Nierenbeckenentzündung

Von Simon Korn
und , Wissenschaftsjournalistin
Aktualisiert am
Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

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Eine Nierenbeckenentzündung oder Pyelonephritis ist die meist bakterielle Infektion des Nierenbeckens. Sie ist die Folge einer aufsteigenden Infektion: Die Erreger wandern über Harnröhre, Blase und Harnleiter bis zum Nierenbecken hinauf. Erfahren Sie hier, welche Symptome eine Nierenbeckenentzündung verursacht, wie lange sie dauert und wie man sie behandelt.

nierenbeckenentzündung

Kurzübersicht

  • Symptome: Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen und/oder Übelkeit/Erbrechen, bei chronischer Form auch untypische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Rückenschmerzen und Appetitlosigkeit
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Bei rechtzeitiger Behandlung heilt sie meist gut aus, Behandlungsdauer bei unkompliziertem Verlauf etwa ein bis zwei Wochen, die chronische Form verläuft teils ungünstiger, unbehandelt führt die Pyelonephritis manchmal zu Nierenschwäche oder -versagen
  • Ursachen: Meistens Bakterien, seltener andere Erreger wie Pilze, Viren; Risikofaktoren unter anderem: Harnabflussstörungen, Infekte der Harnwege, Schwangerschaft, Diabetes, Blasenkatheter
  • Diagnose: Erhebung der Krankengeschichte, körperliche Untersuchung mit Abklopfen der Nierengegend, Blutdruckmessung, Blutuntersuchung auf Entzündungswerte, Urinuntersuchung auf Erreger und Entzündungszeichen, manchmal Ultraschall oder Computertomografie
  • Behandlung: Antibiotika, bei Bedarf: fiebersenkende, schmerzlindernde oder krampflösende Mittel, Behandlung der Auslöser und Risikofaktoren, allgemeine Massnahmen: Bettruhe, viel Trinken
  • Vorbeugen: Ausreichende Trinkmenge, regelmässiges Wasserlassen, angemessene Intimhygiene (bei Frauen Wischrichtung beachten), gesunde Lebensweise

Was ist eine Nierenbeckenentzündung?

Eine Nierenbeckenentzündung, auch als Pyelonephritis bezeichnet, ist eine bestimmte Form der Nierenentzündung. Hier ist das Nierenbecken, ein trichterförmiger Hohlraum im Inneren der Niere, entzündet. Im Nierenbecken sammelt sich der aus den Nierenkanälchen kommende Urin, bevor er über den Harnleiter in die Blase gelangt.

Eine Entzündung des Nierenbeckens entsteht in den meisten Fällen, wenn bakterielle Erreger von der entzündeten Blase über die Harnleiter bis hoch ins Nierenbecken aufsteigen. Diese Form der Nierenentzündung zählt zu den oberen Harnwegsinfekten und ist die häufigste Nierenerkrankung.

Da Frauen eine kürzere Harnröhre haben als Männer, erkranken sie zwei- bis dreimal häufiger an einer Pyelonephritis. Am häufigsten sind Personen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren betroffen. Eine akute Nierenbeckenentzündung tritt meist plötzlich auf. Sie geht typischerweise mit heftigem Flankenschmerz und Fieber einher.

Die chronische Form verläuft oft schubweise oder schleichend, hier stehen als Ursache häufig Störungen beim Harnabfluss wie eine vergrösserte Prostata im Vordergrund. Die Betroffenen sind müde und wenig leistungsfähig und haben oft keinen Appetit. Unbehandelt ist es möglich, dass die chronische Pyelonephritis die Nieren bis hin zum Versagen schädigt.

Was sind die Symptome?

Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verläuft akut oder chronisch. In der Regel ist nur eine Niere von der Entzündung betroffen.

