Dissoziative Störung

Von , Masterstudium in Psychologie
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Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

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Dissoziative Störung ist ein Oberbegriff für bestimmte psychische Krankheitsbilder. Die Betroffenen regieren auf sehr belastende Erlebnisse mit der Abspaltung von Erinnerungen oder gar ganzen Persönlichkeitsanteilen. So lassen sich unerträgliche Erfahrungen ausblenden. Zu den dissoziativen Störungen gehören unter anderem die dissoziative Amnesie und die multiple Persönlichkeitsstörung. Lesen Sie hier, wie man eine dissoziative Störung erkennt, wie sie entsteht und behandelt wird. 

Dissoziative Störung

Dissoziative Störung: Beschreibung

Eine dissoziative Störung ist ein komplexes psychologisches Phänomen. Als Reaktion auf ein unerträgliches Erlebnis blenden die Betroffenen Erinnerungen daran aus bis hin zur Auslöschung der eigenen Identität.

Gesunde Menschen empfinden ihr "Ich" als Einheit von Gedanken, Handlungen und Gefühlen. Bei einer dissoziativen Störung zerbricht dieses stabile Bild der eigenen Identität. Daher auch die Bezeichnung Dissoziation (lat. für Trennung, Zerfall).

Eine solche Bewusstseinsspaltung steht meist im Zusammenhang mit einem traumatischen Erlebnis oder gravierenden Konflikten. Die dissoziative Störung tritt oft begleitend zu anderen psychischen Störungen auf wie zum Beispiel einer Depression, einer Schizophrenie oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Meist treten dissoziative Störungen erstmals vor dem 30. Lebensjahr auf. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Schätzungen zufolge leiden 1,4 bis 4,6 Prozent der Bevölkerung an einer dissoziativen Störung.

Zu den dissoziativen Störungen gehören unter anderem folgende Störungsbilder:

Dissoziative Amnesie

Darunter versteht man einen teilweisen oder vollständigen Gedächtnisverlust im Zusammenhang mit traumatischen Ereignissen.

In der Regel betrifft der Erinnerungsverlust nur bestimmte Szenen des belastenden Erlebnisses oder der Zeit danach. Eine solche dissoziative Störung kann beispielsweise nach einem Autounfall auftreten. Die Person kann sich nicht mehr oder nur noch bruchstückhaft an den Unfall erinnern. Sie hat jedoch keine Hirnschädigung erlitten, die den Erinnerungsverlust erklären könnte. Der Gedächtnisverlust gibt sich meist genauso schnell wie er aufgetreten ist. Rückfälle sind selten.

In sehr seltenen Fällen geht bei einer dissoziativen Amnesie die Erinnerung an das gesamte bisherige Leben verloren.

Schätzungen zufolge liegt das Risiko, im Laufe des Lebens eine dissoziative Amnesie zu erleiden, bei sieben Prozent.

Dissoziative Fugue

Ausgelöst durch ein belastendes Ereignis verlässt der Betroffene plötzlich sein Zuhause oder seinen Arbeitsplatz und nimmt eine neue Identität an (Fugue = Flucht). An sein vorheriges Leben kann er sich nicht mehr erinnern (Amnesie). Kehrt er später in sein altes Leben zurück, hat er meist keine Erinnerungen mehr an seinen Weggang und das Zwischenspiel in anderer Identität.

Das Risiko für diese dissoziative Störung im Laufe des Lebens beträgt nur 0,2 Prozent, schätzen Experten.

Dissoziativer Stupor

Die Betroffenen bewegen sich kaum oder gar nicht mehr, sprechen nicht mehr und reagieren nicht auf Licht, Geräusche oder Berührungen. In diesem Zustand ist es  nicht möglich, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Die Person ist jedoch nicht bewusstlos, denn die Muskeln sind nicht erschlafft, und die Augen bewegen sich. Die Symptome des dissoziativen Stupors sind nicht auf organische Probleme, sondern auf eine psychische Belastung zurückzuführen.

