Syphilis

Von , Studentin der Humanmedizin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Syphilis ist eine Infektionskrankheit. Auslöser ist ein Bakterium, das vor allem beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird. Typische erste Symptome sind Geschwüre an den Geschlechts-Organen und Lymphknoten-Schwellungen. Im weiteren Verlauf können die Bakterien schwere Organschäden verursachen und sogar zum Tode führen. Lesen Sie alles Wichtige über Symptome, Ansteckungswege, Behandlung und Heilungschancen der Syphilis!

syphilis Kondom

Kurzübersicht

  • Symptome: Abhängig vom Stadium; kleines Geschwür an der Eintrittspforte (meist Intim-Bereich), geschwollene Lymphknoten, Hautausschlag, Fieber, Mattigkeit, neurologische Symptome bei Neurosyphilis.
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Je nach Stadium; gute Prognose bei frühzeitiger Behandlung, in manchen Fällen spontane Ausheilung, bestehende Spätfolgen meist unumkehrbar, tödlicher Verlauf möglich
  • Untersuchungen und Diagnose: Anamnese, klinische Befunde, direkter und indirekter Erreger-Nachweis durch verschiedene Labor-Untersuchungen, ggf. weitere Diagnose-Verfahren zum Nachweis von Folgeschäden
  • Behandlung: Antibiotika-Therapie, wenn möglich mit Penicillin, alternativ Doxycyclin, Ceftriaxon, ggf. Therapie von Begleit-Symptomen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Bakterielle Infektion mit Treponema pallidum;Übertragungsrisiko bei ungeschützten Sexual-Kontakten oder Kontakt zu infektiösem Blut, gemeinsame Benutzung von Spritzen bei Drogen-Abhängigen
  • Vorbeugung: Kondome bei Sexual-Kontakten, Lues-Test zur Vorsorge in der Schwangerschaft

Was ist Syphilis?

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektion (STI, oder englisch sexually transmitted Disease (STD), Geschlechtskrankheit). Auslöser der Erkrankung sind Bakterien (Treponema pallidum). Syphilis, auch Lues oder harter Schanker genannt, ist weltweit verbreitet.

Unter den Infizierten ist vor allem der Anteil an Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, mit mehr als 90 Prozent sehr hoch. Bei etwa der Hälfte dieser Betroffenen liegt zugleich auch eine HIV-Infektion vor. Syphilis begünstigt eine Infektion mit dem HI-Virus.

Bei Frauen kommt Syphilis in der Altersgruppe von 25 bis 29 Jahren gehäuft vor, während die Infektion bei Männern im Alter von 30 bis 39 Jahren öfter festgestellt wird.

Neben dem sexuellen Übertragungsweg ist es auch möglich, dass eine infizierte Schwangere ihr Kind während der Schwangerschaft mit dem Syphilis-Erreger ansteckt (konnatale Syphilis).

Was sind die Symptome bei Syphilis?

Eine Infektion mit Syphilis verläuft bei etwa der Hälfte aller Patienten "asymptomatisch". Das heisst, die Infizierten entwickeln keine Beschwerden. Bei der anderen Hälfte der Infizierten treten Syphilis-Symptome auf. Diese sind mitunter sehr unterschiedlich und von Patient zu Patient verschieden.

Syphilis-Symptome bei Mann und Frau

Grundsätzlich gilt, dass Syphilis-Symptome Frau und Mann gleichermassen betreffen. Es variiert nur die Stelle, an der sich das erste Anzeichen der Infektion ausbildet: ein schmerzloses, Flüssigkeit absonderndes Geschwür. Der kleine Defekt in der Haut oder Schleimhaut entsteht an der Eintrittsstelle des Syphilis-Erregers.

Diese liegt bei Männern meist am Penis (bevorzugt an der Eichel) und bei Frauen sehr oft an den Schamlippen. Je nach Sexual-Praktik bildet sich das Geschwür jedoch auch im Mund oder am After beziehungsweise auf der Darm-Schleimhaut.

