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Behandlung bei Hämorrhoiden

Hämorrhoiden Therapie
Ein nur gering ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden verschwindet mit Hilfe von einfachen Maßnahmen im günstigsten Fall von selbst, meist sind aber weitere Behandlungsschritte notwendig. (ruigsantos / Fotolia.com)

Kurzfassung:

  •  Hämorrhoiden sind im Allgemeinen keine bedrohliche Erkrankung.
  • Die typischen Symptome sind unspezifisch und können auch auf andere Erkrankungen hindeuten.
  • Beschwerden im Bereich des Afters sowie Spuren von Blut im Stuhl bedürfen immer einer ärztlichen Abklärung.
  • Die Basistherapie bei Hämorrhoiden umfasst ballaststoffreiche Ernährung, reichlich Flüssigkeitszufuhr und Bewegung.
  • Lokal eingesetzte Medikamente können helfen, Symptome wie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen zu lindern.
  • Hämorrhoidalknoten lassen sich durch operative Eingriffe behandeln.

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind ein Geflecht aus Blutgefäßen, das unter der Schleimhaut des Enddarms liegt. Als ringförmig angeordnete, blutgefüllte Schwellpolster sorgen sie zusammen mit den Schließmuskeln dafür, dass der After sicher verschlossen bleibt. Sie sind dabei insbesondere für den Feinverschluss des Afters zuständig. Dieser dient dazu, dass Stuhl und Winde nicht ungewollt aus dem After austreten.

+++ Mehr zum Thema: Was sind Hämorrhoiden? +++

Wie entstehen Hämorrhoiden?

Erst wenn sich die Gefäße durch einen übermäßigen Rückstau von Blut knotenförmig erweitern und vorwölben, entstehen Hämorrhoiden im eigentlichen Sinn. Diese können Beschwerden wie Blutungen, Juckreiz oder Brennen verursachen. Man spricht dann von einem sogenannten Hämorrhoidalleiden, einer weitverbreiteten Erkrankung, die sich heutzutage aber gut behandeln lässt.

+++ Mehr zum Thema: Wie kann man vorbeugen? +++

Wie häufig kommen Hämorrhoiden vor?

Das Hämorrhoidalleiden gehört zu den häufigsten Erkrankungen in Industrienationen (z.B. Österreich) mit einer Inzidenz (Häufigkeit) in ärztlicher Behandlung von rund 4%. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 45. und dem 65. Lebensjahr, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 70% aller Erwachsenen zumindest einmal im Laufe ihres Lebens durch Hämorrhoiden verursachte Beschwerden haben.

Welche Symptome treten bei Hämorrhoiden auf?

Die typischen Symptome sind breit gestreut und unspezifisch – das bedeutet, sie können, müssen aber nicht auf Hämorrhoiden hindeuten. Deswegen ist es ratsam, bei folgenden Symptomen zur genauen Abklärung einen Arzt aufzusuchen. Zu diesen Symptomen zählen:

  • Blutungen
  • Schwellungen
  • Juckreiz
  • Nässen
  • Brennen
  • Schmerzen

Der Schmerz als solcher wird zwar oft als Symptom genannt, im Grunde genommen sind Hämorrhoiden aber schmerzunempfindlich. Das Schmerzgefühl entsteht durch begleitende Fissuren (Risse in der Haut oder Schleimhaut), lokale Thrombosen und Ödeme, Abszesse oder Fisteln.

+++ Mehr zum Thema: Häufige Symptome bei Hämorrhoiden +++

Wie werden Hämorrhoiden diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt beim Proktologen mittels einer proktologischen Basisuntersuchung. Diese beinhaltet:

  • Anamnese (Fragen zu Art, Dauer und Ausmaß der Beschwerden)
  • Fragen nach den Stuhlgewohnheiten
  • Fragen nach familiären Karzinomen
  • Inspektion der Hämorrhoiden
  • digital-rektale Untersuchung
  • Proktoskopie
  • evtl. Rektoskopie zum Ausschluss anderer Krankheiten

Sind Hämorrhoiden eindeutig als solche diagnostiziert, wird das weitere individuelle Vorgehen in der Behandlung entschieden.

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+++ Mehr zum Thema: Rektoskopie  +++

Wie werden Hämorrhoiden behandelt?

Welche Therapie im Einzelfall geeignet ist, hängt von der Größe der Hämorrhoidalknoten, der Häufigkeit, Dauer und Art der Beschwerden sowie von etwaigen weiteren Erkrankungen des Patienten ab. In der Regel wird die Behandlung vom Ausprägungsgrad der Hämorrhoiden abhängig gemacht, wobei die Übergänge meist fließend sind. Zur Anwendung kommen:

  • Grad 1: Medikamente, Zäpfchen, Cremen, Salben, Veröden
  • Grad 2: Veröden, Abbinden
  • Grad 3: Abbinden, Operation
  • Grad 4: Operation

Es spielt jedoch ebenfalls eine Rolle, welche Behandlungen bisher durchgeführt wurden und welche Erfahrungen der behandelnde Arzt mit einzelnen Therapiemaßnahmen gemacht hat.