Der dissoziative Stupor tritt selten auf. Experten nehmen an, dass diese dissoziative Störung im Laufe des Lebens bei 0,05 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung auftritt.

Dissoziative Bewegungsstörungen

Im Unterschied zu den anderen dissoziativen Störungen tritt hier kein Gedächtnisverlust (Amnesie) auf. Vielmehr sind Betroffene nicht mehr in der Lage, einen oder mehrere Körperteilen willkürlich zu bewegen, ohne dass dafür eine organische Ursache vorliegt. Auch die Sprechmuskeln können davon betroffen sein.

Beispielsweise können Betroffene nicht mehr frei stehen oder gehen, haben Koordinationsstörungen oder können sich nicht mehr artikulieren. Auch Lähmungen sind möglich. Die Symptomen können denen neurologischer Störungen sehr ähneln, was die Diagnose erschweren kann.

Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen

Bei dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen geht entweder das normale Hautempfinden an bestimmten Körperstellen oder am ganzen Körper verloren. Oder aber die Betroffenen sind nur noch teilweise oder gar nicht mehr zu Sinnesempfindungen (wie sehen, riechen, hören) fähig.

Die Häufigkeit dissoziativer Bewegungs-, Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen wird auf etwa 0,3 Prozent geschätzt. Frauen leider häufiger darunter als Männer.

Dissoziative Krampfanfälle

Dissoziative Krampfanfälle sind psychogene Anfälle, die oft einen bestimmten situativen Auslöser haben (z.B. eine Stresssituation). Sie ähneln stark epileptischen Anfällen, unterscheiden sich von diesen aber in mehreren Punkten. Beispielsweise beginnen sie verzögert (protrahiert) mit langsamer Steigerung, während sich epileptische Anfälle durch einen abrupten Beginn auszeichnen. Außerdem gehen dissoziative Krampfanfälle nicht mit einem Gedächtnisverlust für die Dauer des Anfalls einher - epileptische Anfälle schon.

Dissoziative Anfälle machen etwa vier Prozent aller neu auftretenden Anfälle aus. Frauen sind deutlich häufiger davon betroffen als Männer. Bei ungefähr einem von zehn Patienten mit dissoziativen Anfällen liegt zusätzlich eine Epilepsie vor.

Dissoziative Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeitsstörung)

Die dissoziative Identitätsstörung ist die schwerste Form von dissoziativer Störungen. Sie ist auch unter dem Begriff "Multiple Persönlichkeitsstörung" bekannt.

Die Persönlichkeit der Betroffenen ist in verschiedene Anteile gespalten. Jeder Anteil hat sein individuelles Gedächtnis, eigene Vorlieben und Verhaltensmuster. Oft unterscheiden sich die verschiedenen Persönlichkeitsanteile stark voneinander. Sie treten auch nie zur gleichen Zeit auf, sondern wechseln einander ab - und sie wissen nichts voneinander.

In vielen Fällen ist eine Dissoziative Persönlichkeitsstörung die Folge von schweren Missbrauchserfahrungen.

Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag Multiple Persönlichkeitsstörung.

Dissoziative Störung: Symptome

Dissoziative Störungen können sich je nach Form und oft auch von Patient zu Patient unterschiedlich äußern.

So fehlt manchen Menschen mit dissoziativer Amnesie nur die Erinnerung an ein bestimmtes Erlebnis, möglicherweise ohne dass ihnen diese Gedächtnislücke bewusst ist. Bei anderen Betroffenen ist die Erinnerung an größere Zeiträume oder sogar an ihr ganzes Leben ausgelöscht. Im Falle einer dissoziativen Identitätsstörung spaltet sich das Ich in verschiedene Persönlichkeiten - teils auch unterschiedlichen Alters und Geschlechts -, die dann alle ein Eigenleben führen. Andere Menschen mit dissoziativen Störungen leiden unter starken körperlichen Symptomen. So können etwa Personen mit einer dissoziativen Bewegungsstörung einen oder mehrere Körperteile nur noch teilweise oder gar nicht mehr bewegen.

