Morbus Menière

Von , Arzt
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Morbus Menière (Menière-Krankheit) ist eine Erkrankung des Innenohrs, die vermutlich durch einen Überdruck im Innenohr entsteht. Die drei wichtigsten Symptome sind unvorhersehbare Attacken plötzlichen Drehschwindels, Ohrensausen (Tinnitus) und eine Verminderung des Hörvermögens. Morbus Menière ist grundsätzlich zwar nicht heilbar, die Schwere und die Häufigkeit der Attacken lassen sich aber medikamentös vermindern. Informieren Sie sich hier über Symptome und Therapiemöglichkeiten des Morbus Menière.

Frau greift sich ans Ohr

Kurzübersicht

  • Symptome: Kombination aus plötzlich auftretendem Drehschwindel mit Ohrensausen und einseitigem Hörverlust, die Anfälle dauern Minuten bis Stunden
  • Therapie: Im Akutfall: Medikamente gegen Schwindel; weitere Medikamente dienen der Anfallsprophylaxe. In sehr schweren Fällen wird das Gleichgewichtsorgan durch Medikamente oder eine Operation ausgeschaltet.
  • Ursachen: Ungleichgewicht im Flüssigkeitshaushalt des Innenohrs unbekannter Ursache
  • Diagnose: Untersuchung von Trommelfell und Hörnerv, verschiedene Hörtests, bildgebende Verfahren, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschliessen
  • Krankheitsverlauf: In der Regel ist zunächst nur ein Ohr betroffen, später häufig beide. Die Symptome bilden sich nach einem Anfall manchmal komplett zurück, es sind aber auch bleibende Schäden an Gehör und Gleichgewichtssinn möglich.
  • Vorbeugen: Der Erkrankung lässt sich nicht vorbeugen, aber halten sich Betroffene an ärztliche Prophylaxe-Empfehlungen, treten die Attacken in der Regel seltener auf.

Was ist Morbus Menière?

Morbus Menière (Menière-Krankheit) ist eine Erkrankung des Innenohrs. Sie ist nach dem französischen Arzt Prosper Menière benannt, der sie bereits im Jahr 1861 beschrieb.

Im Innenohr befinden sich die Gehörschnecke und das Gleichgewichtsorgan sowie zwei verschiedene Flüssigkeiten – darunter die sogenannte Endolymphe. Beim Morbus Menière ist nach derzeitigem Kenntnisstand die Wiederaufnahme (Resorption) dieser Flüssigkeit im Innenohr gestört. Dadurch sammelt sich zu viel Endolymphe an.

Da das Innenohr von einer häutigen Membran ausgekleidet ist, hat die Flüssigkeit nur begrenzt Platz, um sich auszudehnen. Die Folge ist eine Drucksteigerung im Innenohr, welche die Gehörschnecke schädigt (siehe Ursachen und Risikofaktoren).

Oft tritt die Menière-Krankheit zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Aber auch Menschen im jungen Erwachsenenalter erkranken. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In Europa erkranken jährlich rund 13 von 100.000 Menschen an Morbus Menière.

Im Volksmund ist Morbus Menière zum Teil unter dem Namen Menière-Syndrom oder Menièrsche Krankheit bekannt.

Was sind die Symptome von Morbus Menière?

Typisch für den Morbus Menière ist der in Attacken auftretende Drehschwindel in Kombination mit Ohrensausen (Tinnitus) und einseitigem Hörverlust. Bei einem Drehschwindel haben die Betroffenen das Gefühl, die Umgebung drehe sich sehr schnell um sie (ähnlich wie bei einer Fahrt auf dem Karussell).

Der Schwindel ist teilweise so stark, dass sich die Betroffenen hinlegen müssen. Auch durch den Schwindel bedingte Stürze sowie Übelkeit mit Erbrechen kommen vor. Betroffene beschreiben den Drehschwindel als das belastendste der Morbus Menière-Symptome, da er ohne Vorwarnung auftritt und unter Umständen für Stunden bis Tage anhält.

