Schwerhörigkeit

Von , Medizinredakteurin
Aktualisiert am
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Eine Schwerhörigkeit tritt meist erst in höherem Lebensalter auf. Aber auch in jungen Jahren schädigt unter anderem Lärm die Ohren. Ausserdem sind verschiedene Erkrankungen wie Infektionen oder Verletzungen Ursache für eine Minderung der Hörleistung. Lesen Sie hier mehr zum Thema Schwerhörigkeit.

Schwerhörigkeit tritt oft im Alter auf.

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Schwerhörigkeit (Hypakusis) ist eine Verminderung des Hörvermögens
  • Ursachen: In manchen Fällen angeboren, meist erworben durch Abnutzung mit dem Alter; ausserdem etwa durch Lärmschädigung, Unfall, Infektionen, Tumore, Schlaganfall und andere; Verstopfung des Gehörgangs
  • Wann zum Arzt?:Bei plötzlichem Hörverlust besonders mit Fieber-Begleitung unbedingt; auch bei schleichendem Hörverlust frühzeitig zum Arzt
  • Diagnostik: Verschiedene Hörtests, Test der Nerven-Weiterleitung und Signal-Verarbeitung im Hirn;
  • Behandlung: Je nach Ursache, Hörgerät zur Verbesserung des Hörvermögens; Medikamente (etwa gegen Infektionen); Reinigung des Ohrs; Operation (etwa bei Trommelfell-Riss); in manchen Fällen Logopädie
  • Vorbeugen: Lärm vermeiden; Gehörschutz bei Lärm tragen; auf Tabak und Alkohol verzichten; Ohren "eine Pause gönnen"; frühzeitig zum Arzt gehen; Impfungen gegen Infektionskrankheiten

Was ist Schwerhörigkeit?

Im Lauf des Lebens verschlechtern sich die Leistungen aller Sinne – auch das Hörvermögen nimmt ab. Die schleichende Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) ist ein ganz natürlicher Prozess, der bei fast jedem Menschen ab dem fünften Lebensjahrzehnt einsetzt. Beschleunigt wird eine Schwerhörigkeit (der Fachbegriff ist Hypakusis) durch Lärmbelastungen, Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, bestimmte Medikamente oder Gifte wie Nikotin.

Was für Formen oder Grade von Schwerhörigkeit gibt es?

Hörstörungen lassen sich grob in drei Bereiche einteilen: die Schall-Leitungs-, Schall-Empfindungs- und Schall-Wahrnehmungs-Schwerhörigkeit. Diese Hörstörungen kommen auch kombiniert vor.

Schall-Leitungs-Schwerhörigkeit: Bei diesen Hörstörungen gelangen Schallwellen vermindert oder überhaupt nicht mehr ins Innenohr. Die Ursache liegt in vielen Fällen im Gehörgang, beispielsweise wenn er verstopft oder fehlgebildet ist. Sie ist manchmal aber auch im Bereich des Mittelohrs lokalisiert, etwa bei einer Infektion.

Schall-Empfindungs- oder Innenohr-Schwerhörigkeit: Bei diesen Formen der Schwerhörigkeit geben das Trommelfell und die Kette der Gehörknöchelchen die Schallwellen zwar richtig weiter, aber die Signale werden im Anschluss nicht richtig weitergeleitet und verarbeitet. Es sind dann beispielsweise die feinen Haarzellen im Innenohr geschädigt, die den Schall normalerweise verstärken und in elektrische Signale umwandeln.

Bei dieser Form lassen sich je nach Ursache eine sensorische, eine neuraleoder eine sensorineurale Schwerhörigkeit unterscheiden. Bei der sensorischen Form liegt die Ursache bei den Sensoren im Innenohr, bei der neuralen Form im Bereich der Nerven und bei der sensorineuralen entsprechend in beiden Bereichen.

Schall-Wahrnehmungs-Schwerhörigkeit: Bei dieser Art der Hörstörung liegt die Ursache der Schwerhörigkeit im Gehirn. Dort werden eintreffende Hörsignale normalerweise identifiziert und bekommen eine Bedeutung. Bei einer Schall-Wahrnehmungs-Schwerhörigkeit leitet der Hörnerv die Signale zwar richtig weiter, sie werden im Gehirn aber fehlerhaft verarbeitet. Die Folge: Der Betroffene hört zwar die Töne, er nimmt sie aber nicht bewusst wahr. Das ist beispielsweise manchmal nach einem Schlaganfall der Fall.

