Lungenembolie

Von , Ärztin
und , Wissenschaftsjournalistin
Aktualisiert am
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

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Bei einer Lungenembolie (Lungenarterienembolie) ist ein Blutgefäss der Lunge verstopft, meist durch ein Blutgerinnsel. Die Lunge wird dann weniger durchblutet. So gelangt nur nicht genug Sauerstoff ins Blut. Wichtige Anzeichen für eine Lungenembolie sind plötzliche Atemnot und Brustschmerzen. Mitunter kommt es zum Kreislauf-Kollaps. Eine Lungenembolie ist lebensbedrohlich. Lesen Sie hier alles Wichtige über die Symptome, Ursachen und die Behandlung einer Lungenembolie.

Mann im Krankenhaus

Kurzübersicht

  • Symptome: Atemnot, Brustschmerzen, Angst und Unruhe, (Blut-)Husten, Schwindel oder Ohnmacht
  • Ursachen und Risikofaktoren: u. a. Rauchen, Anti-Baby-Pille, Herz- und Lungen-Erkrankungen, höheres Alter, längeres beengtes Sitzen, Übergewicht, Operationen, Bettlägerigkeit
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Hohes Sterberisiko in den ersten beiden Stunden nach Symptom-Beginn; verbesserte Prognose bei rascher Behandlung
  • Behandlung: Atmung und Kreislauf stabilisieren, Sauerstoff und Schmerz-Mittel/blutverdünnende Mittel verabreichen (Thrombus-Auflösung), ggf. Katheter-Therapie, selten Operation
  • Untersuchungen und Diagnose: Blut-Untersuchung, EKG, Ultraschall, Computertomografie (CT), Szintigrafie
  • Vorbeugen: Bewegung, Rauch-Stopp, Kompressions-Strümpfe, Medikamente bei Blutgerinnungs-Störungen, frühzeitige Mobilisation nach Operationen

Was ist eine Lungenembolie?

Bei einer Lungenembolie verstopft eines der Blutgefässe, das zur Lunge führt (Lungen-Arterie). Ursache ist ein Blut-Pfropf (Embolus). Dieser entstammt aus einer Vene, häufig aus der Bein- oder Becken-Vene. Die Häufigkeit einer Lungenembolie schwankt im Jahr zwischen 35 und 115 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Eine Lungenembolie ist eine der Hauptursachen für die Sterblichkeit im Krankenhaus. Bei etwa ein bis zwei Prozent der Patienten kommt es während eines Klinik-Aufenthaltes dazu. Vermutlich wird das verstopfte Gefäss oft nicht erkannt. Nur bei einem Viertel der durch eine Lungenembolie Verstorbenen, stand die Diagnose vor dem Tod fest.

Was sind die Symptome bei einer Lungenembolie?

Art und Schwere der Lungenembolie-Symptome hängen von der Grösse des erkrankten Lungen-Bereichs ab. Sehr kleine Lungenembolien verursachen manchmal keine Beschwerden. Meistens kommt es aber zu einer recht plötzlich einsetzenden Atemnot, die von Brustschmerzen begleitet wird.

Eine ausgeprägte Lungenembolie führt mitunter zu einem Kreislauf-Zusammenbruch und im Extremfall zum Tod.

Klassische Symptome der Lungenembolie

Je nachdem, wie gross das verstopfte Blutgefäss der Lunge ist, treten folgende Lungenembolie-Anzeichen auf:

  • Atemnot und/oder beschleunigte Atmung
  • Herzrhythmus-Störungen (Herzrasen, Herzstolpern)
  • Brustschmerzen (die ggf. zum Bauch oder zur Schulter hin ausstrahlen, ggf. auch Rückenschmerzen)
  • Angst und Unruhe-Gefühl
  • Husten und/oder Bluthusten
  • Rassel-Geräusche beim Atmen
  • Schweiss-Ausbrüche
  • Schwindel oder Ohnmachts-Anfall

Wenn sehr grosse Gefässe von der Embolie betroffen sind oder ein grosses Areal der Lunge nicht mehr durchblutet wird, kommt es sehr rasch zum Kreislauf-Zusammenbruch in Form eines Schocks. Dabei ist der Blutdruck sehr niedrig.