Hinzu kommen Tinnitus und Schwerhörigkeit, die vor allem tiefe Töne betrifft. Oftmals empfinden Betroffene während einer Morbus-Menière-Attacke Druck auf dem Ohr. Während zu Beginn der Erkrankung zumeist nur ein Ohr betroffen ist, weitet sich der Morbus Menière im weiteren Verlauf gegebenenfalls auf das zweite Ohr aus.

Zusätzlich zu diesen Hauptcharakteristika des Morbus Menière werden die Betroffenen oft blass und schwitzen. Bei einigen Menschen fangen die Augen während einer Attacke an zu zittern (Nystagmus).

Die Attacken der Menière-Krankheit kommen plötzlich und unvermittelt. Meistens dauern sie zwischen zehn und zwanzig Minuten, halten jedoch manchmal auch Stunden an. Dann hören die Attacken in der Regel von selbst wieder auf.

Da die Morbus-Menière-Attacken aufgrund des Drehschwindels äusserst belastend sind und vollkommen unvorhersehbar auftreten, entwickeln Betroffene zum Teil psychische Probleme wie Angststörungen und Depression. Unter Umständen entsteht dadurch ein Teufelskreis zwischen den Anfällen und der psychischen Lage des Betroffenen, bei dem sich die Probleme gegenseitig verstärken.

Behandlung

Morbus Menière ist nicht heilbar, allerdings lassen sich die Beschwerden durch verschiedene Therapiemassnahmen eindämmen. Die Morbus-Menière-Therapie verfolgt zwei Hauptziele: Dazu zählt zum einen, die Schwere der Symptome bei einem akuten Anfall zu reduzieren. Zum anderen wird der Arzt mit vorbeugenden Massnahmen versuchen, weiteren Attacken vorzubeugen (Prophylaxe).

Akute Therapie

Zur Bekämpfung des Schwindels und des Erbrechens durch Morbus Menière stehen verschiedene Medikamente (Antivertiginosa) zur Verfügung. Standardmedikament ist der Wirkstoff Dimenhydrinat. Für Morbus-Menière-Betroffene ist es ratsam, diesen Wirkstoff stets mit sich zu führen, um im Fall einer plötzlichen Attacke sofort reagieren zu können. Bei starken Beschwerden ist es auch möglich, sich entsprechende Medikamente beim Arzt intravenös verabreichen zu lassen.

Vorbeugung (Prophylaxe)

Das wichtigste Ziel neben der akuten Therapie ist die Verminderung der Zahl der Attacken. Dazu gibt es eine Reihe von Therapievarianten. Die aktuelle Empfehlung zur Anfallsprophylaxe bei Morbus Menière ist die Gabe von Betahistin. Es stimuliert die Andockstellen (Rezeptoren) für einen bestimmten Botenstoff (Histamin) und verbessert dadurch die Blutzirkulation im Innenohr. Experten vermuten, dass die überschüssige Endolymphe durch den höheren Blutfluss im Innenohr schneller abtransportiert wird.

Diuretika hingegen sind Medikamente, die die Wasserausscheidung fördern. Auch sie kommen bei der Menière-Erkrankung zum Einsatz, um die Flüssigkeitsansammlung im Innenohr zu verringern.

Der Entzündungshemmer Kortison dient ebenfalls der Vorbeugung von Morbus-Menière-Attacken. Der Arzt spritzt ihn unter lokaler Betäubung durch das Trommelfell in das Mittelohr (intratympanale Kortikoidtherapie). Von dort gelangt das Kortison durch Diffusion in das Innenohr, wo es antientzündlich und gefässabdichtend wirkt. Diese Therapie kommt seit einigen Jahren hauptsächlich bei der Therapie eines Hörsturzes zum Einsatz.

Erweiterung des endolymphatischen Sacks

Je nach Schwere der Symptome empfiehlt der Arzt bei Morbus Menière eine Sakkotomie. Es handelt sich um einen operativen Eingriff, bei dem der Chirurg den endolymphatischen Sack erweitert. Der endolymphatische Sack ist ein Teil des Gleichgewichtssystems und daran beteiligt, die Menge der Endolymphe zu regulieren. Durch den Eingriff ist er in der Lage, sich stärker auszudehnen.

