wissenschaftliche Studien einen frühen Trainingsbeginn - bereits sieben Tage nach dem Infarkt. Diese frühe Mobilisation unterstützt den Heilungsprozess und hilft dem Patienten, schneller zurück in seinen Alltag zu finden.

Nach einer Operation zur Erweiterung der Herzkranzgefässe (perkutane transluminale coronare Angioplastie, PTCA) kann der Patient bereits am vierten Tag nach dem Eingriff ein individuelles Sportprogramm aufnehmen. Das gilt allerdings nur für Operationen ohne Komplikationen. Allerdings sollte das Training nur unter ärztlicher, bzw. therapeutischer Aufsicht stattfinden.

Nach einer Bypass-Operation kann der Betroffene bereits 24 bis 48 Stunden später mit einer Frühmobilisation beginnen. In den ersten Wochen nach dem Bypass ist allerdings mit Einschränkungen zu rechnen. Das Training sollte mit schonenden Übungen starten. Für mindestens sechs Wochen sind Stütz-, Zug- und Druckbelastungen zu vermeiden. Auch Druck auf den Brustkorb ist in den ersten Wochen nach dem Eingriff nicht angeraten. Es sollten keine ruckartigen Bewegungen erfolgen. Wurde der Eingriff minimalinvasiv durchgeführt, kann diese Zeitspanne kürzer ausfallen.

Wie oft trainieren?

Patienten sollten bereits kurz nach dem Infarkt mindestens zweimal pro Woche Sport treiben – unabhängig von der Schwere des Herzinfarkts. Wichtig dabei ist, dass die Patienten zunächst vorsichtig mit dem Training beginnen. Steigern Sie Intensität und Dauer des Trainings nach und nach.

Vier bis fünfmal pro Woche, je 30 Minuten moderates Ausdauertraining ist für Herzpatienten empfehlenswert.

Geeigneter Sport nach einem Herzinfarkt

Um das Herz-Kreislaufsystem zu trainieren und die Genesung nach einem Herzinfarkt optimal zu unterstützen ist vor allem Ausdauersport geeignet. Doch auch Krafttraining und Übungen zur Mobilisation und Beweglichkeit sind Bausteine des Herzsports.

Moderates Ausdauertraining

Geeignete Sportarten nach einem Herzinfarkt sind die sogenannten Ausdauersportarten. Sie stehen im Fokus des Herzsports, da sie die Herz-Lungen-Funktion verbessern und dazu beitragen, höhere Belastung ohne Beschwerden zu erbringen.

Laut Experten sollten Herzpatienten vier- bis fünfmal pro Woche mindestens 30 Minuten moderates Ausdauertraining durchführen.

Nach einem Herzinfarkt reichen zehn Minuten schnelles Gehen täglich bei ca. 5 km/h aus, um die Gesundheit zu verbessern. Falls das Tempo zu hoch ist, können die Betroffenen alternativ auch 15 bis 20 Minuten langsam spazieren gehen.

Geeignetes Ausdauertraining nach einem Herzinfarkt ist zum Beispiel:

  • (schnelles) Spazierengehen
  • Gehen auf einer weichen Matte/im Sand
  • Walking
  • Nordic-Walking
  • Skilanglauf
  • (Step-)Aerobic
  • Fahrradfahren bzw. Fahrradergometer
  • Rudern
  • Treppensteigen (z.B. auf dem Stepper)

Wichtig ist, dass Herzpatienten zu Beginn kurze Belastungsphasen von fünf bis maximal zehn Minuten wählen. Die Belastungsdauer wird dann im Laufe der Zeit langsam gesteigert

Joggen nach Herzinfarkt

Spazieren gehe, Laufen, Walken und Joggen sind nach einem Herzinfarkt die einfachsten Methoden, um den Kreislauf zu trainieren. Wichtig dabei ist allerdings die Trainingsintensität im Blick zu behalten. Der behandelnde Arzt ermittelt vorab die Leistungs- und Belastungsfähigkeit des Herzens mit einem Belastungs-EKG. Auf dieser Basis empfiehlt er dem Patienten individuell den Trainingsaufwand.

Hinweis: Die angestrebte Trainingszone für Herz-Patienten liegt bei 40 bis 85% VO2max. VO2max bezeichnet die maximale Sauerstoffmenge, die vom Körper während maximaler Belastung aufgenommen werden kann. Die Herzfrequenz sollte während des Ausdauertrainings bei 60 bis 90 Prozent liegen.

Auf Wettkämpfe sollten Herzinfarktpatienten zunächst verzichten. Eine Teilnahme an Leistungs- oder Wettkampfsport sollte nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Radfahren nach Herzinfarkt

Besonders für übergewichtige Patienten oder für Personen mit orthopädischen Beschwerden ist Radfahren nach einem Herzinfarkt oder auch Ergometer-Training gut geeignet. Dabei muss der Betroffene das Körpergewicht nicht selbst tragen. Das schont die Gelenke. Das Ergometer hat den weiteren Vorteil, dass der Patient während der Belastung seinen Puls messen kann. Dadurch kann er die Trainingsintensität optimal kontrollieren.

Krafttraining für Herzpatienten

Kräftigungsübungen fördern Muskelaufbau und Kraft. Muskelmasse verbraucht im Ruhezustand mehr Energie als Fett und hilft im Kampf gegen überflüssige Pfunde. Bei gewissenhafter Durchführung unter professioneller Anleitung stellen Kraftübungen kein überdurchschnittliches Risiko für Herzpatienten dar.

Um Blutdruckspitzen zu vermeiden gilt es bei Anstrengung eine Pressatmung zu vermeiden. Ausserdem sollte der Sportler darauf achten zwischen den Wiederholungen die Muskulatur möglichst vollständig zu entspannen.

Sanfte Übungen für Herzpatienten zum Muskelaufbau im Oberkörper sind zum Beispiel:

  • Kräftigung der Brustmuskulatur: Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und pressen Sie die Hände vor dem Brustkorb gegeneinander. Halten Sie die Spannung für einige Sekunden. Danach lockerlassen und entspannen. Mehrfach wiederholen.
  • Kräftigung der Schultern: Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und verhaken Sie die Hände vor dem Brustkorb. Die linke Hand zieht nach links, die rechte Hand nach rechts. Halten Sie den Zug einige Sekunden lang aufrecht, danach vollständig entspannen.
  • Kräftigung der Arme: Stellen Sie sich eine Armlänge vor eine Wand und legen Sie die Hände etwa auf Schulterhöhe an die Wand. Beugen Sie die Arme und vollführen Sie „Liegestützen“ im Stehen. Zehn bis 15 Wiederholungen. Die Intensität steigt, je weiter Sie sich von der Wand entfernen.

Die Beine trainieren Sie mit diesen Übungen besonders schonend:

  • Kräftigung der Abduktoren (Streckmuskeln): Setzen Sie sich aufrecht auf einem Stuhl, die Hände legen Sie auf die Aussenseite der Oberschenkel, möglichst nah am Knie. Drücken Sie nun mit den Händen aussen gegen die Beine, die Beine drücken gegen die Hände. Den Druck für einige Sekunden halten und danach entspannen.
  • Kräftigung der Adduktoren (Beugemuskeln): Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, die Hände liegen zwischen den Knie. Mit den Händen nun nach aussen drücken, die Beine arbeiten gegen die Hände. Die Spannung für einige Sekunden aufrecht halten und danach vollständig entspannen.

Achten Sie bei allen Kräftigungsübungen darauf, entspannt zu atmen.

Herzsportgruppen

Nach einem Herzinfarkt ist die Teilnahme an einer Herzsportgruppe empfehlenswert. Die Patienten trainieren gemeinsam mit anderen Betroffenen unter professioneller Aufsicht. Alle Übungen sind an die Bedürfnisse der Herz-Patienten angepasst.

In Herzsportgruppen wird häufig ein leichtes Zirkeltraining durchgeführt. Dabei absolvieren die Teilnehmer zum Beispiel acht verschiedene Stationen. Je nach gewählten Übungen fördert das Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination gleichzeitig. Auf eine Minute Belastung folgen 45 Sekunden Pause. Danach rotieren die Sportler zur nächsten Station. Je nach individueller Fitness gibt es einen oder zwei Durchgänge.

Auch verschiedene spielerische Ansätze werden in Herzsportgruppen durchgeführt. Zum Beispiel Badminton, Übungen mit dem Theraband oder Ballsport-Übungen werden in das Training integriert.

Herzinfarkt: Krankheitsverlauf und Prognose

Entscheidend für die Akutprognose nach einem akuten Herzinfarkt sind besonders zwei mögliche Komplikationen - Herzrhythmusstörungen (vor allem Kammerflimmern) und ein Pumpversagen des Herzmuskels (kardiogener Schock). An solchen Komplikationen können Patienten versterben.

Die Langzeitprognose nach einem akuten Herzinfarkt hängt unter anderem von den Antworten auf folgende Fragen ab:

  • Entwickelt der Patient eine Herzschwäche (siehe unten: Folgen)?
  • Lassen sich die Risikofaktoren für einen weiteren Herzinfarkt (Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte etc.) reduzieren oder ganz beseitigen?
  • Wie konsequent hält der Patient eine gesunde Lebensweise ein? Dazu zählen zum Beispiel regelmässige Bewegung, herzgesunde Ernährung, Rauchverzicht, der Abbau von Übergewicht und das Vermeiden von Stress und Anspannung.
  • Schreitet die Erkrankung der Herzkranzgefässe (Gefässverkalkung) fort?

Statistisch gesehen sterben fünf bis zehn Prozent der Herzinfarkt-Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus innerhalb der nächsten zwei Jahre am plötzlichen Herztod. Besonders gefährdet dafür sind Patienten über 75 Jahre.

Herzinfarkt: Nachbehandlung

Sehr wichtig für die Prognose bei einem Herzinfarkt ist die Nachbehandlung. Schon in den ersten Tagen nach dem Myokardinfarkt beginnen die Patienten mit Krankengymnastik und Atemübungen. Körperliche Aktivität bringt den Kreislauf wieder in Schwung und beugt weiteren Gefässverschlüssen vor.

Einige Wochen nach einem Herzinfarkt können die Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Training beginnen. Dies ist aber weit entfernt von Leistungssport! Empfehlenswerte Sportarten sind zum Beispiel Wandern, leichtes Jogging, Radfahren und Schwimmen. Betroffene sollten mit ihrem Arzt ein individuelles Trainingsprogramm besprechen. Sie können sich auch einer Herzsportgruppe anschliessen: Das gemeinsame Training mit anderen Herzpatienten kann viel Freude machen und zusätzlich motivieren.

Meist verbringen Herzinfarkt-Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus einige Zeit in einer Reha-Einrichtung. Dort lernen sie, ihr Leben so umzustellen, dass das Risiko für einen weiteren Herzinfarkt sinkt.

Wie oben erwähnt, sollten Risikofaktoren für einen (erneuten) Herzinfarkt wie Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Übergewicht oder Diabetes mellitus möglichst reduziert werden. Dazu gehört, dass die Patienten sich an die vom Arzt verordnete Therapie halten, also zum Beispiel die blutdrucksenkenden Medikamente gewissenhaft einnehmen. Ausserdem sind regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Arzt wichtig. So kann man eventuelle Probleme früh erkennen und rechtzeitig gegensteuern.

Herzinfarkt: Folgen

Für viele Betroffene hat ein Herzinfarkt Folgen, die das Leben verändern können. Dazu gehören zum einen kurzfristige Folgen wie Herzrhythmusstörungen. Sie können etwa in Form von Vorhofflimmern oder aber als lebensbedrohliches Kammerflimmern auftreten.

Auch langfristige Folgen sind nach einem Herzinfarkt möglich. Manche Patienten bekommen zum Beispiel eine Depression. Auch eine chronische Herzschwäche(Herzinsuffizienz) kann sich entwickeln: Das durch den Infarkt abgestorbene Herzmuskelgewebe wird dabei durch Narbengewebe ersetzt, das die Herzfunktion beeinträchtigt.

Eine Reha-Behandlung und eine gesunde Lebensweise helfen, solchen Komplikationen und Folgen eines Herzinfarkts vorzubeugen. Mehr darüber lesen Sie im Beitrag Herzinfarkt – Folgen.

Herzinfarkt: Vorbeugung

Sie können einem Herzinfarkt vorbeugen, indem Sie die Risikofaktoren für Gefässverkalkung (Arteriosklerose) so weit wie möglich reduzieren. Das bedeutet:

  • Nicht rauchen: Wer auf Zigaretten & Co. verzichtet, kann sein Herzinfarkt-Risiko deutlich senken. Gleichzeitig verringert sich auch die Gefahr für andere Folgeerkrankungen wie Schlaganfall.
  • Gesunde Ernährung: Als herzgesunde Ernährung gilt etwa die mediterrane Kost. Sie besteht aus viel frischem Obst und Gemüse und wenig Fett. Dabei werden anstelle von tierischen Fetten (Butter, Sahne etc.) bevorzugt pflanzliche Fette und Öle verwendet (Oliven-, Raps-, Leinöl etc.).
  • Übergewicht abbauen: Schon einige Pfunde weniger wirken sich positiv auf Ihre Gesundheit aus. Mit einem gesunden Körpergewicht lässt sich Herzinfarkt und anderen Erkrankungen (Schlaganfall etc.) vorbeugen.
  • Viel Bewegung: Seien Sie regelmässig körperlich aktiv. Dabei geht es nicht um Hochleistungssport: Bereits ein täglicher halbstündiger Spaziergang ist besser als gar kein Sport und senkt das Herzinfarkt-Risiko. Auch Bewegung im Alltag (wie Treppensteigen, Einkauf mit dem Rad etc.) trägt dazu bei.
  • Risiko-Erkrankungen behandeln: Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhter Cholesterinspiegel sollten optimal behandelt werden. Dazu gehört nicht nur die regelmässig Anwendung der verschriebenen Medikamente. Mit einer gesunden Lebensweise (Bewegung, gesunde Ernährung etc.) kann jeder Patient auch selbst viel zum Therapie-Erfolg beitragen.
  • Stress vermeiden: Versuchen Sie, anhaltenden Stress im Beruf und Privatleben so gut wie möglich zu vermeiden. So können Sie das Risiko für einen Herzinfarkt nachweislich senken.

Weiterführende Informationen:

Buchempfehlungen:

  • Neustart: Ein Herzinfarkt kann das Ende sein - oder der Anfang (Oliver Gaw, 2016, adeo)
  • Trauma Herzinfarkt: Die psychische Bewältigung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (Mag Alexander Urtz, Dr. Sebastian Globits, 2017)

Leitlinien:

Selbsthilfegruppen:

Schweizerische Herzstiftung

www.swissheart.ch

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Prof. Dr. med. Michael Böhm
Autoren:
Pascale Huber
Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
I22I21I23
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Baenkler, H.-W. et al.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2009
  • Berrisch-Rahmel, S., Rost, C., Stumpf, C.: Sportherz und Herzsport. Empfehlungen für die sportkardiologische Praxis, Georg Thieme Verlag, 2020
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: "Herzinfarkt", unter: www.internisten-im-netz.de (Abruf: 09.10.2019)
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.: "Kommentar zu den 2015-Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zum Management des akuten Koronarsyndroms ohne ST-Hebungen (NSTE-ACS)", in: Kardiologe 2016, 10: 351–358
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.: "Kommentar zu den Leitlinien 2017 der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zur Therapie des akuten Herzinfarktes bei Patienten mit ST-Streckenhebung", in: Kardiologe 2018, 12: 145–149
  • Deutsche Herzstiftung e.V.: www.herzstiftung.de (Abruf: 09.10.2019)
  • Deutsche Herzstiftung: Vorhofflimmern: Sport und Ausdauertraining schützen vor lästigen Anfällen; Pressemitteilung vom 12.03.2020, unter www.herzstiftung.de; Abruf am 12.04.2021
  • European Society of Cardiology (ESC): "2015 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes in patients presenting without persistent ST-segment elevation", in: European Heart Journal, Volume 37, Issue 3, 14 January 2016, Pages 267–315
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  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag, 2013
  • Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie unter Beteiligung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie: Akutes Koronarsyndrom ohne ST-Strecken-Hebung, Version 2020 (Letztes Abrufdatum: 08.11.2021)
  • Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie unter Beteiligung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie: Therapie des akuten Herzinfarkts bei Patienten mit ST-Streckenhebung (STEMI), Version 2017 (Letztes Abrufdatum: 08.11.2021)
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: "Herzinfarkt & Angina pectoris", unter: www.gesundheit.gv.at (Abruf: 09.10.2019)
  • Piper, W.: Innere Medizin, Springer Verlag, 2007
  • Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.: "Akutes Koronarsyndrom ohne ST-Hebung (NSTE-ACS)", Version 2015
  • Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.: "Therapie des akuten Herzinfarktes bei Patienten mit ST-Streckenhebung (STEMI)", Version 2017
  • Raschka, Vogel, Edel, Möller: Herzsport. Erfolgreiche Bewegungsprogramme in Theorie und Praxis, 2. Auflage, Limpert Verlag, 2020
  • Schweizerische Eidgenossenschaft: Herz- und Kreislauf-Erkrankungen (2018), unter: www.bfs.admin.ch (Letztes Abrufdatum: 08.11.2021)
  • Statistik Austria: Österreichische Todesursachenstatistik 2020, unter: www.statistik.at (Letztes Abrufdatum: 08.11.2021)
  • Trappe, H.-J.: Neues aus Kardiologie und Rhythmologie, Steinkopff Verlag, 2009
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