Blutfettwerte

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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Die Blutfettwerte geben Auskunft über die Menge verschiedenster Lipide (Fette) im Blut wie Cholesterin und Triglyzeride. Da Blutfett nicht wasserlöslich ist, wird es an spezielle Transportproteine gebunden: Der Komplex aus Fett und Protein wird Lipoprotein genannt. Mit Hilfe einer Blutfettanalyse können die verschiedenen Fettwerte im Blut ermittelt werden. Erfahren Sie hier, was erniedrigte und erhöhte Blutfettwerte für die Gesundheit bedeuten.

Was sind Blutfettwerte?

Zu den wichtigsten Blutfettwerten zählen die Blutspiegel der Triglyzeride und des Cholesterins:

Triglyzeride (Neutralfette) gehören zur Gruppe der Nahrungsfette. Sie dienen dem Körper als Energiereserve und werden bis zu ihrem Gebrauch im Fettgewebe gespeichert. Cholesterin hingegen kann sowohl über die Nahrung aufgenommen als auch in Leber und Darm hergestellt werden. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Zellwände. Außerdem werden aus Cholesterin Gallensäuren, Vitamin D und Steroidhormone hergestellt.

Lipoproteine

Da Fette (Lipide) wasserunlöslich sind, müssen sie im wässrigen Blut in Form von Lipoproteinen transportiert werden: Die Lipoproteine bestehen aus den Lipiden (innen) und einer wasserlöslichen Oberfläche aus Proteinen (außen). Je nach Zusammensetzung und Aufgabe unterscheidet man verschiedene Lipoproteine:

  • Chylomikronen: transportieren Lipide aus der Nahrung (wie Triglyzeride, Cholesterin) vom Darm zur Leber und ins Fettgewebe.
  • VLDL (very low density lipoprotein): bringt Triglyzeride aus der Leber in andere Teile des Körpers.
  • LDL (low density lipoprotein): bringt vor allem selbst hergestelltes Cholesterin aus der Leber zu anderen Körperzellen (als LDL-Cholesterin); bei hoher Blutkonzentration lagert es sich an den Gefäßwänden ab, was Arteriosklerose verursacht bzw. beschleunigt.
  • HDL (high density lipoportein): transportiert (als HDL-Cholesterin) überschüssiges Cholesterin von den Körperzellen zurück in die Leber, wo es abgebaut werden kann.

LDL-Cholesterin gilt als "böse", weil es die Entstehung von Arteriosklerose fördert. Dagegen kann das "gute" HDL-Cholesterin vor einer Gefäßverkalkung schützen.

Wann bestimmt man die Blutfettwerte?

Die Fettwerte im Blut werden unter anderem bei Verdacht auf Fettstoffwechselstörungen sowie zur Erfolgskontrolle einer fettsenkenden Therapie (zum Beispiel durch Diät oder Medikamente) bestimmt.

Besonders wichtig ist die Messung von Blutfett, wenn der Arzt das Risiko des Patienten für eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) abschätzen möchte. Vor allem eine Erhöhung von LDL führt zu Reaktionen in den Gefäßwänden, die letztlich zu arteriosklerotischen Ablagerungen (Plaques) an den Innenwänden der Gefäße führen. Diese begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Richtwerte für Blutfettwerte

Damit der Arzt die Blutfettwerte bestimmen kann, nimmt er Blutproben ab. Da durch die Aufnahme von Nahrung Fett ins Blut gelangt, sollte die Blutentnahme nüchtern erfolgen. Ideal ist es, wenn der Patient zuvor acht bis zwölf Stunden nichts gegessen und höchstens Wasser oder ungesüßten Tee getrunken haben.

Für gesunde Erwachsene ohne Risikofaktoren für Gefäßverkalkungen gelten folgende Richtwerte:

Blutfette

Richtwerte

LDL

< 160 mg/dl

HDL

Frauen: 45 - 65 mg/dl

Männer: 35 - 55 mg/dl

Gesamtcholesterin

vor dem 19. Lebensjahr: < 170 mg/dl

20. - 29. Lebensjahr: < 200 mg/dl

30. - 40. Lebensjahr: < 220 mg/dl

nach dem 40. Lebensjahr: < 240 mg/dl

Triglyzeride

≤ 200 mg/dl

VLDL

< 30 mg/dl

Aus den Messwerten kann der Arzt zusätzlich das Verhältnis zwischen dem "schlechten" LDL-Cholesterin und dem "guten" HDL-Cholesterin berechnen. Dieser LDL/HDL-Quotient wird als Arteriosklerose-Risiko-Index bezeichnet. Je mehr LDL- und je weniger HDL-Cholesterin jemand besitzt, desto höher der Quotient, und umgekehrt.

