Non-Hodgkin-Lymphom

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und , Biologin und Medizinredakteurin
und , Medizinredakteurin und Biologin
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Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Der Begriff Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) bezeichnet verschiedene Krebserkrankungen des Lymphsystems. Sie unterscheiden sich in ihrer feingeweblichen Struktur, ihrem Verlauf und darin, wie gut sie auf eine Therapie ansprechen. Lesen Sie hier mehr zum Thema Non-Hodgkin-Lymphom!

NHL Zellen illustriert

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Non-Hodgkin-Lymphom ist ein Überbegriff für bestimmte Krebserkrankungen des Lymphsystems.
  • Symptome: Allgemeine Symptome wie schmerzlos geschwollene Lymphknoten, Fieber, Gewichtsverlust, starkes Schwitzen in der Nacht, Abgeschlagenheit, Juckreiz
  • Prognose: Niedrigmaligne NHL meist nur in frühen Stadien heilbar; hochmaligne NHL mit der richtigen Behandlung prinzipiell in allen Stadien heilbar
  • Ursachen und Risikofaktoren: Bislang unklar. Mögliche Risikofaktoren etwa bestimmte Infektionen, frühere Krebstherapien, immunsuppressive Therapien, Giftstoffe, gewisse Erkrankungen des Immunsystems
  • Untersuchungen und Diagnose: Erhebung der Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Blut- und Gewebeuntersuchungen; bildgebende Verfahren zur Untersuchung der Tumorausbreitung
  • Behandlung: Je nach Typ und Stadium der Erkrankung, z. B. Watch & Wait (Abwarten & Beobachten), Strahlentherapie, Chemotherapie, Antikörpertherapie, ggf. CAR-T-Zelltherapie oder Stammzelltransplantation

Was ist ein Non-Hodgkin-Lymphom?

Der Begriff "Non-Hodgkin-Lymphom" (NHL) beschreibt keine einzelne Erkrankung, sondern ist ein Überbegriff für mehrere verschiedene Krebserkrankungen des lymphatischen Systems (Lymphome). Davon abzugrenzen ist eine ganz bestimmte Krebserkrankung des Lymphsystems namens Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin).

Non-Hodgkin-Lymphome treten in allen Altersstufen auf, aber ältere Menschen sind anfälliger dafür.

Das Lymphsystem

Das über den ganzen Körper verteilte lymphatische System besteht aus dem Lymph-Gefässsystem und den lymphatischen Organen wie Knochenmark, Thymus, Milz, Mandeln und Lymphknoten. Es sammelt und transportiert überschüssige Gewebsflüssigkeit - Lymphflüssigkeit oder kurz Lymphe genannt.

Ausserdem finden in verschiedenen lymphatischen Organen die Bildung, Reifung und Differenzierung der weissen Blutkörperchen (Lymphozyten, Lymphzellen) statt. Diese sind essenziell für die Immunabwehr und gliedern sich in zwei Typen: B- und T-Lymphozyten. Beide stehen in unterschiedlicher Weise im Dienste der Immunabwehr:

Die B-Lymphozyten (B-Zellen) sind vor allem für die Produktion von Antikörpern gegen eingedrungene Krankheitserreger zuständig. T-Lymphozyten (T-Zellen) greifen dagegen Krankheitserreger im Körper direkt an und lenken die Abwehrreaktion.

Einteilung in B- und T-Zell-Lymphome

Lymphome entstehen, wenn Lymphozyten oder deren Vorläuferzellen entarten und beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren. Dabei gehen Non-Hodgkin-Lymphome entweder aus entarteten B- oder T-Lymphozyten hervor. Demnach unterscheiden Mediziner zwischen B- und T-Zell-Lymphomen.

B-Zell-Lymphome sind mit Abstand die häufigere Gruppe: Etwa acht von zehn Non-Hodgkin-Lymphomen leiten sich von B-Lymphozyten oder deren Vorläuferzellen ab.

