Diclofenac

Von , Apotheker, Arzt
Aktualisiert am
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Diclofenac gehört zu den nicht-steroidalen Entzündungshemmern und wird bei leichten bis mässig starken Schmerzen eingesetzt. Das Schmerzmittel ist in zahlreichen Medikamenten enthalten (meist als Natrium-Salz) und gilt allgemein als gut verträglich. In einigen Fällen jedoch löst Diclofenac Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und zentralnervöse Beschwerden aus. Hier lesen Sie alles Wichtige über Diclofenac.

So wirkt Diclofenac

Diclofenac ist ein sogenanntes nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR). Der Wirkstoff hemmt die Bildung von sogenannten Prostaglandinen, indem er die dafür zuständigen Enzyme (Cyclooxygenase 1 und 2) blockiert.

Prostaglandine sind Gewebshormone, die an Entzündungsprozessen, der Schmerzvermittlung und der Entstehung von Fieber beteiligt sind. Durch die Hemmung der Prostaglandinsynthese wirkt Diclofenac also schmerzstillend, antientzündlich und fiebersenkend.

Prostaglandine erfüllen im Körper jedoch auch noch andere Funktionen. Dies ist der Grund, weshalb bei einer NSAR-Langzeittherapie auch Prostaglandine nicht gebildet werden, die zum Beispiel die Magenschleimhaut schützen oder für eine ausreichende Durchblutung der Niere verantwortlich sind. Dadurch kommt es verstärkt zu Nebenwirkungen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Das Schmerzmittel wird von der Leber verstoffwechselt und grösstenteils über die Nieren ausgeschieden. Die Zeit, bis der Körper die Hälfte des Wirkstoffs ausgeschieden hat, liegt bei etwa ein bis drei Stunden.

Diclofenac reichert sich jedoch in Geweben mit akuter Entzündungsreaktion an und vermittelt bis etwa sechs Stunden nach Einnahme seine Effekte an der betroffenen Stelle.

Wann wird Diclofenac angewendet?

Diclofenac wird hauptsächlich bei Schmerzen und Entzündungen des Bewegungsapparates eingesetzt, zum Beispiel bei Muskel-, Sehnen- und Gelenkschmerzen. Auch zur kurzzeitigen Anwendung bei Migräne und Menstruationsbeschwerden ist der Wirkstoff geeignet.

Ausserdem wird er langfristig in niedriger Dosierung zur Behandlung von Krankheiten wie Arthrose, Arthritis, Gicht sowie bei Schmerzen nach Operationen und Verletzungen gegeben.

Für die Vorbeugung und Behandlung entzündlicher und schmerzhafter Vorgänge am Auge (z.B. nach Katarakt-Operationen) stehen Diclofenac-Augentropfen zur Verfügung.

Um möglichen Nebenwirkungen bei der Langzeitanwendung vorzubeugen, kann der behandelnde Arzt entweder Kombinationspräparate oder zusätzlich Magenschutzmittel (wie Misoprostol oder Protonenpumpenhemmer) verordnen.

So wird Diclofenac angewendet

Gegen Schmerzen und Entzündungen der Muskeln, Sehnen oder Gelenke wird meist Diclofenac-Gel, Diclofenac-Salbe oder Diclofenac-Spray verwendet. Diese topischen Darreichungsformen haben den Vorteil, dass man mit ihnen gerade bei lokalisierten Schmerzzuständen eine hohe Wirkstoffkonzentration erreicht.

Es gibt jedoch noch viele andere Anwendungsformen für Diclofenac. Bei kurzfristigen, stärkeren Schmerzen wie Menstruationsbeschwerden und Migräne kann das Schmerzmittel in schnell wirkender Form als Trinktablette (Tablette zum Lösen in einem Glas Wasser), Weichkapsel oder in Form von Tropfen angewendet werden.

Für Kinder und Patienten mit Schluckbeschwerden eignen sich besonders Diclofenac-Zäpfchen. Auch als Injektionslösung und Pflaster zum Aufkleben ist der Wirkstoff verfügbar.