Ausschaltung des Gleichgewichtsorgans

Wenn die genannten Therapien bei Morbus-Menière-Patienten erfolglos bleiben, gibt es verschiedene Verfahren, welche das betroffene Gleichgewichtsorgan vollständig und dauerhaft ausschalten: Dies ist sowohl durch Medikamente als auch im Rahmen einer Operation möglich. In beiden Fällen kommt es zu Schwerhörigkeit bis Taubheit und zu einem Ausfall des Gleichgewichtssinnes.

Ausserdem lassen sich die entsprechenden Massnahmen nicht mehr rückgängig machen. Zwar ist die gesunde Seite in der Lage, diese Funktionen teilweise zu übernehmen, allerdings gerät sie im Krankheitsverlauf häufig ebenfalls in Mitleidenschaft. Deshalb kommen entsprechende Massnahmen nur in schweren Fällen zum Einsatz

Um das Innenohr beim Morbus Menière medikamentös auszuschalten, spritzt der Arzt das Antibiotikum Gentamicin in das Mittelohr. Es schädigt die Sinneszellen und macht dadurch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr funktionsuntüchtig.

Es ist möglich, die Gentamicin-Gabe im Abstand von mehreren Wochen zu wiederholen. Der grosse Abstand ist notwendig, um unerwünschte Schäden an der Gehörschnecke so weit wie möglich zu vermeiden, die sich ebenfalls im Innenohr befindet. Da trotzdem eine Schwerhörigkeit möglich ist, kommt Gentamicin vor allem bei Betroffenen zum Einsatz, die bereits vor der Therapie deutliche Hörschädigungen aufweisen.

Erreicht die Massnahme nicht den erhofften Erfolg, ist es bei Morbus Menière möglich, einen Teil des Innenohrs zu entfernen, das sogenannte Labyrinth (Labyrinthektomie). Diese Therapie ist jedoch umstritten.

Psychologische Betreuung

Neben der medikamentösen Therapie ist die psychologische Begleitung beim Morbus Menière sehr wichtig. Die plötzlichen und unvorhersehbaren Attacken stellen für manche Betroffene eine erhebliche psychische Belastung dar.

Alternative Therapien

Abseits der Schulmedizin existieren alternative Therapieansätze zur Behandlung des Morbus Menière. Homöopathie kann helfen, vor allem den oft quälenden Schwindel zu reduzieren. Empfohlen wird dazu die Einnahme von Cocculus D6 dreimal täglich über mehrere Wochen. Zur Anfallsunterbrechung dient Tabacum D12.

Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt.

Auch bestimmte Diäten (vor allem salzfreie Kost) lindern bei manchen Morbus-Menière-Betroffenen die Beschwerden. Weitere unterstützende Therapien sind Akupunktur, Feldenkrais oder auch Gleichgewichtstraining. Besprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt, ob alternativmedizinische Ansätze in Ihrem Fall zielführend sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache für den Morbus Menière ist nach derzeitigem Kenntnisstand eine Störung im Innenohr. Diese Annahme beruht auf der Tatsache, dass der Grossteil der Betroffenen vergrösserte Räume im Innenohr hat. Dennoch ist bis heute unklar, ob dieser Befund auch ursächlich mit der Menière-Krankheit zusammenhängt.

Das Innenohr ist für den Hör- und Gleichgewichtssinn verantwortlich. Es besteht aus einem komplizierten Gangsystem, das mit zwei verschiedenen Flüssigkeiten (Endolymphe und Perilymphe) gefüllt ist. Diese stehen in einem sensiblen Gleichgewicht und sind für die Funktion des Organs unverzichtbar.

Ärzte nehmen an, dass Morbus Menière durch einen Flüssigkeitsüberschuss (Hydrops) der Endolymphe entsteht. Dieser lässt sich bei nahezu allen Betroffenen nachweisen. Als Ursache kommen unter anderem die seltene Entzündung des Innenohres (Labyrinthitis) oder eine Gehirnerschütterung infrage. Zumeist bleibt die Ursache jedoch unklar. Bei bis zu 15 Prozent der Betroffenen ist die Erkrankung genetisch bedingt. Vor allem, wenn die Symptome bereits im Kindesalter auftreten, gibt es in der Familie häufig weitere Fälle von Morbus Menière.

