Stent

Von , Ärztin
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

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Ein Stent ist eine Gefässstütze aus Metall oder Kunstfasern, die in Gefässe oder Hohlorgane eingesetzt wird, um sie zu stützen und offen zu halten. Meistens handelt es sich um ein röhrenförmiges, kleines Gittergerüst. Lesen Sie alles über die Stentimplantation, wie sie funktioniert und welche Risiken sie birgt. 

Stent

Was ist ein Stent?

Ein Stent stabilisiert verengte Gefässe nach deren Erweiterung. Ziel ist es, einem erneuten Gefässverschluss vorzubeugen. Ausserdem fixiert die Gefässstütze aus Metall oder Kunstfasern Gefässablagerungen, glättet die Oberfläche des Gefässinnenraums, indem sie gegen die Gefässwand gepresst wird, und verbessert dadurch den Blutfluss im Gefäss. Die häufigste Variante ist der „Herz-Stent“ an den Herzkranzgefässen, der bei Patienten mit Koronarer Herzkrankheit eingesetzt wird. Hier hat der Stent inzwischen die Bypass-Operation abgelöst. Mit Hilfe eines dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) setzt der Chirurg den Stent, der durch seine feinmaschige Gitterstruktur eng zusammengedrückt werden kann. Man unterscheidet verschiedene Arten.

Selbstentfaltender Stent

Der selbstentfaltende Stent besteht aus einem Stahlgittergeflecht und ist von einer Plastikhülle umgeben. Nachdem ihn der Chirurg durch den Katheter in die Gefässverengung eingebracht hat, zieht er die Hülle zurück und der Stent entfaltet sich.

Ballon-expandierender Stent

Der gefaltete Stent steckt auf einem sogenannten Ballon-Katheter, der im Rahmen einer Gefässerweiterung, der sogenannten perkutanen transluminalen Angioplastie (PTA), aufgeblasen werden kann. Das Metallgeflecht des Stents behält dann die aufgedehnte Form bei.

Beschichtete Stents

Neben unbeschichteten Stents (bare metal stents, BES) werden inzwischen immer häufiger medikamentenbeschichtete Stents eingesetzt (drug eluting stent, DES). Die freigesetzten Medikamente beugen einer Zellneubildung vor und wirken so einem erneuten Verschluss (Re-Stenose) entgegen. Auch an komplett resorbierbaren Stents, die sich nach einiger Zeit abbauen, wird weiter geforscht (engl. "completely bioresorbable scaffolds", BRS), um beispielsweise das mit längerem Stent-Verbleib zunehmende Risiko eines dortigen Verschlusses durch Blutgerinnsel zu vermeiden.

Aktuell sind zwei Arten in Erprobung: Stents auf Magnesium-Basis (lösen sich nach ca. 1 Jahr auf) und Biopolymer-Stents (drei bis vier Jahre verbleibend). Vor einigen Jahren kamen bereits die ersten BRS-Stents auf den Markt (bekannt als „bioabsorbable vascular scaffolds“, BVS). Einige Studien ergaben aber, dass bei diesen BVS u.a. vermehrt Blutgerinnsel und damit erneute Verstopfungen auftraten, so dass die Hersteller-Firma ihre Stents im Sommer 2017 wieder vom Markt nahmen. Aktuelle und belastbare Daten zu den neuen Stent-Entwicklungen fehlen noch. Sie werden eigentlich nur im Rahmen von Studien eingesetzt.

Wann führt man eine Stent-Implantation durch?

Ein Stent wird immer dann eingesetzt, wenn eine dauerhafte Aufdehnung eines verschlossenen Gefässes oder Hohlorganes durch eine blosse Aufweitung der Gefässe (perkutane transluminale Angioplastie, PTA) nicht gewährleistet werden kann.

Am häufigsten ist dies bei folgenden Situationen der Fall:

Wie verschliessen sich Gefässe?

Hauptgrund für einen Gefässverschluss ist die Arterienverkalkung (Arteriosklerose, Atherosklerose). Dabei entstehen durch verschiedene Prozesse sogenannte Plaques. Diese engen das Gefäss ein. Ausserdem entstehen durch die mechanische Belastung kleinste Verletzungen und Einblutungen. Bildet sich nun an den aufgerissenen Plaques ein Pfropf aus Blutplättchen (Thrombus), kann er das Gefäss verschliessen.