Ein weiterer möglicher Unterschied betrifft den Haarausfall, der mitunter in späteren Krankheitsstadien auftritt. Es gibt Hinweise, dass er bei Männern häufiger vorkommt als bei Frauen.

Davon abgesehen, verläuft Syphilis bei beiden Geschlechtern im Allgemeinen in vier Stadien. Die ersten beiden Stadien werden auch Früh-Syphilis genannt, die letzten beiden Spät-Syphilis. Der Zeitabstand zwischen den einzelnen Stadien sowie deren Ausprägung sind von Patient zu Patient ganz unterschiedlich.

Mitunter machen sich die einzelnen Syphilis-Stadien aber auch kaum bemerkbar oder fehlen sogar ganz.

Syphilis-Symptome im 1. Stadium (Früh-Syphilis Primär-Stadium)

Das erste Syphilis-Anzeichen zeigt sich im Schnitt drei Wochen nach der Infektion: An der Eintrittsstelle des Erregers (Penis, Schamlippen, Scheide oder Mund) bildet sich ein kleines, derbes, hirsekorn-grosses Knötchen. Daraus entsteht nach einiger Zeit ein Geschwür.

Es wird "Ulcus durum" oder "Primär-Affekt" genannt. Das Syphilis-Geschwür an Penis oder im Intimbereich der Frau verursacht keine oder kaum Schmerzen.

Bei Menschen, die sich über Oralverkehr mit Syphilis anstecken, entwickelt sich das Geschwür oft an den Lippen, in der Mundhöhle oder im Rachen. Bei einer Infektion über Analverkehr bildet es sich am After oder im Enddarm. Diese Syphilis-Geschwüre ausserhalb der Genital-Region sind mitunter schmerzhaft.

Anfangs ist das Knötchen ein kleiner, rötlicher Fleck. Innerhalb von ein bis zwei Wochen entwickelt sich daraus ein scharf begrenztes, flaches Geschwür. Es ist gelblich belegt und hat einen derben Rand-Wall. Oft sondert es eine farblose Flüssigkeit ab, die sehr viele Syphilis-Erreger enthält. Sie ist also hoch infektiös.

Im Verlauf der folgenden Wochen schwellen die Lymphknoten in der Umgebung des Geschwürs an. Sie schmerzen nicht und fühlen sich hart an.

Das Geschwür an der Eintrittsstelle des Syphilis-Erregers heilt innerhalb von vier bis sechs Wochen von allein wieder ab. Die Lymphknoten-Schwellung besteht teilweise monatelang. Ohne Behandlung geht das erste Syphilis-Stadium (Primär-Stadium) meist in das nächste Stadium über.

Syphilis-Symptome im 2. Stadium (Früh-Syphilis, Sekundär-Stadium)

Etwa vier bis zehn Wochen nach der Infektion tritt möglicherweise das zweite Syphilis-Stadium (Sekundärstadium) auf. Das passiert, wenn sich der Erreger über die Blut- und Lymph-Bahnen im Körper ausbreitet.

Anfängliche Syphilis-Symptome in diesem Stadium sind grippeartige Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenk-Schmerzen. Es entwickeln sich zusätzliche harte Lymphknoten-Schwellungen.

Im weiteren Verlauf bildet sich ein Haut-Ausschlag, der von Fall zu Fall variabel ausfällt: Zuerst zeigen sich rötliche, nicht juckende Flecken, besonders am Rumpf. Nach einigen Tagen entstehen aus den Flecken derbe Knötchen, die ähnlich wie die Geschwüre zu nässen beginnen. Auch hier ist die austretende Flüssigkeit hoch ansteckend.

Manchmal verschwinden nach dem Abheilen der Haut-Erscheinungen die Farb-Pigmente der Haut (Depigmentierung). Zurück bleibt das blasse "Halsband der Venus".

