Angioplastie

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Als Angioplastie (PTA = perkutane transluminale Angioplastie) bezeichnet man ein Behandlungsverfahren zur Aufweitung von verengten oder verschlossenen Blutgefässen. Der Arzt verwendet dazu einen speziellen Katheter, den er ins Gefässsystem einbringt. Die bekannteste Form ist die perkutane transluminale Angioplastie der Herzkranzgefässe (PTCA). Lesen Sie hier alles Wichtige über die Angioplastie, wie sie abläuft und welche Risiken sie birgt.

Angioplastie Behandlung eines verstopften Gefäßes

Was ist eine Angioplastie?

Die Angioplastie ist ein Therapieverfahren aus der Gefässmedizin zur Behandlung von Verengungen der Blutgefässe. Dabei schiebt der Arzt einen biegsamen Führungsdraht entlang einer Verengung im Blutgefäss und weitet diese durch einen aufblasbaren Ballon auf (Ballondilatation).

Die Angioplastie wird auch perkutane transluminale Angioplastie, kurz PTA, genannt: "perkutan" bedeutet, dass der Zugang zum Gefäss durch die Haut hindurch führt; "transluminal" heisst, dass der Katheter innerhalb des Gefässhohlraums vorgeschoben wird.

Wann führt man eine Angioplastie durch?

Die Bildung von Plaques (= cholesterinhaltige Veränderungen / Einlagerungen) an einer Gefässinnenwand stört die Durchblutung oder unterbricht sie sogar ganz - das bezeichnet der Arzt als Stenose. Mittels Angioplastie wird das verengte Gefäss wieder durchgängig gemacht.

Das ist zum Beispiel bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) sowie in späteren Stadien der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK, "Raucherbein") wichtig. In manchen Fällen reicht aber eine Angioplastie nicht aus, um Verengungen zu beseitigen. Dann müssen diese in einer offenen Operation behoben werden.

Was macht man bei einer Angioplastie?

Die Angioplastie wird in der Regel im Krankenhaus durchgeführt. Der Patient erhält bei Bedarf ein Beruhigungsmittel sowie ein örtliches Betäubungsmittel an der Einstichstelle.

Der Arzt führt nun einen biegsamen Kunststoffschlauch - den Ballonkatheter - über eine Schlagader in das arterielle Gefässsystem ein. Meist wählt er dafür die grosse Leistenschlagader, manchmal aber auch eine Arterie in der Ellenbeuge oder am Handgelenk.

Nun schiebt der Arzt im Gefässsystem bis zum betroffenen verengten Gefässabschnitt vor. Das Ganze passiert unter Röntgenkontrolle unter Einspritzen eines Kontrastmittels in die Gefässe. So sieht der Arzt zu jedem Zeitpunkt der Behandlung, wo sich der Katheter im Gefässsystem befindet und auch die genaue Lage der Verengung.

Im deren Bereich wird der eingebrachte Ballon aufgeblasen (Ballondilatation). Das dehnt die Verengung auf. Die Plaque, welche die Ursache für die Gefässverengung ist, wird dabei nicht entfernt, sondern in die Gefässwand hineingedrückt.

Kann die Stenose durch die Ballondilatation allein nicht aufgeweitet werden, setzt der Arzt zusätzlich über den Führungsdraht einen Stent ein. Dabei handelt es sich um eine kleine rohrförmige Gefässprothese aus Metall. Sie wird entweder über dem Ballon aufgeblasen oder entfaltet sich selbst. Der Stent verbleibt auch nach der Angioplastie im Gefäss und hält es offen, fungiert also als Gefässstütze.

Zum Abschluss zieht der Arzt den Katheter vorsichtig durch die Gefässe zurück und entfernt ihn. An der Einstichstelle wird ein Druckverband angelegt, sodass es nicht nachblutet. Die gesamte Behandlung dauert im Regelfall etwa 30 bis 45 Minuten.

PTCA-Stent: Bare Metal oder Drug Eluting?

Bei der Wahl des geeigneten Stents stehen dem Arzt zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

Der sogenannte Bare metal Stent (BMS) besteht - wie der Name schon verrät - aus blankem Metall. Nach dem Einsetzen wird er im Laufe der Zeit von den Zellen der Gefässinnenwand überwuchert. Das senkt das Risiko, dass das Blut durch den unmittelbaren Kontakt zu dem Fremdkörper zur Gerinnung angeregt wird. Allerdings kann es durch das Überwachsen des Stents mit neuen Zellen leicht zu einer erneuten Verengung des Gefässes kommen.

Der Drug eluting Stent (DES) ist dagegen mit Substanzen beschichtet, die das Wachstum von Zellen auf seiner Oberfläche hemmen, zum Beispiel Immunsuppressiva oder Zytostatika. So wird das Risiko einer erneuten Stenose gesenkt. Dafür besteht hier aber die Gefahr, dass das Blut durch den längeren Kontakt mit dem metallenen Fremdkörpermaterial zur Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) neigt.