Das Herz versucht trotzdem genügend Blut in alle Organe des Körpers zu pumpen und schlägt daher schneller. Hände, Arme, Füsse und Beine wirken kühl, da sie am wenigsten durchblutet werden. Manchmal verfärben sich die Lippen bläulich. Sind Betroffene bei Bewusstsein empfinden sie oft Unruhe und/oder Angst.

Ist ein grosses Lungen-Areal betroffen, spricht man auch von einer fulminanten Lungenembolie.

Vorboten einer Lungenembolie

Bevor ein Blutgerinnsel eine Lungen-Arterie verstopft, lösen sich manchmal kleine Teile daraus und wandern in kleinere Lungen-Gefässe. Dies verursacht mitunter bereits Symptome wie Brustschmerzen, eine pfeifende Atmung, Husten oder Ohnmacht. Bei rascher Behandlung lässt sich ein schwerwiegenderes Ausmass oft verhindern.

Derartige Beschwerden gilt es deshalb unbedingt ernstzunehmen. Das gilt besonders bei Atemnot und Brustschmerzen, wenn gleichzeitig eine Beinvenen-Thrombose vorliegt. Eine Lungenembolie droht, wenn Teile des Blutgerinnsels in tiefen Beinvenen vom Blut mitgerissen und in die Lunge geschwemmt werden.

Bei einer Beinvenen-Thrombose ist das betroffene Bein oft schmerzhaft geschwollen, rötlich verfärbt und wärmer als das andere Bein. War der Patient zuvor nicht wie gewohnt mobil und vielleicht sogar bettlägerig, ist bereits ein gerötetes Bein ein Thrombose-Alarmzeichen.

Bei Patienten, die nach einer OP passiv sind, ist die Gefahr einer Lungenembolie grösser. Denn ohne Bewegung haben es die Venen schwerer, den Blutfluss in Gang zu halten. Dann bilden sich leicht Blutgerinnsel.

Durch Inaktivität und/oder Ruhigstellung einer Gliedmasse verlangsamt sich der Blutfluss. In der Folge steigt das Risiko, dass ein Blutgerinnsel entsteht und eine Lungenembolie auslöst!

Komplikationen einer Lungenembolie

Je grösser das Blutgefäss ist, das verstopft, desto schwerwiegender sind die Folgen. Sie sind für den Patienten mitunter lebensbedrohlich. In der folgenden Tabelle sind mögliche Lungenembolie-Folgen und ihre wichtigsten Symptome aufgeführt.

Komplikation einer Lungenembolie

Symptome

Lungenfell-Entzündung

atemabhängige Brustschmerzen

Eintritt von Gewebe-Wasser zwischen die beiden Lungenblätter (Pleura-Erguss)

Atemnot, Geräusche bei der Atmung

Lungen-Infarkt

Bluthusten

Lungen-Entzündung durch einen Lungen-Infarkt (Infarktpneumonie)

Husten, Atemnot, Fieber, Schüttelfrost

Rechtsherz-Schwäche und Rechtsherz-Versagen

gestaute (verdickte) Halsvenen, Wasser-Einlagerungen in den Beinen

Bluthochdruck im Lungen-Kreislauf (Pulmonale Hypertonie)

abnehmende Leistungsfähigkeit, Atemnot bei leichten Belastungen, Schwindel

Manche der Probleme treten recht schnell nach einer Embolie auf. Andere entwickeln sich erst nach Tagen oder Wochen.

Was sind die Ursachen für eine Lungenembolie?

Wie entsteht eine Lungenembolie? Sie entsteht dadurch, dass ein blutzuführendes Gefäss der Lunge verstopft. Diese Verstopfung hat verschiedene Gründe.

Lungenembolien durch Blutgerinnsel

In den meisten Fällen ist die Lungenembolie die Folge eines Blutgerinnsels, das in einer Beinvene entstanden ist (Beinvenen-Thrombose) und mit dem Blutstrom in die Lunge geschwemmt wurde. Das Gerinnsel löst sich etwa morgens beim Aufstehen, durch Pressen beim Stuhlgang oder plötzliche körperliche Anstrengung.