Zur Langzeitbehandlung werden häufig Tabletten, Wirkstoffpflaster sowie Kapseln mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (Diclofenac-Retard-Kapseln) verwendet. Vor allem mit Pflastern und Retardarzneiformen lassen sich gut konstante Wirkstoffspiegel im Blut erreichen.

Augentropfen werden vorsichtig mit sauberen Händen in den Bindehautsack eingetropft.

Häufigkeit der Anwendung

Die Häufigkeit der Anwendung hängt von der Darreichungsform und der Dosisstärke ab.

Für Präparate zur Einnahme gilt: Rezeptfreie Medikamente mit Diclofenac sollten – so wie andere rezeptfreie Schmerzmittel – ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht öfter als an zehn Tagen im Monat eingenommen werden.

Diclofenac-Gel und Diclofenac-Salbe können drei- bis viermal täglich aufgetragen werden, und zwar über maximal eine bis drei Wochen. Seit Mitte 2013 ist ein Diclofenac-Gel als "forte"-Form rezeptfrei erhältlich. Es ist doppelt so stark dosiert wie das herkömmliche Diclofenac-Gel und darf daher nur zweimal täglich aufgetragen werden.

Rezeptpflichtige Arzneimittel mit Diclofenac werden entsprechend der Anweisung des Arztes angewendet. Die Dosierung wird individuell festgelegt.

Während topische Diclofenac-Zubereitungen (wie Salben, Gele und Pflaster) in Deutschland, Österreich und der Schweiz rezeptfrei erhältlich sind, trifft dies für niedrigdosierte Tabletten nur auf Deutschland und die Schweiz zu. In Österreich sind Diclofenac-Tabletten in jeder Dosierung rezeptpflichtig.

Welche Nebenwirkungen hat Diclofenac?

Nebenwirkungen treten vor allem bei der Einnahme des Wirkstoffes über den Mund (per oral) auf. Sehr häufig (bei mehr als zehn Prozent der Anwender) kommt es zu:

  • Übelkeit
  • Durchfall

Häufig (bei einem bis zehn Prozent der Anwender) entwickeln sich:

Bei Auftreten von starken Nebenwirkungen (vor allem bei unerwünschten Wirkungen im Magen-Darm-Trakt) sollten Sie unverzüglich einen Arzt informieren.

Bei der lokalen Anwendung in Form von Salben, Cremen oder Gelen ist die Verträglichkeit von Diclofenac deutlich besser. Die Nebenwirkungen sind dann meist lokaler Natur und zeigen sich in Form von Hautrötungen, Kribbeln oder Juckreiz.

Was ist bei der Anwendung von Diclofenac zu beachten?

Gegenanzeigen

Grundsätzlich sollte Diclofenac nicht in Kombination mit weiteren Schmerzmitteln aus der Klasse der nicht-steroidalen Entzündungshemmer angewendet werden oder wenn eine Unverträglichkeit gegen diese Wirkstoffklasse besteht. Zu den nicht-steroidalen Entzündungshemmern gehören ausser Diclofenac beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Naproxen.

Weitere Gegenanzeigen sind:

  • Magen-Darm-Geschwüre
  • Blutbildungsstörungen
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • ischämische Herzerkrankung (koronare Herzkrankheit)
  • periphere Arterienerkrankung und Gefässerkrankungen im Gehirn (zerebrovaskuläre Erkrankungen)
  • schwere Nieren- und Leberfunktionsstörungen

In anderen Fällen sollte das Schmerzmittel nur mit Vorsicht und in Absprache mit einem Arzt angewendet werden, so etwa bei:

  • chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Asthma (Gefahr von schwersten Asthmaanfällen und anderen Folgen)
  • Schwangerschaft (vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel)

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Anwendung kann Diclofenac den Blutspiegel von Lithium (bei psychischen Erkrankungen), Digoxin (bei Herzerkrankungen) und Phenytoin (bei Epilepsie) erhöhen. Die Blutspiegel dieser Wirkstoffe sollten daher kontrolliert werden.