Die Symptome einer dissoziativen Störungen können sich zudem bei ein- und derselben Person von einem Moment auf den anderen verändern. Je nach Tagesform fallen sie außerdem oft unterschiedlich schwer aus. Außerdem können belastende Situationen eine dissoziative Störung verschlimmern.

Eine dissoziative Störung kann sich auch durch selbstschädigende Verhaltensweisen bemerkbar machen. Manche Patienten fügen sich beispielsweise Schnitt- oder Brandwunden zu, um sich aus dem dissoziativen Zustand in die Realität zurückzuholen.

Gemeinsamkeiten der dissoziativen Störungen

Auch wenn die Symptome der verschiedenen dissoziativen Störungen von Gedächtnisverlust bis hin zu körperlichen Beschwerden sehr unterschiedlich sind, haben sie doch zwei Merkmale gemeinsam:

Nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) liegt bei dissoziativen Störungen keine körperliche Krankheit vor, die die Symptome erklären könnte. Und es gibt einen überzeugenden zeitlichen Zusammenhang zwischen den Symptomen und belastenden Ereignissen oder Problemen.

Dissoziative Störung: Ursachen und Risikofaktoren

Eine dissoziative Störung tritt meist im Zusammenhang mit traumatischen Lebenserfahrungen auf. Starke Belastungssituationen wie Unfälle, Naturkatastrophen oder Missbrauch überfordern die Psyche. Die Symptome der dissoziativen Störungen sind eine Stressreaktion auf diese Überforderung.

Doch nicht jeder Mensch reagiert auf Belastungssituationen mit einer Dissoziation. Die individuelle Persönlichkeit und Umweltfaktoren haben einen Einfluss auf die Entstehung dissoziativer Störungen. Unter anderem beeinflusst die Bindung zu den Eltern, wie widerstandsfähig Kinder gegenüber Stress sind. So sind Kinder, denen die notwendige Sicherheit und Geborgenheit im Elternhaus fehlt, anfälliger für dissoziative Störungen.

Negativen Erfahrungen können zudem biologische Auswirkungen haben: Starker Stress kann Strukturen im Gehirn verändern. Ein Zuviel des Stresshormons Cortisol schädigt beispielsweise den Hippocampus, der wesentlich für unsere Erinnerungen ist.

Forscher gehen auch von einer angeborenen Neigung zu dissoziativen Störungen aus. Die Rolle der Gene konnte aber bisher nicht eindeutig geklärt werden.

Dissoziative Störungen werden manchmal auch als Konversionsstörungen bezeichnet, weil dabei seelische Inhalte ins Körperliche umgesetzt werden. Dieser Mechanismus wird "Konversion" genannt.

Dissoziative Störung: Ursachen der verschiedenen Formen

Wie die verschiedenen dissoziativen Störungen genau entstehen, ist Gegenstand der Forschung. Beispielsweise wird als Ursache der Amnesie und der Fugue die Bewusstseinsspaltung (Dissoziation) angesehen. Belastende oder traumatische Erlebnisse können auf diese Weise so abgespeichert werden, dass sie für den Betroffenen nicht mehr zugänglich sind. Experten gehen davon aus, dass dies ein Schutzmechanismus ist. Wenn die Psyche eine Situation nicht verarbeiten kann, weil sie zu bedrohlich ist, entlastet sie sich durch die Abspaltung.

Die genauen Ursachen des Stupors, bei dem die Patienten nicht auf die Außenwelt reagieren, sind noch unzureichend erforscht. Manche Experten vergleichen die Symptome des dissoziativen Stupors mit dem Totstellreflex bei Tieren - eine Überlebensstrategie, die manche Tier einsetzen, wenn sie in einer für sie bedrohlichen Situation keinen Ausweg mehr finden. Das könnte auch bei Menschen mit dissoziativem Stupor der Fall sein: Eine bedrohliche Situation lässt die Betroffenen am ganzen Körper erstarren.

