Schwitzen

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Schwitzen ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers vor Überwärmung. Wenn sich der Organismus in der prallen Sonne, bei anstrengender körperlicher Aktivität oder in der Sauna aufheizt, wird die übermässige Körperwärme durch Schwitzen abgegeben. Auch bei Aufregung oder dem Verzehr scharfer Speisen beginnen die meisten Menschen zu schwitzen. Daneben gibt es Menschen, die generell und übermässig stark schwitzen. Eine solche Hyperhidrose (Hyperhidrosis) kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Lesen Sie hier, welche Ursachen starkes Schwitzen, plötzliche Schweissausbrüche und Nachtschweiss haben können und was sich dagegen tun lässt.

Schwitzen

Kurzübersicht

  • Was ist Schwitzen? Regulationsmechanismus des Körpers, um übermässige Wärme abzugeben. Kann aber auch krankheitsbedingt sein.
  • Ursachen: z. B. körperliche Anstrengung, Nervosität, Wechseljahre, Schwangerschaft, aber auch diverse Erkrankungen (wie Schilddrüsenüberfunktion, Parkinson, Unterzucker bei Diabetes, Mangelernährung), Medikamente oder der Entzug von Alkohol oder Drogen
  • Wann zum Arzt? Bei starkem Schwitzen ohne erkennbare Ursache, plötzlichen Schweissausbrüchen ohne ersichtlichen Grund, wiederholt auftretendem Nachtschweiss oder begleitendem Fieber über 40°C
  • Therapie: Je nach Ursache, z. B. Schweisshemmer zur äusseren Anwendung, Medikamente zur Einnahme (Antihidrotika), Leitungswasser-Iontophorese, Botox-Injektionen, operative Eingriffe (z.B. Entfernung der Schweissdrüsen in der Achselhöhle)
  • Tipps: z. B. luftdurchlässige Kleidung, Lederschuhe statt Schuhwerk aus Synthetikmaterialien, fettreiche und scharf gewürzte Mahlzeiten meiden, Deo verwenden, Übergewicht abbauen, Heilpflanzen (Salbei, Trauebnsilberkerze etc.), regelmässig in die Sauna und/oder zum Sport, um Funktion der Schweissdrüsen zu trainieren

Schwitzen: Beschreibung

Schwitzen ist in erster Linie ein natürlicher Regulationsmechanismus des Körpers: Er dient der Abgabe übermässiger Körperwärme, kann aber beispielsweise auch durch emotionale Faktoren wie Lampenfieber ausgelöst werden. Demnach unterscheiden Fachleute folgende Formen von normalem Schwitzen:

  • Thermoregulatorisches Schwitzen: Dadurch wird eine erhöhte Körpertemperatur (etwa bei grosser Hitze oder nach körperlicher Aktivität) wieder nach unten reguliert.
  • Emotionales Schwitzen (emotionelles Schwitzen): Nervöse Erregung, wie sie etwa bei Befangenheit, Prüfungsangst, Lampenfieber, Wut oder Schreck auftritt, lässt die meisten Menschen vor allem an den Handflächen und in den Achseln, aber auch an den Fusssohlen und an der Stirn schwitzen.
  • Gustatorisches Schwitzen(Geschmacksschwitzen): Das Kauen von sauren oder scharf gewürzten Speisen sowie Alkoholgenuss regen den Stoffwechsel und damit die Wärmeproduktion an. Das hat vor allem Schwitzen im Gesicht (Stirn, Wangen, Oberlippe), seltener am Körperstamm (Oberkörper) zur Folge. Nicht zum Geschmacksschwitzen im engeren Sinne zählt das Schwitzen nach Aufnahme von heissen Speisen oder Getränken, da hier die Schweissproduktion nicht direkt durch einen Geschmacksreiz ausgelöst wird.

Neben dem "normalen" (physiologischen) Schwitzen gibt es auch krankhaftes (pathologisches) Schwitzen. Die Übergänge dazwischen sind fliessend, da die Schweissabgabe von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist.