Die derzeit gängigste, aber umstrittene Vermutung ist, dass es bei einem Anfall zu einem Riss feiner Häutchen (Membranen) kommt, die im Innenohr verschiedene Bereiche voneinander trennen. Reissen diese Membranen, vermischen sich Endo- und Perilymphe miteinander, was das feine Gleichgewicht der Salze (Elektrolyte) in diesen Flüssigkeiten stört. Es kommt ausserdem zu einer plötzlichen Änderung der Druckverhältnisse. Insgesamt folgt daraus eine Fehlfunktion der Sinneszellen, mit der sich Mediziner die Symptome des Morbus Menière erklären.

Untersuchungen und Diagnose

Der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Morbus Menière ist der Hausarzt. Dieser wird den Betroffenen gegebenenfalls an den HNO-Arzt oder den Neurologen überweisen. Viele Kliniken haben auch spezielle „Schwindelzentren“, die besonders bei schweren Fällen Ansprechpartner sind.

Beim Arztgespräch erkundigt sich der Arzt zunächst nach den Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen. Zum Beispiel ist es für die Diagnose des Morbus Menière wichtig,

  • wie die Schwindelattacke genau abläuft
  • ob der Schwindel von einem Tinnitus und Schwerhörigkeit auf diesem Ohr begleitet ist
  • wie lange die Schwindelattacke andauert
  • ob sich die Schwindelattacke durch eine bestimmte Bewegung provozieren lässt, zum Beispiel durch eine Halsdrehung? (Dies spräche gegen einen Morbus Menière.)
  • ob der Betroffene Medikamente einnimmt

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung sieht der Arzt mit einem sogenannten Otoskop auf das Trommelfell im Ohr. Die Schädigung bei Morbus Menière liegt im Innenohr und ist damit nicht von aussen sichtbar. Allerdings ist es für den Arzt wichtig, gleichzeitig bestehende Erkrankungen des Trommelfells und des Mittelohrs durch Inspektion mit dem Otoskop auszuschliessen.

Zu den Standarduntersuchungen in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde gehört ausserdem die Stimmgabelprüfung nach Weber und Rinne. Dabei setzt der Arzt eine schwingende Stimmgabel auf dem Scheitel oder hinter dem Ohr auf. Der Betroffene muss angeben, wann er den Ton der Stimmgabel nicht mehr hört, beziehungsweise ob er ihn wieder hört, wenn die Stimmgabel sich direkt vor dem Ohr befindet (Rinne-Test). Ausserdem soll er angeben, ob der Ton der auf dem Scheitel aufgesetzten Stimmgabel in einem der beiden Ohren lauter erscheint (Weber-Test).

Diese Tests ermöglichen dem Arzt Rückschlüsse, ob die Beschwerden durch eine Innenohr- oder Mittelohrschädigung entstehen.

Mit verschiedenen Tests prüft der Arzt ausserdem die Funktion des Gleichgewichtssinns. Dazu gehört zum Beispiel der Unterberger-Tretversuch, bei der der Betroffene 50-mal mit geschlossenen Augen auf der Stelle tritt. Dreht er sich dabei unbewusst um die eigene Achse, deutet dies unter Umständen auf eine Schädigung des Gleichgewichtsorgans hin.

Im Rahmen der Abklärung der Menière-Krankheit überprüft der Arzt unter Umständen auch, ob eventuell unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus) bestehen. Typisch für einen Morbus Menière sind zuckende Augenbewegungen zu einer Seite (horizontaler Nystagmus), die aber meist nur während des Anfalls auftreten.

Weitere Untersuchungen

Um eine bestehende Schwerhörigkeit genauer abzuschätzen, ist ein Hörtest (Tonschwellenaudiometrie) erforderlich. Bei Morbus-Menière-Betroffenen ist das Hörvermögen auf einem Ohr deutlich abgeschwächt. Zudem ist insbesondere die Hörleistung für tiefe Frequenzen reduziert. Die Hörfähigkeit erholt sich in vielen Fällen nach dem Anfall, manchmal bleibt aber eine dauerhafte Hörschädigung bestehen.

