Presbyakusis

Von , Medizinredakteurin
Mag. Astrid Leitner

Astrid Leitner studierte in Wien Tiermedizin. Nach zehn Jahren in der veterinärmedizinischen Praxis und der Geburt ihrer Tochter wechselte sie – mehr zufällig – zum Medizinjournalismus. Schnell war klar: Das Interesse an medizinischen Themen und die Liebe zum Schreiben ergeben für sie die perfekte Kombination. Astrid Leitner lebt mit Tochter, Hund und Katze in Wien und Oberösterreich.

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Presbyakusis ist der medizinische Fachbegriff für Altersschwerhörigkeit. Sie beginnt meist im Alter von etwa 50 Jahren, betrifft beide Ohren und ist Folge des natürlichen Alterungsprozesses. Schwerhörigkeit im Alter ist eine fortschreitende Erkrankung, die aber mit Hörgeräten gut ausgeglichen werden kann. Lesen Sie hier, wie Presbyakusis entsteht und was dagegen hilft!

Älterer Mann fasst sich ans Ohr, um besser zu hören.

Kurzübersicht

  • Was ist Presbyakusis? Presbyakusis ist der Fachbegriff für Altersschwerhörigkeit. Sie beginnt meist ab dem 50. Lebensjahr und betrifft beide Ohren.
  • Ursachen: Natürliche Alterungsprozesse im Ohr, am Hörnerv oder im Gehirn
  • Risikofaktoren: Genetische Veranlagung, dauerhafte Lärmbelästigung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Rauchen
  • Symptome: Beidseitige Hörminderung; Betroffene hören hohe Frequenzen nicht mehr gut und können Unterhaltungen – vor allem bei gleichzeitigen Hintergrundgeräuschen – nur noch schwer folgen.
  • Diagnostik: Untersuchung der Ohren, Hörtest (Audiometrie, Tonometrie), spezielle Fragebögen
  • Behandlung: Versorgung mit Hörgeräten an beiden Ohren; Operation nur sehr selten nötig und sinnvoll
  • Vorbeugen: Lärmschutz im privaten und beruflichen Umfeld, allgemein gesunde Lebensweise

Was ist Presbyakusis

Presbyakusis ist der medizinische Fachbegriff für Altersschwerhörigkeit. Laut Definition beschreibt die Presbyakusis das langsam nachlassende Hörvermögen ab dem 50. Lebensjahr.

Im Gegensatz zur Schwerhörigkeit, die in jeder Lebensphase auftreten kann, liegt der Altersschwerhörigkeit keine Erkrankung zugrunde. Schwerhörigkeit, die im Alter auftritt, ist die Folge des natürlichen Alterungsprozesses. Es ist möglich, dass das Hörvermögen bereits zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr abnimmt, in der Regel beginnt dieser Prozess aber ab etwa 50 Jahren. Schwerhörigkeit im Alter betrifft meist beide Ohren und verschlechtert sich, wenn sie nicht behandelt wird.

Da sich Schwerhörigkeit im Alter schleichend entwickelt, bemerken Betroffene selbst oft lange nichts davon. Sie fällt erst dann auf, wenn ältere Menschen ihre Gesprächspartner nicht mehr gut verstehen. Das kann beim Telefonieren der Fall sein oder wenn es im Hintergrund sehr laut ist. Es fällt Betroffenen zunehmend schwerer, Unterhaltungen zu folgen und sie ziehen sich immer mehr zurück.

Eine bereits bestehende Altersschwerhörigkeit lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Umso wichtiger ist es, bereits bei den ersten Anzeichen von Schwerhörigkeit einen Arzt aufzusuchen. Er wird die Ursache der Hörminderung feststellen und eine passende Behandlung vorschlagen. Liegt eine Altersschwerhörigkeit vor, bekommt der Betroffene in der Regel Hörgeräte an beiden Ohren.

Häufigkeit von Altersschwerhörigkeit

Da Altersschwerhörigkeit eine Folge des natürlichen Alterungsprozesses ist, tritt sie auch entsprechend häufig auf. Die Wahrscheinlichkeit, an Presbyakusis zu erkranken, steigt mit dem Lebensalter: Laut Statistik ist etwa jeder dritte Mensch über 65 davon betroffen. Bei den über 80-Jährigen sind es bereits mehr als 80 Prozent. Altersschwerhörigkeit trifft aber nicht jeden: Es gibt auch Menschen, die bis ins hohe Alter gut hören.