Akute Nierenbeckenentzündung: Symptome

Bei der akuten Nierenbeckenentzündung treten in der Regel ganz plötzlich heftige Beschwerden auf. Dazu zählen:

  • Hohes Fieber über 38 Grad Celsius, oft verbunden mit Schüttelfrost
  • Allgemeines Krankheitsgefühl und Durstgefühl
  • Heftige Flankenschmerzen, also seitliche Rückenschmerzen im Bereich der betroffenen Niere, teilweise strahlen die Schmerzen bis in das Becken aus
  • Häufiges Wasserlassen mit kleinen Urinmengen (Pollakisurie) und/oder Probleme oder Schmerzen beim Urinieren (Dysurie)
  • Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall
  • Manchmal Blut im Urin

Besonders bei Kindern und älteren Menschen zeigen sich oft unspezifische Beschwerden. Neugeborene und Säuglinge sind schläfrig und blass, atmen schneller (Tachypnoe) und haben selten Fieber. Bei älteren Menschen tritt hingegen meist nur Fieber als Symptom auf.

Komplizierte Nierenbeckenentzündung

Bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Infektionen mit sogenannten "Krankenhauskeimen" treten im Krankheitsverlauf oft starke Entzündungszeichen auf, die den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen.

Manchmal entsteht aus einer akuten Nierenbeckenentzündung ein Nierenabszess (abgekapselte Eiteransammlung) oder es sammelt sich Eiter in den Hohlräumen der Niere (Pyonephrose). Treten diese Komplikationen auf, sprechen Ärzte von einer komplizierten Pyelonephritis.

Insgesamt sind Männer sowie Schwangere und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem anfälliger für eine komplizierte Pyelonephritis.

Chronische Nierenbeckenentzündung: Symptome

Bleibt eine akute Nierenbeckenentzündung unbehandelt oder tritt sie wiederholt auf, besteht die Möglichkeit, dass sie sich zu einer chronischen Pyelonephritis entwickelt. Diese Form schädigt die Niere langsam und kontinuierlich, das Gewebe vernarbt über Jahre hinweg. Meist zeigen sich lange Zeit keinerlei Beschwerden ("stummer" Verlauf).

Manchmal kommt es auch bei der chronischen Nierenbeckenentzündung zu Symptomen. Diese sind häufig jedoch wenig spezifisch, wie:

Normalerweise verläuft eine chronische Nierenbeckenentzündung ohne Fieber (höchstens leicht erhöhte Körpertemperatur). In manchen Fällen kommt es allerdings immer wieder zu Krankheitsschüben. Diese gehen mit Fieber und anderen Symptomen einher, wie sie auch bei der akuten Nierenbeckenentzündung auftreten.

Da die Nieren an der Blutbildung beteiligt sind, führt eine chronische Nierenbeckenentzündung mitunter zu Blutarmut (Anämie). Zudem entwickeln manche Betroffene einen Bluthochdruck, weil die erkrankte Niere weniger Flüssigkeit ausscheidet.

Über die Zeit verändert sich auch das Nierengewebe. Die chronische Entzündung führt unter Umständen dazu, dass aus funktionsfähigem Nierengewebe allmählich funktionsloses Narbengewebe entsteht. Dadurch arbeitet die betroffene Niere nicht mehr richtig – wodurch das Risiko für eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) oder für ein chronisches Nierenversagen besteht.

Wie lange dauert eine Nierenbeckenentzündung?

Wie lange eine Pyelonephritis dauert und wie sie verläuft, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Unter anderem davon, ob es sich um die akute oder chronische Form der Nierenbeckenentzündung handelt und ob es Komplikationen gibt.

Erfolgt bei einer akuten Nierenbeckenentzündung eine frühzeitige Behandlung, ist die Prognose im Allgemeinen gut. Sie heilt dann folgenlos aus. Die Behandlungsdauer einer unkomplizierten Nierenbeckenentzündung beträgt in etwa fünf bis zehn Tage. Bei einer komplizierten Pyelonephritis dauert es länger, bis die Entzündung abheilt. Hier umfasst der Zeitraum unter Umständen bis zu sechs Wochen.

Der Arzt prüft den Behandlungserfolg meist anhand einer Urinuntersuchung etwa zwei Wochen nach Therapieende. Sind dann keine Erreger mehr nachweisbar, gilt die Entzündung als ausgeheilt.