Krankhaftes Schwitzen

Eine Störung der Schweissproduktion kann unterschiedlich ausgeprägt sein – der Betroffene schwitzt entweder gar nicht, reduziert oder übermässig stark. Je nachdem, sprechen Mediziner von:

  • Anhidrose: Die Schweisssekretion ist unterbunden, das heisst, die Betroffenen schwitzen gar nicht.
  • Hypohidrose: Die Schweisssekretion ist vermindert, die Patienten schwitzen also weniger als normal wäre.
  • Hyperhidrose (auch Hyperhidrosis): Die Schweissabsonderung ist gesteigert. Allerdings leidet nicht jeder, der stark schwitzt, aus medizinischer Sicht an Hyperhidrose. Denn der Begriff definiert sich nicht anhand der Schweissmenge, sondern der Fehlfunktion des Schwitzens, die über die Wärmeregulierung, die notwendig wäre, hinausgeht.

Hyperhidrose

Hyperhidrose lässt sich nach verschiedenen Aspekten einteilen. Zum einen wird nach der Ursache zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose unterschieden:

  • Primäre Hyperhidrose: Auch essenzielle oder idiopathische Hyperhidrose genannt. Hier lässt sich keine Grunderkrankung oder äussere Ursache für das vermehrte Schwitzen finden. Die primäre Hyperhidrose ist viel häufiger als die sekundäre. Sie beginnt meist in der Pubertät und hält das ganze Leben lang an. Das verstärkte Schwitzen wird oft durch Aufregung, Nervosität und andere Formen seelischer Anspannung ausgelöst.
  • Sekundäre Hyperhidrose: Hier ist das übermässige Schwitzen Symptom einer Erkrankung. Als Auslöser kommen zum Beispiel Infektionen (Grippe, Malaria etc.), Tumoren (Leukämie, Lymphdrüsenkrebs etc.), Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes), hormonelle Störungen (wie bei Schilddrüsenüberfunktion oder in den Wechseljahren) oder neurologische Krankheiten (wie Morbus Parkinson) infrage. Im Unterschied zur primären Hyperhidrose tritt bei sekundärer Hyperhidrose manchmal auch Nachtschweiss auf.

Zum anderen kann die Hyperhidrose danach eingeteilt werden, wo der Körper vermehrt Schweiss abgesondert: Menschen, die am ganzen Körper übermässig stark schwitzen, leiden unter generalisierter Hyperhidrose. Das beobachtet man besonders bei sekundärer Hyperhidrose, also wenn das übermässige Schwitzen auf eine bestimmte Erkrankung zurückzuführen ist. Dem gegenüber steht die fokale Hyperhidrose, bei der Betroffene nur an bestimmten Körperstellen stark schwitzen, etwa in den Achseln (Hyperhidrosis axillaris) oder an den Händen (Hyperhidrosis manuum). Dies ist besonders bei der primären Hyperhidrose der Fall.

Geht übermässiges Schwitzen mit Krankheitssymptomen wie Hautrötung samt Hitzegefühl (Flush), einer veränderten Wahrnehmung von Sinnesreizen (Sensibilitätsstörungen) oder Schmerzen einher, sprechen Mediziner von Schwitzkrankheit. Wird das starke Schwitzen von einem unangenehmen Geruch (ranzig, muffig, käsig etc.) begleitet, liegt eine sogenannte Bromhidrose vor.

Schwitzen: Wann müssen Sie zum Arzt?

