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Lebensqualität bei Neurodermitis: Erwachsene

Lebensqualität Neurodermitis
Die Hautveränderungen wirken sich zudem nachhaltig auf das Selbstwertgefühl aus, was sich oft durch ein verlegenes, gehemmtes oder zurückhaltendes Verhalten zeigt. (Iakov Kalinin / Fotolia.com)

Neurodermitis-Patienten fühlen sich in ihrer Lebensqualität durch Juckreiz und Schlaflosigkeit oft stark beeinträchtigt.

Kurzfassung:

  • Hauptgrund für die eingeschränkte Lebensqualität bei Erwachsenen mit Neurodermitis ist der Juckreiz.
  • Neben freizeitlichen Aktivitäten und Sport sind viele Betroffene auch in der Ausübung ihres Berufes beeinträchtigt.
  • Risikoberufe sind unter anderem Friseure, Krankenhausmitarbeiter und Gärtner.
  • Neue Medikamente helfen, die verlorene Lebensqualität wieder zurückzugewinnen.

Warum ist die Lebensqualität bei Neurodermitis beeinträchtigt?

Atopische Dermatitis (atopische Dermatitis, endogenes Ekzem) ist eine chronisch verlaufende und in Schüben auftretende entzündliche Hauterkrankung. Neben der Haut beeinflusst Neurodermitis auch den Alltag der Betroffenen. Eine Umfrage hat gezeigt, dass sich 70% der erwachsenen Patienten in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen. Interessant ist, dass auch leichte Schübe oftmals zu erheblichen psychischen Belastungen führen. Das Hauptproblem stellt dabei der Juckreiz dar.

Neurodermitis bedeutet für die betroffenen Patienten in den meisten Fällen:

  • beträchtlichen Juckreiz
  • Schlafstörungen
  • aufwendige Hautpflege
  • Medikamenteneinnahme
  • Einschränkungen im täglichen Leben

Dabei finden die Patienten im Laufe der Jahre ihre persönliche Bewältigungsstrategie für die Krankheit. Sie arrangieren sich mit der Neurodermitis und legen sich ein massgeschneidertes Therapieschema zurecht. Trotz allem zehrt der Aufwand, mit dem die Therapie verbunden ist, beträchtlich an den Energiereserven.

+++ Mehr zum Thema: Neurodermitis +++

Juckreiz als grösstes Problem

Insgesamt berichteten über 90% der befragten Personen über 16 Jahren, in den letzten vier Wochen an rauer, juckender oder schmerzhafter Haut gelitten zu haben. 50% meinten, diese Symptome hätten sie ständig begleitet. Der Juckreiz ist teilweise so stark, dass sich Betroffene manchmal bis auf das rohe Fleisch aufkratzen. Auch der Schlaf vieler Patienten kommt durch die Symptome der Neurodermitis zu kurz.

+++ Mehr zum Thema: Hautpflege bei Neurodermitis +++

Behandlung nicht immer problemlos

Trotz vielversprechender Medikamente bedeutet die Therapie für fast zwei Drittel der Patienten zumindest phasenweise eine Einschränkung ihrer Lebensqualität. Als problematisch eingeschätzt werden vor allem:

  • die zeitaufwendigen Arztbesuche
  • Behandlungen wie Ölbäder oder Lichttherapie
  • das oftmalige Eincremen des Körpers
  • die regelmässige Einnahme von Medikamenten

+++ Mehr zum Thema: Therapie der Neurodermitis +++

Freizeit, Sport und Arbeit beeinträchtigt

Fast die Hälfte der befragten Personen mit Atopische Dermatitis fühlt sich bei freizeitlichen Aktivitäten und Sport beeinträchtigt. Einige sind sogar der Meinung, dass die Erkrankung ihren sportlichen Ambitionen im Weg steht. Manchmal bleibt auch der Beruf auf der Strecke, vor allem dann, wenn Arme, Beine oder Hände betroffen sind. Risikoberufe, die einem gehäuften Auftreten oder starken Einschränkungen durch Neurodermitis unterliegen, sind unter anderem:

  • Friseure
  • Bäcker
  • Metallarbeiter
  • Krankhausmitarbeiter
  • Gärtner
  • Köche

Die Hautveränderungen wirken sich zudem nachhaltig auf das Selbstwertgefühl aus, was sich oft durch ein verlegenes, gehemmtes oder zurückhaltendes Verhalten zeigt.

+++ Mehr  zum Thema: Richtige Ernährung bei Neurodermitis +++

Personalisierte Therapie wichtig

Im Laufe der Jahre legen sich die Patienten eine Kombination an Massnahmen zurecht, die bei ihnen Erfolg gezeigt haben. Am häufigsten werden dabei lokal anwendbare Applikationsformen eingesetzt, also Cremen, Salben und Lotionen. Bei akuten Schüben reichen pflegende, wirkstofffreie Zubereitungen jedoch nicht aus. Dann werden entzündungshemmende Glukokortikoide oder Calcineurininhibitoren dazukombiniert.

Häufig zum Einsatz kommen zusätzlich:

Bei manchen Patienten bessern sich die Beschwerden durch eine Umstellung der Ernährung. Meistens werden Lebensmittel mit künstlichen Farbstoffen, Konservierungsmitteln oder Geschmacksverstärkern vermieden. Eine allgemeingültige oder spezielle Ernährungsform existiert jedoch nicht. Wie bei den Pflegeprodukten müssen die Betroffenen individuell herausfinden, was sie gut vertragen und was nicht.

+++ Mehr zum Thema: Medikamente bei Neurodermitis +++

Kommunikation ausbaufähig

Der Arzt ist für einen Grossteil der Patienten der erste Ansprechpartner, was die Information über Atopische Dermatitis angeht. Wert gelegt wird insbesondere auf leicht verständliche Erklärungen, die auch ohne medizinisches Vorwissen gut nachvollzogen werden können. Dennoch ist die Kommunikation mit den Medizinern für etwa die Hälfte der Patienten verbesserungswürdig.

+++ Mehr zum Thema: Ursachen und Auslöser von Neurodermitis +++

Neue Medikamente

Mit wachsendem Verständnis über die beteiligten Botenstoffe und Defekte der Haut konnten neuartige Medikamente entwickelt werden, die gezielt auf Botenstoffe des Immunsystems einwirken. Diese Botenstoffe spielen beim Entzündungsgeschehen der Neurodermitis eine zentrale Rolle. 

Neurodermitis ist eine individuell sehr unterschiedlich ausgeprägte Erkrankung. So wird auch die Therapie vom Hautarzt (Dermatologen) oder Allergologen gemeinsam mit den betroffenen Personen individuell abgestimmt. 

(Stand der medizinischen Information: Januar 2021)

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Autoren:

Medizinisches Review:
PD Dr. Dr. med. Ahmad Jalili
Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

Werfel T, Werner A, Frank A et al. S2k guideline on diagnosis and treatment of atopic dermatitis, 2015.

Birdi G, Cooke R, Knibb RC. Impact of atopic dermatitis on quality of life in adults: a systematic review and meta-analysis. Int J Dermatol. 2020; 59(4):e75-e91.

Lifschitz C. The impact of atopic dermatitis on quality of life. Ann Nutr Metab. 2015; 66 Suppl 1:34-40.

Misery L, Finlay AY, Martin N, Boussetta S, Nguyen C, Myon E, Taieb C. Atopic dermatitis: impact on the quality of life of patients and their partners. Dermatology. 2007; 215(2):123-9.

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