Eine chronische Nierenbeckenentzündung hat eine ungünstigere Prognose. In manchen Fällen heilt eine chronische Pyelonephritis nicht vollständig aus. Die wiederkehrenden Entzündungsschübe behandelt der Arzt in der Regel mit Antibiotika, um schwerwiegendere Komplikationen zu vermeiden. Auch verengte Harnwege sind ein Risikofaktor für chronische Verläufe. Eine regelmässige ärztliche Kontrolle ist hier notwendig.

Unbehandelt schädigen beide Formen der Nierenbeckenentzündung die Niere stark. Letztendlich ist es möglich, dass es insbesondere ohne Therapie zu einem kompletten Nierenversagen (Niereninsuffizienz) kommt.

Auch die mögliche Komplikation einer abgekapselten Eiteransammlung im Gewebe (Nierenabszess)hat unter Umständen schwerwiegende Folgen. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, dass eine schnelle Behandlung erfolgt.

Zudem besteht bei einer Nierenbeckenentzündung das Risiko einer sogenannten Urosepsis. Ärzte definieren dies als eine vom Harntrakt ausgehende "Blutvergiftung" (Sepsis). Die Erreger breiten sich von der Niere über die Blutbahn im ganzen Körper aus. Kommt es zu einer Urosepsis, ist dies unter Umständen lebensgefährlich und ist zwingend im Krankenhaus zu behandeln.

Vor allem bei Säuglingen unter einem Jahr ist das Risiko für eine Urosepsis bei einer Nierenbeckenentzündung erhöht.

Wie wird eine Nierenbeckenentzündung behandelt?

Da in den meisten Fällen Bakterien eine akute Pyelonephritis verursachen, verordnen Ärzte in erster Linie Antibiotika. Der Patient nimmt dieses Medikament in der Regel als Tabletten über fünf bis zehn Tage ein. Zunächst erhält er ein Breitbandantibiotikum, das gegen zahlreiche verschiedene Bakterien wirkt. Nach etwa ein bis zwei Tagen kontrolliert der Arzt, ob die Therapie funktioniert oder nicht.

Falls das Antibiotikum auch nach drei Tagen zu keiner Besserung führt, verordnet er in der Regel ein anderes Antibiotikum oder er überweist den Patienten ins Krankenhaus. Dort erhalten Betroffene auch Antibiotika, zumindest für die erste Zeit aber per Infusion. Insbesondere dann, wenn auch Übelkeit und Erbrechen eine Rolle spielen.

Sobald das Ergebnis der Urinuntersuchung vorliegt (also der genaue Erregertyp identifiziert ist), stellt der Arzt die Behandlung eventuell auf ein anderes Antibiotikum um, das gezielt gegen den betreffenden Keim hilft.

Bei einer schweren Nierenbeckenentzündung überweist Sie der Arzt in der Regel ins Krankenhaus. In den meisten Fällen ist eine ambulante Behandlung aber möglich.

Zusätzlich zu den Antibiotika verschreibt der Arzt manchmal bei einer Pyelonephritis fiebersenkende Mittel(Antipyretika). Liegen Krämpfe oder Schmerzen vor, gibt der Arzt auch Medikamente dagegen. Zudem rät er, während der Behandlung Bettruhe einzuhalten und viel zu trinken (mindestens zwei bis drei Liter). Letzteres hilft, die Bakterien aus den Nieren und Harnwegen auszuschwemmen.

Bei der Behandlung einer chronischen Pyelonephritis setzen Mediziner oft ebenfalls Antibiotika ein. Dabei warten sie aber meist zuerst das Ergebnis des sogenannten Antibiogramms ab. Das ist eine mikrobiologische Untersuchung, um die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika gegen den vorliegenden Erreger zu testen. So lässt sich herausfinden, welches Antibiotikum für die Behandlung am besten geeignet ist.

Kommt es zu wiederholten Krankheitsschüben, sind ebenfalls Antibiotika das Mittel der Wahl. Tritt trotz Antibiotika-Behandlung in Form von Tabletten keine schnelle Besserung ein, veranlasst der Arzt eine Aufnahme im Krankenhaus.

