Dellwarzen

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Dellwarzen (Molluscum contagiosum, Mollusken) sind keine echten Warzen. Sie sehen diesen aber recht ähnlich — daher der Name. Tatsächlich sind Dellwarzen eine weit verbreitete harmlose Virusinfektion der Haut. Lesen Sie hier alles Wichtige über die warzenähnlichen Hautknötchen: Ursache, Symptome und Behandlung.

Dellwarzen gehen auf eine Virusinfektion zurück

Kurzübersicht

  • Symptome: Glatte, glänzende Knötchen mit Delle und infektiösem, teigigen Sekret; oft in Gruppen, einzeln oder in grösserer Anzahl; bei Kindern an Gesicht, Hals, Augenlidern, Genitalbereich, Achseln; Erwachsene hauptsächlich Genitalbereich
  • Behandlung: In der Regel Heilung von alleine; Entfernen mit Kürette, durch Vereisen, Säurebehandlung, Laser oder mit reizenden Medikamenten möglich
  • Ursachen und Risikofaktoren: Infektion mit Molluscum-contagiosum-Virus; Risikofaktoren feuchte Umgebung (Schwimmbad), rissige Haut, Wunden, Durchblutungsstörungen, Pilzinfektionen und Neurodermitis, Immunsuppression
  • Diagnose: Blickdiagnose, selten Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung
  • Prognose: In der Regel harmlose Infektion; verschwinden meist von allein wieder innerhalb von sechs bis neun Monaten; selten chronisch
  • Vorbeugung: Nicht barfusslaufen in Schwimmbädern und ähnlichem, keine gemeinsame Handtuch- oder Rasiererbenutzung, Warzen abkleben, nicht kratzen, geschützter Geschlechtsverkehr

Was sind Dellwarzen?

Dellwarzen (Molluscum contagiosum, Mollusken) sind eine harmlose Virusinfektion der Haut. Die warzenähnlichen Knötchen (Papeln) werden meist stecknadelkopfgross. Vor allem bei Menschen mit HIV/Aids oder anders Immunsupprimierten ist es aber möglich, dass sie ungewöhnlich gross werden (drei bis fünf Zentimeter im Durchmesser). Ärzte sprechen dann von Riesenmollusken (Mollusca contagiosa gigantea).

Symptome

Die Papeln haben eine glatte, glänzende Oberfläche und sind hautfarben, weiss oder transparent. In der Mitte haben sie eine kleine Delle mit einer winzigen Öffnung. Aus dieser tritt in vielen Fällen eine dicke, weisse und infektiöse Flüssigkeit aus.

Dellwarzen treten meist in Gruppen an ein oder zwei Hautstellen auf. Manchmal sind sie auch locker über den Körper verteilt. Betroffen sind der Körper, Arme, Beine oder das Gesicht, oft das Augenlid.

Bei Erwachsenen ist meist die Genitalregion befallen — das hängt damit zusammen, dass Dellwarzen im Erwachsenenalter insbesondere sexuell aktive Menschen betreffen und dabei häufig sexuell übertragen werden. Die meisten Patienten bekommen weniger als 20 Hautknötchen. In einigen Fällen entwickeln sich allerdings auch mehrere hundert Dellwarzen.

Normalerweise verursachen die Mollusken keine Beschwerden. Manche Patienten berichten allerdings über Juckreiz.

Wie verlaufen Dellwarzen bei Kindern?

Neben sexuell aktiven Erwachsenen sind Kinder bis fünf Jahren die Hauptgruppe der Betroffenen. Bei Kindern findet man die Dellwarzen vorwiegend im Gesicht, am Hals, an den Augenlidern, im Genitalbereich und in den Achseln.

Kinder mit Neurodermitis (atopisches Ekzem) sind öfter betroffen. Kinder "bringen" die Infektion oft etwa aus dem Kindergarten oder dem Schwimmbad mit.

Auch bei Kindern sind Dellwarzen eine harmlose Hautinfektion. Allerdings verbreiten sich die Warzen bei ihnen besonders durch Kratzen und Drücken an den Mollusken oft — besonders wenn die Hauterhebungen jucken.

Wie behandelt man Dellwarzen?

Im Allgemeinen ist eine Dellwarzen-Behandlung nicht notwendig — die Erkrankung klingt in der Regel von alleine wieder ab. Wenn doch (zum Beispiel bei ausgedehntem Befall), kommen verschiedene Methoden infrage:

Will man einzelne Dellwarzen entfernen, ist eine Möglichkeit, dass der Arzt sie unter lokaler Betäubung mit einem speziellen Instrument (scharfer Löffel, Ringkürette) abträgt oder zuerst anritzt und dann ausquetscht. Dabei ist auf sorgfältige Desinfektion zu achten, weil das ausgedrückte Material aus den Mollusken ansteckend ist. Wegen der häufigen Bildung von Narben setzt man diese Methode nur in geringem Umfang ein.

Es ist alternativ möglich, salizylathaltige Pflaster auf die Dellwarzen aufzukleben. Die Hornschicht der Papeln wird durch die Salizylsäure aufgelöst.

