Nierenentzündung

Von , Medizinredakteurin
und , Wissenschaftsjournalistin
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Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

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Der Begriff Nierenentzündung (Nephritis) umfasst eine Reihe entzündlicher Erkrankungen der Nieren. Je nachdem, welches Gewebe der Niere entzündet ist, unterscheiden Ärzte zwischen verschiedenen Formen von Nierenentzündung. Erfahren Sie hier, was genau eine Nierenentzündung ist, welche Symptome entstehen und wie die Behandlung der Nierenentzündung aussieht.

Ultraschall der Nieren

Kurzübersicht

  • Symptome:Abhängig von der Form der Nierenentzündung, Glomerulonephritis: oft lange symptomlos, unspezifische Beschwerden wie etwa Fieber und/oder Gelenkschmerzen bei interstitieller Nephritis, Schmerzen typisch bei Nierenbeckenentzündung
  • Behandlung:Therapie der Ursache und/oder Grunderkrankung, Immunsuppressiva bei immunvermittelter Nierenentzündung, bei Nierenversagen eventuell Blutwäsche oder Nierentransplantation, allgemeine Massnahmen wie Schonung, eiweissarme Diät, Blutdrucksenker
  • Diagnose: Arzt-Patient-Gespräch (Anamnese), körperliche Untersuchung, Blut- und Urinuntersuchungen, zum Teil bildgebende Verfahren und Entnahme einer Gewebeprobe
  • Ursachen und Risikofaktoren: Bei Glomerulonephritis meist Immunsystem beteiligt, Auslöser der interstitiellen Nephritis oft Medikamente, andere Grunderkrankungen, Nierenbeckenentzündung meist durch bakterielle Infektion
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung Prognose meist gut, bleibende Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen (Niereninsuffizienz) bei schwerem Verlauf oder später Diagnose möglich
  • Vorbeugen: Ursächliche Vorbeugung schwierig, allgemeine gesunde Lebensweise mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und ausgewogener Ernährung sowie körperlicher Aktivität förderlich für (Nieren-)Gesundheit

Was ist eine Nierenentzündung?

Eine Nierenentzündung (Nephritis) beeinträchtigt die Funktion der Nieren mehr oder weniger stark: Die beiden Organe sind an zahlreichen lebenswichtigen Körperfunktionen beteiligt. Sie reinigen das Blut von Abfallprodukten des Stoffwechsels, regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt, helfen bei der Blutdruckregulierung und bilden verschiedene Hormone.

Entsprechend hat eine Nierenentzündung manchmal ernste Folgen, wenn die Niere nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeitet. In manchen Fällen besteht sogar Lebensgefahr.

Es ist dringend ratsam, eine Nierenentzündung immer beim Arzt abklären zu lassen.

Formen der Nierenentzündung

Mediziner unterscheiden je nach Art des entzündeten Gewebes zwischen drei Formen der Nierenentzündung:

    1. Nierenkörperchen-Entzündung (Glomerulonephritis)
    2. Interstitielle Nephritis
    3. Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
Formen der Nierenentzündung
Nierenentzündung
Entzünden sich die Nierenkörperchen, spricht man von einer Glomerulonephritis. Bei der Interstitiellen Nephritis entzünden sich Zwischengewebe und Nierenkanälchen.

Nierenkörperchen-Entzündung (Glomerulonephritis)

Bei der Glomerulonephritis sind die sogenannten Nierenkörperchen (Malpighi-Körperchen) entzündet. Diese bestehen aus einer Kapsel und einem Gefässknäuel, dem sogenannten Glomerulus. Von letzterem leitet sich der Name dieser Form von Nierenentzündung ab.

Nierenkörperchen haben die Aufgabe, Abfallprodukte aus dem Blut zu filtern. Bei einer Glomerulonephritis – die typischerweise beide Nieren betrifft – ist diese Filterfunktion beeinträchtigt. Die Glomerulonephritis ist immunvermittelt. Das heisst, sie entsteht durch die Beteiligung des Immunsystems. Es gibt verschiedene Formen der Glomerulonephritis, häufigste Ursache ist die IgA-Nephropathie.

