Eiweiß im Urin

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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Eiweiss im Urin ist in geringen Mengen ganz normal und nicht besorgniserregend. Wird jedoch zu viel Eiweiss im Urin gemessen, kann eine Erkrankung dahinter stecken. Der Arzt wird dann Beschaffenheit und Menge der Eiweisse genau analysieren. Erfahren Sie hier, was Eiweiss im Urin Ihnen über Ihre Gesundheit verrät.

Was bedeutet Eiweiss im Urin?

Eiweiss im Urin ist in geringen Mengen unbedenklich und tritt auch bei gesunden Nieren auf. Anders bei zu viel Protein im Urin (Proteinurie). Ursachen dafür können verschiedene Störungen und Erkrankungen sein.

Die Nieren besitzen in ihrer Rinde sogenannte Nierenkörperchen, die je aus einem Gefässknäuel (Glomerulus) und einer umgebenden zarten Hülle (Bowman-Kapsel) bestehen. Durch den herrschenden Druck im Gefässknäuel wird das durchströmende Blut filtriert: Wasser und kleinere Moleküle wie Blutzucker und kleine Eiweisse werden durch die Gefässwände in die umgebende Bowman-Kapsel gepresst. Zurück bleiben Blutzellen und grössere Moleküle wie grosse Eiweisse.

Das wässrige Filtrat in der Bowman-Kapsel (Primärharn genannt) enthält nur kleine Eiweisse. Diese werden (zusammen mit anderen Substanzen) in den anschliessenden Nierenkanälchen (Tubulusapparat) normalerweise herausfiltriert. Das dabei entstehende zweite Filtrat verlässt dann als Sekundärharn den Körper.

Prärenale Proteinurie

Wenn sich zu viel Eiweiss im Urin befindet, kann das daran liegen, dass bereits das Blutplasma zu viel Protein enthält. Dann ist die Filtrierfähigkeit der Niere überlastet. Man spricht hier von prärenaler Proteinurie: Die Ursache für den Eiweiss-Überschuss besteht schon „vor“ der Niere.

So kann zum Beispiel eine Zerstörung von roten Blutkörperchen (Hämolyse) oder von Muskelzellen (Rhabdomyolyse) – etwa durch Vergiftungen – einen erhöhten Proteinspiegel im Blut und damit auch zu viel Eiweiss im Urin verursachen.

Renale Proteinurie

Hier ist die Ursache für den Überschuss an Eiweiss im Urin eine Schädigung beziehungsweise Funktionsstörung in der Niere selbst. Sind zum Beispiel die Nierenkörperchen nicht mehr in der Lage, grosse Proteine wie das Albumin aus dem Urin herauszuhalten, nennt sich dies glomeruläre Proteinurie. Man kann sich das so vorstellen, als hätte der Filter Löcher, durch welche grössere Proteine ungehindert hindurch gelangen.

Eine tubuläre Proteinurie entsteht, wenn die Nierenkanälchen die im Primärharn enthaltenen kleinen Eiweisse (wie alpha1-Mikroglobulin oder beta2-Mikroglobulin) nicht herausfiltern können.

Postrenale Proteinurie

Das überschüssige Eiweiss im Urin stammt hier von Infektionen oder Verletzungen der ableitenden Harnwege. Dann findet sich vor allem das Protein alpha2-Makroglobulin im Urin.

Es sind auch Mischformen von Proteinurie möglich, bei denen beispielsweise sowohl die Nierenkörperchen als auch die Nierenkanälchen betroffen sind.

Benigne Proteinurie

Daneben kann vor allem bei jüngeren Menschen die gutartige (benigne) Proteinurie in Erscheinung treten. Hier ist die Menge an Eiweiss im Urin nur leicht erhöht, etwa aufgrund von Stress, körperlicher Belastung oder auch grundlos (idiopathisch). Der Messwert bessert sich häufig spontan von allein.

Wann bestimmt man Eiweiss im Urin?