Männer werden im Alter eher schwerhörig als Frauen. Mediziner vermuten, dass die Lebensumstände dafür verantwortlich sind: So sind Männer berufsbedingt in der Regel häufiger Lärm ausgesetzt als Frauen. Außerdem rauchen Männer häufiger als Frauen.

Wie kommt es zu Presbyakusis?

Die Ursachen für Altersschwerhörigkeit sind nicht vollständig geklärt. Meist sind es mehrere Faktoren, die gemeinsam zu Schwerhörigkeit im Alter führen.

Alterungsprozess

Hauptursache für Altersschwerhörigkeit sind normale Alterungsvorgänge im Körper. Sie betreffen auch das Innenohr. Ab dem Alter von etwa 50 Jahren kommt es zu Abnutzungen an den Haarzellen der Hörschnecke. Sie sind dafür zuständig, dass die Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt und an das Gehirn weitergeleitet werden. Mit zunehmendem Alter werden die Haarzellen immer weniger, die verbliebenen funktionieren nicht mehr, wie sie sollten. Die Folge: Die natürliche Leistungsfähigkeit der Ohren nimmt ab.

Risikofaktoren

Nicht jeder Mensch wird im Alter schwerhörig, es gibt aber Risikofaktoren, die eine Altersschwerhörigkeit begünstigen beziehungsweise beschleunigen. Dazu zählen:

  • Genetische Veranlagung: Menschen, die Angehörige mit Altersschwerhörigkeit haben, erkranken im Alter eher an Presbyakusis als andere.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Rauchen: Mediziner gehen davon aus, dass eine geringere Durchblutung im Innenohr die Altersschwerhörigkeit fördert.
  • Hohe Lärmbelastung: Dauerhafte Lärmbelästigung führt dazu, dass die Haarzellen im Innenohr geschädigt werden. Wer häufig Lärm ausgesetzt ist – privat oder beruflich – läuft eher Gefahr, im Alter an Presbyakusis zu erkranken.
  • Hörsturz: Fällt das Gehör plötzlich ganz aus, handelt es sich um einen Hörsturz. Sind die Haarzellen durch einen Hörsturz bereits vorgeschädigt, erhöht sich das Risiko für Schwerhörigkeit im Alter.

Symptome

Presbyakusis entwickelt sich schleichend, sodass Betroffene zunächst oft nichts davon bemerken. Sie nehmen die Symptome der Altersschwerhörigkeit erst dann wahr, wenn sie Schwierigkeiten haben, mit anderen zu kommunizieren.

Symptome der Altersschwerhörigkeit:

  • Zu Beginn hören Betroffene eigentlich gut, nehmen aber hohe Töne (Frequenzen über 3 kHz) wie beispielsweise Frauen- oder Kinderstimmen nicht mehr so gut wahr. Die Mitlaute s, t, k, p und b werden schlechter verstanden.
  • Im Gespräch mit altersschwerhörigen Personen kommt es häufig zu Missverständnissen. Sie fragen häufig nach und haben das Gefühl, dass der Gesprächspartner undeutlich spricht.
  • Die Hörprobleme verstärken sich typischerweise, wenn Hintergrundgeräusche wie etwa im Restaurant oder bei Festen vorhanden sind (Cocktailparty-Effekt).
  • Betroffene werden geräuschempfindlich: Die frühere Lieblingsmusik wird möglicherweise als „Krach“ wahrgenommen.
  • Altersschwerhörigkeit tritt oft gemeinsam mit Tinnitus auf.

Schmerzen im Ohr oder Ausfluss aus den Ohren haben meist andere Ursachen als eine „normale“ Altersschwerhörigkeit. Zögern Sie in diesen Fällen nicht, zeitnah einen HNO-Arzt aufzusuchen!

Folgen bei unbehandelter Altersschwerhörigkeit

Neben Verständnisproblemen haben Menschen mit Altersschwerhörigkeit oft auch Schwierigkeiten, ihren Alltag eigenständig zu bewältigen.

Sozialer Rückzug

Wer Schwierigkeiten mit der Verständigung hat, zieht sich häufig zurück. Unbehandelt kann eine Presbyakusis zu Einsamkeit und Depressionen führen. Es gibt zudem Hinweise, dass Altersschwerhörigkeit zu vorzeitigem geistigem Abbau führt und damit das Risiko für Demenzerkrankungen erhöht.

Probleme im Alltag

Menschen, die nicht mehr gut hören, haben oftmals Probleme mit der räumlichen Orientierung: Sie können Geräusche nicht mehr so gut orten. Das führt unter anderem zu Schwierigkeiten im Straßenverkehr: Herannahende Fahrzeuge oder Sirenen von Rettungsautos werden nicht mehr gehört. Außerdem erhöht sich die Sturzgefahr: Altersschwerhörige Menschen stürzen öfter als gut Hörende. Die Ursache liegt möglicherweise an einer gleichzeitig nachlassenden Funktion des Gleichgewichtssinns, der im Innenohr liegt.

Diagnose

Bemerken Sie bei sich Anzeichen für Altersschwerhörigkeit, ist ein baldiger Arztbesuch ratsam. Je früher eine Schwerhörigkeit im Alter diagnostiziert und mit Hörgeräten versorgt wird, desto geringer sind die Folgeschäden. Früh erkannt, lässt sich die Lebensqualität besser erhalten.

Der erste Ansprechpartner bei Altersschwerhörigkeit ist ein Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO). Er erkundigt sich zunächst nach der Krankengeschichte (Anamnese), also welche Beschwerden genau bestehen. Dazu gehören auch Fragen zu Vorerkrankungen oder ob etwa andere Familienmitglieder schwerhörig sind.

Patientengespräch (Anamnese)

Besteht der Verdacht auf Altersschwerhörigkeit, wird der Arzt einige Fragen stellen. Sie helfen, Ursache und Ausmaß der Schwerhörigkeit weiter einzugrenzen.

  • Seit wann fällt Ihnen auf, dass Sie schlecht hören?
  • Fragen Sie im Gespräch mit anderen oft nach?
  • Bitten Sie Ihre Mitmenschen oft, das Gesagte zu wiederholen?
  • Drehen Sie die Lautstärke beim Fernsehen oder Radiohören auf
  • Meiden Sie den Kontakt zu anderen Personen aus Angst, diese nicht richtig zu verstehen?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, Geräusche zu orten?
  • Fällt Ihnen Telefonieren schwer?
  • Überhören Sie manchmal die Türklingel oder das Telefon?
  • Erscheinen Ihnen bestimmte Töne übermäßig laut?
  • Haben Sie ständige Ohrgeräusche (Tinnitus)?
  • Haben Sie andere Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus)?

Untersuchung der Ohren

Anschließend untersucht der Arzt die Ohren. Dabei überprüft er, ob körperliche Ursachen für die Hörminderung vorliegen.

  • Zuerst überprüft der Arzt den äußeren Gehörgang und das Trommelfell auf Veränderungen. Dafür benutzt er ein sogenanntes Otoskop, ein medizinisches Instrument, das aus einer Lampe, einer Lupe und einem Ohrtrichter besteht. Der Arzt führt den Ohrtrichter vorsichtig in den Gehörgang ein und achtet dabei auf Krankheitsanzeichen wie etwa Schwellungen oder Entzündungen. Auch Veränderungen am Trommelfell wie beispielsweise Verletzungen oder Flüssigkeitsansammlungen kann der Arzt mittels Otoskopie erkennen.

Anschließend prüft der Arzt mithilfe der sogenannten Impedanzmessung den Zustand des Mittelohrs. Dabei misst er den akustischen Widerstand des Trommelfells, also den Schallanteil, der vom Trommelfell zurückgeworfen wird. Die Messung dient der Diagnose von Mittelohrschädigungen wie beispielsweise Trommelfellrissen.

Fragebogen

Mithilfe des sogenannten APHAP-Fragebogens schätzt der Patient seine Hörbeeinträchtigung subjektiv ein. Der Fragebogen umfasst 25 Fragen zu alltäglichen Hörsituationen. Dadurch kann der Arzt bewerten, ob und wie stark das Hörvermögen bereits beeinträchtigt ist.

Hörtest

Wenn andere körperliche Ursachen für die Hörminderung ausgeschlossen sind und der Verdacht auf Altersschwerhörigkeit besteht, folgen weitere Untersuchungen.

  • Tonaudiometrie

Bei der Tonaudiometrie spielt der Arzt dem Patienten bestimmte Töne in steigender Lautstärke vor. Sobald der Patient den Ton hört, gibt er ein Zeichen. Dadurch stellt der Arzt die Hörschwelle – also jenen Bereich, in dem der Patient den Ton gerade noch wahrnimmt – fest.