Interstitielle Nephritis

Bei der interstitiellen Nierenentzündung ist das sogenannte Interstitium der Niere entzündet. Darunter versteht man das Zwischengewebe – vor allem Binde- und Stützgewebe – der Nieren, das Nierenkörperchen und das daran angeschlossene System aus feinsten Harnkanälchen (Tubulussystem) umschliesst. Sind zusätzlich die Harnkanälchen (Nierenkanälchen, Tubuli) betroffen, liegt eine tubulointerstitielle Nephritis vor.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Das Nierenbecken ist der trichterförmige Hohlraum im Inneren der Niere, in dem sich der aus den Nierenkanälchen kommende Urin sammelt, bevor er in den Harnleiter gelangt. Eine Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) entsteht meist, wenn bakterielle Erreger über die Harnleiter ins Nierenbecken aufsteigen.

Alle wichtigen Informationen zu Risikofaktoren, Symptomen, Behandlung und Vorbeugung der Pyelonephritis lesen Sie im Beitrag Nierenbeckenentzündung.

Was sind die Symptome?

Ob bei einer Nierenentzündung Symptome auftreten und wie genau diese aussehen, hängt von der Erkrankungsform, ihren Ursachen und dem Verlauf ab. In manchen Fällen zeigen Betroffene lange Zeit keine Symptome. Die Nierenentzündung und daraus resultierende Nierenschäden bleiben dann (zu) lange unbehandelt.

Warum zeigt die Nierenentzündung oft lange keine Symptome? Bei vielen Patienten kompensiert das verbleibende gesunde Nierengewebe noch über einen langen Zeitraum die bereits bestehenden Nierenschäden.

Symptome der Glomerulonephritis

Im Gegensatz zur Nierenbeckenentzündung verläuft eine Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) meist ohne Schmerzen. Ärzte entdecken die Erkrankung oft nur zufällig bei Routineuntersuchungen. Manchmal fällt die Krankheit erst dann auf, wenn die Nieren bereits stark geschädigt sind und eine Blutwäsche (Dialyse) oder Transplantation unumgänglich sind.

Folgende Anzeichen weisen unter anderem auf eine Nierenkörperchen-Entzündung hin:

  • Trüber, schaumiger Urin (Eiweiss im Urin)
  • Rötlich oder braungefärbter Urin (Blut im Urin)
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) besonders im Gesicht und an den Augenlidern
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit

Eine Nierenentzündung führt in manchen Fällen zu einer akuten Verschlechterung der Nierenfunktion (akutes Nierenversagen). Bei einem Teil der betroffenen Patienten verliert die Niere dagegen langsam und über mehrere Jahre ihre Funktion bis hin zu einem dialysepflichtigen chronischen Nierenversagen.

Symptome der interstitiellen Nierenentzündung

Die Symptome der interstitiellen Nierenentzündung zeigen sich in unterschiedlicher Form. Manchmal treten auch gar keine Symptome (asymptomatischer Verlauf) auf. In anderen Fällen kommt es unter anderem zu:

  • Fieber
  • Gelenkschmerzen
  • Hautausschlag
  • Knotigen Veränderungen unter der Haut (Knotenrose, Erythema nodosum)
  • Blutigem oder trübem, schaumigem Urin

Manchmal tritt bei einer interstitiellen Nephritis direkt nach der Einnahme von bestimmten Medikamenten ein akutes Nierenversagen auf. Ein Symptom davon ist, dass die Niere keinen Urin mehr ausscheidet. Ein akutes Nierenversagen braucht schnelle medizinische Versorgung, ansonsten droht Lebensgefahr.

Langfristig treten bei Menschen mit einer interstitiellen Nierenentzündung Symptome wie eine gelb-bräunliche Hautfarbe, Kopfschmerzen und ein insgesamt ausgetrocknetes Aussehen auf. Es ist möglich, dass es dann zu einem chronischen Nierenversagen kommt.

Typisches Symptom der Nierenbeckenentzündung ist der Flankenschmerz, also Schmerzen seitlich des unteren Rückens.

Mehr Anzeichen der Pyelonephritis finden Sie im Beitrag Nierenbeckenentzündung.

Wie wird eine Nierenentzündung behandelt?

Die Therapie einer Nierenentzündung richtet sich nach Ursache und Schwere der Erkrankung sowie der Verlaufsform, also ob sie plötzlich (akut) oder über einen längeren Zeitraum (chronisch) auftritt.

