Niereninsuffizienz

Von , Medizinredakteurin und Biologin
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Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Bei einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche, Nierenversagen) arbeiten die Nieren nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr. Dadurch kann der Körper unter anderem giftige Stoffwechselprodukte kaum oder nicht mehr mit dem Urin ausscheiden - es drohen ernste gesundheitliche Probleme. Eine Niereninsuffizienz kann akut oder chronisch verlaufen. Mehr über ihre Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie und Prognose lesen Sie hier!

niereninsuffizienz

Kurzübersicht

  • Niereninsuffizienz - Definition: Bei Niereninsuffizienz (Nierenschwäche, Nierenversagen) sind die Nieren nur eingeschränkt oder gar nicht mehr fähig, harnpflichtige Substanzen auszuscheiden - also Substanzen (wie Harnstoff), die laufend mit dem Harn ausgeschieden werden müssen, weil sonst gesundheitliche Schäden drohen.
  • Krankheitsformen: akute Niereninsuffizienz (plötzlicher Beginn, potenziell umkehrbar) und chronische Niereninsuffizienz (schleichender Beginn, meist fortschreitend, nicht umkehrbar, lässt sich ggf. aber bremsen).
  • Ursachen: Bei plötzlichem Nierenversagen z.B. Unfälle, Verbrennungen, Entzündungen, Infektionen, Herzschwäche, Tumoren, Nierensteine, Medikamente. Bei chronischer Nierenschwäche u.a. Diabetes, Bluthochdruck, Nierenzysten, Entzündungen, Medikamente.
  • Symptome: Keine oder unspezifische Symptome bei akuter Nierenschwäche (z.B. verminderte Harnmenge, rasche Ermüdbarkeit, ggf. Wassereinlagerungen). Bei der chronischen Form anfangs keine, dann langsam zunehmende Beschwerden wie Schwäche, Ödeme, Juckreiz, schmutzig-gelbe Hautfarbe, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfälle.
  • Behandlung: Je nach Ursache und Schweregrad der Niereninsuffizienz. Behandlung der Ursache und bestehender Risikofaktoren (wie Bluthochdruck), Regulierung des Flüssigkeits-, Säure-Basen- und Elektrolythaushaltes, Meiden von nierenschädigenden Medikamenten, ggf. Dialyse oder Nierentransplantation. Zudem Ernährungsempfehlungen.

Was ist eine Niereninsuffizienz?

Bei einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche, Nierenversagen) können die Nieren ihre Hauptaufgabe gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erfüllen. Diese besteht darin, kontinuierlich das Blut zu filtern und zu reinigen - das heisst, überschüssiges Wasser, Mineralien und Stoffwechselprodukte herauszufiltern und als Urin auszuscheiden.

Was passiert bei Nierenversagen?

Wenn die Nieren das Blut nicht mehr (ausreichend) filtern können, sammeln sich harnpflichtige Substanzen im Körper. Das sind Endprodukte des Stoffwechsels, die zwingend mit dem Harn ausgeschieden werden müssen wie etwa Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin.

Reichern sie sich aufgrund der Nierenschwäche im Körper an, mündet das schliesslich in eine "Harnvergiftung" (Urämie) - mit negativen Folgen für den ganzen Körper, angefangen von Juckreiz über Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit. Unbehandelt endet eine Urämie mit dem Tod.

Zudem stauen sich bei Niereninsuffizienz auch Wasser und Mineralstoffe im Körper. Das kann unter anderem Gewebeschwellungen (Ödemen) und Herzrhythmusstörungen (durch zu viel Kalium) hervorrufen. Als weitere Folge kann sich etwa eine metabolische Azidose (stoffwechselbedingt "saures" Blut) bei Niereninsuffizienz entwickeln.

