Lymphdrüsenkrebs

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und , Medizinredakteurin und Biologin
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Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Lymphdrüsenkrebs (Malignes Lymphom) ist eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Dabei unterscheidet man zwei große Gruppen - das Hodgkin-Lymphom und die Nicht-Hodgkin-Lymphome. Typische Symptome dieser Krebsformen sind schmerzlos geschwollene Lymphknoten, Fieber, Gewichtsverlust und nächtliches Schwitzen. Lymphdrüsenkrebs kann in jedem Alter auftreten. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Therapie und Prognose hängen vom Lymphdrüsenkrebs-Typ und -Stadium ab. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Lymphdrüsenkrebs.

lymphdrüsenkrebs

Lymphdrüsenkrebs: Beschreibung

Lymphdrüsenkrebs ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Malignes Lymphom (früher auch Lymphosarkom genannt). Diese Tumorerkrankung geht von entarteten Zellen des lymphatischen Systems (Lymphsystems) aus.

Lymphatisches System (Lymphsystem)

Das Lymphsystem ist ein wichtiger Teil des körpereigenen Abwehrsystems. Es besteht aus dem Lymphgefäßsystem - einem Netzwerk von Gefäßen vergleichbar mit dem Blutgefäßsystem - und den lymphatischen Organen (z.B. Thymus, Knochenmark, Lymphknoten, Milz, Gaumen-/Rachenmandeln). Im Lymphsystem wird die Gewebsflüssigkeit (Lymphflüssigkeit, Lymphe) gesammelt und transportiert.

Außerdem dient das Lymphsystem der Bildung, Reifung und Differenzierung einer bestimmten Art von weißen Blutkörperchen, den Lymphozyten (= Lymphzellen). Sie sind extrem wichtig für die Immunabwehr, weil sie gezielt Krankheitserreger erkennen und beseitigen können. Der Großteil der Lymphozyten verbleibt an seinem Bildungsort; nur ein kleiner Teil tritt ins Blut über. Mehr über die Lymphozyten und ihre zwei Untergruppen (T- und B-Lymphozyten) erfahren Sie hier.

Die Lymphknoten filtern die Gewebsflüssigkeit (Lymphe), die sie durchströmt. Fangen Sie dabei Fremdkörper wie Krankheitserreger oder Krebszellen ab, werden die in den Lymphknoten eingelagerten Lymphozyten aktiviert - die Immunsystem bekämpft und beseitigt nach Möglichkeit die Fremdkörper.

Die Milz spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Immunabwehr sowie in der Blutreinigung. Mehr dazu lesen Sie hier.

So entsteht Lymphdrüsenkrebs

Lymphdrüsenkrebs entsteht, wenn eine Lymphzelle (Lymphozyt) entartet und zu einer Krebszelle wird. Dabei kann es sich zum Beispiel um Lymphozyten in den Lymphknoten oder in der Milz oder um Stammzellen im Knochenmark (die neben Lymphozyten auch alle anderen Blutzellen hervorbringen können) handeln. Die Krebszellen unterscheiden sich im Aussehen von gesunden Lymphzellen, erfüllen nicht mehr die eigentliche Aufgabe einer gesunde Zelle und vermehren sich unkontrolliert.

Im weiteren Krankheitsverlauf kann sich Lymphdrüsenkrebs über das Lymphsystem hinaus ausbreiten und andere Organe befallen.

Lymphdrüsenkrebs: Häufigkeit und Formen

Lymphdrüsenkrebs ist eine seltene Form von Krebs. Pro Jahr erkranken zwei bis zehn von 100.000 Einwohnern neu an einem malignen Lymphom. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

Anhand von feingeweblichen Unterschieden unterscheiden Mediziner zwei große Gruppen von Lymphdrüsenkrebs:

  • Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin): Diese eigenständige Form von Lymphdrüsenkrebs ist zwischen dem 10. und 35. Lebensjahr eine der fünf häufigsten diagnostizierten Krebserkrankungen. Am häufigsten tritt sie im jungen Erwachsenenalter auf. Im Jahr 2020 erkrankten 8.856 Frauen und 11.002 Männer in Europa neu an einem Hodgkin-Lymphom.
  • Non-Hodgkin-Lymphome (NHL): Hierunter fallen alle Lymphom-Formen, die nicht als Hodgkin-Lymphom gelten - das sind etwa 30 verschiedene (z.B. Plasmozytom). Im Jahr 2020 erkrankten in Europa 55.601 Frauen und 67.378 Männer neu an einem NHL. Das Durchschnittsalter der Patienten beträgt 72 Jahre (Frauen) bzw. 70 Jahre (Männer).