Im Blut zirkulierende Lymphomzellen bleiben oft in einem Lymphknoten "hängen", wo sie sich festsetzen und weiter vermehren. Deshalb gehen Non-Hodgkin-Lymphome meist von Lymphknoten aus.

Einteilung nach Bösartigkeit

Non-Hodgkin-Lymphome lassen sich auch hinsichtlich ihrer Bösartigkeit (Malignität) beziehungsweise ihres Wachstumsmusters einteilen:

  • Niedrigmaligne (indolente) Non-Hodgkin-Lymphome: Sie entwickeln sich langsam über Jahre bis Jahrzehnte. Das hat zur Folge, dass eine Therapie hier in der Regel nicht so gut anschlägt wie bei schneller wachsenden (hochmalignen) NHL-Formen.
  • Hochmaligne (aggressive) Non-Hodgkin-Lymphome: Sie schreiten sehr schnell voran, treten hauptsächlich im höheren Alter ab etwa 65 Jahren auf und haben unbehandelt eine schlechtere Prognose als niedrigmaligne NHL. Meist entwickeln sich diese aggressiven Krebsformen aus B-Lymphozyten.

Übersicht: Formen von Non-Hodgkin Lymphomen

Hier eine tabellarische Übersicht über ausgewählte B- und T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome:

B-Zell Non-Hodgkin-Lymphom

T-Zell Non-Hodgkin-Lymphom

niedrigmaligne

  • Chronisch lymphatische Leukämie (CLL, kleinzelliges, lymphozytisches Lymphom)
  • Morbus Waldenström (Immunozytom)
  • Multiples Myelom (Plasmozytom)
  • Follikuläres Lymphom
  • Extranodales MALT-Lymphom
  • Haarzell-Leukämie
  • Mycosis fungoides
  • T-Zonen Lymphom
  • Natürliche-Killer-Zellen-Leukämie (NK-Zell-Leukämie)
  • Angioimmunoplastisches T-Zell-Lymphom

hochmaligne

  • Diffus-grosszelliges B-Zell-Lymphom
  • Burkitt-Lymphom
  • Anaplastisches B-Zell-NHL
  • Lymphoblastisches B-Zell-NHL
  • Immunoblastisches B-Zell-NHL
  • Anaplastisches T-Zell-NHL
  • Lymphoblastisches T-Zell-NHL
  • Immunoblastisches T-Zell-NHL

Am häufigsten sind bei Erwachsenen das diffus-grosszellige B-Zell-Lymphom und das follikuläre Lymphom. Bei Kindern dagegen herrschen andere Formen vor, darunter das Burkitt-Lymphom und das lymphoblastische T-Zell-Lymphom. Im Jugendalter wechselt das Spektrum langsam zu den im Erwachsenenalter typischen NHL-Formen.

Was sind die Symptome bei einem Non-Hodgkin-Lymphom?

Die Non-Hodgkin-Lymphom-Symptome variieren abhängig von der Verlaufsform. Es gibt jedoch allgemeine Symptome, die sehr oft auftreten: So sind dauerhaft oder zunehmend vergrösserte, schmerzlose Lymphknoten typisch für ein Non-Hodgkin-Lymphom. Vor allem Lymphknoten am Hals sind betroffen, oft aber auch andere, beispielsweise solche in der Achsel, der Leiste, im Brustkorb und Bauchraum.

Eine sichere Diagnose bieten schmerzlos vergrösserte Lymphknoten zwar nicht. Als mögliche Warnzeichen helfen sie aber bei der Früherkennung eines Non-Hodgkin-Lymphoms.

Zu den allgemeinen Symptomen zählen noch weitere Beschwerden, die Mediziner unter dem Begriff B-Symptomatik zusammenfassen:

  • Fieber bzw. Fieberschübe: Anstieg der Körpertemperatur auf über 38 °C ohne offensichtliche Ursache wie einen Infekt
  • Nachtschweiss: Starkes Schwitzen in der Nacht, wodurch Betroffene oft "klatschnass" aufwachen, ihren Schlafanzug wechseln und das Bett frisch beziehen müssen
  • Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten

Auch Abgeschlagenheit beziehungsweise anhaltende Müdigkeit sind bei einem Non-Hodgkin-Lymphom mögliche Symptome.