Oftmals ist Schwitzen eine ganz normale und häufig situationsbezogene Reaktion des Körpers. In folgenden Fällen ist jedoch ein Arztbesuch ratsam:

  • plötzliches starkes Schwitzen ohne erkennbare Ursache
  • plötzliche Schweissausbrüche, die man sich nicht erklären kann
  • plötzlich und wiederholt auftretender Nachtschweiss, der sich nicht begründen lässt (etwa durch zu hohe Zimmertemperatur)
  • Schwitzen mit Fieber, das über 40 °C ansteigt, länger als drei Tage anhält oder unklarer Ursache ist

Rufen Sie sofort den Notarzt bei:

  • Schweissausbruch mit Unruhe und Bewusstseinstrübung bei Diabetikern
  • plötzlichem Schweissausbruch mit Schwindel und Bewusstlosigkeit, wenn die Ohnmacht länger als eine Minute anhält oder der Betroffene häufiger ohnmächtig wird
  • Schock mit kaltem Schweiss, grauer, kühler Haut, Zittern, Unruhe, Angst und eventuell Benommenheit oder sogar Bewusstlosigkeit

Schwitzen: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Für die primäre Hyperhidrose lässt sich keine eindeutige Ursache finden. Häufig lösen bei den Betroffenen aber zum Beispiel hohe Temperaturen, körperliche Anstrengung, Nervosität und Aufregung das vermehrte Schwitzen aus.

Die wichtigsten Ursachen der sekundären Hyperhidrose sind:

