ICD-Implantation

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und , Medizinredakteurin und Biologin
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Dr. med. Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).

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Bei einer ICD-Implantation setzen Ärzte einem herzkranken Patienten dauerhaft einen Defibrillator ein. Dieser kann gefährliche Herzrhythmusstörungen beheben und bewahrt den Träger so vor einem plötzlichen Herztod. Erfahren Sie hier, wie ein implantierter Defibrillator funktioniert, wann dieser zum Einsatz kommt und was Sie nach dem Eingriff beachten müssen.

icd-implanation

Was ist eine ICD-Implantation?

Bei einer ICD-Implantation wird ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD, engl.: implantable cardioverter defibrillator) in den Körper eingesetzt. Dieses Gerät erkennt lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen und beendet sie mithilfe eines starken Stromstosses – darum wird es auch "Schockgeber" genannt. Seine Funktion ist vergleichbar mit der eines tragbaren Defibrillators, den Notfallhelfer bei Wiederbelebungsmassnahmen benutzen.

Der ICD sieht aus wie ein kleiner, etwa streichholzschachtelgrosser Kasten. Mediziner pflanzen das batteriebetrieben Gerät (Aggregat) im Rahmen der ICD-Implantation in den Körper ein - meist im Bereich des linken Schlüsselbeins unter die Haut (subkutan) oder unter den Brustmuskel (submuskulär).

Von dem Gerät gehen Elektrodenkabel über grosse Venen (intravenös) bis in die Herzinnenräume, also Vorhof und/oder Kammer). Je nach Anzahl der Elektroden (Sonden) unterscheiden Experten hierbei folgende ICD-Systeme:

  • Einkammersystem: eine Sonde in der rechten Herzkammer
  • Zweikammersystem: zwei Sonden - eine im rechten Vorhof und eine in der rechten Kammer
  • Dreikammersystem: eine zusätzliche dritte Sonde in der linken Kammer; damit lassen sich die Aktionen der beiden Herzkammern wieder aufeinander abstimmen (kardiale Resynchronisation, CRT). Die Kombination mit einer Defibrillator-Funktion nennt sich CRT-D oder CRT-ICD.

Neben diesen intravenösen Defibrillatoren gibt es noch den subkutanen ICD (S-ICD): Er wird nicht in Schulternähe, sondern meist unter dem linken Rippenbogen eingepflanzt. Ausserdem führen seine Sonden nicht über Venen ins Herz hinein, sondern unter der Haut (subkutan) in die Nähe des Herzens.

Darüber hinaus besitzt der S-ICD im Unterschied zu den intravenösen Ein-, Zwei- und Dreikammer-ICDs keine Schrittmacherfunktion, er kann also bei Bedarf nicht als Herzschrittmacher fungieren.

Alle ICD-Geräte werden individuell programmiert und lassen sich so an die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten anpassen.

Wie funktioniert ein Defibrillator?

Ein normaler Defibrillator kann über die Abgabe eines hohen Stromimpulses (Schock) sogenannte tachykarde Herzrhythmusstörungen im Notfall beenden. Das sind Rhythmusstörungen, bei denen das Herz zu schnell schlägt. Es zählen dazu zum Beispiel die Kammertachykardien, welche sich im Ernstfall zu Kammerflimmern entwickeln können:

Durch den zu schnellen Herzschlag wird das Blut nicht mehr ordentlich durch den Körper gepumpt. Deswegen muss Kammerflimmern schnellstens behandelt werden - Wiederbelebungsmassnahmen mittels Herzdruckmassage und Defibrillation sind notwendig.

Der hohe Stromimpuls, der bei der Defibrillation abgegeben wird, bringt das asynchron schlagende, "flimmernde" Herz für wenige Sekunden ganz zum Stillstand. Danach beginnt der Herzmuskel wieder von selbst und idealerweise im richtigen Takt zu schlagen.

Ähnlich funktioniert das nach einer ICD-Implantation: Der ICD kann durch seine Sonden Tachykardien erkennen und gleichzeitig durch die sofortige Schockabgabe beenden.