Mögliche Syphilis-Symptome in diesem zweiten Stadium sind auch Schleimhaut-Veränderungen in der Mundhöhle: Es bilden sich verschiedenste Plaques (rote, gefurchte, weissliche oder andere). Zusätzlich sind mitunter die Mandeln angeschwollen.

In der After-Region entstehen manchmal flache, gelappte Gewebswucherungen.

Bei vielen Patienten beginnen die Haare stellenweise auszufallen. Mediziner bezeichnen dies als Alopecia syphilitica.

Obwohl sich die Syphilis im zweiten Stadium bevorzugt im Bereich der Haut und Schleimhäute bemerkbar macht, sind alle Organsysteme von der Krankheit betroffen! Das äussert sich zum Beispiel in Blutarmut (Anämie), Leber-Schwellung und Kopfschmerzen.

Die Syphilis-Symptome des zweiten Stadiums (Sekundär-Stadium) klingen manchmal nach einigen Wochen ab, ohne Spuren (wie Narben) zu hinterlassen. Es ist aber möglich, dass sie mehrfach wiederkehren (Rezidiv = Wiederauftreten, Rückfall). Die Beschwerden sind jedes Mal weniger ausgeprägt.

Ruhephase (Latenz)

Nach dem zweiten Syphilis-Stadium kommt die Krankheit in manchen Fällen zu einem längeren Stillstand. Dieser dauert bis zu zehn Jahre an, im Schnitt sind es jedoch drei bis vier Jahre. In dieser Zeit treten gar keine Syphilis-Symptome auf.

Der Erreger befindet sich aber nach wie vor im Körper: Es besteht also weiter Ansteckungsgefahr. Irgendwann bricht die Syphilis erneut aus – nun als sogenannte Spät-Syphilis (drittes und viertes Stadium).

Syphilis-Symptome im 3. Stadium (Spät-Syphilis, Sekundär-Stadium)

Das dritte oder Tertiär-Stadium ist durch Syphilis-Symptome gekennzeichnet, die neben Haut und Schleimhäuten meist auch innere Organe (wie Skelett, Nervensystem oder Augen) betreffen. Überall im Körper entstehen jetzt sogenannten Gummen.

Das sind langsam wachsende Knoten, die aufbrechen und ein oder mehrere Geschwüre bilden. Das Gewebe im Geschwür stirbt meist ab (Nekrose).

Der Name "Gummen" rührt daher, dass die Gewebe-Knoten ein dünnes, fadenziehendes (gummiartiges) und entzündliches Sekret enthalten.

Gefährlich wird es, wenn die Syphilis die Wand der Hauptschlagader (Aorta) schädigt. Mediziner sprechen hier von "Mesaortitis luica". Es besteht die Gefahr einer Wand-Aussackung (Aneurysma) im Blutgefäss. Die Aorten-Wand ist in der Folge sehr dünn und kann leicht platzen. Dann besteht Lebensgefahr durch Verbluten.

Syphilis-Symptome im 4. Stadium (Spät-Syphilis, Tertiär-Stadium)

Bleibt die Syphilis unbehandelt, entwickeln sich etwa zehn bis zwanzig Jahren nach der Infektion Entzündungen im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Dann spricht man von Neuro-Lues oder Neuro-Syphilis. Die auftretenden Syphilis-Symptome hängen davon ab, welcher Teil von Gehirn und/oder Rückenmark betroffen ist.

So fallen bei einem Befall des Rückenmarks Reflexe aus und die Bewegungskoordination ist gestört. Auch Missempfindungen (wie Hautkribbeln), stechende Schmerzen in Unterbauch und Beine sowie Impotenz sind möglich. Viele Patienten verlieren zudem die Kontrolle über Blase und Darm.

Manche Syphilis-Patienten entwickeln eine Hirnhaut-Entzündung mit einer Schädigung der Hirnnerven. Das nennen Mediziner eine "syphilitische Meningitis". Mögliche Folgen sind zum Beispiel Taubheit, Schwindel, Lähmungen der Augenmuskeln und Sehstörungen.