Als Ursache der Multiplen Persönlichkeitsstörung (dissoziativen Identitätsstörung) gelten vor allem schwere Missbrauchserfahrungen in der Kindheit. Die Aufspaltung in verschiedene Persönlichkeiten ist ein Schutz vor solchen unerträglichen Erlebnissen.

Dissoziative Störung: Risikofaktoren

Die Anfälligkeit für eine dissoziative Störung erhöht sich, wenn der Körper nicht ausreichend mit allem Nötigen versorgt wird. Eine dissoziative Störung kann deshalb durch Schlafmangel, zu wenig Trinken oder Bewegungsmangel ausgelöst werden.

Dissoziative Störung: Untersuchungen und Diagnose

Wichtig für die Diagnose einer dissoziativen Störung sind die Symptome, über die der Betroffene dem Arzt/Therapeut im Erstgespräch (Anamnese) berichtet. Der Arzt/Therapeut kann auch gezielt Fragen stellen, zum Beispiel:

  • Fehlen Ihnen Erinnerungen an bestimmte Abschnitte Ihres Lebens?
  • Finden Sie sich manchmal an Orten wieder, ohne zu wissen, wie Sie dort hingekommen sind?
  • Haben Sie manchmal den Eindruck, etwas getan zu haben, an das Sie sich nicht erinnern können? Finden Sie beispielsweise Dinge in Ihrer Wohnung, von denen Sie nicht wissen, wie sie dorthin gekommen sind?
  • Haben Sie manchmal das Gefühl, eine völlig andere Person zu sein?

Hilfreich können auch Hintergrundfragen sein, etwa zur aktuellen Lebenssituation, zum familiären Hintergrund und zu möglichen psychischen Problemen in der Familie. Informationen von dritter Seite (z.B. frühere Arztbefunde, bei Minderjährigen: Berichte von Eltern und Lehrern) können die Diagnosefindung ebenfalls unterstützen.

Der Arzt/Therapeut kann im Anamnesegespräch auch auf spezielle Fragebögen oder vorgegebene Gesprächsleitfäden ("diagnostische Interviews") zurückgreifen.

Während des Gesprächs achtet der Arzt/Therapeut auf mögliche Anzeichen für eine dissoziative Störung beim Patienten. Häufige Erinnerungslücken, die ein Patient während der Besuche beim Therapeut/Arzt zeigt, können beispielsweise auf eine dissoziative Störung hinweisen.

Ausschluss organischer Ursachen

Eine dissoziative Störung kann nur dann diagnostiziert werden, wenn sich organische Ursachen für die Symptome ausschließen lassen. Denn Anzeichen wie Krampfanfälle, Bewegungsstörungen oder Störungen der Sinnesempfindung können beispielsweise auch durch Epilepsie, Migräne oder Hirntumoren ausgelöst werden.

Deshalb prüft der Arzt zum Beispiel die Seh-, Geruchs- und Geschmacksnerven sowie die Bewegungsabläufe und Reflexe des Patienten. In manchen Fällen werden zusätzlich mithilfe einer Computertomografie (CT) detaillierte Schnittbilder des Gehirns angefertigt.

Bei Minderjährigen sucht der Arzt unter anderem auch nach möglichen Anzeichen von Misshandlung oder Missbrauch.

Dissoziative Störung: Behandlung

Dissoziative Störungen werden im Rahmen einer Psychotherapie behandelt. Ziele beziehungsweise Inhalte der Behandlung sind eine Stabilisierung des Patienten, eine Verringerung der dissoziativen Symptome und die Bearbeitung von traumatischen Erlebnissen. Je nach Schweregrad, Dauer und Ausprägung der Symptome werden Patienten mit dissoziativen Störungen ambulant, teilstationär oder stationär behandelt.

Dissoziative Störung: Stabilisierung und Symptomreduktion

Zu Beginn der Therapie klärt der Therapeut den Patienten ausführlich über das Krankheitsbild der dissoziativen Störung auf. Selbst wenn der Patient nicht ansprechbar ist, informiert ihn der Therapeut über das Störungsbild. Psychotherapeuten bezeichnen diese Aufklärung als Psychoedukation.