Lungenembolie infolge einer Thrombose
Lungenembolie
Eine Lungenembolie entsteht, wenn sich ein Teil eines Blutgerinnsels löst und über das Herz in eine Lungenarterie gelangt.

Das losgelöste Gerinnsel gelangt mit dem Venen-Blut zum rechten Herzen und wird von dort aus in die Lunge gepumpt. Da sich die Lungen-Arterien immer weiter verästeln und entsprechend schmaler werden, bleibt das Gerinnsel irgendwann stecken und blockiert das Gefäss.

Bestimmte Risikofaktoren fördern die Entstehung einer Beinvenen-Thrombose. Hierzu gehören:

  • Rauchen
  • Einnahme der Anti-Baby-Pille oder Hormon-Ersatz-Therapien
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Bewegungseinschränkung (Bettlägerigkeit, Gips-Verbände)
  • Krebs-Erkrankungen oder -Behandlungen
  • Operationen (vor allem am Unterleib, Hüft- oder Kniegelenk)
  • Übergewicht
  • Längere Flugreisen
  • Herz- und Lungen-Erkrankungen
  • Gerinnungs-Störungen des Blutes
  • Höheres Lebensalter (ab 50 bis 60 Jahre)
  • Thrombosen bei Familien-Angehörigen
  • Chronisch-venöse Insuffizienz, Krampfadern

Andere Ursachen einer Lungenembolie

Seltener hat die Verstopfung einer Lungenarterie bei Lungenembolie andere Gründe als ein Blutgerinnsel.

Manchmal steckt ein Fett-Embolie dahinter. Hierbei löst sich aus dem Knochenmark Fett, das über die venösen Gefässe in die Lunge wandert und hier ein Gefäss verstopft. Ein Risiko besteht etwa bei orthopädischen Operationen wie der Implantation einer Hüft-Prothese oder nach einem Bruch des Oberschenkel-Knochens.

Die Fruchtwasser-Embolie ist eine für Mutter und Kind sehr ernste Geburtskomplikation. Über die Wunde, die durch die teilweise gelöste Plazenta in der Gebärmutter entstanden ist, dringt Fruchtwasser in den mütterlichen Blutkreislauf und gelangt in die Lunge.

Durch verschiedene Prozesse bilden sich in den Blutgefässen Thrombosen. Die Arterien der Lunge verengen sich. Die zahlreichen Blutgerinnsel lösen Embolien in weiteren Blutgefässen aus, sodass manchmal auch beidseitig eine Lungenembolie besteht. Dadurch besteht die Gefahr eines Herz- und Kreislauf-Zusammenbruchs.

Die Lungenembolie durch Gas (Luft-Embolie) entsteht, wenn Luft in die Körper-Venen übertritt und mit dem Blut in die Lungen-Arterien transportiert wird. Sehr selten geschieht dies über Venen-Zugänge oder durch medizinische Eingriffe.

Wie ist die Lebenserwartung nach einer Lungenembolie?

Die Prognose und Lebenserwartung bei einer Lungenembolie, hängen von ihrem Ausmass und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Eine ausgeprägte Lungenembolie ist lebensbedrohlich. Zu akuten Todesfällen kommt es dann manchmal innerhalb von zwei Stunden nach Auftreten der ersten Symptome.

Die Überlebens-Chancen sind höher, wenn umgehend ein Arzt verständigt und die richtige Behandlung eingeleitet wird.

Nach überstandener Erkrankung ist die Wahrscheinlichkeit, erneut eine Lungenembolie zu erleiden, oft erhöht. Gerinnungshemmende Medikamente senken das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln. Es ist sehr wichtig, diese Mittel genau nach ärztlicher Anweisung einzunehmen.

Manche Patienten nehmen diese medikamentöse Vorbeugung über Monate oder Jahre, einige auch lebenslang ein.

Ob nach einer überstandenen Lungenembolie mit Spätfolgen zu rechnen ist, hängt von der Schwere der Erkrankung ab und davon, wie schnell sich die Durchblutung wiederherstellen liess. Mitunter ist eine körperliche Belastung weniger möglich als vor der Lungenembolie.