Befallen die Syphilis-Erreger das Gehirn, resultiert eine chronisch fortschreitende Gehirnentzündung (Enzephalitis). Sie wird als Progressive Paralyse bezeichnet und löst vielfältige Symptome aus. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnis-Störungen
  • Demenz
  • Lähmungen
  • Epileptische Anfälle
  • Wahnvorstellungen
  • Depressionen

Ohne Behandlung führt die Progressive Paralyse innerhalb von vier bis fünf Jahren zum Tod.

Angeborene Syphilis: Symptome

Viele Kinder, die sich im Mutterleib mit Syphilis anstecken, sterben noch während der Schwangerschaft (Fehlgeburt, Totgeburt) oder kurz nach der Geburt. Andere kommen vorzeitig auf die Welt (Frühgeburt).

Infizierte Neugeborene sind anfangs oft unauffällig. Nur selten treten schon direkt nach der Geburt Syphilis-Symptome auf wie Atemprobleme (Atemnot-Syndrom des Neugeborenen), Gewebs-Schwellungen (Ödeme), eine vergrösserte Leber und Milz, Gelbsucht, Blutarmut (Anämie) und Hauterscheinungen.

Viele der kleinen Patienten zeigen erst ab der dritten bis zehnten Lebenswoche Anzeichen der Syphilis. Dazu zählen unter anderem:

  • Fieber und geschwollene Lymphknoten
  • Variable Hautveränderungen (meist an Hand-Innenflächen und Fuss-Sohlen) und Schleimhaut-Geschwüre
  • Breitbasige, warzenförmige Haut-Erhebungen (Condylomata lata), vor allem in den Hautfalten (After- und Genital-Region, Achselhöhlen etc.)
  • Gewebs-Schwellungen (Ödeme)
  • Vergrösserung der Leber
  • Vergrösserung der Milz
  • Gelbsucht
  • Blässe
  • Punktförmige Hautblutungen (Petechien)
  • Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis, "Schnupfen")
  • Darm-Entzündung (Enteritis)
  • Kehlkopf-Entzündung (Laryngitis)
  • Nachlassendes Trinken an Brust oder Flasche

Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) infolge der angeborenen Syphilis (Syphilis connata oder Lues connata) macht sich meist zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat bemerkbar. Anzeichen für einen Befall des zentralen Nervensystems sind zum Beispiel:

  • Trink-Verweigerung
  • Schreien oder Wimmern
  • Atem-Störung
  • Krampfanfälle
  • "Wasserkopf" (Hydrocephalus).

All diese Syphilis-Symptome bei Neugeborenen und Säuglingen werden unter dem Begriff "Lues connata präcox" zusammengefasst. Ohne Behandlung geht die Erkrankung nach dem zweiten Lebensjahr früher oder später in die nächste Krankheitsphase über ("Lues connata tarda"):

Es treten nun Syphilis-Anzeichen an verschiedenen Organen auf. Einige Beispiele:

  • "Sattelnase" sowie Veränderungen an Gaumen, Stirn und Schienbeinen, Schwellungen an den Kniegelenken
  • Hornhaut-Entzündung der Augen (mit Lichtscheu, Augen-Schmerzen und Seh-Problemen bis hin zur Erblindung)
  • Schwerhörigkeit oder Taubheit
  • Fehlbildungen der Zähne ("Tonnenzähne")
  • kleine Risse in Haut und Schleimhaut (Rhagaden), etwa eingerissene Mundwinkel
  • Krampfanfälle, Ausfall von Hirnnerven etc. bei Befall des Nervensystems

In dieser Phase sind die Syphilis-Patienten nicht mehr ansteckend.

Wie verläuft Syphilis im Endstadium und ist sie heilbar?