Eine juckende Haut am ganzen Körper lässt sich ebenfalls bei manchen Patienten beobachten. Die genauen Ursachen für den Juckreiz sind bisher nicht bekannt. Möglicherweise setzen die entarteten Blutzellen chemische Substanzen in der Nähe der sensiblen Hautnerven frei und lösen so den Juckreiz aus.

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom kommt es teilweise auch zur Vergrösserung der Milz (Spleno-Megalie). Ausserdem ist manchmal krebsbedingt die Blutbildung im Knochenmark gestört. Die Folgen sind Blutarmut (Anämie; durch Mangel an Erythrozyten), Infektanfälligkeit (durch Mangel an Leukozyten) und Blutungen (durch Mangel an Thrombozyten).

All diese Symptome sind nicht charakteristisch für ein Non-Hodgkin-Lymphom, sondern können auch andere Ursachen haben! So sind etwa Lymphknoten auch bei Infekten geschwollen, schmerzen dann aber beim Abtasten und schwellen nach dem Infekt rasch wieder ab. Die B-Symptomatik kann auch bei anderen Krebserkrankungen sowie weiteren schweren Erkrankungen wie Tuberkulose auftreten.

Wie ist die Lebenserwartung beim Non-Hodgkin-Lymphom?

Je nach dem Gewebetyp und dem Krankheitsstadium beobachtet man bei Non-Hodgkin-Lymphomen eine breite Palette unterschiedlicher Verläufe - von sehr langsam voranschreitenden, nicht behandlungsbedürftigen Erkrankungen bis hin zu sehr aggressiven, kaum behandelbaren und rasch tödlich endenden Fällen.

Grundsätzlich spielt hier der Grad der Malignität eine besonders grosse Rolle:

Die niedrig-malignen NHL lassen sich aufgrund ihres langsamen Wachstums weniger gut behandeln. Eine Heilung ist daher in der Regel nur in frühen Krankheitsstadien (Ann-Arbor-Stadien I und II) möglich. Nur noch zurückdrängen lässt sich in der Regel ein weit fortgeschrittenes niedrig-malignes Non-Hodgkin-Lymphom (Stadium 4). Entsprechend schlechter sind Prognose und Lebenserwartung der Betroffenen: Bei einem weit fortgeschrittenen Non-Hodgkin-Lymphom ist die Überlebensrate insgesamt geringer.

Die hoch-malignen NHL mit ihrer hohen Zellteilungsrate sprechen viel besser auf eine Behandlung an. Hier ist daher in allen Krankheitsstadien grundsätzlich eine Heilung möglich.

Im Einzelfall beeinflussen aber weitere Faktoren die Prognose bei einem Non-Hodgkin-Lymphom. Lebenserwartung beziehungsweise Therapieerfolg hängen etwa auch vom Alter und Allgemeinzustand des Betroffenen ab oder davon, ob und wie viele Krebsherde ausserhalb der Lymphknoten vorliegen.

Was führt zu einem Non-Hodgkin-Lymphom?

Die Ursachen für Non-Hodgkin-Lymphome sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Mediziner kennen mittlerweile aber einige Risikofaktoren, welche die Entstehung bestimmter NHL-Formen begünstigen. Die alleinige Ursache sind sie aber wahrscheinlich nicht. Erst, wenn verschiedene Faktoren zusammentreffen, entsteht ein NHL.

Zu den diskutierten beziehungsweise bekannten Risikofaktoren zählen die folgenden Faktoren:

Infektionen

Manche Non-Hodgkin-Lymphome entstehen im Zusammenhang mit bestimmten Infektionen. Beispielsweise trägt das Epstein-Barr-Virus (EBV) zur Entstehung gewisser Formen von Burkitt-Lymphom bei. Das ist ein hochmalignes B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom. Besser bekannt ist dieses Virus allerdings als Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Mononukleose).