Niereninsuffizienz - akut oder chronisch

Von akuter Niereninsuffizienz sprechen Mediziner, wenn die Nierenfunktion akut nachlässt, also innerhalb kurzer Zeit. Dieser Funktionsverlust ist potenziell umkehrbar (reversibel). Mehr darüber erfahren Sie im Beitrag Akutes Nierenversagen.

Bei der chronischen Niereninsuffizienz lässt die Nierenfunktion schleichend und dauerhaft nach. Weitere Informationen zu dieser Verlaufsform der Nierenschädigung finden Sie im Beitrag Chronische Niereninsuffizienz.

Bei einer Niereninsuffizienz spricht man allgemein oft auch von Nierenversagen. Streng genommen steht dieser Begriff aber nur für das Endstadium einer chronischen Niereninsuffizienz (auch "terminale Niereninsuffizienz" genannt).

Ist Nierenversagen heilbar?

Ist mit "Nierenversagen" korrekterweise das Endstadium der chronischen Niereninsuffizienz gemeint, lautet die Antwort: Nein (in Bezug auf die erkrankten Nieren). Der Nierenschaden ist hier so umfassend, dass die Betroffenen zum Überleben auf eine Dialyse ("Blutwäsche") angewiesen sind - oder auf eine neue Niere (Nierentransplantation).

Auch in früheren Stadien ist eine chronische Niereninsuffizienz nicht heilbar in dem Sinne, dass das bereits zerstörte Nierengewebe wieder seine Funktionsfähigkeit zurückgewinnt. Mit der frühzeitigen und richtigen Behandlung schreitet die Erkrankung aber gar nicht erst zum Endstadium fort (oder wenigstens nur sehr langsam).

Eine akute Niereninsuffizienz wiederum kann ausheilen: Wird sie rasch behandelt, erholt sich die Nierenfunktion meist vollständig. Bei einem kleinen Teil der Patienten bleibt allerdings eine chronische Nierenschwäche zurück. Ohne Behandlung verläuft das Nierenversagen in der Regel tödlich.

Wie schnell stirbt man an Nierenversagen?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist nicht möglich. Grundsätzlich gilt:

Eine Dialyse kann bei einer schwerwiegenden Nierenschädigung lebensrettend sein. Die Lebenserwartung von chronischen Dialysepatienten ist allerdings deutlich reduziert (im Vergleich zur gleichaltrigen Normalbevölkerung).

Besonders kritisch ist die Situation, wenn zusätzlich Begleiterkrankungen wie Diabetes oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) vorliegen. Auch andere Faktoren wie das Alter des Patienten beeinflussen, in welchem Ausmass bei Nierenversagen die Lebenserwartung verkürzt ist.

Besser sieht die Prognose aus, wenn schwer Nierenkranke eine Spenderniere erhalten: Sie haben nach der Nierentransplantation eine deutlich höhere Lebenserwartung als Dialysepatienten.

Mehr zur Lebenserwartung von Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz lesen Sie hier.

Wie kommt es zum Nierenversagen?

Eine akute Niereninsuffizienz kann beispielsweise durch einen starken Blutverlust infolge eines Unfalls oder einer grossen Operation verursacht werden. Die Nieren werden dann nicht mehr ausreichend durchblutet, was ihre Funktion beeinträchtigt.

Gerade bei alten und gebrechlichen Menschen beruht ein akutes Nierenversagen oft darauf, dass sie viel zu wenig trinken, sodass der Körper austrocknet (Dehydration). Auch bestimmte Medikamente, Infektionen, nicht-infektiöse Nierenentzündungen, Tumore oder eine Herzschwäche können eine plötzliche Nierenschwäche auslösen.

Mehr zu den Ursachen des akuten Nierenversagens erfahren Sie hier.

Einer chronischen Nierenschwäche liegt sehr oft die Zuckerkrankheit Diabetes zugrunde. Die anhaltend erhöhten Blutzuckerwerte schädigen die Nierenkörperchen (Glomeruli), also die Filtereinheiten der Nieren. Diese Form der Nierenschädigung wird "diabetische Nephropathie" genannt.