Eine ICD-Implantation kommt auch für Menschen mit Bradykardien (Rhythmusstörungen, bei denen das Herz zu langsam schlägt) in Betracht: Für diese Patienten ist der Einsatz eines normalen, externen Defibrillators ungeeignet. Ein ICD besitzt dagegen zusätzlich eine Schrittmacherfunktion ("Pacing"). Dies bedeutet, dass er auch Bradykardien durch leichte elektrische Stimulation beenden kann.

Steht das Herz allerdings komplett still (Asystolie), so kann es nur durch die sofortige Gabe herzstimulierender Medikamente wieder in Gang gebracht werden.

Unterschiede zum Herzschrittmacher

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ein ICD bei Kammerflimmern - also bei lebensgefährlich schnellen und unkoordinierten Kontraktionen der Herzkammern - eine Defibrillation durchführen kann: Über Stromstösse versetzt der implantierte Defibrillator den Herzmuskel wieder in seinen natürlichen Rhythmus.

Ein Herzschrittmacher ist zu einer solchen Defibrillation nicht in der Lage. Er tritt nur in Aktion, wenn das Herz zu langsam schlägt. Über elektrische Impulse stimuliert er dann den Herzmuskel.

Einen zu langsamen Herzschlag kann allerdings auch ein ICD beheben: Implantierbare Defibrillatoren können also die Funktion eines Herzschrittmachers erfüllen (Ausnahme: S-ICD).

Wann wird eine ICD-Implantation durchgeführt?

Es gibt hauptsächlich drei Gründe, warum man einen ICD einsetzt:

ICD-Implantation zur Primärprävention:

Ein ICD kann dazu dienen, gefährliche Herzrhythmusstörungen und damit einen plötzlichen Herztod zu verhindern, wenn jemand ein hohes Risiko dafür aufweist. Das kann in folgenden Situationen der Fall sein:

ICD-Implantation zur Sekundärprävention:

Hat man bereits lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen (Tachyarrhythmien) erlitten und im Rahmen dessen Ohnmachtsanfälle verkraftet oder sogar einen Herzstillstand überlebt, verhindert ein implantierbarer Defibrillator das erneute Auftreten dieser lebensbedrohlichen Störungen. In diesem Fall spricht der Mediziner von einer Sekundärprävention.

ICD-Implantation bei angeborenen Herzerkrankungen:

Leidet man an einer genetisch bedingten Herzerkrankung, die mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen einhergeht, erfolgt ebenfalls meist eine ICD-Implantation. Zu diesen seltenen Erkrankungen zählen unter anderem das lange und das kurze QT-Syndrom sowie das Brugada-Syndrom.

ICD-Implantation zur Resynchronisationstherapie

Wenn bei fortgeschrittener Herzschwäche beide Hauptkammern und/oder verschiedene Wandabschnitte der linken Herzkammer nicht zeitgleich (synchron) arbeiten, bietet sich eine ICD-Implantation zur Resynchronisationstherapie an:

Mediziner implantieren einen CRT-Schrittmacher, der mit einem Defibrillator kombiniert ist (CRT-D oder CRT-ICD), auch Dreikammer-ICD genannt: Von dem eingesetzten Aggregat aus führen Elektroden in den rechten Vorhof und die rechte Kammer sowie in die linke Kammer. So kann es die Aktivitäten der beiden Herzkammern überwachen und bei Bedarf über Stromstösse synchronisieren (kardiale Resynchronisation).

Zusätzlich kann der CRT-D eingreifen, falls die Rhythmusstörungen in ein Kammerflimmern übergehen - über einen Elektroschock kann er die lebensbedrohliche Rhythmusstörung beenden. Das beugt einem plötzlichen Herztod vor, dessen Wahrscheinlichkeit bei solchen Herzschwäche-Patienten erhöht ist.

Wie wird eine ICD-Implantation durchgeführt?