Gelegentlich spielt das Epstein-Barr-Virus auch beim diffusen grosszelligen B-Zell-Lymphom eine Rolle: Bei manchen Tumoren lässt sich ein Zusammenhang beziehungsweise eine Infektion mit EPV feststellen.

Das MALT-Lymphom (MALT = mucosa-associated lymphoid tissue) geht von lymphoidem Gewebe der Schleimhaut aus und entsteht am häufigsten im Magen. Es handelt sich dann um eine seltene Form von Magenkrebs. Sie entwickelt sich oft auf Basis einer chronischen Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori.

Das adulte T-Zell-Lymphom (ATLL) entsteht im Zusammenhang mit sogenannten HTL-Viren (humane T-lymphotrope Viren).

Frühere Krebstherapie

Sowohl eine Chemotherapie als auch eine Strahlentherapie (Bestrahlung) verursachen Zellschäden, die später manchmal zu einer weiteren Krebserkrankung führen - beispielsweise einem Non-Hodgkin-Lymphom.

Immunsuppressive Therapie

Nach einer Orgaantransplantation oder bei einer HIV-Infektion erhalten Patienten Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Diese Immunsuppressiva begünstigen unter Umständen die Entstehung eines Lymphoms.

Giftstoffe

Verschiedene giftige Substanzen (Toxine) gelten ebenfalls als Risikofaktoren für ein Non-Hodgkin-Lymphom. Dazu zählt der aromatische Kohlenwasserstoff Benzol, der beispielsweise bei der Herstellung von Textilien, Arznei-, Farb- und Kunststoffen eingesetzt wird. Er gilt allgemein als krebserregend (kanzerogen).

Auch Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide) werden als mögliche Auslöser von Non-Hodgkin-Lymphomen diskutiert.

Erkrankungen des Immunsystems

Möglicherweise begünstigen einige Erkrankungen des Immunsystems das Auftreten von NHL. Entsprechende Hinweise gibt es beispielsweise zu rheumatoider Arthritis, dem Sjögren-Syndrom, Lupus erythematodes, Zöliakie sowie manchen angeborenen oder erworbenen Immundefekten wie dem Wiscott-Aldrich-Syndrom oder HIV.

Wie wird ein Non-Hodgkin-Lymphom festgestellt?

Der richtige Ansprechpartner bei Symptomen wie schmerzlos vergrösserten Lymphknoten, anhaltender Müdigkeit oder unerklärlichem Gewichtsverlust ist zunächst Ihr Hausarzt. Er überweist Sie bei Bedarf an einen Facharzt, zum Beispiel einen Internisten oder Onkologen.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der erste Schritt in der Abklärung der Symptome ist ein ausführliches Arzt-Patient-Gespräch zur Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Der Arzt erkundigt sich dabei unter anderem nach Ihren genauen Symptomen und eventuellen Vor- oder Grunderkrankungen. Mögliche Fragen sind beispielsweise:

  • Haben Sie Schwellungen am Hals bemerkt?
  • Sind Sie in letzter Zeit nachts verschwitzt aufgewacht?
  • Haben Sie in den letzten Monaten ungewollt Körpergewicht verloren?
  • Haben Sie häufig Fieber?
  • Hatten Sie in letzter Zeit häufiger Nasen- oder Zahnfleischbluten?

An das Gespräch schliesst sich in der Regel eine körperliche Untersuchung an. Dabei tastet der Arzt unter anderem Ihre Lymphknoten (beispielsweise am Hals) und die Milz auf Vergrösserung hin ab.

Blutuntersuchungen

Eine umfassende Blutuntersuchung ist ein weiteres wichtiges Element der Diagnostik von Non-Hodgkin-Lymphomen. Die entarteten Blutzellen verdrängen im Verlauf der Erkrankung die gesunden Zellen im Knochenmark, was im Blutbild sichtbar ist:

Ist die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) verringert, bezeichnen Ärzte das als Erythrozytopenie. Diese führt meist zu einer Blutarmut (Anämie). Der Spiegel der Blutplättchen (Thrombozyten) sinkt mitunter ebenfalls stark ab (Thrombozytopenie), wodurch sich die Neigung zu Blutungen erhöht.