  • Fieber: Wenn der Körper seine Temperatur im Kampf gegen eingedrungene Krankheitserreger auf 38 °C und mehr hochschraubt, sprechen Mediziner von Fieber. Während der Temperaturanstieg mit kalter, trockener Haut und manchmal Schüttelfrost einhergeht, kündigen warme, gerötete Haut und Schwitzen an, dass das Fieber absinkt.
  • Infektionskrankheiten: Fieber mit Schwitzen ist ein häufiges Symptom von Infektionskrankheiten wie Grippe, Erkältung, Blutvergiftung (Sepsis) und Malaria. Auch chronische Infektionen wie Aids und Tuberkulose werden oft von Schwitzen (im Schlaf hauptsächlich) sowie Abgeschlagenheit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit begleitet.
  • Wechseljahre: Die Veränderungen im Hormonhaushalt während der Wechseljahre äussern sich bei vielen Frauen in Beschwerden wie vermehrtem Schwitzen und eventuell Schweissausbrüchen (Hitzewallungen).
  • Schwangerschaft und Wochenbett: Die hormonellen Schwankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett können ebenfalls vermehrtes Schwitzen und eventuell Schweissausbrüche auslösen.
  • Hyperhidrose (Hyperhidrosis): Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter einer erblichen Schwitzneigung.
  • starkes Übergewicht: Zusammen mit Gelenkproblemen, Kurzatmigkeit und mangelnder Leistungsfähigkeit gehört übermässiges Schwitzen zu den unspezifischen Beschwerden von starkem Übergewicht. Der Grund dafür ist eine durch das vermehrte Unterfettgewebe gestörte Wärmeregulation.
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Übermässiges Schwitzen mit auffallender Wärmeempfindlichkeit kann auf eine Überfunktion der Schilddrüse hindeuten. Weitere mögliche Anzeichen einer Hyperthyreose sind Nervosität, Händezittern und Gewichtsverlust trotz gesteigerten Appetits.
  • Unterzucker (Hypoglykämie) bei Diabetes: Schweissausbrüche mit Unruhe bei Diabetikern sind meist ein Anzeichen für Unterzuckerung (Hypoglykämie). Weitere Symptome sind Heisshunger, Herzklopfen, Zittern und eventuell Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Eine Hypoglykämie bei Zuckerkranken kann entstehen, wenn sie eine Mahlzeit ausfallen lassen, die blutzuckersenkenden Medikamente fehlerhaft dosieren, Alkohol trinken oder der Glukosebedarf erhöht ist, zum Beispiel aufgrund von Infektionen oder körperlicher Anstrengung. Wenn die Unterzuckerung mit Bewusstseinstrübung einhergeht, sollten Sie den Notarzt rufen!
  • Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson): Schon zu Beginn der Parkinson-Krankheit können eine verminderte Hitzetoleranz und Schweissausbrüche auftreten. Besonders oft klagen die Patienten über nächtliches Schwitzen. Bei Parkinson-Patienten, bei denen sich die motorische Beweglichkeit phasenweise stark ändert, zeigt sich starkes Schwitzen vor allem in Phasen schlechter Beweglichkeit (Off-Phasen).
  • Schock: Menschen unter Schock (etwa bei Herzinfarkt, starkem Blutverlust, schwerer Allergie) bricht kalter Schweiss aus. Sie haben eine graue, kühle Haut, zittern, sind unruhig und/oder haben Angst. Eventuell stellt sich auch Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit (Ohnmacht) ein. Bei Schock-Anzeichen sollten Sie sofort den Notarzt rufen!
  • Ohnmacht (vasovagale Synkope): Das ist die häufigste Form von Bewusstseinsverlust bei ansonsten gesunden Personen. Der kurzen Bewusstlosigkeit gehen meist Schwäche, Schwindel, Schweissausbruch und Blässe sowie in weiterer Folge plötzlicher Blutdruckabfall und abruptes Absinken der Pulsfrequenz voraus. Auslöser einer solchen Ohnmacht können zum Beispiel emotionaler Stress, Angst und Schmerz sein. Rufen Sie den Notarzt, wenn die Bewusstlosigkeit länger als eine Minute anhält oder der Betreffene häufiger in Ohnmacht fällt.
  • Blutdruckabfall bei Lagewechsel (orthostatische Dysregulation): Auch beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen kann der Blutdruck plötzlich abfallen. In der Folge kommt es zu einem plötzlichen Schweissausbruch, Schwindel, und es wird einem schwarz vor Augen. Auch Ohrensausen, Herzklopfen und Übelkeit sowie kurze Bewusstlosigkeit (orthostatische Synkope oder Ohnmacht) sind möglich. Hier gilt wie oben: Bei Ohnmacht, die länger als eine Minute anhält oder häufiger auftritt, ist ein Notarzt zu alarmieren!
  • Herzrhythmusstörung: Schlägt das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmässig, kann den Betroffenen, ähnlich wie bei der orthostatischen Dysregulation, plötzlich der Schweiss ausbrechen oder schwarz vor Augen werden. Solche Herzrhythmusstörungen sollten ärztlich abgeklärt werden!
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz): Vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen und Kurzatmigkeit schon bei geringer Anstrengung können durch eine Herzschwäche bedingt sein.
  • Blutarmut (Anämie): Wie bei Herzschwäche können auch bei Blutarmut bereits geringste Anstrengungen vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen und Kurzatmigkeit auslösen.
  • Mangelernährung (z. B. Magersucht): Ist der Körper unzureichend mit Nährstoffen versorgt, löst schon geringe Anstrengung vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen und Kurzatmigkeit aus.
  • Rheumatische Erkrankungen: Rheumatische Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis und Lupus erythematodes können Schwitzen (vor allem Nachtschweiss), Abgeschlagenheit und mangelnde Leistungsfähigkeit hervorrufen.
  • Tumorerkrankungen: Bösartige Tumoren wie Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs verursachen oft Schwitzen (vor allem nächtliches Schwitzen), Abgeschlagenheit und verminderte Leistungsfähigkeit. Schweissausbrüche oder ständiges Schwitzen sowie Herzklopfen und Kopfschmerzen können durch seltene hormonproduzierende Tumoren (wie Phäochromozytom: Tumor der Nebennierenrinde) verursacht werden.
  • Angsterkrankung, Panikattacke: Schweissausbrüche oder ständiges Schwitzen in Verbindung mit Herzklopfen und Kopfschmerzen können Anzeichen einer Angsterkrankung oder Panikattacke sein.
  • Entzugssyndrom (wie bei Alkoholsucht, Drogensucht): Ständiges oder anfallsweises Schwitzen mit Herzklopfen, Kopfschmerzen und oft auch Zittern und Nervosität stellen sich beispielsweise bei Alkoholkranken ein, wenn sie ihre Droge (Alkohol) nicht bekommen. Die gleichen Entzugssymptome können auch bei anderen Suchtpatienten wie drogen- oder tablettensüchtigen Menschen auftreten.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung übermässiges Schwitzen auslösen, so zum Beispiel Betablocker (Herz-Kreislauf-Mittel), Antidepressiva, Schilddrüsenhormone und Kortisonpräparate.