Antibiotika sind sehr wirksam bei Syphilis: Heilbar sind die ersten beiden Krankheitsstadien dank dieser Medikamente zu fast 100 Prozent. Auch die Spät-Syphilis (Sekundär-Stadium) heilt durch eine Penicillin-Therapie in den meisten Fällen aus.

Ohne Behandlung der Syphilis kommt es bei etwa jedem dritten Patienten in frühen Stadien zu einer spontanen Ausheilung. Bei den anderen schreitet die Erkrankung fort und wird chronisch.

Im Endstadium ist die Prognose der Syphilis aufgrund der Folgeschäden ungewiss. Bereits vorhandene Organschäden lassen sich im Allgemeinen nicht rückgängig machen. Ungefähr jeder zehnte Patient stirbt an einer nicht behandelten Syphilis.

Bei HIV-Patienten verläuft eine Syphilis oft untypisch und schwerer als bei HIV-negativen Patienten. Ausserdem entwickelt sich bei ihnen häufiger eine Neuro-Syphilis.

Diagnose von Syphilis: Gibt es einen Syphilis-Test?

Bei Verdacht auf Syphilis erhebt der Arzt zuerst die Kranken-Geschichte des Patienten (Anamnese). Er lässt sich unter anderem die auftretenden Symptome genau schildern, fragt wie lange sie schon bestehen und ob irgendwelche Vor- oder Grund-Erkrankungen vorliegen (wie eine HIV-Infektion).

Ausserdem erkundigt sich der Arzt nach dem Sexual-Leben des Patienten. Es ist wichtig, diese Fragen offen zu beantworten – der Arzt braucht die Informationen, um möglichst schnell die richtige Diagnose zu stellen.

Im nächsten Schritt versucht der Arzt, den Syphilis-Erreger direkt oder indirekt nachzuweisen:

Im Früh-Stadium lassen sich die Bakterien in grosser Zahl im flüssigenSekret der Haut-Geschwüre auffinden. Dazu wendet der Arzt eine spezielle Mikroskopier-Technik an (Dunkelfeld-Mikroskopie).

Spezifische Antikörper im Blut lassen sich aufspüren, nachdem der Erreger in die Blut-Bahn übergetreten ist. Für diesen Suchtest kommen verschiedene Testverfahren zum Einsatz, zum Beispiel der Treponema-pallidum-Hämagglutinationstest (TPHA).

Dieser Syphilis-Test zeigt zwei bis drei Wochen nach der Infektion ein positives Ergebnis, das in der Regel ein Leben lang anhält. Dann hat der Patient sehr wahrscheinlich tatsächlich Syphilis.

Auch Syphilis-Schnelltests eignen sich als Suchtest auf spezifische Antikörper gegen den Erreger.

Das Ergebnis von Suchtests ist aber nicht zu hundert Prozent sicher. Selbst wenn es positiv ausfällt, ist deshalb ein Bestätigungstest mit einem anderen Verfahren nötig (etwa ein Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptionstest, FTA-ABS-Test).

Steht die Diagnose "Syphilis" fest, gilt es herauszufinden, ob es sich um eine alte oder um eine aktive, behandlungsbedürftige Infektion handelt. Dazu eignet sich der VDRL-Test (Veneral-Disease-Research-Laboratory-Test). Er weist Antikörper nach, die das Immunsystem bei Syphilis, aber auch bei anderen Erkrankungen wie Malaria oder HIV bildet.

Ein positives Testergebnis ist damit allgemein ein Hinweis auf Gewebe-Zerstörung und Entzündungs-Prozesse. Bei bestätigter Syphilis sagt der Test etwas über die Aktivität der Krankheit aus.

Eine Syphilis-Infektion wird mitunter nach langer symptomfreier Ruhephase (Latenzphase) wieder erneut aktiv und verursacht Beschwerden (Reaktivierung). Es besteht ausserdem die Möglichkeit, sich nach einer erfolgreich abgeheilten Infektion erneut mit Syphilis anzustecken (Reinfektion). Die Antikörper-Bestimmung macht keine Aussage darüber, ob es sich um eine Reaktivierung oder eine Reinfektion handelt.