Auch die weissen Blutkörperchen (Leukozyten), zu denen die Lymphozyten zählen, sind bei einem Non-Hodgkin-Lymphom oftmals erniedrigt (Leukozytopenie oder Leukopenie genannt), manchmal aber auch erhöht (Leukozytose). Letzteres ist etwa in der Regel bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) der Fall: Weil hier sehr viele entartete Lymphozyten (Lymphomzellen) gebildet und ins Blut ausgeschwemmt werden, steigt die Zahl der Leukozyten insgesamt an.

Ob die Untergruppe der Lymphozyten für diese Erhöhung verantwortlich ist, lässt sich im sogenannten Differenzial-Blutbild erkennen. Dieses gibt den prozentualen Anteil der verschiedenen Leukozyten-Untergruppen wie Lymphozyten und Monozyten an. Das Differenzialblutbild ist daher sehr aufschlussreich bei Verdacht auf ein CLL oder eine andere Form von NHL.

Findet der Arzt entartete Lymphozyten (Lymphom-Zellen), lässt sich über ein immunhistochemische Untersuchung klären, ob ein B- oder T-Zell-Lymphom vorliegt:

  • Reife B-Lymphozyten tragen auch dann das Protein CD20 auf ihrer Oberfläche, wenn sie sich zu Krebszellen (B-Lymphom-Zellen) entwickeln. Dann findet sich dieses Protein sogar in noch höherer Anzahl auf der Zelloberfläche.
  • Für T-Lymphozyten und daraus entstehende Krebszellen (T-Lymphom-Zellen) ist dagegen das Oberflächenprotein CD3 typisch.

Zusätzlich zu den Blutzellen lassen sich bei einem Non-Hodgkin-Lymphom oftmals weitere veränderte Blutwerte finden. Dazu zählen zum Beispiel Entzündungsparameter wie das C-reaktive Protein (CRP), bestimmte Bluteiweisse und Antikörper (Immunglobuline) sowie das Enzym Laktatdehydrogenase (LDH).

Dieses Enzym kommt in unterschiedlichen Varianten in den meisten Organen des Körpers vor und ist bei Vorliegen eines Tumors zumeist erhöht. Steigt seine Konzentration an, kennzeichnet dies einen erhöhten Zelluntergang. Aus diesem Grund dient es im Fall einer Tumor-Behandlung auch der Verlaufskontrolle.

Gewebeuntersuchungen

Schmerzlos geschwollene Lymphknoten werden meistens operativ entfernt (Lymphknotenexstirpation), um sie auf Krebszellen zu untersuchen. Vermutet der Arzt in anderen Körperregionen wie Haut, Magen oder Knochenmark einen Krebsbefall, entnimmt er für eine genauere Untersuchung Gewebeproben (Biopsien) aus den betreffenden Bereichen.

Bildgebende Verfahren

Wenn sich der Verdacht auf ein Non-Hodgkin-Lymphom durch Gewebeuntersuchungen bestätigt, helfen dem Arzt bildgebende Verfahren herauszufinden, wie weit sich die Krebserkrankung bereits im Körper ausgebreitet hat. Dafür nutzt er beispielsweise Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen sowie eine Computertomografie (CT) und manchmal auch eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Die Ergebnisse helfen, das Non-Hodgkin-Lymphom-Stadium zu bestimmen ("Staging").

Non-Hodgkin-Lymphom: Stadieneinteilung

Mediziner teilen Non-Hodgkin-Lymphome im Allgemeinen nach ihrer Ausbreitung im Körper in vier Tumorstadien nach Ann-Arbor (modifiziert nach Cotswold (1989) und Lugano (2014)) ein. Nur für die chronische lymphatische Leukämie (CLL) und das Multiple Myelom (MM) kommen zur Einteilung andere Klassifikationen zur Anwendung.