Kombinierte Schwerhörigkeit: Hier treten zwei oder drei Arten von Hörstörungen gleichzeitig auf. Ein Beispiel ist das Explosionstrauma: War jemand einer extremen Lärmbelastung ausgesetzt, beispielsweise durch die Explosion eines Feuerwerkskörpers direkt neben dem Ohr, entsteht eine kombinierte Schall-Leitungs- und Schall-Empfindungs-Schwerhörigkeit. Durch den enormen Druck der Schallwelle reisst das Trommelfell. Ausserdem schädigt der laute Knall die Haarzellen im Innenohr.

Schwerhörigkeit als Schwerbehinderung

Eine Schwerhörigkeit ist je nach Schwere auch eine entsprechend anerkannte Schwerbehinderung. Der amtlich anerkannte Invaliditätsgrad richtet sich dabei nach dem prozentualen Hörverlust. Man unterscheidet:

  • geringgradige Schwerhörigkeit (Hörverlust zwischen 20 und 40 Prozent),
  • mittelgradige Schwerhörigkeit (Hörverlust zwischen 40 und 60 Prozent),
  • hochgradige Schwerhörigkeit (Hörverlust zwischen 60 und 80 Prozent),
  • an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit (Hörverlust zwischen 80 und 95 Prozent) und
  • Taubheit (Hörverlust 100 Prozent).

Was sind die Ursachen?

Ursachen einer Schall-Leitungs-Schwerhörigkeit

Bei diesen Formen der Schwerhörigkeit gelangen die Schallwellen nicht oder nur abgeschwächt ins Innenohr. Die Gründe dafür sind unter anderem:

  • Verstopfter Gehörgang, etwa durch Ohrenschmalz (Cerumen) oder Fremdkörper
  • Angeborene Fehlbildungen des Gehörgangs
  • Tumore im Gehörgang oder Mittelohr
  • Verletzungen
  • Knochen-Wucherungen (etwa bei Schwimmern verbreitet)
  • Störung der Belüftung und Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr (Paukenerguss)
  • Akute oder chronische Mittelohr-Entzündung
  • Entzündung der luftgefüllten Nebenräume im Mittelohr (Mastoiditis)
  • Otosklerose: Hier ist ein Gehörknöchelchen, der Steigbügel, mit dem Knochen verwachsen
  • Trommelfellperforation
  • Schädelbasisbruch
  • Fehlbildungen im Mittelohr
  • Fensterruptur (Einriss in eine oder zwei als "Fenster" bezeichneten Membranen im Mittelohr)

Ursachen einer Schall-Empfindungs- oder Innenohr-Schwerhörigkeit

Die Ursachen dieser Formen von Schwerhörigkeit sind krankhafte Veränderungen des Innenohrs oder des Hörnervs. In manchen Fällen leitet der Hörnerv die empfangenen Signale nicht richtig an das Gehirn weiter. Die wichtigsten Gründe sind:

  • Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis)
  • Lärmschaden
  • Hörsturz
  • Menière-Krankheit
  • Vergiftungen (toxische Innenohr-Schwerhörigkeit)
  • Schädel-Verletzungen (beispielsweise Gehirnerschütterung)
  • Fehlbildungen des Innenohrs (eventuell angeboren)
  • Tumore (wie etwa Akustikus-Neurinom, Vestibubaris-Schwannom)
  • Nerven-Verletzungen (etwa nach Schädel-Verletzungen)
  • Entzündungen (zum Beispiel Hirnhaut-Entzündungen)
  • Fehlbildungen oder fehlende Anlage des Hörnervs
  • Fehlfunktion an der Verbindung der Haarzelle mit dem Hörnerv (auditorische Neuropathie)

Ursachen einer Schall-Wahrnehmungs-Schwerhörigkeit

Bei diesen Formen der Schwerhörigkeit verarbeitet das Hirn die Signale aus dem Ohr nicht richtig. Mögliche Ursachen sind:

Auch einige Infektionskrankheiten wie etwa Masern, Mumps, Meningitis, Tuberkulose, Typhus oder auch Gürtelrose führen unter Umständen als Spätfolge zu Schwerhörigkeit oder Taubheit. Dabei ist es möglich, dass die Krankheitserreger auf der Ebene einer Innenohr-Schwerhörigkeit oder einer Schall-Wahrnehmungs-Schwerhörigkeit die entsprechenden Strukturen der Sinneswahrnehmung zerstören.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Tritt der Hörverlust plötzlich auf oder geht er mit Schmerzen oder Fieber einher, ist es ratsam, umgehend einen Arzt aufzusuchen. Auch wenn sich die Schwerhörigkeit schleichend entwickelt, lassen Sie Ihr Hörvermögen testen. Denn hält der Hörverlust länger an, verlernt das Gehirn die Verarbeitung der Signale auf den betroffenen Frequenzen. Dann helfen auch Hörgeräte nicht mehr. Ein erstes Anzeichen für einen Hörverlust ist es beispielsweise, wenn Sie in grösseren Gesprächsrunden Mühe haben, dem Gesagten zu folgen.