Schwitzen: Was macht der Arzt?

Um übermässiges Schwitzen oder unerklärliche Schweissanfälle abzuklären, wird der Arzt den Patienten zuerst zu seiner Krankengeschichte (Anamnese) befragen. Er lässt sich zum Beispiel schildern, in welchen Situationen übermässiges Schwitzen und/oder Schweissausbrüche auftreten, um daraus Vermutungen über mögliche Ursachen abzuleiten. So wird Nachtschweiss beispielsweise am häufigsten bei Alkoholismus beobachtet. Aber auch Herzschwäche, Bronchitis, HIV-Infektion/Aids, Autoimmunerkrankungen, Tumoren (wie Lymphdrüsenkrebs) und andere Erkrankungen können Schwitzen in der Nacht auslösen.

Werden übermässiges Schwitzen und Schweissausbrüche von weiteren Symptomen wie Fieber, Kurzatmigkeit, Leistungsschwäche begleitet, hilft diese Information dem Arzt ebenfalls bei der Diagnosefindung. Auch über eingenommene Medikamente sollte der Patient den Arzt informieren. Weitergehende Untersuchungen können dann eventuelle Vermutungen des Arztes bestätigen oder widerlegen:

  • Körperliche Untersuchung: Sie zählt zu den Routinemassnahmen, wenn ein Patient wegen Beschwerden wie übermässiges Schwitzen, Schweissausbrüche und/oder Nachtschweiss den Arzt aufsucht.
  • Fieber messen: Mit dem Fieberthermometer kann der Arzt (oder auch der Patient selbst) feststellen, ob eine erhöhte Körpertemperatur (37,5 bis 38 °C) oder Fieber (ab 38 °C) das Schwitzen begleitet.
  • Blutdruckmessung: Im Rahmen der körperlichen Untersuchung misst der Arzt in der Regel auch den Blutdruck. Besonders wichtig ist die Blutdruckmessung in Notfallsituationen, in denen plötzliche Schweissausbrüche, Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen mit eventueller Bewusstlosigkeit auftreten. Auch bei Patienten mit Anzeichen eines Schocks wie kalter Schweiss, graue und kühle Haut sowie Zittern wird der alarmierte Notarzt den Blutdruck messen.
  • Blutuntersuchungen: Wenn Schweissausbrüche und nächtliches Schwitzen bei Frauen durch den Eintritt in die Wechseljahre verursacht werden, lässt sich dies an der Konzentration der Geschlechtshormone im Blut ablesen. Die Menge der Schilddrüsenhormone im Blut hilft bei der Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion als Ursache für starkes Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit. Plötzliche Schweissausbrüche bei Diabetikern können durch eine Unterzuckerung bedingt sein, was sich am Blutzuckerspiegel erkennen lässt. Auch bei anderen Erkrankungen, die als Ursache für starkes Schwitzen infrage kommen, sind Blutuntersuchungen angezeigt – etwa bei Blutarmut, rheumatischen Erkrankungen, Infektionen, Leukämie und anderen Tumorerkrankungen.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, Ultraschall (Sonografie), Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) und dergleichen kommen zum Einsatz, wenn der Arzt einen konkreten Verdacht bezüglich der Ursache für vermehrtes Schwitzen hat – zum Beispiel  Lymphdrüsenkrebs oder Herzschwäche. Wenn sich der Verdacht bestätigt, können bildgebende Verfahren helfen, das Ausmass der Erkrankung genauer abzuschätzen.
  • Untersuchung des Knochenmarks: Eine Probe des Knochenmarks wird entnommen und analysiert (Knochenmarkpunktion, Knochenmarkbiopsie), wenn beispielsweise Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs als Ursache für übermässiges Schwitzen (vor allem Nachtschweiss) in Betracht kommt.
  • Elektrokardiografie (EKG): Die elektrische Herzaktivität wird zum Beispiel bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen aufgezeichnet und analysiert.
  • Neurologische Untersuchung: Der Funktions- und Leistungszustand von Nervenbahnen wird untersucht, falls Morbus Parkinson für Schweissausbrüche und nächtliches Schwitzen verantwortlich sein könnte.

