Schock

Von , Arzt
und , Notfallsanitäter und Dozent im Rettungsdienst
und , Medizinjournalistin
Aktualisiert am
Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

Andreas Fromm

Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Der medizinische Schock ist eine schwere Kreislaufstörung, die durch eine mangelhafte Sauerstoffversorgung gekennzeichnet ist: Das Sauerstoffangebot kann den Sauerstoffbedarf nicht decken. Dann werden nur noch die lebenswichtigen Organe ausreichend mit Blut und damit Sauerstoff versorgt – auf Kosten der Peripherie (Gliedmassen). Verschärft sich der Sauerstoffmangel weiter, erhalten schliesslich auch die Organe nicht mehr ausreichend Sauerstoff – es besteht Lebensgefahr! Lesen Sie hier alles Wichtige über Schock!

Schock

Kurzübersicht

  • Was ist ein Schock? Eine lebensgefährliche Kreislaufstörung, bei der nicht mehr ausreichend Sauerstoff in alle Körperregionen gelangt. In den Organen entsteht ein Missverhältnis zwischen Bedarf und Angebot an Sauerstoff, wodurch sie letztlich versagen.
  • Arten von Schock: Je nach Auslöser unterscheidet man hypovolämischen, kardiogenen, obstruktiven und distributiven Schock. Unter letztere Schockform fallen der neurogene, der anaphylaktische oder der septische Schock.
  • Ursachen: bei hypovolämischem Schock z.B. starker Blutverlust, Flüssigkeitsmangel (z.B. bei starkem Durchfall); bei kardiogenem Schock z.B. Herzinfarkt, Kammerflimmern; bei obstruktivem Schock bspw. akute Erkrankungen der Lunge oder der Verschluss grosser Gefässe; bei anaphylaktischem Schock Allergene wie Insektengift; ein septischer Schock beruht auf Infektionen, der neurogene Schock bspw. auf Hirnblutungen oder einem Schlaganfall
  • Symptome: Unruhe, Angst, Blässe, Zittern, Frieren, Schüttelfrost, Kaltschweissigkeit. Bei manchen Schockformen: warme, gerötete Haut. Bei fortgeschrittenem Schock: Apathie, Bewusstlosigkeit.
  • Erste-Hilfe-Massnahmen: Sofort den Rettungsdienst rufen (akute Lebensgefahr!). Bis dieser eintrifft: Schocklage mit hoch gelagerten Beinen (ausser bei kardiogenem Schock oder Verletzungen am bzw. im Oberkörper und Kopf: hier Oberkörper höher lagern), Patienten beruhigen und zudecken, Bewusstsein, Atmung und Puls prüfen, ggf. stabile Seitenlage, Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung.
  • Behandlung: Nach den Sofortmassnahmen weitere Behandlung je nach Schock-Art, z.B. Medikamente oder Infusionen zur Steigerung des Blutvolumens, Blutkonserven, Schmerzmittel, Sauerstoffzufuhr, Medikamente zur Steigerung der Kontraktionskraft des Herzens, Antiallergika, Antibiotika.

Schock: Beschreibung

Bei einem Schock ist der Blutkreislauf im Körper meist plötzlich massiv gestört. Dadurch mangelt es etwa den Organen an Sauerstoff, der über das Blut dorthin transportiert wird. Dieses Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot ist lebensbedrohlich. Es schädigt die Organe und stört wichtige Stoffwechselvorgänge.

Der Schock - ein Teufelskreis

Im Rahmen eines Schocks startet der Körper eine Art Notfallprogramm, die sogenannte "Zentralisation": Die Gefässe in der Körperperipherie, also in Armen und Beinen, verengen sich, so dass dort weniger Blut zirkulieren kann. Das Blutvolumen verlagert sich folglich in die Körpermitte. Dadurch steht mehr Blut für die inneren Organe und das Gehirn zur Verfügung.

Die Zentralisation scheint also durchaus sinnvoll – allerdings nur auf den ersten Blick! Denn in der gering durchbluteten, sauerstoffarmen Körperperipherie verändert sich der Stoffwechsel, wobei saure Stoffwechselprodukte entstehen.

