Non-Hodgkin-Lymphom

Von 
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Der Begriff Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) bezeichnet verschiedene Krebserkrankungen des Lymphsystems. Sie unterscheiden sich in ihrer feingeweblichen Struktur, ihrem Verlauf und darin, wie gut sie auf eine Therapie ansprechen. Manche NHL-Formen entwickeln sich nur langsam, sind aber meist nicht dauerhaft heilbar. Andere Formen von Non-Hodgkin-Lymphom schreiten sehr rasch voran, sind aber besser therapiebar. Lesen Sie hier mehr zum Thema Non-Hodgkin-Lymphom!

lymphdrüsenkrebs

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des Lymphsystems; Einteilung in niedrig maligne NHL (langsam wachsend) und hoch maligne NHL (aggressiv wachsend)
  • Ursachen: bislang unklar; mögliche Risikofaktoren sind etwa bestimmte Infektionen, frühere Krebstherapien, immunsuppressive Therapien, Giftstoffe, gewisse Erkrankungen des Immunsystems
  • Symptome: allgemeine Symptome wie schmerzlos geschwollene Lymphknoten, Fieber, Gewichtsverlust, starkes Schwitzen in der Nacht, Abgeschlagenheit, Juckreiz etc.
  • Diagnose: Erhebung der Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Blut- und Gewebeuntersuchungen; bildgebende Verfahren zur Tumorausbreitung
  • Therapie: je nach Typ und Stadium der Erkrankung, z.B. Watch & Wait (Abwarten & Beobachten), Strahlentherapie, Chemotherapie, Antikörpertherapie, ggf. CAR-T-Zelltherapie, ggf. Stammzelltransplantation
  • Prognose: Niedrig maligne NHL meist nur in frühen Stadien heilbar. Hoch maligne NHL mit der richtigen Behandlung prinzipiell in allen Stadien heilbar.

Non-Hodgkin-Lymphom: Beschreibung

Der Begriff "Non-Hodgkin-Lymphom" beschreibt keine einzelne Erkrankung, sondern ist vielmehr ein Überbegriff für eine Vielzahl verschiedener Krebserkrankungen des lymphatischen Systems (Lymphome). Davon abzugrenzen ist eine ganz bestimmte Krebserkrankung des Lymphsystems namens Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin).

Das Lymphsystem

Das über den ganzen Körper verteilte lymphatische System besteht aus dem Lymphgefässsystem und den lymphatischen Organen (wie Knochenmark, Thymus, Milz, Mandeln, Lymphknoten). Es sammelt und transportiert überschüssige Gewebsflüssigkeit - Lymphflüssigkeit oder kurz Lymphe genannt.

Ausserdem finden in verschiedenen lymphatischen Organen die Bildung, Reifung und Differenzierung der weissen Blutkörperchen (Lymphozyten, Lymphzellen) statt. Sie sind extrem wichtig für die Immunabwehr und gliedern sich in zwei Typen: B- und T-Lymphozyten. Beide stehen in unterschiedlicher Weise im Dienste der Immunabwehr: Die B-Lymphozyten (B-Zellen) sind vor allem für die Produktion von Antikörpern gegen eingedrungene Krankheitserreger zuständig. Dagegen greifen T-Lymphozyten (T-Zellen) Krankheitserreger im Körper direkt an.

Einteilung in B- und T-Zell-Lymphome

Lymphome entstehen, wenn Lymphozyten (oder deren Vorläuferzellen) entarten und beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren. Dabei können Non-Hodgkin-Lymphome sowohl aus entarteten B- als auch T-Lymphozyten hervorgehen. Demnach unterscheidet man B- und T-Zell-Lymphome. Die erstgenannten sind mit Abstand die häufigere Gruppe: Etwa acht von zehn Non-Hodgkin-Lymphomen leiten sich von B-Lymphozyten oder deren Vorläuferzellen ab.

Im Blut zirkulierende Lymphozellen bleiben oft in einem Lymphknoten "hängen", wo sie sich festsetzen und weiter vermehren können. Deshalb gehen Non-Hodgkin-Lymphome oft von Lymphknoten aus.