Krankhaftes Schwitzen: Behandlung

Je nachdem, wie stark das Schwitzen ausgeprägt ist, welche Ursache ihm zugrunde liegt und wie sehr der Patient darunter leidet, hat der Arzt unterschiedliche Möglichkeiten, die übermässige Schweissproduktion zu behandeln.

Bei sekundärer Hyperhidrose wird nach Möglichkeit die zugrunde liegende Erkrankung (Fettsucht, Blutarmut, Herzrhythmusstörungen, Krebs, Rheumatoide Arthritis etc.) behandelt. Manchmal reicht das aber nicht, um übermässiges Schwitzen, Schweissausbrüche und/oder Nachtschweiss zu beseitigen. Dann kann man es mit einer der Behandlungsmöglichkeiten versuchen, die auch bei primärer Hyperhidrose angewendet werden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Antitranspirantien (Antiperspirantien, Schweisshemmer): Sie sorgen dafür, dass die Schweissdrüsen weniger Schweiss abgeben. Diese Wirkung beruht auf den enthaltenen Metallsalzen, wobei es sich meist um Aluminiumsalze wie Aluminiumchlorid-Hexahydrat handelt. Schweisshemmer werden äusserlich zum Beispiel als Deoroller, Creme oder Pulver angewendet.
  • Leitungswasser-Iontophorese: Sie kommt vor allem bei Schweisshänden und Schweissfüssen zum Einsatz, seltener bei starkem Schwitzen in den Achseln oder an anderen Körperstellen. Es wird dabei mithilfe von Wasserbädern oder feuchten Elektroden schwacher Strom durch die betroffenen Hautbereiche geleitet.
  • Medikamente zur Einnahme: Sogenannte Antihidrotika werden etwa bei übermässigem Schwitzen am ganzen Körper und unbekannter Ursache (generalisierte primäre Hyperhidrose) gegeben. Allerdings sind sie nur mässig wirksam und verursachen recht schnell Nebenwirkungen. Wenn übermässiges Schwitzen vor allem in psychischen Belastungssituationen auftritt oder Folge einer psychischen Erkrankung (wie Angststörung, Panikattacken) ist, werden manchmal Psychopharmaka, Tranquilizer oder Sedativa (Beruhigungsmittel) verschrieben.
  • Botulinumtoxin: Das Bakteriengift, auch unter dem Medikamentennamen Botox bekannt, wird zum Beispiel in die Handflächen oder Achselhöhlen injiziert, wo es die Schweissabsonderung blockiert. Solche Botox-Injektionen können recht schmerzhaft sein und werden in der Regel nur bei schwereren Formen von Hyperhidrose angewendet.
  • Operative Therapie: Operative Verfahren kommen erst in Frage, wenn nicht-operative (konservative) Behandlungsmethoden keinen Erfolg bringen. So lässt sich zum Beispiel starkes Schwitzen in den Achselhöhlen durch Herausschneiden (Exzision) oder "Auskratzen" (Kürettage) der Schweissdrüsen beenden. Bei Schweisshänden können bestimmte Nerven im Brustkorbbereich durchtrennt werden (endoskopische thorakale Sympathektomie, ETS). Auch das Schwitzen in den Achselhöhlen und im Gesicht nimmt in der Folge ab. Nach der Operation schwitzen viele Patienten allerdings zum Ausgleich verstärkt in anderen Körperregionen.