Eine Lungenembolie muss nicht dazu führen, dass man arbeitsunfähig wird. Die Arbeitsfähigkeit hängt von der Art der beruflichen Tätigkeit, der Schwere der Erkrankung sowie bestehenden Folgeschäden ab.

Je nach Ausmass der Lungenembolie besteht die Möglichkeit einer Reha. Diese findet entweder stationär oder ambulant statt.

Wie lässt sich eine Lungenembolie behandeln?

Bei Verdacht auf eine Lungenembolie sollten Sie sofort den Notarzt rufen! Der Patient sollte sich möglichst wenig bewegen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich weitere Gerinnsel ablösen und ein Gefäss blockieren. Bei Herz-Kreislauf-Stillstand muss man sofort mit der Wiederbelebung beginnen!

Der Notarzt wird gegebenenfalls die Wiederbelebung fortsetzen und bei Bedarf den Patienten künstlich beatmen. Atmung und Kreislauf des Patienten müssen schnellstens stabilisiert werden, um Organ-Schäden (etwa am Gehirn) zu verhindern.

Der Arzt versorgt den Patienten mit Sauerstoff sowie Medikamenten, wie Blutverdünner und Schmerzmittel. Im Krankenhaus erfolgen dann notwendige Untersuchungen und weitere Massnahmen der Lungenembolie-Therapie.

Diese richten sich nach der Schwere der Erkrankung. Patienten mit einer schweren Lungenembolie werden auf der Intensivstation überwacht und behandelt.

Gerinnungshemmer

Bei einer Lungenembolie erhalten Patienten im Allgemeinen gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien genannt). Diese sorgen dafür, dass sich keine neuen Blutgerinnsel bilden und bestehende Gerinnsel nicht vergrössern. Kleine Blut-Pfropfe baut der Körper selbst ab.

Oft erhält der Patient zuerst einen Gerinnungshemmer als Spritze oder per Infusion, zum Beispiel Heparin. Danach beginnen die Patienten mit der Einnahme eines Gerinnungshemmers in Tablettenform.

Mittlerweile gibt es auch zwei gerinnungshemmende Wirkstoffe, die sich schon direkt nach der Diagnose als Tablette einsetzen lassen – also ohne, dass vorher gerinnungshemmende Spritzen oder Infusionen erforderlich sind.

Die Einnahme eines Gerinnungshemmers in Tablettenform ("orale Antikoagulation") wird mehrere Monate fortgesetzt.

Bei einer leichten Lungenembolie genügen oft Gerinnungshemmer als alleinige Therapie. Besteht ein geringes Risiko für Komplikationen, ist teilweise auch eine ambulante Behandlung möglich.

Medikamente, die das Blutgerinnsel auflösen

Bei einer schwereren Lungenembolie reicht die gerinnungshemmende Therapie nicht aus. Das Blutgerinnsel in der Lunge muss gezielt beseitigt werden, um die Durchblutung des Lungengewebes wiederherzustellen. Das lässt sich durch sogenannte Thrombolytika (auch Fibrinolytika), wie Streptokinase und Urokinase, erreichen.

Patienten erhalten diese Mittel direkt ins Blut. Diese Form der Lungenembolie-Therapie wird medikamentöse Thrombolyse oder Lyse-Therapie genannt.

Die Lyse-Therapie ist bei einer Lungenembolie sehr wirksam. Es besteht jedoch das Risiko ernster Nebenwirkungen: Dazu zählen Blutungen im Körper, etwa im Gehirn. Daher wägt der Arzt Nutzen und Risiko der Lyse-Therapie beim jeweiligen Patienten sorgfältig ab.

Am häufigsten wird die Methode bei Menschen mit schwerer Lungenembolie und instabilem Blutfluss angewendet. Diese "hämodynamisch instabilen" Patienten haben nämlich ein hohes Risiko für (tödliche) Komplikationen. Deshalb ist es hier besonders wichtig, das Gerinnsel in der Lunge schnell zu beseitigen.