Harnabflussstörungen als Auslöser beseitigen

Sind Harnabflussstörungen der Auslöser der Nierenbeckenentzündung, ist es wichtig, diese möglichst zu behandeln oder zu beseitigen. Wenn zum Beispiel eine Engstelle in den Harnwegen oder eine vergrösserte Prostata den Harnabfluss behindert und so eine Pyelonephritis fördert, ist oft ein operativer Eingriff notwendig.

Was passiert bei einer Harnabflussstörung? Das Nierenbecken dient als Sammeltrichter für den Urin, den die Nieren produzieren. Vom Nierenbecken läuft der Urin wiederum über die Harnleiter ab. Ist dieser Harnabfluss nicht oder nur vermindert möglich, staut er sich. Das begünstigt das Bakterienwachstum und damit eine Nierenbeckenentzündung.

Manche Menschen kommen mit angeborenen Engstellen der Harnleiter auf die Welt. Bei anderen entwickeln sie sich erst später im Leben, zum Beispiel bei Prostatavergrösserung, Harn- oder Blasensteinen sowie durch Narbengewebe nach Infekten.

Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft

Auch bei Schwangeren kommt es unter Umständen zu Harnabflussstörungen. Grundsätzlich treten Harnwegsinfekte in der Schwangerschaft zudem häufiger auf. Das hängt mit den körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft zusammen. Ärzte diskutieren, ob eine Pyelonephritis das Risiko für eine Frühgeburt erhöht. Eindeutige Belege dafür gibt es nicht.

Um jedoch kein gesundheitliches Risiko für die Schwangere und das ungeborene Kind einzugehen, behandeln Ärzte eine Nierenbeckenentzündung auch bei schwangeren Frauen mit Antibiotika. Sie wählen dazu ein für Schwangere geeignetes Präparat aus, abhängig von der Schwangerschaftswoche, in der sich die Frau befindet.

Hausmittel bei Nierenbeckenentzündung?

Grundsätzlich ist es wichtig, eine Pyelonephritis von einem Arzt untersuchen und behandeln zu lassen. Unbehandelt führt eine Nierenbeckenentzündung unter Umständen zu schwerwiegenden und langfristigen Schäden an den Nieren.

Zusätzlich zu der ärztlichen Therapie oder prophylaktisch bevor es zu einer Pyelonephritis kommt, gibt es bestimmte Hausmittel, die bei Harnwegsinfektionen Anwendung finden.

Bevor Sie eines dieser Hausmittel anwenden, besprechen Sie dies am besten vorher mit dem behandelnden Arzt:

  • Viel Trinken: Das einfachste und wichtigste Hausmittel ist, dass Sie viel Flüssigkeit trinken, am besten Tee oder Wasser. Falls Sie an einer Herzinsuffizienz leiden, fragen Sie Ihren Arzt, wie viel Sie trinken dürfen.
  • Wärme: Eine Wärmflasche oder ein Wärmekissen können Schmerzen etwas lindern und Krämpfe lösen.
  • Nein zu Kaffee, Alkohol, Zigaretten und scharfem Essen: Versuchen Sie, auf diese Genussmittel während der Erkrankung zu verzichten.
  • Cranberrysaft oder Cranberry-Produkte: Es gibt Untersuchungen, die vor allem bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen einen vorbeugenden Effekt von Cranberry gegenüber Placebo zeigen.
  • Mannose: Senkt bei einer Einnahme von zwei Gramm pro Tag in einem Glas Wasser vermutlich die Häufigkeit, an Harnwegsinfektionen zu erkranken.
  • Harnwegsreinigende Pflanzen wie Bärentraubenblätter, Brunnenkressekraut oder Meerettichwurzel: Diese Pflanzen sind häufig als Tees oder Tabletten erhältlich. Sie sollen unterstützend und/oder vorbeugend bei Harnwegsinfekten wirken. Ärzte raten jedoch davon ab, sie langfristig einzunehmen. Möglicherweise sind sie auf Dauer eher nierenschädigend.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Wie entsteht eine Nierenbeckenentzündung?

Es gibt unterschiedliche Gründe für eine Nierenbeckenentzündung.