Ein Blutgerinnsel (Thrombus) kann aber auch ohne Arteriosklerose ein Gefäss verschliessen. Für die Thrombus-Entstehung sind drei Faktoren (Virchow-Trias) verantwortlich: eine Änderung der Blutzusammensetzung, eine Verlangsamung des Blutstroms und Veränderungen in den Gefässwänden. Auch eine sogenannte Embolie kann einen Gefässverschluss verursachen. Dabei lösen sich Thromben von ihrer ursprünglichen Stelle ab und gelangen über die Blutbahn in engere Gefässe, wo sie den Verschluss verursachen. Ein Stent muss bei solchen thrombembolischen Ereignissen aber in der Regel nicht eingesetzt werden.

Was macht man bei einer Stent-Implantation?

Die Stent-Operation (Stenting) ist ein sogenannter minimal-invasiver Eingriff und erfordert nur kleinste Schnitte. Wie bei jeder Operation nimmt der Arzt zuvor einige Standarduntersuchungen vor. Dazu zählen ein Elektrokardiogramm (EKG) und eine Blutabnahme. Bei einem Verschluss der Herzkranzgefässe sind ein zusätzliches Belastungs-EKG, eine Röntgenaufnahme der Lunge und des Herzens und eventuell eine Untersuchung der Durchblutung des Herzmuskels (Myokard-Szintigramm) notwendig. Darüber hinaus berät der Arzt den Patienten eingehend und klärt ihn auf. Um jodhaltige Kontrastmittel für Röntgenuntersuchungen spritzen zu können, muss eine Jodallergie ausgeschlossen werden.

Zunächst sticht der Arzt nach örtlicher Betäubung in ein oberflächennahes Blutgefäss, meist die Arm- oder Leistenarterie, und legt eine "Schleuse" ein. Über diese schiebt er unter Röntgenkontrolle einen speziellen Katheter bis zur Engstelle des verschlossenen Gefässes und spritzt Kontrastmittel, um die Engstelle nochmals darzustellen.

Bei der PTA befindet sich an der Spitze des Katheters ein zusammengefalteter Ballon. Sobald dieser an der Engstelle platziert ist, wird er mit einer Mischung aus Kochsalz und Kontrastmittel gefüllt und dehnt sich auf. Der Ballon presst die Ablagerungen und Verkalkungen an die Gefässwand und öffnet so das Gefäss.

Muss ein Stent gesetzt werden, führen Ärzte ihn ebenfalls über einen eigenen Katheter an die verengte Gefässstelle. Dort entfaltet sich der Stent entweder selbst (z.B. bei der Carotisstenose) oder wird durch einen Ballon aufgedrückt. Der Stent beugt dann einem erneuten Gefässverschluss vor.

Ist die Stent-Einlage abgeschlossen, entfernen die Ärzte alle Katheter sowie die Schleuse und legen einen Druckverband an. Dieser muss für einige Stunden verbleiben.

Welche Risiken birgt eine Stent-Implantation?

Neben den allgemeinen Operationsrisiken wie Infektionen, Wundheilungsstörungen und kleinere Blutungen, kann es in seltenen Fällen zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Herzrhythmusstörungen während des Eingriffs
  • Gefässverschluss
  • Gefässdurchbohrung mit lebensbedrohlichem Blutverlust
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall
  • Stent-Thrombose: Dabei verstopft der Stent durch ein Blutgerinnsel

Die Komplikationen richten sich letztlich stark nach dem Ort der Stent-Implantation. Auch Vorerkrankungen des Patienten beeinflussen die Komplikationsrate.

Was muss ich nach einer Stentimplantation beachten?

Der Patient wird meist am Tag nach dem Stenting entlassen, nachdem zur Kontrolle ein Elektrokardiogramm und Blutuntersuchungen gemacht worden sind. Zur Vermeidung von Blutgerinnseln verordnet der Arzt zwei "blutverdünnende" Medikamente, die das Verklumpen der Blutplättchen verhindern (Thrombozytenaggregationshemmer). Beide Medikamente sollten nach einer Stent-Implantation am Herzen für sechs bis zwölf Monate eingenommen werden, anschliessend genügt eines (in der Regel ASS).

Innerhalb der ersten Wochen nach der Stent-OP untersucht Sie ein Arzt nochmals gründlich. Er hört auf Herz und Lunge und führt verschiedene Tests durch, etwa ein Ruhe-EKG, Blutdruckmessungen und laborchemische Untersuchungen. Sie werden in regelmässigen Abständen wiederholt.