Was macht der Arzt?

Ihr erster Ansprechpartner ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO). Zunächst erfragt er die Krankengeschichte (Anamnese). Dazu gehört auch, was Sie beruflich und in Ihrer Freizeit machen. Anschliessend folgt eine komplette Hals-, Nasen- und Ohren-Untersuchung mit Ohren-Spiegelung (Otoskopie).

Grad und Art der Schwerhörigkeit lässt sich mithilfe verschiedener Hörtests feststellen. Dazu zählen:

  • Hörweiten-Prüfung: Der Arzt testet die Schall-Wahrnehmung beider Ohren, indem er aus verschiedenen Entfernungen nacheinander viersilbige Zahlenwörter wie "25" oder "88" flüstert.
  • Tonschwellen-Audiogramm: Über einen Kopfhörer spielt der Arzt Töne in verschiedenen Frequenzen ein — erst sehr leise, dann zunehmend lauter. Die Lautstärke, in der der Patient den Ton erstmals wahrnimmt, bezeichnet man als Hörschwelle.
  • Sprach-Audiometrie: Über einen Kopfhörer bekommt der Patient mehrsilbige Zahlen sowie einsilbige Testwörter vorgespielt, die er wiederholen muss.
  • Elektrocochleografie (ECochG): Das Verfahren setzt man bei einem schweren und plötzlichen Hörverlust ein, beispielsweise nach einem Hörsturz. Dabei misst man die Aktivität der Sinneszellen im Ohr.
  • Otoakustische Emissionen: Mit dieser Methode prüft der Arzt die Funktion des Innenohrs. Treffen Töne auf das Ohr, ziehen sich die Haarzellen zusammen. Die dabei entstehenden Geräusche nennt man otoakustische Emissionen. Sie lassen sich mit hochempfindlichen Mikrofonen einfangen.
  • Hirnstamm-Audiometrie (BERA): Sie wird eingesetzt, wenn man die Ursache der Schwerhörigkeit im Bereich des Hörnervs und der tieferen Hirnareale vermutet. Dazu spielt man dem Untersuchten über Kopfhörer einen Ton vor. Über Elektroden am Kopf lässt sich die anschliessende Reaktion des Gehirns in Form von elektrischen Strömen (akustisch evozierte Potenziale) feststellen.
  • Hirnrinden-Audiometrie: Diese Methode funktioniert ähnlich wie eine Hirnstamm-Audiometrie, nur bestimmt man hier die Aktivität der Hirnrinde. Bei beiden Methoden zieht man Rückschlüsse auf die Funktion des Hörnervs anhand der Intensität und Zeitverzögerung der Hirnreaktion.

Behandlung

Hörgeräte: Ist die Schwerhörigkeit alters- oder lärmbedingt, lässt sich das Hörvermögen nicht wiedergewinnen. In dem Fall ist es ratsam, möglichst schnell ein Hörgerät anzupassen, damit das Gehirn die Verarbeitung der Töne nicht verlernt. Infrage kommen Hinter-dem-Ohr-Geräte und Im-Ohr-Geräte. Wenn eine freie sprachliche Verständigung (zum Beispiel Telefonieren) trotz Hörgerät nicht mehr möglich ist, erwägt man idealerweise eine Innenohr-Prothese (Cochlea-Implantat).

Medikamente: Geht die Schwerhörigkeit auf eine Infektion des Hörorgans oder Hörnerven zurück, müssen die Erreger bekämpft werden. Für Bakterien und Viren stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Virostatika wirken gegen Viren. Am häufigsten kommt Aciclovir zum Einsatz — das Mittel der Wahl bei einer Herpes-Infektion des Innenohrs oder Hörnerven. Auch bei einer Infektion des Mittelohrs mit Grippeviren wendet man Aciclovir an.

Bei bakteriellen Infektionen (meist Mittelohr-Entzündungen) helfen vor allem Breitband-Antibiotika. Diese töten die häufigsten Erreger (Streptokokken, Staphylokokken, Haemophilus influenzae) zuverlässig ab, beziehungsweise sie hemmen das Wachstum der Krankheitskeime. Zu den geläufigsten Antibiotika für diesen Einsatzbereich zählen Penicillin V, Amoxicillin, Cefuroximaxetil und Clarithromycin.