Bei Menschen, die keine sonstigen Risikofaktoren für Arteriosklerose (wie Bluthochdruck) haben, sollte der LDL/HDL-Quotient unter vier liegen. Dagegen wird bei Menschen mit solchen weiteren Risikofaktoren ein Quotient unterhalb von drei und bei Menschen, die beispielsweise bereits Arteriosklerose haben, ein Quotient unterhalb von zwei empfohlen.

Der LDL-/HDL-Quotient hat mittlerweile etwas an Bedeutung verloren, wenn es um die Abschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos (kardiovaskulären Risiko) geht. Offenbar besteht nämlich bei extrem hohen Werten an "gutem" HDL-Cholesterin (oberhalb von ca. 90 mg/dl) eine erhöhte Gefahr für Arteriosklerose. Beim HDL-Cholesterin gilt also nicht: Je mehr, desto besser.

Wann sind die Blutfettwerte zu niedrig?

Nur in seltenen Fällen sind die Blutfette erniedrigt. Zu den Ursachen gehören unter anderem Mangelernährung und eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Auch Cholesterin-senkende Medikamente, eine akute Leberentzündung (Hepatitis), Leberzirrhose, ein septischer Schock sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen können die Blutfettwerte senken.

Wann sind die Blutfettwerte zu hoch?

Sind die Blutfettwerte zu hoch, spricht man von einer Hyperlipidämie. Ursache kann eine Fettstoffwechselstörung sein. In den meisten Fällen sorgt ein ungesunder Lebensstil dafür, dass Triglyzeride, VLDL und LDL zu hoch sind und HDL erniedrigt ist. Nicht selten spielen hier Bewegungsmangel, zucker- und fettreiche Ernährung sowie Fettleibigkeit (Adipositas) eine tragende Rolle.

Auch chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus, Morbus Cushing, Gicht und Nierenfunktionsstörungen können zu hohen Blutfettwerten führen.

Während der Schwangerschaft steigen die Werte ebenfalls an, normalisieren sich aber nach der Entbindung.

Verschiedene Medikamente wie Kortikoisteroide erhöhen ebenfalls das Blutfett.

Was tun bei veränderten Blutfettwerten?

Da erniedrigte Blutfettwerte nur in sehr seltenen Fällen Krankheitswert haben, beschränkt sich die Therapie in einer regelmäßigen Messung und der Überprüfung eingenommener Medikamente.

Dagegen stellen erhöhte Blutfettwerte eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit dar. Die durch sie geförderte Arteriosklerose gilt als wichtiger Risikofaktor für Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen im Gehirn (Schlaganfall), in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit, "Raucherbein"), im Bauch und in anderen Körperregionen. Vor allem bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Adipositas sollte eine strenge Einstellung der Werte erfolgen.

Eine gesunde Ernährung mit wenig gesättigten Fettsäuren und ausreichend Bewegung können die Werte senken und normalisieren. Bei Übergewicht sollte man abnehmen. Außerdem empfiehlt sich ein Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Greifen diese Basismaßnahmen nicht, verordnet der Arzt Medikamente wie beispielsweise Statine oder Cholesterinresorptionshemmer, um die erhöhte Blutfettwerte zu senken.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Lena Machetanz, Dr. med. Karlheinz Zeilberger, Dr. med. Felicitas Witte, Florian Tiefenböck
Autoren:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Eva Rudolf-Müller
Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: "ESC/EAS Pocket Guidelines. Diagnostik und Therapie der Dyslipidämien" (Version 2019), unter: https://leitlinien.dgk.org
  • Dormann, A.; Isermann, B.; Heer, Ch.: Laborwerte, 7. Auflage, Urban & Fischer, 2018
  • Greten, H. et al.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 13. Auflage, 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2010
  • Labor Berlin: Triglyceride, unter www.laborberlin.com (Abruf: 11.10.2021)
  • Mader, F.: Allgemeinmedizin und Praxis, Springer Verlag, 7. Auflage, 2013
  • Pschyrembel online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 11.10.2021)
  • Schaenzler, N., Bieger, W.P.: Laborwerte, Gräfe und Unzer Verlag, 2016
  • Schäffler, A. et al.: Funktionsdiagnostik in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Springer Verlag, 2009
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