Auch Kinder können an Lymphdrüsenkrebs erkranken, wobei beide Hauptgruppen der Erkrankung etwa gleich häufig auftreten - das Hodgkin-Lymphom und die Non-Hodgkin-Lymphome machen jeweils ungefähr sechs Prozent aller Krebserkrankungen bei Kindern aus.

Morbus Hodgkin

Mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prognose bei dieser Form von Lymphdrüsenkrebs lesen Sie im Beitrag Morbus Hodgkin.

Non-Hodgkin-Lymphome

Alles Wichtige über diese viel häufigere Gruppe von Lymphdrüsenkrebs erfahren Sie im Beitrag Non-Hodgkin-Lymphome.

Lymphdrüsenkrebs: Symptome

Alles Wichtige zu den typischen Anzeichen von Lymphdrüsenkrebs lesen Sie im Beitrag Lymphdrüsenkrebs-Symptome.

Lymphdrüsenkrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen von Lymphdrüsenkrebs sind noch nicht bekannt. Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, bevor ein malignes Lymphom entsteht. Einige dieser Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Lymphdrüsenkrebs - Hodgkin-Lymphom oder einem Non-Hodgkin-Lymphom - zu erkranken.

Risikofaktoren für das Hodgkin-Lymphom

Schon seit langem ist bekannt, dass das Epstein-Barr-Virus (EBV) - der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Infektiöse Mononukleose) - an der Entstehung dieser Form von Lymphdrüsenkrebs ursächlich beteiligt sein kann - allerdings wohl nur bei einem Teil der Hodgkin-Lymphome. Zum einen nämlich lassen sich nur bei etwa der Hälfte aller Hodgkin-Lymphom-Patienten Hinweise auf eine vorausgegangene EBV-Infektion finden. Zum anderen sind solche Infektionen weit verbreitet, während Lymphdrüsenkrebs selten ist.

Als weitere Risikofaktoren für Morbus Hodgkin gelten angeborene Erkrankungen des Immunsystems sowie erworbene Immundefekte (z.B. infolge einer HIV-Infektion).

Möglicherweise kann auch langjähriges Rauchen das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Ebenfalls diskutiert wird eine mögliche genetische Veranlagung: Kinder und Geschwister von Hodgkin-Lymphom-Patienten haben ein gering erhöhtes Risiko, selber an dieser Form von Lymphdrüsenkrebs zu erkranken. Dieser Zusammenhang muss aber noch weiter erforscht werden.

Risikofaktoren für Non-Hodgkin-Lymphome

Es lassen sich keine allgemein gültigen Risikofaktoren für die heterogene Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) benennen.

Für einzelne Formen von Non-Hodgkin-Lymphomen gelten bestimmte Krankheitserreger als Risikofaktoren. Beispielsweise kann das bereits oben erwähnte Epstein-Barr-Virus zur Entstehung eines Burkitt-Lymphoms beitragen - eine vor allem in Afrika auftretende Form von Lymphdrüsenkrebs. Das sogenannten MALT-Lymphom des Magens (MALT= Mucosa associated lymphoid tissue) dagegen wird durch den "Magenkeim" Helicobacter pylori begünstigt.

Verschiedene chemische Substanzen können ebenfalls das Risiko für manche Non-Hodgkin-Lymphome erhöhen, so zum Beispiel Benzol und andere organische Lösungsmittel, die in der Industrie breite Anwendung finden.

Wie bei Morbus Hodgkin kann auch bei manchen Non-Hodgkin-Lymphomen eine angeborene oder erworbene Immunschwäche zur Tumorentstehung beitragen. Für eine erworbene Immunschwäche kann zum Beispiel eine HIV-Infektion, eine Chemotherapie oder eine immunsuppressive Therapie (etwa nach Organtransplantation) verantwortlich sein.

