Lokalanästhesie

Von Andreas Hofmann
Aktualisiert am
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Eine Lokalanästhesie ist die Betäubung eines begrenzten Körperbereichs. Man erreicht sie mithilfe von Medikamenten, welche die Schmerzweiterleitung unterbrechen. Der Patient ist dadurch bei vollem Bewusstsein, aber schmerzfrei in der betreffenden Körperregion. Im Gegensatz zur Vollnarkose ist die Lokalanästhesie risikoärmer und weniger belastend für den Patienten. Lesen Sie alles Wichtige über das Verfahren, wann es durchgeführt wird und welche Vorteile es bringt.

Lokalanästhesie

Was ist eine Lokalanästhesie?

Eine Lokalanästhesie bewirkt eine Schmerzunterdrückung in einem begrenzten Gebiet, beispielsweise auf der Haut oder im Versorgungsbereich ganzer Nerven an den Extremitäten. Die eingesetzten Medikamente (Lokalanästhetika) unterbrechen die Signalweiterleitung in den Nervenenden. So entsteht eine örtliche Betäubung. Dauer und Wirkstärke hängen von der Art des Lokalanästhetikums und der verabreichten Menge ab.

Neben der Schmerzwahrnehmung sind auch das Temperatur- und Tastempfinden sowie teilweise die Muskeltätigkeit in der betroffenen Region reduziert.

Mediziner unterscheiden mehrere Arten der Lokalanästhesie:

  • Oberflächenanästhesie: Auftragen des Lokalanästhetikums auf die Haut oder Schleimhaut
  • Infiltrationsanästhesie: Einspritzen des Lokalanästhetikums in die Haut oder in anderes Gewebe
  • Regionalanästhesie (Leitungsanästhesie): Blockade eines ganzen Nerven, zum Beispiel im Kiefer oder an der Hand

Wann führt man eine Lokalanästhesie durch?

Eine lokale Betäubung ist bei Schmerzen in einem umschriebenen Bereich, zum Beispiel nach einer Verletzung, oder vor bestimmten Operationen notwendig. Gerade bei kleinen Eingriffen reicht eine Lokalanästhesie oft aus, eine Vollnarkose ist dann nicht nötig. Mögliche Gründe für eine örtliche Betäubung sind:

  • Verletzungen an den Extremitäten
  • Schmerzausschaltung im Rachen beim Legen einer Magensonde oder eines Beatmungsschlauchs im wachen Zustand
  • kleine chirurgische Eingriffe, zum Beispiel das Nähen von Wunden
  • zahnärztliche Eingriffe
  • chronische Schmerzen, zum Beispiel im Rücken oder in Muskeln
  • Vorbereitung einer Blutabnahme bei Kindern mithilfe eines schmerzstillenden Pflasters

Bei manchen Operationen, zum Beispiel grösseren Eingriffen am Knie, wird eine Lokalanästhesie zusätzlich zur Vollnarkose eingesetzt. Die Patienten haben dadurch weniger Schmerzen nach der Operation, was auch den Medikamentenverbrauch senkt. Zu diesem Zweck kommen oftmals sogenannte Schmerzkatheter zum Einsatz. Dabei verbleibt für einen bestimmten Zeitraum ein kleiner Schlauch an den schmerzleitenden Nerven, über den bei Bedarf weiter Lokalanästhetika gespritzt werden können.

Was macht man bei einer Lokalanästhesie?

Grundsätzlich unterbricht man bei einer Lokalanästhesie mit Hilfe spezieller Medikamente die Signalweiterleitung an den Nerven. Schmerzreize, aber auch Signale für Druck oder Temperatur werden von der betäubten Stelle nicht mehr zum Gehirn übermittelt. Somit kann der Patient diese Reize in der betreffenden Körperregion nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Die eingesetzten Medikamente (Lokalanästhetika) gelangen nicht in den Blutkreislauf, sondern wirken nur dort, wo man sie aufträgt beziehungsweise spritzt. Deshalb spricht man von einer örtlichen Betäubung. Das genaue Vorgehen hängt von der Art der Lokalanästhesie ab.

Oberflächenanästhesie

Bei der Oberflächenanästhesie trägt man das betäubende Medikament direkt auf die Haut oder Schleimhaut auf. Zum Einsatz kommen Sprays, Salben und Lösungen. Die Mittel ziehen in die Haut bzw. Schleimhaut ein und blockieren dort in einem relativ kleinen Bereich die Nerven.

Infiltrationsanästhesie

Im Gegensatz zur Oberflächenanästhesie spritzt man im Rahmen der Infiltrationsanästhesie die Lokalanästhetika in das Gewebe ein, wo sie sich um die Nerven verteilen. Keinesfalls darf man ein Medikament direkt in eine Nerv spritzen, weil dieser dadurch Schaden nehmen kann.

Regionalanästhesie

Bei der Regionalanästhesie (Leitungsanästhesie) blockiert man einen oder mehrere Nerven komplett. Je nachdem, auf welcher Höhe des Nervs dies geschieht, kann man mit Hilfe der Regionalanästhesie auch grössere Körperbereiche betäuben. Beispielsweise spritzt man im Bereich der Leiste Lokalanästhetika, um die Schmerzempfindung am Bein auszuschalten. Zur Regionalanästhesie zählt man ausserdem auch die sogenannten rückenmarksnahen Verfahren, also die Periduralanästhesie und die Spinalanästhesie.

Welche Risiken birgt eine Lokalanästhesie?

Grundsätzlich ist eine Lokalanästhesie mit deutlich weniger Risiken verbunden als eine Vollnarkose, da die eingesetzten Medikamente nur innerhalb eines umschriebenen Bereichs wirken und nicht im gesamten Körper. Es kann aber vorkommen, dass grössere Mengen der Wirkstoffe in den Blutkreislauf gelangen und dann einen systemischen Effekt haben.

Dies geschieht zum Beispiel, wenn das Lokalanästhetikum versehentlich in ein Blutgefäss gespritzt wird oder in eine Region, die besonders stark durchblutet ist. Mögliche Komplikationen sind dann Krampfanfälle und/oder schwere Herzrhythmusstörungen, die auch eine künstliche Beatmung erforderlich machen können.

Auch allergische Reaktionen auf ein Lokalanästhetikum sind möglich, wenn auch selten. Diese äussern sich zum Beispiel in Juckreiz und Hautrötungen, in schweren Fällen auch in Atemnot und Kreislaufversagen. Des Weiteren kann sich die Einstichstelle nach dem Einspritzen des Medikaments entzünden, wenn Keime hineingelangen.

Was muss ich bei einer Lokalanästhesie beachten?

Sollten Ihre Schmerzen trotz einer Lokalanästhesie bestehen bleiben oder stärker werden, kann der Arzt möglicherweise ein anderes Verfahren zur Schmerzstillung anwenden. Wenn Sie zu Beginn der örtlichen Betäubung einen metallischen Geschmack wahrnehmen oder Ihnen schwindelig ist, müssen Sie dies umgehend Ihrem Arzt mitteilen, da dies auf eine Vergiftung durch das zur Lokalanästhesie verwendete Medikament hinweist.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Larsen, R.: Anästhesie, Urban & Fischer Verlag, 11. Auflage, 2018
  • Tonner, P. H. & Hein, L.: Pharmakotherapie in der Anästhesie und Intensivmedizin, Springer Verlag, 1. Auflage, 2011
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