Angiografie

Von , Ärztin
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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

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Bei der Angiografie (Angiographie) werden Gefässe mit Hilfe diagnostischer Bildgebungsverfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomografie (MR-Angiografie) oder Computertomografie (CT-Angiografie) dargestellt. Der Arzt kann damit Gefässerkrankungen diagnostizieren und beurteilen. Lesen Sie alles Wichtige über die Angiografie, wie sie abläuft und welche Risiken sie birgt.

Angiographie_

Was ist eine Angiografie?

Die Angiografie ist eine radiologische Untersuchung, bei der die Gefässe mit Kontrastmittel gefüllt werden, um sie mit Hilfe von Röntgen, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie sichtbar zu machen und in einem sogenannten Angiogramm abzubilden. Dabei unterscheidet man je nach Art der untersuchten Gefässe:

  • Angiografie der Arterien (Arteriografie)
  • Angiografie der Venen (Phlebografie)
  • Angiografie der Lymphabflussbahnen (Lymphografie)

Wann macht man eine Angiografie?

Eine Angiografie dient zur Diagnostik von Erkrankungen, die mit Verengungen oder Verschlüssen von Gefässen einhergehen.

Angiografie: Herz

Die Angiografie am Herz wird auch als Koronar-Angiografie bezeichnet. Sie macht die Herzkranzgefässe sichtbar, die im Rahmen einer koronaren Herzerkrankung oder eines Herzinfarkts verändert oder verschlossen sein können. Ausserdem können die Herzinnenräume dargestellt und ihre Grösse und Funktion beurteilt werden.

Angiografie: Auge

Mit Hilfe der sogenannten Fluoreszenz-Angiografie kann der Arzt die feinen Blutgefässe der Netzhaut beurteilen und so etwa eine altersabhängige Makuladegeneration diagnostizieren. Anstelle des Kontrastmittels wird hierbei ein spezieller grüner Farbstoff (Fluoreszein) verwendet.

Angiografie: Gehirn

Mit der zerebralen Angiografie (lat. Cerebrum = Gehirn) lassen sich sowohl die Blutgefässe im Gehirn als auch die versorgenden Gefässe im Halsbereich darstellen. Das macht man zum Beispiel bei Verdacht auf einen Hirntumor, eine Hirnblutung oder Gefässerkrankungen im Schädelbereich besteht.

Angiografie: Beine

Die Arteriografie der Bein- und Beckengefässe dient zum Nachweis von Gefässeinengungen zum Beispiel bei Diabetikern. Die Phlebografie wird bei Verdacht auf Thrombosen und zur Therapieplanung bei Krampfadern durchgeführt.

Besteht eine Kontrastmittelunverträglichkeit, kann an den Beinen auch eine CO2-Angiografie durchgeführt werden. Dabei wird das Kontrastmittel durch Kohlendioxid ersetzt.

Was macht man bei einer Angiografie?

Vor der eigentlichen Untersuchung erstellt Ihr Arzt eine Anamnese und klärt Sie über die Risiken und Nutzen des Eingriffs auf. Zusätzlich werden Ihre Blutwerte gemessen.

Bei der konventionellen Angiografie wird - meist unter örtlicher Betäubung - ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) in die zu gewünschte Arterie, Vene oder das Lymphgefäss eingeführt und bis kurz vor den zu untersuchenden Gefässabschnitt vorgeschoben. Nach der Injektion des Kontrastmittels, das die Gefässe füllt, wird die entsprechende Körperregion geröntgt. Das Kontrastmittel erscheint auf dem Röntgenbild weiss, da es die Röntgenstrahlen absorbiert. Somit zeichnen sich auch die Gefässinnenräume auf dem Angiogramm ab.

Abschliessend wird der Katheter entfernt und ein Druckverband über der Punktionsstelle angelegt.

Eine spezielle Form ist die digitale Subtraktionsangiografie (DSA), bei der sowohl vor als auch nach der Kontrastmittelverteilung Aufnahmen gemacht werden. Ein Computer entfernt identische Bereiche auf beiden Bildern. Übrig bleiben die kontrastmittelgefüllten Gefässe, sodass diese besonders deutlich sichtbar sind.

Im Gegensatz dazu muss das Kontrastmittel bei einer Angiografie mittels Computertomografie (CT-Angiografie) oder mittels Kernspintomografie / Magnetresonanztomografie (MR-Angiografie) nicht direkt in das darzustellende Gefäss gespritzt werden. Stattdessen wird es meist über eine Armvene oder Armarterie verabreicht.

Für die Time-of-Flight-MR-Angiografie (TOF-Angiografie) wird kein Kontrastmittel benötigt, da hier die Bilder durch die Magnetisierung von frisch einströmendem Blut erstellt werden. Dabei wird die Tatsache genutzt, dass Hämoglobin (der eisenhaltige rote Blutfarbstoff) unterschiedliche magnetische Eigenschaften hat, wenn es mit Sauerstoff beladen oder unbeladen ist. Die TOF-Angiografie wird speziell dann angewendet, wenn Gefässe im Schädel untersucht werden sollen.

Welche Risiken birgt eine Angiografie?

Die Angiografie ist eine relativ komplikationslose Untersuchung. Bei der Injektion des Kontrastmittels kann es zu einem Wärmegefühl oder einem unangenehmen Geschmack im Mund kommen. Diese harmlosen Begleiterscheinungen verschwinden unmittelbar nach der Injektion.

In seltenen Fällen reagieren Personen überempfindlich auf das Kontrastmittel oder entwickeln eine allergische Reaktion. Sowohl eine mögliche Kontrastmittel-Allergie als auch eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) müssen vor der Untersuchung abgeklärt werden, da in all diesen Fällen kein Kontrastmittel gegeben werden darf.

Eine Gefässpunktion kann zu Blutungen, Blutergüssen, einer Thrombose (Gefässverschluss durch ein Blutgerinnsel am Ort seiner Entstehung) oder Embolie (Gefässverschluss durch ein anderswo entstandenes Blutgerinnsel), zu Gefässverletzungen oder Infektionen führen.

Was muss ich nach einer Angiografie beachten?

Nach der Angiografie sollten Sie sich schonen und möglichst viel trinken, um das verabreichte Kontrastmittel schnell auszuscheiden. Ausserdem sollten Sie in den folgenden Tagen schwere körperliche Arbeit meiden. Falls Sie plötzlich Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Herzrasen verspüren, benachrichtigen Sie bitte umgehend einen Arzt.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Marian Grosser
Autor:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Quellen:
  • Bittner, C. et al.: CT, EBT, MRT und Angiographie: Radiologische Untersuchungstechniken für MTAR und Ärzte, Urban & Fischer-Verlag / Elsevier GmbH, 1. Auflage 2003
  • Goldyn, G.: Praxishandbuch Angiographie: Spektrum der Diagnostik und Interventionen, Springer-Verlag, 2. Auflage 2014
  • Reithoffer, M. & Grillenberger, A.: Angiographie in Theorie und Praxis, Facultas Verlag, 1. Auflage 2009
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