Schwitzen: Das können Sie selbst tun

Folgende Tipps gegen übermässiges Schwitzen (Hyperhidrose) können hilfreich sein:

  • Luftige Kleidung: Tragen Sie lockere, luftdurchlässige Kleidung, am besten aus Baumwolle und Wolle, aber keine Kunstfasern.
  • Zwiebellook: Kleiden Sie sich nach dem Zwiebelprinzip (also zum Beispiel ein T-Shirt plus eine dünne Strickjacke anstelle eines dicken Wollpullovers).
  • Richtiges Schuhwerk: Besonders bei Schweissfüssen sollten Sie Lederschuhe mit durchgehender Ledersohle (keine Gummi-, Kunststoff- oder Holzsohlen!) und im Sommer Sandalen tragen. Wechseln Sie tagsüber öfters die Schuhe.
  • Barfuss gehen: Laufen Sie so oft wie möglich barfuss, weil durch die Stimulation der Fusssohlen die Aktivität der Schweissdrüsen reguliert wird.
  • Richtig essen: Meiden Sie Speisen und Getränke, die das Schwitzen anregen wie zum Beispiel fettreiche, üppige und/oder scharf gewürzte Mahlzeiten, Alkohol, Nikotin und Kaffee.
  • Fettpolster abbauen: Wenn Sie übergewichtig sind, sollten Sie möglichst abnehmen. Dann schwitzen Sie auch weniger.
  • Genügend trinken: Schränken Sie aus Angst vor Schweissausbrüchen und starkem Schwitzen nicht die Flüssigkeitszufuhr ein! Die abgegebene Schweissmenge hängt nicht von der Trinkmenge ab.
  • Täglich abbrausen: Duschen Sie jeden Tag mindestens einmal. Verwenden Sie dabei zum Beispiel desodorierende Syndets (Reinigungsmittel aus synthetischen Rohstoffen) oder pH-neutrale Seifen.
  • Achselhaare entfernen: Bei starkem Achselschweiss sollten Sie sich die Achselhaare rasieren, um einem Bakterienwachstum vorzubeugen.
  • Geruch bekämpfen: Verwenden Sie Deodorantien (Deoroller, Deosprays etc.), deren Geruchsstoffe und antibakteriellen Zusätze den Schweissgeruch reduzieren beziehungsweise überdecken. Die antibakterielle Wirkung ist wichtig, denn der unangenehme Schweissgeruch entsteht erst, wenn sich Bakterien über den Schweiss hermachen.
  • Drüsen trainieren: Gehen Sie regelmässig in die Sauna und/oder zum Sport, um die normale Funktion der Schweissdrüsen zu trainieren. Achtung: Bei bestehenden Grunderkrankungen wie Herzschwäche oder Venenleiden sollten Sie vorher aber Rücksprache mit Ihrem Arzt halten.
  • "Wasserkuren": Auch Kalt-Warm-Duschen, Kneipp-Güsse für Arme und Beine sowie Vollbäder mit Sole-, Moor- oder Heublumenzusätzen sind bei übermässigem Schwitzen (zum Beispiel in den Wechseljahren) empfehlenswert.
  • Salbei: Salbeitee ist ein altes Hausmittel gegen Schwitzen: Für eine Tasse Tee ein bis zwei Teelöffel Salbei mit heissem Wasser überbrühen, fünf bis zehn Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Trinken Sie vier Wochen lang dreimal täglich eine Tasse Salbeitee in kleinen Schlucken. Alternativ können Sie fertige Salbeipräparate (Apotheke) einnehmen.
  • Traubensilberkerze: Gegen vermehrtes Schwitzen und andere Wechseljahresbeschwerden können Sie pflanzliche Präparate auf der Basis von Traubensilberkerze (Apotheke) einnehmen. Sie enthalten Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung, die den zunehmenden Östrogenmangel in den Wechseljahren teilweise ausgleichen können.
  • Beruhigende Heilpflanzen: Schweissausbrüche, vermehrtes Schwitzen und Nachtschweiss können seelisch stark belasten und umgekehrt durch seelische Anspannung hervorgerufen werden. In diesen Fällen kann die Anwendung beruhigender Heilpflanzen wie Baldrian, Passionsblume und Melisse sinnvoll sein. Als heisser Tee bei Schweissausbrüchen (Hitzewallungen) in den Wechseljahren wird etwa eine Mischung aus jeweils einem Teelöffel Johanniskraut, Melisse, Lavendel und Passionsblume empfohlen. Das Ganze mit einer Tasse heissem Wasser übergiessen und nach fünf Minuten abseihen. Trinken Sie dreimal täglich eine solche Tasse in kleinen Schlucken, und zwar vier Wochen lang. Danach mindestens einen Monat pausieren.