Die Ann-Arbor-Stadieneinteilung sieht vor, dass das Tumorstadium umso höher ist, je weiter sich ein Non-Hodgkin-Lymphom bereits im Körper ausgebreitet hat.

Stadium

Tumorausbreitung

I

Befall einer Lymphknotenregion oder ein Krebsbefall ausserhalb von Lymphknoten (lokalisierter, extranodaler Befall, z. B. des Verdauungstraktes oder der Haut)

II

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen oder lokalisierten extranodalen Herden – aber nur auf einer Seite des Zwerchfells (also entweder im Brustkorb oder im Bauchraum)

III

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen oder lokalisierten extranodalen Herden – aberauf beiden Seiten des Zwerchfells (also sowohl im Brustkorb als auch im Bauchraum)

IV

Verstreuter (disseminierter) Befall eines oder mehrerer Organe ausserhalb des Lymphsystems (z. B. Gehirn, Knochen) mit oder ohne Befall von Lymphknoten

Wie sieht die Therapie bei einem Non-Hodgkin-Lymphom aus?

Die Non-Hodgkin-Lymphom-Therapie hängt vor allem davon ab, ob es sich um ein niedrig- oder ein hoch-malignes NHL handelt. Das ist im Allgemeinen wichtiger als das Tumorstadium. Weitere Faktoren, welche die Planung der Therapie beeinflussen, sind das Alter und der Allgemeinzustand eines Patienten.

Therapie beim niedrig-malignen NHL

In frühen Krankheitsstadien, wenn das Non-Hodgkin-Lymphom noch lokal beschränkt ist (Ann-Arbor-Stadien I und II), ist prinzipiell eine Heilung mittels Strahlentherapie (Bestrahlung) möglich.

In weiter fortgeschrittenen Stadien (III und IV) lässt sich ein niedrig-malignes NHL in der Regel nicht mehr heilen. Dann gibt es im Allgemeinen zwei Möglichkeiten:

  • "Watch-and-wait"-Strategie: Einen sehr langsam wachsenden Tumor behandeln Ärzte oft nicht, sondern überwachen ihn zunächst nur engmaschig - beispielsweise, wenn das Non-Hodgkin-Lymphom (noch) keine Beschwerden verursacht.
  • Polychemotherapie: Das ist eine Chemotherapie, bei der mehrere Wirkstoffe zugleich verabreicht werden. Damit will man das Tumorwachstum verlangsamen, krebsbedingte Beschwerden lindern und Komplikationen verhindern.

Bei einem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom kombinieren Ärzte die Chemotherapie oft mit einer Antikörper-Therapie. Das ist eine zielgerichtete Therapie, mit der sich die Krebszellen sehr spezifisch bekämpfen lassen. Zum Einsatz kommt hier der künstlich hergestellte Antikörper Rituximab. Er bindet gezielt an das Protein CD 20, das B-Lymphozyten und - in noch grösserer Zahl - daraus entstandene Lymphom-Zellen auf ihrer Oberfläche tragen. Damit signalisiert Rituximab anderen Immunzellen, die betreffende B-Zelle zu zerstören.

Diese Antikörper-Therapie unterstützt das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs. Sie zählt damit zu den sogenannten Immun-Therapien.

Therapie beim hoch-malignen NHL

Bei einem hoch-malignen Non-Hodgkin-Lymphom besteht in allen Krankheitsstadien die Chance auf Heilung. Die sich schnell vermehrenden Krebszellen sprechen nämlich meist gut auf eine Polychemotherapie an. Sehr oft wählen Mediziner dafür das sogenannte CHOP-Schema. Dabei handelt es sich um eine eine Chemotherapie mit den Wirkstoffen Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin (auch Doxorubicin), Oncovin (auch Vincristin genannt) und Prednisolon.

Wie bei niedrig-malignen Formen kombinieren Mediziner diese Chemotherapie meist mit Rituximab (Antikörpertherapie), wenn es sich um ein B-Zell-Lymphom handelt.