Welcher Stent nun für welchen Patienten geeignet ist, hängt von dessen individuellem Risiko für eine Thrombose beziehungsweise für eine erneute Stenosebildung ab.

Welche Risiken birgt eine Angioplastie?

Die Angioplastie ist heutzutage ein Routineverfahren und ein sicherer Eingriff, sofern sie von einem qualifizierten und erfahrenen Arzt durchgeführt wird. Wie bei jeder medizinischen Intervention kann es jedoch zu Nebenwirkungen und Komplikationen kommen. Dazu zählen:

  • Spannungsgefühl, leichte Schmerzen nach Abklingen der Betäubung
  • Bluterguss (Hämatom) an der Einstichstelle
  • allergische Reaktionen auf das Kontrast-, Betäubungs- oder Schmerzmittel (wie Brechreiz, Juckreiz, Hautausschlag), extrem selten schwere allergische Reaktionen wie Herz-Kreislaufstörungen, Atemstörungen, Krämpfe
  • Bildung von Blutgerinnseln, evtl. mit Verschluss eines nachfolgenden Gefässabschnitts (Embolie)
  • sehr selten stärkere Blutungen oder Nachblutungen an der Einstichstelle
  • extrem selten Entzündung der Punktionsstelle
  • sehr selten Gefäss-, Nerven- oder Weichteilschäden

Bei Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann durch eine Angioplastie die Funktion der Schilddrüse gestört werden. Bei Diabetikern, die Metformin-haltige Medikamente einnehmen, kann sich eine Stoffwechselstörung entwickeln.

Bei der Angioplastie der Herzkranzgefässe, der PTCA, kann es unter anderem zu Herzrhythmusstörungen und schlimmstenfalls zu einem Herzinfarkt kommen.

Was muss ich nach einer Angioplastie beachten?

Im Anschluss an die Angioplastie über die Leiste müssen Sie in der Regel mehrere Stunden strikte Bettruhe einhalten. So helfen Sie, eine starke Nachblutung zu verhindern. Für 12 Stunden dürfen Sie ausserdem kein heisses Bad und keine Dusche nehmen. In den ersten 24 Stunden sollten Sie zudem nicht rauchen. Vermeiden Sie auch grössere körperliche Belastungen in den nächsten Tagen.

Falls ein Stent eingesetzt wurde, wird Ihnen Ihr Arzt gerinnungshemmende Medikamente verschreiben. Diese sollten Sie gewissenhaft entsprechend seiner Verordnung einnehmen.

Wurde die Angioplastie bei einem Beingefäss durchgeführt und treten in den Tagen oder Wochen danach ein Taubheitsgefühl, Kältegefühl oder eine Veränderung der Hautfarbe am betreffenden Bein auf, sollten Sie sofort Ihren Arzt verständigen.

Informieren Sie Ihren Arzt auch, wenn Sie Schmerzen an der Stelle verspüren, an welcher der Ballonkatheter aufgepumpt wurde.

Wie erfolgreich ist die Angioplastie?

Bei manchen Patienten treten in den Monaten nach der Angioplastie erneut Gefässverengungen an der gleichen Stelle auf (bei Einsatz eines Stents passiert das etwas seltener). Dementsprechend sollten Sie bei erneut auftretenden Beschwerden Ihren Arzt aufsuchen, um den Gefässstatus überprüfen zu lassen. Gegebenenfalls ist eine erneute Angioplastie oder ein anderes Therapieverfahren notwendig.

Für die PTCA speziell gilt: Treten bei Ihnen in den anschliessenden Wochen oder Monaten erneut Herzbeschwerden auf, sollten Sie umgehend Ihren Arzt aufsuchen. Er kann prüfen, ob sich eine erneute Verengung in den Herzkranzgefässen gebildet hat. Wenn ja, wird er eine entsprechende Behandlung einleiten.

Grundsätzlich wichtig: Bedenken Sie, dass die Angioplastie nur ein Symptom behandelt. Für eine dauerhafte Verbesserung der Durchblutung sind eine gesunde Lebensführung und die Behandlung möglicher Grunderkrankungen (wie Diabetes) nötig.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
A. Blättermann
Quellen:
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie & Gesellschaft für Gefäßmedizin: S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripher arteriellen Verschlusskrankheit (Stand: 2015, überarbeitet 05/20)
  • Marx, N. & Erdmann, E.: Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße, Springer-Verlag, 9. Auflage, 2022
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 10.01.2022)
  • Rentsch, M. et al.: Komplikationsmanagement in der Chirurgie. Springer Verlag, 1. Auflage, 2015
  • Siewert, J.R. & Stein, H.J.: Chirurgie. Springer Verlag, 9. Auflage, 2012
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