Einteilung nach Bösartigkeit

Non-Hodgkin-Lymphome lassen sich auch hinsichtlich ihrer Bösartigkeit (Malignität) beziehungsweise ihres Wachstumsmusters einteilen:

  • niedrig-maligne (indolente) Non-Hodgkin-Lymphome: Sie entwickeln sich langsam über Jahre bis Jahrzehnte. Diese langsame Zellteilung hat aber zur Folge, dass eine Therapie hier in der Regel nicht so gut anschlägt wie bei schneller wachsenden (hoch-malignen) NHL-Formen.
  • hoch-maligne (aggressive) Non-Hodgkin-Lymphome: Sie schreiten sehr schnell voran, haben unbehandelt daher eine schlechtere Prognose. Wenn man sie aber behandelt, sprechen sie wegen ihres schnellen Wachstums meist deutlich besser darauf an als niedrig-maligne NHL. Eine Heilung ist bei hoch-malignen NHL daher in allen Krankheitsstadien möglich.

Übersicht: Formen von Non-Hodgkin Lymphomen

Hier eine tabellarische Übersicht über ausgewählte B- und T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome:

B-Zell Non-Hodgkin-Lymphom

T-Zell Non-Hodgkin-Lymphom

niedrig maligne

  • Chronisch lymphatische Leukämie (CLL, kleinzelliges, lymphozytisches Lymhom)
  • Morbus Waldenström (Immunozytom)
  • Multiples Myelom (Plasmozytom)
  • Follikuläres Lymphom
  • Extranodales MALT-Lymphom
  • Haarzellleukämie
  • Mycosis fungoides
  • T-Zonen Lymphom
  • Natürliche-Killer-Zellen-Leukämie (NK-Zell-Leukämie)
  • Angioimmunoplastisches T-Zell-Lymphom

hoch maligne

  • Diffus-grosszelliges B-Zell-Lymphom
  • Burkitt-Lymphom
  • Anaplastisches B-Zell-NHL
  • Lymphoblastisches B-Zell-NHL
  • Immunoblastisches B-Zell-NHL
  • Anaplastisches T-Zell-NHL
  • Lymphoblastisches T-Zell-NHL
  • Immunoblastisches T-Zell-NHL

Am häufigsten sind bei Erwachsenen das diffuse-grosszellige B-Zell-Lymphom und das follikuläre Lymphom. Bei Kindern dagegen herrschen andere Formen vor, darunter das Burkitt-Lymphom und das lymphoblastische T-Zell-Lymphom. Im Jugendalter wechselt das Spektrum langsam zu den im Erwachsenenalter typischen NHL-Formen.

Non-Hodgkin-Lymphom: Symptome

Die Non-Hodgkin-Lymphom-Symptome variieren abhängig von der Verlaufsform. Allgemein typisch sind jedoch dauerhaft oder zunehmendvergrösserte, schmerzlose Lymphknoten, vor allem im Halsbereich. Es können aber auch andere Lymphknoten, beispielsweise jene in der Achsel, der Leiste, im Brustkorb und Bauchraum betroffen sein.

Zu den allgemeinen Non-Hodgkin-Lymphom-Symptomen zählen noch weitere Beschwerden, die man unter dem Begriff B-Symptomatik zusammenfasst:

  • Fieber bzw. Fieberschübe: Anstieg der Körpertemperatur auf über 38°C ohne offensichtliche Ursache wie beispielsweise einen Infekt.
  • Nachtschweiss: starkes Schwitzen in der Nacht, wodurch Betroffene oft "klatschnass" aufwachen, ihren Schlafanzug wechseln und das Bett frisch beziehen müssen.
  • Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten

Auch Abgeschlagenheit beziehungsweise anhaltende Müdigkeit sind bei einem Non-Hodgkin-Lymphom mögliche Symptome.

Manche Patienten klagen über Hautjucken am ganzen Körper. Die genauen Ursachen dafür sind bisher nicht bekannt. Möglicherweise setzen die entarteten Blutzellen chemische Substanzen in der Nähe der sensiblen Hautnerven frei und lösen so einen Juckreiz aus.

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom kann sich auch eine Vergrösserung der Milz (Splenomegalie) entwickeln. Ausserdem kann krebsbedingt die Blutbildung im Knochenmark gestört werden, was eine Blutarmut (Anämie; durch Mangel an Erythrozyten), erhöhte Infektanfälligkeit (durch Mangel an Leukozyten) und Blutungen (durch Mangel an Thrombozyten) zur Folge haben kann.