Auch langjähriger Bluthochdruck schädigt die Nieren häufig chronisch. Weitere mögliche Ursachen sind zum Beispiel Nierenentzündungen und Zystennieren (meist angeborene Bildung zahlreicher flüssigkeitsgefüllter Hohlräume (Zysten) in den Nieren).

Mehr über mögliche Ursachen und Risikofaktoren einer chronischen Niereninsuffizienz lesen Sie hier.

Niereninsuffizienz: Symptome

Eine akute Niereninsuffizienz verläuft oft mit nur unspezifischen Beschwerden wie rasche Ermüdbarkeit. Als auffälligstes Symptom kann sich auch die Harnmenge verringern. Das passiert aber nicht immer. Manche Betroffene scheiden sogar übermässig viel Urin aus (Polyurie).

Eine chronische Nierenschwäche zeigt anfangs keine Symptome. Erst mit zunehmender Nierenschädigung stellen sich allmählich Krankheitszeichen ein, zum Beispiel Schwäche, Juckreiz, schmutzig-gelbe Hautfärbung (Café-au-lait-Hautfarbe) und urinartiger Geruch der Ausatemluft, der Haut und des Schweisses (urämischer Fötor).

Scheiden die Nieren zu wenig Wasser aus, sammelt es sich für gewöhnlich im Gewebe. Die Folge sind beispielsweise Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen. Die „Überwässerung“ kann aber auch die Lungen betreffen (Lungenödem).

Mit der Zeit zieht eine Nierenschwäche verschiedene Organe und Organsysteme in Mitleidenschaft, was sich etwa in Übelkeit und Erbrechen, Herzbeutelentzündung, Blutarmut (Anämie) sowie Krampfanfällen äussern kann.

Mehr über die Anzeichen einer gestörten Nierenfunktion lesen Sie im Beitrag Nierenversagen - Symptome.

Niereninsuffizienz: Diagnose

Am Beginn steht ein ausführliches Arzt-Patient-Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei fragt der Arzt unter anderem, welche Beschwerden der Patient hat und wie lange diese schon bestehen. Zudem erkundigt er sich nach Grunderkrankungen (wie Bluthochdruck) und Medikamenten, die der Patient einnimmt.

Nach dem Anamnesegespräch folgen eine körperliche Untersuchung sowie Blut- und Urinuntersuchungen. Bei Niereninsuffizienz relevante Blutwerte sind unter anderem Kreatinin, Harnstoff und die Kreatinin-Clearance. Diese Nierenwerte geben dem Arzt einen Hinweis darauf, wie sehr die Nierenfunktion beeinträchtigt ist.

Ebenfalls aufschlussreich ist der Nachweis einer erhöhten Menge an Eiweiss im Urin (Proteinurie). Sie signalisiert oftmals eine Niereninsuffizienz, kann aber auch andere Ursachen haben.

Mittels Ultraschalluntersuchung kann der Arzt gegebenenfalls krankhafte Veränderungen im Bereich der Nieren oder ableitenden Harnwege feststellen. Je nach Bedarf stehen noch weitere Untersuchungen an, zum Beispiel die Entnahme und Analyse einer Gewebeprobe aus der Nieren (Nierenbiopsie). Sie kann helfen, bei nachgewiesener Nierenschwäche die Ursache abzuklären.

Genaueres zu Untersuchungen und Diagnose der akuten Niereninsuffizienz erfahren Sie hier. Wenn Sie mehr über die Abklärung einer chronischen Nierenschwäche wissen möchten, lesen Sie bitte hier weiter.

Niereninsuffizienz: Stadien

Bei einer akuten Niereninsuffizienz lassen sich unter anderem vier Phasen im Krankheitsverlauf unterscheiden: Es beginnt mit der Schädigungsphase (Initialphase), die nur Stunden bis Tage andauert, und endet mit der Wiederherstellungsphase. Während letzterer erholt sich die Nierenfunktion mehr oder weniger wieder, was bis zu zwei Jahre dauern kann. Zudem wird das akute Nierenversagen je nach Ausmass in drei Stadien eingeteilt, abhängig von den Nierenwerten und der Urinausscheidung.

Mehr über die Stadien und Verlaufsphasen einer akuten Nierenschwäche erfahren Sie hier.

Die chronische Niereninsuffizienz teilen Mediziner üblicherweise in fünf Stadien ein. In den frühen Stadien ist die Nierenfunktion nur leicht beeinträchtigt. Im Stadium 5 hingegen haben die Nieren ihre Funktion (fast) ganz eingestellt.

Mehr über die verschiedenen Schweregrade der chronischen Nierenschwäche lesen Sie im Beitrag Niereninsuffizienz - Stadien.

Niereninsuffizienz: Behandlung

Die Niereninsuffizienz-Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung.

Bei jeder Form von Nierenschwäche überwachen und regulieren Ärzte den Säure-Basen- und den Elektrolythaushalt (Elektrolyte = Blutsalze). Hierfür verordnen sie möglicherweise Medikamente. Sogenannte Diuretika ("Wassertabletten") sind manchmal nötig, damit Betroffene noch ausreichend urinieren und "Giftstoffe" ausscheiden können.

Ebenfalls wichtig ist es, nierenschädigende Medikamente bei einer Niereninsuffizienz zu meiden beziehungsweise nur mit Vorsicht und in reduzierter Dosis anzuwenden. So darf zum Beispiel das bekannte Schmerz- und Fiebermittel Ibuprofen bei schwerer Niereninsuffizienz nicht eingenommen werden.

Nehmen Sie Medikamente am besten nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein.

Bei hochgradigem Nierenversagen besteht die Therapie in einer künstlichen Blutreinigung (Dialyse) oder einer Nierentransplantation.

Mehr über die Therapie der akuten Niereninsuffizienz erfahren Sie hier. Wie eine chronische Nierenschwäche behandelt wird, lesen Sie hier.

Niereninsuffizienz: Ernährung

Patienten können bei Niereninsuffizienz auch selbst etwas tun, um ihre Nieren zu entlasten und ihren Allgemeinzustand zu verbessern. Wichtig ist beispielsweise, die eigene Eiweiss- und Kalorienzufuhr im Auge zu behalten. Durch die beeinträchtigte Nierenfunktion kann es nämlich zu einem verstärkten Eiweissabbau sowie Fettstoffwechselstörungen kommen.

Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz verzehren etwa Lebensmittel, die natürlicherweise oder als Zusatz viel Phosphat enthalten, am besten nur in Massen. Dazu gehören etwa Nüsse, Innereien, Vollkornbrot, Milch, Schmelzkäse und manche Wurstsorten.

Besondere Empfehlungen gelten zudem für Patienten mit Nierenversagen, die eine Dialyse erhalten.

Mehr zum Thema erfahren Sie im Beitrag Ernährung bei Niereninsuffizienz.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
N17N19Z49N18I13
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bieber, C. et al.: Duale Reihe Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2018
  • Buchta, M. et al.: Das Zweite StEx - Basiswissen Klinische Medizin für Examen und Praxis, Springer-Verlag, 2002
  • Gerhard, C.: Praxiswissen Palliativmedizin, Georg Thieme Verlag, 2015
  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag, 2022
  • Nowak, D. & Ochmann, U. (Hrsg.): ELSEVIER ESSENTIALS Arbeitsmedizin, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 2018
  • Pschyrembel Online: Klinisches Wörterbuch, unter: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 22.02.2022)
  • Springer Medizin, e.Medpedia: Akutes Nierenversagen: Pathophysiologie, Prävention, Therapie und Sonderformen, unter: www.springermedizin.de (Abrufdatum: 22.02.2022)
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