Leben mit Stent

Ein Stent schränkt Sie im alltäglichen Leben nicht ein. Auch Untersuchungen wie Magnet-Resonanz-Tomographien (MRT) sind möglich. Nicht rauchen, regelmässige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung sind zur Vorbeugung von Gefässverengungen durch Plaques hilfreich. Schaffen Sie es, die Risikofaktoren für Arteriosklerose in den Griff zu bekommen, benötigen Sie vielleicht keinen erneuten Stent.

Sport mit Stent

Sport kann den Krankheitsverlauf und die Prognose einer Herzerkrankung verbessern. Durch regelmässiges Training steigert der Patient seine Fitness und kann sich stärker belasten, ohne dass Symptome auftreten. Das steigert die Lebensqualität deutlich.

Folgende positiven Auswirkungen hat regelmässige körperliche Aktivität auf den Körper:

  • verbessert die Sauerstoffversorgung des Körpers
  • senkt den Blutdruck
  • reguliert die Blutzuckerwerte
  • reguliert Blutfettwerte
  • Reduzierung von Fettdepots
  • wirkt Entzündungsprozessen entgegen
  • fördert gesundes Körpergewicht
  • reduziert Stresshormone

Ein Stent ist kein Ausschlusskriterium für Sport. Der Stent verursacht keinerlei Einschränkungen. Allerdings ist es wichtig, eine Sportart zu wählen, die das Herz-Kreislauf-System nicht übermässig belastet und an die zugrundeliegende Erkrankung angepasst ist.

Moderates Ausdauertraining ist für die meisten Herzpatienten besonders gut geeignet. Dazu gehört zum Beispiel:

  • (schnelles) Spazierengehen
  • Gehen auf einer weichen Matte/im Sand
  • Wandern
  • Walking und Nordic-Walking
  • Joggen
  • Skilanglauf
  • Step-Aerobic
  • Fahrradfahren oder Ergometertraining
  • Treppensteigen (z.B. auf dem Stepper)

Drei- bis fünfmal pro Woche, je 30 Minuten sollten Herzpatienten aktiv werden und Ausdauersport betreiben.

Trainingseinstieg nach Stent-OP

Wie lange schonen, nachdem ein Stent eingesetzt wurde? Das hängt von der zugrundeliegenden Erkrankung ab. Nach einem leichten Herzinfarkt kann der Betroffene meist nach etwa einer Woche langsam wieder aktiv werden. Nach einem schweren Herzinfarkt hingegen wird er länger im Krankenhaus behandelt. Dort beginnt in der Regel die erste therapeutische Mobilisation.

Hinweis: Den Trainingseinstieg sollten Sie bei einer Herzerkrankung immer mit dem behandelnden Arzt absprechen. Er kennt Ihren Fall und Ihre körperliche Konstitution und kann eine entsprechende Empfehlung geben.

Zum Trainingsbeginn gilt es dann, mit einer niedrigen Intensität zu starten und diese langsam zu steigern.

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger
Autor:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Quellen:
  • Berrisch-Rahmel, S., Rost, C., Stumpf, C.: Sportherz und Herzsport. Empfehlungen für die sportkardiologische Praxis, Georg Thieme Verlag, 2020
  • Böcker, W. et al.: Pathologie, Urban & Fischer Verlag, 5. Auflage, 2012
  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße, Springer Medizin Verlag, 8. Auflage, 2011
  • Ludwig, M. et al.: Gefäßmedizin in Klinik und Praxis: Leitlinienorientierte Angiologie, Gefäßchirurgie und interventionelle Radiologie, Georg, Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Mohr, F. et al: Coronary artery bypass graft surgery versus percutaneous coronary intervention in patients with three-vessel disease and left main coronary disease: 5-year follow-up oft the randomised, clinical SYNTAX trial, The Lancet 02.2013
  • Omar, W.A. et Kumbhani, D.J.: The Current Literature on Bioabsorbable Stents: a Review, Current Atherosclerosis Reports, 12/2019
  • Rassaf, T. et al: Patienten nach koronarer Stentimplantatin: Nachsorge und Verlaufsbeobachtung, Deutsches Ärzteblatt 2013
  • The European Society of Cardiology: Guidelines on myocardial revascularization in European Heart Journal, Vol. 40, Issue 2, January 2019 (87-165) (Abruf: 19.01.2020)
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