Alle diese Symptome sind nicht charakteristisch für ein Non-Hodgkin-Lymphom, sondern können noch andere Ursachen haben! So sind etwa Lymphknoten auch bei Infekten geschwollen, schmerzen dann aber beim Abtasten und schwellen nach dem Infekt rasch wieder ab. Und die B-Symptomatik kann auch bei anderen Krebserkrankungen sowie weiteren schweren Erkrankungen (wie Tuberkulose) auftreten.

Non-Hodgkin-Lymphom: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen eines Non-Hodgkin-Lymphoms sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Man kennt mittlerweile aber einige Risikofaktoren, welche die Entstehung von (bestimmten) NHL-Formen begünstigen können. Allein ausschlaggebend sind sie in der Regel aber wahrscheinlich nicht - es müssen wohl verschiedene Faktoren zusammentreffen, bevor ein NHL entsteht.

Als Risikofaktoren bekannt beziehungsweise diskutiert werden etwa:

>> Infektionen

Manche Non-Hodgkin-Lymphome entstehen im Zusammenhang mit bestimmten Infektionen. Beispielsweise kann das Epstein-Barr-Virus (EBV) zur Entstehung gewisser Formen von Burkitt-Lymphom beitragen - eines hoch-malignen B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphoms. Besser bekannt ist dieses Virus allerdings als Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Mononukleose).

Das MALT-Lymphom (MALT = mucosa-associated lymphoid tissue) geht von lymphoidem Gewebe der Schleimhaut aus - am häufigsten im Magen. Es handelt sich dann um eine seltene Form von Magenkrebs. Sie entwickelt sich oftmals auf Basis einer chronischen Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori.

Das adulte T-Zell-Lymphom (ATLL) entsteht im Zusammenhang mit sogenannten HTL-Viren (humane T-lymphotrope Viren).

>> frühere Krebstherapie

Sowohl eine Chemotherapie als auch eine Strahlentherapie (Bestrahlung) können Zellschäden verursachen, die später zu einer weiteren Krebserkrankung wie beispielsweise einem Non-Hodgkin-Lymphom führen können.

>> immunsuppressive Therapie

Wenn man etwa nach einer Organtransplantation oder aufgrund von HIV längerfristig Medikamente einnehmen muss, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), kann dies die Entstehung eines Lymphoms begünstigen.

>> Giftstoffe

Verschiedene toxische Substanzen gelten ebenfalls als Risikofaktoren für ein Non-Hodgkin-Lymphom, darunter Benzol. Das ist ein aromatischer Kohlenwasserstoff, der beispielsweise zur Herstellung von Textilien, Arznei-, Farb- und Kunststoffen verwendet wird. Er gilt allgemein als krebserregend (kanzerogen). Auch Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide) werden als mögliche Auslöser von Non-Hodgkin-Lymphomen diskutiert.

>> Erkrankungen des Immunsystems

Möglicherweise begünstigen auch einige Erkrankungen des Immunsystems das Auftreten von NHL. Entsprechende Hinweise gibt es beispielsweise zu Rheumatoider Arthritis, Sjögren-Syndrom, Lupus erythematodes, Zöliakie sowie manchen angeborenen oder erworbenen Immundefekten (z.B. Wiscott-Aldrich-Syndrom, HIV).

Non-Hodgkin-Lymphome können in allen Altersstufen auftreten. Ältere Menschen sind aber anfälliger dafür.

Non-Hodgkin-Lymphom: Untersuchungen und Diagnose

Der richtige Ansprechpartner bei Symptomen wie schmerzlos vergrösserten Lymphknoten, anhaltender Müdigkeit oder unerklärlichen Gewichtsverlust ist zunächst Ihr Hausarzt. Er kann Sie bei Bedarf an einen Facharzt (z.B. Internist, Onkologe) überweisen.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der erste Schritt in der Abklärung der Symptome ist ein ausführliches Arzt-Patient-Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Der Arzt erkundigt sich dabei unter anderem nach den genauen Symptomen und eventuellen Vor- oder Grunderkrankungen. Mögliche Fragen sind beispielsweise:

  • Haben Sie Schwellungen am Hals bemerkt?
  • Sind Sie in letzter Zeit nachts verschwitzt aufgewacht?
  • Haben Sie in den letzten Monaten ungewollt Körpergewicht verloren?
  • Haben Sie häufig Fieber?
  • Hatten Sie in letzter Zeit häufiger Nasen- oder Zahnfleischbluten?