Radioaktive Strahlung und höheres Alter gelten ebenfalls als Risikofaktoren.

Erforscht werden weitere mögliche Risikofaktoren wie etwa genetische Faktoren (bei mehreren Erkrankungsfällen in einer Familie) und Lebensstilfaktoren.

Lymphdrüsenkrebs: Untersuchungen und Diagnose

Schmerzlos geschwollene Lymphknoten - typische Symptome von Lymphdrüsenkrebs - können auch viele andere Ursachen haben. Hält die schmerzlose Schwellung der Lymphknoten jedoch über Wochen an, eventuell begleitet von Symptomen wie Fieber, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen. Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs ist Ihr Hausarzt oder ein Facharzt für Innere Medizin und Onkologie.

Anamnese

Der Arzt wird zuerst in einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen Ihre Krankengeschichte erheben (Anamnese). Mögliche Fragen Ihres Arztes sind dabei:

  • Haben Sie in den letzten Monaten ungewollt an Gewicht verloren?
  • Sind Sie in letzter Zeit nachts aufgewacht, weil sie "in Schweiß gebadet" waren?
  • Hatten Sie in vergangener Zeit häufiger Fieber (ohne Anzeichen für einen Infekt) und fühlten sich schwach?
  • Sind Ihnen schmerzlos vergrößerte Lymphknoten (beispielsweise am Hals, unter den Achseln oder an der Leiste) aufgefallen?
  • Sind bei Ihnen irgendwelche Erkrankungen bekannt?
  • Gibt/gab es Fälle von Krebs in Ihrer Familie? Wenn ja, welche Art von Krebs?

Körperliche Untersuchung

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt Ihre Lymphknoten und den Bauch ab und sieht sich Ihre Gaumenmandeln an. Bei Lymphdrüsenkrebs sind typischerweise lymphatische Organe wie Lymphknoten und/oder Milz etc. schmerzlos vergrößert.

Blutuntersuchungen und Immunhistochemie

Blutuntersuchungen sind ein wichtiges diagnostisches Mittel bei Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs. Das Blutbild von Betroffenen zeigt veränderte Werte für die verschiedenen Blutzellen: Durch die starke Vermehrung der entarteten Lymphomzyten werden die anderen Zellen des Blutes verdrängt. Das kann zu einem Mangel an Erythrozyten (Blutarmut = Anämie), Blutplättchen (Thrombopenie oder Thrombozytopenie) und auch der Leukozyten (Leukopenie oder Leukozytopenie) führen.

Letztere können allerdings auch erhöht sein (Leukozytose), so oftmals bei Morbus Hodgkin: Hier zeigt sich im Differentialblutbild (Aufschlüsselung der verschiedenen Untergruppen der Leukozyten), dass diese Erhöhung der Gesamt-Leukozyten auf die Vermehrung der Untergruppe der "eosinophilen Granulozyten" zurückzuführen ist (Eosinophilie).

Ebenfalls im Blutbild ersichtlich sind die Funktionswerte für verschiedene Organe wie Leber und Niere. Weichen diese Werte von der Norm ab, kann dies darauf hinweisen, dass der Lymphdrüsenkrebs bereits das betreffende Organ in Mitleidenschaft gezogen hat.

Im Blut von Lymphdrüsenkrebs-Patienten können ferner erhöhte Entzündungswerte auffallen (vor allem eine erhöhte Blutsenkung). Eine solche Erhöhung ist allerdings unspezifisch, das heißt: Die Entzündungswerte im Blut können auch aus vielen anderen Gründen erhöht sein.

Gewebeprobe (Biopsie)

Für eine gesicherte Lymphdrüsenkrebs-Diagnose ist die Entnahme und Analyse von Gewebeproben notwendig. Auf diesem Wege lässt sich auch feststellen, um welche Art von Lymphdrüsenkrebs es sich handelt.

In der Regel entnimmt der Chirurg dazu einen kompletten Lymphknoten (Lymphknotenexstirpation) - zum Beispiel aus der Hals- oder Leistenregion -, den er unter dem Mikroskop feingeweblich (histologisch) auf das Vorhandensein von Lymphomzellen untersucht.