Die Implantation des ICD erfolgt meistens stationär. Sie dauert oft weniger als eine Stunde. Bis auf wenige Ausnahmefälle erfolgt die ICD-Implantation ohne Vollnarkose. Patienten bekommen stattdessen eine örtliche Betäubung und gegebenenfalls eine "Schlafspritze" (leichte Sedierung).

Während des Eingriffs wird der Patient sorgfältig medizinisch überwacht. Ein externer Defibrillator muss während der gesamten Implantation mit dem Patienten verbunden und einsetzbar sein.

In der Regel betäubt der Arzt eine Stelle unterhalb des Schlüsselbeins lokal und nimmt einen kleinen Hautschnitt (einige Zentimeter lang) vor. Dort sucht er eine Vene (meist die Schlüsselbeinvene) und schiebt über diese die Sonde(n) ins Herz. Das Ganze erfolgt unter Röntgenüberwachung.

Nach dem Defibrillator-Einsetzen fixiert er die Sonden am Brustmuskel und schliesst sie dann ans ICD-Gerät an. Der Cardioverter selbst wird in einer kleinen "Gewebe-Tasche" unter die Haut oder den Brustmuskel unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Abschliessend vernäht der Arzt die Schnittstelle mit einigen Stichen.

Funktionstest:

Um zu testen, ob die ICD-Implantation erfolgreich war, versetzt man den Patienten in eine Kurznarkose und löst Kammerflimmern aus. Der implantierte Defibrillator muss dies erkennen und einen Elektroschock abgeben. Funktioniert alles einwandfrei, wird die Narkose beendet - der ICD ist für den Alltag einsatzbereit.

Welche Risiken birgt eine ICD-Implantation?

Die ICD-Implantation ist heutzutage herzchirurgische Routine. Trotzdem ist sie mit einigen Risiken behaftet. Zu den frühen Komplikationen zählen zum Beispiel:

  • Durchbohung (Perforation) der Herzwände während des Eingriffs
  • Blutungen
  • Thrombosen, also Gefässverschlüsse durch Blutgerinnsel (zur Vorbeugung erhalten Patienten nach dem Eingriff gerinnungshemmende Medikamente)
  • Wundheilungsstörungen
  • Infektionen der Gerätetasche und/oder des Elektrodensystems (zur Vorbeugung erhalten Patienten vor dem Eingriff einmalig Antibiotika)
  • Dislokation der Elektroden (Sonden)
  • Fehlfunktionen des Geräts

Zu den möglichen Fehlfunktionen eines ICD zählen unberechtigt abgegebene (inadäquate) Schocks: Wenn der ICD beispielsweise ein vergleichsweise harmloses Vorhofflimmern irrtümlich als lebensgefährliches Kammerflimmern interpretiert, so probiert er die Störung durch mehrfache Schockabgabe zu beenden.

Das kann für die Betroffenen äussert schmerzhaft und traumatisierend ist. Im Zweifel muss dann die Programmierung des ICD kontrolliert und eventuell geändert werden.

Was muss ich nach einer ICD-Implantation beachten?

In den ersten Tagen nach der ICD-Implantation sollten Sie den Arm der betroffenen Seite schonen und nicht über 90 Grad anheben, damit sich das ICD-Gerät und die Sonden nicht verlagern, sondern richtig einwachsen.

Vor der Entlassung aus der Klinik (einige Tage nach dem Eingriff) wird das Gerätesystem noch einmal überprüft und Ihren Bedürfnissen entsprechend programmiert. Vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff erfolgt eine zweite Kontrolle.

In der Folgezeit stehen Nachsorgeuntersuchungen in regelmässigen Abständen auf dem Plan. Sie sind sehr wichtig. Der Arzt überprüft bei disen Terminen die richtige Funktionsweise des ICD und kontrolliert den Ladezustand der Batterie.

Führen Sie nach einer ICD-Implantation einen entsprechenden Ausweis mit sich, der die Art des implantierten Systems dokumentiert. In medizinischen Notfällen wissen Rettungssanitäter und Notärzte dann gleich Bescheid.