Im Anschluss an das Gespräch folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Dabei wird der Arzt unter anderem Ihre Lymphknoten (z.B. am Hals) und Milz auf Vergrösserung hin abtasten.

Blutuntersuchungen

Eine umfassende Blutuntersuchung ist ein weiteres wichtiges Element der Diagnostik von Non-Hodgkin-Lymphomen. Die entarteten Blutzellen verdrängen im Verlauf der Erkrankung die gesunden Zellen im Knochenmark, was im Blutbild sichtbar wird:

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) können erniedrigt sein, was man als Erythrozytopenie bezeichnet und eine Blutarmut (Anämie) nach sich zieht. Der Spiegel der Blutplättchen (Thrombozyten) kann ebenfalls stark absinken (Thrombozytopenie), wodurch sich die Blutungsneigung erhöht.

Auch die weissen Blutkörperchen (Leukozyten), zu denen die Lymphozyten zählen, sind bei einem Non-Hodgkin-Lymphom oftmals erniedrigt (Leukozytopenie oder Leukopenie genannt) - manchmal aber auch erhöht (Leukozytose). Letzteres ist etwa in der Regel bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) der Fall: Weil hier sehr viele entartete Lymphozyten (Lymphomzellen) gebildet und ins Blut ausgeschwemmt werden, steigt die Zahl der Leukozyten insgesamt an.

Dass die Untergruppe der Lymphozyten für diese Erhöhung verantwortlich ist, lässt sich im Differenzialblutbild erkennen. Dieses gibt den prozentualen Anteil der verschiedenen Leukozyten-Untergruppen wie Lymphozyten und Monozyten an. Das Differenzialblutbild ist daher sehr aufschlussreich bei Verdacht auf ein CLL - oder eine andere Form von Non-Hodgkin-Lymphom.

Findet man entartete Lymphozyten (Lymphomzellen), kann eine immunhistochemische Untersuchung zeigen, ob ein B- oder T-Zell-Lymphom vorliegt:

  • Reife B-Lymphozyten tragen das Protein CD20 auf ihrer Oberfläche - auch wenn sie sich zu Krebszellen (B-Lymphomzellen) entwickeln. Dann findet sich dieses Protein sogar in noch höherer Anzahl auf der Zelloberfläche.
  • Für T-Lymphozyten und daraus entstehende Krebszellen (T-Lymphozellen) ist dagegen das Oberflächenprotein CD3 typisch.

Gewebeuntersuchungen

Schmerzlos geschwollene Lymphknoten werden im Allgemeinen operativ entfernt (Lymphknotenexstirpation), um sie auf Krebszellen zu untersuchen.

Vermutet man in anderen Körperregionen (z.B. Haut, Magen, Knochenmark) einen Krebsbefall, entnimmt der Arzt für eine genauere Untersuchung Gewebeproben (Biopsie) aus den betreffenden Bereichen.

Bildgebende Verfahren

Wenn sich der Verdacht auf ein Non-Hodgkin-Lymphom durch Gewebeuntersuchungen bestätigt, kann der Arzt mit bildgebenden Verfahren, herausfinden, wie weit sich die Krebserkrankung bereits im Körper ausgebreitet hat. Dafür kann er beispielsweise Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen sowie ein Computertomografie (CT) durchführen, gegebenenfalls auch eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Die Ergebnisse helfen, das Non-Hodgkin-Lymphom-Stadium zu bestimmen ("Staging").

Non-Hodgkin-Lymphom: Stadieneinteilung (nach Ann-Arbor)

Non-Hodgkin-Lymphome werden im Allgemeinen je nach ihrer Ausbreitung im Körper in vier Tumorstadien nach Ann-Arbor eingeteilt. Nur für die chronisch lymphatische Leukämie und das Multiple Myelom verwendet man zur Einteilung andere Klassifikationen.