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) lassen sich die Krebszellen dann mittels immunhistochemischer Untersuchung noch weiter spezifizieren: Anhand bestimmter Merkmale auf der Oberfläche der Lymphomzellen kann man feststellen, ob das Non-Hodgkin-Lymphom in entarteten B- oder aber T-Lymphozyten seinen Ursprung hat - B-Lymphozyten tragen das Oberflächenmerkmal "CD20", T-Lymphozyten "CD3" auf ihrer Oberfläche. Zur Identifizierung dieser Oberflächenmerkmale setzt man unter anderem Antikörper und bestimmte chemische Substanzen ein (daher "Immunhistochemie").

Nicht nur aus Lymphknoten, sondern bei Bedarf auch aus anderen Geweben können Proben (Biopsien) entnommen werden. So wird etwa bei Verdacht auf ein Hautlymphom (kutanes Lymphom) eine Probe aus der Haut, bei Verdacht auf ein MALT-Lymphom eine Probe aus der Magenschleimhaut entnommen. Beide Lymphome zählen zu den Non-Hodgkin-Lymphomen.

Weitergehende Untersuchungen

Steht die Diagnose Lymphdrüsenkrebs fest, gilt es festzustellen, wie weit sich der Tyumor bereits im Körper ausgebreitet hat. Dabei helfen bildgebende Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs (Röntgen-Thorax), eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes und/oder Computertomografie (CT). Letztere wird oftmals mit einer Positronenemissionstomografie (PET) kombiniert. Dieses sogenannte PET/CT ist auch wichtig für die Therapieplanung beim Hodgkin-Lymphom.

Bei manchen Patienten ist eine zusätzliche Untersuchung des Knochenmarks notwendig, um einen eventuellen Befall festzustellen. Dabei wird meist unter leichter Sedierung der Beckenkamm mit einer Nadel punktiert und etwas Knochenmark abgesaugt. Das Knochenmark wird dann unter dem Mikroskop begutachtet.

In seltenen Fällen muss auch eine Probe des Nervenwassers (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit = Liquor) entnommen und untersucht werden.

Anhand der weitergehenden Untersuchungen lässt sich das Stadium der Krebserkrankung ermitteln. Sowohl der Therapieplan als auch die Einschätzung der Prognose richten sich nach diesem Tumorstadium.

Lymphdrüsenkrebs: Stadieneinteilung (nach Ann-Arbor)

Lymphdrüsenkrebs (Malignes Lymphom) wird auf Basis der Untersuchungsergebnisse in Krankheitsstadien eingeteilt (Staging), und zwar nach der sogenannten Ann-Arbor-Klassifikation mit ihren vier Stadien. Sie wurde ursprünglich für das Hodgkin-Lymphom entwickelt, ist inzwischen aber auch für die Non-Hodgkin-Lymphome gebräuchlich.

Stadium

Befall der Lymphknoten

I

Befall von nur einer Lymphknotenregion

II

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells (also entweder im Brustkorb oder im Bauchraum)

III

Befall von Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells (also sowohl im Brustkorb als auch im Bauchraum)

IV

diffuser Befall von extralymphatischem Organ/Bezirk (z.B. Knochenmark) mit oder ohne Befall der Lymphknotenregionen

Die verschiedenen Stadien können durch Zusätze weiter spezifiziert werden. Befindet sich ein Lymphdrüsenkrebs-Patient etwa im Stadium III (S), bedeutet dies, dass neben Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells auch noch die Milz vom Krebs befallen ist.

Mit den Parametern A und B als Zusatz zum Tumorstadium lässt sich anzeigen, ob der Patient B-Symptome (Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß) zeigt - der Parameter A steht für das Fehlen der B-Symptomatik, der Parameter B für das Vorhandensein der B-Symptomatik.

Lymphdrüsenkrebs: Behandlung

Ein malignes Lymphom sollte stets in einer spezialisierten Klinik behandelt werden. Dies sind meist hämatologisch-onkologische oder internistische Stationen einer Universitätsklinik. Angepasst an das Stadium der Erkrankung erhält der Patient einen individuellen Therapieplan. Bei dessen Erstellung werden auch das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigt.

