Botox

Von , Ärztin
und , Medizinjournalistin
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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Botox (Botulinumtoxin) ist das stärkste Nervengift, das man kennt. Es wird sowohl bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen als auch in der ästhetischen Medizin (zur Faltenglättung) verwendet. Lesen Sie hier alles Wichtige darüber, wie die Botox-Behandlung funktioniert, wann sie eingesetzt wird und welche Risiken sie birgt.

Botox

Was ist Botox?

Botox ist die geläufige Bezeichnung für das Botulinumtoxin. Das ist ein Nervengift, das von dem Bakterium Clostridium botulinum abgesondert wird und den sogenannten Botulismus verursacht:

Diese Vergiftungserscheinungen werden meist durch den Verzehr von schlecht konservierten Lebensmitteln (wie Konservendosen) hervorgerufen, in denen sich das Gift der Bakterien angesammelt hat. Es löst Lähmungserscheinungen aus, unter anderem der Herz- und Atemmuskulatur, was zum Tod führen kann. Früher gingen viele Todesfälle auf das Konto von Botulismus. Heutzutage kann man die Patienten mit Gegengiften (Antisera) behandeln.

Der Name Botox wird inzwischen als Synonym für verschiedene Produkte mit Botulinumtoxin verwendet. Es handelt sich aber eigentlich um eine geschützte Markenbezeichnung eines Herstellers.

Was macht Botox im Körper?

Um einen Muskel zu erregen, schüttet der dazugehörige Nerv den Transmitterstoff Acetylcholin aus. Dieser veranlasst den Muskel, sich zusammenzuziehen (Kontraktion).

Die Wirkung von Botox beruht auf einer irreversiblen Hemmung der Ausschüttung von Acetylcholin. Der Muskel kann sich in der Folge nicht kontrahieren - er ist für einige Zeit gelähmt. 

Wann verwendet man Botox?

Sehr oft nutzt man Botulinumtoxin A - einer von sieben Serotypen des Botulinumtoxins und jener mit der stärksten und längsten Wirkung. Der Giftstoff wird zum einen in der ästhetischen Medizin verwendet, um Falten zu glätten.

Zum anderen findet das Botulinumtoxin vor allem in der Neurologie seine medizinische Anwendung: Häufige Anwendungsgebiete sind Bewegungsstörungen (Dystonien), bei denen unwillkürliche und abnorme Muskelbewegungen auftreten wie beispielsweise der Schiefhals (Torticollis). Auch beim Lidkrampf (Blepharospasmus) hat sich die Botox-Behandlung bewährt.

Ausserdem wirkt Botox gegen Schwitzen: Es verhindert eine vermehrte Schweissbildung (Hyperhidrose). Daneben wird Botox gegen Migräne eingesetzt, darf hier aber nur bei chronischen Fällen gespritzt werden.

Weitere Anwendungsgebiete sind unterschiedliche Formen von Tremor (Muskelzittern), Krämpfe (Spastiken), Schielen (Strabismus), Analfissur und zahlreiche weitere.

Was wird bei einer Botox-Behandlung gemacht?

Eine Botox-Behandlung besteht in der Injektion des Nervengifts (nach Desinfektion der betreffenden Hautstelle). Dazu ist keine Narkose erforderlich, und der Patient muss in der Regel auch nicht nüchtern zum Eingriff erscheinen.

Bevor der Arzt das Gift spritzt, erfragt er die Krankheitsgeschichte und klärt den Patienten über die möglichen Komplikationen und Risiken der Behandlung auf.

Botox gegen Bewegungsstörungen

Bei der Therapie von Bewegungsstörungen, Krämpfen oder Tremor spritzt der Arzt das Botulinumtoxin in den Muskel, der gelähmt werden soll. Je nach Ausmass der Krankheit müssen manchmal auch mehrere Muskeln behandelt werden. Hierbei muss der Arzt darauf achten, dass eine bestimmte Gesamtdosis an Botox nicht überschritten wird.

Botox gegen Falten

Mit Hilfe von Botox wird ein Zusammenziehen der Muskeln verhindert, was etwa Mimikfalten glätten soll. Besonders um die Zornesfalten im Stirnbereich zu glätten, entscheiden sich viele Menschen für Botox.

Lippen vergrössern lassen sich mit dem Bakteriengift aber nicht - das ist ein weitverbreiteter Trugschluss. Das Gift wird nur manchmal um den Mund herum injiziert (nie in die Lippen selbst), um hier störende Fältchen zu mindern.

Botox gegen Schwitzen

Die Therapie mit Botulinumtoxin A gilt als eine der effektivsten Behandlungsmethoden bei übermässigem Schwitzen. Indem das Gift die Freisetzung von Acetylcholin aus den Nervenzellen hemmt, werden die Schweissdrüsen nicht mehr zur Aktivität stimuliert - der Patient schwitzt weniger. Das gleiche Prinzip kann übrigens bei verstärktem Speichelfluss helfen.

Botox gegen Migräne

Bei Menschen mit chronischer Migräne spritzt der Arzt das Botulinumtoxin an mindestens 31 Stellen in die Kopf-, Nacken- und Schultermuskulatur. Durch die muskuläre Entspannung und weitere entzündungshemmende Vorgänge lassen sich die Symptome lindern und weitere Migräne-Anfälle verhindern.

Wie lange hält die Botox-Wirkung an?

Eine genaue Vorhersage, wie lange die Botox-Wirkung anhält, kann im Allgemeinen nicht getroffen werden, da das Gift unterschiedlich schnell abgebaut wird. Ausserdem bildet der Körper in seltenen Fällen Antikörper dagegen, woraufhin es rascher abgebaut wird.

Welche Risiken birgt Botox?

Nebenwirkungen treten bei einer Botox-Behandlung eher selten auf. Durch die Injektion kann es an den Einstichstellen zu Rötungen, Schwellungen und blauen Flecken (Hämatomen) kommen. Ausserdem verursacht die Injektion oft einen leicht brennenden Schmerz.

Eine zu hohe Dosis an Botulinumtoxin kann zu Schluckstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder auch zu einer starken Einschränkung der Mimik führen.

Gelangt das Gift in die Blutbahn, muss sofort ein Antiserum gegeben werden. Bis dessen Wirkung einsetzt, muss der Patient beatmet werden, weil der Giftstoff die Atemmuskulatur lähmt.

Was muss man bei einer Botox-Behandlung beachten?

Die Therapie mittels Botox-Spritze kann in den meisten Fällen problemlos durchgeführt werden. Allerdings darf das Verfahren nicht bei neuromuskulären Erkrankungen angewendet werden wie Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom oder der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS).

Darüber hinaus gibt es weitere Gegenanzeigen gegen Botox: Schwangerschaft, Stillzeit sowie einer Allergie gegen das Bakteriengift oder einen der anderen Bestandteile der Injektionslösung sind hier zu nennen.

Treten nach der Behandlung mit Botox Unwohlsein oder ein Schwächegefühl auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. 

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Valeria Dahm
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Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

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Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): S1-Leitlinie Definition und Therapie der primären Hyperhidrose (Stand: 2017), unter: www.awmf.org
  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG), Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD): S1-Leitlinie Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie (Stand: 2018), unter: www.awmf.org
  • Liberini, P. et al.: Technique of injection of onabotulinumtoxin A for chronic migraine: the PREEMPT injection paradigm, in: Neurological Sciences (2014) 35 Suppl 1(S1): 41-43
  • Sommer, B. & Sattler, G.: Botulinumtoxin in der ästhetischen Medizin, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2021
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