Die Ann-Arbor-Stadieneinteilung sieht vor, dass das Tumorstadium umso höher ist, je weiter sich ein Non-Hodgkin-Lymphom bereits im Körper ausgebreitet hat:

Stadium

Tumorausbreitung

I

Befall einer Lymphknotenregion oder ein Krebsbefall ausserhalb von Lymphknoten (extranodaler Befall, z.B. des Verdauungstraktes oder der Haut)

II

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen bzw. extranodalen Herden - aber nur auf einer Seite des Zwerchfells

III

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen bzw. extranodalen Herden - aber auf beiden Seiten des Zwerchfells

IV

verstreuter (disseminierter) Befall eines oder mehrerer Organe ausserhalb des Lymphsystems (z.B. Gehirn, Knochen) mit oder ohne Befall von Lymphknoten

Non-Hodgkin-Lymphom: Behandlung

Die Non-Hodgkin-Lymphom-Therapie hängt vor allem davon ab, ob es sich um ein niedrig oder ein hoch malignes Non-Hodgkin-Lymphom handelt. Das ist im Allgemeinen entscheidender als das Tumorstadium. Weitere Faktoren, welche die Therapieplanung beeinflussen können, sind das Alter und der Allgemeinzustand eines Patienten.

Niedrig malignes NHL: Therapie

In frühen Krankheitsstadien, wenn das Non-Hodgkin-Lymphom noch lokal beschränkt ist (Ann-Arbor-Stadien I und II), ist prinzipiell eine Heilung mittels Strahlentherapie (Bestrahlung) möglich.

In weiter fortgeschrittenen Stadien (III und IV) lässt sich ein niedrig malignes NHL in der Regel nicht mehr heilen. Dann gibt es im Allgemeinen zwei Möglichkeiten:

  • watch-and-wait-Strategie: Der sehr langsam wachsende Tumor wird (zunächst) nicht behandelt, sondern nur engmaschig überwacht. Das macht man beispielsweise, wenn das Non-Hodgkin-Lymphom (noch) keine Beschwerden verursacht.
  • Polychemotherapie: Das ist eine Chemotherapie, bei der mehrere Wirkstoff zugleich verabreicht werden. Ziel ist es, das Tumorwachstum zu verlangsamen, krebsbedingte Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Oftmals wird das CHOP-Schema angewendet - eine Chemotherapie mit den Wirkstoffen Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin (= Doxorubicin), Oncovin (= Vincristin) und Prednisolon.

Bei einem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom wird die Chemotherapie oft mit einer Antikörpertherapie kombiniert. Das ist eine zielgerichtete Therapie, mit der sich die Krebszellen sehr spezifisch bekämpfen lassen: Zum Einsatz kommt hier der künstlich hergestellte Antikörper Rituximab. Er bindet gezielt an dem Protein CD 20, das B-Lymphozyten und - in noch grösserer Zahl - daraus entstandene Lymphomzellen auf ihrer Oberfläche tragen. Damit signalisiert Rituximab anderen Immunzellen, die betreffende B-Zelle zu zerstören.

Diese Antikörpertherapie unterstützt also das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs. Sie zählt damit zu den sogenannten Immuntherapien.

Hoch malignes NHL: Therapie

Bei einem hoch malignen Non-Hodgkin-Lymphom besteht in allen Krankheitsstadien die Chance auf Heilung. Die sich schnell vermehrenden Krebszellen sprechen nämlich meist gut auf eine Polychemotherapie an - sehr oft nach dem oben genannten CHOP-Schema. Wie bei niedrig malignen Formen wird diese Chemotherapie meist mit Rituximab (Antikörpertherapie) kombiniert, wenn es sich um ein B-Zell-Lymphom handelt.