Blutgerinnsel mittels Katheter entfernen

Bei manchen Patienten ist eine medikamentöse Thrombolyse zu riskant, etwa weil das Blutungsrisiko zu hoch ist. Dann gibt es die Option, das Blutgerinnsel im Lungengefäss mithilfe eines Katheters zu entfernen.

Der Katheter wird vorsichtig über eine Vene in das betroffene Gefäss eingeführt und bis zum Blutgerinnsel vorgeschoben. Über winzige Instrumente zerkleinert der Arzt der Blutpfropf dann in kleine Teile. Manche Katheter beseitigen das Gerinnsel mit Ultraschall-Wellen. Über den Katheter lässt sich zudem ein Thrombolytikum verabreichen.

Blutgerinnsel mit dem Katheter entfernen
Lungenembolie
Der Katheter wird über eine Vene eingeführt und bis zum Blutgerinnsel vorgeschoben. Anschliessend kann das Gerinnsel durch Instrumente am Katheter zerkleinert und durch Abgabe eines Medikaments (Thrombolytikum) aufgelöst werden.

Blutgerinnsel in einer offenen Operation entfernen

Manchmal ist die Lungenembolie-Behandlung mittels Katheter erfolglos. Dann lässt sich das Blutgerinnsel unter Umständen in einer offenen Operation entfernen. Der Eingriff wird pulmonale Embolektomie genannt. Während der Vollnarkose übernimmt eine Herz-Lungen-Maschine die Aufgaben der beiden Organe für die Dauer der Operation.

Diese Operation birgt viele Risiken und erfolgt nur im äussersten Notfall.

Mit welcher Diagnostik lässt sich eine Lungenembolie erkennen?

Symptome wie plötzliche Brustschmerzen und Atemnot sind mögliche Hinweise für die Diagnose einer Lungenembolie. Allerdings sind diese Beschwerden auch durch andere Ursachen möglich.

Erlaubt es der Zustand des Patienten, stellt der Arzt zunächst einige Fragen, um die Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Das hilft, die Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie abzuschätzen. Mögliche Fragen des Arztes sind:

  • Sind Ihre Unterschenkel geschwollen oder gerötet?
  • Wurden Sie in den letzten vier Wochen operiert?
  • Waren Sie für längere Zeit bettlägerig oder eingeschränkt mobil?
  • Leiden Sie an einer Tumor-Erkrankung?
  • Haben Sie in den letzten sechs Wochen eine Tumor-Therapie bekommen (Bestrahlung, Chemo-Therapie etc.)?
  • Litten Sie schon einmal an einer tiefen Beinvenen-Thrombose oder einer Lungenembolie?
  • Husten Sie Blut ab?
  • Liegt eine Schwangerschaft vor?
  • Nehmen Sie die Anti-Baby-Pille oder ein anderes Präparat mit weiblichen Geschlechtshormonen?

Im Anschluss an das Anamnese-Gespräch folgt eine genaue körperliche Untersuchung, um weitere Hinweise auf eine Lungenembolie zu finden. Der Arzt hört zum Beispiel Herz und Lunge ab und misst den Blutdruck des Patienten.

Blut-Untersuchungen

Bestimmte Blutwerte sind wegweisend für eine Lungenembolie-Diagnose. Das Eiweiss Fibrin ist beteiligt, wenn ein Blut-Pfropf entsteht. Versucht der Körper, ein Blutgerinnsel aufzulösen, entstehen bei der Spaltung von Fibrin sogenannte D-Dimere. Sind keine D-Dimere nachweisbar, ist eine Lungenembolie sehr unwahrscheinlich.

Weitere wichtige Werte sind Troponin und Brain Natriuretic Peptide (BNP). Bei einer Lungenembolie sind deren Spiegel im Blut erhöht.

Auch die Sauerstoff-Sättigung und der Gehalt an Kohlenstoffdioxid im Blut sind wichtige Parameter bei Verdacht auf eine Lungenembolie. Bei einer Lungenembolie sinkt der Sauerstoff-Gehalt. Die Atmung beschleunigt sich, um diesen Mangel auszugleichen. Dadurch wird vermehrt Kohlendioxid abgeatmet – sein Gehalt im Blut sinkt ebenfalls.