Bei Verdacht auf eine Neuro-Syphilis rät der Arzt auch zu einer Probe der Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor-Punktion). Sie wird im Labor auf spezifische Antikörper gegen Lues-Bakterien untersucht.

Oft führt der Arzt noch weitere Untersuchungen durch. Sie dienen unter anderem dazu, Begleit-Erkrankungen auszuschliessen. Beispielsweise sind manche Syphilis-Patienten gleichzeitig mit anderen Geschlechts-Krankheiten wie HIV, Hepatitis B oder Chlamydien infiziert.

Syphilis ist meldepflichtig

Ärzte melden jeden Nachweis des Syphilis-Erregers an das zuständige Gesundheitsamt. Das gilt sowohl für den direkten Nachweis (Abstrich von Haut-Geschwüren) als auch den indirekten Nachweis (spezifische Antikörper gegen Syphilis-Bakterien). Die Meldung beim Gesundheitsamt erfolgt anonym.

Welche Therapie hilft bei Syphilis?

Die Syphilis-Therapie erfolgt häufig oft ambulant. Manchmal ist aber auch eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nötig. Das gilt vor allem bei Neuro-Lues (Neuro-Syphilis) sowie angeborener Syphilis.

Syphilis wird normalerweise mit Penicillin (Benzathin-Benzylpenicillin) behandelt. Der Erreger reagiert sehr empfindlich auf dieses Antibiotikum und bislang sind keine Resistenzen dagegen bekannt. Die Dauer und Dosierung der Antibiotika-Behandlung hängen vom Krankheits-Stadium ab:

Bei einer Früh-Syphilis spritzt der Arzt den Patienten meist eine Einmal-Dosis Penicillin. Wer den Wirkstoff nicht verträgt, erhält ein anderes Antibiotikum, zum Beispiel Tabletten mit Doxycyclin oder Erythromycin, täglich über zwei Wochen. Eine weitere Alternative ist das Antibiotikum Ceftriaxon als Kurz-Infusion,einmal täglich über zehn Tage.

Die Therapie der Spät-Syphilis (ausser Neuro-Syphilis) erfolgt auch mit Penicillin, in Form von drei Injektionen jeweils im Abstand von mehreren Tagen. Alternative Antibiotika, etwa bei Allergien, sind Doxycyclin, Erythromycin, Ceftriaxon. Die Behandlungs-Dauer ist länger als bei einer Früh-Syphilis, etwa 28 Tage bei Doxycyclin-Tabletten.

Für die Behandlung der Neuro-Syphilis ist eine hochdosierte Antibiotika-Gabe und eine stationäre Behandlung nötig. Die Patienten erhalten meist zwei Wochen lang täglich hoch dosiertes Penicillin direkt in eine Vene. Bei Penicillin-Unverträglichkeit kommt Ceftriaxon (als Infusion) oder Doxycyclin (in Tablettenform) zum Einsatz.

Zusätzlich erfolgt die Behandlung weiterer Symptome der Neurosyphilis, etwa krampflösende Mittel bei epileptischen Anfällen (Antiepileptika).

Bei manchen Patienten lässt sich zwar nachweisen, dass der Syphilis-Erreger das zentrale Nervensystem befallen hat, es treten aber keine Symptome auf. Diese asymptomatische Neuro-Syphilis wird aber ebenso behandelt wie eine, die Beschwerden verursacht.