  • Entspannungstechniken: Wenden Sie regelmässig Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson an, um das vegetative Nervensystem zu beruhigen. Das beugt Schwitzen vor, denn die Schweissabgabe wird über das vegetative Nervensystem gesteuert. Entspannungstechniken sind auch besonders geeignet, wenn Schweissausbrüche und übermässiges Schwitzen durch die Wechseljahre verursacht werden.
  • Homöopathie: Gegen plötzliche Schweissausbrüche mit Hitzewallungen empfiehlt die Homöopathie Acidum sulfuricum D12. Das Homöopathikum Sepia D12 ist angezeigt bei übel riechendem Schweiss, wenn sich die Beschwerden durch Bewegung bessern. Dagegen wird bei übel riechendem Schweiss mit Besserung der Beschwerden durch Kälte das Mittel Sulfur D12 eingesetzt. Das gleiche Mittel sowie Calcium carbonicum D12 können gegen Schweissfüsse helfen. Bezüglich der Dosierung sollten Sie mit einem erfahrenen Therapeuten sprechen.
  • Bachblüten: Wenn angstauslösende Situationen (wie Prüfungen, Zahnarztbesuch, öffentliche Auftritte) Schweissausbrüche verursachen, können Sie es mit der Bachblütentherapie versuchen: Geeignet sind vor allem die Rescue-Tropfen (Notfall-Tropfen), aber auch Rock Rose und Mimulus.
  • Ätherische Öle: Gegen vermehrtes Schwitzen werden vor allem die ätherischen Öle von Salbei, Citronella, Rose, Rosenholz, Thuja und Zypresse empfohlen, zum Beispiel als Zusätze in Bädern, Duschcreme und Hautcreme. Sie können auch einen Fussbalsam nehmen und zwei bis vier Tropfen Fichten-, Kiefer-, Rosmarin-, Lemongras- oder Teebaumöl dazumischen. Das hilft bei starkem Schwitzen an den Füssen.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Achenbach, R.K.: Hyperhidrosis, Springer Verlag, 1. Auflage, 2004
  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2005
  • Ärzteblatt Online: Hyperhidrose – Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen; www.aerzteblatt.de (Abruf: 23.01.2019)
  • Buchta, M.: Das Hammerexamen mit StudentConsult-Zugang, , Urban & Fischer Verlag/Elsiever, 2. Auflage, 2008
  • Buchta, M. et al.: Das Zweite StEx: Basiswissen Klinische Medizin für Examen und Praxis, Springer Verlag, 2. Auflage, 2004
  • Faber, S. et al.: Das TRIAS-Handbuch Richtig selbst behandeln, Georg Thieme Verlag, 2007
  • Gollmitzer, I.: Das Frey- Syndrom: eine prospektive randomisierte Therapiestudie mit Botulinum Toxin A; Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Zahnmedizin einer Hohen Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität-Bochum, 2003
  • Hoffmann, K. et al.: Krankhaftes Schwitzen: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige, W. Kohlhammer Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Krieger, S.: Pathologie-Lehrbuch für Heilpraktiker, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2011
  • Orfanos, C.E. & Garbe, C.: Therapie der Hautkrankheiten, Springer Verlag, 2. Auflage, 2002
  • Reuter, H.: Differenzialdiagnose für Heilpraktiker, Foitzick Verlag GmbH, 2010
  • S1-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Definition und Therapie der primären Hyperhidrose (Stand: November 2017)
  • Schmiedel, V.: Natürlich gesund! Das Selbstbehandlungsbuch, Georg Thieme Verlag, 2009
  • Thümler, R.: Morbus Parkinson, Springer Verlag, 1. Auflage, 2002
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