Im weiteren Verlauf lernt der Patient, seine Gefühle bewusst wahrzunehmen und Spannungszustände rechtzeitig abzubauen. Um dissoziative Symptome zu reduzieren, erarbeitet der Therapeut mit dem Patienten Strategien, die ihm bei der Stressbewältigung helfen.

Außerdem lernt der Patient, Hinweise auf kommende dissoziative Symptome rechtzeitig zu bemerken und dagegen vorzugehen. Fällt der Patient dennoch in einen dissoziativen Zustand, bringt ihn der Therapeut mithilfe von Atem- und Gedankenübungen zurück. Es werden auch starke Gerüche oder laute Musik eingesetzt, um den Patienten wieder in die Realität zu holen.

Dissoziative Störung: Auseinandersetzung mit dem Trauma

Liegen traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit vor, werden sie in der Therapie bearbeitet. Sind sie für den Patienten stark belastend, achtet der Therapeut auf eine schrittweise Auseinandersetzung mit dem Thema, um den Betroffenen nicht zu überfordern. Damit Patienten während einer Traumabearbeitung nicht erneut in eine Dissoziation fallen, setzt der Therapeut verschiedene Techniken ein. Dazu soll der Betroffene zum Beispiel auf einer wackligen Unterlage stehen, während er von den Erinnerungen erzählt.

Um verborgene Erinnerungen (etwa bei einer dissoziativen Amnesie) an die Oberfläche zu holen, kann der Therapeut den Patienten hypnotisieren. Sobald ein Zugang zu den verschütteten Erinnerungen geschaffen ist, kann der Betroffene mithilfe des Therapeuten beginnen, das Trauma aufzuarbeiten.

Dissoziative Störungen der Bewegung, Empfindung oder Sensibilität

Menschen mit dissoziativen Bewegungsstörungen oder dissoziativen Empfindungs- oder Sensibilitätsstörungen suchen meist Hilfe bei einem Arzt und nicht bei einem Therapeuten, weil sie glauben, ihre Beschwerden seien körperlicher Natur. Viele wollen auch gar nicht damit konfrontiert werden, dass ihre Probleme möglicherweise psychisch bedingt sind, was eine Behandlung erschwert. Der Therapeut vermittelt dem Patienten, dass die Symptome real sind, auch wenn sie keine körperliche (organische) Ursache haben. Erst wenn der Patient davon überzeugt ist, kann die psychogene Ursache der Beschwerden im Rahmen einer Psychotherapie angepackt werden.

Dissoziative Störung: Krankheitsverlauf und Prognose

Häufig beginnt eine dissoziative Störung plötzlich, ausgelöst durch ein belastendes Ereignis. Nach einigen Wochen oder Monaten verschwinden die Symptome in der Regel wieder. In schweren Fällen leiden die Betroffenen aber ihr ganzes weiteres Leben an den Symptomen oder erleben immer wieder Rückfälle. Ein höheres Risiko für einen ungünstigen Verlauf haben Patienten, bei denen die dissoziative Störung schon seit langer Zeit unbehandelt besteht und die noch weitere psychische Störungen haben. 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Nina Buschek, Martina Feichter
Autor:
Julia Dobmeier
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

ICD-Codes:
F44
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Brunner, R. M: Dissoziative und Konversionsstörungen, Springer Verlag, 1. Auflage 2012
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Hogrefe Verlag, 9. Auflage 2019
  • Ermann, M.: Psychotherapie und Psychosomatik, Kohlhammer Verlag, 7. Auflage, 2020
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 11.08.2021)
  • Schneider, F.: Klinikmanual Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2016
  • Seidler, G. et al.: Handbuch der Psychotraumatologie, Klett-Cotta Verlag, 3. Auflage 2019
  • Vorderholzer, U. & Hohagen, F.: Therapie psychischer Erkrankungen, Elsevier Verlag, 16. Auflage, 2020
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