Die Therapiemöglichkeiten bei Lymphdrüsenkrebs umfassen in erster Linie Chemotherapie und/oder Strahlentherapie (Bestrahlung). In bestimmten Fällen kommen noch andere Therapien bei der Behandlung maligner Lymphome in Betracht, etwa eine Antikörpertherapie. Wächst der Lymphdrüsenkrebs nur sehr langsam, kann manchmal auch (vorerst) auf eine Behandlung verzichtet werden. Betroffene Patienten werden aber engmaschig überwacht ("watch and wait").

Chemo- und Strahlentherapie bei Lymphdrüsenkrebs

In den frühen Stadien von Lymphdrüsenkrebs kann aufgrund der noch geringen Ausbreitung im Körper eine Strahlentherapie hilfreich sein. Bei Non-Hodgkin-Lymphomen kann in einigen Fällen eine alleinige örtliche Bestrahlung ausreichen. Meist wird sie aber mit einem weiteren Therapieverfahren kombiniert - sehr oft mit einer Chemotherapie.

In frühen Stadien von Morbus Hodgkin wird dagegen immer eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie empfohlen. Von einer alleinigen Bestrahlung wird hier abgeraten. Die Strahlentherapie wird nach Abschluss der Chemotherapie durchgeführt.

Auch in weiter fortgeschrittenen Lymphom-Stadien spielen Chemo- und Strahlentherapie eine wichtige Rolle.

Stammzelltransplantation bei Lymphdrüsenkrebs

Eine weitere Therapiemöglichkeit in bestimmten Fällen von Lymphdrüsenkrebs ist die Übertragung blutbildender Stammzellen (hämatopoetische Stammzelltransplantation). Dabei gewinnt der Arzt zuerst gesunde blutbildende Stammzellen, und zwar meist aus dem Körper des Patienten selbst (autologe Stammzelltransplantation). Prinzipiell können solche Stammzellen direkt aus dem Knochenmark gewonnen werden (Knochenmarktransplantation) oder aber aus peripherem Blut (= Blut außerhalb des Knochenmarks). Meist entscheidet man sich für die zweite Variante. Die gewonnenen Stammzellen werden bis zur Rück-Übertragung eingefroren.

Im nächsten Schritt erhält der Patient eine Hochdosis-Chemotherapie, um sein ganzes Knochenmark und die darin enthaltenen Krebszellen zu zerstören. Sofort danach werden ihm die zuvor entnommenen gesunden Blutstammzellen übertragen, die in der Folge eine neue Blutbildung ohne Krebszellen in Gang setzen.

In bestimmten Fällen kommen auch gespendete Blutstammzellen eines anderen Menschen für die Transplantation in Betracht (allogene Stammzelltransplantation).

Immuntherapie bei Lymphdrüsenkrebs

Manche Patienten mit Lymphdrüsenkrebs erhalten eine Immuntherapie - oft in Kombination mit einer anderen Therapie wie etwa einer Chemotherapie (die Kombination wird Chemoimmuntherapie genannt). Eine Immuntherapie bei Krebs zielt darauf ab, die Immunabwehr zu verstärken und gezielt gegen die Krebszellen auszurichten.

Es gibt verschiedene Arten von Immuntherapie, die bei der Behandlung von malignen Lymphomen verfügbar sind.

Antikörpertherapie

Bei dieser Form von Immuntherapie werden dem Patienten künstlich hergestellte Antikörper verabreicht, die gezielt an den Krebszellen binden und auf teils unterschiedliche Weise für ihre Zerstörung sorgen. Zwei Beispiele:

Der Antikörper Rituximab kann in bestimmten Fällen von Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) zur Behandlung eingesetzt werden. Er bindet gezielt an das Eiweiß CD20 auf der Oberfläche der Krebszellen und signalisiert so den Abwehrtruppen des Immunsystems, diese Zelle zu zerstören. Eine Antikörpertherapie mit Rituximab kommt für NHL-Formen in Betracht, die sich aus entarteten B-Lymphozyten entwickelt haben (B-Zell-Lymphome). Denn dieser Typ von Lymphozyten trägt das Eiweiß CD20 auf seiner Oberfläche (bei den T-Lymphozyten dagegen fehlt es).