CAR-T-Zell-Therapie

Wenn die oben beschriebenen Therapie-Massnahmen nicht helfen oder Patienten einen Rückfall erleiden, wird manchmal eine CAR-T-Zell-Therapie eingesetzt. Das ist eine neue Form der Immuntherapie, die folgendermassen abläuft:

  • Zuerst filtert man aus dem Blut des Erkrankten gesunde T-Lymphozyten (T-Zellen) heraus.
  • Im Labor verändert man diese T-Zellen so, dass sie bestimmte Andockstellen auf ihrer Oberfläche tragen (CAR = chimärer Antigenrezeptor). Diese passen zu bestimmten Strukturen auf der Oberfläche der Lymphom-Zellen des Erkrankten. Die gentechnisch veränderten Zellen nennt man CAR-T-Zellen.
  • Nun erhält der Patient eine Chemotherapie, um die Anzahl der Lymphom-Zellen zu vermindern und die Aktivität des Immunsystems zu dämpfen. Das erleichtert später den CAR-T-Zellen ihre Arbeit.
  • Im nächsten Schritt erhält der Erkrankte die CAR-T-Zellen per Infusion. Im Körper binden diese dank ihrer spezifischen Andockstellen (CAR) gezielt an die Tumorzellen und zerstören sie.

Spezielle Therapieansätze

Bei einigen Formen von Non-Hodgkin-Lymphom wenden Ärzte spezielle Therapieansätze an. Ein Beispiel:

Verursacht eine chronische lymphatische Leukämie (CLL) im Frühstadium noch keine Symptome, behandeln Ärzte sie zunächst nicht, sondern beobachten sie engmaschig. Wenn sich Symptome entwickeln, leiten sie eine aktive Behandlung ein (bei einer schon fortgeschrittenen CLL macht man das sofort):

Die Patienten erhalten eine Chemotherapie und/oder zielgerichtete Therapie (mit Rituximab oder anderen künstlich hergestellten Antikörpern oder sogenannten Signalwege-Hemmern). In Einzelfällen ist auch eine Stammzell-Transplantation oder eine Bestrahlung sinnvoll.

Mehr zur Behandlung einer CLL lesen Sie hier.

Autoren- & Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Dr. med. Felicitas Witte
Autoren:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
C91C86C90C84C85C82C83
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Baenkler, H.-W. et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2021
  • Krams, M. et al.: Kurzlehrbuch Pathologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2019
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Lymphome: Hodgkin, Non-Hodgkin und multiples Myelom (Stand: 04.08.2022), unter: www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 22.11.2022)
  • Krebsliga Schweiz: Non-Hodgkin-Lymphome, unter: www.krebsliga.ch (Abrufdatum: 22.11.2022)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge für erwachsene Patient*innen mit einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom und verwandten Entitäten (Stand: Oktober 2022), unter: https://register.awmf.org (Abrufdatum: 22.11.2022)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH): Non-Hodgkin-Lymphome im Kindes- und Jugendalter (Stand: Mai 2017, in Überarbeitung), unter: https://register.awmf.org (Abrufdatum: 22.11.2022)
  • Margulies, A. et al.: Onkologische Krankenpflege, Springer-Verlag, 6. Auflage, 2017
  • Medizinische Universität Wien, Austrian CAR-T-Zell Network: Häufige Fragen, unter: https://innere-med-1.meduniwien.ac.at (Abrufdatum: 22.11.2022)
  • Michl, M.: BASICS Hämatologie, Urban & Fischer Verlag / Elsevier, 2. Auflage, 2010
  • Müller, A.M.: CAR-T-Zell-Therapie, in: Schweizer Zeitschrift für Onkologie 1/2020, S. 6-10
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), unter: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 22.11.2022)
  • Tumorzentrum München, Dreyling, M. (Hrsg.): Manual Maligne Lymphome, Zuckschwerdt Verlag, 11. Auflage, 2019
  • Weihrauch, T.R. (Hrsg.): Internistische Therapie 2022 / 2023, Elsevier Health Sciences, 24. Auflage, 2022
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