Wegen möglicher Wechselwirkungen ist ausserdem Vorsicht geboten bei gleichzeitiger Anwendung von:

  • ACE-Hemmern (u.a. bei Bluthochdruck, Herzschwäche)
  • Glukokortikoiden ("Kortison")
  • Diuretika (Entwässerungsmittel)
  • Gerinnungshemmern (wie Warfarin und Phenprocoumon)
  • nierenschädigenden Medikamenten (wie Tacrolimus, Ciclosporin, Methotrexat)
  • Fluorchinolonen (Antibiotika)
  • oralen Diabetes-Medikamenten
  • starken CYP2C9-Hemmstoffen wie Voriconazol (Antipilzmittel)

Wer zusätzlich zu Diclofenac Alkohol einnimmt, belastet seine Leber in doppelter Hinsicht, denn das Entgiftungsorgan muss beide Substanzen abbauen. Auch eine Erhöhung der Blutungsneigung wird bei gleichzeitiger Einnahme von Diclofenac und Alkohol diskutiert.

Verzichten Sie während der Behandlung mit Diclofenac auf Alkohol.

Altersbeschränkung

Das Alter, ab dem die Anwendung rezeptfreier und rezeptpflichtiger Präparate mit Diclofenac zugelassen ist, hängt von der jeweiligen Darreichungsform (Tablette, Zäpfchen, Gel) ab und kann zwischen den einzelnen Produkten variieren.

Nach ärztlicher Verschreibung ist der Gebrauch schon im Kindesalter möglich.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Hemmung der Prostaglandinsynthese in der Schwangerschaft kann die Entwicklung des Ungeborenen negativ beeinflussen. Dieser Effekt dürfte mit der Dosis und Dauer der Einnahme zusammenhängen. Das höchste Risiko besteht während des letzten Schwangerschaftsdrittels (Trimenon).

Diclofenac sollte im ersten und zweiten Trimenon zurückhaltend und erst nach Ausschöpfung besser untersuchter Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen zum Einsatz kommen. Im letzten Trimenon ist Diclofenac kontraindiziert.

Diclofenac geht wie andere NSAR in geringen Mengen in die Muttermilch über. Es sollte daher in der Stillzeit nicht verwendet werden. Experten sind aber der Meinung, dass die kurzfristige oder gelegentliche Einnahme von Diclofenac akzeptabel ist. NSAR der Wahl bleibt jedoch Ibuprofen.

So erhalten Sie Medikamente mit Diclofenac

Medikamente mit Diclofenac kann man nur über Apotheken beziehen. Bestimmte Darreichungsformen sind frei verkäuflich, also ohne Rezept erhältlich. Dies betrifft in Deutschland, Österreich und der Schweiz topische Arzneiformen (wie Diclofenac-Gel, -Salbe, -Spray).

Einzeldosierte Formen (wie Tabletten, Weichkapseln, Zäpfchen) mit maximal 25 Milligramm Wirkstoffgehalt sind in Deutschland und der Schweiz rezeptfrei erhältlich, in Österreich jedoch nicht.

Darreichungsformen mit über 25 Milligramm Wirkstoffgehalt und Augentropfen sind in allen drei Ländern ausnahmslos verschreibungspflichtig.

Seit wann ist Diclofenac bekannt?

Diclofenac wurde systematisch aus älteren schmerzlindernden Wirkstoffen der Klasse der nicht-steroidalen Entzündungshemmer entwickelt. Es wurde im Jahr 1974 auf den Markt gebracht und ist mittlerweile Bestandteil zahlreicher Medikamente.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Friese, K. et al.: Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 8. Auflage, 2016.
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Diclofenac, unter: www.embryotox.de (Abruf: 08.01.2022).
  • Sallmann, A.R.: “The history of diclofenac”, in: The American Journal of Medicine (1986), Volume 80 (4), 29-33.
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich