Niereninsuffizienz – Stadien

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die chronische Niereninsuffizienz ist durch eine schleichende Verschlechterung der Nierenfunktion gekennzeichnet. Je nach Schweregrad unterscheiden Mediziner fünf Niereninsuffizienz-Stadien. Als Kriterium für die Einteilung dient die glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Dieser Laborwert gibt Auskunft über die Menge des pro Minute von der Niere gefilterten Blutes und erlaubt eine Ausage über das Ausmass der Nierenschädigung.

Fragen zu den Stadien der Niereninsuffizienz

Welche Stadien der chronischen Niereninsuffizienz gibt es?

Mediziner beurteilen die Funktion der Niere gemäss der KDIGO-Empfehlungen anhand der glomerulären Filtrationsrate (KDIGO: Kidney Disease: Improving Global Outcomes). Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist ein Mass für die Menge an Blut, die die Nieren pro Minute filtern.

Gesunde Nieren weisen eine glomeruläre Filtrationsrate von 95 bis 110 Milliliter pro Minute auf, das heisst: Pro Minute filtern die Nieren diese Blutmenge und reinigen sie von harnpflichtigen Substanzen. Mit zunehmender Niereninsuffizienz verschlechtert sich dieser Wert.

Chronische Niereninsuffizienz – Stadium 1

Im ersten Niereninsuffizienz-Stadium beträgt die GFR noch mindestens 90 Milliliter pro Minute. Der Kreatinin-Spiegel im Blut ist normal, allerdings findet sich oft schon vermehrt Eiweiss im Urin – ein Anzeichen für eine Störung der Nierenfunktion.

Im Ultraschall zeigen sich manchmal schon erste krankhafte Veränderungen der Nieren. In diesem frühen Stadium wird die Niereninsuffizienz aber meist nur zufällig entdeckt. Lässt sich die Ursache der Nierenschwäche herausfinden und behandeln, lässt sich damit einer weiteren Abnahme der Nierenfunktion entgegenwirken.

Chronische Niereninsuffizienz – Stadium 2

Das Niereninsuffizienz-Stadium 2 ist durch eine GFR zwischen 60 und 89 Milliliter pro Minute gekennzeichnet. Nach wie vor zeigen sich im Blut aber in der Regel keine Auffälligkeiten. Nur eine gezielte Untersuchung der Nierenfunktion lässt die gestörte Filterleistung erkennen.

Chronische Niereninsuffizienz – Stadium 3

Im Niereninsuffizienz-Stadium 3 beträgt die GFR zwischen 30 und 59 Milliliter pro Minute. Die Filterfunktion der Nieren ist nun soweit verringert, dass die Blutwerte von Kreatinin und Harnstoff ansteigen. Mediziner sprechen auch vom Stadium der kompensierten Retention. Das bedeutet, dass harnpflichtige Substanzen nicht mehr vollständig, aber noch in ausreichendem Masse ausgeschieden werden.

Chronische Niereninsuffizienz – Stadium 4

Sinkt die GFR auf einen Wert zwischen 15 und 29 Milliliter pro Minute, sprechen Mediziner vom Niereninsuffizienz-Stadium 4 oder einer dekompensierten Retention. Die Konzentration harnpflichtiger Substanzen im Blut steigt nun deutlich an.

Chronische Niereninsuffizienz – Stadium 5 (terminale Niereninsuffizienz)

Das Niereninsuffizienz-Stadium 5 mit einer GFR unter 15 Millilitern pro Minute bezeichnen Mediziner auch als terminale Niereninsuffizienz, also Nierenschwäche im Endstadium oder Nierenversagen. Die Nierenfunktion ist nun massiv eingeschränkt beziehungsweise die Nieren fallen völlig aus und sind nicht mehr in der Lage, das Blut zu reinigen.

Diese Aufgabe muss nun schnell ein Nierenersatzverfahren übernehmen, sonst vergiften die harnpflichtigen Substanzen den Körper: Der Betroffene ist auf eine Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation angewiesen.

Wie hoch ist die Lebenserwartung in den einzelnen Stadien?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Lebenserwartung von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel Alter und Geschlecht abhängt.

Auswertungen zahlreicher Patientendaten zufolge liegt beispielsweise die Lebenserwartung eines 30-jährigen Mannes mit einer geschätzten GFR (eGFR) über 60 durchschnittlich bei etwa 39 Jahren, bei einer eGFR unter 30 bei etwa 15 Jahren. Ein 70-jähriger Mann hat bei einer eGFR über 60 eine durchschnittliche Lebenserwartung von neun Jahren, bei einer eGFR unter 30 sind es knapp vier Jahre.

Bei dialysepflichtigen Betroffenen, die die Dialyse selbst zu Hause durchführen (Heimdialyse) beträgt die Zehn-Jahres-Überlebensrate etwa 55 Prozent, sie nimmt aber mit steigendem Lebensalter ab. Im Vergleich zur Dialyse erhöht sich die Lebenserwartung durch eine Nierentransplantation im Durchschnitt um etwa 14 Jahre.

Welche Symptome zeigen sich in den einzelnen Stadien?

Eine Niereninsuffizienz in den frühen Stadien 1 bis 3 verursacht Betroffenen oft noch keine Beschwerden. Manchmal treten ab Stadium 2 erste Symptome wie Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödem), verfärbter Urin, ein Anstieg des Blutdrucks oder Blutarmut mit Leistungsabfall und rascher Ermüdbarkeit auf. Auch der Knochenstoffwechsel ist unter Umständen bereits verändert, und es kommt zu einer Entkalkung der Knochen.

Allerdings nehmen Betroffene die Veränderungen oft noch nicht bewusst war. Beschwerden wie eine verringerte Leistungsfähigkeit führen sie häufig auf das zunehmende Alter oder andere Faktoren zurück.

Im Stadium 4 und 5 verursacht die nun deutlich verringerte Nierenfunktion immer stärkere Beschwerden wie etwa Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Juckreiz, Nerven- und Knochenschmerzen. Ausserdem bilden sich vermehrt Ödeme, zum Beispiel an den Beinen oder im Gesicht. Störungen im Säure-Base-Haushalt führen zu einer dauerhaften Übersäuerung, wodurch verstärkt Muskeleiweisse abgebaut werden. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt dadurch weiter ab. Das gleiche gilt für die Urinmenge.

Da die Wartelisten für eine Spenderniere lang sind, müssen sich Betroffene im Stadium 5 auf eine oft mehrjährige regelmässige Dialysebehandlung einstellen. So gut diese künstliche Blutfilterung auch funktioniert, ist sie doch nicht in der Lage, die Nieren vollständig zu ersetzen: Ein Teil der harnpflichtigen Substanzen lagert sich in die Haut ein, was eine gelbliche Verfärbung und Juckreiz zur Folge hat.

Manche Menschen entwickeln im Zuge der Behandlung auch Wadenkrämpfe, Wahrnehmungsstörungen, Herzrhythmusstörungen sowie Verwirrtheit bis hin zu Bewusstlosigkeit. Dennoch ist eine Dialyse in diesem letzten aller Niereninsuffizienz-Stadien absolut lebensnotwendig, solange keine Spenderniere zur Verfügung steht.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
N17N19Z49N18I13
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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