Dellwarzen bei Kindern behandelt man meist mit einer Vitamin-A-Säure-Lösung. Das Medikament trägt man mehrmals täglich auf die kleinen Papeln auf. Zuvor ist es ratsam, die gesunden Hautpartien rund um die Mollusken mit einer Salbe oder Puder zu bedecken, um sie vor der Säure zu schützen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Irritationsbehandlung mit einer reizenden Flüssigkeit (wie Kaliumhydroxid-Lösung oder Catharidin): Die Haut im Bereich der Dellwarzen entzündet sich. Das dient dazu, die spontane Abheilung (Spontanremission)zu beschleunigen.

Weitere Methoden sind die Vereisung sowie die Behandlung mit einem Laser. Auch einige Medikamente wie das immunstimulierende Mittel Imiquimod wird in einigen Fällen angewendet.

Mehr zu Behandlungsmethoden bei Warzen sowie über Hausmittel und Homöopathie (auch) gegen Dellwarzen finden Sie im Beitrag Warzen.

Ursache und Risikofaktoren

Dellwarzen sind keine echten Warzen, obwohl sie diesen ähnlich sehen. Allerdings werden echte Warzen von humanen Papillom-Viren (HPV) verursacht. Der Auslöser von Dellwarzen ist dagegen das Molluscum-contagiosum-Virus. Es zählt zur Gruppe der Pockenviren.

Der Erreger dringt besonders dann leicht in die Haut ein, wenn diese aufgeweicht ist. Daher fängt man sich Dellwarzen bevorzugt im Schwimmbad ein. Man nennt sie daher umgangssprachlich Schwimmbadwarzen, Schwimmwarzen oder Wasserwarzen. Auch in Turnhallen und in der Sauna infiziert man sich öfter mit dem Mollusken-Erreger.

Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich durch Schmierinfektion, etwa wenn man mit dem infektiösen Sekret aus den Dellwarzen eines Erkrankten in Berührung kommt. Das gilt bei sexuell aktiven Erwachsenen etwa im Sinne einer Übertragung beim Geschlechtsverkehr. Dann treten die Warzen besonders im Bereich der Genitalien, also ab Penis oder Vagina sowie am Anus auf.

Risikofaktoren

Besonders oft findet man Dellwarzen bei Kindern, weil deren Immunsystem noch angreifbarer ist als das von Erwachsenen. Mollusken sind in dieser Altersgruppe eine der häufigsten Infektionen überhaupt. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr.

Zusätzlich begünstigen verschiedene Risikofaktoren eine Mollusken-Infektion. Dazu zählen rissige Haut, Wunden, Durchblutungsstörungen, Pilzinfektionen und Neurodermitis. Sehr anfällig für Dellwarzen sind auch Menschen, deren Immunsystem durch HIV/Aids oder aus anderen Gründen geschwächt ist. Darunter fallen etwa Behandlungen mit Kortisonpräparaten.

Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose Dellwarzen in der Regel als Blickdiagnose aufgrund des charakteristischen Aussehens. In Zweifelsfällen nimmt er eine Gewebeprobe und untersucht diese unter dem Mikroskop.

Prognose

In den meisten Fällen verschwinden Dellwarzen von allein wieder, und zwar innerhalb von sechs bis neun Monaten. In einigen Fällen halten sie sich aber auch über Jahre. Besonders bei Aids-Patienten ist es möglich, dass Dellwarzen chronisch werden oder immer wiederkehren und für einen ausgedehnten Befall sorgen.

Vorbeugen

Oft übertragen sich Dellwarzen innerhalb eines Haushaltes oder in Kindergärten durch die gemeinsame Benutzung von Handtüchern oder Kleidung.

Wie bei echten Warzen gilt für die Mollusken:

  • Teilen Sie Handtücher, Schuhe und Socken nicht mit anderen Menschen.
  • Laufen Sie in Schwimmbädern, Gemeinschaftsduschen, Turnhallen und Umkleidekabinen nicht barfuss herum.
  • Bedecken Sie vorhandene Dellwarzen vor dem Schwimmen mit einem wasserfesten Pflaster.
  • Fassen Sie die Dellwarzen nicht an.

Ausserdem vermeiden Sie es idealerweise, an Warzen zu kratzen oder zu drücken. Anderenfalls übertragen Sie unter Umständen die enthaltenen Viren auf andere Stellen Ihres Körpers oder auf andere Menschen.

Das teigige oder krümelige Sekret in den Dellwarzen ist in jedem Fall ansteckend. Es ist ratsam, den Kontakt damit zu vermeiden — das heisst auch, sie eher nicht auszudrücken oder zumindest für Desinfektion dabei zu sorgen. Sprechen Sie idealerweise mit Ihrem Arzt.

Beim Geschlechtsverkehr auf Schutz zu achten, vermeidet unter Umständen Infektionen an den Genitalien beziehungsweise am Anus.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
B07
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.: www.kinderaerzte-im-netz.de (Abruf: 13.04.2022)
  • Höger, P. H.: Kinderdermatologie. Schattauer Verlag, 3. Auflage, 2011
  • Traupe, H. & Hamm, H.: Pädiatrische Dermatologie. Springer-Verlag, 2. Auflage, 2006
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