Diese bewirken, dass die Arteriolen (kleine Gefässe, die das Gewebe durchbluten und mit Sauerstoff versorgen) sich weiten. Ihre Gegenstücke, die Venolen, weiten sich dagegen nicht. Deshalb können sie das "verbrauchte" Blut aus dem Gewebe nicht wieder vollständig abführen – es kommt zu einem Blutstau (Mikrozirkulationsstörung). Darin bilden sich kleine Blutgerinnsel (Mikrothromben).

Ausserdem strömt vermehrt Flüssigkeit aus den kleinsten Gefässen (Kapillaren, die zwischen den Arteriolen und Venolen liegen) in das Gewebe. So sinkt das zirkulierende Blutvolumen weiter, und das Gewebe wird noch schlechter mit Sauerstoff versorgt – ein Teufelskreis, den Mediziner als Schockspirale bezeichnen.

Unbehandelt dreht sich diese Spirale immer weiter, mit zunehmend fatalen Folgen. So kann die Bildung von Mikrothromben im Extremfall wichtige Stoffe im Blut verbrauchen, die für die Blutgerinnung zuständig sind (Verbrauchskoagulopathie). Das kann zu Blutungen im Körper führen. Mit der Zeit werden schliesslich auch lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend mit Blut bzw. Sauerstoff versorgt. Dann bricht der Kreislauf zusammen – es kommt zu einem multiplen Organversagen.

Nur wenige Menschen überleben ein multiples Organversagen. Deshalb ist es wichtig, bei einem Schock so früh wie möglich einzugreifen.

Je nach auslösender Ursache, unterscheidet man verschiedene Arten des Schocks:

Hypovolämischer Schock

Ausgelöst wird der hypovolämische oder Volumenmangel-Schock durch starken Flüssigkeitsverlust, etwa nach heftigen inneren oder äusseren Blutungen (hämorrhagischer Schock), starkem Durchfall oder Erbrechen. Man unterscheidet drei Stadien:

  • Stadium 1: Der Blutdruck ist normal, die Haut zeigt sich blass und feucht-kühl.
  • Stadium 2: Der Blutdruck sinkt (unter 100 mmHg systolisch), der Puls steigt auf mehr als 100 Schläge pro Minute.
  • Stadium 3: Der Blutdruck fällt weiter (unter 60 mmHg), der Puls wird immer flacher und ist kaum noch tastbar. Hinzu kommen Bewusstseinsstörungen, Harnverhalt und eine flache, schnelle Atmung.

Kardiogener Schock

Der kardiogene Schock hat seinen Ursprung im Herzen. Ist dieses etwa infolge eines Infarkts geschädigt, fehlt ihm die Kraft, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen. Dann setzt nach einiger Zeit die Schockspirale ein.

Obstruktiver Schock

Sind das Herz selbst oder grosse Blutgefässe zusammengedrückt, verlegt oder verstopft, beeinträchtigt das die Herzarbeit und den Kreislauf. Es droht ein sogenannter obstruktiver Schock (Obstruktion beschreibt den besagten Verschluss oder die Einengung).

Der obstruktive Schock zählte früher zum kardiogenen und ist in seinem Erscheinungsbild kaum davon zu unterscheiden. Allerdings behandeln Ärzte hier grundlegend anders, so dass er mittlerweile als eigene Schockform gilt.

Distributiver Schock

Bei einem distributiven Schock ist die Blutverteilung gestört. Durch krankhafte Prozesse weiten sich die Gefässe oder können sich nicht mehr verengen. Das Blutvolumen verschiebt sich dadurch und Flüssigkeit tritt meist aus den Gefässen ins umliegende Gewebe aus. Infolgedessen mangelt es innerhalb des Gefässsystems und folglich in wichtigen Körperregionen an Blut und damit an Sauerstoff.

Der distributiven Schock unterteilt sich in drei Gruppen: den anaphylaktischen Schock, den neurogenen Schock und den septischen Schock.