Für bestimmte Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom kommt der Wirkstoff Brentuximab Vedotin in Betracht. Es handelt sich dabei um einen künstlich hergestellten Antikörper, der mit einem Zytostatikum beladen ist - also einer Substanz, welche die Zellteilung hemmt. Der Antikörper dockt an einem bestimmten Oberflächeneiweiß (CD30) an, das sich verstärkt auf entarteten B- und T-Lymphozyten findet. Er wird dann mitsamt seiner "Ladung" ins Innere der Krebszelle aufgenommen. Dort wird das Zytostatikum abgespalten, woraufhin es seine Wirkung entfaltet - die Krebszelle kann sich nicht mehr vermehren und stirbt in der Folge ab.

Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren

Für einige Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom kommt eine Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren (Checkpoint-Hemmern) in Frage. Dabei handelt es sich ebenfalls um spezielle Antikörper. Allerdings wirken diese nicht direkt an Krebszellen, sondern beeinflussen bestimmte Kontrollpunkte des Immunsystems, die Immunreaktionen bremsen (sogenannte Immun-Checkpoints):

Manche Tumoren wie eben Hodgkin-Lymphome können diese "Bremsen" des Immunsystems aktivieren und sich so vor einem Immunangriff schützen. Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab lösen diese "Bremsen", sodass nun Abwehrzellen gegen den Krebs vorgehen können.

CAR-T-Zelltherapie

Eine recht neue Form der Immuntherapie ist die CAR-T-Zelltherapie. Sie eignet sich zur Behandlung bestimmter Formen von Non-Hodgkin-Lymphom (und Leukämie).

Hierbei werden dem Patienten Immunzellen (T-Zellen) entnommen und im Labor gentechnisch verändert: Die T-Zellen bilden dadurch einen Rezeptor an ihrer Oberfläche (CAR = chimärer Antigenrezeptor), der Krebszellen gezielt erkennen und an diese andocken kann. Er sendet dann ein Signal an die T-Zelle, die gebundene Krebszelle zu vernichten.

Zur Vorbereitung auf diese Behandlung wird der Patient mit einer milden Chemotherapie behandelt. Sie tötet einen Teil der Krebszellen sowie auch der körpereigenen T-Zellen ab. Diese "Lücke" im Bestand der T-Zellen wird durch die im Labor hergestellten CAR-T-Zellen gefüllt, die dem Patienten über eine Infusion zugeführt werden.

Therapie mit Signalweg-Inhibitoren

Eine recht neue Therapiemöglichkeit für gewisse Non-Hodgkin-Lymphome sind sogenannte Signalweg-Inhibitoren. Das sind Medikamente, die wichtige Wachstumssignale in den Krebszellen ausschalten - die Zelle kann sich nicht mehr vermehren.

Ein Beispiel ist der Wirkstoff Idelalisib. Er kann Patienten mit einem follikulären Lymphom verabreicht werden, wenn Chemo- und Antikörpertherapie nicht wirksam waren.

Ausführliche Informationen zur Behandlung der verschiedenen Arten von Lymphdrüsenkrebs finden Sie in den Artikeln Morbus Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome.

Lymphdrüsenkrebs: Krankheitsverlauf und Prognose

Ob Lymphdrüsenkrebs heilbar ist, hängt wesentlich vom Stadium und von der histologischen Form der Erkrankung ab. Aber auch andere Faktoren beeinflussen die Prognose, etwa das Lebensalter des Patienten, eventuelle Komplikationen und Vorerkrankungen. Somit lassen sich keine allgemein gültigen Angaben zu den Lymphdrüsenkrebs-Heilungschancen machen. Generell gilt aber:

Die Prognose beim Hodgkin-Lymphom ist im Allgemeinen recht günstig. Bei vielen Patienten ist eine Heilung möglich: Bei 84 Prozent der erkrankten Frauen und 86 Prozent der erkrankten Männer hat dieser Lymphdrüsenkrebs auch fünf Jahre nach der Diagnose (noch) nicht zum Tod geführt (relative 5-Jahres-Überlebensrate).

Etwas schlechter sieht es in der Regel bei Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) aus. Im Durchschnitt beträgt die relative 5-Jahres-Überlebensrate hier 70 Prozent für Frauen und 68 Prozent für Männer. Im Einzelfall können bei dieser Gruppe von Lymphdrüsenkrebs Lebenserwartung und Heilungschancen aber ganz unterschiedlich ausfallen. Eine erste Einschätzung ist nach dem Wachstumsverhalten des Tumors möglich:

  • Einige NHL-Typen wachsen sehr aggressiv (z.B. Burkitt-Lymphom). Diese sogenannten hoch-malignen Lymphome haben aber nicht zwangsläufig eine schlechte Prognose - gerade die hohe Zellteilungsrate sorgt nämlich dafür, dass diese Formen von Lymphdrüsenkrebs meist recht gut auf die Behandlung (wie Chemotherapie) ansprechen. Viele Patienten können daher schon mit einer ersten intensiven Behandlung geheilt werden (wenn der Tumor frühzeitig entdeckt wird).
  • Andere NHL-Typen - die sogenanntenniedrig-malignen Lymphome - entwickeln sich langsam über Jahre bis Jahrzehnte (z.B. MALT-Lymphom, Haarzell-Leukämie). Sie gelten als chronische Erkrankungen: Mittels Behandlung lassen sie sich meist nur zurückdrängen, aber nicht dauerhaft heilen. Betroffene Patienten müssen daher lebenslang medizinisch betreut und bei Bedarf wiederholt behandelt werden.

Risiko für Zweittumoren

Für beide Hauptgruppen von Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom und Non-Hodgkin-Lymphome) gilt zudem: Sowohl Chemo- als auch Strahlentherapie, mit denen ein Tumor behandelt wird, können als Spätfolge einen Zweittumor verursachen - also noch Jahre oder Jahrzehnte später eine neue Krebserkrankung auslösen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Dr. med. Felicitas Witte
Autoren:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
C84C85C82C81C83
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Baenkler, H.-W. et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2007.
  • Deutsche Krebsgesellschaft: "Fragen und Antworten zur CAR-T-Zelltherapie" (Stand: 01.04.2021), unter: www.krebsgesellschaft.de
  • Deutsche Krebsgesellschaft: "Morbus Hodgkin/Hodgkin-Lymphome", unter: www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 12.07.2021)
  • Deutsche Krebsgesellschaft: "Non-Hodgkin-Lymphom: Basis-Infos für Patienten & Angehörige", unter: www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 12.07.2021)
  • Herold, G.: Innere Medizin, Eigenverlag, 2013.
  • International Agency for Research on Cancer (World Health Organization): Hodgkin lymphoma (Source: Globocan 2020), unter: https://gco.iarc.fr/
  • International Agency for Research on Cancer (World Health Organization): Non-Hodgkin lymphoma (Source: Globocan 2020), unter: https://gco.iarc.fr/
  • Kompetenznetz Maligne Lymphome: "Allgemeine Einführung", unter: https://lymphome.de (Abruf: 12.07.2021)
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: "Lymphome: Hodgkin, Non-Hodgkin und multiples Myelom", unter: www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 12.07.2021)
  • MSD Manual - Ausgabe für medizinische Fachkreise: "Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)" (Stand: April 2018), unter: www.msdmanuals.com
  • MSD Manual - Ausgabe für medizinische Fachkreise: "Non-Hodgkin-Lymphom" (Stand: April 2018), unter: www.msdmanuals.com
  • Prinz, C.: Basiswissen Innere Medizin, Springer-Verlag, 2012.
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 12.07.2021)
  • S1-Leitlinie "Hodgkin-Lymphom" der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (Stand: 2018)
  • S1-Leitlinie "Non-Hodgkin-Lymphome im Kindes- und Jugendalter" der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (Stand: 2017)
  • S3-Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Hodgkin Lymphoms bei erwachsenen Patienten“, Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (Stand: 2020)
  • Universitätsklinikum Ulm: "Lymphome", unter: www.uniklinik-ulm.de (Abruf: 12.07.2021)
  • Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut: "Morbus Hodgkin (Hodgkin-Lymphom)" (Stand: 14.04.2021), unter: www.krebsdaten.de
  • Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut: "Non-Hodgkin-Lymphome" (Stand: 14.04.2021), unter: www.krebsdaten.de
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