Zu einer effektiven Behandlung gehört es, die Ursache der Nephritis möglichst zu beseitigen oder zu behandeln. Ist zum Beispiel das Immunsystem an der Entstehung einer Nephritis beteiligt, verordnet der Arzt mitunter Medikamente zur Unterdrückung der Immunabwehr. Solche Immunsuppressiva sind zum Beispiel Glukokortikoide (Kortison).

Liegt der Nierenentzündung ein Medikament beziehungsweise ein Medikamentenmissbrauch zugrunde, wie es vor allem bei der interstitiellen Nephritis vorkommt, setzen Ärzte das Präparat sofort ab oder tauschen es durch ein besser verträgliches aus. Bei einer durch bestimmte Bakterien (Streptokokken oder Staphylokokken) bedingten Glomerulonephritis (postinfektiöse Glomerulonephritis) bekommt der Patient Antibiotika.

Sind bestehende Grunderkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes oder das humane Immundefizienz-Virus (HIV) die Ursache einer Nierenentzündung, versuchen Ärzte, die Behandlung dieser zu intensivieren.

Darüber hinaus empfehlen Mediziner bei einer Nierenentzündung oft allgemeine Therapiemassnahmen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Körperliche Schonung
  • Eiweissarme Kost
  • Salzarme Diät bei Wasseransammlungen im Gewebe (eventuell auch entwässernde Medikamente)
  • Blutdrucksenker, falls durch die Nierenentzündung Bluthochdruck entsteht

Wenn eine Glomerulonephritis keine Beschwerden verursacht, kein oder kaum Eiweiss und Blut im Urin nachweisbar sind, die Nierenfunktion und der Blutdruck normal sind, genügt es meist, wenn sich die Patienten regelmässig vom Arzt untersuchen lassen (einschliesslich Blut- und Urinuntersuchungen).

Bei weit fortgeschrittener Nierenentzündung besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Nieren versagen (Niereninsuffizienz). Dann ist oft eine Blutwäsche (Dialyse) oder – als letzte Therapieoption – eine Nierentransplantation notwendig.

Hausmittel und Nierenentzündung? Viele Menschen behandeln Entzündungen der unteren Harnwege, wie etwa die Blasenentzündung, oft zumindest im Anfangsstadium mit Hausmitteln selbst. Dies empfiehlt sich bei einer Nierenentzündung ausdrücklich nicht. Eine frühzeitige ärztliche Untersuchung und Behandlung sind hier dringendst empfohlen.

Wie wird eine Nierenentzündung festgestellt?

Auch wenn bei einer Nierenentzündung die Symptome oft schwer zu erkennen und einzuordnen sind, ist es einem Arzt mithilfe einiger Untersuchungen recht schnell möglich, eine Nierenentzündung festzustellen.

Zunächst führt der Arzt ein Gespräch mit Ihnen. Hier erhebt er die Krankengeschichte(Anamnese). Wichtige Fragen dabei sind:

  • Gibt es Beschwerden und wenn ja, welche sind das?
  • Haben Sie eventuell Vor- oder Grunderkrankungen?
  • Haben Sie Medikamente eingenommen oder tun dies regelmässig? Und wenn ja, welche sind das?

Diese Informationen helfen dem Arzt, die möglichen Ursachen der Beschwerden einzugrenzen und den Krankheitsverlauf abzuschätzen.

Anschliessend erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Unter anderem tastet und klopft der Arzt die Nieren ab. Er prüft auch, ob dabei die seitlichen Bauch- und Rückenregionen (Flanken) und der Bereich zwischen der letzten Rippe und der Wirbelsäule schmerzen. Auch die Haut betrachtet der Arzt, da sich bei einer Nierenentzündung oft Hautausschlag zeigt. Er prüft den Blutdruck und sucht nach Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme).

Zur weiteren Diagnose einer Nierenentzündung sind Blut- und Urinuntersuchungen wichtig. Bei der Blutuntersuchung ist vor allem der Kreatinin-Wert von Bedeutung: Ist er erhöht, deutet dies auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin. Auch den Urin lässt der Arzt im Labor unter anderem auf Eiweisse und Blut untersuchen.

