Hämorrhoiden – Schwangerschaft

Von , Ärztin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Bei Frauen gibt es einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung von Hämorrhoiden: Schwangerschaft. Lesen Sie hier, warum Hämorrhoiden in der Schwangerschaft entstehen, woran diese zu erkennen sind und welche Behandlung Linderung verschafft.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Warum entstehen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft?

Probleme mit dem Enddarm oder analer Art sind in der Schwangerschaft häufig. Warum viele Frauen in der Schwangerschaft ein höheres Risiko dafür haben, Hämorrhoiden zu entwickeln, ist nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Faktoren, die dabei eine Rolle spielen:

  • Das wachsende Kind im Mutterleib verstärkt den ohnehin erhöhten Druck im Bauchraum und damit auch auf die Gefässe des Hämorrhoidal-Polsters. Das Blut fliesst von dort schlechter ab und staut sich.
  • Das Ungeborene drückt ebenfalls auf den Darm. Deshalb haben Schwangere oft Verstopfung. Das starke Pressen beim Stuhlgang erhöht das Risiko für Hämorrhoiden in der Schwangerschaft ebenfalls.
  • Weitere Gründe für Verstopfung in der Schwangerschaft und damit für Hämorrhoiden sind das ansteigende Körpergewicht und die meist damit einhergehende eingeschränkte Bewegung von Schwangeren sowie die oft notwendige Einnahme von Eisen-Präparaten.
  • Verschiedene Hormone steigern den Blutzufluss während der Schwangerschaft. Durch das vermehrte Blut in den Arterien und den verschlechterten Abfluss in den Venen staut sich das Blut. Das begünstigt Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zusätzlich.

Das Risiko für Hämorrhoiden in der Schwangerschaft steigt auch für Frauen, die bereits Kinder haben oder die etwas älter sind. Bei Frauen, die bereits vorher Hämorrhoiden hatten, verschlimmern sich die Symptome während der Schwangerschaft und bei der Geburt.

Wie merkt man Hämorrhoiden in der Schwangerschaft?

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft kommen bei etwa der Hälfte aller werdenden Mütter vor. Sie sind meistens milde, in der Regel handelt es sich um die Schweregerade eins oder zwei. Nur selten entwickeln Schwangere ein schweres Hämorrhoidalleiden, wie vierten Grades. Oft treten Hämorrhoiden mit der Schwangerschaft zum ersten Mal im Leben auf.

Häufige Hämorrhoiden-Beschwerden, die sich in der Schwangerschaft zeigen, sind:

  • Jucken
  • Nässen
  • Druckgefühl
  • Blutungen mit Blut auf dem Stuhl, in der Toilette oder auf dem Klopapier

Die Beschwerden richten sich auch nach den vier Schweregraden der Hämorrhoiden. Bei fortgeschrittenen, aus dem Anus tretenden Hämorrhoiden kommt es teilweise auch zu Stuhlschmieren in der Unterhose. Diese weisen darauf hin, dass der Anus durch die Hämorrhoiden nicht mehr komplett dicht ist.

Mehr zu den Schweregraden eins bis vier bei Hämorrhoiden finden Sie im Beitrag Hämorrhoiden.

Wie können Hämorrhoiden in der Schwangerschaft behandelt werden?

Die Behandlung von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der generellen Behandlung von Hämorrhoiden. Allerdings achten Ärzte darauf, dass manche Medikamente und Massnahmen bei Schwangeren nicht zum Einsatz kommen.

Während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt im sogenannten Wochenbett behandeln Ärzte Hämorrhoiden bevorzugt mit konservativen Massnahmen. Ärzte raten in den allermeisten Fällen bei Schwangeren von Verödungen oder operativen Eingriffen zur Behandlung von Hämorrhoiden ab.

Betroffene Frauen erhalten in erster Linie folgende Ratschläge:

  • Ernähren Sie sich ballaststoffreich.
  • Quellstoffe wie Flohsamenschalen unterstützen zusätzlich die Stuhl-Regulation.
  • TrinkenSie ausreichend, vor allem Wasser, Tee oder Saftschorle.
  • Bewegen Sie sich so viel wie möglich.
  • Versuchen Sie langes Sitzen und/oder starkes Pressen auf der Toilette zu vermeiden.
  • Reinigen Sie nach dem Stuhlgang die Anal-Region sorgfältig mit Wasser.

Spezielle Hämorrhoiden-Salbenoder -Zäpfchen, die die Beschwerden lindern, sind in der Regel auch erlaubt. Die Mittel enthalten entzündungshemmende, zusammenziehende und/oder lokal betäubende Wirkstoffe. Es gibt rezeptfreie und auch verschreibungspflichtige Präparate.

Ihr Arzt verschreibt Ihnen ein passendes Mittel. Wichtig ist, dass Sie Ihren behandelnden Arzt beim nächsten Termin darüber informieren, welche Mittel Sie anwenden.

Daneben gibt es einige Hämorrhoiden-Hausmittel, die Beschwerden gut lindern können. Bei schweren Hämorrhoidalleiden unterstützen diese in manchen Fällen auch die Behandlung durch den Arzt ein wenig.

Mehr zum Thema Hausmittel bei Hämorrhoiden erhalten Sie in diesem Beitrag Hämorrhoiden-Hausmittel.

Bleiben Hämorrhoiden nach der Schwangerschaft bestehen?

Am häufigsten zeigen sich Hämorrhoiden-Beschwerden im dritten Trimester, also im letzten Schwangerschaftsdrittel. In den meisten Fällen bilden sich die Hämorrhoiden aber innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt wieder zurück. Teilweise braucht es aber auch etwas länger. Bleiben die Beschwerden weiterhin bestehen, behandelt sie der Arzt je nach Beschwerden und Schweregrad.

Auch deshalb ist eine gezielte Entfernung der Hämorrhoiden (etwa durch eine Operation) meistens nicht nötig. In Ausnahmefällen ist ein Eingriff aber ratsam, zum Beispiel bei starken Blutungen oder einem Vorfall des Afters (Anal-Prolaps). Sofern möglich, entfernen Ärzte aber frühestens zwei Monate nach der Geburt die Hämorrhoiden und nicht während der Schwangerschaft.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Katharina Larisch
Autoren:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
O87O22
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Aumüller, G. et al.: Duale Reihe Anatomie, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2020
  • Infoportal des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: Hämorrhoiden, unter: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 10.02.2022)
  • Loch H. Proktologische Probleme in der Schwangerschaft. De Gruyter Verlag, 2019, unter: www.researchgate.net (Abrufdatum: 10.02.2022)
  • Pschyrembel klinisches Wörterbuch, De Gruyter Verlag, 268. Auflage, 2020
  • Rath, W. & Friese, K.: Erkrankungen in der Schwangerschaft, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2009
  • S3-Leitlinie der Dt. Ges. f. Koloproktologie (DGK): Hämorrhoidalleiden (Stand: April 2019), unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 08.02.2022)
  • Wolff & Weihrauch: Internistische Therapie 2020-2021, Urban & Fischer Verlag, 23. Auflage, 2020
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