Bestimmtediagnostische oder therapeutische Verfahren (z.B. MRT-Untersuchung, verschiedene Behandlungen mit Elektrostrom) dürfen bei Ihnen unter Umständen nicht mehr durchgeführt werden, da sie die korrekte Funktionsweise des ICD beeinträchtigen können. Ihr Arzt kann Sie darüber genauer informieren.

Wann Sie zum Arzt sollten

Wenn Sie Probleme mit dem Defibrillator haben oder vermuten, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen. Das gilt zum Beispiel bei:

  • Verdacht auf Infektion des ICD-Systems (z.B. Infektionen der Gerätetasche: Sie äussern sich etwa mit einer verschiebbaren Schwellung, Rötung oder Überwärmung der betroffenen Stelle)
  • erster Schock oder erste Ohnmacht (Synkope) nach der ICD-Implantation
  • mehrere ICD-Interventionen oder Ohnmachtsanfälle (Synkopen) innerhalb von Tagen
  • neu aufgetretenem irregulärem Herzschlag

In folgenden Fällen sollten Sie umgehend den Notarzt verständigen oder die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen:

  • häufige Schocks innerhalb von Stunden
  • anhaltendes Herzrasen
  • Ohnmacht (Synkope) unklarer Ursache
  • Herzschwäche, die neu aufgetreten ist oder sich verschlimmert hat

Aggregat-Wechsel

Ein implantierter Defibrillator kann seine Arbeit jahrelang verrichten. Im Schnitt dauert es sechs bis acht Jahre, bis seine Batterie erschöpft ist.

Im Einzelfall hängt die Laufzeit eines ICDs davon ab, wie oft der Defibrillator einen Elektroschock auslösen und als Schrittmacher arbeiten muss - je häufiger das der Fall ist, desto schneller ist die Batterie erschöpft. Dann muss das implantierte Aggregat ausgetauscht werden.

Wie für die ICD-Implantation selbst ist auch für den Aggregat-Wechsel ein chirurgischer Eingriff nötig. Im Vorfeld prüft der Arzt aber, ob das bisherige Modell weiterhin für den betreffenden Patienten die beste Wahl ist oder ob ein anderes Modell nun besser geeignet wäre.

Autoren- & Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. med.  Philipp Nicol

Dr. med. Philipp Nicol ist freier Autor der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).

Quellen:
  • Bauer, K., Ennker, J.: Schrittmacher und Defibrillatoren, Steinkoppf-Verlag, 2005
  • Butter, C. et al.: "Empfehlungen zur Strukturierung der Herzschrittmacher- und Defibrillatortherapie - Update 2022", in: Kardiologie 2022, 16: 279-295; doi: 10.1007/s12181-022-00556-2
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: European Society of Cardiology (ESC) Pocket Guidelines "Ventrikuläre Arrhythmien und Prävention des plötzlichen Herztodes" (Version 2022), unter: https://leitlinien.dgk.org (Abruf: 02.10.2023)
  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag, 2018
  • Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG): "Implantierbare Defibrillatoren-Implantation, Indikatoren 2017", unter: https://iqtig.org (Abruf: 02.10.2023)
  • Krehan, L.: Herzrhythmusstörungen, Lehmanns, Media GmbH, 2017
  • Niehues, P. et al.: "Subkutan implantierbarer Kardioverter-Defibrillator", in: Herzschr Elektrophys 29, 349–354 (2018); doi: 10.1007/s00399-018-0593-8
  • Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie: "Implantation von Defibrillatoren" (Stand: 2007), unter: https://leitlinien.dgk.org (Abruf: 02.10.2023)
  • Schlepütz, B et Herz in Takt Defi-Liga e.V.: Gut leben mit dem Defibrillator, Humboldt Verlag, 2021
  • Trappe, H.-J. et Gummert, J.: Aktuelle Schrittmacher- und Defibrillationstherapie, in: Dtsch Arztebl Int 2011; 108(21): 372-80; doi: 10.3238/arztebl.2011.0372
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