Anaphylaktischer Schock

Hierbei ist der Schock auf eine extrem übersteigerte allergische Reaktion des Immunsystems zurückzuführen: Bei einer Allergie interpretiert das Immunsystem bestimmte Stoffe (Allergene) etwa in Nahrungsmitteln, Medikamenten oder Insektengift fälschlicherweise als gefährlich. Beim Kontakt mit diesen Stoffen setzt es daher Botenstoffe frei, welche die Blutgefässe erweitern und Flüssigkeit aus den Kapillaren austreten lassen. Dadurch sinkt das Blutvolumen, und die Schockspirale beginnt sich zu drehen.

Septischer Schock

Auslöser des septischen Schocks ist eine lokale oder den gesamten Körper betreffende Infektion. Wie beim anaphylaktischen Schock werden auch hier Botenstoffe (Mediatoren) ausgeschüttet, die die Blutgefässe weiten und Flüssigkeit ins Gewebe austreten lassen. Eine Sonderform des septischen Schocks ist das toxische Schocksyndrom (TSS): Hier reagiert das Immunsystem auf Giftstoffe, die von eingedrungenen Bakterien produziert werden.

Neurogener Schock

Hierbei fällt ein Teil des Nervensystems aus, sodass sich die Blutgefässe nicht mehr verengen können und der Kreislauf zusammenbricht. Dabei kann auch unkontrolliert Flüssigkeit austreten.

Sonderfall Hypoglykämischer Schock

Sinkt die Zuckerkonzentration im Blut unter eine kritische Grenze (etwa 50 mg/dl), kommt es zu plötzlicher Bewusstlosigkeit, weil das Gehirn nicht mehr ausreichend mit dem Energielieferanten versorgt wird.

Um einen klassischen Schock handelt es sich dabei nicht. Die Bewusstlosigkeit durch eine schwere Unterzuckerung (Hypoglykämie) erscheint zwar wie ein solcher. Allerdings ist der Zustand nicht auf einen Sauerstoffmangel im Rahmen eines gestörten Kreislaufs zurückzuführen.

Schock: Symptome

Wichtige Anzeichen für einen Schock sind etwa:

  • Hautveränderungen: blasse, kaltschweissige Haut bei hypovolämischem und kardiogenem Schock; gerötete, heisse Haut bei septischem Schock; blasse, warme, trockene Haut bei neurogenem Schock; allergische Hautsymptome bei anaphylaktischem Schock (Rötung, Überwärmung, Juckreiz, evtl. Schwellung)
  • Blutdruckabfall
  • Herzrasen (Tachykardie), Ausnahme: Bei neurogenem Schock sowie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen ist der Herzschlag deutlich verlangsamt (Bradykardie).
  • kaum tastbarer Puls
  • beschleunigte Atmung, subjektiv erschwerte Atmung
  • Unruhe, Nervosität, Angst, Zittern
  • Bewusstseinsstörungen bei fortgeschrittenem Schock, z.B. Teilnahmslosigkeit (Apathie), Bewusstlosigkeit

Bei Kindern ist unerklärliches Herzrasen oft das früheste Schocksymptom. Blutdruckabfall und Atemstörungen treten dagegen meist erst später auf.

Schock: Ursachen

Je nach Schock-Typ kommen unterschiedliche Ursachen in Frage. Wichtig: Diese Ursachen münden nicht in jedem Fall in einen Schock!

Ursachen von hypovolämischem Schock

Ein hypovolämischer Schock beruht auf einem starken Blutverlust aus den Gefässen. Mögliche Auslöser sind:

  • starke Blutungen, z.B. nach Verletzungen von Gefässen oder Organen, bei Knochenbrüchen, Operationen oder einer Geburt (starke Nachblutungen), bei verminderter Blutgerinnung durch Krankheiten (Bluterkrankheit) oder blutverdünnende Medikamente (zum Beispiel Cumarine, Heparin)
  • Flüssigkeitsdefizit, etwa durch länger anhaltendes Erbrechen oder starken Durchfall. Auch wenn man dauerhaft zu wenig trinkt, kann sich das Blutvolumen gefährlich verringern.