Konservative Therapie

Zur konservativen Therapie jedes Hämorrhoidalleidens gehört es, den Stuhl durch ballaststoffreiche Ernährung, reichlich Flüssigkeitszufuhr und Bewegung weich und geformt zu halten, langes und starkes Pressen beim Stuhlgang zu vermeiden (Defäkationsverhalten) und den After schonend zu säubern (Hygieneverhalten). Günstig wirken sich auch der Abbau von Übergewicht und das Vermeiden sitzender Tätigkeiten aus. Ein nur gering ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden verschwindet durch diese Maßnahmen im günstigsten Fall von selbst.

+++ Mehr zum Thema: Weicher Stuhl bei Hämorrhoiden +++

Medikamentöse und/oder minimalinvasive Verfahren

Reichen diese ersten Maßnahmen nicht aus, kommen medikamentöse und/oder minimalinvasive Verfahren zum Einsatz.

  • Gängige Medikamente umfassen Salben, Cremen, Zäpfchen und Analtampons (Zäpfchen mit Mulleinlage), die lokal betäubende (z.B. Lidocain), entzündungshemmende (Glukokortikoide) oder zusammenziehende Substanzen (u.a. Eichenrinde, Hamamelisrinde, Bismutgallat) enthalten. Diese Wirkstoffe wirken rein symptomatisch, indem sie die typischen Beschwerden lindern. Flavonoidhaltige Tabletten können ebenfalls helfen, die Gefäße abzudichten und Blutstauungen zu vermeiden.

+++ Mehr zum Thema: Medikamentöse Therapie bei Hämorrhoiden +++

  • Zu den minimalinvasiven operativen Verfahren gehören die Sklerosierung (Verödung) und die Gummibandligatur. Bei der Verödung wird entweder eine 5-prozentige Phenol-Lösung in die zuführenden Arterien (suprahämorrhoidale Sklerosierung) oder eine 3-prozentige Polidocanol-Lösung direkt in die hämorrhoidalen Polster (intrahämorrhoidale Sklerosierung) injiziert. Ziel der Verödung ist die Fixierung und Stabilisierung der Hämorrhoiden und die Verringerung der Blutzufuhr, wodurch die Knötchen schrumpfen. Bei der Gummibandligatur wird ein Gummiband rund um das betroffene Gewebe gelegt und dieses dadurch abgeschnürt. In der Folge stirbt das Gewebe ab, vernarbt und schrumpft.

+++ Mehr zum Thema: Hausmittel bei Hämorrhoiden +++

Operative Therapie

Die operative Therapie kommt bei von außen sichtbaren Gefäßknoten, die sich nach dem Stuhlgang wieder in den Darm zurückschieben lassen (Grad 3), oder solchen, bei denen eine manuelle Rückführung nicht mehr möglich ist (Grad 4), zum Einsatz. Alternativ kann eine Operation auch bei Versagen der konventionellen Therapie zur Anwendung kommen, wenn der Patient dies wünscht.

Beim operativen Eingriff wird unter Narkose das überschüssige Gewebe entfernt. Dieses Vorgehen ist heutzutage sehr einfach durchführbar, etwaige Komplikationen wie Harnverhalt, stärkere Nachblutungen oder postoperative Inkontinenz kommen so gut wie nicht mehr vor. Gegen mögliche Schmerzen nach der Operation können außerdem spezielle Salben mit Glyceroltrinitrat, Diltiazem oder Nifedipin aufgetragen werden.

+++ Mehr zum Thema: Operation bei Hämorrhoiden +++

Ärztliche Abklärung bei Verdacht auf Hämorrhoiden sinnvoll

Beschwerden im Bereich des Afters sowie Spuren von Blut im Stuhl bedürfen immer einer ärztlichen Abklärung. Denn auch andere Erkrankungen im Bereich von After oder Mastdarm können ähnliche Symptome wie Hämorrhoiden hervorrufen, bedürfen aber unter Umständen einer speziellen Behandlung. Dazu gehören:

Vor allem gilt es, Krebserkrankungen sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen als Ursache der Beschwerden auszuschließen. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige ärztliche Abklärung bei Verdacht auf Hämorrhoiden immer sinnvoll.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
OA Dr. Michael Georg Lilgenau, Dr. Matthias Grünbeck
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

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