Östrogenmangel

Von , Student der Humanmedizin
Lukas von Kunhardt

Lukas v. Kunhardt studiert Humanmedizin an der LMU München. Seit 2022 ist er Teil der NetDoktor-Redaktion und verfasst dort unter anderem medizinische Fachtexte. Er interessiert sich sehr für die Belange von Patienten und möchte ihnen durch seine Artikel den Zugang zur Medizin erleichtern.

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Bei einem Östrogenmangel ist der Blutspiegel des Sexualhormons erniedrigt. Dazu kommt es bei Frauen natürlicherweise in den Wechseljahren. Andere mögliche Ursachen für zu wenig Östrogen sind vorzeitige Wechseljahre, eine Unterfunktion der Keimdrüsen (Eierstöcke, Hoden) und verschiedene medizinische Behandlungen. Lesen Sie hier alles Wichtige zu den Ursachen und Symptomen von Östrogenmangel und was sich dagegen tun lässt!

Östrogenmangel: Beschreibung

Bei einem Östrogenmangel ist im Körper die Konzentration der Östrogene (wie Östradiol) zu niedrig. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Steroidhormonen, die in erster Linie für die Entwicklung und Regulierung des weiblichen Fortpflanzungssystems sowie für die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale (z.B. Brüste) verantwortlich sind.

Männer verfügen ebenfalls über geringe Mengen Östrogen. Hier sind die Hormone unter anderem für die Knochengesundheit und den Fettstoffwechsel wichtig.

Mehr über die Bildung und Aufgaben dieser Sexualhormone lesen Sie im Artikel Östrogen.

Östrogenmangel: Symptome

Ein Östrogenmangel äussert sich in verschiedenen Symptomen, die die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden beeinträchtigen. Die folgende Auflistung enthält die häufigsten Symptome, die sich typischerweise bei Östrogenmangel zeigen:

Unregelmässige oder ausbleibende Regelblutungen

Östrogen spielt bei Frauen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Menstruationszyklus. Ein niedriger Östrogenspiegel bewirkt daher oft eine unregelmässige oder abgeschwächte Regelblutung. Manchmal bleibt die Periode sogar ganz aus (Amenorrhoe).

Diese Veränderungen können für betroffene Frauen sehr belastend sein. Zudem beeinträchtigen sie die Fruchtbarkeit der Frauen.

Hitzewallungen und nächtliche Schweissausbrüche

Östrogenmangel geht besonders in den Wechseljahren oft mit plötzlichen Hitzewallungen und nächtlichen Schweissausbrüchen einher. Für die betroffenen Frauen ist das meist sehr unangenehm.

Zudem stören die plötzlichen Hitzegefühle und Schweissausbrüche (manchmal verbunden mit Herzrasen) den Schlaf. Tagsüber sind die Frauen dadurch oft müde und reizbar.

Allerdings begleiten nicht immer Hitzewallungen den hormonellen Wechsel - manche Frauen berichten auch zu frieren, vermutlich durch Kreislaufprobleme.

Trockene, dünnere Schleimhaut im Harn- und Geschlechtstrakt

Durch Östrogenmangel verändern sich die Schleimhäute, besonders im Bereich des Harn- und Geschlechtstraktes (Urogenitaltrakt). Sie werden dünner, trockener und weniger elastisch.

Folgen für die Harnwege

Im Bereich der Harnwege können die Veränderungen Probleme beim Wasserlassen bereiten: Das Austrocknen der Schleimhaut kann Juckreiz und Brennen in der Harnröhre hervorrufen. Häufiger haben die Betroffenen auch einen gesteigerten Harndrang, scheiden beim Wasserlassen aber nur kleine Urinmengen aus (Pollakisurie).

Das Dünnerwerden der Schleimhaut infolge des Östrogenmangels kann zudem Entzündungen begünstigen, zum Beispiel der Blase (Zystitis).

Folgen für den Genitaltrakt

Der Östrogenmangel lässt auch das Gewebe der Scheide austrocknen und schrumpfen (Atrophie). Das kann den Geschlechtsverkehr für betroffene Frauen unangenehm bis schmerzhaft machen.

Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass der Östrogenmangel den Ausfluss aus der Scheide verändert. Häufig wird dieser dünner und weniger gleitfähig.

Der Ausfluss kann sich aber noch in anderer Weise verändern: Der Östrogenmangel in den Wechseljahren begünstigt durch die Rückbildung von Scheidengewebe eine akute Scheidenentzündung. Typische Symptome dieser sogenannten Colpitis senilis sind ein blutiger, manchmal auch eitriger Ausfluss, Juckreiz sowie Schmerzen beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr.

Brüchigere Knochen

Östrogen ist für eine hohe Knochendichte und damit für starke Knochen unerlässlich. Es reguliert nämlich die Aktivität von knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) und knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten).

Bei niedrigen Östrogenspiegeln nimmt daher die Knochendichte ab. Die Knochen werden so brüchiger, und das Risiko für Osteoporose (mit Folgen wie Rückenschmerzen, Knochenbrüchen auch ohne grosse Krafteinwirkung etc.) steigt.

Psychische Symptome

Östrogen spielt eine Rolle bei der Regulierung der Stimmung und des emotionalen Wohlbefindens.

Demnach trägt Östrogenmangel zu Stimmungsschwankungen, depressiver Verstimmung und Angstzuständen bei. Darunter leiden oft die sozialen Beziehungen der Betroffenen und ihre Arbeitsleistung.

Kognitive Beeinträchtigung

Ist der Blutspiegel von Östrogen zu niedrig, wirkt sich das negativ auf kognitive Funktionen und das Gedächtnis aus. Östrogenmangel steht mit einem erhöhten Risiko für die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz in Verbindung.

Herz-Kreislauf-Risiken

Östrogen wirkt sich schützend auf das Herz-Kreislauf-System aus, indem es beispielsweise zu elastischen Blutgefässen beiträgt (wichtig für die Blutdruckregulierung) und den Fettstoffwechsel positiv beeinflusst.

Östrogenmangel kann demnach das Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Probleme erhöhen.

Gewichtszunahme

Mit dem Absinken des Östrogenspiegels ist oft eine Gewichtszunahme verbunden, insbesondere im Bauchbereich. Dieser Effekt tritt auch bei Männern auf, die unter einem Östrogenmangel leiden.

Bei Frauen in den Wechseljahren können neben dem Östrogenmangel aber vor allem auch der verringerte Grundumsatz und stärkerer Hunger eine Gewichtszunahme auslösen. Ebenso treiben oft Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), wie sie häufiger in der Zeit vor der letzten Regelblutung (Menopause) auftreten, die Gewichtsanzeige auf der Waage nach oben.

Schmerzen

Ein Östrogenmangel schwächt möglicherweise die Beckenbodenmuskulatur und die Bänder, was Unterleibsschmerzen und Unbehagen im Unterleib verursachen kann. Die Studienlage hierzu ist allerdings unklar.

Östrogenmangel ist auch mit einem beschleunigten Alterungsprozess der Bandscheiben assoziiert, der oftmals Rückenschmerzen auslöst.

Darüber hinaus trägt Östrogenmangel zu Gelenkschmerzen und Entzündungen bei, da Östrogen entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.

Haarausfall

Östrogene spielen eine Rolle für das Haarwachstum und den Erhalt einer gesunden Haut. Bei einem Östrogenmangel dünnt daher das Haar aus und wird brüchiger. Das mündet in manchen Fällen in einen sichtbaren Haarausfall.

Schluckbeschwerden und Schnarchen

Manche Frauen in den Wechseljahren entwickeln Schluckbeschwerden. Tatsächlich kann sich der Mangel an Eierstockhormonen (wie Östrogenmangel) negativ auf Faktoren auswirken, die für den Schluckprozess wichtig sind – zum Beispiel auf die Menge und Zusammensetzung des Speichels sowie auf die Gesundheit des Zahnhalteapparats.

Bislang ist aber unklar, über welche Mechanismen genau die Hormonveränderungen in den Wechseljahren (wie Östrogenmangel) Schluckbeschwerden verursachen können.

Manche Frauen in der Menopause berichten auch, häufiger zu schnarchen oder an einem Schlafapnoe-Syndrom zu leiden. Ob der Östrogenmangel diese Beschwerden auslöst, lässt sich bislang nicht belegen.

Östrogenmangel: Behandlung

Ob und wie ein Östrogenmangel behandelt wird, hängt vom Einzelfall ab. Entscheidend ist etwa, was den niedrigen Östrogenspiegel verursacht und wie stark die resultierenden Beschwerden sind.

Prinzipiell gibt es verschiedene Möglichkeiten, einen Östrogenmangel auszugleichen:

Hormonersatztherapie (HRT)

Die HRT ist die häufigste Behandlungsmethode, um einen Östrogenmangel zu beheben, insbesondere bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden. Dabei geht es aber nicht darum, den Hormonspiegel wieder auf das Niveau vor den Wechseljahren zu erhöhen.

Vielmehr will man den Blutspiegel von Östrogen soweit steigern, dass die belastenden Symptome des Östrogenmangels nachlassen.

Die Betroffenen erhalten dazu Östrogen (oft kombiniert mit Progesteron) in Form von Pillen, Pflastern, Gelen, Cremes oder Vaginalringen. Das kann die unangenehmen Anzeichen des Östrogenmangels wie Hitzewallungen, nächtliche Schweissausbrüche und Scheidentrockenheit lindern und so die Lebensqualität der Betroffenen deutlich bessern.

Ist eine Hormonersatztherapie gefährlich?

Die Hormonersatztherapie hat sich als sichere und wirksame Behandlung für viele Frauen erwiesen, die unter belastenden Wechseljahrsbeschwerden leiden. Nichtsdestotrotz birgt sie auch Risiken:

Beispielsweise erhöht die HRT das Risiko für Blutgerinnsel und dadurch bedingte Gefässverschlüsse, etwa in Form von Schlaganfall oder Lungenembolie. Auch das Risiko für manche Krebserkrankungen (wie Brustkrebs) steigt an.

Diese Risiken lassen sich aber reduzieren, indem Mediziner die Hormonbehandlung individuell an die Krankengeschichte und bestehende Risikofaktoren einer Frau anpassen - etwa hinsichtlich Art und Dosierung des Hormonpräparats.

Mehr zu Nutzen und Risiken der HRT lesen Sie im Beitrag Hormonersatztherapie.

Lokale Östrogen-Therapie

Für Frauen, die unter lokal begrenzten Symptomen wie Trockenheit und Gewebeschwund (Atrophie) im Scheidenbereich leiden, kann ein reines vaginales Östrogen-Präparat eine wirksame Behandlung sein.

Über eine Vaginal-Creme, Vaginal-Tabletten oder einen Vaginal-Ring erhält das Scheidengewebe direkt eine niedrige Dosis Östrogen. So lässt sich die lokale Hormonmenge steigern, was die lokalen Symptome des Östrogenmangels lindern kann - mit minimalen systemischen Nebenwirkungen.

Ausnahme: Hochdosierte Östradiol-Cremes

Hochdosierte Östradiol-Vaginalcremes (mit 100 mg Östradiol pro Gramm) sind nicht als lokale Hormontherapie, sondern als topische Hormonersatztherapie zu betrachten. Sie geben so viel Östrogen ans Scheidengewebe ab, dass es in die Blutbahn aufgenommen werden kann.

In der Folge können - wie bei anderen Formen der Hormonersatztherapie - systemische Nebenwirkungen auftreten, also zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs sowie für Blutgerinnsel.

Davon abgesehen reagieren manche Frauen auf die lokale Östrogenapplikation zum Beispiel mit vorübergehendem Juckreiz, Hautbrennen und/oder Hautausschlag.

Sie sollten hochdosierte Östradiol-Vaginalcremes nur für einen einzigen Behandlungszyklus über maximal vier Wochen anwenden. Ausserdem sollten Sie darauf verzichten, wenn Sie bereits ein anderes Medikament zur Hormonersatztherapie anwenden (z.B. Hormontabletten).

Selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs)

SERMs sind eine Klasse von Medikamenten, die selektiv auf die Andockstellen (Rezeptoren) von Östrogen in verschiedenen Geweben wirken. Sie können so dazu beitragen, bestimmte Symptome des Östrogenmangels wie Knochenschwund zu lindern, und zwar ohne die mit der herkömmlichen HRT verbundenen Risiken.

Ein Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist Raloxifen. Er ist zur Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren zugelassen.

Bioidentische Hormonersatztherapie (BHRT)

Bei der BHRT werden Hormone aus pflanzlichen Quellen verwendet, die chemisch identisch mit den vom menschlichen Körper produzierten Hormonen sind. Einige Frauen bevorzugen bioidentische Hormone gegenüber den Hormonpräparaten der herkömmlichen Hormonersatztherapie als “natürlichere” Verbindungen.

Man muss allerdings bedenken, dass die Sicherheit und Wirksamkeit der BHRT noch nicht eindeutig belegt sind.

Östrogenmangel: Das können Sie selbst tun

Wenn Sie infolge eines Östrogenmangels an Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme leiden, können Sie auch selbst etwas dagegen tun.

Gesunde Lebensweise

Eine gesunde Lebensweise kann helfen, einige Symptome des Östrogenmangels zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Sinnvoll sind:

  • regelmässige Bewegung
  • ausgewogene Ernährung
  • Stressbewältigung / Stressabbau
  • Beibehaltung eines gesunden Gewichts

Diese Strategien wirken sich positiv auf den Hormonhaushalt aus.

Heilpflanzen

Einige Pflanzen wie Soja und Rotklee enthalten sogenannte Phytoöstrogene. Das sind pflanzliche Verbindungen mit östrogenähnlichen Wirkungen. Daher kommen Nahrungsergänzungsmittel zum Beispiel mit Soja- oder Rotklee-Extrakten oftmals gegen Wechseljahresbeschwerden zum Einsatz.

Laut der aktuellen Leitlinie zu Peri- und Postmenopause sind Phytoöstrogene möglicherweise tatsächlich von Nutzen. Die Datenlage ist aber unklar, die Sicherheit vieler Präparate ungewiss.

Eine weitere Heilpflanze, die oft als wirksame Hilfe gegen Hitzewallungen & Co. genannt wird, ist die Traubensilberkerze (Cimicifuga). Standardisierte Extrakte der Heilpflanze sind offiziell als Arzneimittel zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden zugelassen.

Pflanzliche Präparate (Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneimittel) können auch Nebenwirkungen haben. In Kombination mit (anderen) Medikamenten sind zudem Wechselwirkungen möglich. Besprechen Sie die Anwendung von pflanzlichen Präparaten daher vorab mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Er oder sie kann Sie bei der Auswahl eines für Sie geeigneten Präparats beraten.

Alternativmedizin

Manche alternative Methoden wie Akupunktur oder Yoga sollen ebenfalls Östrogenmangel-Symptome lindern können. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist bislang nicht eindeutig belegt.

Manche Frauen vertrauen trotzdem darauf und nutzen sie - oftmals ergänzend zu anderen Massnahmen (wie Hormonersatztherapie) im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungsplans.

Östrogenmangel: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Vielzahl von Ursachen und Risikofaktoren begünstigen die Entwicklung eines Östrogenmangels. Die häufigsten sind:

Wechseljahre

Die Wechseljahre sind ein natürlicher biologischer Prozess, der das Ende der fruchtbaren (reproduktiven) Jahre einer Frau markiert: Die Östrogenproduktion in den Eierstöcken nimmt allmählich ab.

Irgendwann tritt die letzte Regelblutung (Menopause) auf. Das passiert meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr.

Vorzeitige Wechseljahre

Von vorzeitigen Wechseljahren sprechen Mediziner, wenn die Eierstöcke schon vor dem 40. Lebensjahr ihre Funktion und damit auch die Östrogenproduktion einstellen. Ein anderer Begriff dafür ist primäre Ovarialinsuffizienz (engl. Premature Ovarian Failure, POF).

Der damit einhergehende Östrogenmangel kann die gleichen Symptome bei den jungen Frauen auslösen, wie sie auch bei älteren Frauen in den “normalen” Wechseljahren auftreten - also zum Beispiel Scheidentrockenheit und Hitzewallungen.

Mögliche Auslöser der vorzeitigen Wechseljahre und des damit verbundenen Östrogenmangels sind etwa genetische Faktoren, Autoimmunerkrankungen und Umweltgifte.

Medizinische Behandlungen

Verschiedene medizinische Eingriffe können ebenfalls für zu wenig Östrogen verantwortlich sein.

Wenn etwa ein oder beide Eierstöcke chirurgisch entfernt werden (Oophorektomie oder Ovariektomie genannt), verringert das natürlich die Östrogenproduktion. Den gleichen Effekt können Chemo- und Strahlentherapie haben.

Allerdings sind diese Behandlungen oft zwingend notwendig, um verschiedene Erkrankungen wie Krebs oder Endometriose zu behandeln.

Hypogonadismus

Der Begriff Hypogonadismus bezeichnet eine Unterfunktion der Keimdrüsen (Eierstöcke, Hoden). Besonders im Fall der Eierstöcke ist damit eine eingeschränkte Hormonproduktion, also ein Östrogenmangel verbunden.