Ursachen von kardiogenem Schock

Ist das Herz zu schwach ist, um genügend Blut in den Kreislauf zu pumpen, kann daraus ein kardiogener Schock resultieren. Gründe für die unzureichende Herzleistung sind zum Beispiel:

  • Kontraktionsschwäche des Herzens, etwa durch einen Herzinfarkt, eine Herzmuskelentzündung oder Fehlentwicklungen des Herzmuskels. Das Herz kann sich dann nicht richtig zusammenziehen und deshalb nicht genügend Druck in den Blutgefässen erzeugen.
  • Überangebot an Blut, etwa wenn eine Herzklappe nicht richtig schliesst. Während der Füllphase strömt dann Blut aus der Aorta oder der Lunge in die entsprechende Herzkammer zurück und füllt diese übermässig.
  • Herzklappenverengung (wie Aortenklappenstenose): Hier muss das Herz gegen einen erhöhten Widerstand pumpen. Die starke Druckbelastung schädigt den Herzmuskel, zugleich gelangt durch den geringeren Durchmesser der Klappenöffnung weniger Blut in die Gefässe.

Ursachen von obstruktivem Schock

Verengte oder verstopfte grosse Blutgefässe stören den Kreislauf und behindern die Herzfunktion. Auch das Herz selbst kann von einer solchen Obstruktion betroffen sein. Ursachen dieser Schockform sind unter anderem:

  • Verletzungen oder Erkrankungen der Lunge, die den venösen Rückfluss zum Herzen behindern, etwa bei einem Pneumothorax. Bei einer Lungenembolie wiederum kann sich das Blut ins Herz zurückstauen und es dadurch belasten.
  • Einengung des Herzens durch einen Erguss oder eine Blutung (Herzbeuteltamponade) im Herzbeutel (Perikard). Dieser kann sich auch entzündungsbedingt verengen (konstriktive Perikarditis). Dann können sich die Herzkammern nicht mehr ausreichend füllen, was die Pumpleistung des Herzens verringert.
  • Einengung von Gefässen, etwa durch Tumore, aber auch durch Schwangerschaft (z.B. Vena-cava-Syndrom).
  • Einblutungen in die Wand der Hauptschlagader spalten diese entsprechend auf (Aortendissektion). Das engt nicht nur die Schlagader ein, sondern blockiert auch den Blutfluss in abgehende Gefässe, die zu wichtigen Organen führen.
  • Ausgeprägte Arteriosklerose der grossen Gefässe, mit nachfolgendem Gefässverschluss, etwa dort, wo sich die Hauptschlagader in die zwei Beckenschlagadern aufteilt (Aortenbifurkations-/Leriche-Syndrom).

Ursachen von allergischem Schock

Schuld am allergischen (anaphylaktischen) Schock ist eine überschiessende Reaktion des Immunsystems. Die Auslöser sind individuelle Allergene, also Stoffe, auf die der Betroffene allergische reagiert, zum Beispiel:

  • Insektengift (Bienen- oder Wespengift)
  • Nahrungsmittel wie Nüsse, Steinobst oder Erdbeeren
  • Medikamente, z.B. Schmerzmittel, Narkosemittel oder Antibiotika (vor allem Penicilline)

Ursachen von septischem Schock

Ein septischer Schock wird von einer Infektion (z.B. durch Bakterien oder Pilze) verursacht. Diese kann lokal begrenzt sein oder den gesamten Körper betreffen. Folgende Faktoren können einen septischen Schock verursachen:

  • Entzündungen: Bauchfellentzündung (Peritonitis), Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Gallenblasenentzündung (Cholezystitis), Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) oder Lungenentzündung (Pneumonie).
  • Katheter (Venenkatheter, Urinkatheter etc.): Über sie können Erreger in den Körper gelangen und eine Sepsis verursachen, im schlimmsten Fall mit Schockfolge.
  • schwere, grossflächige Verbrennungen: Die Wunden können sich infizieren bis hin zum septischen Schock.
  • geschwächtes Immunsystem: Es begünstigt einen septischen Schock.