Infusionen: Bei einem Hörsturz oder einem akustischen Trauma verabreicht man meist eine Infusion mit verschiedenen Medikamenten. So will man die Hörminderung mildern. Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist in Studien aber nur schlecht belegt. Durchblutungsfördernde Mittel beheben dabei theoretisch eine mögliche Minderdurchblutung im Innenohr.

Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören Hydroxyethylstärke (sechsprozentiges HAES) und Dextrane, aber auch Pentoxifyllin. Vor der ersten Dextran-Infusion verabreicht der Arzt meist ein spezielles Mittel (Hapten), um einer allergischen Reaktion auf den Wirkstoff vorzubeugen. Abschwellende Mittel setzt der Arzt bei einer Schwellung im Bereich des Innenohrs ein. Gängige Mittel sind Glukokortikoide wie Prednisolon.

Reinigung des Ohrs: Quillt Ohrenschmalz (Cerumen) beispielsweise nach dem Baden auf, ist es möglich, dass der Pfropf den Gehörgang fast schalldicht verschliesst. Ist der Gang mit Cerumen oder einem Fremdkörper verstopft, ist Absaugen das Mittel der Wahl. Ist dies nicht möglich, lässt sich das Cerumen mittels verschiedener Instrumente entfernen (Häkchen, Schlingen, Küretten oder Zängelchen).

Der HNO-Arzt entfernt die Talgmassen mitunter auch durch eine Spülung — aber nur bei intaktem Trommelfell. Zunächst zieht der Arzt die Ohrmuschel nach hinten, um den Gehörgang gerade zu stellen. Anschliessend spült er den Gehörgang vorsichtig mit körperwarmem Wasser aus. Besonders hartnäckige Pfropfen weicht er vorher mit glycerolhaltigen Ohrentropfen auf.

Logopädie: Liegt die Ursache für das Hörproblem im Gehirn, ist ein gezieltes Hör- und Sprach-Training notwendig. Unter Anleitung eines Therapeuten (Logopäde oder Sprachheilpädagoge) erlernt der Betroffene die Bedeutung von Tönen ganz neu. Die Prognose für eine vollständige Heilung ist leider eher schlecht — vor allem in fortgeschrittenem Alter oder wenn grosse Teile des Hörzentrums betroffen sind.

Operationen: Ein defektes Trommelfell lässt sich durch einen Chirurgen mit körpereigener Muskel- oder Knorpelhaut abdecken (Myringoplastik). Funktioniert der Steigbügel im Ohr nicht mehr richtig, lässt sich dieses Gehörknöchelchen durch eine Prothese aus Metall oder Plastik ersetzen (Steigbügelprothese).

Bei einer schweren Mittelohrentzündung ist es mitunter ein Schnitt ins Trommelfell nötig, damit der Eiter die Möglichkeit hat, abzufliessen (Parazentese). In einigen Fällen setzt man ein sogenanntes Paukenröhrchen aus Gold, Titan oder Kunststoff ein, mit dem das Ohr belüftet wird.

Das können Sie selbst tun

Schwerhörigkeit ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabu. Menschen mit Handicap fühlen sich oft ausgegrenzt. Dabei reichen ein paar einfache Regeln und eine Portion Offenheit, um viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Einige Tipps erleichtern den Dialog bei einem Hörhandicap.

  • Verheimlichen Sie Ihre Schwerhörigkeit nicht, das führt schnell zu unnötigen Missverständnissen.
  • Bitten Sie Ihre Gesprächspartner, nicht lauter, sondern deutlicher zu sprechen.
  • Bitten Sie Ihre Gesprächspartner, sich Ihnen beim Sprechen zuzuwenden, damit Sie die Möglichkeit zum Lippenlesen haben.
  • Täuschen Sie nicht vor, etwas verstanden zu haben, sondern bitten Sie um die Wiederholung des Gesagten.
  • Haben Sie den Mut, Verständnis für Ihre Schwerhörigkeit einzufordern.
  • In Gesellschaft setzen Sie sich am besten neben jemanden, der deutlich spricht. Er wird vielleicht bereit sein, das Gespräch für Sie zusammenzufassen.
  • Schämen Sie sich nicht für Ihr Hörhandicap und ziehen Sie sich weder privat noch beruflich zurück. Sie haben bekannte Schicksalsgenossen: Rudi Carrell war beispielsweise extrem schwerhörig und trotzdem erfolgreich. Auch Troja-Entdecker Heinrich Schliemann hörte schlecht.

Umgang mit Betroffenen

Normalhörenden ist selten klar, wie anstrengend ein Gespräch für einen Menschen mit Schwerhörigkeit ist. Die Situation ist vergleichbar mit einem Kinobesuch, bei dem ein Film in einer Sprache läuft, die Sie nur ungenügend beherrschen. Um den Zusammenhang trotz nicht oder falsch verstandener Worte zu begreifen, muss ein Mensch mit Hörhandicap die Sätze äusserst konzentriert verfolgen und dabei seine ganze Kombinations- und Denkfähigkeit aufbieten.

Wenn Sie die folgenden Ratschläge beherzigen, fällt Ihnen und Ihrem schwerhörigen Gesprächspartner das Gespräch leichter:

  • Haben Sie Geduld.
  • Sprechen Sie deutlich und ruhig.
  • Brüllen Sie Ihrem Gegenüber nicht Ihre Botschaft entgegen, denn nicht immer hat Schwerhörigkeit etwas mit "zu leise hören" zu tun. Im Gegenteil: Für Menschen, die an einer Schall-Empfindungs-Schwerhörigkeit leiden, sind häufig schon Lautstärken ab 80 Dezibel schmerzhaft — bei Normalhörenden liegt die Schmerzgrenze bei etwa 120 Dezibel.
  • Wenden Sie Ihrem Gesprächspartner stets das Gesicht zu. Ein Schwerhöriger muss "mit den Augen hören": Das Ablesen vom Mund ist für ihn unerlässlich.
  • Verzichten Sie auf Kaugummi und Bonbons – diese hindern Sie am deutlichen Sprechen und erschwert das Verständnis bei Schwerhörigkeit.

Vorbeugen

Einigen Formen von erworbener Schwerhörigkeit lässt sich vorbeugen. Schädigungen der Sinneszellen im Ohr durch Lärm etwa lässt sich vorbeugen, indem sie bei der Arbeit, beim Konzert oder beim Clubbesuch Gehörschutz tragen.

In der Freizeit ist das zum Beispiel bereits mit kleinen Ohrstöpseln möglich. Für Arbeiten in lärmbelasteten Bereichen sind spezielle Gehörschutze in der Regel sogar vorgeschrieben. Kinder schützt man etwa bei Konzerten oder Feuerwerken ebenfalls mit aufgesetztem Gehörschutz.

Musik über Kopfhörer hört man am Besten in einer angepassten, nicht zu lauten Lautstärke. Wenn Umstehende die Musik ihrer Kopfhörer problemlos in einiger Entfernung hören, ist die Lautstärke zu hoch.

Einen guten Effekt für die Ohren hat es auch, ihnen ab und zu "eine Auszeit" zu gönnen — beispielsweise in der Stille der Natur.

Rauchen und Alkohol haben als Nervengifte schädigende Auswirkungen auch auf den Hörsinn. Den Konsum einzuschränken oder darauf zu verzichten, ist eine mögliche Vorbeugung für Schwerhörigkeit.

Je eher sie bei Beschwerden mit dem Hörvermögen zum Arzt gehen, umso eher lassen sich meist Folgen vermeiden oder minimieren.

Gegen Infektionen, die das Hörvermögen zu schädigen vermögen, gibt es zum Teil wirksame Impfungen. Beispielsweise gegen Mumps, Masern oder Gürtelrose.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Behrbohm, Kaschke, Nawka: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2012
  • Boenninghaus: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Springer-Verlag, ISBN 3-540-60396-4), 13. Ausgabe, 2007
  • Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Patienteninformationen, unter www.hno.org (Abruf: 27.04.2022)
  • Deutscher Schwerhörigenbund e.V., Schwerhörigkeit, unter: www.schwerhoerigen-netz.de (Abruf: 27.04.2022)
  • Leitlinien der Dt. Ges. f. Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Ohrenschmerzen, Stand: November 2014, in Überarbeitung, unter: www.awmf.org
  • Leitlinien der Dt. Ges. f. Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP): Periphere Hörstörungen im Kindesalter (Stand: Februar 2005, nicht mehr gültig, neue Leitlinie wird erarbeitet)
  • Speckmann E.-J.: Physiologie. Urban & Fischer Verlag. 6. Auflage 2013
  • Wendler J. et al.: Lehrbuch der Phoniatrie und Pädaudiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage 2005
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