Unter Umständen analysiert der Arzt die Hirnströme, die nach einem Tonsignal auftreten (= akustisch evozierte Potenziale). Auf diese Weise lässt sich die Verbindung der Hörbahn mit dem Gehirn prüfen. Sie ist beim Morbus Menière nicht beeinträchtigt.

Symptome, wie sie bei der Menière-Krankheit auftreten, kommen in ähnlicher Weise auch bei anderen Erkrankungen vor. Deshalb ist es notwendig, diese alternativen Ursachen der Morbus-Menière-Symptome bei der Diagnostik auszuschliessen. So untersucht der Arzt beispielsweise den Hörnerv, um sicherzustellen, dass dieser nicht geschädigt ist.

Mithilfe der Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich Bilder von Kopf und Innenohr anfertigen. Damit ist es zum Beispiel möglich, Tumor- und Entzündungsprozesse auszuschliessen.

Diagnosestellung Morbus Menière

Die Diagnose Morbus Menière gilt als bestätigt, wenn bei dem Betroffenen folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Zwei oder mehr Schwindelattacken, jeweils mit einer Mindestdauer von 20 Minuten
  • Verschlechterung des Hörvermögens, bestätigt durch eine Untersuchung
  • Ohrensausen (Tinnitus) oder Ohrdruck in dem betroffenen Ohr
  • Ausschluss anderer Ursachen

Krankheitsverlauf und Prognose

Der Verlauf des Morbus Menière ist individuell sehr verschieden. Es ist möglich, dass es bei einem einzigen Anfall bleibt. Meist wiederholen sich die Attacken jedoch. Aber auch nach mehreren Jahren ist es noch möglich, dass die Beschwerden von Morbus Menière spontan enden und nie mehr auftreten. Bis dahin eingetretene Schäden des Hörens und des Gleichgewichts bleiben in diesem Fall jedoch in der Regel dauerhaft bestehen.

Die Folgeschäden der Morbus-Menière-Attacken reichen bis hin zu einer vollständigen Taubheit auf der betroffenen Seite. Nach fünf Jahren Krankheitsdauer betreffen die Symptome in 50 Prozent der Fälle beide Seiten. Nach etwa zehn Jahren, im Spätstadium der Menière-Erkrankung, lassen die Symptome bei vielen Betroffenen deutlich nach, eine Therapie ist dann häufig nicht mehr erforderlich.

Manchmal kommt es durch Morbus Menière zur Arbeitsunfähigkeit, da bestimmte Berufe mit hohen Anforderungen an den Gleichgewichtssinn nicht mehr ausführbar sind (zum Beispiel Dachdecker oder Taucher). Für Betroffene ist es möglich, sich die Menière-Erkrankung als Behinderung anerkennen zu lassen. Eine Schwerbehinderung attestieren Ärzte jedoch nur in gravierenden Fällen bei sehr zahlreichen und/oder schweren Krankheitsattacken.

Auch die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen, ist bei Morbus Menière unter Umständen beeinträchtigt. So ist laut aktueller Gesetzgebung eine Fahreignung für einspurige Fahrzeuge (zum Beispiel ein Motorrad) generell nicht gegeben. Ob Betroffene ein Auto fahren dürfen, hängt von dem Ergebnis einer fachärztlichen Untersuchung ab.

Entscheidend für die Prognose des Morbus Menière ist nicht zuletzt, wie gross der Einfluss der Beschwerden auf die Psyche eines Betroffenen ist. Die Angst vor neuen Attacken ist sehr belastend und begünstigt ihrerseits neue Attacken. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, gegebenenfalls mit therapeutischer Unterstützung, ist ein wichtiges Therapieziel bei Morbus Menière.

Vorbeugen

Es ist nicht möglich, der Menière-Erkrankung generell vorzubeugen, da die Ursachen nicht bekannt sind. Allerdings ist es Betroffenen unter Umständen möglich, den Anfällen mit verschiedenen Massnahmen vorbeugen. Dazu zählen neben der vom Arzt verordneten medikamentösen Prophylaxe unter anderem eine salzarme Ernährung sowie Kaffee-, Alkohol- und Nikotinverzicht. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich jedoch nicht sicher nachgewiesen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
H81
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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