CAR-T-Zell-Therapie

Wenn die oben beschriebenen Therapiemassnahmen nicht helfen oder Patienten einen Rückfall erleiden, kommt unter Umständen eine CAR-T-Zell-Therapie in Betracht. Das ist eine neue Form der Immuntherapie, die folgendermassen abläuft:

  • Zuerst filtert man aus dem Blut des Patienten gesunde T-Lymphozyten (T-Zellen) heraus.
  • Im Labor verändert man diese T-Zellen so, dass sie bestimmte Andockstellen auf ihrer Oberfläche tragen (CAR = chimärer Antigenrezeptor) - passend zu bestimmten Oberflächenstrukturen der Lymphomzellen des Patienten. Diese gentechnisch veränderten Zellen werden CAR-T-Zellen genannt.
  • Nun erhält der Patient eine Chemotherapie, um die Anzahl der Lymphomzellen zu vermindern und die Aktivität des Immunsystems zu dämpfen. Das erleichtert später den CAR-T-Zellen ihre Arbeit.
  • Im nächsten Schritt werden die CAR-T-Zellen per Infusion dem Patienten zugeführt. Im Körper können sie dank ihrer spezifischen Andockstellen (CAR) gezielt an den Tumorzellen binden und sie zerstören.

Spezielle Therapieansätze

Bei einigen Formen von Non-Hodgkin-Lymphom wendet man spezielle Therapieansätze an. Ein Beispiel:

Eine chronische lymphatische Leukämie im Frühstadium, die noch keine Symptome verursacht, wird zunächst nicht behandelt, sondern nur engmaschig beobachtet. Wenn sich Symptome entwickeln oder die Krebserkrankung schon weiter fortgeschritten ist, wählt man eine Chemotherapie und/oder zielgerichtete Therapie (mit Rituximab oder anderen künstlich hergestellten Antikörpern oder sogenannten Signalwegehemmern). In Einzelfällen kann auch eine Stammzelltransplantation oder eine Bestrahlung sinnvoll sein. Mehr zur Behandlung einer CLL lesen Sie hier.

Non-Hodgkin-Lymphom: Prognose und Krankheitsverlauf

Je nach dem Gewebetyp und dem Krankheitsstadium beobachtet man bei Non-Hodgkin-Lymphomen eine breite Palette unterschiedlicher Verläufe - von sehr langsam voranschreitenden, nicht behandlungsbedüfrtigen Erkrankungen bis hin zu sehr aggressiven, kaum behandelbaren und rasch tödlich endenden Fällen.

Grundsätzlich spielt hier der Grad der Malignität eine besonders grosse Rolle. Denn wie bereits erwähnt, sind niedrig und hoch maligne Non-Hodgkin-Lymphome unterschiedlich gut behandelbar:

Die niedrig malignen NHL sind aufgrund ihres langsamen Wachstums weniger gut behandelbar. Eine Heilung ist daher in der Regel nur in frühen Krankheitsstadien (Ann-Arbor-Stadien I und II) prinzipiell möglich. In höheren Stadien dagegen lassen sich solche Lymphome mittels Behandlung in der Regel nur noch zurückdrängen, aber nicht dauerhaft heilen.

Die hoch malignen NHL mit ihrer hohen Zellteilungsrate sprechen viel besser auf eine Behandlung an. Hier ist daher in allen Krankheitsstadien grundsätzlich eine Heilung möglich.

Im Einzelfall beeinflussen aber noch weitere Faktoren die Prognose bei einem Non-Hodgkin-Lymphom. Die Lebenserwartung bzw. der Therapieerfolg hängt etwa auch vom Alter und Allgemeinzustand eines Patienten ab.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Felicitas Witte
Autoren:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
C91C86C90C84C85C82C83
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Baenkler, H.-W. et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2007
  • Krams, M. et al.: Kurzlehrbuch Pathologie, Georg Thieme Verlag, 2010
  • Krebsliga Schweiz: "Non-Hodgkin-Lymphome", unter: www.krebsliga.ch (Abgruf: 18.11.2021)
  • Medizinische Universität Wien, Austrian CAR-T-Zell Network: "Häufige Fragen", unter: https://innere-med-1.meduniwien.ac.at (Abruf: 18.11.2021)
  • Müller, A.M.: "CAR-T-Zell-Therapie", in: Schweizer Zeitschrift für Onkologie 1/2020, S. 6-10
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 18.11.2021)
  • S1-Leitlinie "Non-Hodgkin Lymphome im Kindes- und Jugendalter" der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (Stand: 2017)
  • Tumorzentrum München, Dreyling, M. (Hrsg.): Manual Maligne Lymphome, Zuckerschwerdt Verlag, 11. Auflage, 2019
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich