Gehirnerschütterung

Von , Medizinredakteurin
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Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

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Eine Gehirnerschütterung ist ein Schädel-Hirn-Trauma in der leichtesten Form. Mediziner bezeichnen sie auch als Commotio cerebri (lateinisch: commotio = Bewegung, cerebri = des Gehirns). Gehirnerschütterungen kommen sehr häufig vor, meist als Folge von Unfällen beim Sport, im Haushalt oder bei der Arbeit. Hier erfahren Sie, was eine Gehirnerschütterung ist, welche Symptome auftreten und was besonders bei Kindern und Babys zu tun ist!

Gehirnerschütterung Mann mit Kopfschmerzen

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Das Gehirn ist ein lebenswichtiges und besonders empfindliches Organ. Es befindet sich daher gut geschützt im Inneren des Schädels. Zusätzlich ist es von einer Flüssigkeit umgeben, die sich zwischen Gehirn und Schädelknochen befindet und die auch das Rückenmark umspült (Liquor cerebrospinalis).

Meist entsteht eine Gehirnerschütterung durch einen stumpfen Schlag gegen den Kopf oder einen Aufprall, etwa bei einem Sturz vom Fahrrad oder beim Skifahren. Vor allem Kinder sind öfter von einer Gehirnerschütterung betroffen: Typische Ursachen sind zum Beispiel Stürze vom Wickeltisch, aus dem elterlichen Bett oder von der Treppe.

Die Gehirnerschütterung entsteht, wenn das Hirn durch den Aufprall von innen gegen die Schädelwand stösst. Die äussere Haut am Kopf und der Schädelknochen müssen dabei nicht zwangsläufig verletzt sein. Da es zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns kommt, zählt die Commotio cerebri (auch kurz Commotio) zu den Schädel-Hirn-Verletzungen.

Schädel-Hirn-Traumata werden in drei Schweregrade unterteilt: Die Commotio cerebri entspricht dabei Grad I, der leichtesten Form. Laut Definition ist bei einer Gehirnerschütterung eine Bewusstlosigkeit möglich, die jedoch nicht länger als 15 Minuten andauert. Folgeschäden sind bei einer Gehirnerschütterung nicht zu erwarten.

Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose, Therapie und Prognose des Schädel-Hirn-Traumas finden Sie hier.

Was sind die Symptome einer Gehirnerschütterung?

Meist verursacht eine Gehirnerschütterung Symptome, die recht typisch sind. Das Ausmass der Beschwerden variiert dabei mitunter. Anzeichen einer Gehirnerschütterung treten manchmal bereits unmittelbar nach dem Unfall in Erscheinung, in einigen Fällen liegen mehrere Stunden zwischen dem auslösenden Ereignis und den ersten Beschwerden.

Anzeichen Gehirnerschütterung – Was ist typisch?

Charakteristisch für eine Gehirnerschütterung sind unter anderem kurze Erinnerungslücken. Häufig beziehen diese sich auf den Zeitraum vor, manchmal auch nach dem Unfall (anterograde oder retrograde Amnesie). Möglich ist auch, dass der Betroffene für kurze Zeit das Bewusstsein verliert.

Hält die Bewusstlosigkeit länger an, muss man von einem schwerwiegenderen Schädel-Hirn-Trauma ausgehen. In vielen Fällen führt die Commotio cerebri zu mässigen, mitunter auch starken Kopfschmerzen, die oft von Schwindel, Übelkeit und Erbrechen begleitet sind.

Als Ausdruck der vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns reagieren manche Menschen mit einer Gehirnerschütterung empfindlich auf Licht oder laute Geräusche. Mitunter ist der Geruchs- und Geschmackssinn vorübergehend irritiert.

Was tun bei einer Gehirnerschütterung bei einem Kind?

Eine Gehirnerschütterung bei Kindern und Babys kommt relativ häufig vor. Säuglinge und Kleinkinder sind noch nicht in der Lage, ihre Beschwerden hinreichend zu äussern. Daher ist besonders wichtig, dass Eltern ihr Kind nach einem Sturz oder Unfall genau beobachten.

Grundsätzlich gilt: War Ihr Kind nach einem Unfall bewusstlos, wenn auch nur für wenige Augenblicke, suchen Sie in jedem Fall einen Arzt auf.

Unmittelbares Weinen nach einem Sturz gilt zunächst als gutes Zeichen. Hält das Weinen jedoch an, tritt Erbrechen auf oder wirkt das Kind besonders unruhig oder teilnahmslos und schläfrig, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei Kleinkindern gilt es zudem zu bedenken, dass die Symptome einer Gehirnerschütterung manchmal verzögert, also erst nach sechs, zwölf oder mehr Stunden in Erscheinung treten. Grundsätzlich sind Eltern gut beraten, ihr Kind nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf von einem Kinderarzt untersuchen zu lassen.

Eine leichte Gehirnerschütterung muss nicht unbedingt behandelt werden. Gegen Kopfschmerzen helfen Schmerzmittel, wie Paracetamol oder Ibuprofen. In manchen Fällen verschreibt der Arzt ein Mittel gegen Übelkeit. In jedem Fall ist es ratsam, für einige Tage Bettruhe zu halten.

Fernsehen oder Lesen sind in dieser Zeit nicht empfehlenswert, da die Beschwerden dadurch manchmal zunehmen. Es ist wichtig, eine schwere Gehirnerschütterung ernst zu nehmen. Ärzte raten den Patienten in der Regel, für etwa 24 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus zu bleiben.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Pascale Huber
Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

ICD-Codes:
F07S06T90S09
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
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