Insbesondere bei der Glomerulonephritis (Nierenkörperchen-Entzündung) lassen sich Blut und Eiweisse im Urin nachweisen (Hämaturie, Proteinurie). Beides stammt aus den geschädigten Nierenkörperchen. Ein sehr blutiger Urin hat eine rötliche oder bräunliche Färbung (Makrohämaturie). Bei geringeren Blutmengen im Urin ist dies mit dem blossen Auge jedoch nicht sichtbar (Mikrohämaturie).

Die erhöhte Ausscheidung von Eiweissen über den Urin bei der Glomerulonephritis führt mit der Zeit dazu, dass die Eiweisskonzentration im Blut sinkt. Parallel steigen die Blutfettwerte (Hyperlipoproteinämie). Treten zusätzlich Wassereinlagerungen auf, sprechen Mediziner vom nephrotischen Syndrom. Für einen Arzt ist eine Kombination dieser Symptome klares Anzeichen einer Nierenentzündung beziehungsweise Nierenkörperchen-Schädigung.

Daneben setzen Ärzte bildgebende Verfahren wie Ultraschall zur Abklärung einer Nephritis ein. Sie helfen, den Zustand der Nieren einzuschätzen. Damit sich vor allem bei der Glomerulonephritis genau bestimmen lässt, um welche Form es sich handelt, entnehmen Ärzte mitunter eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Niere. So lässt sich die Ursache ermitteln und die richtige Therapie festlegen.

Wodurch entsteht eine Nierenentzündung?

Den unterschiedlichen Formen der Nierenentzündung (Glomerulonephritis, interstitielle Nephritis und Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung)) liegen verschiedene Ursachen zugrunde.

Ursachen der Glomerulonephritis

"Glomerulonephritis" ist ein Sammelbegriff für viele Nierenerkrankungen unter der Beteiligung des Immunsystems. Gemeinsam ist allen Formen der Glomerulonephritis, dass es zu einer Entzündung der Nierenkörperchen (Malpighi-Körperchen) kommt. Je nach Ursache unterscheiden Mediziner zwischen zwei Formen der Glomerulonephritis:

  • Primäre Glomerulonephritis: Diese liegt vor, wenn keine bestehende Grunderkrankung die Ursache für die Entzündung der Nieren beziehungsweise der Nierenkörperchen ist, sondern die Erkrankung in der Niere selbst besteht. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte IgA-Nephritis oder IgA-Nephropathie, auch Morbus Berger genannt. Dies ist weltweit die häufigste Ursache der Glomerulonephritis.
  • Sekundäre Glomerulonephritis: Hier entzünden sich die Nierenkörperchen aufgrund einer Krankheit ausserhalb der Niere.

Ursachen für die sekundäre Glomerulonephritis sind unter anderem:

  • Humanes Immundefizienz-Virus (HIV)
  • Bestimmte Bindegewebserkrankungen (Autoimmunerkrankungen) wie systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis lenta) verursacht durch bestimmte Bakterien (Streptokokken)
  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • Krebserkrankungen
  • Medikamente
  • Genetische Defekte

Ursachen der interstitiellen Nephritis

Bei der interstitiellen Nephritis unterscheiden Ärzte bezüglich der Ursache zwischen den Verlaufsformen: plötzlich auftretend (akut) und über einen längeren Zeitraum verlaufend (chronisch).

Eine akute interstitielle Nephritis entsteht meist als allergische Reaktion auf Medikamente. Manchmal stecken auch giftige Wirkungen bestimmter chemischer Stoffe dahinter. Ärzte bezeichnen dies als eine "abakterielle interstitielle Nephritis", also eine nicht durch Bakterien verursachte interstitielle Nierenentzündung. Seltener sind Infektionen mit Bakterien oder Viren oder genetische Ursachen der Auslöser.

Eine chronische interstitielle Nephritis entsteht beispielsweise durch jahrelangen Medikamentenmissbrauch.