EKG

Eine Elektrokardiografie (EKG) unterstützt ebenfalls eine Lungenembolie-Diagnose. Über Elektroden am Körper des Patienten lässt sich die Reiz-Leitung im Herzen aufzeichnen. Bei einer Lungenarterienembolie zeigen sich im EKG mitunter Zeichen einer Überlastung des Herzmuskels.

Ultraschall-Untersuchung

Eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiografie) hilft dabei, herauszufinden, ob die Herzfunktion infolge einer Lungenembolie eingeschränkt ist. Dazu wird ein Gel auf den Brustkorb im Bereich des Herzens aufgetragen. Der Untersucher beurteilt in der Untersuchung die Herzhöhlen, -klappen und den Blutfluss.

Zudem werden oft die Beinvenen mit dem Ultraschall-Gerät untersucht: Sehr oft entwickelt sich eine Lungenembolie als Folge einer Beinvenen-Thrombose. Im Ultraschall lassen sich mögliche Restgerinnsel in den Venen entlarven.

Angio-CT und Szintigrafie

Mittels einer Angio-Computertomografie (CT) lässt sich eine Lungenembolie meist sichtbar machen. Vor der Untersuchung spritzt der Arzt dem Patienten ein Kontrastmittel in eine Armvene. Im anschliessenden CT-Bild lassen sich der Verlauf der Lungengefässe darstellen und Thromben ausfindig machen.

In einigen Fällen wird auch eine Szintigrafie der Lunge durchgeführt. Das ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der der Patient eine radioaktiv markierte Substanz einatmet. Auf den Bildern der Untersuchung lässt sich erkennen, wie gut die einzelnen Lungen-Areale durchblutet und belüftet sind.

Wie lässt sich einer Lungenembolie vorbeugen?

Sorgen Sie generell im Alltag für regelmässige Bewegung beziehungsweise Sport. Das beugt der Bildung von Blutgerinnseln und damit auch einer möglichen Lungenembolie vor. Auch nach einer Lungenembolie ist Sport nach ärztlicher Absprache möglich, sofern es dem Gesundheitszustand angemessen ist.

Bei längerer Bettlägerigkeit und Erkrankungen, die mit einem Thrombose-Risiko einhergehen, verordnet der Arzt oft gerinnungshemmende Medikamente (etwa als Heparin-Spritze). Sie sollen das Risiko für Thrombose und Lungenembolie senken.

Rauchen Sie nicht! Dies gilt besonders, wenn bei Ihnen bereits Thrombosen aufgetreten sind.

Nach einer Operation ist es wichtig, sich so bald wie möglich wieder zu bewegen. Auch wenn Sie noch im Bett liegen müssen, gibt es sinnvolle Übungen, etwa indem Sie durch wechselnde Anspannung der Muskulatur den Blutfluss in den Venen beschleunigen. Das senkt das Risiko, dass sich Blutgerinnsel bilden.

Auf längeren Flug-Reisen gilt es den Blutfluss in den Beinen anzuregen. Stehen Sie nach Möglichkeit hin und wieder auf und gehen Sie ein paar Schritte. Betreiben Sie im Sitzen Fuss-Gymnastik (zum Beispiel die Füsse kreisen). Trinken Sie ausreichend, möglichst Wasser. Kaffee oder Alkohol hingegen entziehen dem Körper Wasser.

Tragen Sie keine einengende Kleidung. Besonders bei bekannter Venen-Schwäche ist es sinnvoll, Kompressions-Strümpfe während des Fluges zu tragen. Auch bei längerer Bettlägerigkeit und in der Schwangerschaft sind solche Strümpfe zum Schutz vor Thrombosen unter Umständen sinnvoll.

Bei grossem Thrombose- und Lungenembolie-Risiko ist mitunter eine Art Sieb (Cava-Schirm) in der unteren Hohlvene eine Option, um einer Lungenembolie vorzubeugen. Es fängt Gerinnsel aus den Beinvenen ab, sodass sie nicht in die Lunge gelangen und eine Lungenembolie auslösen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Beate Eigler
Autoren:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Carola Felchner
Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

ICD-Codes:
I26
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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