In den meisten Fällen verursacht eine aufsteigende bakterielle Infektion die Erkrankung. Die Erreger gelangen über die Harnröhre in die Harnblase und steigen von dort über den Harnleiter bis in das Nierenbecken. Deshalb geht der Pyelonephritis oft eine Harnröhrenentzündung beziehungsweise Blasenentzündung (Zystitis) voraus.

Nur in seltenen Fällen gelangen die Bakterien, die eine Nierenbeckenentzündung verursachen, über die Blutbahn in den Körper.

In der Mehrzahl der Fälle ist das Darmbakterium Escherichia coli (E. coli) der Auslöser der Nierenbeckenentzündung. Die Infektion entsteht beispielsweise durch das verschleppte Darmbakterium vom After in die Harnröhre. Dies geschieht etwa bei Frauen, wenn bei der Toilettenhygiene von hinten nach vorne gewischt wird. Auf diese Weise steigt der Erreger dann mitunter bis in die Nieren auf.

Manchmal verursachen auch andere Bakterien (wie Enterokokken, Staphylokokken) sowie Pilze oder Viren eine Nierenbeckenentzündung. Zu Infektionen mit anderen Bakterien kommt es auch öfter nach Eingriffen an den oberen Harnwegen oder bei Blasenkathetern. Letzteres insbesondere, wenn der Katheter länger oder dauerhaft in der Harnröhre/Blase verweilt.

Frauen sind rund zwei- bis dreimal häufiger von einer Pyelonephritis betroffen als Männer. Das liegt unter anderem daran, dass sie eine kürzere Harnröhre haben und deren Eingang näher am After liegt. Männer erkranken häufiger im höheren Alter, wenn zum Beispiel anatomische Verengungen der Harnröhre durch eine vergrösserte Prostata auftreten.

Risikofaktoren der Nierenbeckenentzündung

Es gibt zahlreiche Risikofaktoren, die eine Nierenbeckenentzündung begünstigen. Folgende Faktoren zählen unter anderem dazu:

  • Hohes Alter
  • Schwangerschaft: Unter Hormoneinfluss erweitern sich die Harnwege, was Bakterien den Aufstieg erleichtert
  • Verringerte Hormonproduktion, wie nach den Wechseljahren
  • Blasenkatheter über längere Zeit (Dauerkatheter)
  • Infekte der unteren Harnwege, wie eine Blasenentzündung
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Harnabflussstörugen, wie eine vergrösserte Prostata bei Männern, angeborene Fehlbildungen der Niere oder Harnsteine
  • Immunschwäche, wie bei Einnahme von Immunsuppressiva oder durch eine HIV-Infektion
  • Harn-Rückfluss von der Blase in Richtung der Niere (vesikoureteraler Reflux), häufiger nach Nierentransplantationen zu beobachten

Wie wird eine Nierenbeckenentzündung festgestellt?

Zunächst erhebt ein Arzt Ihre Krankengeschichte (Anamnese): Er befragt Sie unter anderem zu Ihren Beschwerden sowie zu eventuellen Vor- und Grunderkrankungen. Mögliche Fragen dabei sind:

  • Welche Beschwerden haben Sie genau? Seit wann bestehen diese?
  • Hatten Sie in den vergangenen Monaten einen Infekt der unteren Harnwege, wie eine Blasenentzündung?
  • Haben Sie möglicherweise Nieren- oder Blasensteine?
  • Liegen bei Ihnen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) vor?

Körperliche Untersuchung

Anschliessend führt der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung durch. Unter anderem klopft und tastet er die Nieren ab, da für eine Nierenbeckenentzündung Schmerzen in den Flanken typisch sind. Daneben misst er mitunter die Temperatur und den Blutdruck, um Fieber und Bluthochdruck zu erkennen.

Urinuntersuchung

Sehr wichtig bei der Diagnose einer Nierenbeckenentzündung ist die Analyse einer Urinprobe. Lassen sich im Urin Bakterien und weisse Blutkörperchen (Leukozyten) in erhöhter Menge finden, weist dies auf eine Entzündung der Harnwege hin.