Kommt es bei der interstitiellen Nierenentzündung nicht nur zur Infektion des umliegenden Gewebes der Niere, sondern auch der Nierenkanälchen, bezeichnen Ärzte dies als tubulointerstitielle Nephritis. Ursachen dieser Form der Nierenentzündung sind:

  • Infektionen
  • Reaktionen auf Medikamente
  • Andere Krankheiten wie eine Glomerulonephritis, die sich auf das Zwischengewebe der Niere ausweiten

Hauptursache der Nierenbeckenentzündung sind Bakterien, die über die Harnleiter ins Nierenbecken aufsteigen. Warum das vor allem bei Frauen häufiger vorkommt als bei Männern erfahren Sie im Beitrag Nierenbeckenentzündung.

Wie verläuft eine Nierenentzündung?

Die Prognose einer Nierenentzündung ist je nach Art, Schwere und Verlaufsform (akut oder chronisch) sehr variabel. Auch die Dauer der Erkrankung ist pauschal nicht vorhersagbar.

Eine akute Nephritis heilt in vielen Fällen bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung aus. Unbehandelt führt sie in schweren Fällen zu einem kompletten Nierenversagen.

Bei der Glomerulonephritis entwickeln die meisten Betroffenen eine chronische Nierenerkrankung. Die häufigste Form der Glomerulonephritis, die IgA-Nephritis oder IgA-Nephropathie, geht bei etwa einem Viertel der Patienten 20 Jahre nach der Diagnose in ein dauerhaftes Nierenversagen (terminale Niereninsuffizienz) über.

Besonders wichtig sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung bei der rasch fortschreitenden "rapid progressive" Glomerulonephritis" (RPGN). Diese nimmt teils einen schweren Verlauf und führt recht schnell (innerhalb von Wochen oder Monaten) zum Ausfall der Nieren. Wenn die Nieren bei Behandlungsbeginn noch eine Restfunktion aufweisen, verbessert sich die Nierenfunktion bei über 60 Prozent der Betroffenen.

Ist eine Nierenentzündung nicht mehr heilbar, ist die richtige Behandlung dennoch wichtig: Diese verhindert oftmals eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion oder verlangsamt diese zumindest. Dadurch ist es möglich, den Zeitpunkt hinauszuzögern, ab dem die Betroffenen auf eine Blutwäsche oder Nierentransplantation angewiesen sind.

Es sind chronische Verläufe der Nierenentzündung möglich, zum Beispiel wenn Personen über lange Zeit hochdosierte Schmerzmittel einnehmen (Analgetikanephropathie).

Wie erhalte ich die Gesundheit der Nieren?

So vielfältig die Nierenentzündung als Erkrankung auftritt, so vielfältig sind auch die Ursachen. Trotzdem gibt es bestimmte Massnahmen, die generell zur Gesunderhaltung Ihres Körpers und insbesondere Ihrer Nieren beitragen. Diese sind unter anderem:

  • Trinken Sie genügend Flüssigkeit, vor allem Wasser, etwa eineinhalb bis drei Liter je nach Temperaturlage. So beugen Sie Nierensteinen vor und unterstützen Ihre Nieren bei der Ausscheidung von Abfallstoffen.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen. So schützen Sie Ihre Blutgefässe, nicht nur die in den Nieren.
  • Sorgen Sie für tägliche körperliche Bewegung.Das trägt zu einem normalen Blutdruck bei und beugt Diabetes mellitus vor.
  • Achten sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, um Ihr Körpergewicht zu regulieren und Ablagerungen in den Blutgefässen gering zu halten.
  • Nehmen Sie an den regulären Vorsorgeuntersuchungen teil. Hier prüft Ihr Hausarzt in regelmässigen Abständen die Nierenfunktion über Blut- und Urinuntersuchungen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Marcell Toepfer
Autoren:
Pascale Huber
Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

Carola Felchner
Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

ICD-Codes:
N12N10N03N11N00N01N05N18N02
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Baenkler, H.-W. et al.: Innere Medizin. Thieme Verlag, 4. Auflage, 2021
  • Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGF): www.dgfn.eu (Abruf: 15.02.2022)
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, 2022
  • Infoportal des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: Was ist eine akute Nierenschwäche? unter: www.internisten-im-netz.de (Abruf: 15.02.2022)
  • Müller, G. et al.: Gynäkologie und Urologie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 8. Auflage, 2016/17
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, 2. Auflage, 2013
  • Sommerer, C.: Behandlung der IgA-Nephropathie. Hessisches Ärzteblatt 2020; 6: 340–346
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