Nebenwirkung der Therapie

Ab dem zweiten Syphilis-Stadium erhalten Patienten vor der ersten Antibiotikagabe einmalig ein Kortison-Präparat. Ab diesem Krankheits-Stadium ist die Zahl der Syphilis-Erreger im Körper nämlich so hoch, dass die Antibiotika-Therapie manchmal die sogenannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion auslöst:

Einige Stunden nach der Antibiotika-Gabe zerfallen in kurzer Zeit grosse Mengen an Syphilis-Bakterien. Auf die dabei freiwerdenden Bakterien-Giftstoffe (Toxine) reagiert der Körper mitunter heftig. Es treten Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen auf. Haut-Ausschläge bilden sich neu oder verschlimmern sich mitunter.

Diese Jarisch-Herxheimer-Reaktion tritt nur bei der ersten Penicillin-Gabe auf. Sie lässt sich verhindern, wenn eine halbe oder ganze Stunde vor dem Antibiotikum ein Kortison-Präparat gegeben wird.

Regelmässige Kontroll-Untersuchungen

Der Erfolg der Syphilis-Behandlung wird in mehreren Nachuntersuchungen kontrolliert. In bestimmten Zeitabständen (alle paar Monate) untersucht Arzt das Blut des Patienten auf Art und Menge der Antikörper gegen den Syphilis-Erreger. Bei einer Neuro-Syphilis untersucht er auch die Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor).

Wie oft und in welchen Zeitabständen Kontroll-Untersuchungen im Einzelfall ratsam sind, erfahren Patienten von ihrem Arzt.

Partner mitbehandeln

Bis zum dritten Krankheitsstadium sind Syphilis-Patienten für andere Menschen ansteckend, besonders beim Geschlechtsverkehr. Bei Patienten im ersten Syphilis-Stadium ist daher es wichtig, dass alle Sexual-Partner der vorausgegangenen drei Monate beraten, untersucht und – wenn nötig – mit Antibiotika behandelt werden.

Diese Empfehlung gilt auch bei einer Syphilis im zweiten Stadium oder in der frühen Ruhephase (Latenz-Phase). Dann ist es jedoch ratsam, alle Sexual-Partner der vergangenen zwei Jahre in die Beratung und gegebenenfalls Behandlung miteinzubeziehen.

Syphilis-Therapie bei Schwangeren

Während einer Schwangerschaft ist die Behandlung der Syphilis mit Penicillin in allen Krankheits-Stadien erforderlich.

Hat die Schwangere eine Penicillin-Allergie, empfehlen Mediziner eine spezifische Immun-Therapie (Hypo-Sensibilisierung): Die Patientin erhält schrittweise steigende Penicillin-Mengen, beginnend mit einer sehr kleinen Dosis. So soll sich ihr überempfindliches Immunsystem langsam daran gewöhnen.

Viele andere Antibiotika zur Syphilis-Behandlung sind in der Schwangerschaft ungeeignet. Manche gefährden das Ungeborene (wie Doxycyclin). Bei anderen (wie Erythromycin-Estolat) besteht das Risiko die Leber zu schädigen und eine Gestose ("Schwangerschafts-Vergiftung") auszulösen.

In Ausnahmefällen ist eine Behandlung der Syphilis in der Schwangerschaft mit dem Antibiotikum Ceftriaxon möglich.

Therapie der angeborenen Syphilis

Neugeborene, die mit Syphilis zur Welt kommen, erhalten zwei Wochen lang Penicillin direkt in eine Vene. Ist das Baby zusätzlich mit HIV infiziert, wird das Antibiotikum eventuell noch länger verabreicht.

Was ist die Ursache von Syphilis und wie erfolgt die Ansteckung?

Auslöser der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum. Es wird vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr von einer infizierten Person auf eine andere übertragen. Auch durch Oral- und Analverkehr ist eine Syphilis-Ansteckung möglich. Besonders gefährdet sind Menschen mit häufig wechselnden Sexual-Partnern.

Eine Übertragung des Syphilis-Bakteriums ist auch durch blosses Küssen möglich. Das passiert etwa dann, wenn die infizierte Person ein kleines Bläschen/Geschwür in der Mundhöhle hat und der Partner eine winzige Verletzung in der Schleimhaut.

