HDL-Cholesterin

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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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HDL-Cholesterin (High-Density-Lipoprotein-Cholesterin) ist ein bestimmtes Transportmolekül für Cholesterin im Blut. Es gilt auch als gutes Cholesterin, weil es im Gegensatz zu LDL keine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verursacht. Lesen Sie hier mehr über die Bedeutung und Aufgabe von HDL-Cholesterin und über die normalen Messwerte im Blut!

Was ist HDL-Cholesterin?

HDL-Cholesterin ist ein Transportsystem hoher Dichte (HDL = "high density lipoproteine") für Cholesterin im Blut. Es transportiert Cholesterin von den Körperzellen in die Leber, wo das Blutfett abgebaut werden kann. Ausserdem ist HDL in der Lage, überschüssiges Cholesterin, das in die Gefässwände eingelagert wurde, wieder zu entfernen. HDL-Cholesterin schützt also vor einer „Arterienverkalkung“ (Arteriosklerose oder Atherosklerose) und wird deswegen oft auch als gutes Cholesterin bezeichnet.

Gefährliche Folgen von Arteriosklerose sind Durchblutungsstörungen in verschiedenen Geweben und Organen, beispielsweise die Koronare Herzkrankheit (Basis zu Herzinfarkt) und Schlaganfall.

Wann bestimmt man das HDL-Cholesterin?

Der HDL-Wert wird bestimmt, wenn der Arzt das Risiko für eine Arteriosklerose und speziell für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) abschätzen möchte. Dieses Risiko ist erhöht, wenn das HDL-Cholesterin zu niedrig ist. Aber auch bei extrem hohen Werten (oberhalb von ca. 90 mg/dl) ist das Arteriosklerose-Risiko offenbar erhöht.

Ausserdem wird der HDL-Blutwert zur Erfolgskontrolle einer fettsenkenden Therapie (zum Beispiel durch Diät oder Medikamente) bestimmt.

HDL-Cholesterin: Normwerte

Zur Messung des HDL-Cholesterins nimmt der Arzt eine Blutprobe ab. Da durch die Aufnahme von Nahrung Fett ins Blut gelangt, sollte die Blutentnahme zumindest bei der ersten Bestimmung nüchtern erfolgen. Auch der exzessive Genuss von fettreichen Speisen oder Alkohol in den Tagen zuvor sollte vermieden werden, da er die Ergebnisse verfälschen kann. Insbesondere Verlaufskontrollen können nach heutiger Expertenmeinung aber auch ohne Nüchternheit stattfinden.

Alter bzw. Geschlecht

Normwerte HDL-Cholesterin

Neugeborene

22 - 89 mg/dl

Säuglinge

13 - 53 mg/dl

Kleinkinder

22 - 89 mg/dl

Frauen

45 - 65 mg/dl

Männer

35 - 55 mg/dl

Zur Vereinfachung kann man sich merken: die Blutkonzentration von HDL-Cholesterin bei Frauen sollte mindestens 45 mg/dl betragen, bei Männern 40 mg/dl.

Neben dem HDL-Cholesterin bestimmt der Arzt auch das Gesamtcholesterin und das „böse“ LDL-Cholesterin - für eine bessere Abschätzung des Arteriosklerose-Risikos. Dazu kann er auch den Quotienten aus Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin errechnen (Ziel: < 4,5) sowie den LDL/HDL-Quotient. Für letzteren gilt:

Bei Menschen, die keine sonstigen Risikofaktoren für Arteriosklerose (wie Bluthochdruck) haben, sollte der LDL/HDL-Quotient unter vier liegen. Dagegen wird bei Menschen mit solchen weiteren Risikofaktoren ein Quotient unterhalb von drei und bei Menschen, die beispielsweise bereits Arteriosklerose haben, ein Quotient unterhalb von zwei empfohlen.

Der LDL-/HDL-Quotient hat mittlerweile etwas an Bedeutung verloren, wenn es um die Abschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos (kardiovaskulären Risiko) geht. Offenbar besteht nämlich bei extrem hohen Werten an "gutem" HDL-Cholesterin (oberhalb von ca. 90 mg/dl) eine erhöhte Gefahr für Arteriosklerose. Beim HDL-Cholesterin gilt also nicht: Je mehr, desto besser.

Wie kann ich das HDL-Cholesterin erhöhen?

Ist das HDL zu niedrig, besteht Handlungsbedarf. Vor allem Patienten mit weiteren Risikofaktoren für Arteriosklerose sollten ihr HDL-Cholesterin erhöhen. Dazu zählen unter anderem Diabetes mellitus, angeborene Fettstoffwechselstörungen und Fettleibigkeit (Adipositas).

Als primäre Massnahme hat sich eine Änderung des Lebensstils bewährt. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf einem gesunden Körpergewicht – überschüssige Kilos sollten durch regelmässige Bewegung und Sport abgebaut werden. Ebenfalls ratsam ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Sie sollte arm an gesättigten Fettsäuren sein, da diese das LDL-Cholesterin erhöhen und das HDL-Cholesterin senken können. Da vor allem tierische Produkte wie Butter oder Wurst primär gesättigte Fettsäuren enthalten, sollte ihr Genuss eher die Ausnahme sein.

Auch ein Verzicht auf Nikotin bewirkt, dass der HDL-Blutwert steigt. Greifen diese Basismassnahmen nicht, wird zusätzlich auf cholesterinsenkende Medikamente zurückgegriffen, deren Einfluss auf das HDL-Cholesterin jedoch geringer ist als auf LDL-Cholesterin.

Was ist, wenn das HDL-Cholesterin zu hoch ist?

Nur in den seltensten Fällen ist das HDL-Cholesterin zu hoch. Wenn doch, muss das nicht unbedingt gut sein - ausser der Messwert ist extrem hoch (oberhalb von ca. 90 mg/dl). Denn auch dann besteht offennar ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose (und möglichen Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt).

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger, Florian Tiefenböck
Autoren:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Eva Rudolf-Müller
Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Bundesverband der Niedergelassenen Kardiologen und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie auf www.kardiologie.org: Lipidmessung muss nicht mehr nüchtern erfolgen, 05/2016
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: "ESC/EAS Pocket Guidelines. Diagnostik und Therapie der Dyslipidämien" (Version 2019), unter: https://leitlinien.dgk.org
  • Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V.: https://www.lipid-liga.de/ (Abrufdatum: 02.02.2020)
  • Hagemann, O.: Laborlexikon, www.laborlexikon.de (Abruf 28.01.2020)
  • Kopecky, C. et al.: „Quantification of HDL Proteins, Cardiac Events, and Mortality in Patients with Type 2 Diabetes on Hemodialysis“, in: Clinical Journal of the American Society of Nephrology (CJASN), November 2014, doi: 10.2215/CJN.06560714
  • Mach, F. et al.: 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk, European Heart Journal, Volume 41, Issue 1, (01/2020): 111–188
  • Pschyrembel online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 02.02.2020)
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