Besonders gefährlich ist ein septischer Schock,

  • der von Meningokokken (Erreger der Hirnhautentzündung) verursacht wird,
  • der im Rahmen eines Waterhouse-Friderichsen-Syndroms (akutes Versagen der Nebennieren) entsteht oder
  • der bei Menschen auftritt, deren Milz entfernt wurde.

Ursachen von neurogenem Schock

Bei einem neurogenen Schock sind jene Teile des Nervensystems gestört, die den Kreislauf regeln (Steuerung von Herzarbeit und Gefässmuskulatur). Ursächliche Krankheiten sind unter anderem:

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Hirnblutungen
  • Schlaganfall
  • Rückenmarksverletzungen

Erste Hilfe bei Schock

Bei Verdacht auf einen Schock rufen Sie umgehend den Rettungsdienst! Bis dieser eintrifft, sollten Sie unbedingt Erste Hilfe leisten:

  • Ist der Betroffene (Erwachsener oder Kind) bei Bewusstsein, bringen Sie ihn in Schocklage. Dafür legen Sie ihn flach hin, lagern die Beine aber höher als den Oberkörper. So kann das Blut leichter zum Herzen fliessen. Legen Sie dazu zum Beispiel eine Tasche unter die Knie des Betroffenen.

Bei Verdacht auf einen kardiogenen Schock muss dagegen der Oberkörper höher gelagert werden, damit das Herz nicht zusätzlich belastet wird. Auch bei Verletzungen im Oberkörper- und Kopfbereich ist die Schocklage ungünstig (verstärkte Durchblutung verschlechtert dann die Situation).

  • Vermeiden Sie jede zusätzliche Aufregung für den Betroffenen. Schirmen Sie ihn, wenn nötig und möglich, etwas ab.
  • Beruhigen Sie den Betroffenen.
  • Halten Sie den Patienten mit einer Wärmedecke oder -folie warm, um zu verhindern, dass er schockbedingt auskühlt.
  • Stillen Sie vorhandene Blutungen, um weiteren Blutverlust zu vermeiden.
  • Prüfen Sie das Bewusstsein des Betroffenen: Sprechen Sie ihn an und rütteln Sie behutsam an seiner Schulter.
  • Wenn der Patient nicht reagiert, überprüfen Sie Atmung und Puls. Legen Sie Ihr Ohr über Mund und Nase des Patienten und achten Sie auf Atemgeräusche. Wenn er selbstständig atmet, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Wenn er nicht oder unzureichend atmet, beginnen Sie mit der Reanimation.
  • Bleiben Sie unbedingt bei dem Betroffenen und kontrollieren Sie regelmässig Atmung und Puls, bis der Notarzt eintrifft und den Schock behandelt.

Eine Person unter Schock sollte nichts essen, trinken und auch nicht rauchen. Halten Sie den Betroffenen davon ab, wenn Sie einen Schock vermuten!

Schock: Diagnose und Behandlung

Zunächst gilt es, einen Schock als solchen zu erkennen. Dafür ist es wichtig, den (Not-)Arzt über vorausgegangene, relevante Ereignisse zu informieren: Hat der Betroffene beispielsweise kurz vorher etwas Spezielles gegessen, wurde er von einem Insekt gestochen oder ist eine Herzerkrankung bekannt? Gab es einen Unfall, eine Operation oder einen Infekt in jüngerer Vergangenheit? Dies sind wichtige Fragen, die dem Arzt bei der Diagnose helfen können. Weitere Hinweise liefern die typischen Schock-Symptome (siehe oben).