Der Hypogonadismus kann auf angeborene Störungen wie das Turner-Syndrom oder auf erworbene Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) zurückzuführen sein. Er bewirkt bei Heranwachsenden, dass sich die Pubertät verzögert. In manchen Fällen entwickeln sich auch Unfruchtbarkeit und diverse Gesundheitsprobleme.

Ungünstige Lebensstil-Faktoren

Manchmal ist ein ungesunder Lebensstil der Grund, wenn das Östrogen zu niedrig ist.

So stören extremer Gewichtsverlust, übermässiger Sport und Essstörungen das hormonelle Gleichgewicht des Körpers. Das kann unter anderem einen niedrigen Östrogenspiegel zur Folge haben.

Genetische Faktoren und Autoimmunerkrankungen

Bestimmte genetische Veränderungen (Mutationen) sowie Autoimmunerkrankungen beeinträchtigen die Östrogenproduktion und erzeugen so einen Östrogenmangel.

Beispielsweise greift bei der autoimmunen Oophoritis das Immunsystem die Eierstöcke an, worauf sich das Gewebe entzündet. Die Folge ist, dass die Eierstöcke vorzeitig versagen (primäre Ovarialinsuffizienz, POF) - die Östrogenspiegel sinken.

Östrogenmangel: Untersuchungen und Diagnose

Um einen Östrogenmangel festzustellen, sind eine gründliche Auswertung der Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung und Labortests notwendig - manchmal auch noch weitere Untersuchungen. Ziel ist es, die zugrunde liegende Ursache des Hormonmangels zu ermitteln und andere mögliche Erkrankungen auszuschliessen, die ähnliche Symptome verursachen.

Anamnese

Der Arzt oder die Ärztin wird zunächst Ihre Krankengeschichte erheben (Anamnese). Wichtig dafür sind zum Beispiel Informationen zu Ihrem Menstruationszyklus, gegebenenfalls zum Beginn der Menopause, zu früheren Operationen und etwaigen Vorerkrankungen.

Der Arzt oder die Ärztin wird Sie auch genau zu Ihren Symptomen befragen. Möglicherweise liefern diese genauere Hinweise auf ein hormonelles Ungleichgewicht.

Körperliche Untersuchung

Anhand einer körperlichen Untersuchung beurteilt der Arzt oder die Ärztin Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und sucht nach sichtbaren Anzeichen eines Östrogenmangels (z.B. trockene Schleimhäute, Haarausfall).

Aufschlussreich kann auch der Body-Mass-Index (BMI) sein: Ein niedriges Körpergewicht begünstigt ein hormonelles Ungleichgewicht.

Laboruntersuchungen

Danach stehen häufig Bluttests an, um verschiedene Hormonspiegel zu messen. Meistens ermittelt man die Blutspiegel von Östrogen, Progesteron, dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) und dem luteinisierenden Hormon (LH).

Darüber hinaus sind oft Tests der Schilddrüsenfunktion und anderer Hormone notwendig, um Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie bei Östrogenmangel auszuschliessen.

Bildgebende Untersuchungen

In einigen Fällen sind bildgebende Untersuchungen hilfreich, um einen Östrogenmangel genauer abzuklären.

Beispielsweise lassen sich anhand einer Ultraschalluntersuchung oder einer Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) die Eierstöcke sichtbar machen und ihre Struktur und Funktion beurteilen. Das kann helfen, Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) oder Tumore zu erkennen, die möglicherweise einen Östrogenmangel auslösen.

Zusätzliche Tests

Besteht der Verdacht auf eine autoimmune oder genetische Ursache des Östrogenmangels, sind weitere Tests erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen.

Beispielsweise hilft eine Karyotyp-Analyse, eine Chromosomenanomalie wie das Turner-Syndrom festzustellen, das einen Unterfunktion der Keimdrüsen (Hypogonadismus) und somit einen Östrogenmangel verursacht.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Lukas v. Kunhardt
Lukas von Kunhardt

Lukas v. Kunhardt studiert Humanmedizin an der LMU München. Seit 2022 ist er Teil der NetDoktor-Redaktion und verfasst dort unter anderem medizinische Fachtexte. Er interessiert sich sehr für die Belange von Patienten und möchte ihnen durch seine Artikel den Zugang zur Medizin erleichtern.

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