Um den Erreger zu identifizieren, lässt der Arzt eine Urinkultur anlegen. Diese Untersuchung erfolgt im Labor. Dort wird die Urinprobe Bedingungen ausgesetzt, die ideal für das Bakterienwachstum sind. Auf diese Weise vermehren sich die Erreger in der Urinprobe und sind dann leicht nachzuweisen.

Ausserdem lässt der Arzt ein Antibiogramm erstellen: Hier geht es darum zu testen, welche Antibiotika gegen den vorliegenden Erreger am besten wirken. Das hilft ihm bei der Therapieplanung.

Blutuntersuchung

Beim Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung entnimmt der Arzt eine Blutprobe und lässt sie im Labor analysieren. Man misst die Entzündungsparameter wie die Blutsenkgeschwindigkeit (BSG) sowie das C-reaktive Protein (CRP). Beide Werte deuten auf Entzündungen im Körper hin, wenn sie erhöht sind.

Ausserdem lässt der Arzt bei der Blutanalyse den Kreatinin-Wert bestimmen. Ein erhöhter Spiegel ist in der Regel ein Warnzeichen dafür, dass die Nieren möglicherweise schon geschädigt sind.

Bildgebende Verfahren

Mithilfe einer herkömmlichen Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) beurteilt der Arzt Lage, Form und Grösse der Nieren. Auch Harn- und Nierensteine sowie ein möglicher Harnstau als Auslöser der Entzündung lassen sich so nachweisen. Zudem erkennt er im Ultraschall auch Narbengewebe in den Nieren, wie es sich bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung bildet.

Eine besondere Form der Ultraschalluntersuchung ist die Miktionsurosonografie. Sie kommt oft bei Kindern zum Einsatz. Dabei prüft man per Ultraschall, ob der Harn von der Blase zurück in Richtung Niere fliesst (vesikoureteraler Reflux), was eine Pyelonephritis begünstigt. Im Vorfeld der Untersuchung erhält der Patient ein Kontrastmittel, das den Harnrückfluss besser sichtbar macht.

In manchen Fällen von Nierenbeckenentzündung sind weitere bildgebende Verfahren sinnvoll. So kommt auch eine Computertomografie (CT) zum Einsatz, wenn der Befund der Ultraschalluntersuchung unklar ist. Eine Röntgenuntersuchung der Harnwege (Urografie) weist mitunter Verengungen der Harnwege sowie Harnsteine beziehungsweise Nierensteine nach.

Wie beugt man einer Nierenbeckenentzündung vor?

Es gibt einige Massnahmen, durch die sich das Risiko für eine Nierenbeckenentzündung senken lässt:

  • Trinken Sie ausreichend und regelmässig, am besten Wasser oder Tee. Das reinigt die Harnwege und spült eventuelle Keime heraus.
  • Regelmässiges Wasserlassen trägt ebenfalls dazu bei, Erreger aus den Harnwegen auszuspülen. Vor allem nach dem Geschlechtsverkehr ist es wichtig, zeitnah zur Toilette zu gehen.
  • Bei Frauen ist die Wischrichtung auf der Toilette wichtig: Wischen Sie sich nach dem Stuhlgang immer von der Scheide zum After hin ab. Im umgekehrten Fall passiert es nämlich leicht, dass Sie damit Darmbakterien vom After zur nahe gelegenen Harnröhrenöffnung verschleppen.
  • Für beide Geschlechter ist eine angemessene Intimhygiene ratsam, um einer Nierenbeckenentzündung vorzubeugen. Sowohl eine mangelnde als auch eine übertriebene Intimpflege fördern das Wachstum von Keimen. Verwenden Sie zum Beispiel keine Desinfektionsmittel zur Intimpflege, sondern nur warmes Wasser.
  • In manchen Fällen entsteht aus einer Blasenentzündung eine Nierenbeckenentzündung. Vermeiden Sie deshalb Unterkühlungen durch eine angemessen warme Kleidung. Wechseln Sie nasse Kleidung wie nasse Badekleidung oder verschwitzte Sportkleidung sobald wie möglich.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
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ICD-Codes:
N12N10N11
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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