  • Sprachaudiometrie

Bei der Sprachaudiometrie untersucht der Arzt, wie gut der Patient ihn versteht. Über einen Kopfhörer bekommt der Patient Zahlen und Wörter vorgespielt, einmal mit und einmal ohne Störgeräusche.

Altersschwerhörigkeit ist eine weitverbreitete Alterserscheinung und lässt sich nicht rückgängig machen. Je früher Sie eine Behandlung mit Hörgeräten einleiten, desto geringer die Gefahr von Folgeschäden.

Behandlung

Stellt der Arzt die Diagnose Altersschwerhörigkeit, überweist er den Patienten an einen Hörgeräteakustiker. Dieser entscheidet gemeinsam mit dem Patienten über die passende Behandlung. In den meisten Fällen bekommt der Patient Hörgeräte für beide Ohren.

Hörgeräte

Altersschwerhörigkeit betrifft in der Regel beide Ohren. Damit sich auch das räumliche Hören wieder verbessert, werden die Hörgeräte an beiden Ohren angebracht.

Hörgeräte gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, im Prinzip funktionieren sie aber alle gleich: Eingebaute Mikrofone empfangen den Schall aus der Umgebung, verstärken ihn und leiten ihn über einen Lautsprecher an das Ohr weiter.

Unterschiedliche Hörgeräte:

  • Im-Ohr-Geräte (IdO-Hörgeräte): Im-Ohr-Hörgeräte sitzen direkt im Gehörgang und sind von außen praktisch nicht sichtbar. Sie werden individuell an den Gehörgang angepasst und wie ein Stöpsel ins Ohr geschoben.
  • Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO-Geräte): Diese Hörgeräte sitzen hinter dem Ohr, leicht oberhalb der Ohrmuschel. Sie sind besonders leistungsstark und eignen sich auch für Personen mit sehr großem Hörverlust.

Der Hörgeräteakustiker passt die Hörgeräte individuell an den Patienten an. Das kann einige Wochen bis Monate dauern. Anschließend überprüft der HNO-Arzt noch einmal, ob sich die Hörleistung mit den Hörgeräten verbessert hat.

Verlieren Sie beim Anpassen der Hörgeräte nicht die Geduld! Bis diese richtig angepasst sind und Sie den Umgang damit erlernt haben, können drei bis vier Monate vergehen!

Operation

Eine Operation kommt bei Altersschwerhörigkeit nur sehr selten in Frage. Sie ist nur dann notwendig, wenn gleichzeitig andere Erkrankungen des Ohrs wie Gehörgangsentzündungen oder Mittelohrerkrankungen bestehen.

Vorbeugen

Da Presbyakusis altersbedingt ist, lässt sich ihr nur bedingt vorbeugen. Hilfreich ist, schon in jungem Alter dauerhafte Lärmsituationen wie lautes Musikhören oder Musizieren zu vermeiden. Für Musiker etwa gibt es für jedes Instrument einen speziellen Schallschutz. Menschen, die beruflich Lärm ausgesetzt sind, zum Beispiel durch das Benutzen von lauten Maschinen oder Fahrzeugen, tragen am besten einen entsprechenden Lärmschutz wie beispielsweise Gehörschützer oder schalldichte Ohrstöpsel. Diese stellt in der Regel der Arbeitgeber zur Verfügung.

Darüber hinaus gilt es, den natürlichen Alterungsprozess zu verlangsamen. Das Gehör wird durch winzige Blutgefäße versorgt. Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise, um den Blutkreislauf zu fördern und eine Schädigung des Innenohrs zu verhindern: Das beinhaltet eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und den Verzicht auf Zigaretten.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Astrid Leitner
Mag.  Astrid Leitner

Astrid Leitner studierte in Wien Tiermedizin. Nach zehn Jahren in der veterinärmedizinischen Praxis und der Geburt ihrer Tochter wechselte sie – mehr zufällig – zum Medizinjournalismus. Schnell war klar: Das Interesse an medizinischen Themen und die Liebe zum Schreiben ergeben für sie die perfekte Kombination. Astrid Leitner lebt mit Tochter, Hund und Katze in Wien und Oberösterreich.

ICD-Codes:
H91
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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