Symptome einer Proteinurie, die den Arzt veranlassen, das Eiweiss im Urin zu bestimmen, gibt es kaum. In einigen Fällen weist ein stark schäumender Urin auf einen erhöhten Proteingehalt hin. Ansonsten sind es oft Symptome der Grunderkrankung, die den Arzt veranlassen, die Menge an Protein im Urin zu bestimmen. Das können zum Beispiel Gewebsschwellungen (Ödeme) aufgrund einer Herz- oder Nierenerkrankung sein.

Eiweiss im Urin - Normalwerte

Am einfachsten lässt sich Eiweiss im Urin mit Hilfe von Urinteststreifen nachweisen. Wird hier ein Gehalt von weniger als 8 mg/dl gemessen, gilt die Probe als normal. Diese Tests haben jedoch nur eine eingeschränkte Aussagekraft, da nur Albumin in starker Konzentration gemessen wird. Viel genauer ist die Untersuchung des 24-Stunden-Sammel-Urins. Hier gelten folgende Werte:

Albumin normal

< 30 mg/Tag

Mikroalbuminurie

30 – 300 mg/Tag

Makroalbuminurie

> 300 mg/Tag

Gesamtproteine normal

< 150 mg/Tag

Mit Hilfe moderner Methoden wie der Gelelektrophorese können die unterschiedlichen Proteine im Urin gemessen werden. Dies hilft dem Arzt bei der Diagnosestellung, da verschiedene Proteine auch verschiedenen Krankheiten zugeordnet werden können.

Eiweiss im Urin in der Schwangerschaft gilt bei weniger als 300 mg pro Tag ebenfalls als unbedenklich. Bei höheren Werten sollte eine Frau sorgfältig überwacht werden, da eine Proteinurie zusammen mit Bluthochdruck als Vorboten einer Eklampsie gelten. Diese kann sowohl für das Kind als auch die Mutter lebensbedrohlich werden.

Wann befindet sich zu wenig Eiweiss im Urin?

Eine Behandlung von zu wenig oder gar fehlendem Eiweiss im Urin ist nicht nötig, da dies ein gesunder Zustand des Körpers ist.

Wann befindet sich zu viel Eiweiss im Urin?

Ursache ist häufig eine Schädigung der Nieren. So können zum Beispiel Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) sowie Nierenentzündung (Glomerulonephritis) zu einer erhöhten Menge an Protein im Urin führen.

Aber auch Erkrankungen, die sich ausserhalb der Niere manifestieren, sowie bestimmte Medikamente können Einfluss auf die Nierenfunktion nehmen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes
  • Krebserkrankungen des Knochenmarks
  • Giftstoffe
  • Medikamente wie NSAR (Schmerz- und Entzündungshemmer)

Wird Eiweiss im Urin bei Kindern nachgewiesen, erhärtet dies den Verdacht auf ein nephrotisches Syndrom. Typische Symptome sind Wassereinlagerungen (Ödeme), dunkler, schaumiger Urin und Abgeschlagenheit.

Was tun bei zu viel Eiweiss im Urin?

Bei einer Proteinurie geht es in erster Linie darum, die Grunderkrankung zu behandeln, also zum Beispiel den Bluthochdruck, die Nieren- oder Herzerkrankung oder den Diabetes. Dann normalisiert sich meist auch der Messwert für Eiweiss im Urin.

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger, Pascale Huber
Autoren:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Eva Rudolf-Müller
Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Bob, A. & Bob, K.: Duale Reihe: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2012
  • Claudi-Böhm, S. & Böhm, B.: Diabetes und Schwangerschaft, Springer Verlag, 1. Auflage, 2007
  • Hagemann, O.: Laborlexikon, www. laborlexikon.de (Abruf 30.10.2017)
  • Hallbach, J.: Klinische Chemie und Hämatologie für den Einstieg, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2006
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Band I, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2007
  • Kuhlmann, U. et al.: Nephrologie, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2015
  • Labor 28 Berlin: LaborInfo: Diagnostik der Proteinurie; http://labor28.de (Abruf 30.06.2017)
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