Darüber hinaus lässt sich ein Schock anhand verschiedener Anzeichen rasch erkennen:

  • Schockindex: Er ist ein wichtiger Indikator. Dabei wird die Pulsfrequenz durch den systolischen Blutdruckwert (der erste Wert beim Blutdruckmessen) geteilt. Ist das Ergebnis grösser als 1 (übersteigt der Pulswert also den des Blutdrucks), weist dies auf einen Schock hin. In der frühen Phase eines Schocks kann der Wert jedoch noch unter 1 liegen.
  • Fingernagelprobe: Dabei drückt man einen Fingernagel, bis das darunter liegende Nagelbett blutleer und weiss ist. Kurz nach dem Loslassen sollte sich das Nagelbett wieder rot färben. Dauert dies länger als eine Sekunde, deutet das auf eine gestörte periphere Durchblutung und damit auf einen Schock hin.
  • Eingefallene Halsvenen (Jugularvenen) und Zungenboden-Venen sind typische Anzeichen für einen hypovolämischen Schock.

Ausserdem werden folgende Untersuchungen bei Verdacht auf Schock durchgeführt:

  • Elektrokardiografie (EKG)
  • Messung des zentralen Venendrucks
  • Messung der produzierten Urinmenge (Diurese)
  • Bestimmung verschiedener Blutwerte (wie Sauerstoffsättigung)

Schock-Therapie

Nach den oben beschriebenen Erste-Hilfe-Massnahmen leitet der behandelnde Arzt je nach Ursache des Schocks eine geeignete Behandlung ein. Ein paar Beispiele:

  • Hypovolämischer Schock: Hier muss insbesondere das verlorene Blutvolumen ersetzt werden. Dies geschieht mithilfe sogenannter isotoner Kristalline (Kochsalz oder Glukose) sowie mit kolloidalen Infusionslösungen, also blutvolumensteigernde Lösungen mit Makromolekülen wie Kohlenhydraten (Hydroxyethylstärke, Dextrane) oder Proteinen (Gelatine oder humanes Albumin). Bei Bedarf erhält der Patient auch Blutkonserven.
  • Kardiogener Schock: Er wird bei Bedarf mit Schmerzmitteln und Medikamenten, die die Kontraktionskraft des Herzens steigern (Dobutamin), behandelt. Zudem wird Sauerstoff zugeführt, um die Versorgung von Gewebe und Herzmuskel zu verbessern. Bei einem Herzinfarkt werden die Ärzte versuchen, das verstopfte Herzkranzgefäss wieder durchgängig zu machen.
  • Anaphylaktischer Schock: Der Patient erhält Medikamente gegen die überschiessende Reaktion des Immunsystems (Glucocorticoide, Antihistaminika). Hinzu kommen Wirkstoffe, die die weit gestellten Blutgefässe verengen (Adrenalin) und die verkrampften Bronchien erweitern (Beta-2-Mimetika). Auch hier kann zudem ein Volumenersatz nötig sein.
  • Septischer Schock: Die auslösenden Erreger werden mit geeigneten Medikamenten bekämpft (z.B. Antibiotika gegen Bakterien). Zudem brauchen die Patienten oft Volumenersatz und gegebenenfalls gefässverengende Medikamente, um den Schock zu überwinden.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V.: Erste Hilfe. Alle wichtigen Schritte und Maßnahmen verständlich zusammengefasst, 21. überarbeitete Auflage, 2020, unter www.asb.de (Abrufdatum: 02.12.2021)
  • Braun, J. et al.: Basislehrbuch Innere Medizin, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 6. Auflage, 2017
  • Deutsches Rotes Kreuz: Schockzustand, unter: www.drk.de (Abrufdatum: 02.12.2021)
  • Herold, G.: Innere Medizin, Eigenverlag, 2019
  • Ploier, R.: Differenzialdiagnosen in der Kinder- und Jugendmedizin, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Pschyrembel Online - Klinisches Wörterbuch: Schock, unter: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 02.12.2021)
  • Standl, T. et al.: Nomenklatur, Definition und Differenzierung der Schockformen, in: Deutsches Ärzteblatt Int 2018; 115: 757-68; doi: 10.3238/arztebl.2018.0757
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin, Springer Verlag, 7. Auflage, 2017
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