Theoretisch möglich ist auch eine Syphilis-Übertragung durch verunreinigte Blut-Konserven bei einer Bluttransfusion. In der Schweiz werden aber alle Blut-Konserven einem Syphilis-Test unterzogen, bevor sie einem Patienten verabreicht werden. Hierzulande droht auf diesem Wege als keine Ansteckungsgefahr.

Bei Drogen-Abhängigen besteht noch eine weitere Ansteckungs-Möglichkeit: Sie stecken sich mit Syphilis an, wenn sie sich mit Infizierten das Spritzbesteck (wie Nadeln) teilen und so in direkten Kontakt mit infiziertem Blut kommen.

Es gibt auch eine angeborene Form der Syphilis (Syphilis connata oder konnatale Syphilis): Schwangere, die mit Syphilis infiziert sind, übertragen den Erreger ab dem fünften Schwangerschaftsmonat auf das Ungeborene. Besonders hoch ist das Risiko in frühen Krankheits-Stadien. Infiziert sich die Frau sogar erst während der Schwangerschaft, geht der Erreger fast immer auf das Ungeborene über.

Syphilis und HIV treten oft zusammen auf. Das liegt etwa daran, dass die Haut-Geschwüre in frühen Syphilis-Stadien leichte Eintrittspforten für den Aids-Erreger sind. Beide Erkrankungen können sich in ihrem Verlauf gegenseitig negativ beeinflussen.

Eine Übertragung der Syphilis durch die gemeinsame Benutzung einer Toilette ist extrem unwahrscheinlich.

Inkubationszeit

Unter der Inkubationszeit versteht man den zeitlichen Abstand zwischen der Ansteckung mit einem Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome. Bei Syphilis beträgt diese Zeitspanne zwischen zehn und 90 Tagen. Im Schnitt bricht die Erkrankung innerhalb von zwei bis drei Wochen aus.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit

Patienten im ersten Stadium sind hoch ansteckend. Etwas geringer ist das Ansteckungsrisiko im zweiten Syphilis-Stadium. Ab dem dritten Krankheits-Stadium besteht keine Gefahr mehr, dass Patienten andere Menschen mit dem Syphilis-Erreger infizieren.

Wie lässt sich Syphilis vorbeugen?

Syphilis lässt sich vor allem durch Safer Sex vorbeugen: Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr immer Kondome. Bei Oral-Verkehr sind zum Schutz vor Syphilis und anderen Geschlechts-Krankheiten Leck-Tücher empfehlenswert.

Solche Schutzmassnahmen sind besonders wichtig, wenn jemand häufiger den Sexual-Partner wechselt. Sie senken das Risiko für Syphilis deutlich, schalten es aber nicht völlig aus. Eine Übertragung des Syphilis-Erregers ist auch durch Küssen oder Berührungen möglich.

Vorsicht geboten ist zudem bei Materialien (wie Spritzen, Handtücher, Verbandsmaterial), die mit dem Blut oder infektiösen Haut-Ausschlag von Syphilis-Patienten in frühen Stadien in Kontakt waren. Bei normalen sozialen Kontakten sind keine Vorsichtsmassnahmen (Desinfektion oder ähnliches) nötig.

Im Rahmen der Schwangerschafts-Vorsorge untersucht der Arzt das Blut der werdenden Mutter unter anderem auf Syphilis. Fällt der Test positiv aus, ist eine Behandlung der Schwangeren mit Penicillin erforderlich. Das Antibiotikum gelangt auch zum Kind und verhindert, beziehungsweise bekämpft dessen Infektion.

Auch das Blut von Blut-Spendern wird einem Syphilis-Test unterzogen, um eine Übertragung durch Blut-Transfusionen zu vermeiden.

Eine Impfung zum Schutz vor Syphilis steht nicht zur Verfügung.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Silke Stachowitz
Autoren:
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
A50A51A52
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
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